Titel: The Displaced Truth

 

Autor: Anna, annawoerner[at]gmx[dot]net

 

Genre: Drama, Romantik

 

Zeit: Grob angesiedelt circa Ende fünfte, Anfang sechste Staffel.

 

Charaktere: Buffy, Spike

 

Inhalt: Alle ihre Freunde sind tot, grauenhaft ermordet als sie nicht da war um sie zu beschützen. Ein Jahr danach lebt Buffy unter falschem Namen im abgeschiedenen Caracas, der Landeshauptstadt Venezuelas. Eines Abends trifft sie auf einen alten Bekannten, doch bevor Buffy erkennt was Spike ursprünglich in dieses Land getrieben hat, ist es bereits zu spät: Sie hat sich verliebt.

 

Teil(e): 13

 

Abgeschlossen: Ja

 

Wörter: 25427

 

Warnung: Sehr düstere Fiction! Charaktertod! Graphische Gewaltszenen, Sex und eine angedeutete Vergewaltigung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 1 - Vergangenheit

 

Ja, er hatte Recht gehabt. Es war ein Tanz. Eine schier endlose Abfolge von Schlägen und Tritten. Zumindest in ihren Träumen.

 

"Du hast es doch gewusst. Die ganze verdammte Zeit hast du es gewusst." Erdrückende Endgültigkeit lag in seiner Stimme, als er langsam, Schritt für Schritt auf sie zukam. Stahlblaue Augen musterten sie aus kühler Distanz, umkreisten sie wie ein weiteres wertloses Opfer. Doch beide wussten, dass sie alles andere als das war. Diese Nacht würde beide für immer verändern. Sie hatten sich stundenlang bekämpft. Seine Worte waren schmerzhafter als seine Schläge.

 

Kühle Finger verstärkten den Druck um ihren Hals und sie keuchte verzweifelt, den Blick immer zu ihm gerichtet.

 

Für einen Moment zweifelte er, als ihm sein Handeln bewusst wurde, doch als er den angewiderten Ausdruck in ihren Augen sah fühlte er, dass es keinen anderen Weg gab. Bevor auch der letzte Funken an Kraft aus ihrem Körper gewichen war zog sie sich zitternd an den kalten Körper.

 

"Ich wollte es nicht wissen." röchelte sie und ein wissendes Lächeln zog über seine blassen Lippen. Er ließ den leblosen Körper vorsichtig auf den kalten Stein sinken, strich ihr ein letztes Mal über die gebräunte Wange und küsste sie sanft auf die geöffneten Lippen.

 

"Leb wohl, Jägerin." Seine Schritte waren lang und bedächtig als er durch die nebeldurchwanderte Gasse ging.

 

 

Sie schrak auf, blickte verwirrt in den sternenklaren Himmel und lauschte dem Rauschen des Meeres.  Es war eine lauwarme Nacht. Das silberne Schimmern des Mondes spiegelte sich auf den hohen Wellen, die sich lautstark an den steilen Klippen der Bucht brachen. Das Wasser spülte den weißen Sand für einige Sekunden an die Bucht und nahm ihn dann wieder in sich auf.

 

Sie lag oft bis spät in die Nacht draußen am Strand und starrte auf das Meer. Es gab viele dieser ruhigen, bedächtigen Nächte in Venezuela. Das Haus stand inmitten einer einsamen Bucht, weit entfernt von den Touristenstränden. Einsamkeit war seit zwei Jahren das Einzige, das sie ertragen konnte.

 

Das noch warme Wasser umspielte ihre nackten Füße und ließ den weichen Sand um ihre Zehen treiben. Ihr blaues Sommerkleid wurde sanft vom Wind umspielt, während sie sich mit ihren Händen im Sand abstützte und in Erinnerungen versank.

 

Es war ein Freitag gewesen. Genauer gesagt der 14. März, irgendwann gegen einundzwanzig Uhr Abends. Sie erinnerte sich als ob es gestern geschehen war. Die trübe Hitze des vergangenen Tages hing noch immer wie ein weißer Schleier über den dunklen, leeren Straßen von Sunnydale. Sie ging erschöpft über den Gehsteig, der nur matt von den Straßenlaternen beleuchtet wurde. Während sie in ihrer linken Hand nur eine braune Papiertüte mit der Aufschrift ‚Doublemeat Palace’ hielt, umschlossen die Finger der rechten Hand einen langen, hölzernen Pfahl.

 

Schon von weitem erblickte sie den umgetretenen Briefkasten, die aufgebrochene Haustür und die vielen zersplitterten Fenster. Die Tüte fiel mit einem dumpfen Geräusch auf den warmen Asphalt, während ihre Schritte mit unmenschlicher Geschwindigkeit über die Straße donnerten. Keuchend starrte sie auf die blutverschmierten Wände und die zerbrochenen Möbelstücke.

 

Tränen fielen ungehindert auf die braunen Holzdielen herab während sie sich haltsuchend gegen die kalte Wand im Flur drückte. Der Pflock in ihrer Hand begann heftig zu zittern als sie ihn stärker umgriff, dann jedoch einfach fallen ließ und beobachtete wie er ein Stück von ihr weg rollte.

 

Dann sah sie sie. Sie lagen einfach da. Stumm. Zwei Augenpaare blickten teilnahmslos an die Decke.

 

Dawns Kopf lag in einem unmöglichen Winkel zur Seite gedreht und sie blickte von Buffy weg in Richtung Küche. Sie konnte Giles nicht erkennen. Das was von ihm übrig geblieben war, war sein Jackett und die Schuhe.

 

Willow und Tara fand man noch am selben Abend tot in ihrem Studentenzimmer. Ebenso Xander und Anya, die am nächsten Morgen von einem Nachbar aufgefunden wurden.

 

Sie erinnerte sich wie man ihr therapeutische Hilfe angeboten hatte. Doch sie lehnte ab. Sie wusste dass ihr niemand helfen konnte. Für etwas Derartiges gab es keinen Notfallplan. Ihr  Lebenswille war zusammen mit den anderen gestorben.

 

Die Palmen wankten seicht im Wind während man immer noch entferntes Vogelgezwitscher hören konnte. Sie ging langsam den steinigen Weg entlang, der zu ihrem Haus führte. Vorbei an den weißen und blauen Clematisblüten, die zu dieser Jahreszeit besonders schön blühten. Die alte Frau Tirado, von der sie das Haus übernommen hatte, liebte diese Blumen und deshalb waren sie in großen Massen in der kleinen Bucht zu finden. Es war das reine Paradies in ihrer eigenen Hölle.

 

 

Giles hätte sich sicher gefreut über das, was sie mit seinem Geld gekauft hatte. Er hatte schließlich gewusst wie sehr sie das Meer liebte. Der Notar war unerwartet vorbei gekommen. Einige Wochen danach. Er stand mit seinem grauen Lederkoffer vor ihrem Hotelzimmer und grinste sie an. Grinste als ob das was er ihr zu sagen hatte, alles andere wieder gut machen würde.

 

Woher Giles das ganze Geld hatte wusste Buffy bis heute nicht und wahrscheinlich war es besser sie würde nicht versuchen es herauszufinden. In der beigelegten Videokassette hatte er davon gesprochen, wie sie das Geld für Dawns Studium oder Sonstiges hätte ausgeben können, doch sie hatte niemanden mehr mit dem sie es hätte teilen können. So hatte sie beschlossen ins Ausland zu ziehen - sich vom Höllenschlund abzuwenden und neu zu beginnen.

 

Gähnend schloss sie die Haustür auf, die sich daraufhin knarrend öffnete. Sie knipste das Licht an und betrachtete lächelnd das Wohnzimmer, das ganz schlicht in weiß gehalten war. Auch im Haus befanden sich viele Clematisblumen und einige Topfpalmen, die bis an die Decke reichten. Schnell hing sie ihren Schlüssel an den Hacken neben der dunkelbraunen Tür und zog ihre Sandalen aus.

 

Langsam stieg sie die hölzernen Treppen in das obere Stockwerk hinauf und öffnete die Balkontür in ihrem Schlafzimmer. Ihr Bett hatte weiße seidene Bettwäsche und schwere, schneeweiße Vorhänge rundherum, die von der Decke auf den Boden fielen. Mit geschlossenen Augen ging sie leise auf den Balkon, zuckte bei der Kühle der Fliesen kurz zusammen und setzte sich dann seufzend auf den riesigen, beigefarbenen Sessel. Nachdenklich blickte auf das tobende Meer und schlang die Arme fest um ihren Oberkörper. Kopfschüttelnd versuchte sie ihre wirren Gedanken loszuwerden und schlief nach einiger Zeit schließlich ein.

 

-

 

Sie spürte die vielen, eifersüchtigen Blicke der Frauen auf ihrem Rücken, doch es störte sie nicht weiter. Nein, eigentlich spornte es sie geradezu an sich noch lasziver zum Rhythmus der Musik zu bewegen. Er grinste wissend und schloss sich ihrem langsamen und provokativen Tempo an. Eng umschlungen bewegten sie sich auf der Mitte der Tanzfläche, umringt von unzähligen Pärchen, die sie teilweise eifersüchtig, teilweise ungläubig und kopfschüttelnd anstarrten. Doch das störte sie nicht weiter. Sie war viel zu aufgedreht und neugierig was der Abend sonst noch mit sich bringen würde. So presste sie sich noch etwas enger an ihren fremden Tanzpartner und grinste breit in die empörte Menge.

 

Nach einigen Minuten stoppte das Lied plötzlich und so schlängelten sie sich, Hand in Hand zu einem Tisch abseits der Tanzfläche. Sie nahm ihr Glas in die Hand nippte an ihrem Cocktail während sie dem Mann vor sich verführerisch zublinzelte.

 

"Und was machen wir jetzt?" säuselte sie in sein Ohr und ihre langen roten Fingernägel legten sich auf seinen rechten Oberschenkel.

 

"Schlag was vor." grinste er ansatzweise und blickte amüsiert auf die vielen tanzenden Menschen.

 

"Ich hab ein wenig Hunger." lächelte sie und warf ihr langes, schwarzes Haar in den Nacken.

 

"Oh, ich auch." sagte er trocken und im nächsten Moment bohrten sich spitze, weiß glänzende Fangzähne in die zarte Haut der keuchenden Frau. Gelbfunkelnde Augen blickten begierig auf das dunkelrote, überschüssige Blut, das sich aus der Wunde langsam über den zart gebräunten Rücken herabschlängelte. Kurz bevor auch der letzte Tropfen des roten Saftes aus ihrem gebrechlichem Körper gewichen war stoppte er und blickte sie kalt an. Ihre schockgeweiteten, blauen Augen starrten ihn flehend an und die seichten Bahnen vereinzelter Tränen hatten helle Striemen in ihr makelloses Gesicht gezogen. "Wieso?" Die Frage brannte ihr auf der Zunge, schaffte es aber nur leise und abgehakt über ihre Lippen zu treten.

 

Er blickte sie mitleidig an und wandte seinen Mund sehr langsam zu ihrem Ohr "Porque puedo." (Weil ich es kann.)

 

Mit einer einzigen schnellen Bewegung warf er den leblosen Körper auf die rote Eckbankbank. Während er aufstand, glättete er das schwarze Leder seines Mantels und zog die halbleere Zigarettenschachtel aus der Seitentasche. Zufrieden steckte er sich eine zwischen die Lippen, beobachtete wie das Feuer den Tabak entflammte und schmiss den Zettel, auf dem ihre Telefonnummer stand, auf den blutroten Tisch.

 

-

 

Schließlich rissen sie die grellen Sonnenstrahlen der Morgensonne und die schwüle Hitze, die sich bereits früh auf dem Balkon verbreitete, aus ihrem Schlaf. Gähnend öffnete sie die Balkontür und streckte sich kurz der Sonne entgegen bevor sie hinein ging. Ihr Bett lag unbenutzt zu ihrer rechten, als sie langsam ins Badezimmer ging.

Nachdem sie sich geduscht und ihr neues, weißes Kleid und eine schwarze Strickjacke angezogen hatte schloss sie die Tür hinter sich und machte sich auf den Weg zu der Garage, die einige Meter vom Haus entfernt lag.

Alle zwei bis drei Wochen musste sie in die Hauptstadt fahren um Lebensmittel auf dem wöchentlichen Markt einzukaufen. Ihr Gesicht verzog sich bei dem Gedanken. Sie hasste es unter all diesen Menschen zu sein. Sie hatte sich an die Einsamkeit gewöhnt, sie sogar schätzen gelernt.

 

Seufzend stieg sie in ihr kleines schwarzes Cabrio ein und öffnete das Verdeck mit ein paar Knopfdrücken. Dann startete sie den Motor und fuhr das Auto hinaus. Das Tor zu ihrem Haus verriegelte sie wie gewohnt mit drei großen gusseisernen Schlössern.

 

Die Landstraße war an diesem Freitag gewohnt leer, nur vereinzelte Autos bahnten sich ihren Weg über die hügelige Strecke statt die Autobahn zu nehmen. Der Wind machte die brütende Hitze, die schon am frühen Mittag herrschte, wesentlich erträglicher und Buffy blickte verloren in die Landschaft, die die Straße umgab.

 

 

Etwa eine halbe Stunde später hatte Buffy die Hauptstadt erreicht und die ersten Häuser umgaben die Straße. Viele Autos fuhren nun auf der Straße, die von unzähligen Palmen und sonstigen Bäumen umgeben war. Buffy stellte ihren Wagen in einer der Nebenstraßen von Guaicaipuro ab und machte sich auf den Weg zum hiesigen Markt.

Seufzend stellte sie fest, dass es noch voller war als sie erwartet hatte und begann sich genervt durch die Menge zu drängen. Die Stimmen der Marktschreier tönten durch Megaphone über den kompletten Platz und vermischten sich mit den Stimmen von hunderten Leuten die sich miteinander unterhielten.

Geschlagene dreieinhalb Stunden musste sie sich durch die Menschenmassen drängen, bevor sie alles hatte was sie wollte.

 

Als sie fertig war lief sie durch die wesentlich leereren Straßen von Caracas auf dem Weg zu ihrem Auto und genoss die vergleichsweise ruhige Atmosphäre. Sie blieb vor einem abgelegenen Café stehen und beschloss schließlich sich kurz rein zu setzen. Ihr Blick schweifte ein wenig herum.. ein Springbrunnen war in der Nähe zu hören und Vögel flogen tief durch die Gassen. Es war so friedlich in diesem Teil der Welt.. abgesehen von dem täglichen Tumult natürlich in der Stadt schien ihr das Klima gut zu bekommen und sie konnte sich langsam mit dieser südländischen Lebensart anfreunden.

 

Ihr Blick fiel auf die Zeitung, die eine Frau am Nachbarstisch in der Hand hielt. "Weitere Frau in Nachtlokal tot aufgefunden. Polizei schließt einen Mord aus." Buffy zog ihre Augenbrauen ein wenig zusammen und begutachtete das Bild. Die kleinen Wunden an ihrem Hals konnte sie selbst aus drei Meter Entfernung erkennen. Die Polizei konnte sie unmöglich übersehen haben. Unbewusst schüttelte sie den Kopf und blickte wieder auf ihren Tisch. Alte Gewohnheiten vergingen nicht, aber sie war willens sich um solche Angelegenheiten nicht mehr zu kümmern.

 

Seit dem Tod ihrer Freunde erschien ihr alles so schrecklich sinnlos, das Leben hatte absolut keinen Wert mehr. Manchmal stellte sie sich vor die die Welt um sie herum zusammen brechen könnte, weil keine Jägerin es verhindern würde.

 

"So, was kann ich dir bringen?" fragte der Kellner, sie blickte ihn jedoch nicht an und bestellte lediglich einen Kaffee, während sie weiterhin verloren in die Gegend blickte. Einige Pärchen gingen fröhlich lachend durch die Straßen und alberten herum. Sie hatten alle keine Ahnung wie zerbrechlich ihr Glück war. Sie wussten nichts von Vampiren, Dämonen und dass sie der vollkommenen Zerstörung oftmals nur um ein Haar entkommen waren. Und.. Himmel, wie sehr sie sich wünschte einer von ihnen sein zu können. Sie wollte die letzten sechs Jahre aus ihrem Gedächtnis streichen, vergessen was ihren Freunden ihretwegen passiert war. Sie wünschte sich sie hätte Willow nie angesprochen.. Hätte Xander ignoriert und hätte ihr Schicksal alleine ertragen. So machten das Jägerinnen. Sie schlossen keine Freundschaften.. doch sie.. sie war so egoistisch gewesen, dass sie sie in diese Gefahr gebracht hatte.

 

Sie erinnerte sich noch an den Tag an dem Angel bei ihr aufgetaucht war. Es musste einige Tage nach dem Vierzehnten März gewesen sein.. vielleicht waren es auch ein paar Wochen, sie erinnerte sich nicht mehr so genau. Er hatte sie sanft in die Arme genommen und sie wie ein Baby hin und her gewogen. Es hatte gut getan ihn zu spüren, wie er sie an sich drückte und einfach nur mit ihr geschwiegen hatte. Worte waren in diesem Augenblick fehl am Platz. Er war viele, viele Tage geblieben, hatte ihr gut zugeredet, sich um sie gekümmert und ihr sogar angeboten mit nach Los Angeles zu kommen. Sie hatte abgelehnt.

 

"Willst du noch etwas?" der Kellner riss sie aus ihren Gedanken und stellte, freundlich lächelnd, die leere Tasse auf das hölzerne Tablett. Sie schüttelte stumm Kopf und lächelte den jungen Mann freundlich an. Er musterte sie mit hochgezogenen Augenbrauen, was Buffy etwas peinlich war und sie wandte ihren Blick ab auf ihre Einkaufstüten. Schnell bezahlte sie das Getränk, gab ihm etwas zu viel Trinkgeld und setzte rasch ihre dunkle Sonnenbrille auf. Dass der Kellner ihr etwas hinterher rief, als sie um die Ecke bog ignorierte sie.

 

 

 

 

 

Teil 2 - Nachtleben

 

Die letzten Strahlen der Abendsonne verschwanden hinter dem dunklen Hügel, den er schon eine Weile aus dem Schatten beobachtete. Mit einem langen Schluck leerte er das Glas, in dem nur noch eine dunkelrote Silhouette auf den Inhalt hinwies. Er glättete langsam das schwarze Leder seines langen Mantels und wandte sich zu der Frau, die ihn aus dem Hintergrund anstarrte.

 

"Vaya." sagte er nach ein paar Augenblicken tonlos und zeigte mit einer kurzen Bewegung auf den Ausgang.

 

"Por supuesto." murmelte die etwas dickliche kleine Frau und machte eine etwas ungelenkige Verbeugung, bevor sie schnell zu der offenen, hohen Tür hinaus eilte. Ruhig betrachtete er die bleiernen Vorhänge die steif auf den hölzernen Parkettboden fielen und die frühen Sonnenstrahlen von ihm fernhielten. Wie verdammt einödig dieses Leben doch geworden war.. Inzwischen versuchte die Polizei nicht mal mehr die Wahrheit heraus zu finden. Alles war so einfach geworden. Für andere seiner Art wäre dies wohl das Paradies.. doch für ihn war es eher das Gegenteil. Gut - zwischendurch galt es einige Frauen aufzureißen und mit ihnen ein wenig Spaß zu haben bevor er ihnen das Licht ausbließ, aber das konnte man nach grob 130 Jahren nicht mehr wirklich als Herausforderung sehen.

 

Sie.. sie war wahrlich eine Herausforderung gewesen. Die ultimative Herausforderung, um genau zu sein. Es hatte verdammt lange gedauert, bis er  endlich verstanden hatte was er all die Jahre falsch gemacht hatte. Doch letztendlich hatte er triumphiert. Er hatte sie nicht getötet, das nicht. Aber er hatte sie besiegt.

 

 

Seine Gedanken schweiften ein weiteres Mal zu jenem Freitag. Wenn er sich recht erinnerte, war es Freitag der Vierzehnte März, irgendwann gegen 19 Uhr Abends gewesen. Es war so kinderleicht... Er hatte sie ahnungslos erwischt, einen nach dem anderen. Zuerst hatte er sich Harris und seine Freundin geschnappt. Alles Flehen und Bitten hatte ihm nicht mehr geholfen. Das Blut spritzte nur so über sein dämliches Hawaiihemd. Er hatte sie erledigt bevor sie überhaupt realisierten was geschah. Es war befreiend gewesen, ein gottverdammtes Kunstwerk.

Schließlich besuchte er den Rotschopf und ihre Freundin. Das war am härtesten. Die Kleine war als Hexe schon sehr ausgereift und zudem kam, dass sie fallweise nett zu ihm gewesen war und er überhaupt nichts gegen sie hatte. Doch nun war er so weit gegangen, dass er es beenden musste. Nachdem er ihr das Genick gebrochen hatte, gab ihre kleine Freundin sämtlichen Widerstand auf und sie ergab sich ihm.

 

Dann kam ihr Wächter an die Reihe. Das erwies sich als relativ schwierig und er hatte einige Zeit mit ihm zu kämpfen, kassierte einige Stichwunden und eine Ladung Weihwasser, doch letztendlich tötete er auch ihn. Es stellte sich als recht spaßig heraus ihn aufzuschlitzen und als kleine Überraschung für die Jägerin verteilte er ihn im Wohnzimmer.

Die kleine Schwester hatte er schnell erledigt. Auf eine Art und Weise hatte er sie gemocht und wollte ihr so wenig Schmerzen wie möglich zubereiten. Natürlich zählte es für sie nicht wirklich, doch war es in seiner Welt eine seltene Auszeichnung die Opfer schnell zu töten.

 

Seine Muskeln entspannten sich wieder und er schüttelte tief ausatmend den Kopf. Selbst nach zwei Jahren musste er ständig an sie denken. Was wohl aus ihr geworden war? Er hatte lange überlegt ob sie sich wohl umbringen würde, aber er glaubte nicht, dass eine Jägerin wirklich Selbstmord begehen könnte. Beschützerin der Welt und der ganze Mist.

 

Vielleicht war sie in Sunnydale geblieben und hatte einfach weiter gemacht.. Oder sie suchte den Mörder ihrer Freunde. Ob sie wohl wusste dass er es gewesen war? Ein nachdenklich Lächeln stahl sich auf seine blassen Lippen... das würde ihn von diesem endlosen Trott befreien. Er atmete lautstark aus und ging mit schnellen Schritten auf die hohe Tür zu.

 

-

 

Inzwischen war es schon früher Abend und Buffy war gerade mit dem Einräumen der Lebensmittel fertig geworden. Seufzend streckte sie sich und schaute gähnend auf die Uhr. Es war kurz vor siebzehn Uhr und sie überlegte schnaufend was sie mit dem restlichen Tag noch anfangen wollte. Für gewöhnlich schwamm sie am Abend ein wenig im Meer oder las eines der vielen Bücher die sie aus Giles Sammlung mitgenommen hatte.

 

Seufzend nahm sie ihre Handtasche und packte noch die restlichen Kleinigkeiten aus. Als sie die Tür hinter sich abschließen wollte wurde sie etwas hektischer und durchwühlte die Innentaschen. Ihr Geldbeutel fehlte.

Stöhnend ließ Buffy sich auf den Sessel fallen und schlug ihren Kopf gequält gegen die Lehne. Sie blickte etwas verloren auf die untergehende Sonne, richtete sich nach einigen Minuten fluchend auf und ging zum Eingang um ihre Schuhe anzuziehen. Sie musste den Geldbeutel in dem Straßenlokal verloren haben. Also startete sie ein weiteres Mal ihren Wagen und fuhr schnell zurück in die Hauptstadt. Diesmal nahm sie die Autobahn.

 

-

 

Die Musik dröhnte durch die Gassen und das weiße Neonschild blinkte schwach auf die volle Straße, auf der dutzende Teenager warteten hineingehen zu können. Der Mantel wankte bei seinen schnellen Schritten, als er geradewegs auf das Abaco zuging. Es war einer der beliebtesten Discotheken in der ganzen Stadt und wahrscheinlich das einzige mit einem dämonischen Geschäftsführer. Der tote Frau die heute das Titelblatt der Zeitungen zierte hielt niemanden davon ab hier hinein zu wollen.

 

Spike schlängelte sich durch die leicht bekleideten Mädchen und ging ohne Worte an dem dunkelhäutigen Türsteher vorbei, der ihm nur kurz zunickte. Der Vampir musterte die bunt beleuchtete Tanzfläche und die vielen Menschen, die sich ausgelassen an den Sitzbänken unterhielten. Es war unglaublich... es war kaum einen Tag her, seitdem sie das Mädchen tot gefunden hatten und trotzdem war der Laden brummend voll. Sogar auf der Eckbank saßen bereits wieder Gäste. Als er die dunkle Treppe herunter ging sah er gelangweilt auf die vielen Frauen, die sich schlagartig zu ihm umdrehten und ihm ein verführerisches Lächeln schenkten.

 

-

 

"Wenn du heute Mittag nicht so schlagartig die Flucht ergriffen hätten, hättest du nicht noch einmal herfahren müssen." Lächelnd drückte ihr der Kellner den Geldbeutel in die Hand und musterte sie grinsend. "was allerdings schade gewesen wäre." Er zwinkerte und beobachtete die abwesende Frau vor sich, die nicht älter als 21 sein konnte und doch so aussah, als hätte ihr das Leben bereits mehr zugemutet. Sie war unglaublich schön, man konnte es nicht anders sagen. Ihre grünen Augen waren von einer Tiefe die ihn schaudern ließen und ihre gebräunte Haut duftete wundervoll.

 

"Was macht so eine hübsche Frau wie du an einem Freitagabend?" fragte er glucksend und zum ersten Mal sah sie ihn tatsächlich an. Buffy fühlte sich zunehmend unwohler in ihrer Haut, denn sie spürte die durchdringenden Blicke auf ihrem Gesicht.

"Nach Hause fahren." antwortete sie möglichst kühl, doch ihre zitternde Stimme verriet sie und entlockte dem Kellner ein amüsiertes Seufzen.

"Das kann doch nicht dein ernst sein." Er streckte seinen Arm zu ihr hin und griff nach ihrer Hand als sie sie ihm gab "Ich bin Darren."

 

"Buffy." antwortete sie und ließ sich schließlich dazu überreden noch nicht direkt wieder zurück zu fahren. Wie von selbst folgte sie ihm, als er die Straße herunter lief. Erst vor einer großen Tür, viele Straßen weiter blieben sie stehen. Buffy sah ihn zweifelnd an und fragte sich gleichzeitig was sie eigentlich hier machte. Das letzte was sie heute wollte war in eine Disco zu gehen. Das war generell das Letzte, das sie je wieder machen wollte.

 

"Ich kann nicht." stotterte sie als er erneut nach ihrer Hand griff. "Ich bin nicht richtig angezogen für so was."

 

"Komm schon, Buffy. Der Laden ist super." Er lächelte wieder und stupste sie etwas an. "Außerdem siehst du super aus." er zwinkerte ihr zu und fasste nochmals nach ihrem Arm. "Du siehst aus als hättest du schon lange keinen richtigen Spaß mehr gehabt."

Buffy atmete lautstark aus und sah sich beinahe panisch in der unvertrauten Gegend um. Schließlich ging sie einige Schritte auf den Eingang zu und folgte Darren. Der Türsteher sah sie zuerst skeptisch an, ließ sie aber, nachdem Darren kurz mit ihm geredet hatte, in den Club hinein.

 

Der Geruch von Rauch und Alkohol war beinahe unerträglich, so dass Buffy sich schützend die Hand vor die Nase hielt. Sie kniff die Augen zusammen um in dem schummrigen Raum etwas zu erkennen, der nur zeitweise von den blauen Scheinwerfern beleuchtet wurde. An der Bar hingen viele weißrote Neonstäbe und Buffy konnte drei gut gebaute Männer erkennen, die in Rekordzeit einen Drink nach dem anderen in die hohen Gläser füllten. Darren lächelte als er ihren beeindruckten Blick sah und stellte sich dicht hinter sie "An den Geruch gewöhnt man sich auch."

 

Buffy brachte zu ihrer eigenen Verwunderung ein leichtes Lächeln zustande und folgte dem jungen Mann zu einem der vielen schwarzen Tische. Neugierig setzte sie sich auf die lederne Sitzbank in der linken, hinteren Ecke der Disco und schaute Darren hinterher, der noch etwas zu trinken holen wollte. Buffys Gedanken schweiften zu dem letzten Besuch in Bronze. Alle waren mitgekommen, selbst Giles hatte sich überreden lassen. Es war ein so ruhiger, ausgelassener Abend gewesen und es war das erste Mal seit dem Tod ihrer Mutter, dass sie sich frei und unbeschwert gefühlt hatte. Es sollte das letzte Mal sein.

 

Ihr Begleiter schlängelte sich erneut durch die Menge und stellte zwei große Gläser auf den runden Tisch "Cuba Libre, hoffe das geht in Ordnung." sah er sie zweifelnd an und setzte sich, nachdem sie schnell genickt hatte.

"Und, Buffy...du bist Amerikanerin oder? Was machst du hier?" versuchte er etwas nervös ein Gespräch zu starten seufzte innerlich als das Lächeln aus ihrem Gesicht verschwand und sie ins Leere starrte.

 

"Uhm, tut mir leid, du musst mir natürlich nichts erzählen." blickte er sie aus haselnussbraunen Augen versöhnlich an und nippte kurz an seinem Drink.

"Schon okay." murmelte sie und für einen Sekundenbruchteil sah er ein schüchternes Lächeln über ihre Lippen ziehen. "Es ist kompliziert und.. schmerzhaft. Ich lebe nun hier." sie sah ihn nur flüchtig an und ließ dann ihren Blick durch die tanzende Menge schweifen. Er nickte schnaubend und folgte ihrem Blick. Die Musik wechselte von lautem Techno in eine langsame, fließende Anreihung von Klängen und er überlegte kurz bevor er die rechte Hand auf ihre legte.

 

"Willst du tanzen?" fragte er nach einigen schweigenden Sekunden und beobachtete fasziniert, wie sich ihre Gesichtszüge von erschrocken zu zweifelnd und schließlich zu einem Lächeln formten. "Gerne." sie stand auf und zwinkerte ihm zu.

Mühelos ging sie durch die Menschenmenge und stoppte erst, als sie beinahe in der Mitte des Raumes angekommen waren.

 

Träge streckte Buffy ihre Hände in die Luft und ging auf den dunkelhaarigen Mann zu, bis sie nur noch Zentimeter von einander entfernt waren. Erst stockend, dann immer fließender bewegte sie sich zu der Musik und kam ihrem Tanzpartner langsam näher. Sie schloss die Augen und warf ihre blonden Haare leicht zurück. Darren blickte lächelnd zu ihr und begann schließlich sich mit ihr zu bewegen.

 

 

I am always waking

I am always shaking

 

I think I know this might not end

Can I dry the cold sweat

Get out of this mess

 

 

Gelangweilt ließ er seinen Blick durch die tanzende Menge schweifen. Schließlich zog eine schwarzhaarige Frau, die alleine zu der Musik tanzte seine Aufmerksamkeit auf sich. Mit einem langen Schluck leerte der Vampir das kleine Glas und bewegte sich starr auf die junge Frau zu.

 

"So alleine hier?" säuselte er in ihr Ohr und beobachtete amüsiert wie sie sich leicht geschockt umdrehte. Sie musterte ihn aufmerksam und blickte fasziniert in diese seltsam eisblauen Augen.

 

"Sieht so aus." antwortete sie grinsend und legte ihre Hände auf seinen schwarzen Pullover bevor sie wieder begann sich zu bewegen. Trotz des schummrigen Lichts konnte er erkennen, wie sich ihr geschmeidiger Körper perfekt zum Rhythmus der Musik bewegte, so, als hätte sie in ihrem ganzen Leben noch nie etwas anderes gemacht. Seine Hände fuhren über ihren Oberkörper und blieben schließlich auf ihrer Hüfte liegen.

 

Er sah sie durchdringend an, packte plötzlich ihre Handgelenke und erstickte das aufkommende Keuchen mit einem Kuss. versenkte seine Zunge tief in ihrem zitternden Mund. Er gluckste gegen ihre Lippen, als er ihre wohligen Seufzer und den rasenden Herzschlag wahrnahm und beendete den Kuss ebenso plötzlich.

 

"Lass uns tanzen." flüsterte er mit rauchiger Stimme und zog die Frau schnell an sich.

 

 

Ease into a new box

Shoulder a new lot

It's gonna be a long time

 

 

Das Lied verklang und Buffy blinzelte einige Male, da die Scheinwerfer jetzt in unregelmäßigen Abständen über die Tanzfläche glitten.

"Sollen wir zurückgehen?" fragte eine Stimme hinter ihr und sie drehte sich verwirrt um, nickte aber, als sie Darren erkannte, der sie wartend ansah. Er nahm sie fest bei der Hand und zog sie mit zu ihrem Platz wo er sich langsam in die Ecke setzte. Buffy stand noch eine Weile bis sie sich neben ihn setzte und ihn unsicher anlächelte.

 

 

Dead dreams dropping off the heart

Like leaves in a dry season

 

 

Die Musik wurde immer intensiver und Spike passte sich dem langsamen, bedächtigen Tempo der Frau an, die mit geschlossenen Augen an seiner Brust lehnte. Eine Hand umschlossen mit festem Griff ihre schmale Hüfte, die Andere bahnte sich ihren Weg über den entblößten Bauch bis hin zu ihrem zarten Hals, den er schnell von den störenden Haaren befreite. Er begann langsam Küsse von ihrer Wange bis hin zu ihrer Schulter zu verteilen und ließ sie lustvoll aufstöhnen. Ganz langsam, fast liebevoll riss er eine winzige Schramme in ihren makellosen Hals, gerade so tief dass sie es nicht merkte. Seine Lippen umschlossen die Wunde und saugten begierig an der blutenden Stelle. In kleinen Mengen strömte es in seinen Mund, seine Kehle herunter und ließ ihn immer unvorsichtiger werden.

 

Die Frau keuchte einmal schmerzvoll und versuchte zu sehen was der blonde Mann tat. Spike ließ mit gesenktem Blick von der blutenden Wunde ab und starrte sie plötzlich mit gelb funkelnden Augen an. Sie begann zu schreien, was er aber im nächsten Moment durch einen brutalen Kuss erstickte. Blut floss aus ihrem Mund, über ihr weißes Kleid bis hin auf den schwarzen Boden. Ihre Hände hämmerten verzweifelt gegen seine Brust und versuchten sich von ihm wegstoßen, doch er hatte ihre Hüfte fest umklammert, ließ ihr kein Chance zu entkommen.

 

 

Rolls off the tongue like a setting sun

You should have heard what I heard

 

 

Sie hatte es bereits gespürt als sie den Raum betreten hatte Ihre Instinkte schärften sich automatisch, völlig ohne ihr Zutun, aus reiner Gewohnheit und wurden von der beunruhigenden Gewissheit durchtränkt, dass sie nichts tun würde. Sie saß wie gelähmt auf dem schwarzen Leder und starrte in die Dunkelheit die den Raum umgab. Darren redete schon seit einigen Minuten wie verrückt auf sie ein, rüttelte sie an den Schultern - doch sie schien wie weggetreten, hatte ihren Blick starr auf die Tanzfläche gerichtet.

 

 

A shriek a syllable a sleight of hand

Surely things will change now

 

 

Der letzte verzweifelte Schlag traf seinen Körper bevor er von ihrem geschundenen Mund abließ und den leblosen Körper unbekümmert auf die Arme nahm. Er ging in Richtung Hinterzimmer, wo sich die andere Art an Gästen vergnügte. Er schloss die Tür hinter sich und schmiss den blassen Körper achtlos in die Ecke des kleinen Raumes. Ein großer Mann mit langem braunen Bart kam auf ihn zu und stellte sich neben den Vampir.

 

"Spike." er klopfte ihm fest auf die Schulter und wandte sich wieder zu den anderen Personen die um den runden Tisch saßen. Eine Frau erhob sich und lächelte den Vampir überrascht an.

"Driana." flüsterte er und ging schnell auf die zarte Person vor sich zu "Verdammt lange her." grinste er zufrieden und strich sanft über den Rücken der Schlange, die auf den Schultern der Frau lag.

 

"Ich hatte zu tun." lächelte sie und strich kaum merkbar über seine blassen Lippen.

 

"Hmhm ich hab davon gelesen. Bleibst du länger hier?"

Sie nickte und fuhr mit ihrem langen, schwarz lackierten Nagel die Konturen seiner gemeißelten Wangenknochen nach. Ihre Finger wanderten zu seinen blonden Locken und fuhren langsam durch diese "Stimmt es, was ich gehört habe?"

 

Er wusste was sie meinte und bestätigte ihre Frage mit einem einzigen, klaren Blick. Sie sah ihn für einige Sekunden beinahe mitleidig an, ersetzte ihren Blick jedoch schnell durch ein amüsantes Lächeln. "Dann hat Drusilla dich also verlassen."

 

 

Er musterte sie genau und bemerkte dass sie sich so gar nicht verändert hatte. Drusilla und er hatten sie 1977 in New York kennen gelernt. Seine dunkle Königin hatte sich einen Säugling zum Geburtstag gewünscht und er wusste, wenn sie nicht bekam was sie wollte würde sie ihn das wochenlang spüren lassen. Er selbst hatte niemals etwas für Kleinkinder übrig gehabt, das war mehr Angels Schiene. Er hasste es wenn seine Opfer sich nicht wehren konnten.

 

Jedenfalls war Driana ihm zuvor gekommen. Die Babystation war geradezu mit Blut überströmt und leblose Leichen von Schwestern und Neugeborenen lagen achtlos auf dem Boden. Ihre Art hatte eine Schwäche für junges Fleisch.

 

"Du hast die Jägerin getötet?" fragte sie ihn und legte zwei ihrer langen Fingernägel auf seinen Hals. Sie ging etwas näher an ihn heran, presste ihren Körper an seinen und drängt ihn so in Richtung Wand. Er hob sie kurzerhand hoch und begutachtete sie. Er liebte diese Art von Begrüßung.

 

"So in etwa." murmelte er und erwiderte ihren Blick, als er sich an dem Schnürtop zu schaffen machte. Es war blutrot mit einem tiefen Dekolleté und hinten zusammen gebunden. "Hab ihre Familie und Freunde getötet."

"Du hast sie am Leben gelassen?" keuchte sie und fuhr über seinen kalten Rücken. Er ließ nachdenklich von ihr ab und setzte sie wieder auf dem Boden ab "Warum interessiert dich das so?" Er sah sie wartend an und hob neugierig seine Augenbraue.

 

"Man munkelt nur du könntest es nicht." grinste sie überlegen "Du hättest Mitleid mit ihr." Er ließ nun völlig von ihr ab und starrte sie wütend an "Nimm das zurück." zischte er ernst und kam bedrohlich zwei Schritte auf sie zu.

 

"Spike." kicherte sie und es erinnerte ihn tatsächlich irgendwie an Drusilla. "Wir beide wissen, dass du mir nie etwas antun könntest, geschweige denn mich töten würdest."

 

"Täusch dich mal nicht." lächelte er kalt und stieß sie halbherzig gegen die Wand. Sie keuchte überrascht und wischte mit einem Finger über den Mund. Sie lächelte und schüttelte gleichzeitig ihren Kopf, während sie aufstand und sich dicht vor den Vampir stellte. "War schön dich wieder zu sehen Spike." sie drehte sich um und setzte sich langsam zu einem stierähnlichen Dämon auf das Sofa. Spike seufzte einmal tief und ging mit hängenden Schultern zur Tür.... verdammt, was war da nur wieder mit ihm durchgegangen.

 

Vorsichtig schloss er die Tür hinter sich. Musste schließlich nicht jeder mitkriegen, dass sich in diesem Laden die Highsociety der Dämonenwelt traf und diese gelegentlich ein paar von den Gästen verspeiste. Genervt schubste er einige Mädchen zur Seite, die ihm auf dem Weg zur Bar im Weg standen "Bloody Hell!" stöhnte er und setzte sich auf einen der hohen Stühle vor der Theke.

 

"Wie immer." murmelte er zu dem Kellner, der sich sofort zu ihm gewandt hatte. Seufzend legte er seinen Kopf in die Hände und dachte an die vergangenen Monate... das Dasein hatte wirklich jeglichen Sinn verloren. Er hatte, seit er noch ein Jungvampir war, die Herausforderung gesucht. Doch seit hier in Venezuela war gab es nichts mehr um das er kämpfen konnte.

 

"Hier." der Kellner platzierte ein Glas Whiskey direkt vor den Händen des Vampirs und stellte die Flasche gleich daneben.

"Danke." murmelte er und griff das Glas, um es sofort mit einem Schluck zu leeren.

"Schlechter Tag, was?" lächelte der Kellner, der gerade dabei war einen Cocktail für einen dunkelhaarigen Typen neben Spike zu mixen.

 

"Verpiss dich!" fluchte er und drehte sich auf dem Hocker so, dass er in die tanzende Menge blicken konnte. Wo waren die Kneipenschlägereien wenn man sie brauchte.

 

 

A whirlwind among breezes

Doing what he pleases, again

 

 

"Alles okay?" flüsterte Darren, der Buffy besorgt anstarrte, als er ihr den Cocktail hinstellte den er geholt hatte.

"Was?" sie schüttelte ungläubig den Kopf und fasste sich stöhnend an die Stirn "Ich hab ein wenig Kopfschmerzen. Ich würde glaub ich lieber gehen, tut mir leid." lächelte sie und stand auf ohne auf seine Antwort zu warten.

 

"In Ordnung. Soll ich dich noch zum Auto bringen?" fragte er freundlich und stand ebenfalls auf.

 

"Ah... nein, geht schon." sie fasste noch kurz nach seiner Hand und drückte diese schüchtern "Danke für den schönen Abend." damit drehte sie sich weg und ließ Darren zurück, der es nicht wagte nach ihrer Telefonnummer zu fragen und ihr nur verdattert hinterher sah.

 

 

 

 

 

Teil 3 - Begegnungen

 

Er konnte sie jetzt spüren. Ungläubig blickte er sich in der Menge um. verdammt, das konnte nicht wahr sein. Er wusste nicht ob er sich freuen sollte oder abhauen. Wenn sie es wusste würde sie ihn verbissen bekämpfen.

 

Alle seine Sinne waren bis aufs Äußerste geschärft und er konnte förmlich das süße Jägerinnenblut durch ihre Adern rauschen hören. Er stand schnell auf und bewegte sich auf den Ausgang zu. Er kam ihr immer näher, konnte sie jedoch nicht sehen... was bei der Ansammlung an Menschen nicht wirklich verwunderlich war. Adrenalin schoss durch seinen Körper. Er ging mit schnellen Schritten auf das weiße Neonschild, das mit "EXIT" beschriftet war zu.

 

Ob sie seine Spuren wohl bis nach Venezuela verfolgt hatte? Plötzlich sah er sie. Es kam unerwartet. Er taumelte und blieb stehen. Zwei Jahre war es her und sie sah unglaublich gut aus. Sie hatte ein knielanges, weißes Kleid an und verdammt lange, gebräunte Beine.

 

Langsam löste er sich aus seiner Erstarrung und folgte ihr, da sie bereits aus dem Club gegangen war. Die frische Nachtluft strömte ihr entgegen und sie atmete sie sogleich tief ein und streckte ihre Arme träge dem klaren Nachthimmel entgegen. Mit langsamen Schritten ging sie die schwach beleuchtete Straße entlang. Sie hörte die schwachen Schritte, die ihr gemächlich folgten und öffnete ruhig ihre Handtasche, in der sie immer einen Dolch und einen Pflock hatte.

 

Sie blieb ruckartig stehen und lauschte unbehaglich den Schritten die nur Sekundenbruchteile später ebenfalls verstummten. Sie entschied sich für den Pflock, hing ihre Handtasche wieder über ihre rechte Schulter und ging langsam weiter.

 

Er beobachtete sie aus sicherer Entfernung und doch wusste er dass sie ihn längst bemerkt hatte. Ein dauerhaftes Lächeln umspielte seine Lippen. Ihre Haare waren lang geworden und ihre Haut hatte eine warme, bronzene Farbe angenommen. sie schien schon länger in Venezuela zu sein.

Sie blieb erneut stehen und er dachte daran sich zu verstecken, doch warum eigentlich. Wenn sie einen Kampf wollte, dann sollte sie ihn bekommen. Angst hatte er bestimmt keine vor ihr, Jägerin hin oder her.

 

Sie kniff einige Male die Augen zusammen, als sie ihn unter der Straßenlaterne stehen sah. Er war mit Abstand der Letzte den sie angenommen hatte zu treffen und unbewusst hielt sie sich den Handrücken vor den Mund. Als er nach dem gescheiterten Versuch den Chip entfernen zu lassen verschwunden war, hatte sie angenommen ihn nie wieder zu sehen. Und dann trafen sie sich ausgerechnet hier wieder.

 

"Spike." sagte sie erstaunter als sie gewollt hatte und versuchte sich wieder einigermaßen in den Griff zu kriegen.

 

"Summers." antwortete er misstrauisch und ballte ungewollt seine Fäuste. Buffy begutachtete Spike nun etwas genauer. Sie musste zugeben, dass er gut aussah. Er hatte einen eng anliegenden Pullover an, der seine Bauchmuskeln stark betonte und eine beige Jeans.

 

"Was zum Geier machst du hier, Spike?" fragte sie genervt und ging einige Schritte auf den Vampir zu. Spike atmete innerlich teilweise erleichtert, teilweise enttäuscht aus und kniff die Augen leicht zusammen.

 

"Zur Hölle ich wohne hier, was machst du hier?" er hatte seinen Blick starr zu ihr gerichtet und ging nun ebenfalls einige Schritte auf sie zu. Erst jetzt bemerkte er den Pflock in ihrer Hand und blieb stehen.

 

"Ich lebe hier." sagte sie leise und erwiderte seinen Blick. Er hatte die Wandlung ihrer Gesichtskonturen interessiert beobachtet und ersparte es sich nach dem Grund zu fragen.

 

"Wirklich." stellte er kühl fest und kam wiederholt einige Schritte auf die blonde Frau zu. Mit einem fragenden Blick deutete er auf das Holz in ihrer Hand "Willst du den benutzen?!"

 

Sie seufzte genervt, ließ jedoch gleichzeitig den Pflock unruhig durch ihre Finger gleiten "Kommt darauf an."

Er überlegte einige Sekunden bevor er sich schnell auf sie zu bewegte und nur wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht stehen blieb.

 

"Auf was, Jägerin." hauchte er mit rauchiger Stimme und grinste sie dreckig an. Buffy ging vorsichtig einige Schritte rückwärts und sah den Vampir vor sich desinteressiert an.

 

"Hör zu Spike. Vergessen wir das hier einfach." sagte sie mit fester Stimme und drehte sich um.

Spike schüttelte ungläubig den Kopf und folgte der Jägerin, die bereits einige Meter von ihm weg gelaufen war "Hey was soll das?"

 

Buffy blieb stehen und atmete genervt aus "Spike, die Zeitung spricht für sich. Mir ist es egal." Dann lief sie weiter. Er schaute ihr noch ein Weile fassungslos hinterher, bevor sie komplett aus seinem Blickfeld verschwunden war.

 

-

 

Buffy irrte ziellos in den dunklen Gassen umher. verdammt, gab es in Venezuela keine Straßenschilder? Wer träumte nicht davon sich um zwei Uhr Nachts mitten im Nirgendwo einer fremden Hauptstadt zu verirren.

Sie blieb seufzend stehen und blickte sich verloren um. "Verdammt noch mal." murmelte sie und drehte sich einmal orientierungslos um die eigene Achse. Plötzlich packte jemand grob ihre Hände und drückte diese fest an ihren Rücken.

 

"So ein schönes Mädchen wie du sollte nicht in so einer Gegend sein." flüsterte selbiger bedrohlich in ihr rechtes Ohr und presste sie plötzlich mit seinem ganzen Gewicht gegen die kalte Wand. Jedoch konnte Buffy sich mit einigen gezielten Schlägen schnell von dem Mann lösen, der ihr jetzt gegenüber stand.

 

"So mag ichs am liebsten." grinste dieser dreckig und setzte, während er ganz langsam auf sie zu kam sein Gameface auf. Buffy blieb stehen und sah den Vampir vor sich gelangweilt an. "Hör zu, du solltest das wirklich lassen."

Der Vampir lachte kurz auf und stürzte sich im nächsten Moment überraschend auf Buffy, die diesen plötzlichen Angriff nicht erwartet hatte. Er drehte ihre Arme hinter ihren Rücken und warf mit der anderen Hand die blonden Haare von ihrem Hals. Buffy überlegte einen Moment nach Hilfe zu schreien, doch sie würde niemand hören. Sie versuchte seinen Griff zu lösen indem sie sich hin und her schmiss, aber er hielt sie und ließ ihr keine Möglichkeit sich mit den Beinen zu befreien. Nach einigen halbherzigen Versuchen wurde ihr Widerstand weniger und Buffy blickte ihn mit leeren Augen an. Ihr Wille zu leben war wirklich nicht mehr sonderlich stark.

 

"Ich frag mich wie du schmeckst." höhnte der Vampir bevor er seine Zähne bläkte und seinem Kopf zu ihrem Hals senkte.

 

Er rannte so schnell er konnte auf die beiden zu und riss ihn mit einem Fluch auf den Lippen von ihr herunter. Mit einigen gezielten Schlägen streckte er den Vampir mühelos zu Boden und begegnete seinem verständnislosen Blick.

"Verdammt Kumpel such dir deine Eigene." schrie er und trat Spike von sich herunter. Selbiger drehte sich herum und nahm den Pflock, der direkt neben Buffy lag in die Hand.

"Die hier gehört mir." brüllte Spike und kam wütend auf den Vampir zu während seine Augen gelb und die Stirn furchig wurde.

 

"Hey, schon gut." schnaubte dieser beschwichtigend und raffte sich auf, um im nächsten Moment so schnell er konnte wieder hineinzugehen.

Spike legte sein Gameface ab und schaute sich orientierungslos in der nebeldurchwanderten Gegend um. Fassungslos blickte er zu Buffy herab, die mit völlig leerem Blick zur Seite starrte.

 

"Was zur Hölle sollte das?" raunte er und trat vorsichtig mit seinem rechten Fuß in ihre Seite. Nachdem sie keine Reaktion zeigte, seufzte er augenrollend und bückte sich zu der regungslosen Frau herunter. Er stupste mit seinem Zeigefinger gegen ihre Stirn und begann schließlich damit sie kräftig zu rütteln "Komm schon, was soll der Scheiß."

 

"Lass mich in Ruhe." flüsterte sie mit dürrer Stimme und drehte ihren Kopf zur Seite. Spike starrte die junge Frau ungläubig an und ihr ausdruckloses Profil verstörte ihn beinahe so sehr wie ihre leeren, grünen Augen, die ein gläsernes Schimmern umgab.

 

"Damit dich nach all den Jahren irgend so ein Flachwichser kalt macht." stellte er sachlich fest und kramte in seiner Manteltasche nach der Schachtel Zigaretten, aus der er wartend eine herauszog und diese genüsslich anzündete. Er ließ sich an die kühle Wand hinter sich fallen und zog einige Male an dem glimmenden Stängel.

 

Teilnahmslos beobachtete er wie sie sich schluchzend zusammenrollte und den Tränen freien Lauf ließ. Nachdenklich lächelte er in den klaren Sternenhimmel und verwischte damit die Konturen seiner gemeißelten Wangenknochen.

 

"Heulen bringt dir auch nicht viel." Seine Stimme klang gleichgültig und abgestumpft. Die kühle Teilnahmslosigkeit eines Mörders der sein nächstes Opfer aus einigen Metern entfernt beobachtete.

"Verschwinde endlich." schrie sie mit tränenerstickter Stimme und setzte sich langsam auf.

"Was denn?" grinste Spike und schnippte seine Zigarette zur Seite "Ich meine, da treff’ ich dich nach all den Jahren endlich mal ohne deine Pseudogang und du denkst ich werde einfach abhauen? Wie dumm bist du eigentlich."

 

Buffy atmete schnell und starrte ihn zweifelnd an "Hör zu Spike, wenn du mir irgendwas sagen willst dann tu es jetzt."

"Summers." lachte Spike bitter und umkreiste Buffy langsam "Hier geht es nicht um etwas, dass ich dir sagen will. Hier geht es um etwas, dass du nicht hören willst."

 

"Und was wäre das?" schnaubte sie und richtete sich stöhnend auf.

 

"Ganz einfach, Liebes. Du kommst alleine nicht klar." grinste er drückte sie wieder auf den Boden.

"Du bist ohne deine kleinen Freunde gar nichts!" höhnte er drehte sie mit seinem Fuß grob zur Seite. Buffy sah nur mit weit entferntem Blick auf den unebenen Asphalt. Seine kalte Stimme verlor sich in Erinnerungen und unüberhörbarer Spott stahl sich in seine Worte, als er genüsslich fortfuhr.

"Du hast auch damals nur überlebt, weil immer deine kleinen Freunde da waren, die dich beschützt haben. Deine gottverdammten Vorgängerinnen waren alleine stark, du warst dagegen schon immer schwach. Du standest nie über mir und jetzt kann ich es endlich zu Ende bringen."

 

Er packte grob die Träger ihres weißen Kleides und schleuderte sie schnell auf den Rücken, bevor er sich langsam über sie beugte. "Endlich.." schnaubte er trocken, während er sich langsam über sie beugte.

 

Buffy wandte ihren Blick von dem blonden Vampir über sich ab und starrte in den dunklen Himmel. Sie atmete tief die kühle Luft ein und stieß sie im nächsten Augenblick ruhig wieder aus. Sie lächelte ein wenig und dachte an die wenigen, glücklichen Momente in ihrem kurzen Leben. Die Nacht mit Angel, die so tragisch endete.. Die vielen Videoabende mit ihrer Mom.. Die nervenden Nachhilfestunden mit Willow oder ihr Abschlussball.. Riley.. Wie streitsüchtig, kindisch und doch.. liebenswert Dawn gewesen war.. Giles, der mit den Jahren wie ein Vater für sie wurde.

Doch, sie hatte viel gehabt wofür sie dankbar sein konnte.. Ob wohl jede Jägerin diese Ruhe empfand bevor sie starb? Tränen rollten seicht ihre warme Wange hinab und rannen auf den grauen Bordstein, hinab in den schwarzen Gulli. Sie könnte sich natürlich wehren, aber etwas in ihr hielt sie davon ab.

 

 

Take me away from this bad place

I'm sick and tired of trying

And I wanna fly away

I guess we got our wires crossed

 

Nothing's gonna save us now

And I wanna fly away

 

 

Spike fuhr davon unbekümmert seine Vampirfratze aus und senkte seinen Kopf langsam zu ihrem Hals herab. Seine gelben Augen richteten sich sehnsüchtig auf diesen heißen pulsierenden Hals, den sie ihm so einladend anbot.

 

Es war so verflucht einfach. Er müsste nur seine Zähne in sie bohren und sie bis auf den letzten verdammten Tropfen aussaugen. Das Rauschen ihres süßen Blutes und ihr rasender Herzschlag dröhnte wie tausend summende Bienen in seinem Schädel und er fasste sich stöhnend an die Stirn. Sie wehrte sich nicht einmal. Schnaubend wich er von ihrem Hals und blickte erstarrt in ihre Augen, die ihn fragend, wartend ansahen.

 

 

 

 

 

Teil 4 - Überzeugung

 

"Nicht so..." murmelte er zu sich selbst und schüttelte sein Gameface lächelnd ab.  "So wird es nicht zu Ende gehen, Summers. Nicht mir dir. Ich möchte mir dir kämpfen, ein letzter Tanz. Morgen Nacht."

Er glättete das Leder seines Mantels und starrte in ihr Gesicht. Er zögerte einige schier endlos lange Sekunden bevor er seine Lippen brutal auf ihre drückte und dort einige Momente verharrte bevor er sich aufrichtete. "Bis morgen Täubchen." rief er noch, bevor er um die nächste Ecke bog und im Dunklen verschwand.

 

 Buffy stieß keuchend den angehaltenen Atem aus und schlang ihre Arme zitternd um ihre Knie. Die Tränen liefen erneut die vorgezeichneten Bahnen auf ihrer Wange entlang und versammelten sich zu einer stummen Pfütze neben ihrem Kopf. Sie lag still auf dem grauen Asphalt und starrte teilnahmslos auf die Backsteinmauer an der anderen Straßenseite, vor der eine, mit Graffiti besprühte, Holzbank stand. Der Tod war so nah gewesen.

 

Eine Tür in der Nähe wurde aufgerissen und Buffy konnte durch den nebligen Schleier erkennen wie zwei Männer wütend aufeinander einschlugen. Ein junges Mädchen versuchte einige Male dazwischen zugehen, doch wurde sie jedes Mal von einem der Beiden zurückgeschubst. Sie brüllten sich lautstark an und die Fäuste flogen sekündlich. Buffy stellte nach einigen Sekunden verwirrt fest, dass sie bereits auf ihren Beinen stand und im Begriff war, diesen Streit zu beenden. Jedoch zuckte eine seltsam vertraute Starre durch ihren Körper als sie nur noch wenige Meter vor dem Geschehen stand.

 

Nein, sie konnte nicht. Noch nicht. Buffy blinzelte einige Male, jetzt wo sie sich dem Tod beinahe hingegeben hätte merkte sie.. etwas hielt sie hier. Sie wollte nicht, dass es vorbei war. Es war nicht nur ihre Aufgabe die sie auf dieser Welt hielt, sondern auch der Wunsch zu leben, zu lieben, zu hassen, zu kämpfen. Sie wollte weinen, schreien und tanzen. Morgen war es soweit.

 

Ein Lächeln stahl sich vorsichtig auf ihre Lippen, als sie langsam einige Schritte rückwärts ging. Die Gasse war dumpf beleuchtet und der Nebel lag tief auf der steinigen Straße. Buffy schlang zitternd die Arme um sich und ging Richtung Auto.

 

-

 

"Ich hatte sie mir anders vorgestellt." murmelte die Frau und spähte mit gelb funkelnden Augen zu der zierlichen Frau die langsam um die Ecke lief. "Irgendwie stärker." Ihre Fingerspitzen glitten über den glatten Rücken der Schlange die immer noch um ihren Hals lag.

 

"Du kannst ihre Kraft nicht mal annähernd einschätzen." lächelte der Mann neben ihr und strich ihr eine schwarze Strähne hinter ihr Ohr.

 

"Könnte spaßig werden." kicherte sie und starrte ihren Gegenüber interessiert an. Er lächelte. Was hätte er auch anderes machen können. Sie wusste welche Wirkung sie auf ihn hatte, und sie verstand es selbiges verdammt gut auszuspielen. Natürlich missfiel es ihm, als einem der stärksten Dämonen Venezuelas so stark von einer so undurchsichtigen Frau abhängig zu sein.. aber verflucht, was sollte er schon tun?

 

"Besuchen wir ihn also morgen, ja?" hauchte sie verführerisch gegen seine Lippen und strich mit ihren rot lackierten Fingernägel mit festem Druck über seine Brust.

 

Er nickte und blickte zweifelnd zu dem blonden Vampir, der nur einige Häuser weiter an einer Hauswand lehnte und nachdenklich auf seine angezündete Zigarette starrte. "Ja, besuchen wir ihn morgen." er seufzte und beobachtete wie Spike im Hintergrund wütend gegen einen Abfalleimer trat und selbigen einige Sekunden später schreiend gegen die Wand warf. "Wir dürfen ihn nicht unterschätzen. Er ist im letzten Jahr sehr stark geworden."

 

"Er ist auch nur einer dieser räudigen Vampire." schnaubte sie verächtlich und folgte gelangweilt der Linie seines Blickes. "Ich kenne ihn."

 

Ein warmes Lächeln stahl sich auf seine blauen Lippen. Ja, manchmal konnte sie sogar richtig naiv sein. Spike, nun er war wohl alles andere als ein räudiger Vampir. Viele Monate kannte er diesen Mann nun schon und er faszinierte ihn jede Sekunde. Nach außen hin war er arrogant, kalt und wohl einer der brutalsten Dämonen, die er je kennen gelernt hatte.

Aber, so viel Schmerz waren in diese eisblauen Augen gemeißelt. Sie sollte es wissen, sie kannte ihn ja.

 

-

 

Wütend knallte er die große Eingangstür hinter sich zu und schlug auf den Lichtschalter zu seiner Linken. Mit nachdenklichem Blick betrachtete er den Eingangsbereich, der komplett in schwarz gehalten war und lauschte mit geschlossenen Augen der Musik, die sich automatisch in den Gängen verteilte.

 

Kraftlos ließ er sich auf die dunklen Fliesen sinken und legte den Kopf auf seine Hände. Ein verzweifelter Aufschrei hallte als abgestumpftes Echo durch die riesige Villa, als Spike seine Faust in die weiße Wand zu seiner Rechten gestoßen hatte.

 

"Sir, sie sind schon wieder zurück?" flüsterte die dickliche Haushilfe aus dem Hintergrund und schritt langsam auf den Mann zu. Bevor sie jedoch bei ihm angekommen war richtete sich der Vampir bereits wieder auf und ging zu einem der dunklen Gänge.

 

"Hören sie." stoppte er in seiner Bewegung, sah sich jedoch nicht um, und die Frau wunderte sich wie ruhig und ernst seine Stimme plötzlich klang. "Sie sind entlassen." führte er weiter fort und in seiner Stimme schwang eine Spur Bitterkeit mit.

"Ich denke nicht, dass ich noch lange hier bleiben werde." er drehte sich langsam zu der Angestellten um und lächelte sie beinahe traurig an "So, oder so."

 

"Nehmen sie sich was sie wollen, Geld spielt keine Rolle." die Frau betrachtete den Mann, der den Anschein machte als hätte ihm jemand in einer Nacht sämtlichen Lebenswillen geraubt und fragte sich was mit dem Monster, für das sie seit Monaten arbeitete, passiert war.

 

"Und jetzt hauen sie gefälligst ab, bevor ich es mir anders überlege und sie verflucht noch mal aussauge!" brüllte er plötzlich wütend und schmiss eine der braunen, antiken Vasen, die im Gang standen, auf den Boden.

 

Die Frau yapste erschrocken nach Luft und rannte schnell in den Nebenraum, aus dem sie gekommen war. Spike blieb wie versteinert in dem dunklen Gang stehen und betrachtete mit nachdenklichem Blick die Bilder vor sich. Im Bruchteil einer Sekunde veränderte sich sein Gesicht, ein kleines Grinsen stahl sich auf seine Lippen und er folgte langsam der Frau, die er vor beinahe zwei Jahren eingestellt hatte.

 

-

 

Die Sonne stand bereits weit über dem Horizont, als sie langsam ihre Augen öffnete. Verwirrt blickte sie sich in dem Raum um und stellte nach einigen Sekunden beruhigt fest, dass es ihr Wohnzimmer war. Träge streckte sie ihre Arme in die Luft und reckte sich der weißen Decke entgegen. Die Tür stand weit offen und sie selbst trug noch das selbe Kleid wie am vergangenen Abend. Buffy fasste sich keuchend an den Kopf, der sich anfühlte, als würde er jeden Moment in tausend Stücke zerspringen.

 

Mit zugekniffenen Augen spähte sie zu dem aufgebrochenen Fenster, dessen Scherben auf dem hölzernen Boden lagen. Zitternd berührte Buffy die kleine Platzwunde an ihrem Gesicht. Bitter lächelnd erinnerte sie sich verschwommen an den Vampir, der sie letzte Nacht verschont hatte und an zwei Gestalten, die sie nach Hause gefahren hatten. Sie richtete sich stöhnend auf und wankte in ihr Badezimmer, in dem sie sofort Wasser in die Wanne einließ.

 

Nachdem das heiße Wasser die richtige Höhe erreicht hatte, ließ sie ihre Kleider auf die weißen Fließen fallen und stieg seufzend in das Schaumbad. Sie sah weder den Mann, noch die Frau, die sie hinter dem bodenlangen Fenster beobachteten.

 

"Denkst du, sie erinnert sich?" lächelte Driana zu dem Mann der die gebrechliche Frau zweifelnd anstarrte.

"Nach der Dosis wohl kaum." murmelte er und ließ die Spritze in seiner Hand kreisen. Die Dämonin nickte zustimmend und griff nach der Hand des Dämons.

"Gehen wir jetzt William besuchen?" kicherte sie in einer kindlich vorfreudigen Stimme und klatschte unterstreichend kurz in die Hände.

 

"Ich weiß immer noch nicht, was du damit bezweckst, Driana." schnaubte er und strich sich kurz über eines der Hörner, die aus seinem Kopf ragten. "Spike ist ein guter Freund und ich würde ihn nur ungern an eine Jägerin verlieren."

 

"Shakaris, du hast selbst gehört was Drusilla gesagt hat. Er ist eine tickende Zeitbombe." Sie verhakte langsam ihre Finger mit seinen und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die kalte Wange "Oder willst du, dass ein Vampir deine jahrelange Arbeit zerstört?"

 

Shakaris schüttelte stumm den Kopf und ging, mit Driana an der Hand, von dem Haus weg, in dem Buffy lebte.

 

-

 

Er starrte gleichgültig auf die Blutlache, die sich langsam über dem teuren Boden ausbreitete. Die dunkelrote Flüssigkeit tropfte in regelmäßigen Abständen von seinem Kinn auf den grauen Pullover. Sein Gesicht behielt einen angespannten Ausdruck und seine Augen waren dunkel.

 

Plötzlich flog die große Tür im Nebenzimmer auf und zwei Gestalten gingen geradewegs auf den Vampir, der an der Wand gelehnt auf dem Boden saß, zu.

Driana blieb erstaunt stehen und deutete Shakaris, mit erhobenem Zeigefinger, an ruhig zu sein. Lächelnd sah sie auf den niedergeschlagenen Vampir herab und ging langsam auf ihn zu.

"Schlimme Sauerei, William." säuselte Driana, während sie ihr rechtes Bein über die blasse Leiche hob und sich anschließend zu ihm niederbeugte. "Man sollte meinen, dass ein Vampir deines Alters gelernt hätte, richtig zu trinken."

 

Er sah nicht zu ihr auf, aber ein flüchtiges Lächeln huschte über seine blutroten Lippen. "Sie war über 50. Ihr Blut war widerlich."

 

Die Dämonin legte ihre blasse Hand auf seine Wange und fuhr mit ihrem schwarz lackierten Fingernagel die Konturen seiner Wangenknochen nach. "Mein armer William." hauchte sie verführerisch an seinen geöffneten Mund und setzte sich ganz langsam auf seinen Schoß.

 

"Weißt du welches Blut nicht widerlich ist?" ein arrogantes Grinsen legte sich auf ihre schwarzen Lippen. "Das einer Jägerin. ich habe mal von einem Vampir gehört, dass es ein wirksames Aphrodisiakum sein soll."

 

 

Er begutachtete grinsend seinen schwarzen Ledermantel, der lässig an ihm herunterhängte und zündete sich eine Zigarette an. Sie war nur einige Minuten später auf ihn zugelaufen und hatte ihn fragend angesehen.

Er deutete mit der Zigarette auf die stehende U-Bahn und folgte ihr langsam, nachdem sie darin verschwunden war.

 

"War es schwer?" flüsterte sie, als sie sich über die Leiche gebeugt hatte.

"Sie war stärker als die Erste." antwortete er kühl und zog die tote Jägerin hoch.

 

"Aber nicht stark genug." lächelte sie und stellte sich vor den Leichnam, den Spike vor sich hielt. "Probieren?" fragte er lächelnd und nickte zu dem nackten Hals.

 

Sie grinste und bläkte ihre Eckzähne, die einer Schlange ähnelten. Beide versenkten zeitgleich ihre Zähne in den Hals der Jägerin und tranken sie bis auf den letzten Tropfen genüsslich aus. Als Spike sie achtlos auf den Boden warf reichte ein einziger Blick von ihr und er zog sie fest zu sich. Er küsste sie brutal und drückte sie gegen die dünne Wand. Seine Hände fuhren die Konturen ihres Körpers ab und er riss ihr Oberteil ungeduldig entzwei. Auch ihr Rock landete nur einen Augenblick später auf dem kalten Boden.

 

Notdürftig striff er sich die Jeans bis zu den Knien herunter und stöhnte kurz als sie ihm durch die Haare fuhr. Spike blickte ihr tief in die Augen und presste ihre beiden Hände neben ihrem Kopf an die Wand des Zuges, während sie ihre Beine fest um seine Hüfte schlang und er sich mit einer fließenden Bewegung in ihr versenkte…

 

 

"Worauf willst du hinaus?!" fragte er mit kühlem Blick und starrte sie ungeduldig an.

"Wir haben deine kleine Panne gestern mit angesehen, William." lächelte sie triumphierend und stand langsam auf "Da bietet dir die kleine Schlampe in ihrem weißen Spitzenkleidchen ihr Blut an und du lässt sie laufen." ihr Blick wurde kalt und Spott schwang in ihrer Stimme mit.

 

"Du solltest mich kennen, Driana. Ich beiße keine Jägerin ohne eine kleine Schlägerei." der Vampir stand ruhig auf und ging langsam auf die Dämonin zu.

 

"Dann hast du also doch vor, sie zu töten?" lächelte sie und verhakte ihre Hand mit seiner. Spike sah kurz zu dem verhangenen Fenster und schien wirklich über die Frage nachzudenken. "Wir haben uns zum tanzen verabredet."

Shakaris ging schnell auf die Beiden zu und stellte sich zwischen Driana und Spike. "Hör zu, Spike, ich will keine Jägerin in meiner Stadt. Ich habe nicht jahrelang die Dämonenherrschaft in Venezuela aufgebaut um sie von irgendeinem dahergelaufenen Gör zerstören zu lassen!" fauchte er beinahe wütend.

 

"Hey." hob Spike beschwichtigend die Hände "Seit wann ist das bitte meine Aufgabe?"

 

"Du läufst vier Jahre hinter ihr her und willst mir erzählen, dass du sie nicht aufschlitzen willst? Entweder du hast Angst vor ihr, oder Mitleid." Driana lächelte siegessicher und selbst Shakaris nickte zaghaft.

 

Spike nickte trocken und schlug Driana im nächsten Moment schreiend zu Boden und dreschte einige Male brutal in ihren Magen. "Du kleine Schlampe hast keine Ahnung von mir. Selbst schwingst du große Reden aber pisst dir ans Bein vor Angst dich ihr selbst zu stellen! Du weißt ganz genau dass du dich niemals mit ihr messen könntest! Die Kleine würde dich innerhalb von Sekunden in Schlangenpüree verwandeln."

 

"Verdammt, Spike!" brüllte Shakaris wütend und packte Spike fest an den Schultern, um ihn im nächsten Moment an die Wand zu schmeißen.

 

"Du weißt, ich schätze dich als Vampir und als Freund." keuchte der Dämon "Aber du lässt mir keine andere Wahl. Ich weiß nicht woher deine plötzliche Angst vor einem Kampf mit ihr kommt, aber entweder ich habe ihre Leiche in zwei Monaten vor meinen Füßen liegen, oder ich hetz dir meine Leute auf den Hals."

 

-

 

Sie waren bereits vor einigen Stunden gegangen, doch Spike lag immer noch unverändert auf dem blutroten Boden.

Die Hierarchie der Dämonen in Venezuela war anfangs sehr ungewohnt für ihn gewesen, meistens hatte er einfach drauf geschissen irgendwelche Regeln zu befolgen. Aber das hier. Ihm war durchaus klar, dass sie ihn töten würden wenn er die Jägerin nicht irgendwie verschwinden lassen würde.

 

Schwerfällig raffte er sich auf und ging zu der langen steinernen Treppe in das erste Stockwerk. Der Boden war komplett mit schwarzem Marmor verziert indem sich der riesige Kronleuchter spiegelte und ein bizarres Licht in den Raum warf. Der Gang den er mit schnellen Schritten entlang ging hatte auf der rechten Seite vier hohe Türen, die alle aus dunklem Mahagoni gefertigt waren.

 

Spike öffnete Letztere und trat in ein riesiges Schlafzimmer ein, das genau wie das komplette Haus schwarz gehalten war.

Ein riesiges Bett stand leicht erhöht in der Mitte des Zimmers. Darauf lagen viele seidene, schwarze Kissen und Decken. Auf der linken Seite war ein riesiges Bücherregal angebracht, in dem hunderte von alten verstaubten Büchern standen. Einige, für ihre Verhältnisse, sehr grüne Palmen standen neben der ledernen Sitzecke. Spike öffnete eine hölzerne Kiste und zog lächelnd seinen schwarzen Ledermantel heraus.

 

Er trat die braune Kiste zu, während er sich den Mantel um die Schultern hängte und anschließend das Zimmer wieder verließ.

 

 

 

 

 

Teil 5 - Tanzen

 

Buffy wischte sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und blickte nachdenklich zu der untergehenden Sonne. Sie atmete noch einmal tief durch und rannte schnell zu der riesigen blauen Trainingsmatte, die auf dem Rasen lag. Die Haut über ihren Fingern war schon rau und leicht aufgeschlagen, doch sie machte einfach weiter. Ihre Faust schlug erbarmungslos in das schwarze Leder und die Halterung quietsche gequält von den schnellen Bewegungen.

 

Das schwarze, abgedunkelte Auto hielt langsam vor dem großen Grundstück. Spike zog den zerknüllten Zettel heraus, auf dem in feinster Schrift ihre Adresse stand. Der Vampir machte vorsichtig die Autotür auf und zündete sich, beim Aussteigen, eine Zigarette an. Lächelnd blickte er auf das kleine Haus, das von Palmen umringt in der kleinen Bucht lag. Er ging direkt auf die matt beleuchtete Veranda zu.

 

Schon von einigen Metern Entfernung hörte er die dumpfen Kampfgeräusche und hob interessiert die vernarbte Augenbraue, als er das Geschehen beobachtete.

Buffy schlug wie wild auf die großen Boxsäcke ein, die an einer Eisenstange befestigt, auf der Mitte des Trainingsplatzes hingen. Er stellte sich vor den hohen Zaun, der das Grundstück absperrte und blickte anerkennend zu der trainierenden Jägerin.

 

Sie hielt plötzlich inne und starrte gebannt in die Dunkelheit, während sie zu der hölzernen Waffenkiste, links neben der Matte, ging. Zielsicher griff die Jägerin nach zwei silbernen Handäxten, deren Klingen aus jeweils zwei großen Sicheln bestanden.

Ihr Brustkorb hob und senkte sich schnell, als sie langsam auf die Tür, aus eisernem Gitter, zuging.

 

"Komm raus!" schrie sie in die schwarze Umgebung, nachdem sie sich kurz umgesehen hatte. Spike trat nur wenige Sekunden später aus dem Schatten und stellte sich einige Schritte hinter die blonde Frau.

 

"So sieht man sich wieder, Liebes." hauchte er mit rauchiger Stimme gegen ihr rechtes Ohr. Keine Sekunde später hatte er ihre Faust auf der Nase und ihren linken Fuß im Magen. Spike keuchte kurz überrascht und hielt sich lachend die blutende Nase. "Ganz wie in alten Zeiten, Jägerin."

 

Buffy blickte ihn emotionslos an, trat ihm im nächsten Moment den Boden unter den Füßen weg und setzte sich auf seinen Schoß.

Sie drückte seine Hände fest über seinen Kopf und hielt eine der Äxte an seinen Hals "Gib mir einen Grund dich nicht auf der Stelle in Staub zu verwandeln." Buffy blickte ihn kurz verwirrt an und schüttelt den Kopf ".....oder halt, gib mir keinen." zischte sie grimmig und presste die scharfe Klinge an seinen Hals.

 

"Tut mir wirklich leid, Liebes." grinste er amüsiert, befreite seine Hände ohne große Schwierigkeiten und schlug seine Rechte geradewegs auf ihr Kinn. Buffy sprang schnell wieder auf, nachdem sie gegen die Hauswand gekracht war und trat ihn von sich, bevor er sich über sie beugen konnte.

 

Spike lachte freudig, während er sich an dem silbernen Zaun hoch zog "Geht es nur mir so, Summers, oder war das verdammt lange mal wieder nötig?"

 

Buffy grinste leicht und ging rückwärts in die abgetrennte Trainingsarena, wo sie erneut zu der Waffenkiste ging und ein langes Schwert herauszog. "Dann komm her und zeig mir was du kannst." höhnte sie und schmiss ihm das lange, silberne Zweihandschwert zu "Lass uns tanzen."

 

 

Moon hangs around

A blade over my head reminds me
What to do before I'm dead


Night consumes light
The honesty I dread
Reminds me what to do before I'm dead

 

 

Spike nickte ruhig und schwang das große Schwert beeindruckt vor seinem Kopf. "Nette Spielzeuge." er rannte, gar keine Reaktion erwartend, auf die Frau zu und schwang das Schwert nur wenige Zentimeter über dem Boden. Die Jägerin konnte jedoch schnell genug reagieren und sprang über die tödliche Klinge. Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte, holte sie sofort zum Gegenangriff aus und trat Spike heftig in den Rücken. Selbiger taumelte stark und konnte nur schwer das Gleichgewicht halten. Geschickt wich er den nächsten Schlägen aus und konnte in einem unachtsamen Moment sein Schwert an ihre rechte Bauchseite rammen und trennte die rechte Seite ihres schwarzen Tshirts ab. Buffy blickte erschrocken an sich herunter, strich kurz über ihre Haut und funkelte ihn dann böse an.

 

"Verflucht das war mein Lieblingsshirt." funkelte sie und rannte mit den silbernen Äxten auf den Vampir zu.

"Ohoh." gluckste Spike amüsiert und trat ihr die Beine weg bevor sie überhaupt in seiner Nähe war. Doch Buffy drehte sich sofort wieder auf den Rücken und blockte den nächsten Tritt rechtzeitig ab.

 

Bevor er zurückweichen konnte schlug die Jägerin eine der Äxte an seinen linken Arm und sie konnte sich ein zufriedenes ‚Ha’ nicht verkneifen, als sie den tiefen Schnitt in seinem Ledermantel sah. Der Vampir zischte schmerzerfüllt auf, warf einen Blick an seinen Arm und sah unter dem zerschnittenen Leder einige Bluttropfen fließen. Doch seine Aufmerksamkeit wurde abgelenkt, als er an den Schultern gepackt und einige Meter nach hinten geschleudert wurde. Mit einem dumpfen Scheppern knallte er gegen den Eisenzaun.

 

"Unentschieden, Summers." presste er trocken hervor und hob das Schwert aus dem nassen Rasen. Beide stellten sich erneut in Kampfposition und rannten mit beinahe freudigem Kampfgebrüll auf den Gegner zu.

 

 

Epochs fly, reminds me
What I hide, reminds me


The desert skies
Cracks the spies


Reminds me what I never tried
The ocean wide salted red


Reminds me what to do before I'm dead

 

 

Die Schwerter knallten aneinander und Buffy versuchte Spike in den Bauch zutreten, was dieser jedoch abwehrte. Er hob das Schwert und holte schnell aus. Sie schaffte es noch auszuweichen, wurde jedoch am rechten Oberschenkel von der langen Klinge geschnitten und sah wie das Hosenbein leicht absackte.

Spike lachte kurz auf und vollzog dieselbe Prozedur an ihrem linken Bein. Dieses Mal bildeten sich dort kleine Bluttropfen und Buffy stöhnte gequält auf, während sie ihn mit ihrer rechten Faust auf den Boden schickte.

 

Sie umgriff eine der Äxte mit beiden Händen und ließ sie auf sein Gesicht niedersausen. Spike packte sie, drehte sich zusammen mit ihr auf die Seite und blieb lachend auf ihr liegen.

"Schlechte Idee, Summers. So in etwa hab ich meine letzte Jägerin kalt gemacht." grinste er belustigt, machte jedoch keine Anstalten sie weiter zu verletzen. Buffy lächelte und streckte ihre Hand nach seinem Gesicht aus. "So einfach wirst du es mit mir nicht haben." fauchte sie verächtlich und schlug mit dem Griff der Axt gegen seine rechte Wange. Der Vampir krachte unsanft auf der Waffenkiste auf und strich über seine brennende Gesichtshälfte.

 

 

To see you


To touch you


To feel you

 
To tell you

 

 

"Nicht mal so übel." nickte er anerkennend und umgriff zwei große Tulware, die in der Truhe lagen. "Aber das kannst du doch besser." lächelte er und rannte auf die Jägerin zu. Buffy wehrte den heftigen Schlag mit beiden Äxten ab, verlor aber trotzdem das Gleichgewicht und fiel vor ihm auf die Füße.

 

Bevor Spike seine Chance nutzen konnte, trat Buffy ihm gegen das Schienbein, sodass er der Länge nach auf den Rasen fiel. Buffy sprang auf die Füße und stellte ein Bein links und rechts von seiner Hüfte. Sie schwang beide Äxte seelenruhig im Kreis. Aber bevor sie zum Schlag ausholen konnte schlug Spike gegen die Innenseite ihrer Oberschenkel und ließ sie so auf sich fallen. Er packte ihre Hände, die die Äxte immer noch fest umschlossen und fuhr sie zu ihrem Rücken. Dort verschränkte er sie und zog ihren Oberkörper gemächlich näher zu sich herunter, ohne dass sie was dagegen tun konnte. Die scharfe Klinge drückte gegen ihre Haut und Buffy schnaubte schnell, den Schmerz unterdrückend und trat ihm ohne groß darüber nachzudenken mit dem Knie in den Schritt.

 

Spike schrie laut auf und ließ ihre Hände schlagartig los. Seine Beine zogen sich instinktiv zu seinem Oberkörper und er schloss gequält die Augen „Verdammtes Miststück.“

Buffy stand lächelnd auf und entfernte sich einige Schritte um den malträtierten Vampir zu beobachteten. Sie grinste siegreich und lief ein paar Runden um ihn herum. Dann packte sie den blonden Mann an den Schultern und schleuderte ihn ohne größeren Kraftaufwand ein paar Meter weiter. Spike blieb regungslos auf dem Boden liegen und hielt sich wimmernd die schmerzende Stelle.

 

 

The sun reclines, reminds me
The desert skies, reminds me


The ocean wide salted red

Reminds me

 

 

"Zwei zu eins für mich." grinste Buffy schwer atmend und ließ sich einen knappen Meter neben ihm ebenfalls auf den Boden fallen. Spike nickte mit verzerrtem Gesicht und lehnte sich keuchend an der steinigen Wand an. Buffy beobachtete verwirrt wie der Vampir seelenruhig eine kleine Schachtel aus der Manteltasche zog und sich eine von den zerdrückten Zigaretten ansteckte.

 

"Was machst du?" fragte die Jägerin ungläubig. Spike sah sie mit hochgezogener Augenbraue an, während er den Tabak entflammte. "Wonach siehts denn aus?"

Buffy richtete sich stöhnend auf und stellte sich vor ihn.

"Du willst jetzt eine rauchen?" zischte sie und blickte ihn ungläubig an. "Ich fass es nicht." Sie zog die Augenbrauen hoch und nach einigen Sekunden schmiss sie ihre Waffe mit einem leisen Fluch auf den Boden und setzte sich neben ihn.

 

Spike grinste leicht, reichte ihr die kleine Schachtel und entflammte die Zigarette, nachdem sie sich selbige zwischen die Lippen gesteckt hatte. Beide starrten ruhig in die Dunkelheit hinaus.

 

"Für den Mantel bezahlst du." knurrte er, als er den langen Schnitt begutachtete und seufzte missmutig als er den Arm wieder senkte.

"Hätten Dawn und Willow nicht so viel Mitleid mit ihm gehabt, hätte ich ihn längst irgendwo verbrannt." schnaubte sie nachdenklich und merkte, dass es zum ersten Mal seit dem Tod ihrer Freunde nicht so schmerzte über sie zu reden.

"Wie hast du es angestellt?" flüsterte sie nach einigen schweigenden Minuten sachlich und zog tief von der brennenden Zigarette.

 

Spike zuckte bei ihren Worten etwas zusammen, verstand aber schließlich was sie meinte und entspannte sich wieder. "Der Chip?" tat er so als wäre nichts gewesen und atmete lautstark die kalte Luft aus, nachdem sie genickt hatte.

"Hatte jemand noch was schuldig bei mir. Dieses mal wusste der Dok was er tat." grinste er und schnippte die Kippe weg. "Was ist eigentlich aus dem Pappsoldaten geworden?" fragte er und steckte sich eine zweite Zigarette zwischen die blassen Lippen.

 

"Abgehauen." zuckte Buffy mit den Schultern, kramte wie selbstverständlich in Spikes Manteltasche nach seinem silbernen Feuerzeug und gab ihm Feuer. "Nachdem Mom" sie unterbrach sich selbst und sah ihn nachdenklich an "Nachdem Mom gestorben ist."

 

Er starrte etwas betreten an ihr vorbei und nickte.

"Sie hatte einen Gehirntumor." sagte sie mit dürrer Stimme und fasste sich kurz resignierend an die Stirn. "Als sie krank wurde, hat er sich wohl ausgeschlossen gefühlt."

"Und da hat er die Fliege gemacht." sagte er nach einigen Sekunden und sie glaubte eine Spur Zorn in seiner Stimme zu hören.

"Genau." flüsterte sie bitter und stand unter Schmerzen auf. Sie fasste an ihr linkes Knie und fuhr den dünnen Schnitt mit ihrem Zeigefinger nach. Leicht verloren blickte sie auf die riesige blaue Matte die den Rasen bedeckte und suchte nach den passenden Worten.

 

-

 

Spike starrte ruhig zu ihr hoch und drückte die Zigarette gelassen an der Hauswand aus. Nachdenklich sah er an ihr herunter und betrachtete grinsend ihren nackten Bauch an dem das zerrissene Tshirt hinab hing.

 

"Spike, ich..." weiter kam sie nicht, denn plötzlich trat der Vampir gegen ihre Waden und sie krachte mit einem spitzen Schrei auf den Lippen direkt gegen die Hauswand. Spike lachte schadenfroh und presste sie schroff gegen die kalte Mauer. "Du lässt dich zu leicht ablenken, Täubchen."

 

Buffy funkelte den blonden Mann, der ihr keine Chance ließ zu entkommen, wütend an. "Das war feige." presste sie hervor und versuchte sich zu befreien. Erfolglos. Spike drückte seinen Unterarm gegen ihre Kehle und bückte sich schnell nach dem großen Zweihandschwert. Buffy konnte die Chance jedoch nutzen und rammte ihren Ellbogen in sein Gesicht. Anschließend machte sie einen Sidekick und Spike flog einige Meter an der Hauswand entlang. Sie griff nach dem Schwert, das er im Affekt hatte fallen lassen und rannte auf ihn zu.

 

Bevor sie ihn jedoch angreifen konnte trat er ihr in die Seite und drehte sie mit dem Rücken zu sich. Buffy schrie wütend, als er ihren Arm grob auf den Rücken drehte. Sie versuchte ihn mit ihren Beinen zu treten, was jedoch von seinem rechten Bein verhindert wurde.

 

Spike hielt sie einige Momente in dieser Position, bevor er ihre Haare seelenruhig von ihrem Hals entfernte.

Buffy stand plötzlich ganz ruhig und drehte ihren Kopf soweit, dass sie ihn anschauen konnte. Der Vampir hielt inne und starrte sie nachdenklich an "Wieso wolltest du letzte Nacht sterben?"

 

Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen "Weil ich alles verloren habe, für das es sich zu leben lohnt."

 

"Und was hat sich heute verändert?" flüsterte er, als er seinen Kopf zu ihrem Nacken beugte. Ruhig blickte sie geradeaus und wäre er kein Vampir hätte er sie nicht verstanden, so leise sprach sie die nächsten Worte.

 

"Du bist wieder in mein Leben getreten."

 

Er schluckte hart und starrte auf den zarten Hals. "Versteh mich nicht falsch." sprach sie einfach weiter "Da war etwas, das ich noch beenden wollte." Sie sah ihn wieder an, und die Ehrlichkeit in ihrem Blick überwältigte ihn. Sie war vieles zu ihm gewesen, aber nie ehrlich. Hatte sich immer hinter ihren lächerlichen kleinen Lügen versteckt.

 

Er ließ ruckartig von ihr ab und entfernte sich einige Schritte. Verwirrt drehte sie sich um und starrte ihn etwas verloren an. Sein Brustkorb hob und sank in unregelmäßigen Abständen. Langsam ging er rückwärts ein paar Schritte, bevor er zu der Tür in dem großen Eisenzaun rannte. So konnte er das nicht tun. Er schnaubte, seine Sohlen bohrten sich in den Boden und er schloss die Augen bebend.

 

Buffy sah dem Vampir fassungslos hinterher und hielt sich zitternd an der kalten Wand fest. Langsam rutschte sie an dem weißen Backstein herab auf den Rasen.

 

Spike blieb keuchend an seinem schwarzen Auto stehen und blickte mit ausdrucksloser Miene auf das verlassene Haus zurück. Er schüttelte den Kopf, doch seine Gesichtszüge versteinerten in der nächsten Sekunde bereits wieder. Mit ernstem Blick stieg er in das Auto und startete den Motor.

 

 

 

 

 

Teil 6 – Stillstand

 

Er zog den Rauch tief in seine tote Lunge und blies ihn anschließend tonlos in die Richtung der tanzenden Menge. Nachdenklich blickte er auf den neonbeleuchteten Eingang. Seit ihrem Kampf saß er jeden Abend in dem großen Club und starrte wie gebannt auf die dunkle Türe. Er wusste nicht genau ob er wollte, dass sie kam oder nicht.

 

"Willst du tanzen?" wisperte plötzlich eine blonde Frau neben ihm und riss ihn aus seinen Gedanken. Er schüttelte stumm den Kopf und drehte den Kopf zur Seite. Schulterzuckend stand sie noch einige Sekunden neben ihm, bevor sie sich alleine auf die Tanzfläche begab. Er stieß den angehaltenen Atem geräuschvoll aus und legte seinen Kopf stöhnend auf seine Arme.

„Verfluchtes Miststück..“ knurrte er leise. Schließlich richtete er seinen Blick erneut auf und ein dünnes Lächeln überzog sein Gesicht. Sie war hier. Langsam ging er die kurze Treppe, die zur Tanzfläche führte hinab und mischt sich zwischen die tanzenden Menschen damit sie ihn nicht sehen würde.

 

Buffy stand mit zweifelndem Blick vor der Eingangstür und wurde bereits seit geraumer Zeit von dem Türsteher beobachtet. "Kleine, willst du nun rein oder nicht?" fragte er genervt und deutete mit seinem linken Daumen in die stickige Disco. Stumm sah sie ihn an und drückte die abgebrannte Zigarette unter ihrem Schuh aus. Sie nickte zaghaft und zog nochmals den kurzen Rock zu Recht. Langsam schritt sie durch den Eingang und sah sich um. Beobachtend stellte sie sich in eine dunkle Ecke und fand ihn nur wenig später in der breiten Menge.

 

 

Take your time now
Feel like standing still

 

 

Er schupste den Kerl vor sich einfach zur Seite und legte seine rechte Hand unbekümmert auf ihren Hüfte "Ich hab’s mir anders überlegt." grinste er und zog sie fest zu sich. Sie nickte zaghaft und lehnte bei den dumpfen Klängen der Musik ihren Kopf auf seine Brust. Rhythmisch bewegten sie sich langsam und er starrte fasziniert durch die Menge. Sie schlang ihre Arme locker um seine Hüfte und legte ihr Kinn auf seine Schulter. Er blickte kurz zu ihr herunter, ließ sie jedoch gewähren.

 

 

Get your baerings
Until

 

 

Ungläubig blickte sie zu dem eng umschlungenen Paar, das sich schrecklich vertraut im Rhythmus der melancholischen Musik bewegte. So sehr sie es auch versuchte, konnte sie ihren Blick nicht von den Beiden nehmen und stellte sich an das silberne Gitter, das sie von der Tanzfläche trennte. Die Musik wurde intensiver und Buffy beobachtete interessiert, wie sie sich mit dem Rücken zu ihm drehte und ihre Arme langsam in die Luft streckte. Sie lächelte, als sie seinen beinahe gelangweilten Blick sah.

 

Spike blickte abgestumpft zu ihr herunter, als sie sich langsam umdrehte und ihr Haar in den Nacken warf. Er umklammerte ihre Hüfte hart und wandte seinen Kopf zu ihrem blassen Hals.

 

 

When the day is through
All you got to do is slowdown

 

 

Ihr Atem stockte, als er gelassen und mitten in der Menge sein Vampirgesicht aufsetzte. Sie konnte nicht glauben was sie sah und rannte instinktiv auf die beiden zu. Sie bahnte sich ihren Weg durch die Menschenansammlung und blieb direkt vor ihnen stehen. Sie funkelte ihn wütend an und zog die blonde Frau bestimmend aus seinem Griff. Der Vampir starrte sie wenig überrascht an und ein teuflisches Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus "Ich dachte schon du würdest nie kommen, Summers." Verwirrt beobachtete sie, wie er der Frau deutlich machte, dass sie verschwinden sollte.

 

Er legte eine Hand grob um ihre Hüfte und zog sie dicht zu sich. "Was tust du?" flüsterte sie mit abgebrochener Stimme und legte ihre Hand vorsichtig auf seine Schulter. Nachdenklich blickte er über ihren Kopf hinweg.

 

"Ich tanze mit dir." stellte er fest, nachdem sie bereits angefangen hatten sich langsam zu der Musik zu bewegen. „Dieses Mal ohne Waffen.“ fügte er hinzu und zog eine Augenbraue hoch während er ihren verdutzten Blick musterte. Buffy schluckte benommen, als er sie noch näher zu sich zog und stemmte sich entschieden dagegen. „Das ist nicht dein Ernst.“ zischte sie und versuchte angestrengt ihre Hand aus seiner zu ziehen. Doch er hielt sie, verfestigte seinen Griff und starrte sie an.

 

„Das ist nicht Sunnydale, das hier bin nicht ich und das da bist nicht du. Und jetzt tanz mit mir.“ flüsterte er direkt gegen ihre Lippen und sein Augen starrten direkt in Ihre. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und so ließ sie es einfach. Ihre Hand entspannte sich in seiner und sie tat nichts, als er sie letztendlich auf ihre Hüfte legte.

 

 

Full of tension
'Cause you love the chase

 

 

Sein Becken übte leichten Druck auf Ihres aus und er zwang sie sich mit ihm zu bewegen. Sie hatte keine Ahnung von den Schritten, sie hatte noch nie wirklich getanzt. Das jetzt hier mit ihm zu tun schien ihr so fürchterlich absurd, dass ihre Gedanken völlig durcheinander gingen.

 

Letztendlich ließ sie sich einfach führen und bewegte sich genau entgegengesetzt zu ihm. Seine Hand lag fest auf ihrer Hüfte, drückte sie weg und zog sie wieder zu sich während seine Augen sie immer noch ansahen. Sie spürte wie seine Finger tiefer rutschten, merkte wie sie ihren Hintern berührten und schnaubte tief. Sie starrte ihn verwirrt an, überlegte sich aus seinem Griff zu winden, doch sie versank in seinem Blick und atmete tonlos aus. Seine Berührung wurde stärker, forscher.. sie spürte wie seine Finger sich leicht in ihre Haut bohrten.

 

"Das wird nicht passieren." presste sie zitternd hervor, als sein Gesicht näher kam. Sie konnte die Musik hören, langsam... pulsierend... Der Raum um sie herum verschwand und alles war sie spürte war sein kalter Atem auf ihrem Mund und die Hand auf ihrem Hintern.

Er grinste nicht. Er sah sie emotionslos an, seine Gesichtszüge schienen wie versteinert. Seine Augen starrten sie an, als er ihr eine blonde Strähne hinter das Ohr steckte. "Nein, das wird nicht passieren."

 


You just need your
Own space


 

Beide sahen sich verwirrt in die Augen als sich ihre Lippen berührten. Sie öffnete ihren Mund vorsichtig und spürte seine kalte Zunge auf ihrer. Sie seufzte kurz und schlang nun ebenfalls ihre Arme fest um seinen Körper. Träge begannen ihre Zungen miteinander zu spielen, während sie sich weiterhin zu dem langsamen Lied bewegten. Spike strich mit seinem Daumen kleine Kreise über ihren Rücken und fuhr mit der anderen Hand durch ihre langen Haare. Buffy hatte ihre rechte Hand vorsichtig auf seine Wange gelegt und strich ruhig darüber. Langsam und verlangend erkundete er jeden Millimeter ihres Mundes. Die Beschaffenheit ihrer Zähne brannte sich in sein Gedächtnis. Sanft begann er mit ihrer warmen Zunge zu spielen und wurde durch ihre wohligen Seufzer bestätigt nicht aufzuhören.

 

Schwer atmend ließen sie erst viele Sekunden später von einander ab und Buffy starrte ihn fassungslos an. "Das darf nicht passieren." keuchte sie und stieß sich panisch von ihm ab. Benommen wandte Spike seinen Kopf zur Seite und flüsterte mit abgehakten Worten "Nein, das darf es nicht."

 

 

When the day is through
All you got to do is slowdown

 

 

Leicht verloren standen sie zwischen den vielen tanzenden Pärchen und sahen sich fragend an.

 

"Ich sollte gehen." schüttelte sie verwirrt den Kopf und warf ihn noch einen zweifelnden Blick zu, bevor sie sich langsam umdrehte. Er nickte nur stumm und sah ihr wortlos hinterher.

 

Wütend ballte er seine Fäuste und sein Blick wurde finster. Ein raues Knurren entwich seiner Kehle als er mit zitternder Faust in die schwarze Steinsäule schlug. Einige Personen in seiner Nähe drehten sich verwundert um und einige zogen scharf die Luft ein, als der Vampir seine blutende Hand aus dem klaffenden Loch riss.

 

"Verdammte Scheiße." stöhnte er und lehnte sich kopfschüttelnd an dem breiten Zylinder an. "Das muss jetzt aufhören." murmelte er wütend und sah mit entschlossenen Gesichtszügen zum Ausgang.

 

 

 

 

 

Teil 7 - Verlangen

 

Mit leerem Blick fuhr sie ihr Auto in die Garage und machte die Wagentüre auf. Sie durchfurchte nachdenklich ihre Stirn und legte ihren Kopf langsam auf das Lenkrad. Stumm schüttelte sie den Kopf und zog zitternd die kalte Nachtluft durch ihre Lunge. "Verdammt noch mal." murmelte sie nachdenklich und zog den Schlüssel.

 

Als sie in ihr Wohnzimmer trat ließ sie sich ausgelaugt auf das schneeweiße Sofa fallen und zog ihre Knie fest an sich. Ihre Gedanken schossen wirr durcheinander. Geschockt über das was er getan - und sie nicht verhindert hatte.

Ein Zucken durchfuhr ihren Körper bei dem Gedanken und zwei Finger legten sich nachdenklich auf ihren Mund. Schnaubend ließ sie sich auf eines der großen, seidenen Kissen fallen. Sie schloss langsam ihre schweren Augenlieder und hoffte sie würde diesen Abend einfach vergessen.

 

-

 

Er starrte fest entschlossen auf das immer näher kommende Haus und parkte seinen Wagen mit quietschenden Reifen direkt neben ihrem. Schroff knallte er die Tür zu und lief mit großen Schritten auf den Eingang ihrer Behausung zu. Die Tür flog mit einem gezielten Tritt in die Angeln und er blickte sich mit hochgezogener Augenbraue in dem hellen Zimmer um. Interessiert studierte er das Wohnzimmer, bevor er die Jägerin entdeckte.

Selbst das laute Knallen der Tür hatte sie nicht aufwecken können. Er beugte sich teilnahmslos über sie und strich ihr unbewusst einige Haare aus dem Gesicht. Im nächsten Moment umklammerte er mit beiden Händen ihren dünnen Hals und zog sie gewaltsam zu sich hoch. Buffy schreckte durch die kalte Berührung auf und röchelte panisch nach Atem, als ihr bewusst wurde was er tat.

 

"Weißt du…" raunte er mit kalter Stimme und zog sie grob auf die wackligen Beine "Ich finde wir sollten da weiter machen wo wir vor zwei Wochen aufgehört haben." Er schmiss sie mit wütender Miene auf den niedrigen Tisch vor dem Sofa und beobachtete zufrieden, wie er durch die Wucht ihrer Landung prompt zu Bruch ging.

 

Sie starrte ungläubig zu ihm hoch, festigte jedoch ihren Blick wenig später und stand langsam auf. Ihr Atem war schnell und laut und sie ging einige Schritte von ihm weg. Mit ihren Zehen schob sie ihre Füße aus den hochhackigen Schuhen heraus und schob sie bedächtig zur Seite.

 

"Gleich bist du nur noch die verfluchte dritte Kerbe in meinem Gürtel." schnaubte er wütend und stürzte sich mit aufgesetzter Vampirfratze auf sie. Buffy wurde von seinem Gewicht brutal auf die Überreste des Tischs gedrückt und keuchte panisch. Sie tastete zitternd den Boden ab und umgriff eines der Tischbeine. Sie hantierte damit herum während sie ihn mit Armen und Beinen von sich fern hielt. Das Holz glitt durch ihre Finger und als sie seine Eckzähne aufleuchten sah, rammte sie ihm das Holz in den Rücken und kickte ihn mit ihrem linken Knie von sich.

 

Spike flog schreiend auf seinen Rücken und schielte auf den braunen Balken der seinen Bauch durchbohrte. "Du verdammtes Miststück!" röchelte er und schluckte das aufkommende Blut runter. Buffy blickte ihn unsicher an und richtete sich langsam auf.

 

„Was willst du Spike? Wir kämpfen, wir tanzen dann küsst du mich. WAS willst du?“ schrie Buffy ihn an und merkte wie Tränen ihr in die Augen stiegen, als sie ihn dort liegen sah. Eine dunkelrote Pfütze lugte unter seinem Rücken hervor.

Sie überlegte sich zu ihm herunter zu knien doch sie wurde von seinem wütenden Blick gestoppt. "Wir werden das jetzt zu Ende bringen!" schrie er gequält als er sich das Holzstück mit einer Bewegung aus dem Bauch zog. Seine Faust krachte in ein Bücherregal das neben ihm stand und seine Finger suchten nach irgendetwas, das er umgreifen konnte. Blut floss aus seinem Mund und er spuckte es verächtlich auf den Parkettboden.

Dann stützte er seine Hände ab und drückte sich nach oben. Schwankend stellte er sich hin und fixierte sie mit finsterer Miene. Er ging mit starrem Blick langsam auf sie zu und schlug sie ohne zu zögern mit seiner rechten Faust gezielt nieder. Sie fixierte ihn ungläubig und trat ihn mit ihrem linken Fuß ins Bein, so dass er vor ihr zu Fall kam.

 

Gequält keuchte er auf und versuchte einen Schlag in ihrer Magengegend zu landen, doch er schaffte es nicht und taumelte vor ihr. Buffy starrte ihn an und rannte nach kurzem Zögern auf die abgedunkelte Veranda.

Sie taumelte auf die schwere Waffenkiste zu und zog zielsicher die hellbraune Balliste heraus. Schnell zog sie einen der Bolzen aus dem Köcher und spannte selbigen gewohnt in die Armbrust ein. Als sie sich umdrehte, stand er bereits hinter ihr und trat ihr plötzlich den Boden unter den Füßen weg. Er lächelte sie kühl an und Buffy erkannte keinen Funken der Kampffreude des damaligen Abends mehr in seinen eisblauen Augen.  Nur eiserne Entschlossenheit.

 

 

"Spike." flüsterte sie beschwichtigend, als sie die Zielvorrichtung der Balliste auf sein totes Herz richtete. Er schüttelte stumm den Kopf und trat ihr grob in die Seite. Sie konnte den nächsten Tritt mit ihren Händen parieren und trat ihm als Gegenleistung halbherzig gegen den Brustkorb. Spike taumelte kurz zurück und blickte, als er wieder sein Gleichgewicht gefunden hatte in ihre Augen, die ihn starr fixierten.

"Du drückst nicht ab." höhnte er laut und kam langsam einen Schritt auf sie zu. Sie schüttelte tonlos den Kopf und lächelte ihn traurig an. "Zwing mich nicht dazu." wisperte sie und spannte den Bolzen an.

 

Er blieb kurz stehen und schüttelte grinsend den Kopf "Zur Hölle mit dir Summers." sagte er mit hochgezogener Augenbraue "Du bist die Jägerin. So läuft das nun mal." führte er leise fort, als er seelenruhig weiter auf sie zuging.

Sie atmete noch mal tief durch, bevor sie den Abzug der großen Balliste betätigte und der Bolzen auf sein Ziel schoss.

 

Er schrie laut auf, als der Pfeil genau in seinem Bauch landete, wo bereits die große Wunde war. Er viel auf die Knie und wimmerte vor Schmerzen, als er ihn sich mit einem Ruck direkt heraus zog und zur Seite warf. Mit zugekniffenen Augen starrte er auf die Wunde aus der eine dünne dunkelrote Spur über sein Hemd floss.

 

"Ich bring dich um." murmelte er stöhnend und fiel langsam nach vorne auf den nassen Rasen. Buffy atmete schwer und ließ die Balliste zitternd auf den Boden fallen.

Seine goldenen Augen fixierten sie, als seine Hände sich in die langen Grashalme krallten.

 

"Wenn du auf mich schießt mach es richtig verdammt." würgte er und Buffy beobachtete mit verzerrtem Gesicht wie er abermals Blut auf den Boden spuckte.

"Lass diese halbherzigen Versuche, das ist kein Spiel." Er stemmte sich krampfhaft gegen den weichen Untergrund als er sich langsam aufraffte. Buffy schluckte hart als er bedrohlich langsam auf sie zukam, machte jedoch keine Anstalten wegzurennen. Sie ging zaghaft einige Schritte rückwärts, doch plötzlich rannte er schreiend auf die sie und stürzte mit ihr auf die blaue Matte. Wütend schlug er ihr einige Male ins Gesicht, bis sie ihn durch einen gezielten Tritt von sich stoßen konnte.

 

Anstatt zum Gegenangriff anzusetzen, blieb sie jedoch regungslos liegen und wischte sich zitternd über die Augen.

 

Spike ließ sich kraftlos auf die Trainingsmatte sinken und presste krampfhaft auf die klaffende Wunde. Er neigte seinen Kopf zur Seite und sah grinsend auf eine der zwei Äxte, die noch vom vergangenen Kampf in dem grünen Gras lag. Fest umschloss er den silbernen Griff der Waffe und stützte sich mit ihr ab, um aufstehen zu können. Buffy hatte ihren Blick in den dunklen Wald gerichtete und nahm nur entfernt war, wie er sich über sie beugte.

Als die kalte Klinge ihr Kleid durchschnitt und eine dünne rote Spur auf ihrer Haut hinterließ riss sie kurz ihre Augen auf und krallte ihre Finger tief in seinen schwarzen Mantel.

 

Er schnaubte fasziniert als das dunkelrote Blut über ihre Haut lief. Mit gierigen Augen beugte er sich zu dem dünnen Schnitt herab und fuhr mit seiner Zunge quälend langsam der Länge nach über sie. Buffy erschauderte bei dieser Berührung und festigte ihren Griff um den schwarzen Stoff. Er ließ seine Zunge einmal längs über ihren Bauch fahren und nahm das hervorquellende Blut leise stöhnend in sich auf. Sie beobachtete ihn verwirrt und ihre Hände umgriffen seine Schultern um ihn weg zu drücken.

 

Spike blickte sie finster an, schlug die flache Hand in ihr Gesicht und drückte sie dann bestimmend auf die Trainingsmatte. Keuchend strich sie sich über die brennende Wange. Plötzlich war er über sie gebeugt und ein tiefes Knurren entwich seiner Kehle, als er sie hart auf den Mund küsste. Buffy riss ihre Augen überrascht auf, als er seine Zunge gewaltsam in ihren Mund drängte und versuchte sich zu wehren. Ihre Fäuste schlugen gegen seinen Oberkörper und sie wandte sich unter ihm. Doch er drückte sie mit voller Länge auf den Kunststoff und seine Hände nagelten ihre über ihrem Kopf fest.

 

Dann unterbrach er den Kuss genau so plötzlich wie er begonnen hatte und starrte sie keuchend an. „Ich werde dir zeigen, was es heißt mir Hörner aufsetzen zu wollen.“ knurrte er und presste seine Lippen erneut hart gegen ihre. Sein Verstand setzte aus und seine Wut übermannte ihn. Er war nie einer von den Männern gewesen, die einer Frau mit Gewalt ihren Willen aufzwingen wollten, aber nun standen die Dinge anders. Er hatte einen Auftrag und sie machte es ihm unmöglich ihn auszuführen. Er konnte sie einfach nicht töten, sie ließ es nicht zu. Sie hielt ihn mit Blicken und Worten davon ab. Nun würde sie dafür bezahlen.

 

„Du elendes Miststück.“ raunte er an ihre Lippen und stieß seine Zunge in ihren Mund. Dieser Kuss war weder zärtlich noch liebevoll. Er war verlangend und fordernd und er zwang sie sich ihm anzupassen. Und sie tat es. Ihre Zunge gesellte sich zu seiner und Spike war für einige Sekunden davon so überrascht, dass er ihre Hände losließ und sie ihn von sich stieß. Er starrte sie wie wahnsinnig an, als sie sich auf ihn setzte und ihn mit den Schultern bestimmend auf die Matte drückte.

 

 

On the edge, I look in

Touch the flesh, touch the skin

 

Cup my hands, time stood still
Intoxicate fire at will, pulsating through my veins

 

 

Beschwörend sah sie ihm in die Augen, als sie grob seinen schwarzen Pullover packte und ihn im nächsten Moment in der Mitte zerriss. Er stierte fassungslos auf den Fetzen, den sie ihm notdürftig vom Körper zog. Sie starrten sich an. Beide atmeten abgehakt und schwer.

 

Spike überlegte kurz und umfasste ihre Hüfte schließlich um sie wieder auf die Matte zu schmeißen. Ein tiefes Grollen entrang seiner Kehle als er sich erneut auf sie stürzte und ihr hektisch die obere Hälfte des zerschnittenen Kleides auszog. Ihre Lippen trafen sich erneut und diesmal erwiderte sie seinen harten Kuss direkt. Durch ihren Kopf schossen tausende wirre Gedanken, doch sie sie wusste dass es jetzt zu spät für rationales Denken war. Sie fühlte wie seine Stirn durchfurcht wurde und ein spitzer Schrei drang über ihre Lippen als seine Eckzähne sich unbarmherzig in ihren warmen Mund bohrten und ihre zartrosa Zunge aufritzten.

Ein kurzes, schmerzerfülltes Stöhnen drang an sein Ohr und er knurrte verlangend, als sie sie an dem spitzen Zahn noch ein wenig mehr für ihn öffnete. Ihr warmes Blut durchströmte ihre Münder, während sie sich haltsuchend über die Matte rollten. Keiner von beiden wollte dem Anderen die Führung überlassen und so rangen sie noch lange, bis Spike sie wiederum zornig mit seinen Händen auf dem Boden festnagelte.

 

 

Beneath the skin, skin and bone
Beneath the skin I am alone

 

 

Schwindelnd sah sie in seine lustbehangenen Augen und atmete heftig gegen seinen Mund. Ihre Finger krallten sich hart in seinen Nacken und zogen seinen Kopf noch näher zu ihrem. Sie saugte begierig an seiner Zunge und schmeckte sich selbst darauf. Spikes Augen verdrehten sich unkontrolliert, bei dem atemberaubenden Geschmack ihres Blutes. Dann löste er sich von ihr und funkelte sie mit schwarzen Augen dunkel an als er unkontrolliert ihren Rock nach oben schob.

 

Buffy keuchte und nutzte die Gelegenheit den Gürtel seiner Hose zu öffnen. Sie hantierte mit der Schnalle herum und seufzte entnervt, bevor sie das Leder an der Stelle vom letzten Loch einfach durchtrennte. Er spürte wie sie seine zerschlissene Jeans über seine Hüften schob, die er in der Eile nicht einmal zugeknöpft hatte.

 

Spike beobachtete sie und ließ seine Hände schnell auf den Boden und unter ihren Rücken wandern. Sie seufzte leise als er langsam jeden Millimeter erkundete und streckte ihm ihr Gesäß entgegen, damit er besseren Zugang hatte. Spike beugte seinen Kopf zu ihrem Dekolleté herunter und biss mit stumpfen Zähnen hinein während er den Verschluss ihres schwarzen BHs öffnete und ihn ihr in einer Bewegung von den Schultern zog. Unbekümmert warf er ihn einige Meter zur Seite und stierte gierig auf ihre Brüste. Buffy atmete abgehakt, als er begann an ihrer linken Brust zu saugen und ihre Finger drückten sich in seinem Griff flach auf den Boden.

 

 

Smoldering, release, expire
Confined within, I walk the wire


On the ledge no return
Saturate melt and burn

Rising from the flames

 

 

Keuchend riss sie ihre Augen auf, als er seine Eckzähne in ihre Brust rammte und langsam begann daran zu saugen. Sie starrte schmervoll stöhnend zu ihm herab und ließ ihren Kopf in den Nacken fallen.

 

"Oh Gott." presste sie keuchend hervor und krallte ihre Finger tief in die harte Matte. Ein kleines Grinsen erschien auf seinem verzerrten Gesicht und er leckte sich langsam über die blutroten Lippen, als er von ihr abließ.

"Gefällt dir das Jägerin?" höhnte er bei ihren glasigen Augen, die Antwort genug waren.

Sie seufzte, schloss ihre Augen. Sie meinte ihr Kopf würde hin und her wackeln, doch sie merkte es kaum. Als er sich erneut mit ganzem Gewicht auf sie drückte starrte sie ihm schwer atmend in die gelben Augen und zog zitternd die frische Nachtluft durch ihre Lunge.

 

"Hmhm." lachte er leise und ließ seine Hüfte langsam auf ihrer kreisen. Er beugte seinen Kopf knurrend zu ihrer Halsbeuge hinab und hauchte einen kaum spürbaren Kuss auf die zarte Haut.

"Willst du, dass ich dich ficke, Jägerin?" flüsterte er. Buffy entwich ein leises Stöhnen und sie blickte ihn wütend an. Er hatte in diesem Moment eine Macht über sie, die sie ihm niemals hätte geben dürfen. Sie hasste ihn und sich selbst dafür dass er so mit ihr umgehen konnte. Doch nun war es zu spät, sie konnte nicht mehr umkehren.

 

Sie wollte es auch nicht.

 

Sie stöhnte und versuchte ihn wieder zu küssen, doch er wich zurück. Seine Lippen legten sich um ihre Halsschlagader und er saugte stark daran. Knurrend ballte er seine Fäuste und versenkte seine Zähne schließlich wenige Zentimeter daneben in ihrem Fleisch und schluckte einmal bevor er sich wieder zurückzog und die Wunde mit seiner Zunge schloss.

 

"Du verdammter Mistkerl." schnaubte sie abgehakt und presste ihre Lippen auf seine bevor er reagieren konnte. Er lachte leise und versenkte seine Zunge tief in ihrem warmen Mund, während er sich die Hose schnell von seinen Beinen schob. Er drückte seine Ausbuchtung an ihren nackten Oberschenkel und ließ schließlich ihre Hände los, als er sich ihrem Slip widmete und ihn letztendlich an den dünnen Seiten einfach auseinander riss.

 

Er studierte jeden Millimeter ihres Gesichts als er den Kuss plötzlich unterbrach und schnaubte lachend als er den Zorn in ihren Augen sehen konnte.

"Beantworte meine Frage." sagte er ruhig und drückte sie etwas zurück, so dass sie ihn ansehen musste. Buffy starrte ihn wütend an und ihr Kinn begann zu zittern, als sie widerwillig nickte.

 

"Sag es." befahl er ihr bestimmend und sie spürte wie er seine Mitte fest gegen sie drückte.

 

"Ich will dass du mich fickst." flüsterte sie angewidert und bäumte sich keuchend auf als er sich noch im selben Moment mit einer Bewegung komplett in ihr versenkte. Gleichzeitig tauchte er seine Eckzähne wieder in in die Wunde an ihrem Hals und saugte langsam daran. Ihre Augen waren schockgeweitet in den dunklen Himmel gerichtet und ihr kam es wie eine kleine Ewigkeit vor, als er begann sich schnell in ihr zu bewegen.

 

Ihre Fingernägel krallten sich tief in seinen Rücken und sie presste sich an ihn. Ihre Hände glitten mit festem Druck über seinen Rücken und stoppten schließlich auf seinem Gesäß. Sie passte sich seinem schnellen Rhythmus an und schlang ihre Beine keuchend um seine Hüfte. Die Erregung ließ sie erschaudern. Sie bäumte sich auf und stöhnte überwältigt.

 

Sein Tempo wurde schneller. Die Augen vor Erregung geschlossen. Sein Kopf fiel auf die weiche, gebräunte Haut ihrer Schulter. Keuchend leckte er über die kreisförmigen Wunden an ihrem Hals. Sie würden nie wieder verschwinden. Ein Mal für die Ewigkeit.

 

Er stöhnte ihren Namen, wie ein Fluch und Gebet zu gleich. Seine Stöße wurden härter und sie keuchte in sein Ohr. Sie nahm die Umgebung nur noch verschwommen war und alles um sie herum schien sich aufzulösen. Sie hielt sich an ihm fest und als sie glaubte es nicht mehr aushalten zu können, stieß er ein letztes Mal tief in sie. Ihr Kopf fiel in den Nacken und sie schrie seinen Namen. Er biss sich auf die Lippen und hielt unweigerlich die Luft an als sie sich um ihn verkrampfte und ihm schließlich alles nahm was er ihr zu geben hatte.

 

 

 

 

 

Teil 8 - Spielregeln

 

Seichte Tränen liefen ihre Wange hinab, als er sich schwer atmend auf ihr herab sinken ließ und seinen Kopf in ihrer feuchten Halsbeuge vergrub. Ein letztes Mal leckte er mit seiner Zunge über die zwei kleinen Wunden an ihrem Hals. Kleine Schauer durchfuhren ihren Körper, wie elektrische Impulse, bei seiner Berührung und sie begann zu zittern.

 

Er blickte sie verwundert an und starrte auf eine Träne, die sich ihren Weg zum Boden bahnte.

Verunsichert blickte er in ihre Augen, die ihn panisch ansahen.

 

„Wieso tust du das mit mir?“ bebte sie und versuchte angestrengt sich zu beruhigen. Spike atmete lautstark aus und schüttelte verwirrt den Kopf. „Das ist purer Wahnsinn.“ wisperte sie mit abgebrochener Stimme und starrte ihm zornig in die Augen.

 

"Jägerin." er stockte und wandte seinen Blick von der Frau unter sich ab. „Zur Hölle, ich kann das nicht.“ schüttelte er den Kopf und sein Gesicht wurde wieder glatt, die Augen blau.

Er drückte sie grob von sich und entfernte sich aus ihr. Zitternd zog sie ihre Knie an ihren Körper und beobachtete fassungslos, wie er seine Kleider zusammensuchte.

 

"Was ist das hier?" schrie sie ihn an und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.

 

"Verdammt noch mal, Summers. Das war nur ein guter Fick." er schluckte hart und machte den Reißverschluss seiner Hose zu. "Das hat gar nichts geändert." Wütend nahm er seinen schwarzen Ledermantel und zog ihn über seinen nackten Oberkörper.

 

"Geh zurück nach Sunnydale und verschwinde von hier." raunte er wütend und ging mit schnellen Schritten auf sie zu, blieb jedoch resignierend stehen.

Mit glasigen Augen starrte sie ihn zornig an und atmete die angehaltene Luft kopfschüttelnd aus "Ich kann nicht zurück!" schrie sie laut zurück und zog sich ihr Shirt schnell über den Kopf. "Glaubst du wirklich ich kann dort leben?"

 

Spike schüttelte schnaubend den Kopf und machte eine gleichgültige Handbewegung, als er sich umdrehte. "Das geht mich nichts an." sagte er schroff und ging mit schnellen Schritten auf die Eisentür zu.

 

 

"Töte mich doch!" schrie sie ihm mit dürrer Stimme panisch hinterher und breitete ihre Arme weit aus.

 

"Was?" schluckte er überrascht und drehte sich langsam zu ihr um.

 

"Deswegen bist du doch her gekommen!" antwortete sie zitternd und starrte ihn entschlossen an "Deswegen das alles." Ihre rechte Hand ballte sich und sie drückte ihre Fingernägel in die Haut während sie einige Schritte auf ihn zu lief.

Spike grinste kalt und schüttelte schwer atmend den Kopf "Du spinnst doch." raunte er mit zusammengekniffenen Augenbrauen.

 

Lächelnd nahm sie ihre Arme wieder herunter und trat noch einige Schritte auf den Vampir zu "Das wolltest du schon vor einem Monat tun." Sie beugte sich langsam zu dem langen Schwert, das vor ihren Füßen lag, und warf es vor ihn. Sie sah ihn starr an und ihre Gesichtszüge schienen wie versteinert als sie seinem Blick begegnete.

 

 

"Du musst es tun, nicht?“ sie stockte und wischte sich kurz über die Augen "Und was hat sich schon verändert?" fragte sie ihn und stoppte schließlich zwei Meter vor ihm. Erwartungsvoll sah sie ihn an.

Spike blickte sie verständnislos an und schnaubte tief "Du legst es wirklich darauf an, oder?" Sein Blick durchbohrte sie doch sie konnte nicht durch ihn hindurch sehen.

Langsam hob er das große Schwert auf und beobachtete gebannt die Klinge, in der sich das dumpfe Licht des Mondes brach.

 

„Wieso kannst du es nicht?“ fragte sie und blickte ihn unverwandt an.

 

Der Vampir lauschte den leisen Schritten und sah, beinahe in Zeitlupe zu ihr auf. Sie blickte ihn nicht im Geringsten ängstlich an. Sie starrte ihn emotionslos an.

Er wusste nicht was er tun sollte, die Gedanken rasten durch seinen Kopf, er blickte von dem Schwert zu ihr dann ganz wo anders hin. Ein resignierendes Seufzen durchschnitt die Stille. Dann schmiss er das Schwert in das nasse Grün.

 

Ihre Finger legten sich auf seine kalte Wange und er lehnte sich mit festem Blick in die Berührung. „Bloody hell…“ presste er hervor und linste zu ihr. Sie lächelte zaghaft und ließ ihre Hand wieder sinken. Und so standen sich einfach gegenüber. Sahen sich an und wussten nicht was sie sagen sollten. Schließlich ließ er sich an der nahen Hauswand herunter sinken und streckte seine Beine von sich.

 

"Was machen wir jetzt?" flüsterte sie nach einer kleinen Ewigkeit der einvernehmlichen Stille. Er öffnete seine Augen und blickte sie ruhig an. Sie hatte sich neben ihn gesetzt, die Beine überkreuzt, die Arme vor der Brust verschränkt.

 

"Vielleicht sollten wir abhauen." antwortete er schließlich und zuckte kurz unterstreichend mit den Schultern. Schnaubend schüttelte er den Kopf und dachte leise lachend an einen Dämon, der ihn wohl in Kürze zu zum Staatsfeind Nummer eins erklären würde. Weil er es nicht schaffte sie zu töten. Weil er es nicht mehr wollte. „Ich glaube ich mache mir mit dir hier keine Freunde.“ grinste er und fingerte in seiner Manteltasche nach seiner Zigarettenpackung.

 

"Ja, vielleicht." nickte sie leicht und berührte ihn zaghaft an der Schulter. Er blickte sie verwundert an und lächelte kurz, als er nach seinem Feuer kramte und den Tabak entflammte. Er beobachtete wie der Rauch sich in der Nachtluft verlor und warf erneut einen Blick zur Seite. Dann umgriff seine linke Hand ihren Nacken und er zog sie zu sich. Seine Finger wanderten durch ihre Haare, als er sie schließlich wieder auf den Mund küsste. Weniger schmerzhaft diesmal und er verharrte kurz so bevor er sich wieder zurückzog. Ihr Kopf viel müde auf seine Schulter. Nachdenklich tastete sie nach seiner Hand und war erstaunt, dass er sich nicht wehrte, als sie ihre Finger mit seinen verhakte.

 

 

 

 

 

Teil 9 - Kontrolle

 

"Spike ist böse." hoppelte sie auf dem grauen Sofa und fuhr mit ihren langen Fingernägeln grinsend über ihren Oberkörper.

"Das hoffe ich doch schwer." stöhnte Driana gelangweilt und legte ihren Kopf auf ihre Arme. Die Frau die ihr gegenübersaß stand auf und streckte ihre Arme freudig in die Luft, während sie sich im Kreis drehte.

 

"Uhhh... so ein ungezogener Junge." lachte sie und fuhr sich mit ihren Händen keuchend über das schwarzsamtene Kleid. Driana und Shakaris tauschten nachdenkliche Blicke und sahen verwirrt zu dem Vampir.

"Was siehst du?" fragte die Dämonin und stand langsam auf. Die schwarzhaarige Frau blieb abrupt stehen und stellte sich mit ernster Miene vor Driana. "Die Jägerin vergiftet ihn. Ich kann sie spüren." stellte sie sachlich fest und brach anschließend in verrücktes Gelächter aus. Shakaris verdrehte die Augen und legte seine Arme um Drianas Hüfte, nachdem sich selbige auf seinen Schoß gesetzt hatte.

 

"Bei allem Verständnis. Hätte Angelus sie damals nicht einfach sauber umbringen können? Nein. Er musste natürlich zuerst so ein Trara mit ihrer Familie veranstalten." stöhnte sie genervt und deutete mit ihrem Daumen auf den Vampir, der wieder begonnen hatte sich im Kreis zu drehen.

 

-

 

Die Sonne schien grell in ihr Gesicht und Buffy schlug schnell die schneeweiße Decke über ihren Kopf. Langsam öffnete ihr rechtes Augen und lugte in ihr Schlafzimmer. "Spike?" krächzte sie und starrte auf das leere Bett. Verwirrt schlug sie die Decke zurück und sah sich in dem hellen Zimmer um. Ihre Hand umgriff zufällig den kleinen Zettel, der auf dem zweiten Kopfkissen lag. Sie zog ihre Augenbrauen zusammen und faltete das weiße Stück Papier auseinander. Langsam begann sie zu lächeln und lehnte sich nachdem sie zu Ende gelesen hatte, gegen die hellbraune Kopflehne. Beinahe wie in Trance stand sie auf und zog sich den seidenen Morgenmantel an, der über dem weißen Sessel hing. Sie wankte in das gegenüberliegende Badezimmer und stellte sich gähnend vor den großen Spiegel, der über dem breiten Waschbecken hing.

 

Nachdenklich betrachtete sie die zwei kreisförmigen Wunden an ihrem Hals und berührte sie vorsichtig mit ihrem Zeigefinger. Ihr Körper schauderte und sie zuckte kurz zusammen bei den Erinnerungen an die letzte Nacht. Sie drehte den Wasserhahn auf und hielt ihre Hände solange unter das Wasser, bis es sich schließlich in ihnen staute und sie es auf ihrem Gesicht verteilte.

 

Als sie später auf die Uhr schaute, war es bereits kurz vor acht und Buffy stand leicht ratlos vor dem großen Kleiderschrank. Einige Kleider lagen auf dem Parkettboden verstreut. Buffy griff nach einem schwarzen, kurzen Kleid mit einem weiten Ausschnitt und hielt es vor ihren Körper, während sie in den Spiegel blickte.

Sie legte ihren Kopf schief, zog es aber schließlich an und stieg danach in zwei schwarze Schuhe mit hohen Absätzen. Schnell hippelte sie wieder in das weiße Badezimmer und steckte sich zwei diamantene Ohrringe an.

Mit einer einzigen Bewegung steckte sie ihre Haare mit einer schwarzen, sehr langen Spange nach oben und zwirbelte eine breite, gelockte Strähne heraus, die ihr locker ins Gesicht fiel. Sie rannte beinahe die braunen Stufen herab und packte eine kleine, schwarze Handtasche, die sie sich locker um die Schulter hängte. Ein letzter Blick in die abgedunkelte Wohnung und sie schloss die schwere Türe hinter sich.

 

-

 

Er blickte lächelnd zum Eingang, als sie unsicher den Vorhang auseinander zog und in die Bar trat. Er zog seine Augenbraue nach oben als er das verboten knappe Kleid sah, das sie trug und stand grinsend auf. Nach einigen Minuten erblickte sie ihn ebenfalls und ging schließlich langsam auf die Tanzfläche. Die Beiden trafen sich in der Mitte und standen sich einige Augenblicke schweigend gegenüber. Starr blickten sie sich in die Augen, als sich ihre Lippen ohne jegliches Wort trafen und ihre Zungen sich verlangend aneinander rieben. Sie ließen erst viele Minuten später schwer atmend voneinander ab und grinsten sich verschmitzt an. "Hey." lächelte Buffy und strich ihm kurz über die bleiche Wange.

 

"Éres guapa." grinste er und fuhr mit seiner rechten Hand unbekümmert unter ihr schwarzes Kleid. Buffy sah ihn fragend an, vergaß aber schließlich zu fragen, was er gesagt hatte und keuchte überrascht unter seiner Berührung. "Was..... was tust du?" japste sie nach Luft und hielt sich an ihm fest.

 

"Ich kann meine Finger nicht von dir lassen." grinste er böse und zog sie fest zu sich. Ein leiser Schrei entwich ihrer Kehle und ihre Finger verkrampften sich hart in seinem Mantel...... er konnte doch nicht..... Ihre Augen weiteten sich. Er konnte. "Oh Gott." sie starrte ihn fassungslos an und lehnte sich gegen seine Brust, da ihre Beine wohl gerade Ausnahmezustand verkündet hatten. Spike lachte leise und zog sie mit seinem linken Arm bestimmend zu sich, während sie sich langsam zu der lauten Musik bewegten.

 

-

 

Eine Tür im hinteren Bereich des Hauptraumes öffnete sich und eine schwarz gekleidete Person trat mit ernstem Blick aus dem Raum. Ihr folgten zwei weitere Personen, die ihr dicht durch die angestaute Menge folgten. Sie setzte sich mit dem Rücken zu der beleuchteten Bar auf den lederbezogenen Hocker und starrte regungslos in die tanzende Menge.

 

Der Barkeeper stellte ihr ohne zu fragen ein Glas mit dunkelrotem Inhalt auf die Theke und wandte sich wieder den anderen Gästen zu. Ihre dünnen, blassen Finger umgriffen das Glas locker und führten es zu ihrem dunkelroten Mund. Sie leckte kurz über den kühlen Rand des Glases und nippte kurz daran. Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen und sie glitt langsam von dem Hocker.

 

"Ich möchte tanzen." teilte sie den zwei Personen neben sich in einem wirren Sing-Sang mit und ging in Richtung Tanzfläche. Sie ging mit schnellen, fast unirdischen Schritten an den Menschen vorbei und stellte sich zwischen die tanzenden Paare. Sie streckte ihre rechte Hand in die Luft und begann sich schlangenartig zu bewegen. Ein freudiger Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht, als sie den platinblonden Mann sah, der gerade seiner Tanzpartnerin die Zunge in den Mund schob. „Mein Spike.“ kicherte sie.

 

 

I hear you breathe so far from here
I feel your touch so close and real

 

Spike öffnete seine Augen und spähte durch den Raum. Doch der dichte Dunst der sich zwischen den tanzenden Menschen ausbreitete schränkte seine Sicht weitestgehend ein. Doch er spürte sie. Eigentlich konnte er sich nicht an einen Tag, eine Stunde, oder eine verfluchte Sekunde seiner Existenz erinnern, an der er sie nicht gespürt hatte.

Jede Faser seines Körpers war auf ihre Anwesenheit konzentriert und er vergaß plötzlich, dass die Jägerin ihm gerade einen Kuss auf die Lippen drückte. Er musste ihr Aufmerksamkeit schenken. Sie hatte ihn in diese Welt geholt und es gab Regeln. Wenn sie bei ihm war galt ihr seine Aufmerksamkeit. Ausschließlich.

 

Durch den stickigen Rauch und die laute Menschenmenge sah er seine dunkle Königin schließlich und sie lächelte ihn an. Lächelte ihm aufmunternd zu, als sie langsam ihr vampirisches Ich zum Vorschein brachte. Er tat es ihr gleich und beobachtete wie in Trance wie sie sich einfach einen Mann nahm, ihm stumm das Genick brach und ihre Zähne in seinem Hals versenkte. Sie tat das mit einer Selbstverständlichkeit die ihm sehr vertraut war. Er spürte wie sie ihn mit ihrem goldenen Blick durchbohrte, ihn stumm aufforderte es ihr gleich zu tun. Er starrte auf Buffys Hals und schluckte. Er sah ihn und er wollte sterben.

 

Seine gelben Augen verdrehten sich unkontrolliert und seine Hände zitterten. Er schluckte hart und sah ein letztes Mal verwirrt auf bevor er seine Zähne tonlos in ihren Hals rammte. Buffy riss mit einem dumpfen Schrei ihre Augen auf, als ihr Blut in seinen Mund floss und seine Hände sich grob um ihre Hüfte legten. Sie rang panisch nach Luft und krallte haltsuchend um seinen Hals.

Die Schnelligkeit mit der er Trank ließ sie schwindeln und bevor sie hätte reagieren können wurde ihr Schwarz vor Augen.

 

 

I hear you weep so far from here
I taste your tears like you're next to me

 

Er wusste er war dabei sie umzubringen. Die schmerzgepeinigten Laute die über ihre Lippen kamen taten ihm mehr weh, als er es je für möglich gehalten hatte. Ihm war klar, dass sie ihn beobachtete und erwartete, dass er seine Tat beendete. Wie ein leises Flüstern war sie in seinen Kopf gekrochen und hatte ihn um den letzten Rest Verstand gebracht, den er sich mit den Jahren bewahrt hatte. Er spürte, wie der Druck ihrer Finger um das schwarze Leder stetig nachließ und er sie mit jedem Schluck ein wenig mehr Richtung Himmelspforte schupste. Ihre Augen waren leer und einzelne Tränen rannen vor Schmerz ihre Wange hinab, während ihr Kopf ruhig gegen seinen gelehnt war.

 

Spike hielt inne, starrte Drusilla an und ließ schließlich unter Aufbringung sämtlicher Konzentration von Buffy ab. Er starrte in die gelb funkelnden Augen seiner jahrelangen Geliebten, die ihn voller Verachtung ansahen. Er wusste dass sie ihm das niemals verzeihen würde.

 

Er hielt Buffy in seinen Armen und schulterte sie schließlich. Mit seinem rechten Fuß trat er die dunkle Tür auf und warf dem Türsteher nur einen warnenden Blick zu, als er an ihm vorbeiging. Kopfschüttelnd ging er aus dem Abaco, ignorierte die Blicke von Driana und Shakaris und fand sich schließlich auf der Straße wieder.

 

 

 

Dann rannte er um die Ecke, zog den silbernen Wagenschlüssel aus seiner Hosentasche und öffnete fluchend den schwarzen Modena. Langsam setzte er sie auf den ledernen Beifahrersitz und schlug die Autotür zu. Der Wagen war in nicht mal zehn Sekunden auf Hundert. Seine Finger umgriffen das dunkle Lenkrad hart und er streckte seine Arme. Seinen Kopf drückte er mit angespannter Miene in die Lehne und er stierte auf die leere Straße.

Er blickte einige Male neben sich und musterte ihr blasses Gesicht. Wie hatte er so dumm sein können zu glauben er könnte einfach mit ihr zusammen weiter machen wie bisher. Natürlich konnte er noch ins Abaco gehen… es könnte alles zu seinem Plan gehören.. aber er wusste dass sie mehr als skeptisch waren. Sie dachten ohnehin er würde es nicht übers Herz bringen. Sie hatten Recht.

 

Er war so verflucht unfähig. Unfähig sie zu töten, geschweige denn zu hassen. Aber richtig lieben konnte er sie auch nicht. Er mochte es wie es in den letzten Monaten für ihn gelaufen war. Die Leute respektierten ihn, er war einer der Großen im Geschäft, einer der Erfahrenen. Er müsste das alles für sie aufgeben.

 

 

Er atmete tief und legte den Kopf schief. Ein weiteres Mal blickte er zu ihr herüber und seine Wangenknochen verspannten sich vor Zorn. Er konnte das alles unmöglich aufgeben.

 

Seine rechte Hand ballte sich und er knurrte unbewusst. Wie hatte sie in so kurzer Zeit so viel Chaos in sein Leben bringen können. Wie hatte sie es geschafft solche Gefühle in ihm zu wecken. Vor nicht einmal zwei Jahren hatte er ihre ganze Familie ausgelöscht ohne einen Funken von Reue. Ihre Familie. Er könnte ohnehin nie mit ihr zusammen sein.

 

Mit dunklen Augen stierte er durch die abgedunkelte Scheibe und merkte wie eine tiefe Wut besitz von ihm nahm. Wie dumm war er gewesen. Mit eisernem Griff umfasste er das Lenkrad und verstärkte den Druck auf das Gaspedal. Das tiefschwarze Auto raste über die leergefegte Bahn und der Wind strich sanft über den glatten Lack. Seine Augen waren schwarz und ein verzerrtes Lächeln umspielte seine immer noch blutroten Mundwinkel, als er die Zweihunderter Grenze überschritt.

 

Buffy linste nach einigen Sekunden benommen auf die dumpf beleuchtete Straße und griff zitternd nach der Halterung am Beifahrersitz.

"Schon wach." stelle Spike trocken fest, während sein Blick starr auf die lange Straße gerichtet war.

 

"Was hast du getan." presste sie mit schmerzverzerrtem Gesicht leise hervor und atmete zitternd die kalte Nachtluft ein. Sie lugte zu ihm herüber und erschauderte beim Anblick seines Gesichtsausdrucks.

 

"Ich hab’ mir was vorgemacht." stellte er fest, während er eine Hand vom Lenkrad nahm und mit quietschenden Reifen um die Kurve fuhr.

"Das läuft so nicht. Sie wissen, dass ich es nicht tun werde. Sie werden dich verfolgen." Er blickte sie für einen Sekundebruchteil an und nahm schließlich auch die zweite Hand von dem kühlen Rad.

 

"Spike, bitte." flüsterte Buffy und streckte ihre Hand nach seiner Wange aus, doch er wich zur Seite und funkelte sie wütend an. Seine Hand umschloss ihren Hals und zog sie zu sich.

"Verstehst du das wirklich nicht? Ich müsste der richtige für den Job sein, jemand anderes werden sie nicht fragen." knurrte er und rieb seine Wange an ihrer, während er mit seinen Lippen sanft über ihr Ohr strich. "Und weißt du warum?" Seine Stimme begann merklich zu zittern und er schüttelte den Kopf.

 

Buffy atmete schwerfällig und ihre Augen waren vor Müdigkeit zugefallen. "Spike, bitte nicht." flehte sie tonlos, während ihr Kopf unkontrolliert in den Nacken viel und sie ihre Augen endgültig schloss. Die eiserne Starre verließ sein Gesicht und er blickte emotionslos zu ihrem reglosen Gesicht herab "Weil… weil ich es war." Er schluckte hart und atmete die kalte Luft zitternd ein, bevor er wieder mit einer Hand das Lenkrad packte und die bewusstlose Jägerin vorsichtig gegen seine Schulter lehnte.

 

 

Langsam blickte er wieder auf die ruhige Straße und seine Augen weiteten sich, als er mit dem Fuß vom Gas ging und stattdessen mit einem dumpfen Geräusch auf die Bremse trat. Das Auto drehte sich einmal um seine eigene Achse und schlidderte schließlich mit dem Kofferraum zuerst in die Backsteinmauer, die den nahe gelegenen Park umschloss.

 

Sein Kopf flog ruckartig nach vorne und er spürte etwas Hartes gegen seine Stirn prallen. Ein gequältes Stöhnen durchschnitt die Stille und er tastete an seinem Kopf entlang. Er lag mit seiner linken Wange auf dem Lenkrad und eine dünne Blutspur lief unbekümmert über seine Stirn, als plötzlich der Airbag aufsprang und ihn unsanft nach hinten drückte. Er lachte kurz bitter und presste sich genervt gegen die Sitzlehne "Klasse." brüllte er wütend und schlug mit beiden Fäusten auf das Luftkissen ein. "Verdammte Scheiße!" Seine Miene verfinsterte sich und schließlich platzte es mit einem letzten, gezielten Schlag und er war frei.

Nun lugte er zu der Jägerin herüber und zog sie bestimmend an sich.

 

Er verzog seine Mundwinkel nachdenklich, während er ihren Körper begutachtete, der bis auf einige Schrammen anscheinend nichts weiter abbekommen hatte. Schnell zog er sie auf seinen Schoß und strich ihr die langen, blonden Haare aus dem Gesicht. Mit sanftem Druck hauchte er ihr einen langen Kuss auf die warme Stirn und bettete ihren Kopf schließlich vorsichtig auf seiner kühlen Brust.

"Es tut mir leid." flüsterte er tonlos, während er mit seinem Daumen sanft über ihre Wange strich. Und es war nicht nur das hier, nicht der Unfall und nicht ihre misslige Lage. Es war das was er ihr angetan hatte, das was er nicht bereut hatte. Es war das, was er ihr niemals sagen können würde, und das Einzige, das ihm in seinem Leben je wirklich leid getan hatte.

 

 

 

 

 

Teil 10 - Erwachen

 

Sie rannte nach Atem ringend den weichen Strand entlang, der nur ganz sanft vom Mond beleuchtet wurde. Ihre Lunge brannte und sie sah panisch hinter sich. Doch dort war niemand. Der Wind umspielte den weißen Sand und unheimliche Stille legte sich wie ein unheilvoller Schleier über das Land.

 

Sie wusste, dass er noch hier war. Irgendwo. Sie griff hart um den langen Holzpfahl in ihrer Hand und richtete ihren Blick wieder gerade aus, wo der Horizont das Ende des Strandes verschlang. Das Wasser umspielte ihre nackten Füße und spritzte bei ihren schnellen Schritten zur Seite. Ihr schwarzes, langes Kleid wurde von dem Wind um ihre Beine geweht, während die lange seidene Schleppe träge auf dem Boden schliff.

 

Plötzlich umschlossen kühle Finger ihr Handgelenk und rissen sie auf den sandigen Boden. Sie drehte sich sofort auf den Rücken und starrte ihn mit Tränen in den Augen verachtend an "Wieso?" schrie sie wütend und rammte ihm ihre Faust in den Magen.

Er fiel ebenfalls in den Sand zurück und starrte sie verzweifelt an. Sie setzte sich auf ihn und schlug wie wild in sein Gesicht. "Wieso?" raunte sie mit tränenerstickter Stimme und schlug ihn solange zu Boden, bis sie von den Tränen übermannt wurde und zitternd auf ihm zusammenbrach.

 

"Es tut mir leid." flüsterte er abgehakt zurück und umfasste panisch ihren langen Ärmel.

 

"Wag es nicht!" schrie sie und setzte sich auf seinen Schoß. Den Pflock positionierte sie genau über seinem Herz und schaute ihn mit komplett leeren Augen an. Er erwiderte ihren Blick resignierend und strich ihr mit seiner rechten Hand ein letztes Mal über die warme Wange. Das Holz des Pflocks durchbohrte das Herz der Kreatur und für einen Augenblick blieb die Zeit stehen. In diesem Moment stahl sich ein Lächeln auf das Gesicht des Vampirs. Seine eisblauen Augen füllten sich mit Tränen und er formte lautlos die Worte „Ich liebe dich.“

 

Als eine leichte Brise die Blätter der nahe gelegenen Bäume wispern ließ, stand sie zitternd auf und blickte in den sternenübersäten Himmel. Der Wind frischte auf und eine graue Wolke schien sich für einige Sekunden über den Mond zu legen. "Ich liebe dich." Die Worte wären im Rauschen des Windes beinahe untergegangen.

 

 

Sie riss ihre Augen auf und setzte sich verwirrt in dem riesigen Bett auf. Ihre Pupillen schnellten unkontrolliert hin und her und versuchten etwas in der erdrückenden Dunkelheit zu erkennen. Ihre Hände tasteten aus Gewohnheit die Umgebung nach einer Waffe ab, doch das einzige was sie spürte war die glatte Oberfläche der hauchdünnen Bettdecke. Die schwarze Seide und eine Hand auf ihrer Hüfte.

Nach und nach erwachten ihre Sinne und sie nahm kalten Atem in ihrem Nacken wahr. Sie roch anders, ein fremder Geruch lag auf ihrer Haut. Und ihr war so furchtbar kalt. Vorsichtig befreite sie sich aus der Umarmung, aus den zerknitterten Bettlaken und stand auf.

Ohne nachzudenken lief sie auf das, von dicken Vorhängen verhüllte Fenster zu und schloss es. Sie konnte ihn im Halbschlaf etwas Unverständliches murmeln hören. Weit, weit weg. Sanft ließ sie ihre Fingerspitzen an dem dicken Stoff des Vorhangs entlang wandern und zog ihn einen unbedeutenden Spalt auf. Mit dumpfem Blick sah sie raus auf die Straßen, die vom Regen mit einem glänzenden Schwarz überzogen waren. Laternen warfen ihre verschwommenen Lichtpunkte in den anbrechenden Morgen. Ihr Spiegelbild im Glas zog den Vorhang wieder zu, das Licht verschwand.

 

 

Dann erinnerte sie sich langsam an die andere Person im Bett und drehte sich geistig völlig abwesend herum. Sie musterte ihn aufmerksam und lief einige kleine Schritte auf das riesige Bett zu. Doch dann blieb sie stehen und ihr Blick fiel auf die verstreuten Kleider in dem Zimmer. Sie sah ihr Kleid und seine Hose. Mit kaltem Blick sah sie an sich herunter und schluckte hart, als sie erkannte, dass sie nichts anhatte und das bisher noch nicht einmal gemerkt hatte.

Ohnehin schien es, als hätte jemand die letzte Nacht einfach so aus ihrem Gedächtnis gestrichen.

 

Eine riesige Welle der Hilflosigkeit schien über sie hereinzubrechen und sie kniete sich fast panisch zu dem Haufen hingeworfener Kleidung herab. Mit weit geöffneten Augen versuchte sie ihre Unterwäsche zu orten und tastete sich langsam am Boden entlang.

 

"Was suchst du?" er sprach ruhig, direkt hinter ihr.

"Meine Kleider." murmelte sie, ohne sich umzudrehen. Sie konnte hören wie er aufstand, oder drehte er sich einfach im Bett herum? Nein, die Schritte seiner nackten Füße auf dem Parkett verrieten ihn.

"Ich denke, die hast du gestern irgendwo auf dem Flur gelassen." mit einem Grinsen in seiner Stimme kam er näher. Gleich würde er sie umarmen, seine Arme von hinten um sie legen. Müde schloss sie ihre Augen, spürte seine Berührung am Ellenbogen und drehte sich ruckartig um.

 

"Lass." erwiderte sie hastig. „Ich find’ sie schon." stotterte sie und schob seine Arme dabei energisch weg, als er sie festhalten wollte. "Flur ist gut möglich." rang sie sich ein Lächeln ab und versuchte die fehlende Erinnerung an letzte Nacht so gut wie möglich zu vertuschen.

 

Der Gedanke schien sie zu verfolgen, als sie den Türknauf endlich gefunden hatte und ihn herumdrehte. Er nickte und gähnte nur gleichzeitig. Im Augenwinkel konnte sie sehen, wie er sich durch die blonden Haare fuhr. Seine Locken, die sie so gerne um ihren Zeigefinger drehte, bis heute jedenfalls. Hier in der Dunkelheit sahen sie nicht mehr so schimmernd aus, wie am gestrigen Abend.

 

Im Flur lag ihr Slip, aber nicht der BH. Schulterzuckend zog sie ihn an und warf sich hastig das Kleid über. Immerhin ein Anfang. Kaffee, war ihr nächster Gedanke und sie sah sich kurz orientierungslos um.
Ihr Blick blieb auf der Wand haften. Was im fahlen Schein des Kronleuchters geblieben war, waren die Erinnerungen an seine Hand auf ihrem Rücken. Ihre Schultern, die sich berührten. Seine Lippen auf ihrer Haut. Schummrige Filmrisse, die sich scheinbar nicht mehr zusammensetzen ließen. Doch der Morgen war ernüchternd und brachte ihr den nötigen Abstand um ihre derzeitige Situation zu analysieren.

Sie wusste noch, dass er sie gestern in dem Lokal gebissen hatte. Nicht wie sonst, nicht zärtlich, nicht leidenschaftlich. Er hatte gebissen um zu töten. Sie war die Jägerin, sie kannte den unterschied. Dann diese Fahrt, seine Worte.. dann verblassten die Bilder.

 

 

Langsam ging sie eine der zwei großen Treppen herunter und konnte die Küche am Ende des Flurs erkennen. Suchend blickte sie sich nach etwas ähnlichem wie einer Kaffeemaschine um und fand zu ihrer Verwunderung schließlich auch eine, in einem der weißen Schränke. Es war der einzige Raum, der keine dichten Vorhänge hatte. Einige, dünne Sonnenstrahlen fielen in das helle Zimmer.

 

Gähnend fasste sie sich an die Schultern und strich sich selbst über die warme Haut. Dann fassten ihre Fingerspitzen auf etwas Hartes. Drei, nein vier kleine Krusten waren an ihrem Hals. Zwei davon direkt an ihrer Halsschlagader. Buffy schluckte benommen.

Sie wusste wie gefährlich das alles war. Er sollte dafür sorgen, dass sie verschwand und sie warf sich ihm an den Hals. Wenn er sie nicht tötete würde es jemand anderes machen. Wenn sie verschwand wäre er schuld daran und würde dafür bezahlen müssen.

 

Die Kaffeedose fiel scheppernd zu Boden, der Geruch von gemahlenem Kaffee breitete sich in der Küche aus.


"Mist." fluchend schüttete sie den Kaffee von ihren Füßen. Sekunden später stand er im Türrahmen, amüsiert grinsend, die Hände vor dem nackten Oberkörper verschränkt. Die Kratzspuren auf seinem Bauch hatte sie vorhin schon bemerkt, aber eigentlich wollte sie ihn nicht fragen. Stattdessen klopfte sie verärgert auf ihrem Kleid herum. "Hast du irgendwo ein Kehrblech?"

 

"Wenn ich mich recht erinnere unter der Spüle." antwortete er wie selbstverständlich und neigte den Kopf etwas, als sie sich bückte. "Lass einfach. Ich hab noch eine Packung im Vorratsraum."

 

Vorratsraum? Nicht weiter drüber nachdenken, kopfschüttelnd öffnete sie eine der beiden Türen unter der Spüle und begann den verschütteten Kaffee zusammen zu fegen. Vorratsraum. Daher kam gestern Abend auch die Flasche Rotwein. Rotwein, richtig... Sie hatten Rotwein getrunken.

Im nächsten Moment ertappte sie sich dabei, wie sie die Kaffeekrümel schwungvoll in den Mülleimer schüttete und legte das Kehrblech zurück unter die Spüle. Spike hantierte mit der Kaffeemaschine, die fauchend ihren morgendlichen Dienst begann.

 

Nach einigen Minuten drückte er ihr eine Tasse in die Hand und beobachtete stumm, wie sie sich auf einen der beigen Stühle setzte. Aufmerksam blickte er sie an, drehte seine Tasse in den Händen immer wieder herum und erkannte in ihrem Blick den Wunsch danach, sie mochten heute und hier andere Menschen sein. Überhaupt Menschen. So sein, wie die Vorstellungen, die sie schon immer von Beziehungen gehabt hatte. Je länger er in ihre Augen sah, desto mehr wünschte er sich zurück in die Tage, in denen er noch eine Idee von sich und seiner Welt gehabt hatte. In denen er klare Prinzipien gehabt hatte. In denen er Drusilla gehabt hatte, und sie einfach nur diejenige war, die er töten wollte.

 

Schweigsam beobachtete er, wie sie ihren Blick verlegen abwendete und in ihre Tasse starrte, während er sie mit Kaffe füllte. Er wünschte er hätte ihren Blick nicht gesehen. Doch im nächsten Moment fasste sie nach seiner Hand und lächelte ihn zaghaft an.

"Holst du mich heute Abend ab?" fragte sie und er nickte beinahe automatisch. In ihrem Blick lag etwas.. doch zum ersten Mal wusste er damit nichts anzufangen. Sie nahm noch einige Schlücke von der heißen Flüssigkeit, bis sie aufstand und in die Halle lief. Seine Augen folgten zwar jeder einzelnen Bewegung von ihr, doch er selbst blieb sitzen bis er das Knacken der Tür hörte.

 

 

 

 

 

Teil 11 – Kälte

 

Er ließ sich von ihrem Blick einfangen und folgte ihr auf die Tanzfläche. Ohne ein Wort zu wechseln, schauten sie sich tief in die Augen und begannen sich gemeinsam zum langsamen Rhythmus der Band zu bewegen.

Ihre Körper gerieten aneinander und gingen wieder auseinander.


Er bewegte sich hinter ihr und ließ seine Hüfte mit ihrer verschmelzen. Seine linke Hand hielt sie leicht und doch sicher am Bauch. Ihren rechten Arm hatte sie in die Höhe gestreckt und seine rechte Hand ließ es sich nicht nehmen an ihrem Arm zu ihrer Hüfte herunterzufahren. "Sie schauen uns an", flüsterte sie ihm zu. "Was macht das schon", antwortete er.

 

Er drehte sie so, dass er ihr Gesicht bewundern konnte. Ihre Bewegungen wurden noch enger und sinnlicher. Buffys Händeflächen glitten über seine gut gebauten Schulterblätter. Seine Hände hingegen waren bereits an ihrem Po angelangt und konnten so jede Bewegung lenken.



Sie ging leicht in die Knie und richtete sich wieder auf. Nie hätte sie gedacht, dass ausgerechnet Spike so tanzen konnte. Natürlich wusste sie, dass sein junges Gesicht alle Lügen strafte und der Spike, den sie in Sunnydale gekannt hatte, scheinbar nur eine von tausend Facetten war.

Ihre Körper waren miteinander verschmolzen und sie genoss jede Bewegung dieses Tanzes.


Ihre Körper gingen abermals auseinander, um sich zwei Sekunden später wieder zu treffen. Dabei streiften ihre leicht aufgerichteten Brustwarzen an seinem Körper entlang. Sie schloss dabei ihre Augen und genoss diese Berührung.

Sie beugte sich in seinen Armen ein wenig nach hinten, richtete sich wieder auf und legte ihren Nacken ein wenig frei, indem sie ihren Kopf leicht nach links wegdrehte.

Er küsste sie dort nur leicht und ließ seinen Atem auf ihrer Haut wandern. Nachdem die Band aufgehört hatte zu spielen, verließen sie gemeinsam die Tanzfläche und begaben sich in Richtung Bar. Sie setzten sich nebeneinander auf die Barhocker und er bestellte Rum für sie und ihn.


Buffy schaute Spike ruhig an. Das Licht an diesem Abend ließ ihn viel älter wirken. Besorgter. Sie fixierte ihren Blick auf ihn und lächelte etwas, als er ihm begegnete. Mit einem kleinen Lächeln tauchte er seinen linken Zeigefinger in das Rumglas ein, zog ihn wieder heraus und umspielte ihre Lippen damit. Sie zog bereitwillig ihren Kopf leicht nach hinten, öffnete ihre Lippen, sog seinen Finger in ihren Mund und umspielte diesen mit ihrer Zunge.

 

Im gleichen Moment, tauchte sie zwei Finger in den Rum und strich langsam über Spikes Nacken. Sofort machte sich ihr Mund auf den Weg die bestrichenen Stellen von seiner Haut zu säubern. Sie öffnete leicht ihre Beine, so dass Spike seine Knie dazwischen schieben konnte. Unbewusst rutschte sie ihm noch etwas entgegen und schloss dabei ihre Augen.

Während sich ihre Lippen trafen und in einem langen innigen Kuss verschmolzen, streichelten seine kalten Hände ihre äußeren Schenkel. Dabei presste er diese leicht gegen sein rechtes Bein und übte gleichzeitig einen leichten Druck auf ihre Mitte aus. Diese Bewegung blieb von ihr nicht unbemerkt und sie stöhnte leise, als die nasse Stelle an ihrem Hals von seinem Atem überflogen wurde.

 

Für einen Moment stoppte sie, um etwas zu sagen, doch in diesem Augenblick packte er sie an der Hüfte und zog ihr Becken an das seine. Sie war zu überrascht um Gegenwehr zu leisten und eigentlich wollte sie es auch gar nicht. Das war genau das, was sie sich erhofft hatte... zumindest jetzt und hier. Der Alkohol schien bereits seine Wirkung zu entfalten.

Er drückte seinen Schritt gegen ihren Bauch und zog sich wieder zurück. Buffy ergriff das Gefühl, dass alle sie anstarrten, doch als sie sich umsah war das Gegenteil der Fall.

 

Als sie ihn wieder ansah, haftete sein Blick nicht mehr an ihr, sondern auf einer der Türen im Hintergrund, die noch leicht hin und her schwang. "Hör zu." begann er und winkte gleichzeitig den Barkeeper herbei.  „Ich muss eben für zwanzig, dreißig Minuten weg, in Ordnung?" fragte er sie, doch die Frage war mehr eine Feststellung die keiner Erlaubnis bedarf.

„Trink doch noch was." schlug er vor und ein kleines Lächeln flog für Sekundenbruchteile über seine bleichen Lippen.

 

In ihrem Kopf drehte es sich. Ein Cocktail nach dem anderen. Jedes Glas begann sich zu leeren, wie ihr Kopf. Das zuverlässige Gerüst aus Erfahrungen und Schranken war gefallen, ihre Sinnlichkeit befreit. Nur die Erinnerung an sich hielt sie vom Äußersten, von vielen Lächerlichkeiten zurück, die ihr später unangenehm wären.


Ihr Blick war verträumt, vielleicht auch müde. Sie richtete ihn auf Spike und sah ihn bittend an. Wollte ihm sagen er sollte nicht gehen, weil sie sich hier nicht auskannte, aber sie tat es nicht. Stattdessen nickte sie...warum wusste sie selbst nicht.


“Willst du noch einen?" fragte er sie nochmals, eine Antwort erwartend und klopfte mit seinen Fingerspitzen eine stumme Melodie auf die hölzerne Theke. Für einige Sekunden ließ Buffy ihren Blick durch die Disco schweifen. Ein dunkler, gut aussehender Typ saß zu ihrer Linken. Strähnen fielen ihm ins Gesicht. Sein knappes, eng anliegendes Hemd zeugte von Selbstvertrauen.

 

"Willst du mich abfüllen?" fragte sie zurück und stützte ihren Kopf auf den rechten Arm, während sie ihn skeptisch, im Grunde aber gleichgültig anschaute. Es war ihr egal, was er mit ihr vorhatte. Ihre Situation schien bei näherem Hinsehen ohnehin ausweglos. Aber diesen kleinen Widerstand erlaubte sie sich. Sie kannte seine Vorzüge. Und sie kannte seine Schwächen. Zumindest glaubte sie das noch, aber vielleicht war das auch der Rum.


"Hab dich nicht so." lächelte Spike nur zaghaft. Er strich ihr eine große Locke aus dem Gesicht und drückte ihr einen seltsam zärtlichen Kuss auf den Mund. "Sei einfach mal locker. Ich bin gleich wieder da. Ich bezahl ihn auch." - Die falsche Antwort. Offenbar hatte er heute keine Lust auf Spielchen. Also direkter. "Was machen wir dann? Ich kann nicht mehr laufen, glaub ich..."

 

Spike zog seine linke Augenbraue hoch. Jetzt schien er verstanden zu haben. "Ich bring dich schon nach Hause." er grinste. Fast entschuldigend streifte er ihr über die Wange. Ein wenig grob.

 

"Hey..." Sie griff nach seiner Hand, als wollte sie ihn wegstoßen, hielt aber inne und ließ beide auf den Tresen sinken. Und sie blickte ihn flehend an und hoffte er würde verstehen. Etwas in ihr schrie, er müsse bleiben. Sie sollten sich nicht trennen, nicht jetzt. Zu gefährlich, zu viele Menschen hier, die sie vernichten wollten. Aber sie brachte kein Wort heraus.

 

"Wartest du kurz auf mich? Ich bestell dir noch einen." er machte sich los und sprach mit dem Kellner. Sie verstand kein Wort und sah Spike schließlich durch den Hinterausgang verschwinden. Ihr Arm rutschte auf der glatten Holzfläche zur Seite. Bevor ihr Oberkörper langsam der Schwerkraft nachgab, registrierte sie, wie ein hohes Glas mit gelblich-grünem Saft und allerlei Früchten, sowie zwei bunten Strohhalmen vor ihr abgestellt wurde. Eine lachsfarbene Kirsche war von einem Holzspieß durchbohrt...

 

 

 

 

 

Teil 12 – Wahrheit


Ein widerliches Gefühl stieg in ihr auf. Es war unmöglich weiter zu trinken. Trotzdem würde sie auf ihn warten. Als sie suchend ihren Kopf hob, heftete sich ihr Blick auf einen Mann, der an die nahe Wand gelehnt war und sie permanent anstarrte. Seine etwas fettigen langen Haare, sein unrasiertes Gesicht und sein glasiger Blick hätten jedes eingehende Interesse an seiner Person verhindern müssen, dennoch war es gerade diese Einzigartigkeit unter der aufgeputzten Gemeinde, die ihren Blick auf ihm haften ließ. Sein markantes Gesicht sah gut aus. Er stand inmitten von drei Frauen, die wohl alle mehr als einen Drink gehabt hatten.

 

Sie beobachtete ihn. Er sagte kaum ein Wort, entgegnete nur hin und wieder eine kurze, vielleicht zurecht gelegte Wendung. Er machte nicht den Eindruck, sich für diese Frauen zu interessieren, stattdessen sah er immer wieder zu ihr.

Noch länger ruhte ihr Blick auf ihm. Sie genoss die Ruhe, die von ihm ausging und doch machte er sie mit seinem durchdringenden Blick zunehmend nervöser.


"Hey Jägerin, langweilst du dich?" hörte sie ihn nächsten Moment neben sich. War denn schon so viel Zeit vergangen? Unwillig verlagerte sie ihr Gewicht auf die rechte Seite und sah ihn ernst an. Ein wenig war sie erleichtert, aber das wollte sie ihm jetzt nicht zeigen.

"Nenn mich nicht so." flüsterte sie und stützte ihren Kopf auf ihrer Handfläche auf.

"Was ist los?" fragte er grinsend und biss sich dabei leicht auf die Unterlippe. Seine Augen folgten jeder ihrer Bewegungen.

 

"Ach nichts...." antwortete sie schnippisch und starrte vor sich hin. Das musste er als Einlenken deuten. Er tat es. Und so war es gedacht. So kantig und bleich er war, so kantig und weiß schienen auch seine starke Brust, seine Oberarme zu sein... Sie konnte sich nicht vorstellen, diese Nacht ohne ihn zu sein. Nicht mehr. Zuviel würde über sie herein brechen. Allein mit ihren Gedanken. Also lieber eine Nacht ohne nachzudenken. Noch eine Nacht ohne nachdenken zu müssen... so würde es weitergehen... es war berauschend endlich nicht mehr diese Bilder vor sich zu sehen. Nicht diese toten Augen. Sie würde sich ihm so lange hingeben, bis... Bis?

 

Sie stütze sich mit dem Ellenbogen auf der Bar ab und griff nach dem Holzstab in ihrem Cocktail. Es musste aussehen, als wenn sie grübelte. Ihr selbst war nicht klar, worüber. Es war bereits schwer einen Gedanken fassen zu können, wie hätte sie da nachdenken sollen. Langsam streifte sie die Kirsche mit den Lippen ab, zerteilte sie von innen heraus mit der Zunge, legte sie sich hinter die vorderen Schneidezähne und schob sie hin und her. Den Stab zerbrach sie. Mehrfach.



Er betrachtete sie mit fragendem Blick. "Was ist mit dir los? Schau mich nicht so an."

 

Was war das? Sollte er sich wirklich dafür interessieren? Sie schaute aus den Augenwinkeln in seine Richtung. Nein. Diese Redensart war typisch für ihn und eigentlich ein Vorwurf. Er trommelte mit seinen Fingern im Takt der viel zu lauten Musik und seine silbernen Ringe spiegelten das Licht der Discokugel in ihr Gesicht. Eine Art Flackern um ihre Augen. Ein angenehmer Rhythmus.

 

Dann sah sie es.

 

Entrückt blickte sie auf seine Hand, auf diesen breiten Ring mit den schwarzen Zeichen darauf. Es war Giles Ring. Er sagte kein Wort mehr. Wahrscheinlich hatte er es nicht einmal bemerkt.

 

Ihr Mund fühlte sich taub an, sie wusste nicht was sie sagen sollte, ihre Gedanken überschlugen sich. Ihr Blick viel immer wieder zurück auf seine Hand und ebenso schnell wieder davon weg. Ein Schauer ging durch ihren Körper und sie spürte wie ihre Augen feucht wurden.

 

 

 

Das konnte nicht sein. Durfte nicht. Er konnte es nicht getan haben. Es musste es getan haben.

 

Minuten vergingen, ohne dass sie aufblickte und sie versank langsam in einer Mischung aus Betäubung und Gedankenlosigkeit. Das Letzte, an das sie sich zu erinnern glaubte, waren ihre eigenen Worte.

 

„Du hast sie getötet. Ich hasse dich. Du widerst mich an.“


-

 

Worüber redeten diese Leute? Es hatte keinen Zweck, dem Gespräch zu verfolgen. Sie fand weder einen Einstieg, noch irgendeinen Sinn für die Beteiligung daran. Das Vorhandensein, das reine, körperliche Vorhandensein in dieser Runde genügte ihr. Wenigstens jetzt. Ihr schien, als der Mann zu ihrer linken sie zum vierten Mal anstupste, dass er vielleicht eine Antwort erwartete. Doch sie schaute zur Seite, ignorierte die berauschten Stimmen und das Gelächter.

 

Dieser Mann stand immer noch dort. Ihre Augen trafen seine. Unvorbereitet. Sie erschrak leicht und hielt ihm nicht lange stand. Hatte sie ihn aus Neugier beobachtet? Aus Bestätigungssucht? Zur Versicherung der eigenen Vollkommenheit? Gar aus Mitleid? Ihr war klar, dass sie keinen guten Eindruck machte. So kaputt, wie sie hier auf diesem Barhocker saß.

 

"Hallo." Die Stimme klang sehr nah. Beinahe in Zeitlupe öffnete sie ihre Augen und sah hinter dem vollen Glas einen Mann sitzen. Erschrocken richtete sie ihren Oberkörper auf und starrte ihn an.

"Müde?" fragte er mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und strich sich selbst kurz durch die schwarzen Haare.

"Nein." entgegnete sie schnell. Es war der Mann, den sie beobachtet hatte. Sie wollte ihm keinen Anlass für Überlegenheit geben, da sie ohnehin befürchtete, ihm nicht gewachsen zu sein.

 

"Ich habe wohl nur zu viel getrunken." sie lächelte. Mehr aus Verzweiflung als aus Nettigkeit und sah weg, als sie seine Blick spürte. Er musterte sie eindringlich. Dann senkte er den Kopf und schwieg. Etwas unbeholfen strich sie sich mit den Fingern die Haare aus ihrem Gesicht. Als sie die Hand senkte, bemerkte sie, dass sich zwei Knöpfe ihrer Bluse geöffnet hatten. Verlegen zog sie die Enden zusammen, ohne sie zu schließen. Er blickte wieder zu ihr.

 

"Woher kommst du? Du bist nicht aus Venezuela, richtig?" fragte er nach einigen Minuten und spähte für wenige Sekunden zu ihr.

"Oh, nein. Ich bin nicht von hier. Mein... Ein Freund hat mich hergebracht. Dann ist er gegangen." antwortete sie wahrheitsgemäß und blinzelte verzweifelt, um die Tränen zu halten.

"Und wie kommst du nach Hause?" fragte er seltsam ruhig und stierte auf die Bierflasche in seiner linken Hand.

 

"Ich... Ich warte hier auf ihn." Eine dumme Antwort. Aber hätte sie sagen sollen, dass sie ihn fort gejagt hatte? Hätte sie ihm sagen sollen, dass er ihr Leben ruiniert hatte? Dass sie ihm gedroht hatte ihm einen Pflock ins Herz zu jagen wenn er nicht gehen würde. Ob er dann wohl noch mit ihr gesprochen hätte?

 

"Vielleicht fahre ich auch mit dem Taxi nach Hause." schob sie endlich nach, um ihre Situation nicht ganz so mitleid erregend wirken zu lassen.

"Mit dem Taxi?" Er steckte seine Hand in die Tasche, als wenn er etwas suchte. „Hier ich kann dich mitnehmen.“ Er ließ den silbernen Autoschlüssel zwischen seinen Fingern hin und hergleiten.

 

Sie nippte an ihrem Glas und sah ihn an.

 

 

 

 

 

Teil 13 - Melodie

 

Leise prasselte der Regen an die Fensterscheibe, wie ein Trauerlied klangen seine Tropfen. Die Melodie des Wassers, wie es ans Glas klopfte und langsam gleitend, an ihm herunterfiel. Im Zimmer selbst war es warm, die Heizung stand wohl auf der höchsten Stufe. Es war ein kleines Zimmer, schmal und nicht sehr lang, aber dennoch sah es groß aus. Das Bett, mitten im Raum stehend, sonst nichts. Mehr brauchte es scheinbar auch nicht.

 

Ansonsten war der Raum mit den Wänden, die aussahen, als habe jemand Blütenstaub über sie geblasen, vollkommen leer. Keine Bilder, die den Eindruck der Weite stören würden, keine Schränke oder Spiegel. Nur das Bett, das da stand.

 

Die Decke war sorgfältig über dem Bett ausgebreitet gewesen. Straff gespanntes Weiß, so genau, dass sie Angst gehabt hatte, die kleinste Berührung würde es zerknittern, seine Unversehrtheit zerstören. Lächerlich, im Nachhinein. Auch im Kissen waren keine Falten gewesen. Makellos hatte das Bett im Zimmer gestanden, umgeben von den Blütenstaubwänden, als erwartete es jemand. Einen Gast. Sie.

 

Draußen stimmte eine Windböe pfeifend in das Wasserlied mit ein. Sang mit dem Regen ein Duett von dieser Nacht, die alles verändert hatte. Sie sangen von seiner rechten Hand, die sich gewaltsam auf ihre trockenen Lippen drückte, damit sie nicht schreien konnte. Das Lied berichtete über den Mann, der den letzten Funken Stolz in ihr gebrochen hatte, als er das erste Mal gewaltsam in sie eingedrungen war. Die Melodie erzählte von ihren Augen, die starr das Zimmer musterten und krampfhaft einen Gegenstand suchten, an dem sie haften konnten... doch da war nichts. Sie war so dumm gewesen mit ihm mit zu gehen – Und zu willenlos um sich zu wehren, als sie erkannte hatte was er vor hatte. Dort wo er sie hingebracht hatte gab es keine Clematisblüten. Nur den Tod.

 

Seine Lippen streiften über ihre Brüste. Seine Zunge tastete zärtlich alle Erhebungen ihrer Warzen ab. Ihr gesamter Körper war steif und sah wie tot aus im Mondlicht. Als er seine Hände grob zwischen ihre Schenkel führte, manifestierten sich hinter ihnen zwei Personen.

 

Er fühlte die Falten zwischen seinen Fingern. Jede dieser Falten, die ihn so warm umschlossen hatten. Sie wurden kalt. "Armes Mädchen." flüsterte er andächtig, fast wie im Traum, beinahe als Gebet. Dann richtete er sich auf und betrachtete lange ihr Gesicht, bevor er ihre Hand auf seiner Schulter fühlte.

 

"Das hast du gut gemacht, Shakaris. Ein Genickbruch hätte es allerdings auch getan." flüsterte sie und eine winzige Spur Mitleid war in ihrer Stimme zu erkennen. Doch als er schweigend zu ihr blickte, war dieser Ausdruck in ihrem Gesicht längst verschwunden und sie lächelte dunkel. "Und jetzt verwandle dich bitte zurück, ich kann dich so nicht küssen." befahl sie mit ernster Mimik.

Er tat was sie wollte und im nächsten Augenblick stand wieder der Dämon vor ihr, der er war.

 

Ihre Lippen berührten sich schwach und Driana zog mit zwei Fingern eine leicht rötliche Spur über sein Gesicht. "William wird dich dafür jagen." schnaubte sie und drückte sich gegen seine Seite, als sie auf die regungslose Frau sah.

Driana löste sich von ihm und beugte sich sehr langsam zu dem Körper auf dem Bett nieder. Sie strich ihr die goldenen Locken aus dem Gesicht und drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Stirn. Ein roter Fleck blieb auf der weißen Haut.

 

"Es tut mir leid, Kleines. Aber was du gesucht hast, habe ich nun gefunden. So viel mehr, als ich wollte. In dieser Welt gibt es nicht viel Platz für Frauen wie uns und dein Leben war ohnehin vorbei. Er hat es damals zerstört und das hätte er nicht mehr wiedergutmachen können."

 

-

 

Am Himmel kreisten aufgeregte Krähen, die sich laut krächzend über die Ruhestörung beschwerten. Seine dicken Sohlen erzeugten laute Geräusche auf dem trockenen Asphalt als er über den menschenleeren Gehsteig rannte. Mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen musterte er die Rose, die in seiner rechten Hand lag. Der Stiel war lang und hatte nur wenige Dornen. Sie war beinahe vollkommen.

 

Er hatte nicht gedacht, dass sie ihn noch einmal sehen wollte. Er hatte schon gepackt, wollte gehen. Dann hatte er ihre Nachricht vor seinem Haus gefunden.

 

Ein Regentropfen zerplatzte im nächsten Augenblick vor seinen Füßen auf dem Boden, während sich die ersten Orangetöne durch die graue Wolkendecke kämpften. Ein kräftiger Windstoß wehte unzählige Blätter aus den grünen Baumkronen, während er auf die Promenade einbog.


-

 

Schließlich erreichte er endlich das Haus. Die Hausbeleuchtung war nur eine matte Reminiszenz an eine strahlende Vergangenheit. Es wirkte matt und trüb, so wie die restliche Gegend. Die Glühbirne surrte verzweifelt. Seine Hände zitterten, als er die Klingel betätigte. Er wartete eine Ewigkeit und kaum war sie vergangen kroch die nächste schon heran. Das Summen der Lampe verschwand und er drückte die Türe hastig auf. Er lugte auf den Zettel in seiner Hand. Fünfter Stock.

 

Selbst wenn seine Gedanken nur eine schwache Ahnung waren, warum sie nicht mehr in dem Lokal gewesen war, fühlte er sich nicht wohl auf dem Weg nach oben. Im zweiten Stock kam ihm eine Frau entgegen. Sie konnte nicht viel älter sein, als er es zu seinen Lebzeiten gewesen war, noch keine dreißig. Verhärmtes Gesicht. Falten wie Fahrrinnen des Kummers, vom Salz der Tränen in die Haut gefressen. Sie sah ihn erschrocken an.

 

Was starrst du? Ist es die schwarze Kleidung? Oder ist es die Rose? Fühlst du dich plötzlich ungeliebt?

 

Er schob sich an ihr vorbei. Sie trat sofort zur Seite, bis an die Wand. Sie war blass, fast weiß, aber er dachte nicht lange darüber nach.

 

Hast du etwa Angst? Warum? Was hast du denn noch zu verlieren? Du bist längst tot.

 

Nach einigen Sekunden stand er schließlich vor der Türe mit der Zahl 35. Laut hämmernd schlug seine linke Faust auf das feste, dunkelbraune Holz der Türe ein. Und sein Gesicht verfinsterte sich, als plötzlich geöffnet wurde und sich Driana mit einem zuckersüßen Lächeln an ihm vorbeischlängelte. Ihre dürren Finger legten sich auf seine Schultern. Jetzt verstand er. Er verstand und er wollte sterben.

 

"William." hauchte sie an sein Ohr und leckte sich mit ihrer Zunge einmal über die Oberlippe, die ungewöhnlich rot war. Sie roch nach Blut. "Versprich mir, dass du nicht weinen wirst." grinste sie zunehmend gehässiger und ließ ihre Fingerspitzen dabei flüchtig durch seine blonden Haare fahren. Dann ging sie weiter und Spike starrte nur in Shakaris Augen, als er ihr folgte.

 

"Tut mir leid mein Freund. Aber das war einfach zu gefährlich für uns." nickte er und klopfte ihm im Laufen auf die Schulter. Es vergingen noch einige, kurze Augenblicke, in denen er die Geräusche ihrer hohen Absätze auf dem Parkett hörte, bevor sie verschwunden waren.

 

-

 

Er sah verzweifelt in ihre glanzlosen Augen und konnte die Leere darin sehen. Und er spürte, wie eine eisige Träne auf ihre noch kältere Wange fiel, als er sein Handgelenk ein weiteres Mal grob auf ihre geschlossenen Lippen drückte. Das Blut tropfte auf die dünne Haut ihres Mundes, doch konnte nicht hindurchsickern. Spike schluckte hart und starrte verwirrt auf diesen leblosen Körper nieder. Grüne Augen starrten zurück. Er sah sie an... und konnte sie nicht mehr finden.

"Nicht." bat er ohne zu sprechen, doch die Bewegung seiner Lippen verriet, was er sagen wollte. Ein mattes Lächeln stahl sich auf Buffys Lippen und für den Bruchteil einer Sekunde unterbrach sie den Augenkontakt zu ihm, als sie schwerfällig ihre Hand hob. Zärtlich fuhr sie mit ihren Fingerspitzen über die tiefen Furchen auf seinem Gesicht und letztendlich zu seinem Mund, der ihren Daumen kaum spürbar küsste.

 

Und sie konnte die Schwere fühlen, die auf ihre Lider drückte und wusste, dass der Zwang sie zu schließen nicht nachlassen würde, bis sie nachgegeben hatte. Doch noch war sie nicht bereit zu gehen. Sie wusste nicht, ob sie jemals wieder ohne den Anblick der Liebe in seinen blauen Augen leben konnte. Es war das erste Mal, dass er sie ihr zeigte. Die Hingebung und Verbundenheit, die er zu ihr fühlte und niemals zeigen durfte.

 

"Bitte..." konnte sie sein Flehen hören und spürte abermals den Druck seiner Hand, die er fest auf ihren Mund drückte. Doch sie öffnete ihre Lippen nicht, obgleich sie wusste diese Flüssigkeit würde ihr die Chance geben weiter zu existieren. Mit ihm. Aber ohne ihre Seele. Dieser Preis war zu hoch.

 

Ein kurzes Kopfschütteln, das ihm hoffentlich das sagte, was ihr Körper ihr nicht mehr gestattete laut auszusprechen. Ein letztes Mal, bevor der Schleier um sie herum dichter wurde und ihr die Sicht nahm, blickte sie ihn an. Und sie war dankbar, dass das tiefe Blau seiner Augen sie bis in die Ewigkeit begleiten würde.

 

Dieser Ausdruck, der so viel mehr war, als nur ein Satz. Es war mehr als drei Worte. Es war mehr als ein "ich liebe dich" und mehr, als er ihr jemals hätte sagen können.

 

 

Und als sie die erhoffte Leichtigkeit umfing, konnte sie einen markerschütterten Schrei hören. Und auch sie sehnte sich nach ihm. Selbst jetzt noch. Aber das war nur ein Wunsch, heimlich und unausgesprochen... die Bitte, ihn wieder sehen zu dürfen an einem besseren Ort. Das Flehen, das immer unerfüllt bleiben würde. Denn das Tor zu dem Ort, zu dem sie nun gehen musste war für ihn verschlossen... und würde es immer bleiben.

 

 

 

Ende