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Titel: The Displaced Truth Autor: Anna, annawoerner[at]gmx[dot]net Genre: Drama, Romantik Zeit: Grob
angesiedelt circa Ende fünfte, Anfang sechste Staffel. Charaktere: Buffy, Spike Inhalt:
Alle ihre Freunde sind tot, grauenhaft ermordet als sie nicht da war um sie
zu beschützen. Ein Jahr danach lebt Buffy unter falschem Namen im
abgeschiedenen Caracas, der Landeshauptstadt Venezuelas. Eines Abends trifft
sie auf einen alten Bekannten, doch bevor Buffy erkennt was Spike
ursprünglich in dieses Land getrieben hat, ist es bereits zu spät: Sie hat
sich verliebt. Teil(e): 13 Abgeschlossen: Ja Wörter: 25427 Warnung: Sehr düstere Fiction!
Charaktertod! Graphische Gewaltszenen, Sex und eine angedeutete
Vergewaltigung. |

Teil 1 - Vergangenheit
Ja, er hatte Recht gehabt. Es war ein Tanz. Eine schier
endlose Abfolge von Schlägen und Tritten. Zumindest in ihren Träumen.
"Du hast es doch gewusst. Die ganze verdammte Zeit
hast du es gewusst." Erdrückende Endgültigkeit lag in seiner Stimme, als
er langsam, Schritt für Schritt auf sie zukam. Stahlblaue Augen musterten sie
aus kühler Distanz, umkreisten sie wie ein weiteres wertloses Opfer. Doch beide
wussten, dass sie alles andere als das war. Diese Nacht würde beide für immer
verändern. Sie hatten sich stundenlang bekämpft. Seine Worte waren
schmerzhafter als seine Schläge.
Kühle Finger verstärkten den Druck um ihren Hals und sie
keuchte verzweifelt, den Blick immer zu ihm gerichtet.
Für einen Moment zweifelte er, als ihm sein Handeln
bewusst wurde, doch als er den angewiderten Ausdruck in ihren Augen sah fühlte
er, dass es keinen anderen Weg gab. Bevor auch der letzte Funken an Kraft aus
ihrem Körper gewichen war zog sie sich zitternd an den kalten Körper.
"Ich wollte es nicht wissen." röchelte sie und
ein wissendes Lächeln zog über seine blassen Lippen. Er ließ den leblosen
Körper vorsichtig auf den kalten Stein sinken, strich ihr ein letztes Mal über
die gebräunte Wange und küsste sie sanft auf die geöffneten Lippen.
"Leb wohl, Jägerin." Seine Schritte waren lang
und bedächtig als er durch die nebeldurchwanderte Gasse ging.
Sie schrak
auf, blickte verwirrt in den sternenklaren Himmel und lauschte dem Rauschen des
Meeres. Es war eine lauwarme Nacht. Das
silberne Schimmern des Mondes spiegelte sich auf den hohen Wellen, die sich
lautstark an den steilen Klippen der Bucht brachen. Das Wasser spülte den
weißen Sand für einige Sekunden an die Bucht und nahm ihn dann wieder in sich
auf.
Sie lag oft
bis spät in die Nacht draußen am Strand und starrte auf das Meer. Es gab viele
dieser ruhigen, bedächtigen Nächte in Venezuela. Das Haus stand inmitten einer
einsamen Bucht, weit entfernt von den Touristenstränden. Einsamkeit war seit
zwei Jahren das Einzige, das sie ertragen konnte.
Das noch
warme Wasser umspielte ihre nackten Füße und ließ den weichen Sand um ihre
Zehen treiben. Ihr blaues Sommerkleid wurde sanft vom Wind umspielt, während
sie sich mit ihren Händen im Sand abstützte und in Erinnerungen versank.
Es war ein
Freitag gewesen. Genauer gesagt der 14. März, irgendwann gegen einundzwanzig
Uhr Abends. Sie erinnerte sich als ob es gestern geschehen war. Die trübe Hitze
des vergangenen Tages hing noch immer wie ein weißer Schleier über den dunklen,
leeren Straßen von Sunnydale. Sie ging erschöpft über den Gehsteig, der nur
matt von den Straßenlaternen beleuchtet wurde. Während sie in ihrer linken Hand
nur eine braune Papiertüte mit der Aufschrift ‚Doublemeat
Palace’ hielt, umschlossen die Finger der rechten Hand einen langen, hölzernen
Pfahl.
Schon von
weitem erblickte sie den umgetretenen Briefkasten,
die aufgebrochene Haustür und die vielen zersplitterten Fenster. Die Tüte fiel
mit einem dumpfen Geräusch auf den warmen Asphalt, während ihre Schritte mit
unmenschlicher Geschwindigkeit über die Straße donnerten. Keuchend starrte sie
auf die blutverschmierten Wände und die zerbrochenen Möbelstücke.
Tränen fielen
ungehindert auf die braunen Holzdielen herab während sie sich haltsuchend gegen
die kalte Wand im Flur drückte. Der Pflock in ihrer Hand begann heftig zu
zittern als sie ihn stärker umgriff, dann jedoch einfach fallen ließ und
beobachtete wie er ein Stück von ihr weg rollte.
Dann sah sie
sie. Sie lagen einfach da. Stumm. Zwei Augenpaare blickten teilnahmslos an die
Decke.
Dawns Kopf
lag in einem unmöglichen Winkel zur Seite gedreht und sie blickte von Buffy weg
in Richtung Küche. Sie konnte Giles nicht erkennen. Das was von ihm übrig
geblieben war, war sein Jackett und die Schuhe.
Willow und
Tara fand man noch am selben Abend tot in ihrem Studentenzimmer. Ebenso Xander und
Anya, die am nächsten Morgen von einem Nachbar aufgefunden wurden.
Sie erinnerte
sich wie man ihr therapeutische Hilfe angeboten hatte. Doch sie lehnte ab. Sie
wusste dass ihr niemand helfen konnte. Für etwas Derartiges gab es keinen
Notfallplan. Ihr Lebenswille war
zusammen mit den anderen gestorben.
Die Palmen
wankten seicht im Wind während man immer noch entferntes Vogelgezwitscher hören
konnte. Sie ging langsam den steinigen Weg entlang, der zu ihrem Haus führte.
Vorbei an den weißen und blauen Clematisblüten, die zu dieser Jahreszeit
besonders schön blühten. Die alte Frau Tirado, von
der sie das Haus übernommen hatte, liebte diese Blumen und deshalb waren sie in
großen Massen in der kleinen Bucht zu finden. Es war das reine Paradies in
ihrer eigenen Hölle.
Giles hätte
sich sicher gefreut über das, was sie mit seinem Geld gekauft hatte. Er hatte
schließlich gewusst wie sehr sie das Meer liebte. Der Notar war unerwartet
vorbei gekommen. Einige Wochen danach. Er stand mit seinem grauen Lederkoffer vor
ihrem Hotelzimmer und grinste sie an. Grinste als ob das was er ihr zu sagen
hatte, alles andere wieder gut machen würde.
Woher Giles
das ganze Geld hatte wusste Buffy bis heute nicht und wahrscheinlich war es
besser sie würde nicht versuchen es herauszufinden. In der beigelegten
Videokassette hatte er davon gesprochen, wie sie das Geld für Dawns Studium
oder Sonstiges hätte ausgeben können, doch sie hatte niemanden mehr mit dem sie
es hätte teilen können. So hatte sie beschlossen ins Ausland zu ziehen - sich
vom Höllenschlund abzuwenden und neu zu beginnen.
Gähnend
schloss sie die Haustür auf, die sich daraufhin knarrend öffnete. Sie knipste
das Licht an und betrachtete lächelnd das Wohnzimmer, das ganz schlicht in weiß
gehalten war. Auch im Haus befanden sich viele Clematisblumen und einige
Topfpalmen, die bis an die Decke reichten. Schnell hing sie ihren Schlüssel an
den Hacken neben der dunkelbraunen Tür und zog ihre Sandalen aus.
Langsam stieg
sie die hölzernen Treppen in das obere Stockwerk hinauf und öffnete die
Balkontür in ihrem Schlafzimmer. Ihr Bett hatte weiße seidene Bettwäsche und
schwere, schneeweiße Vorhänge rundherum, die von der Decke auf den Boden
fielen. Mit geschlossenen Augen ging sie leise auf den Balkon, zuckte bei der
Kühle der Fliesen kurz zusammen und setzte sich dann seufzend auf den riesigen,
beigefarbenen Sessel. Nachdenklich blickte auf das tobende Meer und schlang die
Arme fest um ihren Oberkörper. Kopfschüttelnd versuchte sie ihre wirren
Gedanken loszuwerden und schlief nach einiger Zeit schließlich ein.
-
Sie spürte
die vielen, eifersüchtigen Blicke der Frauen auf ihrem Rücken, doch es störte
sie nicht weiter. Nein, eigentlich spornte es sie geradezu an sich noch
lasziver zum Rhythmus der Musik zu bewegen. Er grinste wissend und schloss sich
ihrem langsamen und provokativen Tempo an. Eng umschlungen bewegten sie sich
auf der Mitte der Tanzfläche, umringt von unzähligen Pärchen, die sie teilweise
eifersüchtig, teilweise ungläubig und kopfschüttelnd anstarrten. Doch das störte
sie nicht weiter. Sie war viel zu aufgedreht und neugierig was der Abend sonst
noch mit sich bringen würde. So presste sie sich noch etwas enger an ihren
fremden Tanzpartner und grinste breit in die empörte Menge.
Nach einigen
Minuten stoppte das Lied plötzlich und so schlängelten sie sich, Hand in Hand
zu einem Tisch abseits der Tanzfläche. Sie nahm ihr Glas in die Hand nippte an
ihrem Cocktail während sie dem Mann vor sich verführerisch zublinzelte.
"Und was
machen wir jetzt?" säuselte sie in sein Ohr und ihre langen roten
Fingernägel legten sich auf seinen rechten Oberschenkel.
"Schlag
was vor." grinste er ansatzweise und blickte amüsiert auf die vielen
tanzenden Menschen.
"Ich hab
ein wenig Hunger." lächelte sie und warf ihr langes, schwarzes Haar in den
Nacken.
"Oh, ich
auch." sagte er trocken und im nächsten Moment bohrten sich spitze, weiß
glänzende Fangzähne in die zarte Haut der keuchenden Frau. Gelbfunkelnde Augen
blickten begierig auf das dunkelrote, überschüssige Blut, das sich aus der
Wunde langsam über den zart gebräunten Rücken herabschlängelte. Kurz bevor auch
der letzte Tropfen des roten Saftes aus ihrem gebrechlichem Körper gewichen war
stoppte er und blickte sie kalt an. Ihre schockgeweiteten, blauen Augen
starrten ihn flehend an und die seichten Bahnen vereinzelter Tränen hatten
helle Striemen in ihr makelloses Gesicht gezogen. "Wieso?" Die Frage
brannte ihr auf der Zunge, schaffte es aber nur leise und abgehakt über ihre Lippen
zu treten.
Er blickte
sie mitleidig an und wandte seinen Mund sehr langsam zu ihrem Ohr "Porque puedo." (Weil ich es
kann.)
Mit einer
einzigen schnellen Bewegung warf er den leblosen Körper auf die rote
Eckbankbank. Während er aufstand, glättete er das schwarze Leder seines Mantels
und zog die halbleere Zigarettenschachtel aus der Seitentasche. Zufrieden
steckte er sich eine zwischen die Lippen, beobachtete wie das Feuer den Tabak
entflammte und schmiss den Zettel, auf dem ihre Telefonnummer stand, auf den
blutroten Tisch.
-
Schließlich
rissen sie die grellen Sonnenstrahlen der Morgensonne und die schwüle Hitze,
die sich bereits früh auf dem Balkon verbreitete, aus ihrem Schlaf. Gähnend
öffnete sie die Balkontür und streckte sich kurz der Sonne entgegen bevor sie
hinein ging. Ihr Bett lag unbenutzt zu ihrer rechten, als sie langsam ins
Badezimmer ging.
Nachdem sie
sich geduscht und ihr neues, weißes Kleid und eine schwarze Strickjacke
angezogen hatte schloss sie die Tür hinter sich und machte sich auf den Weg zu
der Garage, die einige Meter vom Haus entfernt lag.
Alle zwei bis
drei Wochen musste sie in die Hauptstadt fahren um Lebensmittel auf dem
wöchentlichen Markt einzukaufen. Ihr Gesicht verzog sich bei dem Gedanken. Sie
hasste es unter all diesen Menschen zu sein. Sie hatte sich an die Einsamkeit
gewöhnt, sie sogar schätzen gelernt.
Seufzend
stieg sie in ihr kleines schwarzes Cabrio ein und öffnete das Verdeck mit ein
paar Knopfdrücken. Dann startete sie den Motor und fuhr das Auto hinaus. Das
Tor zu ihrem Haus verriegelte sie wie gewohnt mit drei großen gusseisernen
Schlössern.
Die
Landstraße war an diesem Freitag gewohnt leer, nur vereinzelte Autos bahnten
sich ihren Weg über die hügelige Strecke statt die Autobahn zu nehmen. Der Wind
machte die brütende Hitze, die schon am frühen Mittag herrschte, wesentlich
erträglicher und Buffy blickte verloren in die Landschaft, die die Straße
umgab.
Etwa eine
halbe Stunde später hatte Buffy die Hauptstadt erreicht und die ersten Häuser
umgaben die Straße. Viele Autos fuhren nun auf der Straße, die von unzähligen
Palmen und sonstigen Bäumen umgeben war. Buffy stellte ihren Wagen in einer der
Nebenstraßen von Guaicaipuro ab und machte sich auf
den Weg zum hiesigen Markt.
Seufzend
stellte sie fest, dass es noch voller war als sie erwartet hatte und begann
sich genervt durch die Menge zu drängen. Die Stimmen der Marktschreier tönten
durch Megaphone über den kompletten Platz und vermischten sich mit den Stimmen
von hunderten Leuten die sich miteinander unterhielten.
Geschlagene
dreieinhalb Stunden musste sie sich durch die Menschenmassen drängen, bevor sie
alles hatte was sie wollte.
Als sie
fertig war lief sie durch die wesentlich leereren Straßen von Caracas auf dem
Weg zu ihrem Auto und genoss die vergleichsweise ruhige Atmosphäre. Sie blieb
vor einem abgelegenen Café stehen und beschloss schließlich sich kurz rein zu
setzen. Ihr Blick schweifte ein wenig herum.. ein Springbrunnen war in der Nähe
zu hören und Vögel flogen tief durch die Gassen. Es war so friedlich in diesem
Teil der Welt.. abgesehen von dem täglichen Tumult natürlich in der Stadt
schien ihr das Klima gut zu bekommen und sie konnte sich langsam mit dieser
südländischen Lebensart anfreunden.
Ihr Blick
fiel auf die Zeitung, die eine Frau am Nachbarstisch in der Hand hielt.
"Weitere Frau in Nachtlokal tot aufgefunden. Polizei schließt einen Mord
aus." Buffy zog ihre Augenbrauen ein wenig zusammen und begutachtete das
Bild. Die kleinen Wunden an ihrem Hals konnte sie selbst aus drei Meter
Entfernung erkennen. Die Polizei konnte sie unmöglich übersehen haben.
Unbewusst schüttelte sie den Kopf und blickte wieder auf ihren Tisch. Alte
Gewohnheiten vergingen nicht, aber sie war willens sich um solche
Angelegenheiten nicht mehr zu kümmern.
Seit dem Tod ihrer
Freunde erschien ihr alles so schrecklich sinnlos, das Leben hatte absolut
keinen Wert mehr. Manchmal stellte sie sich vor die die Welt um sie herum
zusammen brechen könnte, weil keine Jägerin es verhindern würde.
"So, was
kann ich dir bringen?" fragte der Kellner, sie blickte ihn jedoch nicht an
und bestellte lediglich einen Kaffee, während sie weiterhin verloren in die
Gegend blickte. Einige Pärchen gingen fröhlich lachend durch die Straßen und
alberten herum. Sie hatten alle keine Ahnung wie zerbrechlich ihr Glück war.
Sie wussten nichts von Vampiren, Dämonen und dass sie der vollkommenen
Zerstörung oftmals nur um ein Haar entkommen waren. Und.. Himmel, wie sehr sie
sich wünschte einer von ihnen sein zu können. Sie wollte die letzten sechs
Jahre aus ihrem Gedächtnis streichen, vergessen was ihren Freunden ihretwegen
passiert war. Sie wünschte sich sie hätte Willow nie angesprochen.. Hätte
Xander ignoriert und hätte ihr Schicksal alleine ertragen. So machten das
Jägerinnen. Sie schlossen keine Freundschaften.. doch sie.. sie war so
egoistisch gewesen, dass sie sie in diese Gefahr gebracht hatte.
Sie erinnerte
sich noch an den Tag an dem Angel bei ihr aufgetaucht war. Es musste einige
Tage nach dem Vierzehnten März gewesen sein.. vielleicht waren es auch ein paar
Wochen, sie erinnerte sich nicht mehr so genau. Er hatte sie sanft in die Arme
genommen und sie wie ein Baby hin und her gewogen. Es hatte gut getan ihn zu
spüren, wie er sie an sich drückte und einfach nur mit ihr geschwiegen hatte.
Worte waren in diesem Augenblick fehl am Platz. Er war viele, viele Tage
geblieben, hatte ihr gut zugeredet, sich um sie gekümmert und ihr sogar
angeboten mit nach Los Angeles zu kommen. Sie hatte abgelehnt.
"Willst
du noch etwas?" der Kellner riss sie aus ihren Gedanken und stellte,
freundlich lächelnd, die leere Tasse auf das hölzerne Tablett. Sie schüttelte
stumm Kopf und lächelte den jungen Mann freundlich an. Er musterte sie mit
hochgezogenen Augenbrauen, was Buffy etwas peinlich war und sie wandte ihren
Blick ab auf ihre Einkaufstüten. Schnell bezahlte sie das Getränk, gab ihm
etwas zu viel Trinkgeld und setzte rasch ihre dunkle Sonnenbrille auf. Dass der
Kellner ihr etwas hinterher rief, als sie um die Ecke bog ignorierte sie.
Teil 2 - Nachtleben
Die letzten
Strahlen der Abendsonne verschwanden hinter dem dunklen Hügel, den er schon
eine Weile aus dem Schatten beobachtete. Mit einem langen Schluck leerte er das
Glas, in dem nur noch eine dunkelrote Silhouette auf den Inhalt hinwies. Er
glättete langsam das schwarze Leder seines langen Mantels und wandte sich zu
der Frau, die ihn aus dem Hintergrund anstarrte.
"Vaya." sagte er nach ein paar Augenblicken tonlos und
zeigte mit einer kurzen Bewegung auf den Ausgang.
"Por supuesto." murmelte die
etwas dickliche kleine Frau und machte eine etwas ungelenkige Verbeugung, bevor
sie schnell zu der offenen, hohen Tür hinaus eilte. Ruhig betrachtete er die
bleiernen Vorhänge die steif auf den hölzernen Parkettboden fielen und die
frühen Sonnenstrahlen von ihm fernhielten. Wie verdammt einödig
dieses Leben doch geworden war.. Inzwischen versuchte die Polizei nicht mal
mehr die Wahrheit heraus zu finden. Alles war so einfach geworden. Für andere
seiner Art wäre dies wohl das Paradies.. doch für ihn war es eher das Gegenteil.
Gut - zwischendurch galt es einige Frauen aufzureißen und mit ihnen ein wenig
Spaß zu haben bevor er ihnen das Licht ausbließ, aber
das konnte man nach grob 130 Jahren nicht mehr wirklich als Herausforderung
sehen.
Sie.. sie war
wahrlich eine Herausforderung gewesen. Die ultimative Herausforderung, um genau
zu sein. Es hatte verdammt lange gedauert, bis er endlich verstanden hatte was er all die Jahre
falsch gemacht hatte. Doch letztendlich hatte er triumphiert. Er hatte sie
nicht getötet, das nicht. Aber er hatte sie besiegt.
Seine
Gedanken schweiften ein weiteres Mal zu jenem Freitag. Wenn er sich recht
erinnerte, war es Freitag der Vierzehnte März, irgendwann gegen 19 Uhr Abends
gewesen. Es war so kinderleicht... Er hatte sie ahnungslos erwischt, einen nach
dem anderen. Zuerst hatte er sich Harris und seine Freundin geschnappt. Alles
Flehen und Bitten hatte ihm nicht mehr geholfen. Das Blut spritzte nur so über
sein dämliches Hawaiihemd. Er hatte sie erledigt bevor sie überhaupt
realisierten was geschah. Es war befreiend gewesen, ein gottverdammtes
Kunstwerk.
Schließlich
besuchte er den Rotschopf und ihre Freundin. Das war am härtesten. Die Kleine
war als Hexe schon sehr ausgereift und zudem kam, dass sie fallweise nett zu
ihm gewesen war und er überhaupt nichts gegen sie hatte. Doch nun war er so
weit gegangen, dass er es beenden musste. Nachdem er ihr das Genick gebrochen
hatte, gab ihre kleine Freundin sämtlichen Widerstand auf und sie ergab sich
ihm.
Dann kam ihr
Wächter an die Reihe. Das erwies sich als relativ schwierig und er hatte einige
Zeit mit ihm zu kämpfen, kassierte einige Stichwunden und eine Ladung
Weihwasser, doch letztendlich tötete er auch ihn. Es stellte sich als recht
spaßig heraus ihn aufzuschlitzen und als kleine Überraschung für die Jägerin
verteilte er ihn im Wohnzimmer.
Die kleine
Schwester hatte er schnell erledigt. Auf eine Art und Weise hatte er sie
gemocht und wollte ihr so wenig Schmerzen wie möglich zubereiten. Natürlich
zählte es für sie nicht wirklich, doch war es in seiner Welt eine seltene
Auszeichnung die Opfer schnell zu töten.
Seine Muskeln
entspannten sich wieder und er schüttelte tief ausatmend den Kopf. Selbst nach
zwei Jahren musste er ständig an sie denken. Was wohl aus ihr geworden war? Er hatte
lange überlegt ob sie sich wohl umbringen würde, aber er glaubte nicht, dass
eine Jägerin wirklich Selbstmord begehen könnte. Beschützerin der Welt und der
ganze Mist.
Vielleicht
war sie in Sunnydale geblieben und hatte einfach weiter gemacht.. Oder sie
suchte den Mörder ihrer Freunde. Ob sie wohl wusste dass er es gewesen war? Ein
nachdenklich Lächeln stahl sich auf seine blassen Lippen... das würde ihn von
diesem endlosen Trott befreien. Er atmete lautstark aus und ging mit schnellen
Schritten auf die hohe Tür zu.
-
Inzwischen
war es schon früher Abend und Buffy war gerade mit dem Einräumen der
Lebensmittel fertig geworden. Seufzend streckte sie sich und schaute gähnend
auf die Uhr. Es war kurz vor siebzehn Uhr und sie überlegte schnaufend was sie
mit dem restlichen Tag noch anfangen wollte. Für gewöhnlich schwamm sie am
Abend ein wenig im Meer oder las eines der vielen Bücher die sie aus Giles
Sammlung mitgenommen hatte.
Seufzend nahm
sie ihre Handtasche und packte noch die restlichen Kleinigkeiten aus. Als sie
die Tür hinter sich abschließen wollte wurde sie etwas hektischer und
durchwühlte die Innentaschen. Ihr Geldbeutel fehlte.
Stöhnend ließ
Buffy sich auf den Sessel fallen und schlug ihren Kopf gequält gegen die Lehne.
Sie blickte etwas verloren auf die untergehende Sonne, richtete sich nach
einigen Minuten fluchend auf und ging zum Eingang um ihre Schuhe anzuziehen.
Sie musste den Geldbeutel in dem Straßenlokal verloren haben. Also startete sie
ein weiteres Mal ihren Wagen und fuhr schnell zurück in die Hauptstadt. Diesmal
nahm sie die Autobahn.
-
Die Musik
dröhnte durch die Gassen und das weiße Neonschild blinkte schwach auf die volle
Straße, auf der dutzende Teenager warteten hineingehen zu können. Der Mantel
wankte bei seinen schnellen Schritten, als er geradewegs auf das Abaco zuging.
Es war einer der beliebtesten Discotheken in der ganzen Stadt und
wahrscheinlich das einzige mit einem dämonischen Geschäftsführer. Der tote Frau
die heute das Titelblatt der Zeitungen zierte hielt niemanden davon ab hier
hinein zu wollen.
Spike
schlängelte sich durch die leicht bekleideten Mädchen und ging ohne Worte an
dem dunkelhäutigen Türsteher vorbei, der ihm nur kurz zunickte. Der Vampir
musterte die bunt beleuchtete Tanzfläche und die vielen Menschen, die sich
ausgelassen an den Sitzbänken unterhielten. Es war unglaublich... es war kaum
einen Tag her, seitdem sie das Mädchen tot gefunden hatten und trotzdem war der
Laden brummend voll. Sogar auf der Eckbank saßen bereits wieder Gäste. Als er
die dunkle Treppe herunter ging sah er gelangweilt auf die vielen Frauen, die
sich schlagartig zu ihm umdrehten und ihm ein verführerisches Lächeln
schenkten.
-
"Wenn du
heute Mittag nicht so schlagartig die Flucht ergriffen hätten, hättest du nicht
noch einmal herfahren müssen." Lächelnd drückte ihr der Kellner den
Geldbeutel in die Hand und musterte sie grinsend. "was allerdings schade
gewesen wäre." Er zwinkerte und beobachtete die abwesende Frau vor sich,
die nicht älter als 21 sein konnte und doch so aussah, als hätte ihr das Leben
bereits mehr zugemutet. Sie war unglaublich schön, man konnte es nicht anders
sagen. Ihre grünen Augen waren von einer Tiefe die ihn schaudern ließen und
ihre gebräunte Haut duftete wundervoll.
"Was
macht so eine hübsche Frau wie du an einem Freitagabend?" fragte er
glucksend und zum ersten Mal sah sie ihn tatsächlich an. Buffy fühlte sich
zunehmend unwohler in ihrer Haut, denn sie spürte die
durchdringenden Blicke auf ihrem Gesicht.
"Nach
Hause fahren." antwortete sie möglichst kühl, doch ihre zitternde Stimme
verriet sie und entlockte dem Kellner ein amüsiertes Seufzen.
"Das
kann doch nicht dein ernst sein." Er streckte seinen Arm zu ihr hin und
griff nach ihrer Hand als sie sie ihm gab "Ich bin Darren."
"Buffy."
antwortete sie und ließ sich schließlich dazu überreden noch nicht direkt
wieder zurück zu fahren. Wie von selbst folgte sie ihm, als er die Straße
herunter lief. Erst vor einer großen Tür, viele Straßen weiter blieben sie
stehen. Buffy sah ihn zweifelnd an und fragte sich gleichzeitig was sie
eigentlich hier machte. Das letzte was sie heute wollte war in eine Disco zu
gehen. Das war generell das Letzte, das sie je wieder machen wollte.
"Ich
kann nicht." stotterte sie als er erneut nach ihrer Hand griff. "Ich bin
nicht richtig angezogen für so was."
"Komm
schon, Buffy. Der Laden ist super." Er lächelte wieder und stupste sie
etwas an. "Außerdem siehst du super aus." er zwinkerte ihr zu und
fasste nochmals nach ihrem Arm. "Du siehst aus als hättest du schon lange
keinen richtigen Spaß mehr gehabt."
Buffy atmete
lautstark aus und sah sich beinahe panisch in der unvertrauten Gegend um.
Schließlich ging sie einige Schritte auf den Eingang zu und folgte Darren. Der
Türsteher sah sie zuerst skeptisch an, ließ sie aber, nachdem Darren kurz mit
ihm geredet hatte, in den Club hinein.
Der Geruch
von Rauch und Alkohol war beinahe unerträglich, so dass Buffy sich schützend
die Hand vor die Nase hielt. Sie kniff die Augen zusammen um in dem schummrigen
Raum etwas zu erkennen, der nur zeitweise von den blauen Scheinwerfern
beleuchtet wurde. An der Bar hingen viele weißrote Neonstäbe und Buffy konnte
drei gut gebaute Männer erkennen, die in Rekordzeit einen Drink nach dem
anderen in die hohen Gläser füllten. Darren lächelte als er ihren beeindruckten
Blick sah und stellte sich dicht hinter sie "An den Geruch gewöhnt man
sich auch."
Buffy brachte
zu ihrer eigenen Verwunderung ein leichtes Lächeln zustande und folgte dem
jungen Mann zu einem der vielen schwarzen Tische. Neugierig setzte sie sich auf
die lederne Sitzbank in der linken, hinteren Ecke der Disco und schaute Darren
hinterher, der noch etwas zu trinken holen wollte. Buffys Gedanken schweiften
zu dem letzten Besuch in Bronze. Alle waren mitgekommen, selbst Giles hatte sich
überreden lassen. Es war ein so ruhiger, ausgelassener Abend gewesen und es war
das erste Mal seit dem Tod ihrer Mutter, dass sie sich frei und unbeschwert
gefühlt hatte. Es sollte das letzte Mal sein.
Ihr Begleiter
schlängelte sich erneut durch die Menge und stellte zwei große Gläser auf den
runden Tisch "Cuba Libre, hoffe das geht in
Ordnung." sah er sie zweifelnd an und setzte sich, nachdem sie schnell
genickt hatte.
"Und,
Buffy...du bist Amerikanerin oder? Was machst du hier?" versuchte er etwas
nervös ein Gespräch zu starten seufzte innerlich als das Lächeln aus ihrem
Gesicht verschwand und sie ins Leere starrte.
"Uhm, tut mir leid, du musst mir natürlich nichts
erzählen." blickte er sie aus haselnussbraunen Augen versöhnlich an und
nippte kurz an seinem Drink.
"Schon
okay." murmelte sie und für einen Sekundenbruchteil sah er ein
schüchternes Lächeln über ihre Lippen ziehen. "Es ist kompliziert und..
schmerzhaft. Ich lebe nun hier." sie sah ihn nur flüchtig an und ließ dann
ihren Blick durch die tanzende Menge schweifen. Er nickte schnaubend und folgte
ihrem Blick. Die Musik wechselte von lautem Techno in
eine langsame, fließende Anreihung von Klängen und er überlegte kurz bevor er
die rechte Hand auf ihre legte.
"Willst
du tanzen?" fragte er nach einigen schweigenden Sekunden und beobachtete
fasziniert, wie sich ihre Gesichtszüge von erschrocken zu zweifelnd und
schließlich zu einem Lächeln formten. "Gerne." sie stand auf und
zwinkerte ihm zu.
Mühelos ging
sie durch die Menschenmenge und stoppte erst, als sie beinahe in der Mitte des
Raumes angekommen waren.
Träge
streckte Buffy ihre Hände in die Luft und ging auf den dunkelhaarigen Mann zu,
bis sie nur noch Zentimeter von einander entfernt waren. Erst stockend, dann
immer fließender bewegte sie sich zu der Musik und kam ihrem Tanzpartner
langsam näher. Sie schloss die Augen und warf ihre blonden Haare leicht zurück.
Darren blickte lächelnd zu ihr und begann schließlich sich mit ihr zu bewegen.
I am always waking
I am always shaking
I think I know this might not end
Can I dry the cold sweat
Get out of this mess
Gelangweilt
ließ er seinen Blick durch die tanzende Menge schweifen. Schließlich zog eine
schwarzhaarige Frau, die alleine zu der Musik tanzte seine Aufmerksamkeit auf sich.
Mit einem langen Schluck leerte der Vampir das kleine Glas und bewegte sich
starr auf die junge Frau zu.
"So
alleine hier?" säuselte er in ihr Ohr und beobachtete amüsiert wie sie
sich leicht geschockt umdrehte. Sie musterte ihn aufmerksam und blickte
fasziniert in diese seltsam eisblauen Augen.
"Sieht
so aus." antwortete sie grinsend und legte ihre Hände auf seinen schwarzen
Pullover bevor sie wieder begann sich zu bewegen. Trotz des schummrigen Lichts
konnte er erkennen, wie sich ihr geschmeidiger Körper perfekt zum Rhythmus der
Musik bewegte, so, als hätte sie in ihrem ganzen Leben noch nie etwas anderes
gemacht. Seine Hände fuhren über ihren Oberkörper und blieben schließlich auf
ihrer Hüfte liegen.
Er sah sie
durchdringend an, packte plötzlich ihre Handgelenke und erstickte das
aufkommende Keuchen mit einem Kuss. versenkte seine Zunge tief in ihrem
zitternden Mund. Er gluckste gegen ihre Lippen, als er ihre wohligen Seufzer
und den rasenden Herzschlag wahrnahm und beendete den Kuss ebenso plötzlich.
"Lass
uns tanzen." flüsterte er mit rauchiger Stimme und zog die Frau schnell an
sich.
Ease into a new box
Shoulder a new lot
It's gonna be a long time
Das Lied
verklang und Buffy blinzelte einige Male, da die Scheinwerfer jetzt in
unregelmäßigen Abständen über die Tanzfläche glitten.
"Sollen
wir zurückgehen?" fragte eine Stimme hinter ihr und sie drehte sich
verwirrt um, nickte aber, als sie Darren erkannte, der sie wartend ansah. Er
nahm sie fest bei der Hand und zog sie mit zu ihrem Platz wo er sich langsam in
die Ecke setzte. Buffy stand noch eine Weile bis sie sich neben ihn setzte und
ihn unsicher anlächelte.
Dead dreams dropping off the heart
Like leaves in a dry season
Die Musik wurde
immer intensiver und Spike passte sich dem langsamen, bedächtigen Tempo der
Frau an, die mit geschlossenen Augen an seiner Brust lehnte. Eine Hand
umschlossen mit festem Griff ihre schmale Hüfte, die Andere bahnte sich ihren
Weg über den entblößten Bauch bis hin zu ihrem zarten Hals, den er schnell von
den störenden Haaren befreite. Er begann langsam Küsse von ihrer Wange bis hin
zu ihrer Schulter zu verteilen und ließ sie lustvoll aufstöhnen. Ganz langsam,
fast liebevoll riss er eine winzige Schramme in ihren makellosen Hals, gerade
so tief dass sie es nicht merkte. Seine Lippen umschlossen die Wunde und
saugten begierig an der blutenden Stelle. In kleinen Mengen strömte es in
seinen Mund, seine Kehle herunter und ließ ihn immer unvorsichtiger werden.
Die Frau
keuchte einmal schmerzvoll und versuchte zu sehen was der blonde Mann tat.
Spike ließ mit gesenktem Blick von der blutenden Wunde ab und starrte sie
plötzlich mit gelb funkelnden Augen an. Sie begann zu schreien, was er aber im
nächsten Moment durch einen brutalen Kuss erstickte. Blut floss aus ihrem Mund,
über ihr weißes Kleid bis hin auf den schwarzen Boden. Ihre Hände hämmerten
verzweifelt gegen seine Brust und versuchten sich von ihm wegstoßen, doch er
hatte ihre Hüfte fest umklammert, ließ ihr kein Chance zu entkommen.
Rolls off the tongue like a setting sun
You should have heard what I heard
Sie hatte es
bereits gespürt als sie den Raum betreten hatte Ihre Instinkte schärften sich
automatisch, völlig ohne ihr Zutun, aus reiner Gewohnheit und wurden von der
beunruhigenden Gewissheit durchtränkt, dass sie nichts tun würde. Sie saß wie
gelähmt auf dem schwarzen Leder und starrte in die Dunkelheit die den Raum
umgab. Darren redete schon seit einigen Minuten wie verrückt auf sie ein,
rüttelte sie an den Schultern - doch sie schien wie weggetreten, hatte ihren
Blick starr auf die Tanzfläche gerichtet.
A shriek a syllable a sleight of hand
Surely things will change now
Der letzte
verzweifelte Schlag traf seinen Körper bevor er von ihrem geschundenen Mund
abließ und den leblosen Körper unbekümmert auf die Arme nahm. Er ging in
Richtung Hinterzimmer, wo sich die andere Art an Gästen vergnügte. Er schloss
die Tür hinter sich und schmiss den blassen Körper achtlos in die Ecke des
kleinen Raumes. Ein großer Mann mit langem braunen Bart kam auf ihn zu und
stellte sich neben den Vampir.
"Spike."
er klopfte ihm fest auf die Schulter und wandte sich wieder zu den anderen
Personen die um den runden Tisch saßen. Eine Frau erhob sich und lächelte den
Vampir überrascht an.
"Driana." flüsterte er und ging schnell auf die zarte
Person vor sich zu "Verdammt lange her." grinste er zufrieden und
strich sanft über den Rücken der Schlange, die auf den Schultern der Frau lag.
"Ich
hatte zu tun." lächelte sie und strich kaum merkbar über seine blassen
Lippen.
"Hmhm ich hab davon gelesen. Bleibst du länger hier?"
Sie nickte
und fuhr mit ihrem langen, schwarz lackierten Nagel die Konturen seiner
gemeißelten Wangenknochen nach. Ihre Finger wanderten zu seinen blonden Locken
und fuhren langsam durch diese "Stimmt es, was ich gehört habe?"
Er wusste was
sie meinte und bestätigte ihre Frage mit einem einzigen, klaren Blick. Sie sah
ihn für einige Sekunden beinahe mitleidig an, ersetzte ihren Blick jedoch schnell
durch ein amüsantes Lächeln. "Dann hat Drusilla dich also verlassen."
Er musterte
sie genau und bemerkte dass sie sich so gar nicht verändert hatte. Drusilla und
er hatten sie 1977 in New York kennen gelernt. Seine dunkle Königin hatte sich
einen Säugling zum Geburtstag gewünscht und er wusste, wenn sie nicht bekam was
sie wollte würde sie ihn das wochenlang spüren lassen. Er selbst hatte niemals
etwas für Kleinkinder übrig gehabt, das war mehr Angels
Schiene. Er hasste es wenn seine Opfer sich nicht wehren konnten.
Jedenfalls
war Driana ihm zuvor gekommen. Die Babystation war
geradezu mit Blut überströmt und leblose Leichen von Schwestern und
Neugeborenen lagen achtlos auf dem Boden. Ihre Art hatte eine Schwäche für
junges Fleisch.
"Du hast
die Jägerin getötet?" fragte sie ihn und legte zwei ihrer langen
Fingernägel auf seinen Hals. Sie ging etwas näher an ihn heran, presste ihren
Körper an seinen und drängt ihn so in Richtung Wand. Er hob sie kurzerhand hoch
und begutachtete sie. Er liebte diese Art von Begrüßung.
"So in
etwa." murmelte er und erwiderte ihren Blick, als er sich an dem Schnürtop
zu schaffen machte. Es war blutrot mit einem tiefen Dekolleté und hinten
zusammen gebunden. "Hab ihre Familie und Freunde getötet."
"Du hast
sie am Leben gelassen?" keuchte sie und fuhr über seinen kalten Rücken. Er
ließ nachdenklich von ihr ab und setzte sie wieder auf dem Boden ab "Warum
interessiert dich das so?" Er sah sie wartend an und hob neugierig seine
Augenbraue.
"Man
munkelt nur du könntest es nicht." grinste sie überlegen "Du hättest
Mitleid mit ihr." Er ließ nun völlig von ihr ab und starrte sie wütend an
"Nimm das zurück." zischte er ernst und kam bedrohlich zwei Schritte
auf sie zu.
"Spike."
kicherte sie und es erinnerte ihn tatsächlich irgendwie an Drusilla. "Wir
beide wissen, dass du mir nie etwas antun könntest, geschweige denn mich töten
würdest."
"Täusch
dich mal nicht." lächelte er kalt und stieß sie halbherzig gegen die Wand.
Sie keuchte überrascht und wischte mit einem Finger über den Mund. Sie lächelte
und schüttelte gleichzeitig ihren Kopf, während sie aufstand und sich dicht vor
den Vampir stellte. "War schön dich wieder zu sehen Spike." sie
drehte sich um und setzte sich langsam zu einem stierähnlichen Dämon auf das Sofa.
Spike seufzte einmal tief und ging mit hängenden Schultern zur Tür....
verdammt, was war da nur wieder mit ihm durchgegangen.
Vorsichtig
schloss er die Tür hinter sich. Musste schließlich nicht jeder mitkriegen, dass
sich in diesem Laden die Highsociety der Dämonenwelt traf und diese
gelegentlich ein paar von den Gästen verspeiste. Genervt schubste er einige
Mädchen zur Seite, die ihm auf dem Weg zur Bar im Weg standen "Bloody
Hell!" stöhnte er und setzte sich auf einen der hohen Stühle vor der
Theke.
"Wie
immer." murmelte er zu dem Kellner, der sich sofort zu ihm gewandt hatte.
Seufzend legte er seinen Kopf in die Hände und dachte an die vergangenen
Monate... das Dasein hatte wirklich jeglichen Sinn verloren. Er hatte, seit er
noch ein Jungvampir war, die Herausforderung gesucht. Doch seit hier in
Venezuela war gab es nichts mehr um das er kämpfen konnte.
"Hier."
der Kellner platzierte ein Glas Whiskey direkt vor den Händen des Vampirs und
stellte die Flasche gleich daneben.
"Danke."
murmelte er und griff das Glas, um es sofort mit einem Schluck zu leeren.
"Schlechter
Tag, was?" lächelte der Kellner, der gerade dabei war einen Cocktail für
einen dunkelhaarigen Typen neben Spike zu mixen.
"Verpiss
dich!" fluchte er und drehte sich auf dem Hocker so, dass er in die
tanzende Menge blicken konnte. Wo waren die Kneipenschlägereien wenn man sie
brauchte.
A whirlwind among breezes
Doing what he pleases, again
"Alles
okay?" flüsterte Darren, der Buffy besorgt anstarrte, als er ihr den Cocktail
hinstellte den er geholt hatte.
"Was?"
sie schüttelte ungläubig den Kopf und fasste sich stöhnend an die Stirn
"Ich hab ein wenig Kopfschmerzen. Ich würde glaub ich lieber gehen, tut
mir leid." lächelte sie und stand auf ohne auf seine Antwort zu warten.
"In
Ordnung. Soll ich dich noch zum Auto bringen?" fragte er freundlich und
stand ebenfalls auf.
"Ah...
nein, geht schon." sie fasste noch kurz nach seiner Hand und drückte diese
schüchtern "Danke für den schönen Abend." damit drehte sie sich weg
und ließ Darren zurück, der es nicht wagte nach ihrer Telefonnummer zu fragen
und ihr nur verdattert hinterher sah.
Teil 3 - Begegnungen
Er konnte sie
jetzt spüren. Ungläubig blickte er sich in der Menge um. verdammt, das konnte
nicht wahr sein. Er wusste nicht ob er sich freuen sollte oder abhauen. Wenn
sie es wusste würde sie ihn verbissen bekämpfen.
Alle seine
Sinne waren bis aufs Äußerste geschärft und er konnte förmlich das süße
Jägerinnenblut durch ihre Adern rauschen hören. Er stand schnell auf und
bewegte sich auf den Ausgang zu. Er kam ihr immer näher, konnte sie jedoch
nicht sehen... was bei der Ansammlung an Menschen nicht wirklich verwunderlich
war. Adrenalin schoss durch seinen Körper. Er ging mit schnellen Schritten auf
das weiße Neonschild, das mit "EXIT" beschriftet war zu.
Ob sie seine
Spuren wohl bis nach Venezuela verfolgt hatte? Plötzlich sah er sie. Es kam
unerwartet. Er taumelte und blieb stehen. Zwei Jahre war es her und sie sah
unglaublich gut aus. Sie hatte ein knielanges, weißes Kleid an und verdammt
lange, gebräunte Beine.
Langsam löste
er sich aus seiner Erstarrung und folgte ihr, da sie bereits aus dem Club
gegangen war. Die frische Nachtluft strömte ihr entgegen und sie atmete sie
sogleich tief ein und streckte ihre Arme träge dem klaren Nachthimmel entgegen.
Mit langsamen Schritten ging sie die schwach beleuchtete Straße entlang. Sie
hörte die schwachen Schritte, die ihr gemächlich folgten und öffnete ruhig ihre
Handtasche, in der sie immer einen Dolch und einen Pflock hatte.
Sie blieb
ruckartig stehen und lauschte unbehaglich den Schritten die nur
Sekundenbruchteile später ebenfalls verstummten. Sie entschied sich für den
Pflock, hing ihre Handtasche wieder über ihre rechte Schulter und ging langsam
weiter.
Er beobachtete
sie aus sicherer Entfernung und doch wusste er dass sie ihn längst bemerkt
hatte. Ein dauerhaftes Lächeln umspielte seine Lippen. Ihre Haare waren lang
geworden und ihre Haut hatte eine warme, bronzene Farbe angenommen. sie schien
schon länger in Venezuela zu sein.
Sie blieb
erneut stehen und er dachte daran sich zu verstecken, doch warum eigentlich.
Wenn sie einen Kampf wollte, dann sollte sie ihn bekommen. Angst hatte er
bestimmt keine vor ihr, Jägerin hin oder her.
Sie kniff
einige Male die Augen zusammen, als sie ihn unter der Straßenlaterne stehen
sah. Er war mit Abstand der Letzte den sie angenommen hatte zu treffen und
unbewusst hielt sie sich den Handrücken vor den Mund. Als er nach dem
gescheiterten Versuch den Chip entfernen zu lassen verschwunden war, hatte sie
angenommen ihn nie wieder zu sehen. Und dann trafen sie sich ausgerechnet hier
wieder.
"Spike."
sagte sie erstaunter als sie gewollt hatte und versuchte sich wieder
einigermaßen in den Griff zu kriegen.
"Summers."
antwortete er misstrauisch und ballte ungewollt seine Fäuste. Buffy
begutachtete Spike nun etwas genauer. Sie musste zugeben, dass er gut aussah.
Er hatte einen eng anliegenden Pullover an, der seine Bauchmuskeln stark
betonte und eine beige Jeans.
"Was zum
Geier machst du hier, Spike?" fragte sie genervt und ging einige Schritte
auf den Vampir zu. Spike atmete innerlich teilweise erleichtert, teilweise
enttäuscht aus und kniff die Augen leicht zusammen.
"Zur
Hölle ich wohne hier, was machst du hier?" er hatte seinen Blick starr zu
ihr gerichtet und ging nun ebenfalls einige Schritte auf sie zu. Erst jetzt
bemerkte er den Pflock in ihrer Hand und blieb stehen.
"Ich
lebe hier." sagte sie leise und erwiderte seinen Blick. Er hatte die
Wandlung ihrer Gesichtskonturen interessiert beobachtet und ersparte es sich
nach dem Grund zu fragen.
"Wirklich."
stellte er kühl fest und kam wiederholt einige Schritte auf die blonde Frau zu.
Mit einem fragenden Blick deutete er auf das Holz in ihrer Hand "Willst du
den benutzen?!"
Sie seufzte
genervt, ließ jedoch gleichzeitig den Pflock unruhig durch ihre Finger gleiten
"Kommt darauf an."
Er überlegte
einige Sekunden bevor er sich schnell auf sie zu bewegte und nur wenige
Zentimeter vor ihrem Gesicht stehen blieb.
"Auf
was, Jägerin." hauchte er mit rauchiger Stimme und grinste sie dreckig an.
Buffy ging vorsichtig einige Schritte rückwärts und sah den Vampir vor sich
desinteressiert an.
"Hör zu
Spike. Vergessen wir das hier einfach." sagte sie mit fester Stimme und
drehte sich um.
Spike
schüttelte ungläubig den Kopf und folgte der Jägerin, die bereits einige Meter
von ihm weg gelaufen war "Hey was soll das?"
Buffy blieb
stehen und atmete genervt aus "Spike, die Zeitung spricht für sich. Mir
ist es egal." Dann lief sie weiter. Er schaute ihr noch ein Weile
fassungslos hinterher, bevor sie komplett aus seinem Blickfeld verschwunden
war.
-
Buffy irrte
ziellos in den dunklen Gassen umher. verdammt, gab es in Venezuela keine Straßenschilder?
Wer träumte nicht davon sich um zwei Uhr Nachts mitten im Nirgendwo einer
fremden Hauptstadt zu verirren.
Sie blieb
seufzend stehen und blickte sich verloren um. "Verdammt noch mal."
murmelte sie und drehte sich einmal orientierungslos um die eigene Achse.
Plötzlich packte jemand grob ihre Hände und drückte diese fest an ihren Rücken.
"So ein
schönes Mädchen wie du sollte nicht in so einer Gegend sein." flüsterte
selbiger bedrohlich in ihr rechtes Ohr und presste sie plötzlich mit seinem ganzen
Gewicht gegen die kalte Wand. Jedoch konnte Buffy sich mit einigen gezielten
Schlägen schnell von dem Mann lösen, der ihr jetzt gegenüber stand.
"So mag ichs am liebsten." grinste dieser dreckig und setzte,
während er ganz langsam auf sie zu kam sein Gameface
auf. Buffy blieb stehen und sah den Vampir vor sich gelangweilt an. "Hör
zu, du solltest das wirklich lassen."
Der Vampir
lachte kurz auf und stürzte sich im nächsten Moment überraschend auf Buffy, die
diesen plötzlichen Angriff nicht erwartet hatte. Er drehte ihre Arme hinter
ihren Rücken und warf mit der anderen Hand die blonden Haare von ihrem Hals.
Buffy überlegte einen Moment nach Hilfe zu schreien, doch sie würde niemand
hören. Sie versuchte seinen Griff zu lösen indem sie sich hin und her schmiss,
aber er hielt sie und ließ ihr keine Möglichkeit sich mit den Beinen zu
befreien. Nach einigen halbherzigen Versuchen wurde ihr Widerstand weniger und
Buffy blickte ihn mit leeren Augen an. Ihr Wille zu leben war wirklich nicht
mehr sonderlich stark.
"Ich
frag mich wie du schmeckst." höhnte der Vampir bevor er seine Zähne bläkte und seinem Kopf zu ihrem Hals senkte.
Er rannte so
schnell er konnte auf die beiden zu und riss ihn mit einem Fluch auf den Lippen
von ihr herunter. Mit einigen gezielten Schlägen streckte er den Vampir mühelos
zu Boden und begegnete seinem verständnislosen Blick.
"Verdammt
Kumpel such dir deine Eigene." schrie er und trat Spike von sich herunter.
Selbiger drehte sich herum und nahm den Pflock, der direkt neben Buffy lag in
die Hand.
"Die
hier gehört mir." brüllte Spike und kam wütend auf den Vampir zu während
seine Augen gelb und die Stirn furchig wurde.
"Hey,
schon gut." schnaubte dieser beschwichtigend und raffte sich auf, um im
nächsten Moment so schnell er konnte wieder hineinzugehen.
Spike legte
sein Gameface ab und schaute sich orientierungslos in
der nebeldurchwanderten Gegend um. Fassungslos blickte er zu Buffy herab, die
mit völlig leerem Blick zur Seite starrte.
"Was zur
Hölle sollte das?" raunte er und trat vorsichtig mit seinem rechten Fuß in
ihre Seite. Nachdem sie keine Reaktion zeigte, seufzte er augenrollend
und bückte sich zu der regungslosen Frau herunter. Er stupste mit seinem
Zeigefinger gegen ihre Stirn und begann schließlich damit sie kräftig zu rütteln
"Komm schon, was soll der Scheiß."
"Lass
mich in Ruhe." flüsterte sie mit dürrer Stimme und drehte ihren Kopf zur
Seite. Spike starrte die junge Frau ungläubig an und ihr ausdruckloses Profil
verstörte ihn beinahe so sehr wie ihre leeren, grünen Augen, die ein gläsernes
Schimmern umgab.
"Damit
dich nach all den Jahren irgend so ein Flachwichser kalt macht." stellte
er sachlich fest und kramte in seiner Manteltasche nach der Schachtel
Zigaretten, aus der er wartend eine herauszog und diese genüsslich anzündete.
Er ließ sich an die kühle Wand hinter sich fallen und zog einige Male an dem
glimmenden Stängel.
Teilnahmslos
beobachtete er wie sie sich schluchzend zusammenrollte und den Tränen freien
Lauf ließ. Nachdenklich lächelte er in den klaren Sternenhimmel und verwischte
damit die Konturen seiner gemeißelten Wangenknochen.
"Heulen
bringt dir auch nicht viel." Seine Stimme klang gleichgültig und
abgestumpft. Die kühle Teilnahmslosigkeit eines Mörders der sein nächstes Opfer
aus einigen Metern entfernt beobachtete.
"Verschwinde
endlich." schrie sie mit tränenerstickter Stimme und setzte sich langsam
auf.
"Was
denn?" grinste Spike und schnippte seine Zigarette zur Seite "Ich
meine, da treff’ ich dich nach all den Jahren endlich
mal ohne deine Pseudogang und du denkst ich werde einfach abhauen? Wie dumm
bist du eigentlich."
Buffy atmete
schnell und starrte ihn zweifelnd an "Hör zu Spike, wenn du mir irgendwas
sagen willst dann tu es jetzt."
"Summers."
lachte Spike bitter und umkreiste Buffy langsam "Hier geht es nicht um
etwas, dass ich dir sagen will. Hier geht es um etwas, dass du nicht hören
willst."
"Und was
wäre das?" schnaubte sie und richtete sich stöhnend auf.
"Ganz
einfach, Liebes. Du kommst alleine nicht klar." grinste er drückte sie
wieder auf den Boden.
"Du bist
ohne deine kleinen Freunde gar nichts!" höhnte er drehte sie mit seinem
Fuß grob zur Seite. Buffy sah nur mit weit entferntem Blick auf den unebenen
Asphalt. Seine kalte Stimme verlor sich in Erinnerungen und unüberhörbarer
Spott stahl sich in seine Worte, als er genüsslich fortfuhr.
"Du hast
auch damals nur überlebt, weil immer deine kleinen Freunde da waren, die dich
beschützt haben. Deine gottverdammten Vorgängerinnen waren alleine stark, du
warst dagegen schon immer schwach. Du standest nie über mir und jetzt kann ich
es endlich zu Ende bringen."
Er packte
grob die Träger ihres weißen Kleides und schleuderte sie schnell auf den
Rücken, bevor er sich langsam über sie beugte. "Endlich.." schnaubte
er trocken, während er sich langsam über sie beugte.
Buffy wandte
ihren Blick von dem blonden Vampir über sich ab und starrte in den dunklen
Himmel. Sie atmete tief die kühle Luft ein und stieß sie im nächsten Augenblick
ruhig wieder aus. Sie lächelte ein wenig und dachte an die wenigen, glücklichen
Momente in ihrem kurzen Leben. Die Nacht mit Angel, die so tragisch endete..
Die vielen Videoabende mit ihrer Mom.. Die nervenden
Nachhilfestunden mit Willow oder ihr Abschlussball.. Riley.. Wie streitsüchtig,
kindisch und doch.. liebenswert Dawn gewesen war.. Giles, der mit den Jahren
wie ein Vater für sie wurde.
Doch, sie
hatte viel gehabt wofür sie dankbar sein konnte.. Ob wohl jede Jägerin diese
Ruhe empfand bevor sie starb? Tränen rollten seicht ihre warme Wange hinab und
rannen auf den grauen Bordstein, hinab in den schwarzen Gulli.
Sie könnte sich natürlich wehren, aber etwas in ihr hielt sie davon ab.
Take me away from this bad place
I'm sick and tired of trying
And I wanna fly away
I guess we got our wires crossed
Nothing's gonna save
us now
And I wanna fly away
Spike fuhr
davon unbekümmert seine Vampirfratze aus und senkte seinen Kopf langsam zu
ihrem Hals herab. Seine gelben Augen richteten sich sehnsüchtig auf diesen
heißen pulsierenden Hals, den sie ihm so einladend anbot.
Es war so
verflucht einfach. Er müsste nur seine Zähne in sie bohren und sie bis auf den
letzten verdammten Tropfen aussaugen. Das Rauschen ihres süßen Blutes und ihr
rasender Herzschlag dröhnte wie tausend summende Bienen in seinem Schädel und
er fasste sich stöhnend an die Stirn. Sie wehrte sich nicht einmal. Schnaubend
wich er von ihrem Hals und blickte erstarrt in ihre Augen, die ihn fragend,
wartend ansahen.
Teil 4 - Überzeugung
"Nicht
so..." murmelte er zu sich selbst und schüttelte sein Gameface
lächelnd ab. "So wird es nicht zu
Ende gehen, Summers. Nicht mir dir. Ich möchte mir dir kämpfen, ein letzter
Tanz. Morgen Nacht."
Er glättete
das Leder seines Mantels und starrte in ihr Gesicht. Er zögerte einige schier
endlos lange Sekunden bevor er seine Lippen brutal auf ihre drückte und dort
einige Momente verharrte bevor er sich aufrichtete. "Bis morgen
Täubchen." rief er noch, bevor er um die nächste Ecke bog und im Dunklen
verschwand.
Buffy stieß keuchend den angehaltenen Atem aus
und schlang ihre Arme zitternd um ihre Knie. Die Tränen liefen erneut die
vorgezeichneten Bahnen auf ihrer Wange entlang und versammelten sich zu einer
stummen Pfütze neben ihrem Kopf. Sie lag still auf dem grauen Asphalt und
starrte teilnahmslos auf die Backsteinmauer an der anderen Straßenseite, vor
der eine, mit Graffiti besprühte, Holzbank stand. Der Tod war so nah gewesen.
Eine Tür in
der Nähe wurde aufgerissen und Buffy konnte durch den nebligen Schleier erkennen
wie zwei Männer wütend aufeinander einschlugen. Ein junges Mädchen versuchte
einige Male dazwischen zugehen, doch wurde sie jedes Mal von einem der Beiden
zurückgeschubst. Sie brüllten sich lautstark an und die Fäuste flogen
sekündlich. Buffy stellte nach einigen Sekunden verwirrt fest, dass sie bereits
auf ihren Beinen stand und im Begriff war, diesen Streit zu beenden. Jedoch
zuckte eine seltsam vertraute Starre durch ihren Körper als sie nur noch wenige
Meter vor dem Geschehen stand.
Nein, sie
konnte nicht. Noch nicht. Buffy blinzelte einige Male, jetzt wo sie sich dem
Tod beinahe hingegeben hätte merkte sie.. etwas hielt sie hier. Sie wollte
nicht, dass es vorbei war. Es war nicht nur ihre Aufgabe die sie auf dieser
Welt hielt, sondern auch der Wunsch zu leben, zu lieben, zu hassen, zu kämpfen.
Sie wollte weinen, schreien und tanzen. Morgen war es soweit.
Ein Lächeln
stahl sich vorsichtig auf ihre Lippen, als sie langsam einige Schritte
rückwärts ging. Die Gasse war dumpf beleuchtet und der Nebel lag tief auf der
steinigen Straße. Buffy schlang zitternd die Arme um sich und ging Richtung
Auto.
-
"Ich
hatte sie mir anders vorgestellt." murmelte die Frau und spähte mit gelb
funkelnden Augen zu der zierlichen Frau die langsam um die Ecke lief.
"Irgendwie stärker." Ihre Fingerspitzen glitten über den glatten
Rücken der Schlange die immer noch um ihren Hals lag.
"Du
kannst ihre Kraft nicht mal annähernd einschätzen." lächelte der Mann
neben ihr und strich ihr eine schwarze Strähne hinter ihr Ohr.
"Könnte
spaßig werden." kicherte sie und starrte ihren Gegenüber interessiert an.
Er lächelte. Was hätte er auch anderes machen können. Sie wusste welche Wirkung
sie auf ihn hatte, und sie verstand es selbiges verdammt gut auszuspielen.
Natürlich missfiel es ihm, als einem der stärksten Dämonen Venezuelas so stark
von einer so undurchsichtigen Frau abhängig zu sein.. aber verflucht, was
sollte er schon tun?
"Besuchen
wir ihn also morgen, ja?" hauchte sie verführerisch gegen seine Lippen und
strich mit ihren rot lackierten Fingernägel mit festem Druck über seine Brust.
Er nickte und
blickte zweifelnd zu dem blonden Vampir, der nur einige Häuser weiter an einer
Hauswand lehnte und nachdenklich auf seine angezündete Zigarette starrte.
"Ja, besuchen wir ihn morgen." er seufzte und beobachtete wie Spike
im Hintergrund wütend gegen einen Abfalleimer trat und selbigen einige Sekunden
später schreiend gegen die Wand warf. "Wir dürfen ihn nicht unterschätzen.
Er ist im letzten Jahr sehr stark geworden."
"Er ist
auch nur einer dieser räudigen Vampire." schnaubte sie verächtlich und
folgte gelangweilt der Linie seines Blickes. "Ich kenne ihn."
Ein warmes
Lächeln stahl sich auf seine blauen Lippen. Ja, manchmal konnte sie sogar
richtig naiv sein. Spike, nun er war wohl alles andere als ein räudiger Vampir.
Viele Monate kannte er diesen Mann nun schon und er faszinierte ihn jede
Sekunde. Nach außen hin war er arrogant, kalt und wohl einer der brutalsten
Dämonen, die er je kennen gelernt hatte.
Aber, so viel
Schmerz waren in diese eisblauen Augen gemeißelt. Sie sollte es wissen, sie
kannte ihn ja.
-
Wütend
knallte er die große Eingangstür hinter sich zu und schlug auf den
Lichtschalter zu seiner Linken. Mit nachdenklichem Blick betrachtete er den
Eingangsbereich, der komplett in schwarz gehalten war und lauschte mit
geschlossenen Augen der Musik, die sich automatisch in den Gängen verteilte.
Kraftlos ließ
er sich auf die dunklen Fliesen sinken und legte den Kopf auf seine Hände. Ein
verzweifelter Aufschrei hallte als abgestumpftes Echo durch die riesige Villa,
als Spike seine Faust in die weiße Wand zu seiner Rechten gestoßen hatte.
"Sir,
sie sind schon wieder zurück?" flüsterte die dickliche Haushilfe aus dem
Hintergrund und schritt langsam auf den Mann zu. Bevor sie jedoch bei ihm
angekommen war richtete sich der Vampir bereits wieder auf und ging zu einem
der dunklen Gänge.
"Hören
sie." stoppte er in seiner Bewegung, sah sich jedoch nicht um, und die
Frau wunderte sich wie ruhig und ernst seine Stimme plötzlich klang. "Sie sind
entlassen." führte er weiter fort und in seiner Stimme schwang eine Spur
Bitterkeit mit.
"Ich
denke nicht, dass ich noch lange hier bleiben werde." er drehte sich
langsam zu der Angestellten um und lächelte sie beinahe traurig an "So,
oder so."
"Nehmen
sie sich was sie wollen, Geld spielt keine Rolle." die Frau betrachtete
den Mann, der den Anschein machte als hätte ihm jemand in einer Nacht
sämtlichen Lebenswillen geraubt und fragte sich was mit dem Monster, für das
sie seit Monaten arbeitete, passiert war.
"Und
jetzt hauen sie gefälligst ab, bevor ich es mir anders überlege und sie
verflucht noch mal aussauge!" brüllte er plötzlich wütend und schmiss eine
der braunen, antiken Vasen, die im Gang standen, auf den Boden.
Die Frau yapste erschrocken nach Luft und rannte schnell in den
Nebenraum, aus dem sie gekommen war. Spike blieb wie versteinert in dem dunklen
Gang stehen und betrachtete mit nachdenklichem Blick die Bilder vor sich. Im
Bruchteil einer Sekunde veränderte sich sein Gesicht, ein kleines Grinsen stahl
sich auf seine Lippen und er folgte langsam der Frau, die er vor beinahe zwei
Jahren eingestellt hatte.
-
Die Sonne
stand bereits weit über dem Horizont, als sie langsam ihre Augen öffnete.
Verwirrt blickte sie sich in dem Raum um und stellte nach einigen Sekunden
beruhigt fest, dass es ihr Wohnzimmer war. Träge streckte sie ihre Arme in die
Luft und reckte sich der weißen Decke entgegen. Die Tür stand weit offen und
sie selbst trug noch das selbe Kleid wie am vergangenen Abend. Buffy fasste
sich keuchend an den Kopf, der sich anfühlte, als würde er jeden Moment in
tausend Stücke zerspringen.
Mit
zugekniffenen Augen spähte sie zu dem aufgebrochenen Fenster, dessen Scherben
auf dem hölzernen Boden lagen. Zitternd berührte Buffy die kleine Platzwunde an
ihrem Gesicht. Bitter lächelnd erinnerte sie sich verschwommen an den Vampir,
der sie letzte Nacht verschont hatte und an zwei Gestalten, die sie nach Hause
gefahren hatten. Sie richtete sich stöhnend auf und wankte in ihr Badezimmer,
in dem sie sofort Wasser in die Wanne einließ.
Nachdem das
heiße Wasser die richtige Höhe erreicht hatte, ließ sie ihre Kleider auf die
weißen Fließen fallen und stieg seufzend in das Schaumbad. Sie sah weder den
Mann, noch die Frau, die sie hinter dem bodenlangen Fenster beobachteten.
"Denkst
du, sie erinnert sich?" lächelte Driana zu dem Mann der die gebrechliche
Frau zweifelnd anstarrte.
"Nach
der Dosis wohl kaum." murmelte er und ließ die Spritze in seiner Hand
kreisen. Die Dämonin nickte zustimmend und griff nach
der Hand des Dämons.
"Gehen
wir jetzt William besuchen?" kicherte sie in einer kindlich vorfreudigen
Stimme und klatschte unterstreichend kurz in die Hände.
"Ich
weiß immer noch nicht, was du damit bezweckst, Driana." schnaubte er und strich
sich kurz über eines der Hörner, die aus seinem Kopf ragten. "Spike ist
ein guter Freund und ich würde ihn nur ungern an eine Jägerin verlieren."
"Shakaris, du hast selbst gehört was Drusilla gesagt hat. Er
ist eine tickende Zeitbombe." Sie verhakte langsam ihre Finger mit seinen
und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die kalte Wange "Oder willst du,
dass ein Vampir deine jahrelange Arbeit zerstört?"
Shakaris schüttelte
stumm den Kopf und ging, mit Driana an der Hand, von dem Haus weg, in dem Buffy
lebte.
-
Er starrte
gleichgültig auf die Blutlache, die sich langsam über dem teuren Boden
ausbreitete. Die dunkelrote Flüssigkeit tropfte in regelmäßigen Abständen von
seinem Kinn auf den grauen Pullover. Sein Gesicht behielt einen angespannten
Ausdruck und seine Augen waren dunkel.
Plötzlich
flog die große Tür im Nebenzimmer auf und zwei Gestalten gingen geradewegs auf
den Vampir, der an der Wand gelehnt auf dem Boden saß, zu.
Driana blieb
erstaunt stehen und deutete Shakaris, mit erhobenem
Zeigefinger, an ruhig zu sein. Lächelnd sah sie auf den niedergeschlagenen
Vampir herab und ging langsam auf ihn zu.
"Schlimme
Sauerei, William." säuselte Driana, während sie ihr rechtes Bein über die
blasse Leiche hob und sich anschließend zu ihm niederbeugte. "Man sollte
meinen, dass ein Vampir deines Alters gelernt hätte, richtig zu trinken."
Er sah nicht
zu ihr auf, aber ein flüchtiges Lächeln huschte über seine blutroten Lippen.
"Sie war über 50. Ihr Blut war widerlich."
Die Dämonin legte ihre blasse Hand auf seine Wange und fuhr mit
ihrem schwarz lackierten Fingernagel die Konturen seiner Wangenknochen nach.
"Mein armer William." hauchte sie verführerisch an seinen geöffneten
Mund und setzte sich ganz langsam auf seinen Schoß.
"Weißt
du welches Blut nicht widerlich ist?" ein arrogantes Grinsen legte sich
auf ihre schwarzen Lippen. "Das einer Jägerin. ich habe mal von einem
Vampir gehört, dass es ein wirksames Aphrodisiakum sein soll."
Er begutachtete grinsend seinen
schwarzen Ledermantel, der lässig an ihm herunterhängte und zündete sich eine
Zigarette an. Sie war nur einige Minuten später auf ihn zugelaufen und hatte
ihn fragend angesehen.
Er deutete mit der Zigarette auf
die stehende U-Bahn und folgte ihr langsam, nachdem sie darin verschwunden war.
"War es schwer?"
flüsterte sie, als sie sich über die Leiche gebeugt hatte.
"Sie war stärker als die
Erste." antwortete er kühl und zog die tote Jägerin hoch.
"Aber nicht stark
genug." lächelte sie und stellte sich vor den Leichnam, den Spike vor sich
hielt. "Probieren?" fragte er lächelnd und nickte zu dem nackten
Hals.
Sie grinste und bläkte ihre Eckzähne, die einer Schlange ähnelten. Beide
versenkten zeitgleich ihre Zähne in den Hals der Jägerin und tranken sie bis
auf den letzten Tropfen genüsslich aus. Als Spike sie achtlos auf den Boden
warf reichte ein einziger Blick von ihr und er zog sie fest zu sich. Er küsste
sie brutal und drückte sie gegen die dünne Wand. Seine Hände fuhren die
Konturen ihres Körpers ab und er riss ihr Oberteil ungeduldig entzwei. Auch ihr
Rock landete nur einen Augenblick später auf dem kalten Boden.
Notdürftig striff
er sich die Jeans bis zu den Knien herunter und stöhnte kurz als sie ihm durch
die Haare fuhr. Spike blickte ihr tief in die Augen und presste ihre beiden
Hände neben ihrem Kopf an die Wand des Zuges, während sie ihre Beine fest um
seine Hüfte schlang und er sich mit einer fließenden Bewegung in ihr versenkte…
"Worauf
willst du hinaus?!" fragte er mit kühlem Blick und starrte sie ungeduldig
an.
"Wir
haben deine kleine Panne gestern mit angesehen, William." lächelte sie
triumphierend und stand langsam auf "Da bietet dir die kleine Schlampe in
ihrem weißen Spitzenkleidchen ihr Blut an und du lässt sie laufen." ihr
Blick wurde kalt und Spott schwang in ihrer Stimme mit.
"Du
solltest mich kennen, Driana. Ich beiße keine Jägerin ohne eine kleine
Schlägerei." der Vampir stand ruhig auf und ging langsam auf die Dämonin zu.
"Dann
hast du also doch vor, sie zu töten?" lächelte sie und verhakte ihre Hand
mit seiner. Spike sah kurz zu dem verhangenen Fenster
und schien wirklich über die Frage nachzudenken. "Wir haben uns zum tanzen
verabredet."
Shakaris ging schnell
auf die Beiden zu und stellte sich zwischen Driana und Spike. "Hör zu,
Spike, ich will keine Jägerin in meiner Stadt. Ich habe nicht jahrelang die
Dämonenherrschaft in Venezuela aufgebaut um sie von irgendeinem dahergelaufenen
Gör zerstören zu lassen!" fauchte er beinahe wütend.
"Hey."
hob Spike beschwichtigend die Hände "Seit wann ist das bitte meine
Aufgabe?"
"Du
läufst vier Jahre hinter ihr her und willst mir erzählen, dass du sie nicht
aufschlitzen willst? Entweder du hast Angst vor ihr, oder Mitleid." Driana
lächelte siegessicher und selbst Shakaris nickte
zaghaft.
Spike nickte
trocken und schlug Driana im nächsten Moment schreiend zu Boden und dreschte
einige Male brutal in ihren Magen. "Du kleine Schlampe hast keine Ahnung
von mir. Selbst schwingst du große Reden aber pisst dir ans Bein vor Angst dich
ihr selbst zu stellen! Du weißt ganz genau dass du dich niemals mit ihr messen
könntest! Die Kleine würde dich innerhalb von Sekunden in Schlangenpüree
verwandeln."
"Verdammt,
Spike!" brüllte Shakaris wütend und packte Spike
fest an den Schultern, um ihn im nächsten Moment an die Wand zu schmeißen.
"Du
weißt, ich schätze dich als Vampir und als Freund." keuchte der Dämon
"Aber du lässt mir keine andere Wahl. Ich weiß nicht woher deine
plötzliche Angst vor einem Kampf mit ihr kommt, aber entweder ich habe ihre
Leiche in zwei Monaten vor meinen Füßen liegen, oder ich hetz dir meine Leute
auf den Hals."
-
Sie waren
bereits vor einigen Stunden gegangen, doch Spike lag immer noch unverändert auf
dem blutroten Boden.
Die
Hierarchie der Dämonen in Venezuela war anfangs sehr ungewohnt für ihn gewesen,
meistens hatte er einfach drauf geschissen irgendwelche Regeln zu befolgen.
Aber das hier. Ihm war durchaus klar, dass sie ihn töten würden wenn er die
Jägerin nicht irgendwie verschwinden lassen würde.
Schwerfällig
raffte er sich auf und ging zu der langen steinernen Treppe in das erste
Stockwerk. Der Boden war komplett mit schwarzem Marmor verziert indem sich der
riesige Kronleuchter spiegelte und ein bizarres Licht in den Raum warf. Der
Gang den er mit schnellen Schritten entlang ging hatte auf der rechten Seite
vier hohe Türen, die alle aus dunklem Mahagoni gefertigt waren.
Spike öffnete
Letztere und trat in ein riesiges Schlafzimmer ein, das genau wie das komplette
Haus schwarz gehalten war.
Ein riesiges
Bett stand leicht erhöht in der Mitte des Zimmers. Darauf lagen viele seidene,
schwarze Kissen und Decken. Auf der linken Seite war ein riesiges Bücherregal
angebracht, in dem hunderte von alten verstaubten Büchern standen. Einige, für
ihre Verhältnisse, sehr grüne Palmen standen neben der ledernen Sitzecke. Spike
öffnete eine hölzerne Kiste und zog lächelnd seinen schwarzen Ledermantel
heraus.
Er trat die
braune Kiste zu, während er sich den Mantel um die Schultern hängte und
anschließend das Zimmer wieder verließ.
Buffy wischte sich mit dem Handrücken
über die nasse Stirn und blickte nachdenklich zu der untergehenden Sonne. Sie
atmete noch einmal tief durch und rannte schnell zu der riesigen blauen Trainingsmatte,
die auf dem Rasen lag. Die Haut über ihren Fingern war schon rau und leicht
aufgeschlagen, doch sie machte einfach weiter. Ihre Faust schlug erbarmungslos
in das schwarze Leder und die Halterung quietsche gequält von den schnellen
Bewegungen.
Das schwarze, abgedunkelte Auto hielt
langsam vor dem großen Grundstück. Spike zog den zerknüllten Zettel heraus, auf
dem in feinster Schrift ihre Adresse stand. Der Vampir machte vorsichtig die
Autotür auf und zündete sich, beim Aussteigen, eine Zigarette an. Lächelnd
blickte er auf das kleine Haus, das von Palmen umringt in der kleinen Bucht
lag. Er ging direkt auf die matt beleuchtete Veranda zu.
Schon von einigen Metern Entfernung
hörte er die dumpfen Kampfgeräusche und hob interessiert die vernarbte
Augenbraue, als er das Geschehen beobachtete.
Buffy schlug wie wild auf die großen
Boxsäcke ein, die an einer Eisenstange befestigt, auf der Mitte des
Trainingsplatzes hingen. Er stellte sich vor den hohen Zaun, der das Grundstück
absperrte und blickte anerkennend zu der trainierenden Jägerin.
Sie hielt plötzlich inne und starrte
gebannt in die Dunkelheit, während sie zu der hölzernen Waffenkiste, links
neben der Matte, ging. Zielsicher griff die Jägerin nach zwei silbernen
Handäxten, deren Klingen aus jeweils zwei großen Sicheln bestanden.
Ihr Brustkorb hob und senkte sich
schnell, als sie langsam auf die Tür, aus eisernem Gitter, zuging.
"Komm raus!" schrie sie in
die schwarze Umgebung, nachdem sie sich kurz umgesehen hatte. Spike trat nur
wenige Sekunden später aus dem Schatten und stellte sich einige Schritte hinter
die blonde Frau.
"So sieht man sich wieder,
Liebes." hauchte er mit rauchiger Stimme gegen ihr rechtes Ohr. Keine
Sekunde später hatte er ihre Faust auf der Nase und ihren linken Fuß im Magen.
Spike keuchte kurz überrascht und hielt sich lachend die blutende Nase.
"Ganz wie in alten Zeiten, Jägerin."
Buffy blickte ihn emotionslos an, trat
ihm im nächsten Moment den Boden unter den Füßen weg und setzte sich auf seinen
Schoß.
Sie drückte seine Hände fest über
seinen Kopf und hielt eine der Äxte an seinen Hals "Gib mir einen Grund
dich nicht auf der Stelle in Staub zu verwandeln." Buffy blickte ihn kurz
verwirrt an und schüttelt den Kopf ".....oder halt, gib mir keinen."
zischte sie grimmig und presste die scharfe Klinge an seinen Hals.
"Tut mir wirklich leid,
Liebes." grinste er amüsiert, befreite seine Hände ohne große
Schwierigkeiten und schlug seine Rechte geradewegs auf ihr Kinn. Buffy sprang
schnell wieder auf, nachdem sie gegen die Hauswand gekracht war und trat ihn
von sich, bevor er sich über sie beugen konnte.
Spike lachte freudig, während er sich
an dem silbernen Zaun hoch zog "Geht es nur mir so, Summers, oder war das
verdammt lange mal wieder nötig?"
Buffy grinste leicht und ging rückwärts
in die abgetrennte Trainingsarena, wo sie erneut zu der Waffenkiste ging und
ein langes Schwert herauszog. "Dann komm her und zeig mir was du
kannst." höhnte sie und schmiss ihm das lange, silberne Zweihandschwert zu
"Lass uns tanzen."
Moon
hangs around
A
blade over my head reminds me
What to do before I'm dead
Night consumes light
The honesty I dread
Reminds me what to do before I'm dead
Spike nickte ruhig und schwang das
große Schwert beeindruckt vor seinem Kopf. "Nette Spielzeuge." er
rannte, gar keine Reaktion erwartend, auf die Frau zu und schwang das Schwert
nur wenige Zentimeter über dem Boden. Die Jägerin konnte jedoch schnell genug
reagieren und sprang über die tödliche Klinge. Als sie wieder festen Boden
unter den Füßen hatte, holte sie sofort zum Gegenangriff aus und trat Spike
heftig in den Rücken. Selbiger taumelte stark und konnte nur schwer das
Gleichgewicht halten. Geschickt wich er den nächsten Schlägen aus und konnte in
einem unachtsamen Moment sein Schwert an ihre rechte Bauchseite rammen und
trennte die rechte Seite ihres schwarzen Tshirts ab. Buffy blickte erschrocken
an sich herunter, strich kurz über ihre Haut und funkelte ihn dann böse an.
"Verflucht das war mein
Lieblingsshirt." funkelte sie und rannte mit den silbernen Äxten auf den
Vampir zu.
"Ohoh."
gluckste Spike amüsiert und trat ihr die Beine weg bevor sie überhaupt in
seiner Nähe war. Doch Buffy drehte sich sofort wieder auf den Rücken und
blockte den nächsten Tritt rechtzeitig ab.
Bevor er zurückweichen konnte schlug
die Jägerin eine der Äxte an seinen linken Arm und sie konnte sich ein
zufriedenes ‚Ha’ nicht verkneifen, als sie den tiefen Schnitt in seinem
Ledermantel sah. Der Vampir zischte schmerzerfüllt auf, warf einen Blick an
seinen Arm und sah unter dem zerschnittenen Leder einige Bluttropfen fließen.
Doch seine Aufmerksamkeit wurde abgelenkt, als er an den Schultern gepackt und
einige Meter nach hinten geschleudert wurde. Mit einem dumpfen Scheppern
knallte er gegen den Eisenzaun.
"Unentschieden, Summers."
presste er trocken hervor und hob das Schwert aus dem nassen Rasen. Beide
stellten sich erneut in Kampfposition und rannten mit beinahe freudigem
Kampfgebrüll auf den Gegner zu.
Epochs
fly, reminds me
What I hide, reminds me
The desert skies
Cracks the spies
Reminds me what I never tried
The ocean wide salted red
Reminds me what to do before I'm dead
Die Schwerter knallten aneinander und
Buffy versuchte Spike in den Bauch zutreten, was dieser jedoch abwehrte. Er hob
das Schwert und holte schnell aus. Sie schaffte es noch auszuweichen, wurde
jedoch am rechten Oberschenkel von der langen Klinge geschnitten und sah wie
das Hosenbein leicht absackte.
Spike lachte kurz auf und vollzog
dieselbe Prozedur an ihrem linken Bein. Dieses Mal bildeten sich dort kleine
Bluttropfen und Buffy stöhnte gequält auf, während sie ihn mit ihrer rechten
Faust auf den Boden schickte.
Sie umgriff eine der Äxte mit beiden
Händen und ließ sie auf sein Gesicht niedersausen. Spike packte sie, drehte
sich zusammen mit ihr auf die Seite und blieb lachend auf ihr liegen.
"Schlechte Idee, Summers. So in
etwa hab ich meine letzte Jägerin kalt gemacht." grinste er belustigt,
machte jedoch keine Anstalten sie weiter zu verletzen. Buffy lächelte und
streckte ihre Hand nach seinem Gesicht aus. "So einfach wirst du es mit
mir nicht haben." fauchte sie verächtlich und schlug mit dem Griff der Axt
gegen seine rechte Wange. Der Vampir krachte unsanft auf der Waffenkiste auf
und strich über seine brennende Gesichtshälfte.
To
see you
To touch you
To feel you
To tell you
"Nicht mal so übel." nickte
er anerkennend und umgriff zwei große Tulware, die in
der Truhe lagen. "Aber das kannst du doch besser." lächelte er und
rannte auf die Jägerin zu. Buffy wehrte den heftigen Schlag mit beiden Äxten
ab, verlor aber trotzdem das Gleichgewicht und fiel vor ihm auf die Füße.
Bevor Spike seine Chance nutzen konnte,
trat Buffy ihm gegen das Schienbein, sodass er der Länge nach auf den Rasen
fiel. Buffy sprang auf die Füße und stellte ein Bein links und rechts von
seiner Hüfte. Sie schwang beide Äxte seelenruhig im Kreis. Aber bevor sie zum
Schlag ausholen konnte schlug Spike gegen die Innenseite ihrer Oberschenkel und
ließ sie so auf sich fallen. Er packte ihre Hände, die die Äxte immer noch fest
umschlossen und fuhr sie zu ihrem Rücken. Dort verschränkte er sie und zog
ihren Oberkörper gemächlich näher zu sich herunter, ohne dass sie was dagegen
tun konnte. Die scharfe Klinge drückte gegen ihre Haut und Buffy schnaubte schnell,
den Schmerz unterdrückend und trat ihm ohne groß darüber nachzudenken mit dem
Knie in den Schritt.
Spike schrie laut auf und ließ ihre
Hände schlagartig los. Seine Beine zogen sich instinktiv zu seinem Oberkörper
und er schloss gequält die Augen „Verdammtes Miststück.“
Buffy stand lächelnd auf und entfernte
sich einige Schritte um den malträtierten Vampir zu beobachteten. Sie grinste
siegreich und lief ein paar Runden um ihn herum. Dann packte sie den blonden
Mann an den Schultern und schleuderte ihn ohne größeren Kraftaufwand ein paar
Meter weiter. Spike blieb regungslos auf dem Boden liegen und hielt sich
wimmernd die schmerzende Stelle.
The sun reclines, reminds me
The desert skies, reminds me
The ocean wide salted red
Reminds me
"Zwei zu eins für mich."
grinste Buffy schwer atmend und ließ sich einen knappen Meter neben ihm
ebenfalls auf den Boden fallen. Spike nickte mit verzerrtem Gesicht und lehnte
sich keuchend an der steinigen Wand an. Buffy beobachtete verwirrt wie der
Vampir seelenruhig eine kleine Schachtel aus der Manteltasche zog und sich eine
von den zerdrückten Zigaretten ansteckte.
"Was machst du?" fragte die
Jägerin ungläubig. Spike sah sie mit hochgezogener Augenbraue an, während er
den Tabak entflammte. "Wonach siehts denn aus?"
Buffy richtete sich stöhnend auf und
stellte sich vor ihn.
"Du willst jetzt eine
rauchen?" zischte sie und blickte ihn ungläubig an. "Ich fass es
nicht." Sie zog die Augenbrauen hoch und nach einigen Sekunden schmiss sie
ihre Waffe mit einem leisen Fluch auf den Boden und setzte sich neben ihn.
Spike grinste leicht, reichte ihr die
kleine Schachtel und entflammte die Zigarette, nachdem sie sich selbige
zwischen die Lippen gesteckt hatte. Beide starrten ruhig in die Dunkelheit
hinaus.
"Für den Mantel bezahlst du."
knurrte er, als er den langen Schnitt begutachtete und seufzte missmutig als er
den Arm wieder senkte.
"Hätten Dawn und Willow nicht so
viel Mitleid mit ihm gehabt, hätte ich ihn längst irgendwo verbrannt."
schnaubte sie nachdenklich und merkte, dass es zum ersten Mal seit dem Tod
ihrer Freunde nicht so schmerzte über sie zu reden.
"Wie hast du es angestellt?"
flüsterte sie nach einigen schweigenden Minuten sachlich und zog tief von der
brennenden Zigarette.
Spike zuckte bei ihren Worten etwas
zusammen, verstand aber schließlich was sie meinte und entspannte sich wieder.
"Der Chip?" tat er so als wäre nichts gewesen und atmete lautstark
die kalte Luft aus, nachdem sie genickt hatte.
"Hatte jemand noch was schuldig
bei mir. Dieses mal wusste der Dok was er tat."
grinste er und schnippte die Kippe weg. "Was ist eigentlich aus dem
Pappsoldaten geworden?" fragte er und steckte sich eine zweite Zigarette
zwischen die blassen Lippen.
"Abgehauen." zuckte Buffy mit
den Schultern, kramte wie selbstverständlich in Spikes Manteltasche nach seinem
silbernen Feuerzeug und gab ihm Feuer. "Nachdem Mom"
sie unterbrach sich selbst und sah ihn nachdenklich an "Nachdem Mom gestorben ist."
Er starrte etwas betreten an ihr vorbei
und nickte.
"Sie hatte einen
Gehirntumor." sagte sie mit dürrer Stimme und fasste sich kurz
resignierend an die Stirn. "Als sie krank wurde, hat er sich wohl
ausgeschlossen gefühlt."
"Und da hat er die Fliege
gemacht." sagte er nach einigen Sekunden und sie glaubte eine Spur Zorn in
seiner Stimme zu hören.
"Genau." flüsterte sie bitter
und stand unter Schmerzen auf. Sie fasste an ihr linkes Knie und fuhr den
dünnen Schnitt mit ihrem Zeigefinger nach. Leicht verloren blickte sie auf die
riesige blaue Matte die den Rasen bedeckte und suchte nach den passenden
Worten.
-
Spike starrte ruhig zu ihr hoch und
drückte die Zigarette gelassen an der Hauswand aus. Nachdenklich sah er an ihr
herunter und betrachtete grinsend ihren nackten Bauch an dem das zerrissene Tshirt hinab hing.
"Spike, ich..." weiter kam
sie nicht, denn plötzlich trat der Vampir gegen ihre Waden und sie krachte mit
einem spitzen Schrei auf den Lippen direkt gegen die Hauswand. Spike lachte
schadenfroh und presste sie schroff gegen die kalte Mauer. "Du lässt dich
zu leicht ablenken, Täubchen."
Buffy funkelte den blonden Mann, der
ihr keine Chance ließ zu entkommen, wütend an. "Das war feige."
presste sie hervor und versuchte sich zu befreien. Erfolglos. Spike drückte
seinen Unterarm gegen ihre Kehle und bückte sich schnell nach dem großen
Zweihandschwert. Buffy konnte die Chance jedoch nutzen und rammte ihren
Ellbogen in sein Gesicht. Anschließend machte sie einen Sidekick und Spike flog
einige Meter an der Hauswand entlang. Sie griff nach dem Schwert, das er im
Affekt hatte fallen lassen und rannte auf ihn zu.
Bevor sie ihn jedoch angreifen konnte
trat er ihr in die Seite und drehte sie mit dem Rücken zu sich. Buffy schrie
wütend, als er ihren Arm grob auf den Rücken drehte. Sie versuchte ihn mit ihren
Beinen zu treten, was jedoch von seinem rechten Bein verhindert wurde.
Spike hielt sie einige Momente in
dieser Position, bevor er ihre Haare seelenruhig von ihrem Hals entfernte.
Buffy stand plötzlich ganz ruhig und drehte
ihren Kopf soweit, dass sie ihn anschauen konnte. Der Vampir hielt inne und
starrte sie nachdenklich an "Wieso wolltest du letzte Nacht sterben?"
Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen
"Weil ich alles verloren habe, für das es sich zu leben lohnt."
"Und was hat sich heute
verändert?" flüsterte er, als er seinen Kopf zu ihrem Nacken beugte. Ruhig
blickte sie geradeaus und wäre er kein Vampir hätte er sie nicht verstanden, so
leise sprach sie die nächsten Worte.
"Du bist wieder in mein Leben
getreten."
Er schluckte hart und starrte auf den
zarten Hals. "Versteh mich nicht falsch." sprach sie einfach weiter
"Da war etwas, das ich noch beenden wollte." Sie sah ihn wieder an,
und die Ehrlichkeit in ihrem Blick überwältigte ihn. Sie war vieles zu ihm gewesen,
aber nie ehrlich. Hatte sich immer hinter ihren lächerlichen kleinen Lügen
versteckt.
Er ließ ruckartig von ihr ab und
entfernte sich einige Schritte. Verwirrt drehte sie sich um und starrte ihn
etwas verloren an. Sein Brustkorb hob und sank in unregelmäßigen Abständen.
Langsam ging er rückwärts ein paar Schritte, bevor er zu der Tür in dem großen
Eisenzaun rannte. So konnte er das nicht tun. Er schnaubte, seine Sohlen
bohrten sich in den Boden und er schloss die Augen bebend.
Buffy sah dem Vampir fassungslos
hinterher und hielt sich zitternd an der kalten Wand fest. Langsam rutschte sie
an dem weißen Backstein herab auf den Rasen.
Spike blieb keuchend an seinem
schwarzen Auto stehen und blickte mit ausdrucksloser Miene auf das verlassene
Haus zurück. Er schüttelte den Kopf, doch seine Gesichtszüge versteinerten in
der nächsten Sekunde bereits wieder. Mit ernstem Blick stieg er in das Auto und
startete den Motor.
Er zog den Rauch tief in seine tote
Lunge und blies ihn anschließend tonlos in die Richtung der tanzenden Menge.
Nachdenklich blickte er auf den neonbeleuchteten Eingang. Seit ihrem Kampf saß
er jeden Abend in dem großen Club und starrte wie gebannt auf die dunkle Türe.
Er wusste nicht genau ob er wollte, dass sie kam oder nicht.
"Willst du tanzen?" wisperte
plötzlich eine blonde Frau neben ihm und riss ihn aus seinen Gedanken. Er
schüttelte stumm den Kopf und drehte den Kopf zur Seite. Schulterzuckend stand
sie noch einige Sekunden neben ihm, bevor sie sich alleine auf die Tanzfläche
begab. Er stieß den angehaltenen Atem geräuschvoll aus und legte seinen Kopf
stöhnend auf seine Arme.
„Verfluchtes Miststück..“ knurrte er
leise. Schließlich richtete er seinen Blick erneut auf und ein dünnes Lächeln überzog
sein Gesicht. Sie war hier. Langsam ging er die kurze Treppe, die zur
Tanzfläche führte hinab und mischt sich zwischen die tanzenden Menschen damit
sie ihn nicht sehen würde.
Buffy stand mit zweifelndem Blick vor der Eingangstür und
wurde bereits seit geraumer Zeit von dem Türsteher beobachtet. "Kleine,
willst du nun rein oder nicht?" fragte er genervt und deutete mit seinem
linken Daumen in die stickige Disco. Stumm sah sie ihn an und drückte die
abgebrannte Zigarette unter ihrem Schuh aus. Sie nickte zaghaft und zog
nochmals den kurzen Rock zu Recht. Langsam schritt sie durch den Eingang und
sah sich um. Beobachtend stellte sie sich in eine dunkle Ecke und fand ihn nur
wenig später in der breiten Menge.
Take your time now
Feel like standing still
Er schupste den Kerl vor sich einfach
zur Seite und legte seine rechte Hand unbekümmert auf ihren Hüfte "Ich
hab’s mir anders überlegt." grinste er und zog sie fest zu sich. Sie
nickte zaghaft und lehnte bei den dumpfen Klängen der Musik ihren Kopf auf
seine Brust. Rhythmisch bewegten sie sich langsam und er starrte fasziniert
durch die Menge. Sie schlang ihre Arme locker um seine Hüfte und legte ihr Kinn
auf seine Schulter. Er blickte kurz zu ihr herunter, ließ sie jedoch gewähren.
Get your baerings
Until
Ungläubig blickte sie zu dem eng
umschlungenen Paar, das sich schrecklich vertraut im Rhythmus der
melancholischen Musik bewegte. So sehr sie es auch versuchte, konnte sie ihren
Blick nicht von den Beiden nehmen und stellte sich an das silberne Gitter, das
sie von der Tanzfläche trennte. Die Musik wurde intensiver und Buffy
beobachtete interessiert, wie sie sich mit dem Rücken zu ihm drehte und ihre
Arme langsam in die Luft streckte. Sie lächelte, als sie seinen beinahe
gelangweilten Blick sah.
Spike blickte abgestumpft zu ihr
herunter, als sie sich langsam umdrehte und ihr Haar in den Nacken warf. Er
umklammerte ihre Hüfte hart und wandte seinen Kopf zu ihrem blassen Hals.
When the day is through
All you got to do is slowdown
Ihr
Atem stockte, als er gelassen und mitten in der Menge sein Vampirgesicht
aufsetzte. Sie konnte nicht glauben was sie sah und rannte instinktiv auf die
beiden zu. Sie bahnte sich ihren Weg durch die Menschenansammlung und blieb
direkt vor ihnen stehen. Sie funkelte ihn wütend an und zog die blonde Frau
bestimmend aus seinem Griff. Der Vampir starrte sie wenig überrascht an und ein
teuflisches Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus "Ich dachte schon
du würdest nie kommen, Summers." Verwirrt beobachtete sie, wie er der Frau
deutlich machte, dass sie verschwinden sollte.
Er
legte eine Hand grob um ihre Hüfte und zog sie dicht zu sich. "Was tust
du?" flüsterte sie mit abgebrochener Stimme und legte ihre Hand vorsichtig
auf seine Schulter. Nachdenklich blickte er über ihren Kopf hinweg.
"Ich
tanze mit dir." stellte er fest, nachdem sie bereits angefangen hatten
sich langsam zu der Musik zu bewegen. „Dieses Mal ohne Waffen.“ fügte er hinzu
und zog eine Augenbraue hoch während er ihren verdutzten Blick musterte. Buffy
schluckte benommen, als er sie noch näher zu sich zog und stemmte sich
entschieden dagegen. „Das ist nicht dein Ernst.“ zischte sie und versuchte
angestrengt ihre Hand aus seiner zu ziehen. Doch er hielt sie, verfestigte
seinen Griff und starrte sie an.
„Das
ist nicht Sunnydale, das hier bin nicht ich und das da bist nicht du. Und jetzt
tanz mit mir.“ flüsterte er direkt gegen ihre Lippen und sein Augen starrten
direkt in Ihre. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und so ließ sie es
einfach. Ihre Hand entspannte sich in seiner und sie tat nichts, als er sie
letztendlich auf ihre Hüfte legte.
Full of tension
'Cause you love the chase
Sein
Becken übte leichten Druck auf Ihres aus und er zwang sie sich mit ihm zu
bewegen. Sie hatte keine Ahnung von den Schritten, sie hatte noch nie wirklich
getanzt. Das jetzt hier mit ihm zu tun schien ihr so fürchterlich absurd, dass
ihre Gedanken völlig durcheinander gingen.
Letztendlich
ließ sie sich einfach führen und bewegte sich genau entgegengesetzt zu ihm.
Seine Hand lag fest auf ihrer Hüfte, drückte sie weg und zog sie wieder zu sich
während seine Augen sie immer noch ansahen. Sie spürte wie seine Finger tiefer
rutschten, merkte wie sie ihren Hintern berührten und schnaubte tief. Sie
starrte ihn verwirrt an, überlegte sich aus seinem Griff zu winden, doch sie
versank in seinem Blick und atmete tonlos aus. Seine Berührung wurde stärker,
forscher.. sie spürte wie seine Finger sich leicht in ihre Haut bohrten.
"Das
wird nicht passieren." presste sie zitternd hervor, als sein Gesicht näher
kam. Sie konnte die Musik hören, langsam... pulsierend... Der Raum um sie herum
verschwand und alles war sie spürte war sein kalter Atem auf ihrem Mund und die
Hand auf ihrem Hintern.
Er
grinste nicht. Er sah sie emotionslos an, seine Gesichtszüge schienen wie
versteinert. Seine Augen starrten sie an, als er ihr eine blonde Strähne hinter
das Ohr steckte. "Nein, das
wird nicht passieren."
You just need
your
Own space
Beide sahen sich verwirrt in die Augen
als sich ihre Lippen berührten. Sie öffnete ihren Mund vorsichtig und spürte
seine kalte Zunge auf ihrer. Sie seufzte kurz und schlang nun ebenfalls ihre
Arme fest um seinen Körper. Träge begannen ihre Zungen miteinander zu spielen,
während sie sich weiterhin zu dem langsamen Lied bewegten. Spike strich mit
seinem Daumen kleine Kreise über ihren Rücken und fuhr mit der anderen Hand
durch ihre langen Haare. Buffy hatte ihre rechte Hand vorsichtig auf seine Wange
gelegt und strich ruhig darüber. Langsam und verlangend erkundete er jeden
Millimeter ihres Mundes. Die Beschaffenheit ihrer Zähne brannte sich in sein
Gedächtnis. Sanft begann er mit ihrer warmen Zunge zu spielen und wurde durch
ihre wohligen Seufzer bestätigt nicht aufzuhören.
Schwer atmend ließen sie erst viele
Sekunden später von einander ab und Buffy starrte ihn fassungslos an. "Das
darf nicht passieren." keuchte sie und stieß sich panisch von ihm ab.
Benommen wandte Spike seinen Kopf zur Seite und flüsterte mit abgehakten Worten
"Nein, das darf es nicht."
When the day is
through
All you got to do is slowdown
Leicht verloren standen sie zwischen
den vielen tanzenden Pärchen und sahen sich fragend an.
"Ich sollte gehen." schüttelte
sie verwirrt den Kopf und warf ihn noch einen zweifelnden Blick zu, bevor sie
sich langsam umdrehte. Er nickte nur stumm und sah ihr wortlos hinterher.
Wütend ballte er seine Fäuste und sein
Blick wurde finster. Ein raues Knurren entwich seiner Kehle als er mit
zitternder Faust in die schwarze Steinsäule schlug. Einige Personen in seiner
Nähe drehten sich verwundert um und einige zogen scharf die Luft ein, als der
Vampir seine blutende Hand aus dem klaffenden Loch riss.
"Verdammte Scheiße." stöhnte
er und lehnte sich kopfschüttelnd an dem breiten Zylinder an. "Das muss
jetzt aufhören." murmelte er wütend und sah mit entschlossenen
Gesichtszügen zum Ausgang.
Teil 7 - Verlangen
Mit leerem Blick fuhr sie ihr Auto in
die Garage und machte die Wagentüre auf. Sie durchfurchte nachdenklich ihre
Stirn und legte ihren Kopf langsam auf das Lenkrad. Stumm schüttelte sie den
Kopf und zog zitternd die kalte Nachtluft durch ihre Lunge. "Verdammt noch
mal." murmelte sie nachdenklich und zog den Schlüssel.
Als sie in ihr Wohnzimmer trat ließ sie
sich ausgelaugt auf das schneeweiße Sofa fallen und zog ihre Knie fest an sich.
Ihre Gedanken schossen wirr durcheinander. Geschockt über das was er getan -
und sie nicht verhindert hatte.
Ein Zucken durchfuhr ihren Körper bei
dem Gedanken und zwei Finger legten sich nachdenklich auf ihren Mund.
Schnaubend ließ sie sich auf eines der großen, seidenen Kissen fallen. Sie
schloss langsam ihre schweren Augenlieder und hoffte sie würde diesen Abend
einfach vergessen.
-
Er starrte fest entschlossen auf das
immer näher kommende Haus und parkte seinen Wagen mit quietschenden Reifen
direkt neben ihrem. Schroff knallte er die Tür zu und lief mit großen Schritten
auf den Eingang ihrer Behausung zu. Die Tür flog mit einem gezielten Tritt in
die Angeln und er blickte sich mit hochgezogener Augenbraue in dem hellen
Zimmer um. Interessiert studierte er das Wohnzimmer, bevor er die Jägerin
entdeckte.
Selbst das laute Knallen der Tür hatte sie
nicht aufwecken können. Er beugte sich teilnahmslos über sie und strich ihr
unbewusst einige Haare aus dem Gesicht. Im nächsten Moment umklammerte er mit
beiden Händen ihren dünnen Hals und zog sie gewaltsam zu sich hoch. Buffy
schreckte durch die kalte Berührung auf und röchelte panisch nach Atem, als ihr
bewusst wurde was er tat.
"Weißt du…" raunte er mit
kalter Stimme und zog sie grob auf die wackligen Beine "Ich finde wir
sollten da weiter machen wo wir vor zwei Wochen aufgehört haben." Er
schmiss sie mit wütender Miene auf den niedrigen Tisch vor dem Sofa und
beobachtete zufrieden, wie er durch die Wucht ihrer Landung prompt zu Bruch
ging.
Sie starrte ungläubig zu ihm hoch,
festigte jedoch ihren Blick wenig später und stand langsam auf. Ihr Atem war
schnell und laut und sie ging einige Schritte von ihm weg. Mit ihren Zehen
schob sie ihre Füße aus den hochhackigen Schuhen heraus und schob sie bedächtig
zur Seite.
"Gleich bist du nur noch die
verfluchte dritte Kerbe in meinem Gürtel." schnaubte er wütend und stürzte
sich mit aufgesetzter Vampirfratze auf sie. Buffy wurde von seinem Gewicht
brutal auf die Überreste des Tischs gedrückt und keuchte panisch. Sie tastete
zitternd den Boden ab und umgriff eines der Tischbeine. Sie hantierte damit
herum während sie ihn mit Armen und Beinen von sich fern hielt. Das Holz glitt
durch ihre Finger und als sie seine Eckzähne aufleuchten sah, rammte sie ihm
das Holz in den Rücken und kickte ihn mit ihrem linken Knie von sich.
Spike flog schreiend auf seinen Rücken
und schielte auf den braunen Balken der seinen Bauch durchbohrte. "Du
verdammtes Miststück!" röchelte er und schluckte das aufkommende Blut
runter. Buffy blickte ihn unsicher an und richtete sich langsam auf.
„Was willst du Spike? Wir kämpfen, wir
tanzen dann küsst du mich. WAS willst du?“ schrie Buffy ihn an und merkte wie
Tränen ihr in die Augen stiegen, als sie ihn dort liegen sah. Eine dunkelrote
Pfütze lugte unter seinem Rücken hervor.
Sie überlegte sich zu ihm herunter zu
knien doch sie wurde von seinem wütenden Blick gestoppt. "Wir werden das
jetzt zu Ende bringen!" schrie er gequält als er sich das Holzstück mit
einer Bewegung aus dem Bauch zog. Seine Faust krachte in ein Bücherregal das
neben ihm stand und seine Finger suchten nach irgendetwas, das er umgreifen
konnte. Blut floss aus seinem Mund und er spuckte es verächtlich auf den
Parkettboden.
Dann stützte er seine Hände ab und
drückte sich nach oben. Schwankend stellte er sich hin und fixierte sie mit
finsterer Miene. Er ging mit starrem Blick langsam auf sie zu und schlug sie
ohne zu zögern mit seiner rechten Faust gezielt nieder. Sie fixierte ihn
ungläubig und trat ihn mit ihrem linken Fuß ins Bein, so dass er vor ihr zu
Fall kam.
Gequält keuchte er auf und versuchte
einen Schlag in ihrer Magengegend zu landen, doch er schaffte es nicht und
taumelte vor ihr. Buffy starrte ihn an und rannte nach kurzem Zögern auf die
abgedunkelte Veranda.
Sie taumelte auf die schwere
Waffenkiste zu und zog zielsicher die hellbraune Balliste heraus. Schnell zog
sie einen der Bolzen aus dem Köcher und spannte selbigen gewohnt in die
Armbrust ein. Als sie sich umdrehte, stand er bereits hinter ihr und trat ihr
plötzlich den Boden unter den Füßen weg. Er lächelte sie kühl an und Buffy
erkannte keinen Funken der Kampffreude des damaligen Abends mehr in seinen
eisblauen Augen. Nur eiserne
Entschlossenheit.
"Spike." flüsterte sie
beschwichtigend, als sie die Zielvorrichtung der Balliste auf sein totes Herz
richtete. Er schüttelte stumm den Kopf und trat ihr grob in die Seite. Sie
konnte den nächsten Tritt mit ihren Händen parieren und trat ihm als
Gegenleistung halbherzig gegen den Brustkorb. Spike taumelte kurz zurück und
blickte, als er wieder sein Gleichgewicht gefunden hatte in ihre Augen, die ihn
starr fixierten.
"Du drückst nicht ab." höhnte
er laut und kam langsam einen Schritt auf sie zu. Sie schüttelte tonlos den
Kopf und lächelte ihn traurig an. "Zwing mich nicht dazu." wisperte
sie und spannte den Bolzen an.
Er blieb kurz stehen und schüttelte
grinsend den Kopf "Zur Hölle mit dir Summers." sagte er mit
hochgezogener Augenbraue "Du bist die Jägerin. So läuft das nun mal."
führte er leise fort, als er seelenruhig weiter auf sie zuging.
Sie atmete noch mal tief durch, bevor
sie den Abzug der großen Balliste betätigte und der Bolzen auf sein Ziel
schoss.
Er schrie laut auf, als der Pfeil genau
in seinem Bauch landete, wo bereits die große Wunde war. Er viel auf die Knie
und wimmerte vor Schmerzen, als er ihn sich mit einem Ruck direkt heraus zog
und zur Seite warf. Mit zugekniffenen Augen starrte er auf die Wunde aus der
eine dünne dunkelrote Spur über sein Hemd floss.
"Ich bring dich um." murmelte
er stöhnend und fiel langsam nach vorne auf den nassen Rasen. Buffy atmete
schwer und ließ die Balliste zitternd auf den Boden fallen.
Seine goldenen Augen fixierten sie, als
seine Hände sich in die langen Grashalme krallten.
"Wenn du auf mich schießt mach es
richtig verdammt." würgte er und Buffy beobachtete mit verzerrtem Gesicht
wie er abermals Blut auf den Boden spuckte.
"Lass diese halbherzigen Versuche,
das ist kein Spiel." Er stemmte sich krampfhaft gegen den weichen
Untergrund als er sich langsam aufraffte. Buffy schluckte hart als er
bedrohlich langsam auf sie zukam, machte jedoch keine Anstalten wegzurennen.
Sie ging zaghaft einige Schritte rückwärts, doch plötzlich rannte er schreiend
auf die sie und stürzte mit ihr auf die blaue Matte. Wütend schlug er ihr
einige Male ins Gesicht, bis sie ihn durch einen gezielten Tritt von sich stoßen
konnte.
Anstatt zum Gegenangriff anzusetzen,
blieb sie jedoch regungslos liegen und wischte sich zitternd über die Augen.
Spike ließ sich kraftlos auf die
Trainingsmatte sinken und presste krampfhaft auf die klaffende Wunde. Er neigte
seinen Kopf zur Seite und sah grinsend auf eine der zwei Äxte, die noch vom
vergangenen Kampf in dem grünen Gras lag. Fest umschloss er den silbernen Griff
der Waffe und stützte sich mit ihr ab, um aufstehen zu können. Buffy hatte
ihren Blick in den dunklen Wald gerichtete und nahm nur entfernt war, wie er
sich über sie beugte.
Als die kalte Klinge ihr Kleid
durchschnitt und eine dünne rote Spur auf ihrer Haut hinterließ riss sie kurz
ihre Augen auf und krallte ihre Finger tief in seinen schwarzen Mantel.
Er schnaubte fasziniert als das
dunkelrote Blut über ihre Haut lief. Mit gierigen Augen beugte er sich zu dem
dünnen Schnitt herab und fuhr mit seiner Zunge quälend langsam der Länge nach
über sie. Buffy erschauderte bei dieser Berührung und festigte ihren Griff um den
schwarzen Stoff. Er ließ seine Zunge einmal längs über ihren Bauch fahren und
nahm das hervorquellende Blut leise stöhnend in sich auf. Sie beobachtete ihn
verwirrt und ihre Hände umgriffen seine Schultern um ihn weg zu drücken.
Spike blickte sie finster an, schlug die
flache Hand in ihr Gesicht und drückte sie dann bestimmend auf die
Trainingsmatte. Keuchend strich sie sich über die brennende Wange. Plötzlich
war er über sie gebeugt und ein tiefes Knurren entwich seiner Kehle, als er sie
hart auf den Mund küsste. Buffy riss ihre Augen überrascht auf, als er seine
Zunge gewaltsam in ihren Mund drängte und versuchte sich zu wehren. Ihre Fäuste
schlugen gegen seinen Oberkörper und sie wandte sich unter ihm. Doch er drückte
sie mit voller Länge auf den Kunststoff und seine Hände nagelten ihre über
ihrem Kopf fest.
Dann unterbrach er den Kuss genau so plötzlich
wie er begonnen hatte und starrte sie keuchend an. „Ich werde dir zeigen, was
es heißt mir Hörner aufsetzen zu wollen.“ knurrte er und presste seine Lippen
erneut hart gegen ihre. Sein Verstand setzte aus und seine Wut übermannte ihn.
Er war nie einer von den Männern gewesen, die einer Frau mit Gewalt ihren
Willen aufzwingen wollten, aber nun standen die Dinge anders. Er hatte einen
Auftrag und sie machte es ihm unmöglich ihn auszuführen. Er konnte sie einfach
nicht töten, sie ließ es nicht zu. Sie hielt ihn mit Blicken und Worten davon
ab. Nun würde sie dafür bezahlen.
„Du elendes Miststück.“ raunte er an ihre
Lippen und stieß seine Zunge in ihren Mund. Dieser Kuss war weder zärtlich noch
liebevoll. Er war verlangend und fordernd und er zwang sie sich ihm anzupassen.
Und sie tat es. Ihre Zunge gesellte sich zu seiner und Spike war für einige
Sekunden davon so überrascht, dass er ihre Hände losließ und sie ihn von sich
stieß. Er starrte sie wie wahnsinnig an, als sie sich auf ihn setzte und ihn
mit den Schultern bestimmend auf die Matte drückte.
On the edge, I look in
Touch the flesh, touch the skin
Cup my hands, time stood still
Intoxicate fire at will, pulsating through my veins
Beschwörend sah sie ihm in die Augen,
als sie grob seinen schwarzen Pullover packte und ihn im nächsten Moment in der
Mitte zerriss. Er stierte fassungslos auf den Fetzen, den sie ihm notdürftig
vom Körper zog. Sie starrten sich an. Beide atmeten abgehakt und schwer.
Spike überlegte kurz und umfasste ihre
Hüfte schließlich um sie wieder auf die Matte zu schmeißen. Ein tiefes Grollen
entrang seiner Kehle als er sich erneut auf sie stürzte und ihr hektisch die
obere Hälfte des zerschnittenen Kleides auszog. Ihre Lippen trafen sich erneut
und diesmal erwiderte sie seinen harten Kuss direkt. Durch ihren Kopf schossen
tausende wirre Gedanken, doch sie sie wusste dass es jetzt zu spät für
rationales Denken war. Sie fühlte wie seine Stirn durchfurcht wurde und ein
spitzer Schrei drang über ihre Lippen als seine Eckzähne sich unbarmherzig in
ihren warmen Mund bohrten und ihre zartrosa Zunge aufritzten.
Ein kurzes, schmerzerfülltes Stöhnen
drang an sein Ohr und er knurrte verlangend, als sie sie an dem spitzen Zahn
noch ein wenig mehr für ihn öffnete. Ihr warmes Blut durchströmte ihre Münder,
während sie sich haltsuchend über die Matte rollten. Keiner von beiden wollte
dem Anderen die Führung überlassen und so rangen sie noch lange, bis Spike sie
wiederum zornig mit seinen Händen auf dem Boden festnagelte.
Beneath the skin, skin
and bone
Beneath the skin I am alone
Smoldering, release, expire
Confined within, I walk the wire
On the ledge no return
Saturate melt and burn
Rising from the flames
Keuchend riss sie ihre Augen auf, als
er seine Eckzähne in ihre Brust rammte und langsam begann daran zu saugen. Sie
starrte schmervoll stöhnend zu ihm herab und ließ ihren Kopf in den Nacken
fallen.
"Oh Gott." presste sie
keuchend hervor und krallte ihre Finger tief in die harte Matte. Ein kleines
Grinsen erschien auf seinem verzerrten Gesicht und er leckte sich langsam über
die blutroten Lippen, als er von ihr abließ.
"Gefällt dir das Jägerin?"
höhnte er bei ihren glasigen Augen, die Antwort genug waren.
Sie seufzte, schloss ihre Augen. Sie
meinte ihr Kopf würde hin und her wackeln, doch sie merkte es kaum. Als er sich
erneut mit ganzem Gewicht auf sie drückte starrte sie ihm schwer atmend in die
gelben Augen und zog zitternd die frische Nachtluft durch ihre Lunge.
"Hmhm."
lachte er leise und ließ seine Hüfte langsam auf ihrer kreisen. Er beugte
seinen Kopf knurrend zu ihrer Halsbeuge hinab und hauchte einen kaum spürbaren
Kuss auf die zarte Haut.
"Willst du, dass ich dich ficke,
Jägerin?" flüsterte er. Buffy entwich ein leises Stöhnen und sie blickte
ihn wütend an. Er hatte in diesem Moment eine Macht über sie, die sie ihm
niemals hätte geben dürfen. Sie hasste ihn und sich selbst dafür dass er so mit
ihr umgehen konnte. Doch nun war es zu spät, sie konnte nicht mehr umkehren.
Sie wollte es auch nicht.
Sie stöhnte und versuchte ihn wieder zu
küssen, doch er wich zurück. Seine Lippen legten sich um ihre Halsschlagader
und er saugte stark daran. Knurrend ballte er seine Fäuste und versenkte seine
Zähne schließlich wenige Zentimeter daneben in ihrem Fleisch und schluckte
einmal bevor er sich wieder zurückzog und die Wunde mit seiner Zunge schloss.
"Du verdammter Mistkerl."
schnaubte sie abgehakt und presste ihre Lippen auf seine bevor er reagieren
konnte. Er lachte leise und versenkte seine Zunge tief in ihrem warmen Mund,
während er sich die Hose schnell von seinen Beinen schob. Er drückte seine
Ausbuchtung an ihren nackten Oberschenkel und ließ schließlich ihre Hände los,
als er sich ihrem Slip widmete und ihn letztendlich an den dünnen Seiten
einfach auseinander riss.
Er studierte jeden Millimeter ihres
Gesichts als er den Kuss plötzlich unterbrach und schnaubte lachend als er den
Zorn in ihren Augen sehen konnte.
"Beantworte meine Frage." sagte
er ruhig und drückte sie etwas zurück, so dass sie ihn ansehen musste. Buffy
starrte ihn wütend an und ihr Kinn begann zu zittern, als sie widerwillig
nickte.
"Sag es." befahl er ihr
bestimmend und sie spürte wie er seine Mitte fest gegen sie drückte.
"Ich will dass du mich
fickst." flüsterte sie angewidert und bäumte sich keuchend auf als er sich
noch im selben Moment mit einer Bewegung komplett in ihr versenkte.
Gleichzeitig tauchte er seine Eckzähne wieder in in die Wunde an ihrem Hals und
saugte langsam daran. Ihre Augen waren schockgeweitet in den dunklen Himmel
gerichtet und ihr kam es wie eine kleine Ewigkeit vor, als er begann sich
schnell in ihr zu bewegen.
Ihre Fingernägel krallten sich tief in
seinen Rücken und sie presste sich an ihn. Ihre Hände glitten mit festem Druck
über seinen Rücken und stoppten schließlich auf seinem Gesäß. Sie passte sich
seinem schnellen Rhythmus an und schlang ihre Beine keuchend um seine Hüfte.
Die Erregung ließ sie erschaudern. Sie bäumte sich auf und stöhnte überwältigt.
Sein
Tempo wurde schneller. Die Augen vor Erregung geschlossen. Sein Kopf fiel auf
die weiche, gebräunte Haut ihrer Schulter. Keuchend leckte er über die
kreisförmigen Wunden an ihrem Hals. Sie würden nie wieder verschwinden. Ein Mal
für die Ewigkeit.
Er
stöhnte ihren Namen, wie ein Fluch und Gebet zu gleich. Seine Stöße wurden
härter und sie keuchte in sein Ohr. Sie nahm die Umgebung nur noch verschwommen
war und alles um sie herum schien sich aufzulösen. Sie hielt sich an ihm fest
und als sie glaubte es nicht mehr aushalten zu können, stieß er ein letztes Mal
tief in sie. Ihr Kopf fiel in den Nacken und sie schrie seinen Namen. Er biss
sich auf die Lippen und hielt unweigerlich die Luft an als sie sich um ihn
verkrampfte und ihm schließlich alles nahm was er ihr zu geben hatte.
Seichte Tränen liefen ihre Wange hinab,
als er sich schwer atmend auf ihr herab sinken ließ und seinen Kopf in ihrer
feuchten Halsbeuge vergrub. Ein letztes Mal leckte er mit seiner Zunge über die
zwei kleinen Wunden an ihrem Hals. Kleine Schauer durchfuhren ihren Körper, wie
elektrische Impulse, bei seiner Berührung und sie begann zu zittern.
Er blickte sie verwundert an und starrte
auf eine Träne, die sich ihren Weg zum Boden bahnte.
Verunsichert blickte er in ihre Augen,
die ihn panisch ansahen.
„Wieso tust du das mit mir?“ bebte sie
und versuchte angestrengt sich zu beruhigen. Spike atmete lautstark aus und
schüttelte verwirrt den Kopf. „Das ist purer Wahnsinn.“ wisperte sie mit
abgebrochener Stimme und starrte ihm zornig in die Augen.
"Jägerin." er stockte und
wandte seinen Blick von der Frau unter sich ab. „Zur Hölle, ich kann das
nicht.“ schüttelte er den Kopf und sein Gesicht wurde wieder glatt, die Augen
blau.
Er drückte sie grob von sich und
entfernte sich aus ihr. Zitternd zog sie ihre Knie an ihren Körper und
beobachtete fassungslos, wie er seine Kleider zusammensuchte.
"Was ist das hier?" schrie
sie ihn an und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.
"Verdammt noch mal, Summers. Das
war nur ein guter Fick." er schluckte hart und machte den Reißverschluss
seiner Hose zu. "Das hat gar nichts geändert." Wütend nahm er seinen
schwarzen Ledermantel und zog ihn über seinen nackten Oberkörper.
"Geh zurück nach Sunnydale und
verschwinde von hier." raunte er wütend und ging mit schnellen Schritten
auf sie zu, blieb jedoch resignierend stehen.
Mit glasigen Augen starrte sie ihn
zornig an und atmete die angehaltene Luft kopfschüttelnd aus "Ich kann
nicht zurück!" schrie sie laut zurück und zog sich ihr Shirt
schnell über den Kopf. "Glaubst du wirklich ich kann dort leben?"
Spike schüttelte schnaubend den Kopf
und machte eine gleichgültige Handbewegung, als er sich umdrehte. "Das
geht mich nichts an." sagte er schroff und ging mit schnellen Schritten
auf die Eisentür zu.
"Töte mich doch!" schrie sie
ihm mit dürrer Stimme panisch hinterher und breitete ihre Arme weit aus.
"Was?" schluckte er
überrascht und drehte sich langsam zu ihr um.
"Deswegen bist du doch her
gekommen!" antwortete sie zitternd und starrte ihn entschlossen an
"Deswegen das alles." Ihre rechte Hand ballte sich und sie drückte
ihre Fingernägel in die Haut während sie einige Schritte auf ihn zu lief.
Spike grinste kalt und schüttelte
schwer atmend den Kopf "Du spinnst doch." raunte er mit
zusammengekniffenen Augenbrauen.
Lächelnd nahm sie ihre Arme wieder
herunter und trat noch einige Schritte auf den Vampir zu "Das wolltest du
schon vor einem Monat tun." Sie beugte sich langsam zu dem langen Schwert,
das vor ihren Füßen lag, und warf es vor ihn. Sie sah ihn starr an und ihre
Gesichtszüge schienen wie versteinert als sie seinem Blick begegnete.
"Du musst es tun, nicht?“ sie
stockte und wischte sich kurz über die Augen "Und was hat sich schon
verändert?" fragte sie ihn und stoppte schließlich zwei Meter vor ihm.
Erwartungsvoll sah sie ihn an.
Spike blickte sie verständnislos an und
schnaubte tief "Du legst es wirklich darauf an, oder?" Sein Blick
durchbohrte sie doch sie konnte nicht durch ihn hindurch sehen.
Langsam hob er das große Schwert auf
und beobachtete gebannt die Klinge, in der sich das dumpfe Licht des Mondes
brach.
„Wieso kannst du es nicht?“ fragte sie
und blickte ihn unverwandt an.
Der Vampir lauschte den leisen
Schritten und sah, beinahe in Zeitlupe zu ihr auf. Sie blickte ihn nicht im
Geringsten ängstlich an. Sie starrte ihn emotionslos an.
Er wusste nicht was er tun sollte, die
Gedanken rasten durch seinen Kopf, er blickte von dem Schwert zu ihr dann ganz
wo anders hin. Ein resignierendes Seufzen durchschnitt die Stille. Dann schmiss
er das Schwert in das nasse Grün.
Ihre Finger legten sich auf seine kalte
Wange und er lehnte sich mit festem Blick in die Berührung. „Bloody hell…“ presste
er hervor und linste zu ihr. Sie lächelte zaghaft und ließ ihre Hand wieder
sinken. Und so standen sich einfach gegenüber. Sahen sich an und wussten nicht
was sie sagen sollten. Schließlich ließ er sich an der nahen Hauswand herunter
sinken und streckte seine Beine von sich.
"Was machen wir jetzt?"
flüsterte sie nach einer kleinen Ewigkeit der einvernehmlichen Stille. Er
öffnete seine Augen und blickte sie ruhig an. Sie hatte sich neben ihn gesetzt,
die Beine überkreuzt, die Arme vor der Brust verschränkt.
"Vielleicht sollten wir
abhauen." antwortete er schließlich und zuckte kurz unterstreichend mit
den Schultern. Schnaubend schüttelte er den Kopf und dachte leise lachend an
einen Dämon, der ihn wohl in Kürze zu zum Staatsfeind Nummer eins erklären würde.
Weil er es nicht schaffte sie zu töten. Weil er es nicht mehr wollte. „Ich
glaube ich mache mir mit dir hier keine Freunde.“ grinste er und fingerte in
seiner Manteltasche nach seiner Zigarettenpackung.
"Ja, vielleicht." nickte sie
leicht und berührte ihn zaghaft an der Schulter. Er blickte sie verwundert an
und lächelte kurz, als er nach seinem Feuer kramte und den Tabak entflammte. Er
beobachtete wie der Rauch sich in der Nachtluft verlor und warf erneut einen
Blick zur Seite. Dann umgriff seine linke Hand ihren Nacken und er zog sie zu
sich. Seine Finger wanderten durch ihre Haare, als er sie schließlich wieder
auf den Mund küsste. Weniger schmerzhaft diesmal und er verharrte kurz so bevor
er sich wieder zurückzog. Ihr Kopf viel müde auf seine Schulter. Nachdenklich
tastete sie nach seiner Hand und war erstaunt, dass er sich nicht wehrte, als
sie ihre Finger mit seinen verhakte.
"Spike ist böse." hoppelte
sie auf dem grauen Sofa und fuhr mit ihren langen Fingernägeln grinsend über
ihren Oberkörper.
"Das hoffe ich doch schwer."
stöhnte Driana gelangweilt und legte ihren Kopf auf ihre Arme. Die Frau die ihr
gegenübersaß stand auf und streckte ihre Arme freudig in die Luft, während sie
sich im Kreis drehte.
"Uhhh...
so ein ungezogener Junge." lachte sie und fuhr sich mit ihren Händen
keuchend über das schwarzsamtene Kleid. Driana und Shakaris
tauschten nachdenkliche Blicke und sahen verwirrt zu dem Vampir.
"Was siehst du?" fragte die Dämonin und stand langsam auf. Die schwarzhaarige Frau
blieb abrupt stehen und stellte sich mit ernster Miene vor Driana. "Die
Jägerin vergiftet ihn. Ich kann sie spüren." stellte sie sachlich fest und
brach anschließend in verrücktes Gelächter aus. Shakaris
verdrehte die Augen und legte seine Arme um Drianas
Hüfte, nachdem sich selbige auf seinen Schoß gesetzt hatte.
"Bei allem Verständnis. Hätte
Angelus sie damals nicht einfach sauber umbringen können? Nein. Er musste
natürlich zuerst so ein Trara mit ihrer Familie veranstalten." stöhnte sie
genervt und deutete mit ihrem Daumen auf den Vampir, der wieder begonnen hatte
sich im Kreis zu drehen.
-
Die Sonne schien grell in ihr Gesicht
und Buffy schlug schnell die schneeweiße Decke über ihren Kopf. Langsam öffnete
ihr rechtes Augen und lugte in ihr Schlafzimmer. "Spike?" krächzte
sie und starrte auf das leere Bett. Verwirrt schlug sie die Decke zurück und
sah sich in dem hellen Zimmer um. Ihre Hand umgriff zufällig den kleinen
Zettel, der auf dem zweiten Kopfkissen lag. Sie zog ihre Augenbrauen zusammen
und faltete das weiße Stück Papier auseinander. Langsam begann sie zu lächeln
und lehnte sich nachdem sie zu Ende gelesen hatte, gegen die hellbraune
Kopflehne. Beinahe wie in Trance stand sie auf und zog sich den seidenen
Morgenmantel an, der über dem weißen Sessel hing. Sie wankte in das
gegenüberliegende Badezimmer und stellte sich gähnend vor den großen Spiegel,
der über dem breiten Waschbecken hing.
Nachdenklich betrachtete sie die zwei
kreisförmigen Wunden an ihrem Hals und berührte sie vorsichtig mit ihrem
Zeigefinger. Ihr Körper schauderte und sie zuckte kurz zusammen bei den
Erinnerungen an die letzte Nacht. Sie drehte den Wasserhahn auf und hielt ihre
Hände solange unter das Wasser, bis es sich schließlich in ihnen staute und sie
es auf ihrem Gesicht verteilte.
Als sie später auf die Uhr schaute, war
es bereits kurz vor acht und Buffy stand leicht ratlos vor dem großen
Kleiderschrank. Einige Kleider lagen auf dem Parkettboden verstreut. Buffy
griff nach einem schwarzen, kurzen Kleid mit einem weiten Ausschnitt und hielt
es vor ihren Körper, während sie in den Spiegel blickte.
Sie legte ihren Kopf schief, zog es
aber schließlich an und stieg danach in zwei schwarze Schuhe mit hohen
Absätzen. Schnell hippelte sie wieder in das weiße
Badezimmer und steckte sich zwei diamantene Ohrringe an.
Mit einer einzigen Bewegung steckte sie
ihre Haare mit einer schwarzen, sehr langen Spange nach oben und zwirbelte eine
breite, gelockte Strähne heraus, die ihr locker ins Gesicht fiel. Sie rannte
beinahe die braunen Stufen herab und packte eine kleine, schwarze Handtasche,
die sie sich locker um die Schulter hängte. Ein letzter Blick in die
abgedunkelte Wohnung und sie schloss die schwere Türe hinter sich.
-
Er blickte lächelnd zum Eingang, als
sie unsicher den Vorhang auseinander zog und in die Bar trat. Er zog seine
Augenbraue nach oben als er das verboten knappe Kleid sah, das sie trug und
stand grinsend auf. Nach einigen Minuten erblickte sie ihn ebenfalls und ging
schließlich langsam auf die Tanzfläche. Die Beiden trafen sich in der Mitte und
standen sich einige Augenblicke schweigend gegenüber. Starr blickten sie sich
in die Augen, als sich ihre Lippen ohne jegliches Wort trafen und ihre Zungen
sich verlangend aneinander rieben. Sie ließen erst viele Minuten später schwer
atmend voneinander ab und grinsten sich verschmitzt an. "Hey."
lächelte Buffy und strich ihm kurz über die bleiche Wange.
"Éres guapa." grinste er und fuhr mit seiner rechten Hand
unbekümmert unter ihr schwarzes Kleid. Buffy sah ihn fragend an, vergaß aber
schließlich zu fragen, was er gesagt hatte und keuchte überrascht unter seiner
Berührung. "Was..... was tust du?" japste sie nach Luft und hielt
sich an ihm fest.
"Ich kann meine Finger nicht von
dir lassen." grinste er böse und zog sie fest zu sich. Ein leiser Schrei
entwich ihrer Kehle und ihre Finger verkrampften sich hart in seinem
Mantel...... er konnte doch nicht..... Ihre Augen weiteten sich. Er konnte. "Oh
Gott." sie starrte ihn fassungslos an und lehnte sich gegen seine Brust,
da ihre Beine wohl gerade Ausnahmezustand verkündet hatten. Spike lachte leise
und zog sie mit seinem linken Arm bestimmend zu sich, während sie sich langsam
zu der lauten Musik bewegten.
-
Eine Tür im hinteren Bereich des
Hauptraumes öffnete sich und eine schwarz gekleidete Person trat mit ernstem
Blick aus dem Raum. Ihr folgten zwei weitere Personen, die ihr dicht durch die
angestaute Menge folgten. Sie setzte sich mit dem Rücken zu der beleuchteten
Bar auf den lederbezogenen Hocker und starrte regungslos in die tanzende Menge.
Der Barkeeper stellte ihr ohne zu
fragen ein Glas mit dunkelrotem Inhalt auf die Theke und wandte sich wieder den
anderen Gästen zu. Ihre dünnen, blassen Finger umgriffen das Glas locker und
führten es zu ihrem dunkelroten Mund. Sie leckte kurz über den kühlen Rand des
Glases und nippte kurz daran. Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf ihre
Lippen und sie glitt langsam von dem Hocker.
"Ich möchte tanzen." teilte
sie den zwei Personen neben sich in einem wirren Sing-Sang mit und ging in
Richtung Tanzfläche. Sie ging mit schnellen, fast unirdischen Schritten an den
Menschen vorbei und stellte sich zwischen die tanzenden Paare. Sie streckte
ihre rechte Hand in die Luft und begann sich schlangenartig zu bewegen. Ein
freudiger Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht, als sie den platinblonden Mann
sah, der gerade seiner Tanzpartnerin die Zunge in den Mund schob. „Mein Spike.“ kicherte sie.
I hear you breathe so far from here
I feel your touch so close and real
Spike öffnete seine Augen und spähte
durch den Raum. Doch der dichte Dunst der sich zwischen den tanzenden Menschen
ausbreitete schränkte seine Sicht weitestgehend ein. Doch er spürte sie.
Eigentlich konnte er sich nicht an einen Tag, eine Stunde, oder eine verfluchte
Sekunde seiner Existenz erinnern, an der er sie nicht gespürt hatte.
Jede Faser seines Körpers war auf ihre
Anwesenheit konzentriert und er vergaß plötzlich, dass die Jägerin ihm gerade
einen Kuss auf die Lippen drückte. Er musste ihr Aufmerksamkeit schenken. Sie
hatte ihn in diese Welt geholt und es gab Regeln. Wenn sie bei ihm war galt ihr
seine Aufmerksamkeit. Ausschließlich.
Durch den stickigen Rauch und die laute
Menschenmenge sah er seine dunkle Königin schließlich und sie lächelte ihn an.
Lächelte ihm aufmunternd zu, als sie langsam ihr vampirisches Ich zum Vorschein
brachte. Er tat es ihr gleich und beobachtete wie in Trance wie sie sich
einfach einen Mann nahm, ihm stumm das Genick brach und ihre Zähne in seinem
Hals versenkte. Sie tat das mit einer Selbstverständlichkeit die ihm sehr
vertraut war. Er spürte wie sie ihn mit ihrem goldenen Blick durchbohrte, ihn
stumm aufforderte es ihr gleich zu tun. Er starrte auf Buffys Hals und
schluckte. Er sah ihn und er wollte sterben.
Seine gelben Augen verdrehten sich
unkontrolliert und seine Hände zitterten. Er schluckte hart und sah ein letztes
Mal verwirrt auf bevor er seine Zähne tonlos in ihren Hals rammte. Buffy riss
mit einem dumpfen Schrei ihre Augen auf, als ihr Blut in seinen Mund floss und
seine Hände sich grob um ihre Hüfte legten. Sie rang panisch nach Luft und
krallte haltsuchend um seinen Hals.
Die Schnelligkeit mit der er Trank ließ
sie schwindeln und bevor sie hätte reagieren können wurde ihr Schwarz vor
Augen.
I hear you weep so far from here
I taste your tears like you're next to me
Er wusste er war dabei sie umzubringen.
Die schmerzgepeinigten Laute die über ihre Lippen kamen taten ihm mehr weh, als
er es je für möglich gehalten hatte. Ihm war klar, dass sie ihn beobachtete und
erwartete, dass er seine Tat beendete. Wie ein leises Flüstern war sie in
seinen Kopf gekrochen und hatte ihn um den letzten Rest Verstand gebracht, den
er sich mit den Jahren bewahrt hatte. Er spürte, wie der Druck ihrer Finger um
das schwarze Leder stetig nachließ und er sie mit jedem Schluck ein wenig mehr
Richtung Himmelspforte schupste. Ihre Augen waren leer und einzelne Tränen
rannen vor Schmerz ihre Wange hinab, während ihr Kopf ruhig gegen seinen
gelehnt war.
Spike hielt inne, starrte Drusilla an
und ließ schließlich unter Aufbringung sämtlicher Konzentration von Buffy ab.
Er starrte in die gelb funkelnden Augen seiner jahrelangen Geliebten, die ihn
voller Verachtung ansahen. Er wusste dass sie ihm das niemals verzeihen würde.
Er hielt Buffy in seinen Armen und
schulterte sie schließlich. Mit seinem rechten Fuß trat er die dunkle Tür auf
und warf dem Türsteher nur einen warnenden Blick zu, als er an ihm vorbeiging.
Kopfschüttelnd ging er aus dem Abaco, ignorierte die Blicke von Driana und Shakaris und fand sich schließlich auf der Straße wieder.
Dann rannte er um die Ecke, zog den
silbernen Wagenschlüssel aus seiner Hosentasche und öffnete fluchend den
schwarzen Modena. Langsam setzte er sie auf den
ledernen Beifahrersitz und schlug die Autotür zu. Der Wagen war in nicht mal
zehn Sekunden auf Hundert. Seine Finger umgriffen das dunkle Lenkrad hart und
er streckte seine Arme. Seinen Kopf drückte er mit angespannter Miene in die
Lehne und er stierte auf die leere Straße.
Er blickte einige Male neben sich und
musterte ihr blasses Gesicht. Wie hatte er so dumm sein können zu glauben er
könnte einfach mit ihr zusammen weiter machen wie bisher. Natürlich konnte er
noch ins Abaco gehen… es könnte alles zu seinem Plan gehören.. aber er wusste
dass sie mehr als skeptisch waren. Sie dachten ohnehin er würde es nicht übers
Herz bringen. Sie hatten Recht.
Er war so verflucht unfähig. Unfähig
sie zu töten, geschweige denn zu hassen. Aber richtig lieben konnte er sie auch
nicht. Er mochte es wie es in den letzten Monaten für ihn gelaufen war. Die
Leute respektierten ihn, er war einer der Großen im Geschäft, einer der
Erfahrenen. Er müsste das alles für sie aufgeben.
Er atmete tief und legte den Kopf
schief. Ein weiteres Mal blickte er zu ihr herüber und seine Wangenknochen
verspannten sich vor Zorn. Er konnte das alles unmöglich aufgeben.
Seine rechte Hand ballte sich und er
knurrte unbewusst. Wie hatte sie in so kurzer Zeit so viel Chaos in sein Leben
bringen können. Wie hatte sie es geschafft solche Gefühle in ihm zu wecken. Vor
nicht einmal zwei Jahren hatte er ihre ganze Familie ausgelöscht ohne einen
Funken von Reue. Ihre Familie. Er könnte ohnehin nie mit ihr zusammen sein.
Mit dunklen Augen stierte er durch die
abgedunkelte Scheibe und merkte wie eine tiefe Wut besitz von ihm nahm. Wie
dumm war er gewesen. Mit eisernem Griff umfasste er das Lenkrad und verstärkte
den Druck auf das Gaspedal. Das tiefschwarze Auto raste über die leergefegte
Bahn und der Wind strich sanft über den glatten Lack. Seine Augen waren schwarz
und ein verzerrtes Lächeln umspielte seine immer noch blutroten Mundwinkel, als
er die Zweihunderter Grenze überschritt.
Buffy linste nach einigen Sekunden
benommen auf die dumpf beleuchtete Straße und griff zitternd nach der Halterung
am Beifahrersitz.
"Schon wach." stelle Spike
trocken fest, während sein Blick starr auf die lange Straße gerichtet war.
"Was hast du getan." presste
sie mit schmerzverzerrtem Gesicht leise hervor und atmete zitternd die kalte
Nachtluft ein. Sie lugte zu ihm herüber und erschauderte beim Anblick seines
Gesichtsausdrucks.
"Ich hab’ mir was
vorgemacht." stellte er fest, während er eine Hand vom Lenkrad nahm und mit
quietschenden Reifen um die Kurve fuhr.
"Das läuft so nicht. Sie wissen,
dass ich es nicht tun werde. Sie werden dich verfolgen." Er blickte sie
für einen Sekundebruchteil an und nahm schließlich auch die zweite Hand von dem
kühlen Rad.
"Spike, bitte." flüsterte
Buffy und streckte ihre Hand nach seiner Wange aus, doch er wich zur Seite und
funkelte sie wütend an. Seine Hand umschloss ihren Hals und zog sie zu sich.
"Verstehst du das wirklich nicht?
Ich müsste der richtige für den Job sein, jemand anderes werden sie nicht
fragen." knurrte er und rieb seine Wange an ihrer, während er mit seinen
Lippen sanft über ihr Ohr strich. "Und weißt du warum?" Seine Stimme
begann merklich zu zittern und er schüttelte den Kopf.
Buffy atmete schwerfällig und ihre Augen
waren vor Müdigkeit zugefallen. "Spike, bitte nicht." flehte sie
tonlos, während ihr Kopf unkontrolliert in den Nacken viel und sie ihre Augen
endgültig schloss. Die eiserne Starre verließ sein Gesicht und er blickte
emotionslos zu ihrem reglosen Gesicht herab "Weil… weil ich es war."
Er schluckte hart und atmete die kalte Luft zitternd ein, bevor er wieder mit
einer Hand das Lenkrad packte und die bewusstlose Jägerin vorsichtig gegen
seine Schulter lehnte.
Langsam blickte er wieder auf die
ruhige Straße und seine Augen weiteten sich, als er mit dem Fuß vom Gas ging
und stattdessen mit einem dumpfen Geräusch auf die Bremse trat. Das Auto drehte
sich einmal um seine eigene Achse und schlidderte schließlich mit dem
Kofferraum zuerst in die Backsteinmauer, die den nahe gelegenen Park umschloss.
Sein Kopf flog ruckartig nach vorne und
er spürte etwas Hartes gegen seine Stirn prallen. Ein gequältes Stöhnen
durchschnitt die Stille und er tastete an seinem Kopf entlang. Er lag mit
seiner linken Wange auf dem Lenkrad und eine dünne Blutspur lief unbekümmert
über seine Stirn, als plötzlich der Airbag aufsprang und ihn unsanft nach
hinten drückte. Er lachte kurz bitter und presste sich genervt gegen die
Sitzlehne "Klasse." brüllte er wütend und schlug mit beiden Fäusten
auf das Luftkissen ein. "Verdammte Scheiße!" Seine Miene verfinsterte
sich und schließlich platzte es mit einem letzten, gezielten Schlag und er war
frei.
Nun lugte er zu der Jägerin herüber und
zog sie bestimmend an sich.
Er verzog seine Mundwinkel
nachdenklich, während er ihren Körper begutachtete, der bis auf einige
Schrammen anscheinend nichts weiter abbekommen hatte. Schnell zog er sie auf
seinen Schoß und strich ihr die langen, blonden Haare aus dem Gesicht. Mit
sanftem Druck hauchte er ihr einen langen Kuss auf die warme Stirn und bettete
ihren Kopf schließlich vorsichtig auf seiner kühlen Brust.
"Es tut mir leid." flüsterte
er tonlos, während er mit seinem Daumen sanft über ihre Wange strich. Und es
war nicht nur das hier, nicht der Unfall und nicht ihre misslige
Lage. Es war das was er ihr angetan hatte, das was er nicht bereut hatte. Es
war das, was er ihr niemals sagen können würde, und das Einzige, das ihm in
seinem Leben je wirklich leid getan hatte.
Teil 10 - Erwachen
Sie rannte nach
Atem ringend den weichen Strand entlang, der nur ganz sanft vom Mond beleuchtet
wurde. Ihre Lunge brannte und sie sah panisch hinter sich. Doch dort war
niemand. Der Wind umspielte den weißen Sand und unheimliche Stille legte sich
wie ein unheilvoller Schleier über das Land.
Sie wusste,
dass er noch hier war. Irgendwo. Sie griff hart um den langen Holzpfahl in
ihrer Hand und richtete ihren Blick wieder gerade aus, wo der Horizont das Ende
des Strandes verschlang. Das Wasser umspielte ihre nackten Füße und spritzte
bei ihren schnellen Schritten zur Seite. Ihr schwarzes, langes Kleid wurde von
dem Wind um ihre Beine geweht, während die lange seidene Schleppe träge auf dem
Boden schliff.
Plötzlich
umschlossen kühle Finger ihr Handgelenk und rissen sie auf den sandigen Boden.
Sie drehte sich sofort auf den Rücken und starrte ihn mit Tränen in den Augen
verachtend an "Wieso?" schrie sie wütend und rammte ihm ihre Faust in
den Magen.
Er fiel
ebenfalls in den Sand zurück und starrte sie verzweifelt an. Sie setzte sich
auf ihn und schlug wie wild in sein Gesicht. "Wieso?" raunte sie mit
tränenerstickter Stimme und schlug ihn solange zu Boden, bis sie von den Tränen
übermannt wurde und zitternd auf ihm zusammenbrach.
"Es tut
mir leid." flüsterte er abgehakt zurück und umfasste panisch ihren langen
Ärmel.
"Wag es
nicht!" schrie sie und setzte sich auf seinen Schoß. Den Pflock
positionierte sie genau über seinem Herz und schaute ihn mit komplett leeren
Augen an. Er erwiderte ihren Blick resignierend und strich ihr mit seiner
rechten Hand ein letztes Mal über die warme Wange. Das Holz des Pflocks
durchbohrte das Herz der Kreatur und für einen Augenblick blieb die Zeit
stehen. In diesem Moment stahl sich ein Lächeln auf das Gesicht des Vampirs.
Seine eisblauen Augen füllten sich mit Tränen und er formte lautlos die Worte
„Ich liebe dich.“
Als eine
leichte Brise die Blätter der nahe gelegenen Bäume wispern ließ, stand sie
zitternd auf und blickte in den sternenübersäten Himmel. Der Wind frischte auf
und eine graue Wolke schien sich für einige Sekunden über den Mond zu legen.
"Ich liebe dich." Die Worte wären im Rauschen des Windes beinahe
untergegangen.
Sie riss ihre Augen auf und setzte sich
verwirrt in dem riesigen Bett auf. Ihre Pupillen schnellten unkontrolliert hin
und her und versuchten etwas in der erdrückenden Dunkelheit zu erkennen. Ihre
Hände tasteten aus Gewohnheit die Umgebung nach einer Waffe ab, doch das
einzige was sie spürte war die glatte Oberfläche der hauchdünnen Bettdecke. Die
schwarze Seide und eine Hand auf ihrer Hüfte.
Nach und nach erwachten ihre Sinne und
sie nahm kalten Atem in ihrem Nacken wahr. Sie roch anders, ein fremder Geruch
lag auf ihrer Haut. Und ihr war so furchtbar kalt. Vorsichtig befreite sie sich
aus der Umarmung, aus den zerknitterten Bettlaken und stand auf.
Ohne nachzudenken lief sie auf das, von
dicken Vorhängen verhüllte Fenster zu und schloss es. Sie konnte ihn im
Halbschlaf etwas Unverständliches murmeln hören. Weit, weit weg. Sanft ließ sie
ihre Fingerspitzen an dem dicken Stoff des Vorhangs entlang wandern und zog ihn
einen unbedeutenden Spalt auf. Mit dumpfem Blick sah sie raus auf die Straßen,
die vom Regen mit einem glänzenden Schwarz überzogen waren. Laternen warfen
ihre verschwommenen Lichtpunkte in den anbrechenden Morgen. Ihr Spiegelbild im
Glas zog den Vorhang wieder zu, das Licht verschwand.
Dann erinnerte sie sich langsam an die
andere Person im Bett und drehte sich geistig völlig abwesend herum. Sie
musterte ihn aufmerksam und lief einige kleine Schritte auf das riesige Bett
zu. Doch dann blieb sie stehen und ihr Blick fiel auf die verstreuten Kleider
in dem Zimmer. Sie sah ihr Kleid und seine Hose. Mit kaltem Blick sah sie an
sich herunter und schluckte hart, als sie erkannte, dass sie nichts anhatte und
das bisher noch nicht einmal gemerkt hatte.
Ohnehin schien es, als hätte jemand die
letzte Nacht einfach so aus ihrem Gedächtnis gestrichen.
Eine riesige Welle der Hilflosigkeit
schien über sie hereinzubrechen und sie kniete sich fast panisch zu dem Haufen
hingeworfener Kleidung herab. Mit weit geöffneten Augen versuchte sie ihre
Unterwäsche zu orten und tastete sich langsam am Boden entlang.
"Was suchst du?" er sprach
ruhig, direkt hinter ihr.
"Meine Kleider." murmelte
sie, ohne sich umzudrehen. Sie konnte hören wie er aufstand, oder drehte er
sich einfach im Bett herum? Nein, die Schritte seiner nackten Füße auf dem
Parkett verrieten ihn.
"Ich denke, die hast du gestern
irgendwo auf dem Flur gelassen." mit einem Grinsen in seiner Stimme kam er
näher. Gleich würde er sie umarmen, seine Arme von hinten um sie legen. Müde
schloss sie ihre Augen, spürte seine Berührung am Ellenbogen und drehte sich
ruckartig um.
"Lass." erwiderte sie hastig.
„Ich find’ sie schon." stotterte sie und schob seine Arme dabei energisch
weg, als er sie festhalten wollte. "Flur ist gut möglich." rang sie
sich ein Lächeln ab und versuchte die fehlende Erinnerung an letzte Nacht so
gut wie möglich zu vertuschen.
Der Gedanke schien sie zu verfolgen,
als sie den Türknauf endlich gefunden hatte und ihn herumdrehte. Er nickte und
gähnte nur gleichzeitig. Im Augenwinkel konnte sie sehen, wie er sich durch die
blonden Haare fuhr. Seine Locken, die sie so gerne um ihren Zeigefinger drehte,
bis heute jedenfalls. Hier in der Dunkelheit sahen sie nicht mehr so schimmernd
aus, wie am gestrigen Abend.
Im Flur lag ihr Slip, aber nicht der
BH. Schulterzuckend zog sie ihn an und warf sich hastig das Kleid über.
Immerhin ein Anfang. Kaffee, war ihr nächster Gedanke und sie sah sich kurz
orientierungslos um.
Ihr Blick blieb auf der Wand haften. Was im fahlen Schein des Kronleuchters
geblieben war, waren die Erinnerungen an seine Hand auf ihrem Rücken. Ihre
Schultern, die sich berührten. Seine Lippen auf ihrer Haut. Schummrige
Filmrisse, die sich scheinbar nicht mehr zusammensetzen ließen. Doch der Morgen
war ernüchternd und brachte ihr den nötigen Abstand um ihre derzeitige
Situation zu analysieren.
Sie wusste noch, dass er sie gestern in
dem Lokal gebissen hatte. Nicht wie sonst, nicht zärtlich, nicht
leidenschaftlich. Er hatte gebissen um zu töten. Sie war die Jägerin, sie
kannte den unterschied. Dann diese Fahrt, seine Worte.. dann verblassten die
Bilder.
Langsam ging sie eine der zwei großen
Treppen herunter und konnte die Küche am Ende des Flurs erkennen. Suchend
blickte sie sich nach etwas ähnlichem wie einer Kaffeemaschine um und fand zu
ihrer Verwunderung schließlich auch eine, in einem der weißen Schränke. Es war
der einzige Raum, der keine dichten Vorhänge hatte. Einige, dünne
Sonnenstrahlen fielen in das helle Zimmer.
Gähnend fasste sie sich an die
Schultern und strich sich selbst über die warme Haut. Dann fassten ihre
Fingerspitzen auf etwas Hartes. Drei, nein vier kleine Krusten waren an ihrem
Hals. Zwei davon direkt an ihrer Halsschlagader. Buffy schluckte benommen.
Sie wusste wie gefährlich das alles
war. Er sollte dafür sorgen, dass sie verschwand und sie warf sich ihm an den
Hals. Wenn er sie nicht tötete würde es jemand anderes machen. Wenn sie
verschwand wäre er schuld daran und würde dafür bezahlen müssen.
Die Kaffeedose fiel scheppernd zu
Boden, der Geruch von gemahlenem Kaffee breitete sich in der Küche aus.
"Mist." fluchend schüttete sie den Kaffee von ihren Füßen. Sekunden
später stand er im Türrahmen, amüsiert grinsend, die Hände vor dem nackten
Oberkörper verschränkt. Die Kratzspuren auf seinem Bauch hatte sie vorhin schon
bemerkt, aber eigentlich wollte sie ihn nicht fragen. Stattdessen klopfte sie
verärgert auf ihrem Kleid herum. "Hast du irgendwo ein Kehrblech?"
"Wenn ich mich recht erinnere
unter der Spüle." antwortete er wie selbstverständlich und neigte den Kopf
etwas, als sie sich bückte. "Lass einfach. Ich hab noch eine Packung im
Vorratsraum."
Vorratsraum? Nicht weiter drüber
nachdenken, kopfschüttelnd öffnete sie eine der beiden Türen unter der Spüle
und begann den verschütteten Kaffee zusammen zu fegen. Vorratsraum. Daher kam
gestern Abend auch die Flasche Rotwein. Rotwein, richtig... Sie hatten Rotwein
getrunken.
Im nächsten Moment ertappte sie sich
dabei, wie sie die Kaffeekrümel schwungvoll in den Mülleimer schüttete und
legte das Kehrblech zurück unter die Spüle. Spike hantierte mit der
Kaffeemaschine, die fauchend ihren morgendlichen Dienst begann.
Nach einigen Minuten drückte er ihr
eine Tasse in die Hand und beobachtete stumm, wie sie sich auf einen der beigen
Stühle setzte. Aufmerksam blickte er sie an, drehte seine Tasse in den Händen
immer wieder herum und erkannte in ihrem Blick den Wunsch danach, sie mochten
heute und hier andere Menschen sein. Überhaupt Menschen. So sein, wie die
Vorstellungen, die sie schon immer von Beziehungen gehabt hatte. Je länger er
in ihre Augen sah, desto mehr wünschte er sich zurück in die Tage, in denen er
noch eine Idee von sich und seiner Welt gehabt hatte. In denen er klare
Prinzipien gehabt hatte. In denen er Drusilla gehabt hatte, und sie einfach nur
diejenige war, die er töten wollte.
Schweigsam beobachtete er, wie sie
ihren Blick verlegen abwendete und in ihre Tasse starrte, während er sie mit
Kaffe füllte. Er wünschte er hätte ihren Blick nicht gesehen. Doch im nächsten
Moment fasste sie nach seiner Hand und lächelte ihn zaghaft an.
"Holst du mich heute Abend
ab?" fragte sie und er nickte beinahe automatisch. In ihrem Blick lag etwas..
doch zum ersten Mal wusste er damit nichts anzufangen. Sie nahm noch einige
Schlücke von der heißen Flüssigkeit, bis sie aufstand und in die Halle lief.
Seine Augen folgten zwar jeder einzelnen Bewegung von ihr, doch er selbst blieb
sitzen bis er das Knacken der Tür hörte.
Teil 11 – Kälte
Er ließ sich von ihrem Blick einfangen
und folgte ihr auf die Tanzfläche. Ohne ein Wort zu wechseln, schauten sie sich
tief in die Augen und begannen sich gemeinsam zum langsamen Rhythmus der Band
zu bewegen.
Ihre Körper gerieten aneinander und
gingen wieder auseinander.
Er bewegte sich hinter ihr und ließ seine Hüfte mit ihrer verschmelzen. Seine
linke Hand hielt sie leicht und doch sicher am Bauch. Ihren rechten Arm hatte
sie in die Höhe gestreckt und seine rechte Hand ließ es sich nicht nehmen an
ihrem Arm zu ihrer Hüfte herunterzufahren. "Sie schauen uns an",
flüsterte sie ihm zu. "Was macht das schon", antwortete er.
Er drehte sie so, dass er ihr Gesicht
bewundern konnte. Ihre Bewegungen wurden noch enger und sinnlicher. Buffys
Händeflächen glitten über seine gut gebauten Schulterblätter. Seine Hände
hingegen waren bereits an ihrem Po angelangt und konnten so jede Bewegung
lenken.
Sie ging leicht in die Knie und
richtete sich wieder auf. Nie hätte sie gedacht, dass ausgerechnet Spike so
tanzen konnte. Natürlich wusste sie, dass sein junges Gesicht alle Lügen
strafte und der Spike, den sie in Sunnydale gekannt hatte, scheinbar nur eine
von tausend Facetten war.
Ihre Körper waren miteinander
verschmolzen und sie genoss jede Bewegung dieses Tanzes.
Ihre Körper gingen abermals auseinander, um sich zwei Sekunden später wieder zu
treffen. Dabei streiften ihre leicht aufgerichteten Brustwarzen an seinem
Körper entlang. Sie schloss dabei ihre Augen und genoss diese Berührung.
Sie beugte sich in seinen Armen ein
wenig nach hinten, richtete sich wieder auf und legte ihren Nacken ein wenig
frei, indem sie ihren Kopf leicht nach links wegdrehte.
Er küsste sie dort nur leicht und ließ
seinen Atem auf ihrer Haut wandern. Nachdem die Band aufgehört hatte zu
spielen, verließen sie gemeinsam die Tanzfläche und begaben sich in Richtung
Bar. Sie setzten sich nebeneinander auf die Barhocker und er bestellte Rum für
sie und ihn.
Buffy schaute Spike ruhig an. Das Licht an diesem Abend ließ ihn viel älter
wirken. Besorgter. Sie fixierte ihren Blick auf ihn und lächelte etwas, als er
ihm begegnete. Mit einem kleinen Lächeln tauchte er seinen linken Zeigefinger
in das Rumglas ein, zog ihn wieder heraus und umspielte ihre Lippen damit. Sie
zog bereitwillig ihren Kopf leicht nach hinten, öffnete ihre Lippen, sog seinen
Finger in ihren Mund und umspielte diesen mit ihrer Zunge.
Im gleichen Moment, tauchte sie zwei
Finger in den Rum und strich langsam über Spikes Nacken. Sofort machte sich ihr
Mund auf den Weg die bestrichenen Stellen von seiner Haut zu säubern. Sie
öffnete leicht ihre Beine, so dass Spike seine Knie dazwischen schieben konnte.
Unbewusst rutschte sie ihm noch etwas entgegen und schloss dabei ihre Augen.
Während sich ihre Lippen trafen und in
einem langen innigen Kuss verschmolzen, streichelten seine kalten Hände ihre
äußeren Schenkel. Dabei presste er diese leicht gegen sein rechtes Bein und
übte gleichzeitig einen leichten Druck auf ihre Mitte aus. Diese Bewegung blieb
von ihr nicht unbemerkt und sie stöhnte leise, als die nasse Stelle an ihrem
Hals von seinem Atem überflogen wurde.
Für einen Moment stoppte sie, um etwas
zu sagen, doch in diesem Augenblick packte er sie an der Hüfte und zog ihr
Becken an das seine. Sie war zu überrascht um Gegenwehr zu leisten und
eigentlich wollte sie es auch gar nicht. Das war genau das, was sie sich
erhofft hatte... zumindest jetzt und hier. Der Alkohol schien bereits seine
Wirkung zu entfalten.
Er drückte seinen Schritt gegen ihren
Bauch und zog sich wieder zurück. Buffy ergriff das Gefühl, dass alle sie
anstarrten, doch als sie sich umsah war das Gegenteil der Fall.
Als sie ihn wieder ansah, haftete sein
Blick nicht mehr an ihr, sondern auf einer der Türen im Hintergrund, die noch
leicht hin und her schwang. "Hör zu." begann er und winkte
gleichzeitig den Barkeeper herbei. „Ich
muss eben für zwanzig, dreißig Minuten weg, in Ordnung?" fragte er sie,
doch die Frage war mehr eine Feststellung die keiner Erlaubnis bedarf.
„Trink doch noch was." schlug er
vor und ein kleines Lächeln flog für Sekundenbruchteile über seine bleichen
Lippen.
In ihrem Kopf drehte es sich. Ein
Cocktail nach dem anderen. Jedes Glas begann sich zu leeren, wie ihr Kopf. Das
zuverlässige Gerüst aus Erfahrungen und Schranken war gefallen, ihre
Sinnlichkeit befreit. Nur die Erinnerung an sich hielt sie vom Äußersten, von
vielen Lächerlichkeiten zurück, die ihr später unangenehm wären.
Ihr Blick war verträumt, vielleicht auch müde. Sie richtete ihn auf Spike und sah
ihn bittend an. Wollte ihm sagen er sollte nicht gehen, weil sie sich hier
nicht auskannte, aber sie tat es nicht. Stattdessen nickte sie...warum wusste
sie selbst nicht.
“Willst du noch einen?" fragte er sie nochmals, eine Antwort erwartend und
klopfte mit seinen Fingerspitzen eine stumme Melodie auf die hölzerne Theke.
Für einige Sekunden ließ Buffy ihren Blick durch die Disco schweifen. Ein
dunkler, gut aussehender Typ saß zu ihrer Linken. Strähnen fielen ihm ins
Gesicht. Sein knappes, eng anliegendes Hemd zeugte von Selbstvertrauen.
"Willst du mich abfüllen?"
fragte sie zurück und stützte ihren Kopf auf den rechten Arm, während sie ihn
skeptisch, im Grunde aber gleichgültig anschaute. Es war ihr egal, was er mit
ihr vorhatte. Ihre Situation schien bei näherem Hinsehen ohnehin ausweglos.
Aber diesen kleinen Widerstand erlaubte sie sich. Sie kannte seine Vorzüge. Und
sie kannte seine Schwächen. Zumindest glaubte sie das noch, aber vielleicht war
das auch der Rum.
"Hab dich nicht so." lächelte Spike nur zaghaft. Er strich ihr eine
große Locke aus dem Gesicht und drückte ihr einen seltsam zärtlichen Kuss auf
den Mund. "Sei einfach mal locker. Ich bin gleich wieder da. Ich bezahl
ihn auch." - Die falsche Antwort. Offenbar hatte er heute keine Lust auf
Spielchen. Also direkter. "Was machen wir dann? Ich kann nicht mehr
laufen, glaub ich..."
Spike zog seine linke Augenbraue hoch.
Jetzt schien er verstanden zu haben. "Ich bring dich schon nach
Hause." er grinste. Fast entschuldigend streifte er ihr über die Wange.
Ein wenig grob.
"Hey..." Sie griff nach
seiner Hand, als wollte sie ihn wegstoßen, hielt aber inne und ließ beide auf
den Tresen sinken. Und sie blickte ihn flehend an und hoffte er würde
verstehen. Etwas in ihr schrie, er müsse bleiben. Sie sollten sich nicht
trennen, nicht jetzt. Zu gefährlich, zu viele Menschen hier, die sie vernichten
wollten. Aber sie brachte kein Wort heraus.
"Wartest du kurz auf mich? Ich
bestell dir noch einen." er machte sich los und sprach mit dem Kellner.
Sie verstand kein Wort und sah Spike schließlich durch den Hinterausgang
verschwinden. Ihr Arm rutschte auf der glatten Holzfläche zur Seite. Bevor ihr
Oberkörper langsam der Schwerkraft nachgab, registrierte sie, wie ein hohes
Glas mit gelblich-grünem Saft und allerlei Früchten, sowie zwei bunten
Strohhalmen vor ihr abgestellt wurde. Eine lachsfarbene Kirsche war von einem
Holzspieß durchbohrt...
Teil 12 – Wahrheit
Ein widerliches Gefühl stieg in ihr auf. Es war unmöglich weiter zu trinken.
Trotzdem würde sie auf ihn warten. Als sie suchend ihren Kopf hob, heftete sich
ihr Blick auf einen Mann, der an die nahe Wand gelehnt war und sie permanent
anstarrte. Seine etwas fettigen langen Haare, sein unrasiertes Gesicht und sein
glasiger Blick hätten jedes eingehende Interesse an seiner Person verhindern
müssen, dennoch war es gerade diese Einzigartigkeit unter der aufgeputzten
Gemeinde, die ihren Blick auf ihm haften ließ. Sein markantes Gesicht sah gut
aus. Er stand inmitten von drei Frauen, die wohl alle mehr als einen Drink
gehabt hatten.
Sie beobachtete ihn. Er sagte kaum ein
Wort, entgegnete nur hin und wieder eine kurze, vielleicht zurecht gelegte
Wendung. Er machte nicht den Eindruck, sich für diese Frauen zu interessieren,
stattdessen sah er immer wieder zu ihr.
Noch länger ruhte ihr Blick auf ihm.
Sie genoss die Ruhe, die von ihm ausging und doch machte er sie mit seinem
durchdringenden Blick zunehmend nervöser.
"Hey Jägerin, langweilst du dich?" hörte sie ihn nächsten Moment
neben sich. War denn schon so viel Zeit vergangen? Unwillig verlagerte sie ihr
Gewicht auf die rechte Seite und sah ihn ernst an. Ein wenig war sie
erleichtert, aber das wollte sie ihm jetzt nicht zeigen.
"Nenn mich nicht so."
flüsterte sie und stützte ihren Kopf auf ihrer Handfläche auf.
"Was ist los?" fragte er
grinsend und biss sich dabei leicht auf die Unterlippe. Seine Augen folgten
jeder ihrer Bewegungen.
"Ach nichts...." antwortete
sie schnippisch und starrte vor sich hin. Das musste er als Einlenken deuten.
Er tat es. Und so war es gedacht. So kantig und bleich er war, so kantig und
weiß schienen auch seine starke Brust, seine Oberarme zu sein... Sie konnte
sich nicht vorstellen, diese Nacht ohne ihn zu sein. Nicht mehr. Zuviel würde
über sie herein brechen. Allein mit ihren Gedanken. Also lieber eine Nacht ohne
nachzudenken. Noch eine Nacht ohne nachdenken zu müssen... so würde es
weitergehen... es war berauschend endlich nicht mehr diese Bilder vor sich zu
sehen. Nicht diese toten Augen. Sie würde sich ihm so lange hingeben, bis...
Bis?
Sie stütze sich mit dem Ellenbogen auf
der Bar ab und griff nach dem Holzstab in ihrem Cocktail. Es musste aussehen,
als wenn sie grübelte. Ihr selbst war nicht klar, worüber. Es war bereits
schwer einen Gedanken fassen zu können, wie hätte sie da nachdenken sollen.
Langsam streifte sie die Kirsche mit den Lippen ab, zerteilte sie von innen
heraus mit der Zunge, legte sie sich hinter die vorderen Schneidezähne und
schob sie hin und her. Den Stab zerbrach sie. Mehrfach.
Er betrachtete sie mit fragendem Blick.
"Was ist mit dir los? Schau mich nicht so an."
Was war das? Sollte er sich wirklich
dafür interessieren? Sie schaute aus den Augenwinkeln in seine Richtung. Nein.
Diese Redensart war typisch für ihn und eigentlich ein Vorwurf. Er trommelte
mit seinen Fingern im Takt der viel zu lauten Musik und seine silbernen Ringe
spiegelten das Licht der Discokugel in ihr Gesicht. Eine Art Flackern um ihre
Augen. Ein angenehmer Rhythmus.
Dann sah sie es.
Entrückt blickte sie auf seine Hand,
auf diesen breiten Ring mit den schwarzen Zeichen darauf. Es war Giles Ring. Er
sagte kein Wort mehr. Wahrscheinlich hatte er es nicht einmal bemerkt.
Ihr Mund fühlte sich taub an, sie
wusste nicht was sie sagen sollte, ihre Gedanken überschlugen sich. Ihr Blick
viel immer wieder zurück auf seine Hand und ebenso schnell wieder davon weg.
Ein Schauer ging durch ihren Körper und sie spürte wie ihre Augen feucht
wurden.
Das konnte nicht sein. Durfte nicht. Er
konnte es nicht getan haben. Es musste es getan haben.
Minuten vergingen, ohne dass sie
aufblickte und sie versank langsam in einer Mischung aus Betäubung und
Gedankenlosigkeit. Das Letzte, an das sie sich zu erinnern glaubte, waren ihre
eigenen Worte.
„Du hast sie getötet. Ich hasse dich.
Du widerst mich an.“
-
Worüber redeten diese Leute? Es hatte
keinen Zweck, dem Gespräch zu verfolgen. Sie fand weder einen Einstieg, noch
irgendeinen Sinn für die Beteiligung daran. Das Vorhandensein, das reine,
körperliche Vorhandensein in dieser Runde genügte ihr. Wenigstens jetzt. Ihr
schien, als der Mann zu ihrer linken sie zum vierten Mal anstupste, dass er
vielleicht eine Antwort erwartete. Doch sie schaute zur Seite, ignorierte die
berauschten Stimmen und das Gelächter.
Dieser Mann stand immer noch dort. Ihre
Augen trafen seine. Unvorbereitet. Sie erschrak leicht und hielt ihm nicht
lange stand. Hatte sie ihn aus Neugier beobachtet? Aus Bestätigungssucht? Zur
Versicherung der eigenen Vollkommenheit? Gar aus Mitleid? Ihr war klar, dass
sie keinen guten Eindruck machte. So kaputt, wie sie hier auf diesem Barhocker
saß.
"Hallo." Die Stimme klang
sehr nah. Beinahe in Zeitlupe öffnete sie ihre Augen und sah hinter dem vollen
Glas einen Mann sitzen. Erschrocken richtete sie ihren Oberkörper auf und starrte
ihn an.
"Müde?" fragte er mit einem
kleinen Lächeln auf den Lippen und strich sich selbst kurz durch die schwarzen
Haare.
"Nein." entgegnete sie
schnell. Es war der Mann, den sie beobachtet hatte. Sie wollte ihm keinen
Anlass für Überlegenheit geben, da sie ohnehin befürchtete, ihm nicht gewachsen
zu sein.
"Ich habe wohl nur zu viel
getrunken." sie lächelte. Mehr aus Verzweiflung als aus Nettigkeit und sah
weg, als sie seine Blick spürte. Er musterte sie eindringlich. Dann senkte er den
Kopf und schwieg. Etwas unbeholfen strich sie sich mit den Fingern die Haare
aus ihrem Gesicht. Als sie die Hand senkte, bemerkte sie, dass sich zwei Knöpfe
ihrer Bluse geöffnet hatten. Verlegen zog sie die Enden zusammen, ohne sie zu
schließen. Er blickte wieder zu ihr.
"Woher kommst du? Du bist nicht
aus Venezuela, richtig?" fragte er nach einigen Minuten und spähte für
wenige Sekunden zu ihr.
"Oh, nein. Ich bin nicht von hier.
Mein... Ein Freund hat mich hergebracht. Dann ist er gegangen." antwortete
sie wahrheitsgemäß und blinzelte verzweifelt, um die Tränen zu halten.
"Und wie kommst du nach
Hause?" fragte er seltsam ruhig und stierte auf die Bierflasche in seiner
linken Hand.
"Ich... Ich warte hier auf
ihn." Eine dumme Antwort. Aber hätte sie sagen sollen, dass sie ihn fort
gejagt hatte? Hätte sie ihm sagen sollen, dass er ihr Leben ruiniert hatte?
Dass sie ihm gedroht hatte ihm einen Pflock ins Herz zu jagen wenn er nicht
gehen würde. Ob er dann wohl noch mit ihr gesprochen hätte?
"Vielleicht fahre ich auch mit dem
Taxi nach Hause." schob sie endlich nach, um ihre Situation nicht ganz so
mitleid erregend wirken zu lassen.
"Mit dem Taxi?" Er steckte
seine Hand in die Tasche, als wenn er etwas suchte. „Hier ich kann dich
mitnehmen.“ Er ließ den silbernen Autoschlüssel zwischen seinen Fingern hin und
hergleiten.
Sie nippte an ihrem Glas und sah ihn
an.
Teil 13 - Melodie
Leise prasselte der Regen an die
Fensterscheibe, wie ein Trauerlied klangen seine Tropfen. Die Melodie des
Wassers, wie es ans Glas klopfte und langsam gleitend, an ihm herunterfiel. Im
Zimmer selbst war es warm, die Heizung stand wohl auf der höchsten Stufe. Es
war ein kleines Zimmer, schmal und nicht sehr lang, aber dennoch sah es groß
aus. Das Bett, mitten im Raum stehend, sonst nichts. Mehr brauchte es scheinbar
auch nicht.
Ansonsten war der Raum mit den Wänden,
die aussahen, als habe jemand Blütenstaub über sie geblasen, vollkommen leer.
Keine Bilder, die den Eindruck der Weite stören würden, keine Schränke oder
Spiegel. Nur das Bett, das da stand.
Die Decke war sorgfältig über dem Bett
ausgebreitet gewesen. Straff gespanntes Weiß, so genau, dass sie Angst gehabt
hatte, die kleinste Berührung würde es zerknittern, seine Unversehrtheit
zerstören. Lächerlich, im Nachhinein. Auch im Kissen waren keine Falten
gewesen. Makellos hatte das Bett im Zimmer gestanden, umgeben von den
Blütenstaubwänden, als erwartete es jemand. Einen Gast. Sie.
Draußen stimmte eine Windböe pfeifend
in das Wasserlied mit ein. Sang mit dem Regen ein Duett von dieser Nacht, die
alles verändert hatte. Sie sangen von seiner rechten Hand, die sich gewaltsam
auf ihre trockenen Lippen drückte, damit sie nicht schreien konnte. Das Lied
berichtete über den Mann, der den letzten Funken Stolz in ihr gebrochen hatte,
als er das erste Mal gewaltsam in sie eingedrungen war. Die Melodie erzählte
von ihren Augen, die starr das Zimmer musterten und krampfhaft einen Gegenstand
suchten, an dem sie haften konnten... doch da war nichts. Sie war so dumm
gewesen mit ihm mit zu gehen – Und zu willenlos um sich zu wehren, als sie
erkannte hatte was er vor hatte. Dort wo er sie hingebracht hatte gab es keine
Clematisblüten. Nur den Tod.
Seine Lippen streiften über ihre
Brüste. Seine Zunge tastete zärtlich alle Erhebungen ihrer Warzen ab. Ihr
gesamter Körper war steif und sah wie tot aus im Mondlicht. Als er seine Hände
grob zwischen ihre Schenkel führte, manifestierten sich hinter ihnen zwei
Personen.
Er fühlte die Falten zwischen seinen Fingern.
Jede dieser Falten, die ihn so warm umschlossen hatten. Sie wurden kalt.
"Armes Mädchen." flüsterte er andächtig, fast wie im Traum, beinahe
als Gebet. Dann richtete er sich auf und betrachtete lange ihr Gesicht, bevor
er ihre Hand auf seiner Schulter fühlte.
"Das hast du gut gemacht, Shakaris. Ein Genickbruch hätte es allerdings auch
getan." flüsterte sie und eine winzige Spur Mitleid war in ihrer Stimme zu
erkennen. Doch als er schweigend zu ihr blickte, war dieser Ausdruck in ihrem
Gesicht längst verschwunden und sie lächelte dunkel. "Und jetzt verwandle
dich bitte zurück, ich kann dich so nicht küssen." befahl sie mit ernster
Mimik.
Er tat was sie wollte und im nächsten
Augenblick stand wieder der Dämon vor ihr, der er war.
Ihre Lippen berührten sich schwach und
Driana zog mit zwei Fingern eine leicht rötliche Spur über sein Gesicht.
"William wird dich dafür jagen." schnaubte sie und drückte sich gegen
seine Seite, als sie auf die regungslose Frau sah.
Driana löste sich von ihm und beugte
sich sehr langsam zu dem Körper auf dem Bett nieder. Sie strich ihr die
goldenen Locken aus dem Gesicht und drückte ihr einen kurzen Kuss auf die
Stirn. Ein roter Fleck blieb auf der weißen Haut.
"Es tut mir leid, Kleines. Aber
was du gesucht hast, habe ich nun gefunden. So viel mehr, als ich wollte. In
dieser Welt gibt es nicht viel Platz für Frauen wie uns und dein Leben war
ohnehin vorbei. Er hat es damals zerstört und das hätte er nicht mehr
wiedergutmachen können."
-
Am Himmel kreisten aufgeregte Krähen,
die sich laut krächzend über die Ruhestörung beschwerten. Seine dicken Sohlen
erzeugten laute Geräusche auf dem trockenen Asphalt als er über den
menschenleeren Gehsteig rannte. Mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen
musterte er die Rose, die in seiner rechten Hand lag. Der Stiel war lang und
hatte nur wenige Dornen. Sie war beinahe vollkommen.
Er hatte nicht gedacht, dass sie ihn
noch einmal sehen wollte. Er hatte schon gepackt, wollte gehen. Dann hatte er
ihre Nachricht vor seinem Haus gefunden.
Ein Regentropfen zerplatzte im nächsten
Augenblick vor seinen Füßen auf dem Boden, während sich die ersten Orangetöne durch die graue Wolkendecke kämpften. Ein
kräftiger Windstoß wehte unzählige Blätter aus den grünen Baumkronen, während
er auf die Promenade einbog.
-
Schließlich erreichte er endlich das
Haus. Die Hausbeleuchtung war nur eine matte Reminiszenz an eine strahlende
Vergangenheit. Es wirkte matt und trüb, so wie die restliche Gegend. Die
Glühbirne surrte verzweifelt. Seine Hände zitterten, als er die Klingel
betätigte. Er wartete eine Ewigkeit und kaum war sie vergangen kroch die
nächste schon heran. Das Summen der Lampe verschwand und er drückte die Türe
hastig auf. Er lugte auf den Zettel in seiner Hand. Fünfter Stock.
Selbst wenn seine Gedanken nur eine
schwache Ahnung waren, warum sie nicht mehr in dem Lokal gewesen war, fühlte er
sich nicht wohl auf dem Weg nach oben. Im zweiten Stock kam ihm eine Frau
entgegen. Sie konnte nicht viel älter sein, als er es zu seinen Lebzeiten
gewesen war, noch keine dreißig. Verhärmtes Gesicht. Falten wie Fahrrinnen des
Kummers, vom Salz der Tränen in die Haut gefressen. Sie sah ihn erschrocken an.
Was starrst
du? Ist es die schwarze Kleidung? Oder ist es die Rose? Fühlst du dich
plötzlich ungeliebt?
Er schob sich an ihr vorbei. Sie trat
sofort zur Seite, bis an die Wand. Sie war blass, fast weiß, aber er dachte
nicht lange darüber nach.
Hast du etwa
Angst? Warum? Was hast du denn noch zu verlieren? Du bist längst tot.
Nach einigen Sekunden stand er schließlich
vor der Türe mit der Zahl 35. Laut hämmernd schlug seine linke Faust auf das
feste, dunkelbraune Holz der Türe ein. Und sein Gesicht verfinsterte sich, als
plötzlich geöffnet wurde und sich Driana mit einem zuckersüßen Lächeln an ihm
vorbeischlängelte. Ihre dürren Finger legten sich auf seine Schultern. Jetzt
verstand er. Er verstand und er wollte sterben.
"William." hauchte sie an
sein Ohr und leckte sich mit ihrer Zunge einmal über die Oberlippe, die
ungewöhnlich rot war. Sie roch nach Blut. "Versprich mir, dass du nicht
weinen wirst." grinste sie zunehmend gehässiger und ließ ihre
Fingerspitzen dabei flüchtig durch seine blonden Haare fahren. Dann ging sie
weiter und Spike starrte nur in Shakaris Augen, als
er ihr folgte.
"Tut mir leid mein Freund. Aber
das war einfach zu gefährlich für uns." nickte er und klopfte ihm im
Laufen auf die Schulter. Es vergingen noch einige, kurze Augenblicke, in denen
er die Geräusche ihrer hohen Absätze auf dem Parkett hörte, bevor sie
verschwunden waren.
-
Er sah verzweifelt in ihre glanzlosen
Augen und konnte die Leere darin sehen. Und er spürte, wie eine eisige Träne
auf ihre noch kältere Wange fiel, als er sein Handgelenk ein weiteres Mal grob
auf ihre geschlossenen Lippen drückte. Das Blut tropfte auf die dünne Haut
ihres Mundes, doch konnte nicht hindurchsickern. Spike schluckte hart und
starrte verwirrt auf diesen leblosen Körper nieder. Grüne Augen starrten
zurück. Er sah sie an... und konnte sie nicht mehr finden.
"Nicht." bat er ohne zu
sprechen, doch die Bewegung seiner Lippen verriet, was er sagen wollte. Ein
mattes Lächeln stahl sich auf Buffys Lippen und für den Bruchteil einer Sekunde
unterbrach sie den Augenkontakt zu ihm, als sie schwerfällig ihre Hand hob.
Zärtlich fuhr sie mit ihren Fingerspitzen über die tiefen Furchen auf seinem
Gesicht und letztendlich zu seinem Mund, der ihren Daumen kaum spürbar küsste.
Und sie konnte die Schwere fühlen, die
auf ihre Lider drückte und wusste, dass der Zwang sie zu schließen nicht
nachlassen würde, bis sie nachgegeben hatte. Doch noch war sie nicht bereit zu
gehen. Sie wusste nicht, ob sie jemals wieder ohne den Anblick der Liebe in
seinen blauen Augen leben konnte. Es war das erste Mal, dass er sie ihr zeigte.
Die Hingebung und Verbundenheit, die er zu ihr fühlte und niemals zeigen
durfte.
"Bitte..." konnte sie sein
Flehen hören und spürte abermals den Druck seiner Hand, die er fest auf ihren
Mund drückte. Doch sie öffnete ihre Lippen nicht, obgleich sie wusste diese
Flüssigkeit würde ihr die Chance geben weiter zu existieren. Mit ihm. Aber ohne
ihre Seele. Dieser Preis war zu hoch.
Ein kurzes Kopfschütteln, das ihm
hoffentlich das sagte, was ihr Körper ihr nicht mehr gestattete laut
auszusprechen. Ein letztes Mal, bevor der Schleier um sie herum dichter wurde
und ihr die Sicht nahm, blickte sie ihn an. Und sie war dankbar, dass das tiefe
Blau seiner Augen sie bis in die Ewigkeit begleiten würde.
Dieser Ausdruck, der so viel mehr war,
als nur ein Satz. Es war mehr als drei Worte. Es war mehr als ein "ich liebe
dich" und mehr, als er ihr jemals hätte sagen können.
Und als sie die erhoffte Leichtigkeit
umfing, konnte sie einen markerschütterten Schrei hören. Und auch sie sehnte
sich nach ihm. Selbst jetzt noch. Aber das war nur ein Wunsch, heimlich und unausgesprochen...
die Bitte, ihn wieder sehen zu dürfen an einem besseren Ort. Das Flehen, das
immer unerfüllt bleiben würde. Denn das Tor zu dem Ort, zu dem sie nun gehen
musste war für ihn verschlossen... und würde es immer bleiben.
Ende