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Title: Die richtige Chemie Author: Anna, annawoerner[at]gmx[dot]net Part(s): 1 Completed: Yes Words: 545 |
Sie lachte
leise, wie sie es in den letzten
Stunden beinahe regelmäßig getan hatte, seit sie
beieinander waren. Allein
die körperliche Nähe hatte provokativen Charakter. Diese Blicke. Lauernd. Misstrauisch. Und obwohl sie seit
geraumer Zeit nackt waren, benahm
er sich so beherrscht wie deutsche Eiche und insgesamt gesehen genau so, wie sie es
in dieser Nacht nicht gewollt hatte
– auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick
waren diese Gedanken völlig gleichgültig und sie wollte wirklich einfach nur mit
ihm schlafen. Besonders dann wenn er ohne
jede Vorwarnung und meist mitten in einem Satz irgendeinen unanständigen Kommentar über die kommenden Tage losließ, ohne
sich in Grammatik oder Sprachfluss zu verwirren.
Sie hatte
wirklich angenommen eine etwas größere
Belohnung für das längst fällige Geständnis zu bekommen. Doch
er dachte scheinbar gar nicht daran sich an
ihr zu vergehen,
sagte ihr stattdessen nur immer und immer wieder wie sehr
er sie liebte.
Und sie antwortete
ihm immer wieder mit denselben
Worten und musste sofort Lächeln, wenn er sie
mit diesem verträumten Blick ansah. Sie war sich ziemlich
sicher, dass sie ihn noch
niemals so glücklich gesehen hatte, so ausgeglichen. Er sah aus wie
ein vierjähriger Junge, dessen Mutter ihm gerade seinen
Lieblingskuchen gebacken hatte.
„Ich liebe es
wie du mich ansiehst.“ seufzte
er leise und rollte sich ein
wenig zur Seite, um näher bei ihr zu
liegen. In seiner Stimme schwang der stabile Unterton eines ausgewachsenen Selbstbewusstseins.
Und sie stand ihm in nichts nach. Vielleicht war es
diese eigentlich unmögliche Ähnlichkeit zwischen ihnen. Zumindest in ihren Grundstrukturen. Sie war sonst ebenfalls beherrscht. Nicht wie deutsche Eiche,
eher wie Meg Ryan. Aber beherrscht.
Und nachts... nachts war sie die teuerste Hure der Welt gewesen. Sie sich leisten
zu wollen hatte für ihn
bedeutet, mindestens ein Stück des eigenen
Selbst bei ihr zurück zu
lassen und gleichzeitig alle Liebe zu
geben, die er hatte. Es hatte nicht wehgetan in diesen Momenten. Sie war mit der Zeit geübt
darin geworden, sacht, ja
beinahe zärtlich einen kleinen aber
maßgeblichen Teil aus ihm heraus
zu lösen. Es hatte ihn
auch nicht gestört, wenn er
die Aussicht auf eine kleine Gegenleistung hatte – selbst wenn diese nur
aus ihrer reinen, körperlichen Anwesenheit bestand. Er hatte erst
gespürt, dass etwas fehlte, als er weit
fort von ihr gewesen war.
„Sollen wir Kerzen anmachen? Es
wird schon dunkel.“ holte
sie ihn aus
diesen dunklen Gedanken und ein breites Schmunzeln erschien auf ihrem Gesicht. Er stimmte
augenblicklich in dieses Minenspiel
ein. Mit pedantischer Genauigkeit
musterte er ihren Ausdruck und verfing sich schließlich
in dem Grün ihrer Augen.
Er hatte
schon immer gewusst, dass sie
beide von der gleichen Art waren. So konnte
man es ausdrücken. Normalerweise waren sie dazu
geschaffen, rastlos umher zu wandern.
Die Welt zu erobern. Doch wenn sie einmal
liebten, liebten sie.
Doch das alles
rechtfertigte ihre Beziehung in keinster Weise. Dass
sie und er sich begegneten und drohten, aneinander hängen zu bleiben,
war sicherlich nicht geplant. Das stand einfach nicht im Drehbuch.
Und in gewisser Weise wusste er, dass
sie sich beide darüber durchaus
bewusst waren. Man richtete nicht zwei Waffen aufeinander,
insofern man niemanden verletzen wollte. Das war unlogisch und nicht effektiv. Aber vielleicht mussten sie sich auch
überhaupt nicht rechtfertigen: Liebe war nicht planbar.
Ende