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Titel: Crossroads Autor: Anna, annawoerner[at]gmx[dot]net Genre: Drama, Romantik Zeit: Ein
Jahr ist vergangen, seit Tara erschossen wurde. Charaktere: Buffy, Spike, Scoobies Inhalt:
Willow und der Rest der Scoobies haben sich
allmählich wieder in ihr normales Leben eingefunden, da taucht Spike
plötzlich wieder in Sunnydale auf – ohne Chip und ohne Seele. Während Buffy
versucht ihre Gefühle für den Vampir zu begreifen, wird der Rat der Wächter
in Rom angegriffen. Teil(e): 14 Abgeschlossen: Ja Wörter: 60973 Warnung: Keine |

Sie
rannte. Immer weiter. Wollte nicht, dass er sah wie sehr er sie verletzen
konnte. Wie sehr sie leiden musste seit er weg war und wie sehr sie ihn
vermisste. Ihr schien, sie rannte ewig, ohne genaues Ziel. Sie wollte nur weg,
weit weg von diesem Ort. Obwohl ihre Beine höllisch schmerzten und sie glaubte
ihre Lunge würde jeden Moment explodieren lief sie weiter in die Dunkelheit.
Plötzlich
stand er vor ihr, mit seinem typischen Lächeln. Arrogant. Selbstgefällig. Wie
gewohnt senkte sie ihren Blick. “Du läufst ja immer noch weg, Liebes. Denkst
du ich würde dich so nicht finden?“
„Du
fehlst mir, Spike.“ krächzte sie und sah ihn durch ihre langen Wimpern traurig
an.
Er
lachte leise, legte den Kopf schief und streckte eine weiße Hand nach ihr aus.
„Warum sagst du das?“ wollte er wissen und strich sanft über die warme Haut
ihres Gesichts. „Weil du weißt, dass das nur ein Traum ist?“
Sie
schüttelte energisch den Kopf und lehnte sich gegen ihn, doch er wich zurück.
Seine Hand schnellte von ihrem Gesicht weg, als hätte er sich verbrannt.
„Lass
mich nicht allein.“ wimmerte sie und ging ihm hinterher.
„Du
wolltest es so.“ hörte sie seine Stimme um sich herum hallen, doch er war weg.
Mit einem gequältem Seufzen auf den Lippen setzte sie sich langsam auf und
griff beinahe automatisch nach dem Glas Wasser zu ihrer linken um das trockene
Gefühl in ihrem Mund zu lindern. Dann fiel ihr Blick auf den Wecker und ein
ungläubiges ‚Erst zehn Uhr’ verklang ungehört zwischen ihren Wänden. Die Sonne
war gerade erst untergegangen und überließ es dem Mond, die Welt in sein fahles
Licht zu tauchen. Die Fingerspitzen ihrer rechten Hand tasteten unkoordiniert
auf ihrer graublauen Bettdecke herum und fanden schließlich wenige Zentimeter
neben sich das Objekt der Begierde: Mr. Gordo.
Lächelnd drückte sie das
Plüschschwein an ihre Brust und drehte sich zur Seite. Ihr Blick verfing sich
in dem strahlenden Weiß ihrer Vorhänge und sie konnte kaum glauben, wie diese
kleine Träne es geschafft hatte die aufgestellte Blockade zu durchbrechen und
den Stoff ihres Kissens zu durchweichen. Und letztendlich fiel sie wieder in
den unruhigen Schlaf, der sie nun schon seit Monaten begleitete. Genauer gesagt
war es morgen bereits ein Jahr.
-
„Buffy?“ klopfte Dawn drei
Mal schnell an die helle Holztüre und lauschte bedächtig in die Stille des
Raumes. Als auch das nichts half ging sie in Buffys Zimmer und wollte
eigentlich schon losbrüllen, aber sie hatte ihre große Schwester schon lange
nicht mehr so friedlich schlafen sehen. Deshalb blieb sie noch einige Minuten
im Türrahmen stehen und setzte sich dann letztendlich vorsichtig auf die
Bettkante, um Buffy zaghaft zu rütteln.
Wider erwarten riss selbige
auch sofort ihre Augen auf und sah Dawn besorgt an.
“Wir müssen los Buffy, du willst doch nicht schon wieder zu spät kommen.“
Ein kurzer Blick auf den Radiowecker verriet Buffy, dass es bereits schon kurz
vor acht Uhr war und sie sich wirklich beeilen musste. Doch sie brauchte kaum
länger als zehn Minuten, um schließlich sogar noch vor Dawn an der Haustüre zu
stehen.
„Komm schon Dawn, wir kommen
sowieso schon zu spät.“ entnervt verdrehte sie die Augen, als Dawn sie etwas
zur Seite drückte um durch die Türe zu kommen.
-
Eilig rasten sie zur
Sunnydale High und es schien schon fast alltäglich zu sein, dass Buffy mit
etwas unsanft quietschenden Reifen vor dem Backsteingebäude hielt. „Ich hole
dich dann nach der Schule wieder ab.“
„Klar, bis später.“, sagte
Dawn während sie ihrer Schwester einen Kuss auf die Wange drückte und öffnete
hastig die Autotüre. Mit schnellen Schritten rannte sie zum Haupteingang -
immer Richtung Mrs. Boaca, die der Begriff
‚Laufmasche’ wohl ebenso wenig ein Begriff war, wie ‚autodidaktisch’.
Buffy sah noch eine ganze
Weile auf die leicht hin und her schwingende Türe des Haupteingangs, bevor sie
den Schlüssel im Zündschloss fest umdrehte und ihren Fuß auf das Pedal presste.
Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen bei dem Gedanken, dass sie sich
inzwischen fast sogar auf die Uni freute. Ihr Leben war auf diese ‚normale’ Art
und Weise gar nicht so furchtbar, wie sie es immer gedacht hatte. Es war
friedlich. Natürlich waren ihre Ansprüche bezüglich Frieden seit dem vorletzten
Jahr sehr gering geworden - Und doch, man konnte fast sagen, dass ihr Leben
samt Studium, Familie, Freunde… schrecklich normal geworden war.
Aber da war immer noch Spike,
der ihr nach wie vor keine ruhige Minute ließ. Inzwischen war es weder für sie
noch für ihre Freunde ein Geheimnis, dass damals mehr zwischen ihnen gewesen
war als Sex. Sie wusste nicht was es gewesen war, aber es reichte aus um sie
nun wahnsinnig zu machen wenn sie an ihn dachte. Womöglich würde er nie wieder
zurückkommen, keinen Fuß mehr in diese Stadt setzen. Der Gedanke fraß sie auf.
Sie erinnerte sich als ob es
gestern gewesen wäre als sie zu seiner Gruft gegangen war, statt ihm aber Clem
getroffen hatte. Als er ihr gesagt hatte dass Spike weg sei, dachte sie nie
dass er so lange fernab von Sunnydale sein würde. Sie hatte fest damit
gerechnet ihn bald wieder zu sehen. Sie hatte fest damit gerechnet ihm alle
Bosheit und alle Wut entgegen zu bringen, die sie seit dieser Sache im
Badezimmer in sich trug. Doch als ob er das geahnt hätte, hatte er sich
zurückgezogen und war eben nicht wieder gekommen. Und nun war diese Wut nicht
mal mehr ein leises Wimmern und die Enttäuschung wegen dem was er getan hatte
war schon beinahe in etwas Ähnliches wie Verständnis umgesprungen. Berechnender
Mistkerl.
-
Es läutete und Buffy blickte
mit einem Lächeln von ihren Unterlagen auf. Ferien. Seufzend packte Buffy ihre
Bücher in die Tasche und schlenderte langsam in Richtung Auto. Nach einem
kurzen Stopp beim angrenzenden Supermarkt parkte sie schließlich möglichst
leise auf dem Schulparkplatz und beobachtete gedankenverloren die vielen
Jugendlichen, die sich freudestrahlend in alle Himmelsrichtungen verstreuten.
Wenig später kam auch Dawn aus dem großen Gebäude gerannt und schmiss ihre
Tasche grinsend auf die Rückbank.
„Rate wer eine Geschichte mit
einer zwei abgelegt hat!“ quiekte sie vergnügt und hielt ihr Zeugnis hoch.
„Wahnsinn, das ist etwa drei
Noten über dem was ich immer hatte.", antwortete Buffy kichernd und
drückte ihre kleine Schwester fest an sich. „Ich bin wirklich stolz auf dich
kleine Schwester. Das sollten wir im Bronze feiern.“
„Wirklich? Du nimmst mich
mit?“ fragte Dawn und die Ungläubigkeit in ihrer Stimme war dabei deutlich zu
hören.
„Du bist schon sechzehn,
Dawn, da hing ich schließlich auch schon im Bronze rum. Ich geh allerdings
vorher noch mal kurz auf Patrouille, aber um neun Uhr können wir los.“ nickte sie
zuversichtlich setzte sich etwas im Sitz auf um die vielen Autos im Blick zu
halten.
„Meinst du Willow kommt mit?“
murmelte Dawn gedankenverloren vor sich hin, während sie den Anschnallgurt lang
zog und ihn schließlich um sich legte.
„Ich weiß nicht ob ihr
wirklich zum feiern zumute ist, Dawn.“ Buffy schwieg einen Moment und fügte
dann noch etwas leiser hinzu. „Sie wirkt kein bisschen fröhlicher als damals,
als Tara gegangen ist.“ ein bitteres Lächeln stahl sich unbemerkt und mit ihrer
linken Hand schob sie ihre Sonnenbrille herunter auf ihre Nase, um den glasigen
Ausdruck in ihren Augen zu verdecken.
„Vermisst du ihn sehr?“
fragte Dawn vorsichtig.
Ein Seufzen folgte von der
Fahrerseite und Buffy hätte Dawn wirklich erwürgen können dafür, dass sie einfach
immer wusste, was in ihr vorging. „Wen?“ antwortete sie trotzdem unschuldig und
folgte dem Ablauf des Verkehrs extra konzentriert, um auch möglichst
beschäftigt zu wirken.
„Spike.“ seufzte Dawn und
legte ihren Kopf schief während sie Buffy beobachtete.
„Wieso sollte ich, du weißt
was er getan hat.“ gab sie ihrer Schwester schnippisch zur Antwort und blickte
kurz zu ihr herüber. Dawn starrte etwas versunken aus dem Fenster und nach
einiger Zeit des Schweigens sah sie wieder zu Buffy. „Ich weiß ja, aber ich
will nicht glauben, dass er wirklich die Absicht hatte dir weh zu tun.“
„Wahrscheinlich wollte er das
auch nicht, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr.“ entgegnete Buffy etwas
angeschlagen.
„Vielleicht kommt er zurück,
irgendwann. Er liebt dich doch oder?“ fragte Dawn leise und legte ihre Hand auf
die ihrer Schwester, die die Kupplung krampfhaft umschloss.
„Woher willst du das wissen
Dawn. Er ist jetzt ein Jahr weg. Ein ganzes Jahr, auf den Tag genau heute.“
Buffy stockte in ihrem Satz und fasste sich an die Stirn. Sie wollte nicht über
dieses Thema reden. Sie wollte nicht dass Dawn mitbekam wie sehr sie unter
seiner Abwesenheit litt. Herrgott sie zählte die Tage, was würden ihre Freunde
darüber denken. Mit einem tiefen Atemzug lehnte sie sich zurück gegen den Sitz
und schüttelte ihren Kopf kurz.
„Außerdem will ich nicht dass
er zurückkommt.“ fügte sie trocken hinzu und bog langsam auf die Hauptstraße
ab. Auf die Reaktion von Dawn achtete sie nicht mehr. Sie war zu sehr damit
beschäftigt die aufkeimenden Gedanken über ihn niederzukämpfen, was wie fast
immer die Folge hatte, dass die Realität mit Erinnerungen verschwamm. Er hielt
sie fest, wie schon in der letzten Nacht, so liebevoll. Seine Augen
durchbohrten sie und nahmen sie mit zu einer ihrer schönsten gemeinsamen
Nächte.
Sie konnte sich nicht wehren.
Sie wollte es auch nicht.
Die
Schatten der Jalousie, wie Palmenblätter – Sonnenlicht in Streifen. Sie lagen
auf dem Bett, spürten die Hitze des vergangenen Tages noch in jedem Knochen.
Eine dünne Scheibe Glas, aufgeheizt, dahinter der Raum. Haut an Haut, der
Schweiß klebte zwischen ihnen, eine dünne Schicht Salz. Dreiundzwanzig Grad.
Sie drehte sich um, betrachtete ihn, wie er – tief in diesem blöden Buch
versunken, mit den Rücken zu ihr gedreht – auf dem Bettlaken lag, sein Profil
als Schlangenform, Po und Schulter. Sie richtete sich auf, zog ihre Beine aus
seinen Beinen.
„Wir
sind wie Hunde.“ sagte sie nachdenklich und beobachtete wie er langsam das Buch
senkte, das er sich zuvor von ihrem Nachttisch geholt hatte. „Du weißt schon,
wir legen die Schnauzen aufeinander.“
„Hm?“
fragte er und ließ sich auf den Rücken fallen, einen Arm aufgestützt, der
andere ließ das Buch fallen und zog sie an ihn. „Wovon zur Hölle redest du?“
Sie
strich sanft durch seine blonden Haare und beobachtete wie ein kleiner
Lichtstrahl über ihre Hand glitt. „Na, die Menschen teilen sich in Hunde und
Katzen. Hunde folgen dir und Katzen wollen, dass du ihnen folgst.“
Er
lächelte, Feuchtigkeit auf seinen Lippen. „Dann bist du kein Hund, meine
Philosophin.“ gluckste er und biss sich amüsiert auf die Unterlippe.
„Wieso?“
langsam zog sie ihre Finger wieder zurück und strich stattdessen nachdenklich
über seine Brust. Mit der linken Hand zog sie die hauchdünne Decke über ihren
Körper. Sie hasste es, wenn er sie so penibel genau musterte, wie er es jetzt
tat.
„Das
fragst du wirklich, Liebes?“ lachte er leise und zog die Decke wieder von ihr herunter.
„Weil du nicht folgst, wenn ich dich rufe.“ er schloss die Augen, als der Wind
die Jalousie bewegte – ein Glitzern, die Streifen schwankten auf der Tapete. Es
war das erste Mal gewesen, dass sie hier miteinander geschlafen hatten.
„Nein,
das stimmt.“ schmunzelte sie. „Und trotzdem liegen wir hier und die Welt ist
draußen. Ohne uns.“
„Lass
mich das lesen, Jägerin.“ lächelte er und sie nickte nur leise und beobachtete
stumm, wie er wieder zwischen den Buchstaben verschwand.
„Weißt
du...“ flüsterte sie nach einigen Minuten, ihre Brust an seinen Rücken lehnend.
Kalte Haut – feucht, erregend. „Es gibt falsche und echte Bücher. Die echten
dringen tiefer als du willst und die falschen...“
„Die
Falschen lege ich beiseite.“ sagte er und griff an ihre Hüfte. „Außerdem sind
Bücher nicht falsch, sondern meistens nur lahm.“ Grinsend drehte er den Kopf zu
ihr. “Nicht wahr, Kätzchen?“
„Hund.“
flüstere sie, den Mund an seinem Ohr, seinem Hals. Sie küsste seine Lippen
sanft und legte ihr rechtes Bein über sein Becken. „Heute bin ich ein Hund.“
hauchte sie gegen seinen Mund und lächelte ein wenig als er eine Augenbraue
nach oben zog. „Das klären wir noch.“
„Aber
klar.“ lachte er leise. Seine Lippen glitten über ihren Mund und er ließ seine
Zunge gemächlich in ihn gleiten. Das Buch ließ er mit zwei Fingern auf den
Boden fallen und er zog sie mit einem Raunen auf sich. „Fass mich an.“
„Buffy!“ hörte sie ein
Schreien und plötzlich verschwand der kalte Griff um ihre Oberarme. „Oh Gott!
Pass auf die-“ wurde der Schrei schriller und Buffy schüttelte das Bild von
seinem Gesicht mit einem Ruck von sich.
Ihre Augen richteten sich auf
die Straße und ihre Lider zogen sich panisch nach oben, als sie das Auto vor
sich sehen konnte. Was möglicherweise innerhalb von zwei Sekunden geschah kam
ihr wie eine Ewigkeit vor. Doch ihre Bewegungen waren zu langsam, sie drehte
das Lenkrad nach rechts – wusste der Aufprall war unvermeidbar und entschied
sich ihre Seite gegen die Mauer zu lenken statt ihr frontal zu begegnen. Sie
heilte schneller als Dawn. Und als sie quer zu der Gasse standen verschwand das
Bild vor ihren Augen und sie verlor das Bewusstsein.
-
Ein Krankenwagen raste über
die letzte Seitenstraße vor dem Krankenhaus. Die schrillen Sirenen waren inzwischen ausgestellt doch
die Blaulichter drehten noch immer ihre Runden und badeten die Umgebung in das
künstliche Licht. „Was ist passiert?“ nahm einer der Ärzte den
Unfallbericht entgegen. Seine Assistenten schlängelten sich um die Trage und
nahmen sie entgegen
„Autounfall. Sie hat starke
innere Blutungen und einen gebrochenen Arm.“ Informierte der Sanitäter und nahm
den Zettel mit der Unterschrift wieder entgegen. Ein letztes Mal blickte er auf
die blonde Frau, die nun davon geschoben wurde und tätschelte dem braunhaarigen
Mädchen kurz die Schulter.
-
„Wieso dauert das so lange,
verdammt noch mal.“ schnaufte Xander und blieb kurz stehen. Er blickte zu Dawn,
die mit ausdruckslosem Gesicht auf einer der weißen Stühle saß und auf ihre Schuhe
starrte. Ein leises Seufzen kam über seine Lippen und er fuhr fort damit über
den kleinen Gang vorm Operationssaal hin und her zu laufen. „Verfluchter
Vampir.“ schüttelte er den Kopf und strich sich einige Male angestrengt über
die Stirn. Mit einer Hand lehnte er sich gegen die Glastüre und legte den Kopf
in den Nacken. „Selbst wenn er nicht hier ist geht er mir auf die Nerven.“
murmelte er und starrte auf die weiße Schrift ‚Notaufnahme’.
Schließlich ging hinter ihnen
eine Tür auf und ein grauhaariger Mann mit weißem Kittel trat aus dem Raum. Er
griff hinter seinen Kopf und zog sich mit einem tiefen Atemzug den Mundschutz
vom Gesicht, bevor er zu den vier Menschen blickte, die ihn erwartungsvoll
ansahen.
„Wie geht es ihr?“ fand Giles
zuerst die Worte die den anderen im Hals stecken geblieben waren und er ging
mit Dawn zusammen auf den Arzt zu.
„Die Operation ist weitgehend
gut verlaufen. Sie hat ein Schädeltrauma, einige innere Blutungen und ihr Arm
ist angebrochen.“ sagte er mit fester Stimme und nur einem Atemzug und ein
kleines Lächeln trat schließlich auf seine Lippen. „Keine Sorge, sie wird
wieder gesund.“ nickte er und legte seine Hand freundlich auf Dawns Schulter.
„Deine Schwester hatte großes Glück, dass sie in diesem Winkel aufgeprallt ist,
schätze ich.“
„Können wir zu ihr?“ fragte
Giles nach einigen Sekunden nüchtern, zog jedoch noch im selben Atemzug seine
Brille von der Nase und wischte geistesabwesend über die dicken Gläser.
„Für einige Minuten. Sie
braucht vor allem Ruhe.“ antwortete er und sah zu dem Mann vor sich auf. Dieser
blickte jedoch seinerseits zu dem Mädchen an seiner Seite und nickte kurz
nachdem sie ihm einen ernsten Blick zugeworfen hatte. Mit einem kleinen Lächeln
auf den Lippen trat Dawn einen Schritt nach vorne und ging zusammen mit dem
Arzt durch die gläserne Türe.
„Kaffee?“ stieß Willow ihren
angehaltenen Atem erleichtert aus und stand schließlich von ihrem Platz auf der
gegenüberliegenden Seite auf. Xander und Giles nickten beide gleichzeitig und
setzten sich wieder neben die Türe.
„Wir sollten dann nach Hause
fahren.“ seufzte Giles und stützte seine Ellbogen dabei auf seinen
Oberschenkeln ab. „Dawn sollte einige Stunden schlafen und ich denke Buffy wird
noch ein paar Tage hier bleiben, also sollten wir ihr Kleider holen.“ sinnierte
er weiter, richtete sich schließlich auf und streckte seinen Rücken ein wenig
durch.
„Das wird Buffy nicht
gefallen.“ lächelte Xander ein wenig bei dem Gedanken wie sehr Buffy
Krankenhäuser hasste. Er beobachtete kommentarlos wie der Wächter einige
Minuten schweigend hin und her lief. Seine Haltung war gerade und gefasst doch
er konnte am Ausdruck in seinem Gesicht sehen wie sehr er sich sorgte.
„Nun das hätte sie sich
überlegen sollen, bevor sie gegen eine Wand gefahren ist.“ stieß er schließlich
aus und klang dabei ein wenig wütend. Er warf einen kurzen Blick auf Xander,
sah aber schnell wieder weg und ging schnell auf Willow zu, die mit drei
braunen Bechern auf die beiden Männer zugelaufen kam. Er nahm ihr mit einem
schmalen Lächeln einen der heißen Behälter ab und ging wieder einige Schritte
in die entgegengesetzte Richtung.
„Ich denke sie hat das
vergangene Jahr noch nicht verarbeitet.“ murmelte Willow, die den letzten Satz
des Wächters wohl gehört hatte und legte ihren Kopf ein wenig schief. „Und wer
könnte es ihr verdenken.“ redete sie mit trauriger Stimme weiter und warf Giles
einen kurzen Blick zu. „Verrückte blau-beaderte beste
Freundinnen, eine Beinahe-Vergewaltigung und…“ ihre Stimme brach mehrfach bei
den Worten, doch sie schüttelte schließlich geschlagen den Kopf. Sie wusste
nicht wie sie weiter sprechen sollte, sie konnte die Worte über Tara noch immer
nicht in den Mund nehmen. Mit einem dünnen Lächeln sah sie zu dem grauhaarigen
Mann auf, der seine Hand auf ihre Schulter gelegt hatte und nippte wortlos an
dem Kaffeebecher.
„Es ist für niemanden von uns
einfach.“ sagte er mit fester Stimme und tätschelte Willow einige Male bevor er
seinen Kopf in die Richtung der Notaufnahme drehte, aus der Dawn wieder heraus
kam. „Lasst uns gehen.“ nickte er und griff nach seiner Jacke, die über einen
der weißen Stühle an der Seite des Ganges hing.
Er beobachtete wie Dawn etwas
erwidern wollte, doch er hob seine Hand und richtete sich auf. „Buffy wird
Kleidung brauchen und du solltest dringend schlafen.“ hauchte er mit ruhiger
Stimme und zog sich die Jacke langsam an. „Keine Diskussionen bitte, nicht
heute.“ sah er das braunhaarige Mädchen vor sich erschöpft an und lächelte
schließlich, als sie nach einigen Sekunden kaum sehbar nickte.
-
Mit einem lauten Quietschen
rieben sich die Reifen an dem rauen Asphalt und schließlich kam das schwarze
Auto zum stehen. Staubige Springerstiefel pressten sich auf die Kante des
Gehwegs und der Qualm verbrannten Tabaks verteilte sich in der kühlen Nachtluft.
Eine dünne Gestalt stand mit
einem tonlosen Seufzen vom Fahrersitz auf und er lehnte sich für einige
Sekunden gegen die Seite des Wagens. Sein Blick lag auf dem Ortsschild, das
unangetastet einen Meter vor seinem Auto im Boden steckte. Sein Kiefer zog sich
angestrengt zusammen und schnippte den Rest der Zigarette in einen
Abwasserschacht neben seinem Fuß. Er las die Aufschrift einige Male bevor er
mit einem leisen Knurren seinen Kopf in den Nacken warf und in den Himmel
starrte.
„Home.
Bloody fuckin’ sweet home.“ raunte er und schlug
die Autotüre schließlich mit seinem rechten Fuß zu. Er lief einige Schritte
bevor er schließlich wieder stehen blieb. Sein Blick fiel langsam zu seiner
Seite herunter und mit einem tiefen Atemzug holte er aus und trat das Schild
mit einem lauten Scheppern um. Dann nickte er, offensichtlich mit sich selbst
zufrieden und warf dem Ortsschild noch einen drohenden Blick zu.
Mit desinteressiertem Blick
schlenderte er durch die leeren Straßen und erinnerte sich nur zu gut wie er
diesen Weg immer zu Buffys Haus genommen hatte. Ruhig zog er die schmale
Schachtel Marlboro aus der linken Tasche seines Mantels und zündete sich eine
etwas verbogene Zigarette an. Tief zog er den Rauch in seine toten Lungen und
ließ ihn langsam wieder durch seine Nasenlöcher entweichen.
Selbst nach einem Jahr dachte
er pausenlos an sie, an ihren Duft, an ihren Körper. Er hatte wirklich alles
getan um sie aus seinem Kopf zu kriegen. Alles. Er hatte sich geschworen nicht
wieder zurück zu kommen und endlich wieder sein eigenes Leben zu haben. Sein
eigener Herr zu werden. Kein bemitleidenswerter Hund zu sein, der an ihrem
Beinen klebte.
Er war gescheitert. Mit
Pauken und Trompeten gescheitert.
Sie beherrschte ihn, seine
Gedanken, sein Wesen. Er wachte auf und dachte an sie, an ihren Blick, ihren
Duft, ihr Lächeln, den Ausdruck auf ihrem Gesicht wenn sie wütend oder genervt
war. Er ging schlafen und dachte daran was sie wohl gerade tat. Wenn er träumte
dann war dort nur sie. Träume waren die guten Momente des Tages, dort wies sie
ihn nicht zurück, dort liebte sie ihn. Er lächelte ein wenig und zog schweigend
von der brennenden Zigarette. Wenigstens dort hatte sie keine Macht über ihn -
in seinen Träumen tat sie das, was er wollte.
Als er dann schließlich an ihrem
Haus ankam, stellte er sich unter den Baum vor ihr Fenster. Ein kleines Lächeln
huschte über seine Lippen, als er den Filter dort austrat. Dann lugte er
vorsichtig durch das Fenster der Küche und entdeckte sofort Dawn, die eine
große Reisetasche auf den Küchentisch stellte. Willow kam dazu, sie trug einige
Kleidungsstücke in der Hand und legte sie neben die Tasche. Er konnte sehen,
dass sie leise redeten, doch er konnte nur ahnen was sie sagten. Ein mattes
Lächeln stahl sich auf die Lippen der Rothaarigen, als sie Dawn in eine feste
Umarmung zog. Er konnte sehen dass der Krümel weinte und er zog verwundert die
Augenbrauen zusammen.
Die beiden Frauen standen
einige Minuten so da, bis Dawn sich schließlich von ihr löst, sich einige Male
über die Augen strich und entschuldigend lächelte, bevor sie die Kleider
umgriff und in die Reisetasche legte. Während Dawn den Reißverschluss zu zog
beobachtete er wie Willow sich einen Mantel griff und schließlich die Tasche in
die Hand nahm. Als Giles die Szene betrat hielt er den Atem an und blickte den
Mann verwundert an. Er sah in diesem Moment zehn Jahre älter aus. Tiefe
Sorgenfalten lagen auf seiner Stirn und er stellte sich mit ernstem Blick neben
Dawn. Sie wechselten einige Worte und er konnte sehen, wie Dawn energisch den
Kopf schüttelte. Nach einigen Minuten senkten sich die Schultern des Mannes und
er nickte ohne sie anzusehen.
Plötzlich hörte er, wie die
Haustüre knackte und drehte sich schnell um so dass er nun hinter dem Baum
stand.
„Beeilung Xander, es ist nur
noch eine halbe Stunde Besucherzeit.“ rief Giles in den Eingang und Spike kniff
seine Augen etwas zusammen. Der grauhaarige Mann kam zusammen mit Dawn aus der
Haustüre getreten und er seufzte, als sie direkt zum Auto ging und sich auf die
Rückbank setzte. „Wir bringen ihr nur ihre Sachen vorbei und dann bringen wir
dich sofort wieder zurück.“ sagte er ernst, bevor sie die Autotür zuknallte.
Spike schüttelte schweigend
den Kopf und drückte sich vorsichtig vom Baumstamm ab als Giles in den Flur
sah. Ohne zurück zu blicken rannte er los in die Richtung aus der er gekommen
war. Er umgriff seinen Autoschlüssel und fuhr in Gedanken den Weg zum
nächstgelegenen Krankenhaus ab.
-
Etwa eine Stunde später schob
er die Krankenhaustür mit beiden Händen auf und als er den ersten Arzt sah, der
gerade aus dem Raum neben ihm kam knurrte er wütend und griff nach dessen
Kragen. „Summers, Buffy.“ raunte er atemlos. „Wo ist sie?“
Der Arzt sah den blonden Mann
eher verwundert als ängstlich an und fasste nach seinem Hals. „Ich fürchte da
müssen sie schon am Empfang fragen.“ keuchte er und deutete auf den runden
Tresen in der Mitte des Raumes. Mit einem abschätzenden Blick schubste Spike
den Mann gegen die Wand und ging auf die Frau am Computer zu. „Ich suche nach
Buffy Summers.“ sagte er ruhig, stellte sich gerade hin und versuchte sein
Möglichstes um gelassen und gefasst zu wirken. Die strohblonde Frau sah kurz
auf, verlor sich für einen winzigen Moment in den starren Augen ihres
Gegenübers und wandte sich schließlich mit einem Räuspern dem Bildschirm vor
sich zu.
„Ah hier.“ rief sie nach
einigen Minuten zufrieden aus und stand von ihrem Stuhl auf. Sie lehnte sich
über die Theke und deutete mit ihrem rechten Arm den Gang entlang. „Grade aus
und dann zwei mal rechts.“ nickte sie und setzte sich wieder auf den Drehstuhl.
„Zimmer 317.“ fügte sie hinzu und sah dem Mann hinterher, als er direkt
losgegangen war. „Bitte.“ murmelte sie und ließ sich in die Lehne zurückfallen.
Er stand einige Minuten vor
der Türe und starrte auf die silberne Zahl vor seinen Augen. Der Türgriff lag
in seiner Hand und er klopfte mit seinem Daumen auf die glatte Oberfläche. Mit
einem tiefen Atemzug drückte er ihn schließlich nach unten und ging in das Zimmer
ohne aufzusehen. Er schloss die Türe vorsichtig und drehte sich letztendlich
langsam um.
Doch als er dann so dort stand - kaum mehr als drei Meter entfernt von ihr -
wusste er nicht mehr weshalb er her gekommen war. Sicherlich – er hatte sich
versichern wollen, dass es ihr gut ging, aber wieso war er in diese Stadt
zurückgekommen? Zur Hölle er hatte selber versucht diese Frau umzubringen. Mehr
als einmal. Er hatte sie geschlagen. Mehr als einmal. Und letztendlich konnte
er sich auch eine versuchte Vergewaltigung auf sein Konto verbuchen lassen.
Also, was zur Hölle sollte er
sagen? Er hörte ein Knacken und blickte verwundert auf seine Hand herab, die
zur Faust geballt war – die Knöchel weiß vor Anstrengung. Er schüttelte seinen
Arm und löste die verkrampfte Haltung, drängte die Erinnerungen an ihre letzte
Begegnung zurück und sah schließlich auf. Und er zog seine Augenbrauen
verwundert zusammen, als er in zwei geöffnete grüne Augen sah. Sie sah so
zerbrechlich aus, so blass und der Schlauch unter ihrer Nase ließ sie krank und
ausgelaugt erscheinen. Doch ihr Blick war durchdringend und standhaft.
„Liebes?“ stieß er den
angehaltenen Atem aus, von dem er nicht gewusst hatte dass er ihn
zurückbehalten hatte. Er beobachtete fasziniert wie sich ein Lächeln auf ihre
Lippen stahl als sie den Kopf schief legte. „Du bist schuld.“ sagte sie und
ihre Stimme war kaum lauter als ein Flüstern. Ihre Worte verwunderten ihn
nicht. Er lehnte sich gegen die Türe und sagte nichts.
„Deinetwegen denken sie nun
ich hab’ völlig den Verstand verloren.“ krächzte sie und ein Räuspern folgte
der Stille. Er betrachtete ihr Gesicht und es war völlig entspannt als sie
sprach, kein Anzeichen deutete darauf hin, dass sie überrascht war ihn zu
sehen. Er schüttelte verwirrt den Kopf und ging einige Schritte auf sie zu.
„Ich glaube ich kann dir
nicht ganz folgen, Liebes.“ sagte er leise, während er sich einen Stuhl an der
Seite der Wand griff und ihn neben ihr Bett schob. Bevor er sich setzte sah er
nochmals auf, um zu sehen ob es in Ordnung war dass er sich neben sie setzte,
doch ihre Augen waren geschlossen.
„Buffy?“ flüsterte er und
ließ sich auf den weißen Stuhl sinken. Ein Lächeln umspielte seine Lippen als
er ihre tiefen, langen Atemzüge hörte und er ließ sich gegen die Lehne fallen.
Sein Kinn stützte er auf seinem Ellbogen auf und in diesem Moment genügte es
seine Jägerin einfach nur ansehen zu dürfen. Wenn er Glück hatte würde sie
einige Stunden schlafen, bevor sie ihn zum Teufel jagen würde.
-
Früh am Morgen öffnete Buffy
die Augen. Sie atmete einmal tief durch und lächelte zufrieden, da der Schmerz
in der Brust nachgelassen hatte. Sie streckte ihre Glieder ein wenig, sie waren
steif und träge vom langen Schlafen. Ihr Kopf tat nach wie vor weh, aber sie
erinnerte sich dass der Arzt das prophezeit hatte und strich sich mit der
linken Hand langsam über die Schläfe. Sie hatte einen schalen Geschmack im Mund
– höchstwahrscheinlich von zu viel Krankenhausluft und zu wenig Trinken. Ihr
Blick fiel auf die große Uhr neben der Türe und sie konnte sich ein genervtes
Stöhnen nicht verkneifen.
Mit einem tiefen Seufzen
schloss sie ihre Augen wieder und legte ihre freie Hand darüber. Sie lauschte
der Stille des Raums und ihrem eigenen Atem. Das Piepsen der
Herzfrequenzmaschine war auf ein Minimum gedreht und es verhallte stumm
zwischen den Wänden.
„Guten morgen.“ hörte sie
plötzlich jemanden sagen – direkt neben sich und sie riss ihre Hand von den
Augen. Ihr Körper versteifte sich und instinktiv rutschte sie einige Zentimeter
von der Geräuschquelle weg. Doch als sie ihn dort sitzen sah entspannte sie
sich wieder, ein wenig beschämt über ihre Reaktion und legte ihren Kopf zurück
auf die weiche Matratze.
„Wie geht es dir?“ fragte er
ruhig - er wirkte überrascht. Seine Stimme klang schüchtern, beinahe ängstlich
und sie wunderte sich wo die sonst so selbstsichere Haltung geblieben war. Der
Spike in ihren Träumen hatte für gewöhnlich keine Selbstzweifel. Ohnehin war es
seltsam ihn in dieser Situation zu sehen – an ihrem Krankenbett, mit besorgter
Miene und einem Stirnrunzeln auf dem Gesicht. Normalerweise hatte ihre Fantasie
nettere Orte für sie beide reserviert.
„Buffy?“ hauchte er ihren
Namen und sie konnte sehen, dass er seine Hand hob, sie jedoch nach einigen
Sekunden zurück auf sein Bein legte. Sie starrte ihn verunsichert an, verwirrt
über seine scheue Art und den besorgten Blick. „Was ist plötzlich mit dir los,
wieso siehst du mich so an?“ flüsterte sie und spürte wie sie zunehmend
wütender wurde. Er sollte sie nicht so ansehen. Er war ihre Zuflucht, ihr
Refugium vor dem Alltag und der Trauer. Es genügte dass ihre Freunde sie
andauernd ansahen als ob sie nicht mehr ganz klar im Kopf sei.
„Wovon zur Hölle redest du,
Jägerin?“ schüttelte er den Kopf verwirrt und starrte direkt in ihre Augen. Sie
sah nicht minder konfus aus und in diesem Moment wünschte er sich wirklich er
könnte hier rauchen. Mit einem tonlosen Seufzen holte er das silberne Zippo aus
seiner Manteltasche und drehte es zwischen zwei Fingern hin und her. „Ich hab’
deine kleinen Freunde reden hören und wollte nach dir sehen, nichts weiter.“
sprach er schließlich, als sie ihm nicht geantwortet hatte. Und als sie ihre
Augenbrauen zusammenzog und ihn ansah als hatte sie soeben verlernt bis drei zu
zählen senkte er seinen Blick und starrte auf seine Füße.
„Ich denke das war alles
keine sehr gute Idee.“ schnaufte er schließlich und stand langsam auf. Er
konnte ihr nicht in die Augen sehen. Mit so ziemlich allem hatte er gerechnet,
er hatte teilweise gehofft sie würde ihn anschreien oder verprügeln – aber das
hier war schlimmer. Sie sah ihn an, als würde sie nicht verstehen was er hier
wollte, als gäbe es absolut keinen Grund warum er hier war.
„Wieso bist du heute so
anders?“ fragte sie mit schwacher Stimme und griff nach seiner Hand. Die Berührung
ließ ihn zusammen zucken. Sie hatte ihre Finger mit seinen verhakt als gäbe es
nichts Selbstverständlicheres in diesem Moment. Er drehte sich wieder um und
sah sie durchdringend an. „Wovon redest du verdammt?“ blaffte er sie an und
beobachtete wie sie ihre Augenbrauen nach oben zog bei seinem Tonfall.
„Entschuldige.“ flüsterte er
und strich mit dem Daumen zaghaft über ihren weichen Handrücken. Er gab ihr ein
schiefes Lächeln und setzte sich wieder zurück auf den Stuhl. Sein Blick fiel
auf ihre verhakten Hände und er schüttelte verwundert den Kopf. „Ich bin
gestern erst zurückgekommen, Buffy.“ murmelte er und als er wieder aufsah
konnte er sehen wie sich ihre Lippen etwas öffneten und sie ihn anstarrte, als
würde sie ihn gerade zum ersten Mal sehen.
„Was zum Geier macht der
hier?“ schrie plötzlich eine Männerstimme hinter ihm und er fuhr herum. Xander
starrte ihn gleichmäßig erstaunt und wütend an und Spike löste seine Finger aus
Buffys Griff. Ganz langsam stand er auf und zog den Stuhl zur Seite. Er
beobachtete wie Xander die Ärmel seines Pullovers zurück zog und seine Fäuste
ballte. „Keine Axt zur Hand diesmal?“ lachte Spike leise und beugte sich ein
wenig nach vorne, bereit den Angriff abzuwehren. Die beiden Männer funkelten
sich einige Sekunden an, bevor Dawn sich an Xander vorbei drängte und Spike mit
offenem Mund anstarrte. Er sah wie sie einen flüchtigen Blick zu ihrer
Schwester warf, die ihn mit genau demselben geschockten Blick ansah. Dann sah
sie wieder auf und schließlich lächelte sie leicht und ging auf ihn zu.
„Ich bin so froh dass du
wieder da bist.“ flüsterte sie und lehnte sich ihm entgegen. Ihre Arme legten
sich um seinen Hals und sie schloss die Augen. Nach einigen Sekunden der
absoluten Fassungslosigkeit erwiderte er die Umarmung schließlich und ein
kleines Lächeln flog über seine weißen Lippen.
„Ich bin mir da noch nicht so
ganz sicher, Krümel.“ tätschelte er Dawns Kopf und lehnte sich gegen die weiße
Wand. Amüsiert beobachtete er wie Xander seine Fäuste entnervt sinken ließ und
sich gegen den Türrahmen lehnte.
„Aber wenn deine große
Schwester nichts dagegen hat, werde ich erst einmal hier bleiben.“ schnaufte er
und wollte eigentlich zu Buffy hinüber schauen, doch als er seinen Kopf in ihre
Richtung drehen wollte schlug auch schon Xanders Faust in seinem Gesicht ein
und er taumelte etwas zurück. Tiefe Falten bildeten sich automatisch auf seiner
Stirn und er schlug ohne zu zögern mit seiner rechten Hand einmal gerade in
seinen Bauch.
„Das geht jetzt nicht mehr so
einfach, Harris.“ knurrte er wütend und hielt sich die schmerzende Wange.
Zufrieden blickte er auf den braunhaarigen Mann, der in der Ecke des Raumes lag
und keuchend seinen Oberkörper umfasste. Dann starrte er in Dawns Gesicht und
schließlich in das von Rupert und Willow, die im Türrahmen standen und ihn
fassungslos anstarrten.
„Oh bitte.“ lachte er leise
und schüttelte seinen Kopf einige Male, bis die Falten darauf verschwanden und
er wieder sein menschliches Selbst war. „Was dachtet ihr denn bitte wieso ich
weg gegangen bin.“ fragte er mit einem Achselzucken in die Runde und zog seine
Augenbraue in die Höhe als ob die Frage völlig überflüssig wäre. Als sich nach
einigen Sekunden noch immer keiner bewegte seufzte er einmal tief und das
Lächeln auf seinen Lippen erstarb. „Nein, ich werde euch nicht töten.“
„Der Chip. Seit wann?“ fand
Giles als erstes seine Worte wieder und ging einige Schritte auf den Vampir zu.
Zwei Meter vor ihm blieb er schließlich stehen, weit genug um nach Dawns Arm
greifen zu können und sie zurück zu ziehen. Er zog sie, ohne den Blick von dem
blonden Vampir zu nehmen hinter seinen Rücken und ging noch einen Schritt nach
vorne.
„Vor ungefähr einem halben
Jahr, schätze ich.“ zuckte er mit den Schultern und warf letztendlich einen
kurzen Blick zu Buffy, die ihn immer noch mit demselben Ausdruck wie vor
einigen Minuten anstarrte. Ihre Lippen waren zu einem kleinen ‚o’ geformt und
die Augen waren geweitet. Ihr Brustkorb hob und senkte sich kaum merklich und
er war für einen Moment besorgt, dass sie wieder in diese Art Schockstarre
gefallen war, wie damals als Dawn entführt worden war.
Dawn rollte die Augen und
schob sich an Giles vorbei, bevor dieser reagieren konnte. „Kommt schon Leute,
das ist Spike.“
„Ja, das ist Spike.“ spuckte Xander
jedes Wort voller Verachtung aus und richtete sich mit einem Stöhnen auf.
Wütend begegnete er Dawns Blick und zeigte mit der rechten Hand auf den Vampir.
„Der Spike, der letztes Jahr
deine Schwester beinahe vergewaltigt hätte.“ fuhr er fort und sein Blick war
starr in Spikes Augen gerichtet. Und er lächelte schließlich zufrieden, als er
sah wie der Vampir ein wenig strauchelte und sein Gesicht sich beschämt
verzerrte. Seine weiße Hand griff nach dem schwarzen Mantel auf dem kleinen
braunen Tisch in der anderen Ecke des Raumes und er zog ihn sich über.
„Er hat Recht Krümel.“
murmelte, als er vor Dawn stand und nahm strich einige Sekunden mit seiner
linken Hand über ihre Wange. Dann wollte er gehen, doch als er an Rupert vorbei
laufen wollte, griff eine Hand nach seiner und er drehte sich langsam um. Buffy
hatte sich im Bett aufgesetzt und starrte ihn entsetzt an. „Nicht.“ bat sie so
leise, dass er sich nicht sicher war ob die anderen es hören konnten, doch das
spielte auch keine Rolle. Sie sah ihn so freundlich und bittend an, dass er für
einen Moment überlegte ob sein Herz gerade einen Sprung gemacht hatte.
Jedenfalls fühlte es sich so an.
„Geh nicht.“ setzte sie noch
einmal nach, dieses Mal etwas lauter und ein kleines Lächeln stahl sich
allmählich auf ihre Lippen.
„Oh bitte Buffy.“ stöhnte
Xander vom anderen Ende des Raumes und er starrte ungläubig auf die zierliche
blonde Frau im Bett. „Das ist jetzt bitte nicht dein Ernst.“ schnaufte er
angewidert und ging einige Schritte nach vorne. Er zeigte wieder auf den
Vampir, sah aber diesmal Buffy an und wartete einen Moment, bis sie ihren Blick
von Spike abwandte und ihren Kopf in seine Richtung drehte. „Verdammt noch mal, Buffy. Was glaubst du
weshalb er den Chip nicht mehr hat?“ wollte er wissen. „Du hast gesehen wozu
dieses Ding fähig ist. Gerade du solltest das besser wissen.“ fuhr er fort und
seine Stimme brach beim letzten Satz. Buffy sah ihn entschuldigend an und
schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Ich glaube an ihn.“ sagte
sie nach einigen Sekunden laut und deutlich und beobachtete enttäuscht wie
Giles darauf den Raum verließ. Sie hielt den Blickkontakt mit Xander doch
wenige Momente später drehte dieser sich um und folgte dem Wächter. „Mach doch
was du willst.“ presste er noch hervor, bevor er im Gang verschwand.
„Er hat Recht.“ sagte Spike
nach wenigen Minuten ruhig und sah sie vorsichtig an. Sie lächelte immer noch
und blickte auf seine Hand herab, während sie mit ihrem Daumen darüber strich.
„Das kannst du mir später noch erzählen.“ sah sie schließlich auf und er nickte
nur ruhig unter ihrem intensiven Blick.
Teil 2 – Alles auf Anfang
Verschlafen schlug sie die
Augen auf. „Hmm, viel zu früh.“ murmelte sie während sie auf ihren Wecker
schaute. 07:00 stand
in grünen Zahlen auf dem kleinen Radio und mit einer fließenden Bewegung zog
Buffy die Bettdecke über ihren Kopf. Seit drei Tagen war sie nun wieder zu
Hause und trotzdem schlief sie selten länger als vier Stunden. „Verdammt.“
murmelte sie missmutig und zog mit einem tiefen Seufzen ihre Knie bis zu ihrem
Kinn. Durch die dünne Bettdecke sah sie durch einen kleinen Spalt zu ihrem
Fenster, durch das das Licht streifenweise in ihr Zimmer trat. Mit einem
Kopfschütteln schloss sie ihre Lider wieder und vergrub ihr Gesicht zwischen
den Knien. Sie blieb einige Minuten bewegungslos liegen, bis sich ihre Stirn in
Falten legte und sie schließlich laut ausatmend die Augen wieder öffnete.
„Verdammt, verdammt, verdammt.“ schimpfte sie lautstark und riss sich die Decke
vom Kopf.
Noch einmal sah sie genervt
zu dem Radiowecker, der inzwischen 07:16 anzeigte und setzte sich
schließlich auf. Sie
holte zwei-, dreimal tief Luft, ehe sie die Bettdecke beiseite warf und aus dem
Bett stieg. Ihre Knie zitterten leicht, fast so, als ob jede Kraft aus ihrem
Körper gewichen sei.
„Das bringt mich noch um.“ schimpfte sie leise und
schleppte sich ins Badezimmer. Alles was sie jetzt noch wollte und brauchte war
eine kalte Dusche, die sie ein wenig aufwecken würde. Sie stieg aus ihren
Kleidern, ignorierte den Spiegel und drehte an der silbernen Armatur.
Das kalte Wasser brannte im ersten Moment wie
tausend kleine Nadelstiche auf ihrer warmen Haut, doch sie zuckte nur kurz
zusammen und stellte sich schließlich ganz unter den Duschkopf. Schnell vergaß
sie die Schlaflosigkeit, vergaß ihre quälenden Gedanken. Doch als sie aus der
Dusche stieg und einen kurzen Blick in den Spiegel warf, zuckte sie erschrocken
zusammen.
Ihr Gesicht war ungewohnt bleich. Noch müder,
noch ausgelaugter als sonst erschienen ihre Augen, eingefallen ihr Gesicht. Mit
einem Griff hatte sie ihre Make-up Döschen hervorgeholt und begann sich hastig
zu schminken.
-
Als sie angezogen, gekämmt
und hoffentlich weniger zombie-artig die Treppe herunter ging konnte sie
bereits den Fernseher hören. Dawn war nie wirklich ein Fan vom langen Schlafen
gewesen und Buffy lächelte ein wenig, als sie den Geruch von Pfannkuchen
wahrnahm.
„Sind noch welche in der
Küche.“ hörte sie die Stimme ihrer Schwester und lächelte dankbar in ihre
Richtung bevor sie wortlos in die Küche abbog. Sie warf einen Blick in die
Pfanne und ging zum gegenüberliegenden Schrank, griff sich einen großen flachen
Teller und bückte sich kurz. Aus den unteren Schubladen holte sie eine Flasche Sirup
hervor und richtete sich wieder auf. Als sie vor der Pfanne mit den Pfannkuchen
stand nahm sie mit einem tiefen Seufzen den Pfannenwender vom der Halterung
über den Herdplatten. Sie starrte einige Momente darauf, verlor sich kurz in
Erinnerungen und schüttelte dann energisch den Kopf, bevor sie die flachen
Teigkreise auf ihren Teller manövrierte.
„Und was machen wir heute?“
fragte Dawn vom Türrahmen aus. Als Buffy ihr einen kurzen Blick zugeworfen
hatte kam sie in die Küche gelaufen und stellte ihren Teller neben der Spüle
ab. Dann griff sie auf Buffys Teller und riss sich ein Stück Pfannkuchen ab,
das sie sich danach in den Mund steckte.
„Uhm,
keine Ahnung.“ beobachtete Buffy einen Moment lang ihre Schwester und drückte
dann auf die Sirupflasche. „Mein Sklaventreiben hat mich zum Training
abkommandiert, aber sonst – keine Pläne.“ lächelte sie und stellte die Flasche
wieder auf die Theke. Dann nahm sie den Teller in die Hand und setzte sich auf
einen der Stühle neben dem Esstisch.
„Wir könnten Spike besuchen.“
drehte sich Dawn um und sah ihre Schwester vorsichtig an.
„Entschuldige?“ räusperte
sich Buffy, als sie sich etwas an dem Pfannkuchenstück in ihrem Mund
verschluckte und sah verwundert auf.
„Buffy.“ setzte Dawn an und
setzte sich schließlich auf den Stuhl gegenüber ihrer Schwester. „Er ist wieder
zurück.“ stellte sie fest und starrte die Blonde an, als wäre keine weitere
Erklärung nötig. Als sie aber nur einen verständnislosen Blick zugeworfen bekam
seufzte sie und verdrehte die Augen. „Du hast nichts Besseres vor als dich vor
ihm zu verstecken.“ atmete sie lautstark aus und begann mit ihren Fingern die
Verzierungen der Tischdecke nachzufahren. „Dir ging es so schlecht die ganze
Zeit. Ich dachte du willst ihn zurück haben.“
„Dawn, wir waren nie
zusammen.“ zog Buffy ungläubig die Augenbrauen zusammen und wandte ihren Blick
ab, als Dawn aufsah. „Zumindest nicht so.“ fügte sie leise hinzu und stocherte
mit ihrer Gabel in dem weichen Teig herum. Dann stand sie seufzend aus und
schob den Teller mit dem halben Pfannkuchen lustlos von sich weg. „Ich sollte
gehen. Giles wartet.“ lächelte sie matt und griff nach dem beigen Cordmantel,
der an einem Haken an der Wand hing.
„Was auch immer.“ murmelte
Dawn und fasste nach der Gabel auf dem Teller. Als Buffy kurz im Türrahmen
stehen blieb und sich umdrehte sah sie noch einmal auf. Buffy öffnete den Mund,
schwieg aber nur und winkte schließlich halbherzig, bevor sie zur Haustüre
ging.
-
Es war bereits früher Abend
als Buffy von der Magic Box Richtung Friedhof lief. Die Sonne war vor wenigen
Minuten untergegangen und die letzten Funken Tageslicht erhellten die leeren
Straßen Sunnydales. Abwesend drehte sie den langen Holzpflock zwischen ihren
Fingern hin und her. Als sie am Tor des ersten Friedhofs angelangt war seufzte
sie tief und öffnete es. Das leise Quietschen des metallenen Gatters
durchschnitt die Stille und sie ließ es offen stehen. Der Kiesweg führte zu den
ersten Gräbern und Buffy schmiss den Pflock gelangweilt zwischen ihren beiden
Händen hin und her.
Nach einigen wenigen
Schritten unterbrach ein tiefes Knurren die Stille und Buffy drehte sich
ruckartig um. Und sie wankte einige Meter zurück, als sie direkt in die roten
Augen eines grün-geschuppten Dämons sah. Sie umgriff
ihren Pflock fest mit der rechten Hand und verfluchte sich im nächsten Moment
wirklich nicht irgendeine andere Waffe aus dem Trainingsraum mitgenommen zu
haben. Der Riese kam auf sie zu, das Knurren wandelte sich in ein lautes
Gebrüll und Buffy duckte sich um dem ersten Schlag auszuweichen.
Ein roter Kristall schimmerte
auf der Stirn des Dämons, doch Buffy hatte keine Zeit näher hinzusehen. Im
nächsten Moment umgriff der Dämon ihren Hals und sie musste würgen unter dem
steinharten Griff. Mit dem Knie trat sie in seinen Magen, doch die steinerne
Haut schützte ihn vor der Wucht dahinter. Ihre Finger umfassten keuchend die
Hände ihres Gegners und ihre Muskeln spannten sich an, als sie sie mit voller
Kraft von ihrem Hals wegzog.
Nachdem sie einen Meter
zurückgesprungen war holte sie aus und versuchte gegen die Beine des Dämons zu
treten. Doch er bewegte sich nur einige Zentimeter zurück und wieder
durchschnitt ein lautes Knurren die Stille. Dann holte er aus und die Bewegung
war zu schnell als das sie hätte reagieren können – Er traf sie direkt im Magen
und die Wucht hinter dem Schlag ließ Buffy einige Meter über den Boden fliegen.
Mit einem schmerzerfüllten Keuchen landete sie in etwas Hartem, doch es gab
nach und schließlich fiel sie auf den Boden.
„Kommst du endlich
angeflogen, Täubchen.“ hörte sie eine vertraute Stimme und wandte ihren Kopf
etwas zur Seite. Sie wollte etwas erwidern, doch ihr fehlte die Luft. Mit der
linken Hand fasste sie an ihren Bauch und nahm einen tiefen Atemzug.
„Sehr witzig.“ stieß sie schließlich
nach einigen Sekunden tonlos aus und legte ihre Hand in seine. Er zog sie mit
einem schiefen Lächeln hoch und zog eine Augenbraue fragend in die Höhe, als
sie beide Hände auf seine Brust legte und ihn wieder zu Boden stieß. Als er im
Gras lag sah er eine grüne große Faust über seinen Kopf hinweg fliegen und
drehte sich zur Seite, so dass er aufstehen konnte.
Buffy war dabei dem Dämon
einige Tritte zu verpassen und nach kurzem Überlegen warf sich Spike auf seinen
Rücken, die Arme wie einen Schraubstock um dessen Genick gelegt. Doch die Haut
gab unter dem Druck keinen Zentimeter nach und schließlich ließ Spike von ihm
ab. Einige gekonnte Tritte in die Kniekehlen des Monsters folgten, doch auch
das hinderte diesen keineswegs daran, weiter auf Buffy einzuschlagen.
Er warf einen Blick auf die
Jägerin, die sich gerade bückte um dem Kinnhaken des Dämons auszuweichen. Sie
wich einige Meter zurück und sah panisch auf. „Gruft!“ schrie sie und machte
noch im selben Moment auf der Ferse Kehrt. Er sah wie sie los rannte und warf
sich nochmals auf den Dämon, um sich letztendlich daran abzustoßen und ihr
nachzulaufen.
Als er einen Blick zurück warf riss er die Augen etwas auf, da er ihn direkt
hinter sich rennen sehen konnte. Er war schnell. Schneller als er selbst und
als er an seiner Krypta angekommen war starrte er auf Buffy, die eine
Zweihandaxt mit beiden Händen fest hielt. Mit schnellen Schritten rannte er an
ihr vorbei und rutschte hinter den großen Sarkophag. Er umgriff die Halterung
des Schwertes, nach dem er gesucht hatte und drehte sich wieder um.
Und er konnte sich ein
stolzes Grinsen nicht verkneifen als er sah wie Buffy mit aller Kraft ausholte
und die lange silberne Axt tief im Rücken der grünen Kreatur versenkte. Doch
als dieser lediglich in seiner Bewegung innehielt und sich seelenruhig zu ihr
herumdrehte ging er schnell auf die beiden zu. Er beobachtete im Augenwinkel
wie Buffy ihr Gesicht zur Seite drehte und den Schlag erwartete, der nun folgen
würde, doch er war schneller.
„Hey Grüner.“ rief er und
tatsächlich drehte sich der Dämon in diesem Moment sofort zu ihm um. Er knurrte
laut und streckte seine Arme schließlich mit einem lauten Brüllen zur Seite.
Die plötzliche Bewegung hatte Buffy nicht kommen sehen, der Unterarm traf sie
direkt am Kinn und schickte sie zu Boden. Doch der Dämon beachtete es nicht,
stattdessen kam er mit langsamen Schritten auf den Vampir zugelaufen. Dieser
lächelte jedoch nur, warf sein Schwert nach oben und griff es anders herum. Die
Schneide lag nun in seiner Hand, die scharfe Spitze schnitt seine weiße Haut
ein wenig auf. Seine Augen funkelten kalt als der Dämon in Reichweite war und
er den Griff des Schwertes mit aller Kraft gegen den Kopf der grünheutigen
Kreatur knallen ließ – direkt in den rot funkelnden Kristall, der daraufhin in
seine Einzelteile zersprang. Die Augen des Dämons weiteten sich und wenige
Augenblicke später verließ sämtliche Kraft seine Glieder und er sank zu Boden.
Skeptisch trat Spike mit der
Spitze seines Springerstiefels gegen die Seite des Dämons und er hob eine
Augenbraue als sich die grünen Schuppen allmählich in nichts auflösten. Wenige
Momente später erinnerte nichts mehr an das riesige Monster das zuvor auf dem
kalten Steinboden gelegen hatte.
Mit einem erleichterten
Seufzen ging er hastig in Buffys Richtung und umfasste ihre Schultern um ihr
hoch zu helfen. Sie lächelte matt, nahm seine Hilfe dankbar an und zog ihren
Mantel zurecht während sie auf die Stelle in der Mitte der Krypta starrte.
„Hoffentlich war das ein Alleingänger.“ meinte sie knapp und hob die
Zweihandaxt stöhnend auf. Ihre Hand schnellte zu ihrem Bauch und sie lehnte
sich etwas gegen die kalte Wand.
„Solche Typen sind meistens
nicht sehr gesellig.“ antwortet er kurz und beobachtete ruhig wie sie sich über
den Oberkörper strich ohne ihn anzusehen.
Schließlich sah sie auf und legte den Kopf verwundert schief. „Woher wusstest
du wie man ihn tötet?“
Er zuckte mit den Schultern. „Ich dachte ‚Großer leuchtender Kristall’.“
grinste er etwas als Buffy die Augen rollte, doch als sie sich herumdrehte und
gehen wollte packte er sie am Arm. „Gehst du schon?“ Seine Stimme klang
enttäuscht.
Buffy blieb in ihrer Bewegung stehen und blickte auf die Hand die sich um ihren
Unterarm gelegt hatte. „Heute Abend scheint nicht viel los zu sein.“ stellte
sie sachlich fest und lächelte etwas, ohne dass er es sehen konnte. Sie hörte
wie er seufzte und seine Finger schließlich wieder von ihr löste.
„Ich dachte wir könnten-„ Er
hob eine Augenbraue und dehnte die Pause ein wenig aus. „Nein!“ fiepste sie mit großen Augen und wich einen Schritt zurück.
„Ich dachte das wäre deutlich
gewesen.“
„Ich dachte wir könnten noch
auf anderen Friedhöfen vorbei schauen.“ Sein Grinsen wurde breiter als er sah
wie sie leicht rot wurde.
„Heute nicht.“ schüttelte sie
den Kopf. Ihre Stimme war leiser geworden.
Spike lachte laut und zog sie wieder etwas an sich. „Wenn du etwas andres im
Sinn hattest – Du weißt, dass ich für vieles offen bin.“ gluckste er und
zwinkerte ihr zu. Buffy schnaubte wütend, schüttelte aber gleichzeitig den Kopf
und ging in die andere Richtung. Sie ging durch die offene Tür der Krypta ohne
stehen zu bleiben und als sie draußen war, rannte sie los. Spike erreichte sie
erst als sie bereits vor dem Summershaus stand.
Sicherlich hatte sie sich beeilt aber ihm war nicht entgangen, dass sie auf die
letzten Meter durchaus langsamer gelaufen war als gewöhnlich.
„Nun komm schon Liebes,
findest du nicht wir könnten diesen Mist langsam mal lassen?" fragte er
atemlos und stellte sich dicht hinter sie, als sie stehen geblieben war. Mit
festem Blick drehte sie sich um und schob ihre Unterlippe ein wenig vor. Dann
verzog sie ihren Mund und atmete schließlich einmal tief aus. Ihre Hände legten
sich auf seine Schultern und sie zog sich daran hoch. Für den Bruchteil einer
Sekunde streiften ihre Lippen über seinen Mund bevor sie sich wieder zurückzog.
Dann sah sie ihn an als ob nichts gewesen wäre und legte den Kopf schief.
„So in etwa?“ fragte sie und
lächelte schließlich.
„Ich bin noch nicht
überzeugt“, biss er sich ungläubig auf die Unterlippe und zog sie mit einer
fließenden Bewegung in seine Arme. Er legte seine rechte Hand in ihren Nacken
und küsste sie forsch. Seine Zunge wanderte in ihren heißen Mund und er lachte
leise gegen ihre Lippen als sie wohlig stöhnte. Doch die vertraute Stille wurde
schon nach einigen Sekunden durch das Quietschen der alten Haustüre
unterbrochen.
„Wusste ich es doch.“
verschränkte Dawn vorwurfsvoll ihre Arme vor der Brust und lehnte sich gegen
den Türrahmen.
„Zieh Leine, Krümel.“ raunte
Spike ohne hinzusehen und versenkte seine Zunge wieder in Buffys Mund. Sein
Becken rieb sich unbewusst an ihrer Mitte und er raunte gegen ihre Lippen als
sie lautstark keuchte. Er verstärkte seinen Halt um ihren Nacken doch nach
einigen weiteren Sekunden stieß sie ihn von sich. Für einen kurzen Moment
blickte sie ihn schwer atmend an. Ihre Augen waren nur halb geöffnet und ihre
Lippen waren rotgeschwollen. Dann drehte sie sich
herum und lief ins Haus, wo sie wenig später die Treppen ins obere Stockwerk
hinauf ging.
-
Am nächsten Tag kam Buffy
erst spät Morgen in die Küche, nahm sich einen Apfel aus dem Korb und drückte
Dawn im Vorbeilaufen einen kleinen Kuss auf die Wange. „Ich bin in der Magic
Box.“
„Halt.“ meinte Dawn
bestimmend. „Umdrehen.“ forderte sie ihre Schwester auf und drehte sich
ebenfalls in deren Richtung, als Buffy nach einigen weiteren Schritten
schließlich stehen blieb. „Erzählen.“ grinste sie und biss einmal herzhaft von
dem zusammengerollten Pfannkuchen ab.
„Dawn, ich werde zu spät
kommen und Giles - Giles wird mich feuern.“ stellte sie mit todernster Miene
fest und schwenkte den Apfel wild gestikulierend in der Luft herum. „Und dann
wird die Welt untergehen.“ sagte sie völlig überzeugt von ihrer These. Mit
einem Seufzen lehnte sie sich gegen die Theke und blickte ihre Schwester
geschlagen an. „Ich erzähle es dir später. Versprochen.“ nickte sie und drehte
sich um ohne auf Dawns Reaktion zu warten.
-
Willow lächelte als die
Türglocke aufläutete und Buffy sich mit einem kleinen Seufzen zu ihr setzte.
„Und wie war die Patroullie gestern? Neue Schleimigkeiten?“
betonte Willow das letzte Wort voller Stolz und warf ihrer Freundin einen
amüsierten Blick zu.
„Was?“ schrak Buffy auf und
sah Willow etwas perplex an. Doch diese verzog nur missmutig den Mund und
stützte ihren Kopf auf ihrer rechten Hand auf.
„Was denn? Darf nur Xander
dumme Witze reißen?” schob sie ihre Unterlippe etwas trotzig nach vorne bevor
sie ihren Blick auf Giles richtete, der eben aus dem Trainingsraum zu ihnen
nach vorne kam.
„Guten Morgen Buffy.“
begrüßte er seine Jägerin mit einem kleinen Lächeln, bevor er ihr einen
riesigen Tulwar auf den Tisch legte. „Wir sollten heute mit dem Schwert weiter
machen.“ schlug er vor und warf seiner Schülerin einen freundlichen Blick zu.
Buffy betrachtete das schräge
Schwert einen kurzen Moment, sah dann auf und blickte ihren Wächter ernst an.
„Giles, ich bin gestern auf einen Dämon getroffen. Einen von der starken
Sorte.“ fügte sie noch hinzu und fuhr mit den Fingern ihrer rechten Hand etwas
auf der Klinge herum. „Ich will nicht sagen, dass ich keine Chance hatte, aber
wenn Spike nicht gewesen wäre, dann...“ unterbrach sie sich selbst und schloss
ihre Augen, weil sie sich das wirklich hätte verkneifen können.
Giles räusperte sich kurz, sah sie einen Moment forschend an, schüttelte aber
dann schließlich den Kopf und verwarf den Gedanken. „Wie sah er denn aus.“
„Oh, wirklich gut.“ lächelte
Buffy gedankenverloren und ihre linke Wand wanderte instinktiv zu ihrem Mund.
Dann blinzelte sie und schüttelte den Kopf. Ihre Augen wurden größer als sie
Giles hochgezogene Augenbrauen sah und sie spürte wie ihre Wangen heiß wurden.
„Uhm. Groß, schleimig, grün.“ stotterte sie etwas
aufgewühlt und atmete tief durch. „Er war steinhart, ich konnte machen was ich
wollte. Er ist erst gestorben als Spike diesen Kristall auf seiner Stirn
zerschlagen hat.“
„Nun gut, verschieben wir das
Training.“ nickte Giles während er bereits in die Richtung des nächsten
Bücherregals lief. „Willow, hilfst du mir eben?“
„Sicher.“ entgegnete Willow
und holte sich etwas desinteressiert aus dem ersten Regal zielsicher einige
Bücher heraus.
„Gut, dann... braucht ihr
mich ja eigentlich nicht mehr.“ legte Buffy ihre Hand auf den Tisch, um sich
mit ihr abzustützen.
„Warte Buffy.“ rief Giles
etwas lauter als nötig. „Wenn du heute auf Jagd gehst solltest du ihn
vielleicht mitnehmen.“ sagte er etwas leiser und seine Stimme klang wenig
erfreut.
Doch Buffy hörte es nicht,
stattdessen stand sie auf und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Wenn sie
meinen.“ gluckste sie und als auch Willow leise zu kichern begann sah Giles vor
seinem Auge ein großes neonrotes Schild erscheinen, auf dem deutlich
F-E-H-L-E-R angezeigt wurde.
Teil 3 - Zugeständnisse
Obwohl es noch hell war und somit
eine Patroullie etwa so viel brachte, wie das dauernde Erwähnen des Reissacks
aus Japan, schlug Buffy fast automatisch den Weg zum Friedhof ein. Sie sah sich
einige Minuten stumm um und fand, dass der Friedhof an diesem Mittag auf eine
bizarre Art und Weise irgendwie... friedlich und beruhigend aussah. Doch sie
wusste ja, dass der Anblick täuschen konnte.
Sie seufzte als sie direkt
vor seiner Gruft stand. Ohne lange nachzudenken öffnete sie die Tür und ging
auf das Loch im Boden zu. Der Raum war fast völlig dunkel, nur einige Kerzen an
den steinernen Wänden erhellten die Umgebung. Vorsichtig kletterte sie die
Leiter nach unten und zuckte kurz zusammen als das Holz unter ihrem Schuh
verräterisch knarrte. Als sich ihre Augen nach einigen Sekunden an die
Dunkelheit gewöhnt hatten musste sie lächeln. Ein weißer Männerrücken glänzte
im Kerzenlicht, die dünne Decke war bis zu seiner Hüfte hinabgerutscht.
Sie blieb an der Leiter
stehen, der Wunsch zu ihm zu gehen, sich unter die Decke zu legen und sich an
ihn zu schmiegen übermannte sie fast. Mit festem Blick schlang sie ihre Arme um
ihren Oberkörper und starrte ihn an. Seine Haut sah so weich und glatt aus -
sie umspielte seine ausgeprägten Schulterblätter und die schmale Taille. Wieder
trat ein Seufzen über ihre Lippen und dieses Mal drehte sie sich um.
Mit halb geschlossenen Augen
griff sie nach einer der oberen Leiterstufen und zog sich hoch. Das Tageslicht,
das durch die dicken Glasfenster eintrat nahm ihr für einen Moment die Sicht,
doch sie kannte den Weg. Sie war ihn oft gegangen, meist ebenfalls nachdem sie
zu lange in der Dunkelheit verweilt hatte.
Als sie an der Türe der Gruft
angekommen war spürte sie einen Luftzug hinter sich.
„So früh schon hier Liebes?
Hatte dich später erwartet.“ hörte sie seine Stimme und sie ließ ihre Schultern
geschlagen sinken. Sie hätte wissen müssen, dass er sie immer spürte, auch im
Schlaf. Das hatte er immer schon. Als sie sich umdrehte, stand er nicht mehr
als einen halben Meter vor ihr und ein kleines Grinsen umspielte seine Lippen.
Automatisch senkte sich ihr Blick und sie atmete etwas stockend die dumpfe Luft
ein, als sie feststellen musste, dass er sich nichts angezogen hatte.
Sie spürte wie ihre Wangen
heiß wurden und wollte ihren Kopf zur Seite drehen, doch sein Arm schoss hervor
und er umgriff ihr Kinn mit zwei Fingern.
„Ich bin her gekommen um zu
fragen, ob du später mit auf Patroullie gehst.“ flüsterte sie kaum hörbar und
schluckte hart als sie seinem Blick begegnete. Seine blauen Augen waren direkt
vor ihren, sein Mund keine zwei Zentimeter von ihren Lippen entfernt. Zitternd
legte sie beide Hände auf seine nackte Brust und sie zuckte einen Moment
zusammen, als sie spürte wie kalt seine Haut war. Ihre Finger wanderten zu
seinem Schlüsselbein, über seine Schultern bis hin zu seinen Brustwarzen und zu
seinem Bauch. Sie folgte ihren Bewegungen mit ihren Blicken und seufzte leise.
„Ich sollte gehen.“ schnaufte sie und sah ihn wieder an.
Seine Augenbrauen zogen sich
etwas zusammen und er verzog seinen Mund missmutig. „Bleib, bitte.“ bat er
leise und seine Finger wanderten von ihrem Kinn zu ihrem Nacken. Er streichelte
ihren Haaransatz und fuhr kaum merklich in den Kragen ihres Pullovers. Die kalte
Berührung auf ihrem Rücken ließ sie erschaudern und sie ging unbewusst einen
Schritt auf ihn zu. Jetzt konnte sie seine kühle Haut durch ihre Kleidung
spüren und ein leises Stöhnen entkam ungewollt ihren Lippen. Schnaufend schloss
sie ihre Augen und ging den letzten Zentimeter auf ihn zu, spürte seinen
Oberkörper gegen ihren und seinen Atem gegen ihre Haut.
„Ich sollte wirklich gehen.“
seufzte sie, als sie den leichten Druck in ihrem Nacken spürte. Sie fühlte wie
seine Lippen näher kamen, doch sie stoppten kurz bevor sie Ihre trafen. Nach
einigen Sekunden öffnete sie verwirrt die Augen und sah direkt in seine. „Was?“
krächzte sie, bewegte sich aber kein Stück. Ein Lächeln trat auf seine Lippen
und er seufzte und sah sie traurig an. „Ich werde dich zu nichts mehr zwingen,
Buffy.“ hauchte er und strich mit der anderen Hand über ihre Stirn, zu ihrer
Schläfe und zu ihrem Mund. „Deine Entscheidung.“ flüsterte er und blickte sie
aufmerksam an.
Sie standen einige Minuten so
da, sahen sich einfach nur an, wenige Millimeter von einander entfernt. Dann
wandte Buffy ihren Blick ab, starrte auf ihre eigenen Hände und legte sie
schließlich in seinen Nacken. Ihre Finger kraulten seinen Hinterkopf, verloren
sich in seinen blonden Locken und sie verzog ihren Mund leicht als sie ihn
wieder ansah. Ein amüsiertes Lächeln lag auf seinen Lippen und sie verdrehte
ihre Augen genervt.
„Nun küss mich schon
endlich.“ blaffte sie leise und sah ihn flehend an. Ein leises Lachen kam aus
seinem Mund, bevor er den Druck in ihrem Nacken verstärkte und schließlich
endlich seine Lippen auf ihre legte.
-
Es brannten nur noch zwei
oder drei Kerzen im Untergeschoss der Krypta. Seine Haut wirkte beinahe
menschlich im warmen Kerzenschein. Ihre Finger tanzten auf seiner Brust, fuhren
jede Linie entlang, umkreisten seine Muskeln und prägten sich jede Stelle genau
ein. „Ich könnte ewig so liegen bleiben.“ lächelte sie etwas und blickte zu
seinem Gesicht. Er beobachtete jede ihrer Bewegung mit absoluter Aufmerksamkeit
und legte schließlich seinen Kopf etwas schief, so dass er gegen ihre Haare
lehnte. „Wolltest du nicht auf Patroullie?“ fragte er ruhig, seine Stimme war
freundlich, ausgelassen.
Sie seufzte laut. Sie hatte
völlig vergessen dass sie nach möglichen weiteren Dämonen sehen sollten. Missmutig
zog sie ihre Augenbrauen zusammen und fuhr schließlich wieder fort über seinen
Oberkörper zu streicheln. Sein Brustkorb hob und senkte sich in stetigen
Abständen. „Nur noch ein bisschen.“ schnaufte sie nach einigen Minuten und rieb
ihre Stirn an seiner Halsbeuge. Sie betrachtete seinen Hals kurz und hielt inne
bevor sie ihm einen kleinen Kuss aufs Schlüsselbein drückte.
„Du hast mir gefehlt.“
gestand sie, ihre Stimme war kaum mehr ein Flüstern doch sie wusste er hatte es
gehört. An ihrem Kopf spürte sie wie seine Lippen sich zu einem Lächeln
verzogen. Dann küsste er sie auf die Stirn und blieb dort für einige Sekunden.
Ein Räuspern folgte der
Stille und er bewegte sich an ihrer Seite, drehte sich einmal um und lehnte
seinen Kopf gegen seine rechte Hand. Sein Blick wanderte über ihren nackten
Körper und sie spürte wie die Haut ihres Gesichts wieder heiß wurde. „Ich
dachte nicht, dass ich dich jemals wieder so sehen würde.“ hauchte er demütig
und ließ seine Finger über ihre Seite wandern, über ihre Schulter bis zu ihrer
Taille. Sie legte den Kopf schief und verlor sich in dem Ausdruck seines
Gesichts. Er sah sie an, als wäre sie das Schönste, das er je gesehen hatte.
Nach vielen langen Minuten begegnete er schließlich wieder ihrem Blick und er
biss sich auf die Unterlippe. „Du bist so verflucht perfekt.“ sagte er und
seine Stimme war mehr ein Raunen.
Mit einem tiefen Atemzug
rutschte sie näher zu ihm und legte ihr rechtes Bein über seine Hüfte. Ihren
Kopf vergrub sie unter seinem Kinn und schloss langsam die Augen. „Wo warst du
eigentlich letztes Jahr?“ flüsterte sie gegen seine Haut und vergrub ihre Nase
in seiner Halsbeuge. Sie liebte es wie er dort duftete, es war roch nach Rauch,
Shampoo und Leder.
Sie spürte wie sein Körper
sich etwas versteifte und er gedankenverloren durch ihre Haare strich. „Ist das
wichtig?“ wollte er schließlich wissen, während er einen Kuss auf ihr Haupt
drückte. „Ich bin hier.“
Als er daraufhin nichts mehr
sagte rückte sie einige Zentimeter zurück und blickte in seine Augen, die sie
direkt ansahen. „Für mich ist es wichtig.“ lächelte sie und strich über seine
Wange. Wie so oft fanden ihre Finger sofort den Weg in seine Haare und sie ließ
die kleinen blonden Locken durch ihre Fingerkuppen wandern.
„Ich war mal hier mal dort,
nichts Weltbewegendes wirklich.“ schnaufte er und sein Gesicht spannte sich
etwas an. Da sie ihn weiterhin durchdringend ansah lehnte er sich schließlich
nach hinten und beugte sich rückwärts zum Boden. Nach einigen Sekunden holte er
seinen Mantel auf das Bett und vergrub seine Hand in der Seitentasche.
„Spike.“ seufzte sie und
lehnte sich gegen ihren Arm. Er setzte sich auf dem Bett auf und nahm eine
Zigarette zwischen die Lippen. Er warf ihr einen kurzen Blick zu bevor er sein
Zippo öffnete und sie anzündete. Ein tiefer Atemzug folgte der Stille und er
blies den Rauch über ihren Körper hinweg.
„Was ist das mit uns Buffy?“
fragte er nach einigen Minuten, legte sein Kinn auf sein rechtes Knie und
vergrub sein Gesicht bis zu den Augen hinter seinem Arm. Sie sahen sich einige
Momente schweigend an, bis Buffy sich schließlich aufsetzte und nach dem BH
tastete, der neben dem Bett lag. Wortlos beobachtete er wie sie sich anzog und
zog mit einem Seufzen von der halb abgebrannten Zigarette.
„Versteh mich nicht falsch,
Liebes.“ sagte er mit einem Zug von der Zigarette. „Du weißt ich will dich.“
lächelte er sie an, als sie zu ihm aufblickte. „Aber ich weiß nicht ob ich in
die Zeit vor zwei Jahren zurück möchte.“ flüsterte er und lehnte sich, immer
noch völlig nackt, zurück gegen das Bettgestell. Die Zigarette drückte er im
Aschenbecher auf dem Schrank neben dem Bett aus.
„Ich werde es ihnen sagen.“
sagte Buffy nach einigen Sekunden zögerlich während sie ihre Jeans zuknöpfte.
Sie betrachtete ihn aufmerksam als er eine Augenbraue überrascht in die Höhe
zog. „Wirst du?“ schnaufte er erstaunt.
„Ja, wenn der richtige
Augenblick da ist.“ nickte sie und setzte sich auf die Bettkante. Sie drehte
den schwarzen Pullover in ihrem Schoß einige Male herum, bevor sie ihn sich
über den Kopf zog und durch die Ärmel schlupfte. Dann stand sie wieder auf und
zog ihn bis zu ihrer Hüfte.
„Buffy.“ lachte er leise und
als sie sich umdrehte, hatte er eine Hand über das Gesicht gelegt. „Den wird es
niemals geben.“ Seine Schultern zogen sich angestrengt nach oben und er strich
sich mit Nachdruck über die Stirn. „Du weißt genauso wie ich, dass zumindest
Rupert und Harris das niemals gutheißen werden.“ Schließlich legte er die Hand
wieder auf das Bett und richtete sich auf ohne sie anzusehen. Er bückte sich
schnell, hob seine schwarze Jeans auf und zog sie hastig an. Als er den Knopf
zugemacht hatte drehte er sich wieder um. „Außerdem weißt du selber nicht was
du willst.“
„Hör auf.“ schüttelte sie den
Kopf und ging um das Bett herum. „Wieso müssen wir das jetzt sofort
besprechen.“ fragte sie leise als sie vor ihm stand. Er hatte sich zur Seite
gebeugt und hob das dunkelgraue T-Shirt vom Vortag auf. „Ich weiß gern woran
ich bin, Liebes.“ stellte er mit einem Achselzucken fest, bevor er seinen Kopf
durch das Loch des Oberteils schob und die Hände durch die Ärmel steckte.
Dann schwieg er. Sein Blick
traf ihren und sie konnte deutlich sehen dass er mit sich kämpfte. Schließlich
legte er seine Finger auf ihre Schultern und er nahm einen tiefen Atemzug. „Und
du solltest auch wissen, woran du bist.“ Seine Stimme war kaum zu hören, sie
wirkte brüchig und in diesem Moment wusste sie, dass etwas nicht stimmte.
Verwundert sah sie in seine Augen, doch er begegnete ihrem Blick nicht. Stattdessen
starrte er auf seine Füße.
„Was hast du getan?“
flüsterte sie und wandte sich etwas nach unten, um seine Augen sehen zu können.
Er versteckte seine Gefühle für gewöhnlich nicht. Er war das wandelnde Beispiel
des Sprichwortes ‚Das Herz auf der Zunge tragen’. Doch er sah nicht auf,
blickte nur weiterhin auf den Boden und sie konnte lediglich sehen wie sein
Kiefer sich zusammenzog. Ihre Gedanken sprangen hin und her, sie standen sich
gegenüber und keiner bewegte sich auch nur einen Zentimeter. In der Stille
hörte sie wie kleine Tropfen an die Fensterscheiben im oberen Bereich der Gruft
prasselten und spürte wie der Duft von Regen sich ausbreitete.
Als er schließlich nach einer
kleinen Ewigkeit plötzlich aufsah erschrak sie beinahe. Die Bewegung war
unerwartet und er zog sie etwas näher zu sich, als bräuchte er selbst den Halt
um sprechen zu können. Was sie am meisten erschreckte waren seine Augen. Sie
wirkten leer und ausdruckslos. Jede Faser seines Gesichts war angespannt und je
länger er sie auf diese Weise ansah, desto sicherer wusste sie, dass das was er
ihr sagen würde womöglich alles kaputt machen könnte.
„Ich hab’ sie getötet.“ sagte
er schließlich, seine Stimme war so leise, dass sie Probleme hatte ihn zu
verstehen. „Die Ärzte, die mir den Chip entfernt haben.“ sprach er weiter, die
Tonlage blieb die gleiche. Ruhig, gefasst und voller Reue. Sie spürte wie
schwer es ihm fiel davon zu erzählen. „Sie waren die Einzigen.“ fügte er hinzu
und sein rechter Arm fiel in einer Bewegung von ihrer Schulter. „Es waren
fünf.“ atmete er tief ein, sein Gesicht verzog sich bei dem Gedanken. „Vier
Männer und eine Frau.“
Sein Blick verließ ihren
nicht und sie starrte nur zurück. Sie konnte nicht weg sehen, obwohl sie es
wollte. „Ich hab sie abgeschlachtet wie Tiere.“ Mit diesem Satz fiel auch der
andere Arm von ihrem Körper und er ließ beide schlaff neben seinem Oberkörper
hängen. Seine Schultern senkten sich ein Stück und schließlich konnte er sie
auch nicht mehr ansehen und starrte stattdessen auf den Boden. „Danach hab’ ich
mich vier Monate von Ratten ernährt.“
Als sie nichts sagte und ihn
nur mit großen Augen anstarrte, griff er schließlich nach seinem Mantel und zog
ihn an. Mit der linken Hand strich er sich durch die Haare und schüttelte den
Kopf, als würde er die Erinnerungen gerne loswerden. „Ich schätze mal das war’s
dann.“ nickte er lächelnd und holte die kleine Packung Marlboro aus der
Manteltasche. Doch statt eine Zigarette heraus zu holen ließ er sie auf den
Boden fallen.
Dann sah er sie an und verzog
sein Gesicht gequält. Und als sie sah wie seine Hände zu zittern begannen,
befreite sie sich aus ihrer Starre. „Du dummer Vampir.“ schüttelte sie den Kopf
und ging mit drei schnellen Schritten auf ihn zu, um ihn noch rechtzeitig in
die Arme nehmen zu können, bevor er auf die Knie sank und ein letztes Mal die
Taten eines Mannes beweinte, den es nun nicht mehr gab.
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„Hey Leute.“ sagte Buffy als
sie einige Stunden später in die Magic Box kam. „Was gibt es Neues von der
Front?“ Ihre Stimme klang fröhlich und unbesorgt, während sie die zwei kleinen
Stufen vom Eingang hinab lief und sich vor den runden Tisch stellte.
„Der Weltuntergang.“ murmelte
Xander während er seinen Kopf in eines der drei riesigen Bücherregale auf der
linken Seite des Ladens steckte. Mit großen Augen warf Buffy einen Blick zu
Willow, die vor ihr am Tisch saß und bei Xanders Worten von ihrem Buch
aufgesehen hatte. Ein trauriges Nicken folgte von der Rothaarigen und Buffys
linke Hand flog mit einem dumpfen Geräusch auf die glatte Oberfläche des
Holztisches. „Nun kommt schon.“ stöhnte sie genervt und ließ sich auf einen der
freien Stühle sinken.
Sie legte ihre Stirn auf
ihren rechten Arm und schloss die Augen. „Nicht schon wieder.“ jammerte sie
leise und atmete einmal tief durch bevor sie wieder aufblickte.
„Der Dämon, den Spike gestern
getötet hat gehört zu einer Truppe, die scheinbar dafür angeheuert wurde ein
Ritual zu schützen, das - wie ich vermute - den Weltuntergang bringt.“ erklärte
Giles schließlich mit ruhiger Stimme, als er hinter einem der großen Regale
hervor kam. Leise setzte er sich neben seine Jägerin und öffnete ein Buch an
der Stelle in der sein Finger steckte. Als sie aufgeblickt hatte deutete er auf
eine schwarz-weiße Zeichnung.
„Das ist er doch, oder?“
fragte er und strich über die Seite. Ein großer, schuppiger Riese mit starken,
muskulösen Armen war darauf abgebildet. Auf der Stirn steckte ein sechseckiger
dunkler Stein in der Haut. Über der Zeichnung stand in großer Schrift LEASHEK.
„Mhm.“ nickte Buffy kaum
sehbar und betrachtete das Bild aufmerksam. Der Mund der Kreatur war weit
aufgerissen und die Augen blitzten wütend. Seine riesigen Hände waren zu zwei
großen Fäusten geballt, die er weit von sich wegstreckte. Sie erinnerte sich
noch sehr lebhaft daran, welche Kraft dahinter steckte.
„Wo warst du eigentlich so
lange?“ unterbrach Willow ihre Gedanken und Buffy sah verwirrt auf. „Auf
Patroullie?“ antwortete sie und starrte ihre Freundin an, die sie aufmerksam
betrachtete. Die Lippen der Rothaarigen öffneten sich für einen Moment, doch
schließlich schloss sie sie wieder und sah mit einem Seufzen auf ihr Buch
zurück.
„Buffy ich möchte, dass du
dich morgen mit Spike in den Fabriken und Lagerhäusern am Hafen umsiehst."
murmelte Giles gedankenverloren, während er eine Seite in einem anderen Buch
auf seinem Schoß umblätterte. „Ich denke sie werden einige Dinge für dieses
Ritual brauchen und die Gebäude stehen momentan leer.“ fuhr er fort und sah für
einen Moment auf. Buffy nickte schweigend, sah aber immer noch auf das Bild vor
sich.
„In Ordnung.“ biss sie sich
auf die Unterlippe und griff nach dem Deckel des Buches. Dann schlug sie es zu
und lehnte sich zurück. Einige Minuten starrte sie einfach ins Nichts, lauschte
dem Geräusch von umgeblätterten Seiten und Xanders inhaltslosem Gemurmel am
anderen Ende des Raumes. Sie überlegte ob sie Giles von Spikes Geständnis
erzählen sollte, doch sie entschloss sich dagegen. Es war mehr als deutlich
gewesen wie sehr er es bereute, selbst ohne Seele. Also stand sie letztendlich
auf, warf Willow ein mattes Lächeln zu und drehte sich um. „Ich denke ich werde
schlafen gehen.“ sagte sie leise und zog den Gürtel ihres Mantels fester. „Wir
sehen uns ja dann morgen.“
„Ich komm’ später nach.“ rief
Willow ihr hinterher als die kleine Glocke über der Tür des Ladens läutete,
doch Buffy war bereits verschwunden. Mit einem Seufzen senkte Willow ihre
Schultern und beobachtete wie die Tür langsam ins Schloss fiel.
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Ihre Hand fiel auf die
silberne Armatur der Dusche. Als sie daran drehte fiel das heiße Wasser auf
ihre kalte Haut. Sie spürte wie Tränen sich unter ihren Wimpern bildeten und
schloss die Augen. Das Wasser lief über ihre Haare und sie fielen in dicken
Strähnen vor ihr Gesicht als sie ihren Kopf nach vorne beugte. Schnell bildete sich Dunst in der
Duschkabine und hüllte sie in eine wohlige Wärme ein.
Mit einer Hand griff sie nach
einer kleinen Flasche auf dem silbernen Gitter in der Ecke der Dusche. Mit
einem Knacken öffnete sie den Deckel und ließ die weißgelbe Seifenlauge auf
ihre Hand tropfen. Der
Schaum des Duschgels bildete Schlieren auf ihrer Haut als sie es einmassierte.
Mit einem leisen Seufzen nahm sie den Duschkopf in die Hand und wusch sie mit
dem dampfenden Wasserstrahl ab.
Dann hängte sie ihn wieder zurück in die Halterung an der Wand und richtete
ihr Gesicht nach oben um dem Wasser zu begegnen. Der Druck des Strahls machte
es ihr schwer zu atmen und nach einigen Sekunden blickte sie verloren zur
Seite. Ein Zittern durchfuhr ihren Körper und sie schniefte einmal leise in
einem hoffnungslosen Versuch, wieder normal Luft zu bekommen.
Als sie
die Augen öffnete und an ihrem Körper herunter blickte trat ein lautes
Schluchzen über ihre Lippen und sie ließ sich langsam an den kalten Fliesen
herabsinken. Ein erstickter Laut drang aus seiner Kehle und sie spürte wie ihre
Augen zu schwimmen begannen, sie liefen über und einige Tränen flossen über
ihre Wangen. Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und kreuzte ihre Beine vor
ihrem nackten Körper.
Das
Wasser fiel in klaren Fäden auf sie herab, heiß und wärmend und sie schloss
ihre Augen. Tiefe, kurze Atemzüge durchzuckten ihren Körper und sie umklammerte
ihre Beine schließlich, legte den Kopf seitlich auf ihre Knie und schloss die
Augen.
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„Buffy?“ hörte sie eine
Stimme vor der Türe und sie öffnete verwirrt die Augen. Dicke Tropfen liefen
über ihren Körper, eiskalt und fremd. Sie schüttelte den Kopf für einen Moment
und sah an sich hinab. „Buffy, bist du da drin?“ fragte Willow, nun etwas lauter
und Buffy richtete sich stöhnend auf. Ihre Arme waren mit einer leichten
Gänsehaut überzogen und sie zitterte ein wenig als sie den Wasserregler
zudrehte.
„Mach doch bitte auf, du bist
schon seit Stunden da drin!“ rief ihre Freundin wieder, diesmal sehr laut und
wütend.
Schweigend griff Buffy nach
einem der Handtücher die über einer Halterung an der anderen Seite der Wand
hingen. Seufzend wickelte sie ihren Körper damit ein ohne sich abzutrocknen.
Sie warf einen kurzen Blick in den Spiegel und strich sich durch die Haare,
bevor sie die Türe öffnete. Eine Faust kam ihr entgegen, doch Willow reagierte
sofort als Buffy sich vor sie stellte. „Hey.“ sagte sie etwas perplex und sah
die Blonde skeptisch an. „Alles okay?“ wollte sie wissen, doch Buffy nickte nur
leicht und ging an ihr vorbei.
„Buffy?“ rief sie hinterher
doch nur das Zufallen der Türe kam als Antwort zurück. Mit einem Augenrollen
lehnte sich Willow gegen den Türrahmen des Badezimmers und strich sich durch
die schulterlangen Haare. Ihr Blick war traurig als sie wieder aufsah und sie
blieb einen Moment lang stehen, bevor sie schließlich langsam zu der Zimmertür
ihrer Freundin lief. Sie klopfte kurz an, wartete einige Minuten und öffnete
die Türe schließlich unaufgefordert für einen Spalt. Vorsichtig lugte sie in
das Zimmer und sah ihre Freundin im Schlafanzug auf der Matratze sitzen.
Schweigend öffnete sie die
Türe nun ganz und schloss sie leise hinter sich als sie im Raum stand. Dann
ging sie auf das Bett zu und setzte sich ohne zu zögern neben sie. „Was ist
denn los?“ flüsterte sie sanft und nahm Buffys linke Hand in ihre. Mit ihrem
Daumen strich sie beruhigend über ihren Handrücken und suchte ihren Blick. Doch
Buffy sah nur auf ihre Beine und ihr Blick wirkte leer und ausdruckslos.
„Ich weiß, dass ich nicht
immer für dich da war.“ begann die Rothaarige schließlich als Buffy keine
Reaktion zeigte. Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen und sie atmete
tief ein. „Aber ich bin jetzt hier und du kannst mir alles sagen.“ Sie
streichelte nachdrücklich über Buffys Handrücken und legte den Kopf schief. „So
wie früher.“
Schließlich sah Buffy leicht
auf, nahm ihre Hand aus Willows Griff und legte sie flach auf die weiche
Matratze. Ein tiefer Atemzug folgte und sie streckte ihren Rücken ein wenig
durch. „Spike hat vergangenes Jahr die Ärzte getötet, die seinen Chip entfernt
haben.“ sagte sie ruhig, ihre Stimme klang etwas heißer und Willow zog ihre
Augenbrauen zusammen, bei dem Gedanken dass sie geweint haben musste.
Sie schwieg einen Moment und
dachte über das nach, was Buffy gesagt hatte. Dann stützte sie ihre Ellbogen
auf ihren Knien ab und begegnete dem Blick ihrer Freundin. „Du musst es Giles
sagen.“ flüsterte sie und beobachtete wie Buffy leicht nickte. Doch dann wurde
ihr Gesicht traurig und sie fuhr sich mit der rechten Hand über das Gesicht,
verweilte auf ihrer Stirn und strich dann durch ihre nassen Haare. „Willow.“
wimmerte sie und Willow sah wie ihre Augen glasig wurden. „Ich glaube ich liebe
ihn.“ Ihre Hand wanderte wieder nach vorne und verdeckte ihre Augen noch bevor
sie die Worte ausgesprochen hatte.
„Oh.“ war das Einzige, das
sie in diesem Moment heraus brachte und sie verweilte einige Sekunden
regungslos in dieser Position um das Gesagte zu verarbeiten. „Das verändert
alles.“ stieß sie schließlich etwas piepsiger und lauter aus, als sie es
geplant hatte und sie warf Buffy einen entschuldigenden Blick zu. Doch Buffy
lächelte nur und sah Willow mit großen Augen an. „Glaubst du für mich ist das
nicht seltsam?“ seufzte sie und lehnte sich schließlich gegen die Wand hinter
ihrem Bett.
„Ich meine... es ist Spike.“
lachte Buffy leise und schüttelte den Kopf bei dem Gedanken. Sie sah Willow
direkt an und zuckte nach einigen Sekunden mit den Schultern. Dann strich sie
sich wieder über das Gesicht, fuhr mit ihren Fingerspitzen über ihre Wangen,
ihre Schläfen und verweilte an ihrem Haaransatz. Sie spürte wie ihre Augen
feucht wurden als sie Willows Blick analysierte, der zwischen ängstlich und
gerührt hin und her schwankte. „Du bist nicht angewidert?“ flüsterte sie und
starrte ihre Freundin ungläubig an. Und als Willow energisch den Kopf
schüttelte schlich sich ein Lächeln auf Buffys Lippen.
„Buffy, natürlich nicht.“
legte Willow den Kopf schief und rutschte ein wenig auf die Blonde zu. Erneut
griff sie nach ihren Händen und dieses Mal ließ Buffy sie dort liegen. „Solange
du ehrlich zu mir bist, werde ich über nichts urteilen, was dich glücklich
macht.“ schniefte die Rothaarige und schenkte ihrer Freundin ein gutmütiges
Lächeln. „Du bist meine beste Freundin.“
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Es war am Nachmittag des
nächsten Tages als sich die Tür zu Spikes Gruft mit einem leisen Quietschen
langsam öffnete. Er drehte sich nicht um, um zu sehen wer es war. Es gab nur
wenige Personen die ihn besuchten... und nur eine Einzige, die es seit neuestem
tagsüber tat. Er ließ die Fernbedienung ruhig in seiner Hand hin und her
wackeln, während er weiterhin starr auf das schwarz-weiß Bild des Fernsehers
blickte. In seiner linken Hand hielt er ein rundes Glas, das bis zur Hälfte mit
Blut gefüllt war. Er schwenkte den Inhalt einen Moment hin und her, bevor er
das Glas an seine Lippen führte und zwei große Schlücke trank.
Er konnte ihre Schritte
hören, nachdem sie die Türe wieder geschlossen hatte. Sie ging in die Mitte der
Krypta und blieb schließlich bei dem Sarkophag stehen. Seufzend lauschte er
ihrem schnellen Herzschlag und er legte seinen Kopf ein wenig schief. „Was
willst du noch hier.“ murmelte er ohne sie anzusehen. Doch er hob die
Fernbedienung in die Richtung des kleinen schwarzen Kastens auf dem grauen
Tisch in der Ecke des Raumes und drückte den kleinen roten Knopf. Das Bild
erlosch und schließlich war nur noch das Vogelgezwitscher von außerhalb der
Gruft zu hören.
Mit einem genervten Stöhnen
ließ er sich weiter in den Sessel sinken und legte den Kopf in den Nacken, so
dass er direkt zur Decke sah. Er verweilte für einige Momente bei dem rissigen
Grau der großen Steinplatte, bis er seinen Kopf zu Seite neigte und ihn auf dem
Sitzpolster ablegte. Er begegnete ihrem Blick für einen Moment, als er aufsah
neigte sie jedoch ihren Kopf und starrte stattdessen auf ihre Füße. Sie war
gegen den großen Sarkophag in der Mitte der Krypta gelehnt und ihre Hände
umfassten ihre Oberarme. Er atmete lautstark aus und starrte wieder zum
Fernseher vor sich. Er setzte das Glas erneut an seinem Mund an und warf seinen
Kopf etwas nach hinten um den restlichen Inhalt in einem großen Schluck
hinunterzuschütten. Mit einem lauten Knall stellte er es auf dem kleinen Tisch
neben dem Sessel ab und richtete sich mit einer schnellen Bewegung auf.
Er fuhr sich durch die Haare
und betrachtete das Loch im Boden. Für einen Moment überlegte er einfach
hinunter zu gehen, um ihr zu zeigen was er davon hielt, dass sie hier
auftauchte und einfach nichts sagte. Doch er verwarf die Idee mit einem kleinen
Seufzen und drehte sich schließlich mit gesenkten Schultern zu ihr um. „Was
willst du Jägerin?“
Schließlich sah sie wieder
auf und blickte ihn durch ihre langen Wimpern an. Das dumpfe Licht in seiner
Gruft überschattete ihr Gesicht etwas, aber hätte er schwören müssen hätte er
gesagt dass sie errötete. Verwundert zog er eine Augenbraue in die Höhe und sah
sie nachdenklich an.
„Wieso hast du das getan
Spike?“ flüsterte sie und die rosane Farbe auf ihren
Wangen war verschwunden. Er seufzte wieder und verzog seinen Mund missmutig. Er
ging langsam zur anderen Seite der Gruft, wo sein Mantel auf der Oberfläche des
kleinen Kühlschranks lag. Als er das schwarze Leder aufgehoben hatte sah er sie
wieder an und atmete einmal tief ein, bevor er die Luft geräuschvoll ausstieß.
„Ich bin seit
hundertzweiundzwanzig Jahren ein Vampir, Buffy.“ setzte er an, griff mit der
linken Hand in die obere Manteltasche und zog die kleine rot-weiße Packung
heraus. „Vor vier Jahren wollte ich nichts anderes, als diesen Chip loswerden,
um wieder menschliches Blut schmecken zu können.“ Er stoppte für einen Moment
und überdachte seine Worte. „Um wieder ich selbst zu sein.“ korrigierte er mit
einem Lächeln und klappte sein Zippo auf.
„Und dann warst da du.“ nickte
er kaum merklich und zündete die Zigarette an. Ein tiefer Zug folgte und er
blies den Rauch in einer hauchdünnen Spur in den steinernen Raum hinein. „Du
hast mich völlig verändert. Zwei Jahre lang wollte ich um jeden Preis etwas
werden, das du lieben könntest.“ Ein kleines Kopfschütteln folgte dem Gesagten
und er lächelte bitter. „Nun und dann.“ lachte er leise, zog stark an dem
beigen Filter und starrte zur Decke. Sein Kiefer verkrampfte sich sehbar und er
ließ seinen Kopf gegen die Wand fallen. „Und dann hätte ich dich beinahe...“
Seine Stimme war plötzlich sehr leise und er beendete den Satz nicht.
Für einen Augenblick trat
Stille in den Raum, Spike zog noch zwei Mal von der glühenden Rolle, bevor er
sie auf den Boden warf und achtlos austrat. Dann sah er auf und war erstaunt,
dass sie ihn immer noch völlig ruhig ansah. „Ich bin kein komplizierter Mann,
Buffy.“ lächelte er matt und strich sich mit der rechten Hand durch die Haare.
„Ich dachte, wenn ich es nicht einmal schaffe dir nicht weh zu tun, könnte ich
genauso gut dorthin zurückkehren wo ich hergekommen bin.“
Er sah wie sie stumm nickte
und ihren Blick abwandte. Seine Fingerspitzen glitten durch seine kurzen Locken
er lehnte sich mit dem Rücken wieder zurück. „Für einen Moment dachte ich auch,
dass alles wieder wie früher sei.“ erinnerte er sich daran, wie er den ersten
Schlag in dem Magen des kleinen Arztes gelandet hatte. „Aber als sie zu meinen
Füßen lagen...“ Er stoppte wieder und seine Hand wanderte zu seinem Gesicht und
verdeckte seine Augen. „Ich wollte nicht mehr dieser Mann sein. Ich wollte
etwas Besseres sein. Nicht nur deinetwegen.“ Ein kleines Lächeln huschte über
seine Lippen und er legte seinen Kopf schief, als er schließlich wieder aufsah.
Sie starrte immer noch auf ihre Füße, ihre Hände lagen inzwischen seitlich auf
dem Sarkophag hinter sich. Seine Lider senkten sich langsam und er schloss die
Augen. „Ich weiß das spielt alles keine Rolle, aber-“
„Natürlich tut es das.“
unterbrach sie ihn mit nüchterner Stimme. Sie blickte nicht auf doch sie atmete
lautstark ein und strich sich mit der linken Hand mit viel Druck über die
Stirn. Erst nach einigen Minuten unterbrach sie diese Bewegung und stieß sich
von dem Steinsarg ab. Skeptisch beobachtete er wie sie auf ihn zugelaufen kam
und legte den Kopf mit zusammengezogenen Augenbrauen zur Seite. Sie stoppte
nicht in ihren Schritten und hielt erst inne als sie nicht einmal mehr eine
Fußlänge von ihm entfernt war. Wie selbstverständlich griff sie nach seiner
Hand und er konnte sehen wie ihre Augen funkelten, als sie mit ihrem Daumen
über seine Finger streichelte.
Dann sah sie auf, direkt in
seine Augen und ihr Blick traf ihn unerwartet. Er war fest davon ausgegangen,
dass sie ihn angewidert und enttäuscht ansehen würde, doch sie war weit davon
entfernt. Noch nie hatte er diesen Ausdruck in ihrem Gesicht gesehen, so
offensichtlich, so bereitwillig und so deutlich und klar. „Buffy.“ hauchte er
ihren Namen demütig gegen ihr Gesicht und die Intensität ihrer Augen ließ ihn
etwas wanken. Ein trauriges Lächeln huschte über ihre Lippen und ihre Finger
fanden langsam ihren Weg über seine Brust, zu seinem Hals und bis zu seiner
Wange. Dort ließ sie ihre Finger auf seinen Knochen tanzen, umfuhr jede
markante Stelle seines Gesichts mit absoluter Hingabe.
Als sie sich scheu auf die
Unterlippe biss, beschloss er es war das absolut Hinreißendste, das er je
gesehen hatte, doch er irrte sich. Sie ging den letzten Schritt auf ihn zu,
stellte sich auf ihre Zehen und legte ihre Stirn auf seine eigene. Ihre Augen waren
direkt vor seinen und sie atmete seinen Duft tief ein. Dann öffnete sie ihren
Mund einen kleinen Spalt... und wäre es möglich... er war sich ganz sicher,
dass sein totes Herz in diesem Moment wieder anfangen würde zu schlagen.
„Ich liebe dich.“ hauchte sie
gegen seine Lippen und für den Bruchteil einer Sekunde war er wirklich
überrascht wie deutlich und laut sie es letztendlich hatte aussprechen konnte.
Dann schien sein Gehirn völlig abzuschalten und er spürte wie seine Augen nass
wurden. Er konnte es nicht kontrollieren, war nicht mehr Herr seines Körpers.
Ein Zucken durchfuhr seine Glieder und er riss seine Lider weit auf. Er wusste
nicht, wie er sie in diesem Moment ansah. Wusste nicht ob er überhaupt reagiert
hatte, doch als er sah wie sich ihr Mund zu einem breiten Lächeln verzog
schloss er angestrengt die Augen. Durch die Bewegung lösten sich einige Tränen
von seinen Wimpern und er wollte den Kopf etwas beschämt zur Seite drehen, doch
selbst das versagte ihm seine Motorik.
Dann spürte er ihre Lippen
auf seinem Mund und er schnappte aus seiner Starre. Er legte seine Hände auf
ihre Taille und zog sie zu sich. Wie ein Ertrinkender klammerte er sich an sie,
verlor sich in dem süßen Duft ihrer Haut und seufzte bei dem Gefühl ihrer Zunge
an seinen Lippen.
Er konnte hören wie sie die
drei kleinen Worte immer wieder flüsterte, während sie sich verlangend küssten.
Er verlor sich völlig in ihrer Stimme, schaltete alles andere einfach aus und
gestatte es sich, sich für einige süße Augenblicke einfach nur in dem
Bewusstsein fallen zu lassen, dass seine Jägerin ihn liebte.
Teil 4 – Die richtige Chemie
Sie lachte leise, wie sie es
in den letzten Stunden beinahe regelmäßig getan hatte, seit sie beieinander
waren. Allein die körperliche Nähe hatte provokativen Charakter. Diese Blicke.
Lauernd. Misstrauisch. Und obwohl sie seit geraumer Zeit nackt waren, benahm er
sich so beherrscht wie deutsche Eiche und insgesamt gesehen genau so, wie sie
es in dieser Nacht nicht gewollt hatte – auf den ersten Blick. Auf den zweiten
Blick waren diese Gedanken völlig gleichgültig und sie wollte wirklich einfach
nur mit ihm schlafen. Besonders dann wenn er ohne jede Vorwarnung und meist
mitten in einem Satz irgendeinen unanständigen Kommentar über die kommenden
Tage losließ, ohne sich in Grammatik oder Sprachfluss zu verwirren.
Sie hatte wirklich angenommen
eine etwas größere Belohnung für das längst fällige Geständnis zu bekommen.
Doch er dachte scheinbar gar nicht daran sich an ihr zu vergehen, sagte ihr
stattdessen nur immer und immer wieder wie sehr er sie liebte. Und sie
antwortete ihm immer wieder mit denselben Worten und musste sofort Lächeln,
wenn er sie mit diesem verträumten Blick ansah. Sie war sich ziemlich sicher,
dass sie ihn noch niemals so glücklich gesehen hatte, so ausgeglichen. Er sah
aus wie ein vierjähriger Junge, dessen Mutter ihm gerade seinen Lieblingskuchen
gebacken hatte.
„Ich liebe es wie du mich
ansiehst.“ seufzte er leise und rollte sich ein wenig zur Seite, um näher bei
ihr zu liegen. In seiner Stimme schwang der stabile Unterton eines
ausgewachsenen Selbstbewusstseins. Und sie stand ihm in nichts nach. Vielleicht
war es diese eigentlich unmögliche Ähnlichkeit zwischen ihnen. Zumindest in
ihren Grundstrukturen. Sie war sonst ebenfalls beherrscht. Nicht wie deutsche
Eiche, eher wie Meg Ryan. Aber beherrscht.
Und nachts... nachts war sie
die teuerste Hure der Welt gewesen. Sie sich leisten zu wollen hatte für ihn
bedeutet, mindestens ein Stück des eigenen Selbst bei ihr zurück zu lassen und gleichzeitig
alle Liebe zu geben, die er hatte. Es hatte nicht wehgetan in diesen Momenten.
Sie war mit der Zeit geübt darin geworden, sacht, ja beinahe zärtlich einen
kleinen aber maßgeblichen Teil aus ihm heraus zu lösen. Es hatte ihn auch nicht
gestört, wenn er die Aussicht auf eine kleine Gegenleistung hatte – selbst wenn
diese nur aus ihrer reinen, körperlichen Anwesenheit bestand. Er hatte erst
gespürt, dass etwas fehlte, als er weit fort von ihr gewesen war.
„Sollen wir Kerzen anmachen?
Es wird schon dunkel.“ holte sie ihn aus diesen dunklen Gedanken und ein
breites Schmunzeln erschien auf ihrem Gesicht. Er stimmte augenblicklich in
dieses Minenspiel ein. Mit pedantischer Genauigkeit musterte er ihren Ausdruck
und verfing sich schließlich in dem Grün ihrer Augen.
Er hatte schon immer gewusst,
dass sie beide von der gleichen Art waren. So konnte man es ausdrücken.
Normalerweise waren sie dazu geschaffen, rastlos umher zu wandern. Die Welt zu
erobern. Doch wenn sie einmal liebten, liebten sie.
Doch das alles rechtfertigte
ihre Beziehung in keinster Weise. Schließlich war sie die Jägerin und dass sie
und er sich begegneten und drohten, aneinander hängen zu bleiben, war
sicherlich nicht geplant gewesen. Das stand einfach nicht im Drehbuch. Und in
gewisser Weise wusste er, dass sie sich beide darüber durchaus bewusst waren.
Man richtete nicht zwei Waffen aufeinander, insofern man niemanden verletzen
wollte. Das war unlogisch und nicht effektiv. Aber vielleicht mussten sie sich
auch überhaupt nicht rechtfertigen. Liebe war nicht planbar.
„Ist dir kalt?“ fragte er zum
zweiten Mal. Ihr Rücken lag direkt an seinen Bauch gelehnt. „Ist dir
langweilig?“ erwidert sie trocken. Beide grinsten. Diese Spielchen machten
keinen Spaß mit einem ebenbürtigen Gegner. Nun lagen sie also wieder da. Auf
dem eisigen Boden in seiner Gruft. Völlig nackt und nur von den uralten
Teppichen überdeckt. Eine schwache Reminiszenz an die Vergangenheit. Außer dass
er es dieses Mal dabei beließ Küsse über ihre Haut zu verteilen und jeden Millimeter
ihres Körpers zu studieren. Es dämmerte. Und all das Gezirpe ringsum schrammte
die Schallgrenze zur Lärmbelästigung, quer durch das angenehme Schweigen.
Normalerweise würde sie sich in einem gekünstelten Strecken zurücksinken
lassen. Sich etwas winden, räkeln und sein Gehirn in Zusammenarbeit mit seinen
Instinkten ausschalten. Ihm ihren Körper präsentieren wie einen Köder. Nichts
anderes. Sie tat es nicht. Lag nur da und setzte sich seinen Blicken mit
absolutem Vertrauen aus.
Und er? Normalerweise würde
er ihr jetzt erklären, dass er etwas so Bezauberndes wie sie noch nie erlebt
hatte. Dass ihr Äußeres beinahe aber nicht ganz an ihr hinreißendes Wesen
heranreichte, und das, wo sie doch die attraktivste Frau war, die er je gesehen
hatte. Ihr das Gefühl geben, er sei ihr vollkommen verfallen. Nicht mehr Herr
seiner selbst bei all den Dingen, die sie in ihm auslöste. Er tat es nicht. Es
genügte neben ihr zu liegen. Die Dinge die sie füreinander fühlten, lagen offen
vor ihnen. Keine Geheimnisse mehr. Liebesbekundungen waren in diesem Moment
unnötig.
„Ich hätte Lust dir meine
Zähne in den Hals zu graben.“ murmelte er so gelassen, als hätte er sie nach
dem Wetter gefragt. Sie hob ihre Augenbrauen verwundert an und drehte ihren
Kopf zur Seite um ihn besser ansehen zu können.
„Hunger?“ gab sie nach
einigen Sekunden unbeeindruckt zurück und wieder schwiegen sie eine Weile. Dann
stützte er sich etwas auf, streichelte mit seiner rechten Hand die Unterseite
ihres Arms entlang und lächelte ein wenig. „Also Buffy, was hast du dieses Jahr
so gemacht?“
„Erst du.“ schnaufte sie,
lehnte sich zurück und sah ihn an. „Wir waren bei Monat vier.“ erinnerte sie
ihn und strich mit einem Zeigefinger die Konturen seines Schlüsselbeins nach.
Er lehnte sich wieder auf den
Boden zurück und machte es sich bequem. „Ich hab’ zuerst gefragt, Liebes.
Außerdem ist meine Geschichte ab Monat vier ziemlich langweilig.“ Er grinste in
sich hinein und sie lachte. „Ich hab mein Studium wieder aufgenommen.“ Sie
schüttelte amüsiert den Kopf. „Giles hat mich dazu überredet und es war nicht
seine schlechteste Idee. Aber jetzt du. Ich erzähle nichts mehr, bis ich alles
von dir weiß... und wenn du dich auf den Kopf stellst.“
Ein lautes Lachen trat über
seine blassen Lippen und er sah sie amüsiert an. „Vielleicht, wenn ich dich
auf den Kopf stelle?“ provozierte er vergnügt und wackelte mit seiner linken
Augenbraue.
„Dazu müsstest du mich
anfassen.“ antwortete sie und lächelte zufrieden bei diesem Gedanken. Er
begegnete ihrem Blick mit gleicher Leichtigkeit und biss sich auf die
Unterlippe. „Ich denke das Opfer würde ich erbringen, Liebling.“ Mit diesen
Worten war er plötzlich verschwunden. Misstrauisch lehnte sie sich auf ihre
Ellbogen und griff mit der rechten Hand an den Rand des Teppichs um darunter zu
sehen. Doch bevor sie ihn ausfindig machen konnte, spürte sie eine kalte Zunge
an der Innenseite ihres rechten Oberschenkels und sie fiepte überrascht auf.
Ihr Kopf fiel wehrlos in den Nacken, als er einmal komplett über ihre Mitte
leckte.
„Touché.“ stöhnte sie tonlos,
nachdem er mit einem leisen Lachen zwei Finger in sie geschoben hatte.
-
Sie setzten sich gleichzeitig
auf das Sofa in der Mitte des Wohnzimmers. Unter Xanders argwöhnischem Blick griff
sie nach seiner Hand und verknotete ihre Finger fest mit seinen. „Wo sind
Willow und Dawn?“ fragte Buffy schließlich nervös. Ohne die Zwei, die sie wohl
als Einzige in Schutz nehmen würden, könnte sie unmöglich anfangen.
„Sie kommen gleich.“ murmelte
Giles, der aus der Küche angelaufen kam und sich mit einem skeptischen Blick in
einen der Sessel auf der anderen Seite des Wohnzimmertisches setzte.
„Schon da.“ kicherten Willow
und Dawn, während sie die Treppenstufen hinunter liefen. Buffy seufzte erleichtert
und zog mit ihrer anderen Hand ihren Pullover zurecht. Willow ließ ihre Hand
für einen Moment auf Xanders Schulter liegen, strich sanft darüber und setzte
sich dann schließlich mit einem kleinen Lächeln neben ihre Freundin. Dann
drehte sie ihren Kopf in die Richtung der Blonden und zwinkerte einige Male.
Buffy biss sich auf die Unterlippe und begegnete schließlich den wartenden
Blicken ihrer Freunde.
„Hhh...“
atmete sie lautstark aus und lehnte sich zurück ins Sofa. Mit einem Seufzen
neigte sie ihren Kopf zur Seite und verweilte für einige Sekunden in Spikes
blauen Augen. Ein schiefes Lächeln lag auf seinen blassen Lippen und sie spürte
wie sein Daumen über ihren Handrücken strich. „Wir können immer noch
durchbrennen, Liebes.“ lachte er leise und seine Augen blitzten bei dem
Gedanken amüsiert auf. „Was hälst du von Island?
Schön schattig.“ Sein Lachen wurde lauter, als sie ihn mit der freien Hand fest
in den Bauch boxte und ihm einen wütenden Blick zuwarf.
„Buffy.“ atmete Giles
geräuschvoll aus und schlug sein linkes Bein über das rechte. Xander hingegen
starrte nur gerade aus zu dem kleinen Tisch neben der Couch. Nach einigen
Sekunden räusperte sich Giles und als Buffy schließlich zu ihm aufsah, forderte
er sie mit einer kleinen Handbewegung dazu auf anzufangen.
„Okay, okay.“ piepste Buffy
etwas lauter als gewollt auf und ein nervöses Lächeln umspielte ihre Lippen.
„In diesem Jahr war ich ziemlich geschafft. Nach allem was passiert ist, war
es...“ Sie unterbrach sich und ihr Blick senkte sich etwas. „Ich meine, so
etwas geht nicht spurlos an einem vorbei.“ Für einen Augenblick sah sie zu
Willow auf und hasste sich sofort für das, was sie gerade gesagt hatte. Die
Augen der Rothaarigen waren glasig, doch sie lächelte mild.
„Mach schon weiter.“ flüsterte
sie mit dürrer Stimme und strich sich mit dem Zeigefinger kurz über die
Wimpern.
„Auf jeden Fall war ich eben
nicht sonderlich glücklich –“
„Du warst ein Wrack.“
unterbrach Giles ohne aufzusehen und zog stattdessen ein graues kleines Tuch
aus seiner Jackentasche. „Ich denke ‚nicht sonderlich glücklich’ ist etwas
unbedacht gewählt, du warst eine wandelnde Leiche, Buffy.“ lächelte er, doch es
erreichte nicht seine Augen. Diese waren ernst nach unten gerichtet und er
begann mit kleinen kreisenden Bewegungen die dicken Brillengläser zu polieren.
Spikes rechte Augenbraue zog
sich verwundert nach oben und er lehnte sich etwas nach vorne, um Buffy ansehen
zu können. Doch diese schüttelte nur leicht den Kopf und strich zwei Mal mit
dem Zeigefinger über seine Handinnenfläche.
„Gut, ich war am Boden.“
lächelte sie matt und atmete tief durch. „Ich habe Spike vermisst, mehr als ich
es für möglich gehalten hätte.“ Mit einem tonlosen Seufzen streckte sie ihren
Rücken etwas durch und blinzelte einige Male. „Mehr als ich es gewollt habe.“
Sie warf einen entschuldigenden Blick zu dem blonden Mann an ihrer Seite, doch
dieser zuckte nur grinsend mit den Schultern. Seine Beine waren lässig von sich
weg gestreckt und er biss sich etwas auf die Unterlippe, als sie genervt mit
den Augen rollte.
„Er war für mich da als ich
völlig verloren war. Er hat mich verstanden.“ fuhr sie fort und ihr Blick blieb
bei ihm. Die Schadenfreude verschwand allmählich aus seinem Gesicht und Buffy
lächelte verzaubert, als sein Blick demütig über ihr Gesicht wanderte.
„Er hat mir zugehört, wenn
ich etwas sagen musste und hat geschwiegen wenn ich Ruhe brauchte.“ Ein kleines
Schniefen unterbrach ihren Redefluss und sie wandte sich noch etwas seitlicher
um ihn besser ansehen zu können. „Egal wie sehr ich dich verprügelt habe, du
bist immer wieder zurückgekehrt.“ Ihre freie Hand legte auf seine rechte Wange
und er schloss für einen winzigen Moment die Augen und lehnte sich gegen ihre
Berührung. Dann öffnete er sie wieder und lachte leise, während er einen
schnellen Kuss auf ihre Handinnenfläche hauchte. „Wenn du nicht aufpasst werde
ich rot, Liebes.“
Buffy seufzte und rollte ein
weiteres Mal die Augen, bevor sie die Hand wieder von seinem Gesicht nahm und
sie in ihren Schoß legte. „Spike ist ein Mann, von dem -“
„Vampir.“ verbesserte Xander
mit kalter Stimme ohne sich zu bewegen oder aufzusehen. „Spike ist ein
seelenloser Vampir.“
Buffy lächelte kaum merklich,
beachtete ihren Freund jedoch nicht weiter. „Spike ist ein Mann, von dem ich niemals
gedacht hätte, dass ich ihn lieben könnte.“ Ein leises Lachen durchschnitt die
Stille und Buffy neigte ihren Kopf mit einem Grinsen. „Wirklich nicht.“ Im
Augenwinkel konnte sie sehen wie Spike missmutig den Mund verzog und irgendwas
Unverständliches vor sich hin murmelte, doch sie ignorierte es.
„Aber er hat uns so oft
geholfen, er war für Dawn da, als ich tot war und für mich, als ich
zurückgebracht wurde. Ihr habt ja keine Ahnung wie oft ich vorletztes Jahr
alles hinschmeißen wollte. Nur seinetwegen habe ich weiter gemacht.“ Ein
kleines Nicken bestätigte ihre Worte und sie atmete einmal tief durch.
„Ich... ich habe das nicht
sofort erkannt. Ich habe ihn weggestoßen weil... es Spike war.“ Sie schüttelte
ihren Kopf bei dieser Erinnerung und eine kleine Falte bildete sich zwischen
ihren Augenbrauen.
„Worauf willst du hinaus,
Buffy.“ fragte Giles nach einigen Minuten des Schweigens. Seine Stimme klang
abgeklärt und wenig interessiert, doch er sah Buffy aufmerksam an, als sie
ihren Blick zu ihm richtete.
„Ich möchte mit ihm zusammen
sein.“ flüsterte sie und senkte ihren Blick. Eine erdrückende Stille erfüllte
den Raum und außer Spike, der gelangweilt von einer Person zur anderen sah,
bewegte sich keiner. Als Buffy ihm einen nervösen Blick zuwarf, wackelte er
einige Male mit der vernarbten Augenbraue und spitzte seine Lippen etwas,
während er Richtung Treppe sah. Für einen Moment sah sie ihn absolut
verständnislos an, dann weiteten sich ihre Augen ein wenig und ihre Wangen
färbten sich rosa. Ein leises Lachen trat über Spikes Lippen und er verdrehte
die Augen, bevor er sich wieder in die Lehne zurücksinken ließ.
Einige Minuten später tönte
ein kleines Räuspern von der linken Ecke des Raumes auf und Xander richtete
sich auf. Er ging in die Richtung des Flurs, doch nach zwei Schritten blieb er
stehen. „Buffy.“ setzte er an, seine Stimme klang enttäuscht. „Wenn er hier
ist, werde ich nicht mehr herkommen.“ fuhr er fort, jedoch drehte er sich nicht
um. Sein Rücken zeigte weiterhin zum Wohnzimmer.
„Ich kann mit diesem Ding
nicht unter einem Dach sein. Er hätte dich letztes Jahr beinahe vergewaltigt.“
Schließlich richtete sich sein Blick zu Giles, der verwundert aufsah und seine
Jägerin anstarrte. „Ja, richtig.“ lachte er leise und drehte sich nach einigen
Sekunden um. „Scheinbar vergisst das hier jeder langsam, aber er ist immer noch
Spike. Er hat uns nur geholfen weil er krankhaft besessen von dir ist.“
„Ich liebe sie.“ schien Spike
das erste Mal Interesse zu zeigen, als er sich aufrichtete und Xander mit festem
Blick ansah.
Der braunhaarige Mann lachte
kurz, doch sein Ausdruck erstarrte danach direkt wieder. „Das hab ich gesehen,
als du Anya auf dem Tisch in der Magic Box gevögelt hast.“
Buffys Haltung versteifte
sich etwas und sie nahm ihre linke Hand aus Spikes Griff. Sie sah ihn nicht an,
als sie schließlich aufstand und ebenfalls zum Flur lief. „Komm mit.“ sagte sie
leise als sie neben Xander stand und ging weiter in die Küche hinein.
Seufzend setzte sie sich auf
einen der braunen Hocker und beobachtete wie er ihr langsam folgte. Er blieb
vor einem der Stühle stehen und zog seine Augenbrauen nachdenklich zusammen.
„Ich verstehe nicht, wie du ihn auch nur ansehen kannst, nachdem-“
„Xander.“ seufzte Buffy und
starrte auf ihre Hände, die flach auf dem Esstisch lagen. „Ich bin glücklich
mit ihm.“ nickte sie und lächelte etwas. „Ich liebe ihn.“ setzte sie nach und
betrachtete den geschockten Ausdruck auf dem Gesicht ihres besten Freundes.
„Egal was er getan hat, oder tun wollte... Ich bin auch schuld daran. Ich habe
ihn wir Dreck behandelt, immer wieder.“
Als Xander sich schließlich
mit einem leisen Seufzen auf den Stuhl gegenüber von Buffy niederließ lächelte
sie dankbar und schob ihre rechte Hand etwas in seine Richtung. „Xander. Ich
weiß du willst nur das Beste für mich. Einen ganz normalen Typen. Jemanden wie
Riley. Ich hab’s versucht, aber das funktioniert einfach nicht. Ich kann mich
nicht immer für das rechtfertigen was ich bin.“
Ein kleines Zittern durchfuhr
ihren Körper, während sie den Kopf schief legte und ein Schniefen unterdrückte.
„Zwing mich nicht zwischen euch beiden zu entscheiden.“ Sie griff nach seiner
Hand und verhakte ihre Finger mit seinen. „Du bist mein bester Freund, aber ich
liebe ihn.“
Dann sah sie auf und schrak
etwas zusammen. Sein Blick war kalt und wütend. Für einen Moment dachte sie
unter seiner Miene zusammenzubrechen, doch schließlich blinzelte er einige Male
und schüttelte den Kopf geschlagen. „Ich hasse den Kerl.“ atmete er geräuschvoll
aus und sah sie nach einigen Minuten an.
„Aber ich will nicht, dass es
wieder soweit kommt wie damals.“ lächelte er matt und drückte ihre Hand ein
wenig. „Ich verspreche nichts.“ fügte er nach wenigen Sekunden hinzu und
beobachtete wie ihr Gesicht sich allmählich aufhellte. Mit schnellen Schritten
ging sie um den Tisch herum und bevor Xander reagieren konnte umklammerten ihn
zwei starke Arme so fest, dass ihm die Luft kurze Zeit später ausging.
„Sauerstoff.“ keuchte er und
legte seine beiden Hände auf einen ihrer Unterarme. Buffy lachte leise und
drückte ihm einen kleinen Kuss auf den Haarschopf bevor sie los ließ. „Danke.“
flüsterte sie an sein Ohr und drückte nochmals seine Schultern bevor sie sich
aufrichtete. „Wenn er mich schief ansieht, bin ich weg. Ich traue ihm nicht.“
murmelte er missmutig, lächelte sie jedoch dann schließlich freundlich an und
zog sie zögerlich in eine kurze Umarmung.
„Ich weiß.“ nickte Buffy und
legte ihre Stirn gegen seinen Nacken.
„Leute, kommt mal her.“ rief
Willow aus dem Wohnzimmer. Ein kleiner weißer Laptop lag auf ihren
angewinkelten Beinen. Sie starrte konzentriert auf den Bildschirm, ihr
Zeigerfinger machte kleine Bewegungen auf dem Touchpad.
Buffy stellte sich vor die Rothaarige und lächelte amüsiert, als sie Spikes
gelangweilten Blick sah. Er war dabei den schwarzen Nagellack auf seinem Daumen
mit absoluter Aufmerksamkeit herunterzukratzen... direkt auf den Sofabezug, von
dem er die Reste in regelmäßigen Abständen auf den Boden schob.
„1897 gab es einen Angriff auf
ein Verwaltungsgebäude in Frankreich. Eine Armee von ‚grün-schuppigen
Gestalten’ hatte sich unter Befehl eines Mannes mit schwarzem Umhang auf alle
Männer im Gebäude gestürzt und sie getötet.“ Mit den letzten Worten drehte
Willow den Laptop etwas zur Seite, so dass die anderen darauf sehen konnten.
Giles richtete sich auf und bückte sich etwas, die Brille wieder auf der Nase.
„Ich erinnere mich davon gehört zu haben.“ murmelte er nachdenklich und kniff
die Augen etwas zusammen. „Das war ein Ratsgebäude.“ Mit diesen Worten ließ er
sich auf die Knie sinken und starrte versunken auf den gescannten
Zeitungsartikel, der auf dem Bildschirm angezeigt wurde.
„Such weiter Willow,
vielleicht findest du noch mehr darüber. Wenn sie noch mehr Ratsgebäude
angegriffen haben, dann heißt das womöglich-“ Ein Klingeln unterbrach ihn in
seinem Satz und sämtliche Köpfe im Raum – außer Spikes – richteten sich
augenblicklich in die Richtung des Telefons. Buffy sah zur Seite, blieb jedoch
vor Willow stehen und beobachtete unruhig, wie Giles sich aufrichtete und den
Hörer in die Hand nahm. Sein Blick war ruhig, er lauschte einer aufgeregten
Stimme am anderen Ende der Leitung.
„Liebes.“ seufzte Spike
schließlich vom Sofa und begutachtete mit einem zufriedenen Nicken seinen
lackfreien Nagel. Die schwarzen Brösel auf dem Stoffbezug schob er mit der
anderen Hand spontan in die linke Rille der Couch. „Ich wüsste wirklich
besseres mit unserer Zeit anzufangen.“ lächelte er unschuldig, als sie sich
letztendlich zu ihm umgedreht hatte. Er zog einen Mundwinkel amüsiert nach
oben, als Xander ein kleines ‚Oh Gott’ von sich gab und den Kopf sogleich auf
ein Knie legte.
„Spaßigere Dinge.“ setzte er
nach und leckte sich einmal ungeniert über die Oberlippe. Nun sah auch Willow
von ihrem Laptop auf und blickte verständnislos zu dem Mann neben sich. „Was?“
blaffte er sie sogleich an und ließ sich mit einem Augenrollen gegen die Lehne
zurückfallen, als Buffy sich kommentarlos wieder zu ihrem Wächter herumgedreht
hatte. „Oh zur Hölle.“ raunte er und zog sein silbernes Zippo mit einem lauten
Seufzen aus der Manteltasche. Er öffnete und schloss es einige Male bevor er
anfing es zwischen seinen Fingern hin und her zu drehen.
„Natürlich.“ sagte Giles nach
einigen Minuten leise und lehnte sich gegen die Wand neben dem Telefontisch.
„Sicherlich, ich rufe zurück wenn sie sich entschieden hat.“ Eine weitere
Stille folgte, die Stimme im Hörer war nun leiser und letztendlich legte Giles
den Hörer zurück auf die Wählstation.
„Grundgütiger.“ murmelte er,
der Blick immer noch auf das Telefon gerichtet.
„Was ist passiert?“ ging
Buffy einige Schritte auf ihn zu, die Arme vor der Brust verschränkt.
Giles nahm seine Brille ein
weiteres Mal von der Nase und sah mit besorgter Miene auf. „Das war Quentin.“
Er ging einige Schritte weiter und setzte sich auf seinen ursprünglichen
Sitzplatz. Sein Ellbogen lehnte er gegen die Armlehne und legte sein Kinn auf
die Hand.
„Travers.“ flüsterte Buffy
nach einigen Sekunden, nachdem sie den Namen zugeordnet hatte.
„Sie wurden angegriffen.“
fuhr Giles nach einigen Minuten fort und atmete tief aus. „Der Sitz in Rom
wurde komplett niedergebrannt.“
„Oh.“ schnaufte Buffy und zog
die Augenbrauen nachdenklich zusammen. Dann lehnte sie sich gegen den Türrahmen
zum Flur und legte den Kopf schief. „Und das interessiert uns, weil...?“
„Buffy.“ räusperte sich Giles
keinen Moment später und sah etwas wütend auf. „Sie brauchen deine Hilfe.“
„Das ist nicht ihr ernst.“
quiekte Buffy ungläubig auf. Ihre Arme waren steif an ihren Oberkörper gepresst
und sie funkelte wütend zu dem grauhaarigen Mann. „Giles, die Ferien sind bald
vorbei, Dawn muss zur Schule und ich studiere wieder.“ Ihre Stimme nahm einen
leicht hysterischen Unterton an und sie schüttelte einige Male den Kopf. „Sie, sie
haben mir gesagt ich soll wieder normal leben.“ zeigte sie mit der rechten Hand
auf den Mann vor sich, während sich die Finger der anderen zu einer Faust
zusammenballten. „Wenn ich jetzt weg gehe, dann war alles-“
„Buffy.“ unterbrach er sie,
und sein Blick ließ keine Diskussion zu. „Es geht nicht nur um den Rat, in den
Gebäuden sind tausende von einzigartigen Büchern, Artefakte von unschätzbarem
Wert und Nutzen für uns. Wenn diese Informationen in die Hände von Dämonen
fallen, was glaubst du was dann passiert?“ wollte er wissen und legte
interessiert seinen Kopf schief.
„Rettet die Bücher.“ lachte
Spike leise, während er sich eine Zigarette zwischen die Lippen steckte und
schließlich aufstand. Als er an Buffy vorbei lief blieb er kurz stehen und
drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Wange.
Willow wandte sich in Giles
Richtung und klappte den Laptop mit einem leisen Seufzen zu. „Also, was heißt
das jetzt genau? Wir fliegen nach England?“
Giles schüttelte den Kopf
leicht, sein Blick immer noch auf Buffy gerichtet. „Nun, ich denke-“
Buffy lächelte leicht, ihr
Blick eiskalt. „Ich fliege nach England.“ vollendete sie und schüttelte den
Kopf kaum merklich, bevor sie einmal tief seufzte und an die Decke des Raumes
starrte.
Teil 5 – Verlockendes Angebot
„Es ist Ihnen wirklich völlig
egal ob ich alles über den Haufen werfen muss, oder?“ Sie sah nicht zu ihm,
doch ihre Faust ballte sich unmerklich fester zusammen. Ihre Knöchel waren weiß
vor Anstrengung. „Für ein paar Briten denen es scheißegal ist wenn wir in
Gefahr sind.“
Giles seufzte tief und
starrte etwas genervt gerade aus. „Buffy.“
„Nein, ich gehe nicht.“ sagte
sie nach einigen Sekunden trotzig. Entschlossen verschränkte sie ihre Arme
wieder vor der Brust und ging einen Schritt von der Wand weg. „Sie können mich
nicht zwingen.“
„Nun hör mir doch endlich
zu.“ blaffte Giles, sehr unbritisch, und stand von dem Sessel auf.
„Nein! Was denken die sich
eigentlich?“ schrie Buffy wütend und ging einen Schritt auf ihren Wächter zu.
„Als ob die das nicht alleine schaffen könnten. Ich hab eine kleine Schwester,
die zur Schule muss. Nach allem was sie getan haben, wieso glauben sie dass ich
ihnen helfen würde? Aus Mitgefühl? Sicherlich nicht, diese-“
„Buffy!“ Seine Stimme war
harsch und ungeduldig. Er packte Buffy bei den Unterarmen und rüttelte sie
einmal vorsichtig. Als sie ihn schließlich ansah und nichts mehr sagte, ließ er
sie wieder los und strich sich über die Stirn. „Wenn du mich endlich ausreden
lassen würdest.“ Er fasste sich mit einem Kopfschütteln an die Schläfe und
massierte sie für einige Sekunden. „Du würdest es nicht umsonst machen.“ sagte
er ruhig und starrte in ihr Gesicht. „Sie sind nicht so naiv zu glauben du
würdest mit wehenden Fahnen anreisen um ihnen zu helfen.“ erklärte er weiter.
„Sie sind verzweifelt und sie bieten dir quasi Urlaub und Geld an.“
„Super, wer will schon im
sonnigen Sunnydale sein, wenn man in das verregnete London kann.“ blaffte Buffy
verständnislos und zog ihre Augenbrauen etwas zusammen.
„Buffy, Herrgott, es ist ein
sechs Sterne Hotel. Mit allem drum und dran.“ murmelte er unverständlich,
offensichtlich wenig beigeistert davon auf dieses Thema weiter einzugehen. Als
Buffys Verwirrung jedoch innerhalb von Sekunden durch etwas anderes ersetzt
wurde, seufzte er noch einmal und ließ sich wieder auf den Sessel zurückfallen.
„Wohl für mehrere Wochen.“ fuhr er fort, sein Blick nun konzentriert zum Boden
gerichtet. „Sie wollen nur dass du
ihnen mit diesen Leasheks hilfst.“ betonte er das kleine Wort ganz deutlich und
schüttelte angewidert den Kopf. „Um jeden Preis.“ murmelte er die letzten drei
Worte eher, doch als er wieder aufsah konnte er das Leuchten in den Augen
seiner Jägerin nicht übersehen.
„Sie bestechen Buffy damit
sie ihnen hilft?“ lachte Xander leise und Buffy blickte zum ersten Mal seit
mehreren Minuten von ihrem Wächter zu jemand anderem. Ein Lächeln bildete sich
auf ihren Lippen und schließlich kicherte sie leise.
„Was?“ fragte Spike, der
gerade wieder hereingekommen war und etwas perplex das riesige Grinsen auf
Buffys Gesicht musterte. „Wir machen Urlaub.“ lachte Buffy plötzlich und ging
einige Schritte auf den blonden Mann zu. Dann legte sie ihre Arme in seinen
Nacken und umarmte ihn.
Giles räusperte sich einmal
laut und zog seine Augenbrauen skeptisch in die Höhe. „Nun, du hast eine
Aufgabe. Vergiss das nicht.“
Buffy seufzte tief, ohne sich
von Spike wegzubewegen. „Den mach ich in zwei Sekunden fertig und dann gibt’s
nur sechs Sterne, Spike und mich.“
Ein kleines Grinsen bildete
sich auf den weißen Lippen des Vampirs und er legte seine Hände mit einer
langsamen Bewegung auf Buffys Hüfte. „Du, ich und alles andre ist völlig egal,
Liebes.“ flüsterte an ihr Ohr, jedoch laut genug, dass es alle hören konnten.
„Wobei... wie viele Sterne?“ lachte er schließlich und ließ seine Hand etwas
tiefer wandern. „Sag die Zahl noch mal.“
„Oh, bitte.“ stöhnte Xander
und legte seinen Kopf wieder auf die Knie. „Ich versuche hier wirklich nicht
durchzudrehen, okay?“ maulte er und hielt sich die Hände über die Ohren.
Spike verdrehte seine Augen,
ging jedoch einen kleinen Schritt zurück und küsste Buffy auf die Wange.
„Allerdings werden wir für Calvar wohl länger als zwei Sekunden brauchen.“
deutete er auf das Bild, das noch immer auf dem Laptop zu sehen war. Sein Blick
wurde nachdenklich, die Mimik seltsam fremd und abwesend.
„Egal. Ich hatte schon seit
Jahren keine freien Tage mehr. Erzählen sie etwas über das Hotel.“ lächelte
Buffy ausgelassen und strich zärtlich über Spikes rechte Hand, die schlaff
neben seinem Körper herunterhing.
Giles zog jedoch nur verwirrt
seine Augenbrauen zusammen und schüttelte einige Male verwundert seinen Kopf.
„Was denkst du eigentlich hat mir der Rat vorhin gesagt? ‚Hallo, wir wurden
angegriffen. Aber das Hotel in das wir ihre Jägerin unterbringen hat zumindest
eine Sauna, einen Pool, Zimmerservice 24-Stunden am Tag’?"
„24-Stunden Zimmerservice?“
störte sich Buffy kein Bisschen an dem offensichtlichen Sarkasmus und lächelte
stattdessen breit. Dann widmete sie sich wieder dem etwas überrumpelten Vampir
vor sich. „Hey, das sind gute Nachrichten.“ sah sie ihn völlig ausgelassen an
und drückte ihm einen keuschen Kuss auf die Stirn.
„Und was ist mit dem Krümel?“
lächelte er kaum sehbar zurück und verhakte seine Finger schließlich mit Ihren.
„Die anderen bleiben ja hier.
Sie ist alt genug um mich für zwei oder sechs Wochen zu entbehren.“ Sie biss
sich auf die Unterlippe, als sie sein leises Lachen hörte und seufzte
schließlich wohlig, als er sie mit einer schnellen Bewegung zu sich zog. Ein tonloses
Knurren entkam seiner Kehle bevor er seine Zunge in ihren Mund schob. Es
brauchte genau drei Sekunden bis sie ihm entgegenkam und sich an ihn klammerte,
als würde sie ertrinken wenn sie es nicht täte.
Er schmunzelte etwas bei dem
subtilen Räuspern vom Platz des Wächters und hätte am liebsten laut losgelacht,
als er Xanders gewürgtes ‚Ich will sterben’ hörte. Doch er verwarf die Gedanken
schnell, als Buffy sich mit voller Kraft gegen ihn drückte und ihn gegen die
andere Seite des Türrahmens schob.
„Oh zur Hölle, hört auf!“
schrie Xander schließlich mit hoher Stimme und letztendlich ließ Buffy mit
einem glasigen Blick von ihm ab.
„Bloody Hell, Harris, wenn’s
grade nett wird.“ raunte Spike schroff und sah die blonde Frau vor sich
abwertend an. Dann setzte er sich auf die freie Stelle neben Willow und zog
Buffy auf sein Bein. Er verschränkte seine Arme um ihren Bauch und legte sein
Kinn auf ihre Schulter. Sie lächelte etwas und lehnte sich gegen seine Brust,
während sie beruhigend über seine Finger strich. Dann sah sie zu ihrem Wächter
und seufzte leise. „Also, wann geht’s los?“
„Nun, kommt morgen um acht
Uhr in der Magic Box vorbei. Ich werde euch dann eure Tickets geben. Ihr
solltet gegen Abend fliegen, dann kann ich noch einmal mit Quentin die Einzelheiten
besprechen.“
Spike lachte leise und zog
eine Augenbraue in die Höhe „Ich schätze er hat sich wieder eine Armee
gehortet. Haben die in ihrem Rat auch ein paar Kämpfer oder sind das alles so
Hohlköpfe wie...“ Buffy boxte Spike warnend in die Seite. „...die...anderen...Hohlköpfe,
die kürzlich...schon da waren.“ brachte er seinen Satz etwas ungelenkt zu Ende
und warf Buffy einen verwirrten Blick zu.
Giles verdrehte nur die
Augen. „Sie haben auch einige Leute, die schon etwas Kampfsporttraining
absolviert haben doch ich befürchte, dass dies zum größten Teil theoretisch
abgelaufen ist.“
„Ja? Super. Wir gehen jetzt.“
bestimmte Spike nach einigen Sekunden und hopste Buffy einige Male mit seinen
Knien auf seinem Schoß.
„Gleich.“ kicherte Buffy und
drückte ihre Beine nach unten, so dass er still sitzen musste. „Fragen sie die
was wir an Waffen benötigen.“ sagte sie ruhig in Giles Richtung. Dann stand sie
auf und zog Spike mit sich. „Und wegen dieser Zimmerservice-Sache.“ fügte sie
hinzu und lächelte etwas, als Spike leise lachte.
„Gute Nacht, Leute.“ winkte
Buffy noch den anderen zu und ging langsam mit Spike die Treppen nach oben.
-
„Äxte, Schwerter, Tulware, Ballisten, Seile, Targen.“ murmelte Spike und schmiss die genannten Waffen
mit einem Schulterzucken in die große schwarze Reisetasche, die neben seinem
linken Fuß auf dem Boden lag. Dann wandte er sich wieder dem riesigen Regal vor
sich zu und seufzte einmal glücklich. „Krummschwerter, Pavesen,
Faszien, Partisanen, Falkaten-“
Er stoppte kurz und lächelte ein wenig. „Handschellen.“ nickte er abschließend
und räumte die untere Holzplatte mit einer einzigen Handbewegung leer. Er trat
zwei Mal fest auf die Tasche um den letzten beiden Schwertern Platz zu machen.
„Handschellen?“ schüttelte
Giles mit emotionslosem Blick den Kopf und nahm einen großen Schluck aus dem
Glas in seiner rechten Hand. Spike drehte sich mit einem verschmitzten Lächeln
zu dem Mann hinter sich um und lachte leise. „Buffy kann eine Katze sein.“ biss
er sich unverblümt auf die Unterlippe und beobachtete dann erfreut, wie Giles
Augen sich weiteten und er die letzten fünf Schlücke des Scotchs
ohne einmal abzusetzen trank.
„Es gibt eine Sauna!“ quiekte
Buffy vergnügt und wedelte einige Mal enthusiastisch mit den zwei kleinen
Broschüren in ihrer linken Hand. Spike drehte sich kurz um und warf ihr einen
desinteressierten Blick zu bevor er den Reißverschluss der Tasche zuzog.
„Hhhh...“
seufzte Buffy, offensichtlich etwas enttäuscht über seine mangelnde Freude an den
vielfältigen Freizeitangeboten im Hotel. Beleidigt setzte sie sich zurück in
den Stuhl neben Willow und Dawn, die beide die Köpfe in einem Katalog vergraben
hatten.
„Sagen sie mal, sie wissen
schon dass sie gerade einem seelenlosen - und vor allem chiplosen - Vampir
unser komplettes Waffenlager anvertrauen, mit dem er ganz England im Alleingang
auslöschen könnte, oder?“ murmelte Xander leise, nachdem er sich neben den
Wächter gestellt hatte. Er starrte ungläubig auf die riesige Reisetasche und
kratzte sich einige Male am Kopf.
„Nun.“ seufzte Giles und
wankte etwas nach links, wo die angebrochene Scotchflasche
stand. „Ich schätze ja.“ beendete er knapp und drehte den Schraubverschluss mit
dem linken Daumen etwas ungelenk auf, bevor er sich das Glas voll füllte.
„Oh, okay.“ nickte Xander und
beobachtete wie der Wächter einen kleinen Schluck nahm, dann mit den Schultern
zuckte und das Glas schließlich in einem Zug leer trank. „Gut zu wissen.“
lächelte er, wenig überzeugend und setzte sich mit einem geräuschvollen Atemzug
neben Dawn.
„Haben sssie
nun endlich allesss?“ hickste
Giles und blickte etwas genervt zu dem blonden Vampir, der immer noch wie ein
Kleinkind vor dem Waffenschrank rumhüpfte. „Jaja, gleich Ripper.“ schenkte Spike dem
Wächter in etwas so viel Aufmerksamkeit wie der früheren Erwähnung einer
gewissen Sauna und schwenkte einmal ein riesiges Zweihandschwert vor sich hin
und her.
„Hören sie endlich auf mich
so zu nennen.“ rollte Giles genervt mit den Augen und ließ sich mit einem
geräuschvollen Atemzug neben Xander auf einen Stuhl sinken.
„Spike, da gibt’s sieben
Fitnessräume.“ blickte Buffy nach einigen Minuten auf und streckte ihren Hals
etwas durch, damit sie in die Blickrichtung des Vampirs kam.
„Super.“ rief Spike kurz,
steckte seinen Kopf dann nachdenklich in den großen Waffenschrank am anderen
Ende des Raumes. Wenige Sekunden später ging er mit leuchtenden Augen ein paar
Schritte zurück und starrte auf zwei riesige, silberne Faustwaffen.
Missmutig verzog Buffy die
Lippen und ließ sich im Stuhl zurückfallen. Sie lehnte ihren Kopf auf ihre
Arme, die sie auf dem Tisch verschränkt hatte. Dann lächelte sie etwas, hielt
ihren Blick aber nach unten gerichtet. „Und ich werde mich von einem
muskelbepackten Mann mit heißem Öl massieren lassen.“ beschloss sie mit
verträumtem Blick. „Völlig nackt.“" fügte sie etwas leiser hinzu.
„Häh?“
fuhr Spikes Kopf nach oben und er drehte sich verwirrt zu dem Tisch um. Dann
zogen sich seine Augenbrauen grimmig zusammen und er deutete mit seiner rechten
Hand auf die Jägerin. „Wohl kaum, Täubchen!“ raunte er und warf die Faustwaffen
achtlos neben die Reisetasche. Mit schnellen Schritten ging er zu dem Tisch in
der linken Ecke, wo die Scoobies standen und stellte sich mit todernstem
Gesicht vor Buffy.
„Ich versteh nicht wieso du
dir den ganzen Mist überhaupt durchliest.“ zuckte er mit den Achseln, umgriff
Buffys Schultern und zog sie kurzerhand vom Stuhl hoch. Als Buffy ihre
Augenbrauen fragend in die Höhe zog lachte er leise und biss sich verschmitzt
auf die Unterlippe. „Es ist nicht so, dass du aus dem Bett kommen würdest.“
lachte er leise, als Buffys Wangen rot wurden und ihre Augen eine leicht trübe
Farbe annahmen.
„Und du bist dir wirklich
sicher, dass du damit nichts zu tun hast Will...“ schnaufte Xander, die Stirn
wieder auf die Arme gebettet.
-
Nachmittags standen alle im Summershaus und Willow ging zusammen mit Buffy und Giles
das Gepäck anhand einer Liste durch. Sie räumten hier und da einige der Waffen
heraus und Giles füllte den leeren Platz stattdessen mit Büchern über
‚Sehenswürdigkeiten in London’ – in der stillen Hoffnung Buffy würde sich alles
außer das Bett in der Suite etwas
genauer ansehen.
Währenddessen luden Xander
und Spike zusammen das Gepäck in den Kofferraum von Giles Auto ein.
„Man Harris, die kann man da
noch reinquetschen!“ schnauzte Spike den ohnehin schon genervten Xander an und
riss ihm die große Reisetasche aus der Hand. Dann zeigte er noch mal
demonstrativ lange darauf, bevor er so lange darauf eintrat bis sie in den Kofferraum
passte. „Siehst du?“
"Ja, super Mann.“ machte
Xander eine weit schweifende Geste und klopfte dem blonden Mann einige Male auf
die Schulter. „Du bist der Beste.“ grinste er etwas und verkniff sich dem
Vampir mitzuteilen, dass in der besagten Tasche Buffys Klamotten und
Lieblingspflöcke drin waren. Er würde es früh genug erfahren... und womöglich
würde Buffy dann vom Inhalt gebrauch machen.
„Kommt ihr jetzt oder was?
Ich würde gerne noch den verdammten Nachtflug kriegen!“ brüllte Spike und ging
einige Schritte auf das Haus zu.
-
Als sie schließlich am
Flughafen angekommen waren, hallte bereits ihre Flugansage durch den Vorraum.
Langsam löste sich Buffy aus Xanders Umarmung und sah ihn verständnisvoll an,
als dieser missmutig schnaubte. „Pass gut auf dich auf.“ lächelte er wenig
überzeugt und umarmte die blonde Frau noch einmal zaghaft, bevor er sich neben
Willow stellte.
„Bis dann Krümel.“ murmelte
Spike lächelnd und wurde sofort von Dawn in die Arme genommen. Giles warf Spike
einen warnenden Blick zu und nickte einmal kurz, als der Vampir mit den Augen
rollte. Dieser schulterte die Taschen und ging in die Richtung des
Abflugterminals während Buffy sich in Willows Arme fallen ließ. Dann nahm sie
sich ebenfalls eine Tasche und einen kleinen Rucksack und ging hinter Spike
her. Am Ausgang winkten mehr oder weniger beide nochmals und schlenderten dann
Hand in Hand Richtung Flugzeug.
-
Um zwanzig Uhr hatte das
Flugzeug bereits die optimale Flughöhe angenommen und Buffy beruhigte sich
wieder etwas. Dieses verdammte Drücken in den Ohren war unerträglich. Spike
grinste vor sich hin und fand, dass es nichts Schöneres als Fliegen gab - Ein
bequemer Sitz, der in den zehn Stunden, die der Flug andauern würde schön
schattig war und hübsche Stewardessen die alle fünf Minuten nach seinem
Wohlbefinden fragten - Ja, hier konnte man es aushalten.
Buffy dagegen hatte sich
schmerzlich daran erinnern müssen wieso sie sich als Kind geschworen hatte,
niemals wieder in ein Flugzeug zu steigen. Glücklicherweise war die Landung
noch einige Stunden entfernt und so konnte sie sich beruhigt den schöneren
Dingen widmen.
Sie fummelte einige Minuten
in dem Beutel vor sich und zog anschließend eine kleine Plastiktüte heraus. Sie
strahlte ihren etwas schockierten Sitznachbar an und machte sich dann
hochkonzentriert an das ‚Malen-nach-Zahlen’ Bild.
Spike blickte ihr noch einen Augenblick dabei zu, schüttelte dann aber lächelnd
den Kopf und lehnte sich friedlich nach hinten.
Nach neun Stunden und in etwa
fünfzig Minuten hatte sich Buffy zusätzlich den Beutel von Spike und den des
schlafenden Mannes neben sich genommen und glücklich in ihnen herumgekritzelt.
Schließlich ging es auf die Landung zu und Spike hatte sich von einer
Stewardess ein paar Ohrstöpsel für seine empfindliche Freundin geben lassen.
Buffy lag nun in seinen Armen und ließ sich durch sehr lange Küsse von der
Landung ablenken.
Schließlich standen beide im
Heathrow Flughafen und Buffy hatte große Lust sofort wieder abzureisen -
Strömender Regen kam ihnen entgegen, als sie die Flugzeugtreppen hinunter
gingen. Spike dagegen strahlte und seine Augen leuchteten etwas, als er einen
tiefen Atemzug nahm und die Hände über den Kopf streckte. Schnell zog er Buffy
an ihrem Arm aus dem Gebäude und mitten auf die Straße, auf der es, wie Buffy
feststellte - verdammt nass war. Schimpfend rannte sie schnell wieder in den
Flughafen.
„Verdammt Spike, wir müssen
auf die Waffen warten.“ fluchte sie und schaute sich nach dem Freund von Giles
um, der versprochen hatte die Waffen irgendwie rüber zu schmuggeln.
„Mann, wo bleibt der Penner.“
raunte Spike nach weiteren zwanzig Minuten und stammelte noch was von Kippen
kaufen, bevor er nach draußen ging. Buffy schaute ihm frustriert hinterher... er
war unglaublich ungeduldig, dabei hatte Giles doch gesagt dass es etwas dauern
könnte bevor die Waffen ankommen. Nach vierzig Minuten und sechs Zigaretten kam
auch endlich ein ziemlich großer Mann mit den zwei Taschen und übergab diese
Buffy. Diese schüttelte ihm dankbar die Hand und machte sich dann auf die Suche
nach ihrem störrischen Begleiter. Spike hatte sich auf eine Bank vor dem
Flughafen gesetzt und zündete sich gerade eine weitere Zigarette an als Buffy
sich neben ihn setzte.
„Hab die Waffen.“ murmelte
sie und machte sich, was Spike ungläubig beobachtete, ebenfalls eine an.
„Die Dinger sind schädlich.“
kommentierte er sachlich und drehte sich wieder um.
„Ist ja wohl mein Problem,
außerdem werd ich sowieso nicht so alt, dass es mir schadet.“
„Deine Sache.“ Beide
schwiegen einen Moment bis sich Spike zu Buffy rüberbeugte. „Die sind aber
schlecht für die Kondition.“ er grinste dreckig und küsste sie verlangend auf
den Mund. Buffy schaute ihn stumm an und zog noch mal an der Zigarette „Die ist
bestens.“ lächelte sie und griff dann nach seiner Hand „Hast du den Zettel mit
der Adresse?“ Spike kramte kurz in seiner Manteltasche und drückte Buffy einen
zerknüllten Zettel in die Hand.
„Ordnung ist nicht deine
Stärke, hm?“ grinste sie und küsste ihn nochmals. Spike zuckte mit den
Schultern „Ich hab andere Vorzüge.“ und zog anzüglich die Augenbraue hoch.
Buffy verdrehte die Augen und schaute dann einige Minuten schweigend auf die
Karte.
„Ähm,
schau du dir das mal an.“ damit beugte sie sich wieder zu Spike rüber und hielt
ihm den Zettel hin. Beide saßen einen Moment schweigend da und betrachteten die
Karte, die Giles provisorisch gezeichnet hatte. Dann stand Spike auf und meinte
noch, dass er mal jemanden fragen würde, bevor er wieder in den Flughafen marschierte.
„Ich besorg uns schon mal ein Taxi.“ rief Buffy noch hinterher und stellte sich
dann an den Straßenrand.
Spike kam zehn Minuten später
mit zwei Colas, einer Packung Kaugummis, einer Stange Zigaretten, einer
weiteren Karte und einer Menge Prospekte aus dem Flughafen und ging direkt auf
das Taxi, in dem Buffy saß zu. „Oh, danke.“ Buffy drückte Spike einen Kuss auf
die Wange und nahm ihm eine Cola ab. "Also, wo müssen wir hin?"
„Wir fahren erst mal zum
Hotel und checken dort ein. Dann kannst du Rupert anrufen. Kann ja schlecht
fragen wo der ‚Rat der Wächter’ ist.“ meinte Spike und beugte sich dann zum
Fahrer vor. „Zum Méridien Piccadilly Hotel.“
Teil 6 – Niemandsland
Der Fahrer ließ es sich nicht nehmen euphorisch einen Vortrag über die sehenswerten
Stellen Londons zu halten. Buffy und Spike saßen aneinandergekuschelt auf der
Rückbank und sahen sich lieber die schönen bunten Bilder aus dem Prospekt an,
anstatt dem Fahrer zuzuhören, der gerade bei der dritten Dynastie der
englischen Königsfamilie angekommen war.
„Da haben sie sich ja ein
ganz schön teueres Hotel ausgesucht. Wie kommen so junge Leute wie sie denn an
so viel Geld?“ fragte der Fahrer nach einiger Zeit höflich.
„Das geht dich einen feuchten
Dreck an.“ maulte Spike, sichtlich genervt, was der Fahrer kopfschüttelnd und
mit einem ‚Herrje, die Jugend von Heute’ zur Kenntnis nahm. Nach weiteren
fünfunddreißig Minuten, einem ausführlichem Vortrag über die Entstehung des Big
Bens und einige Informationen über die derzeitige Krisensituation im Königshaus
hielt das Taxi vor einem riesengroßen Gebäude. Buffy, die nach Spikes
derzeitiger Verfassung etwas besorgt um die Gesundheit des Fahrers war, beugte
sich zu diesem hinunter und gab ihm vierzig Pfund.
„Noch zwei verfluchte Minuten
länger und ich hätte ihn persönlich vom verdammten Big Ben runter geworfen.“
murmelte Spike, während er die Taschen aus dem Kofferraum holte und sie sich
überwarf.
„Schönen Aufenthalt wünsche
ich ihnen, Miss. Sie sollten vielleicht einmal an eine Therapie für ihren
Freund denken, er scheint mir leicht aggressiv zu sein.“ merkte der Taxifahrer
noch an bevor er die Tür schloss und davonfuhr.
Buffy tätschelte Spike
vorsichtig auf die Schulter, was dieser nur mit einem angedeuteten Knurren zur
Kenntnis nahm und sich wieder zu den Taschen beugte.
„Hey, von dem lassen wir uns
doch nicht den Urlaub vermiesen.“ lächelte sie Spike unschuldig an und schlang
ihre Arme fest um seine Hüfte. „Komm schon, reg dich nicht auf.“ grinste sie und
zog ihn zu einem langem Kuss zu sich. Spike vergaß sofort dass er eigentlich
sauer war und zog sie noch fester zu sich.
Nach einigen langen Sekunden
löste sie sich mit einem milden Lächeln von ihm und griff nach einer der
Taschen. „Rauch erst mal eine, ich check schon mal ein.“ sagte sie leise und
drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Wange bevor sie der Drehtür lief.
Sie trat durch die Drehtür
und stand mit offenem Mund in einer riesigen Empfangshalle. Von der Decke
hingen enorme Kronleuchter und die Wände waren mit Stuck und allerlei Bildern
und Malereien versehen. Die hinteren Mauern waren großflächig verspiegelt und raumhohe Palmen zierten den Weg zur Rezeption. Auf den
Ledersesseln saßen einige Geschäftsleute. Die meisten Frauen trugen aufwändige
Kostüme, einige Abendkleider und die Halle war mit vielen Stimmen und Gelächter
erfüllt. Frustriert sah Buffy auf ihre rissige Jeans und die durchnässten
Schuhe hinab. Mit einem seufzen ging sie auf die Rezeption zu.
„Kann ich ihnen helfen,
Miss?“ fragte der grauhaarige Mann und musterte sie aufmerksam.
Buffy lächelte gequält und
atmete tief ein. „Ähm ja, wir haben reserviert. Auf, ähm, Summers?“
„Einen Moment, bitte.“ der
Mann wandte sich zum Computer und kurze Zeit später wieder zu ihr.
„Oh, hier, die Deluxe Suite. Warten sie einen Moment Ms. Summers, ich rufe
jemanden der ihr Gepäck holt.“ nickte er und warf ihr einen freundlichen Blick
zu, bevor er zum Telefon neben sich griff.
„Bloody Hell! Gar nicht übel
der Schuppen!“ röhrte im nächsten Moment eine raue Männerstimme durch die Halle
und die Gespräche nahmen ein abruptes Ende. Buffy verbarg ihr Gesicht peinlich
berührt in den Händen, als Spike mit den matschigen Doc Martins und dem
verstaubten Ledermantel zu der Rezeption stiefelte. Dann stellte er sich neben
sie und legte seinen Arm besitzergreifend um ihre Schulter.
„Hier lässt sich’s aushalten,
Schätzchen.“ grinste er und beugte sich zu den Taschen hinunter.
„Es kommt gleich jemand für
das Gepäck, Sir.“ merkte der grauhaarige Mann etwas perplex an und fuchtelte
mit dem Schlüssel vor Spikes Gesicht rum.
„Ist ja gut, James, mach dir
nicht ins Hemd.“ lächelte Spike, klopfte diesem versöhnlich auf die Schulter
und schnappte sich den Schlüssel.
Nachdem der Portier neben ihnen
aufgetaucht war und das Gepäck aufgeladen hatte standen die beiden Schließlich
vor Zimmer 376 im obersten Stockwerk. Auf der Zimmertür stand in feinen,
goldenen Buchstaben ‚Deluxe Suite’, was Spike mit
einem ‚Ich glaube ich bin dem guten Rupert was schuldig’ kommentierte.
Unbekümmert knipste Buffy den Lichtschalter um und erstarrte keine Sekunde
später. Ihre Lippen öffneten sich einen Spalt und sie ging einige Schritte in
den Raum hinein.
Ein riesiger Raum erstreckte
sich vor ihren Füßen. Links und rechts führte ein türloser Durchgang in zwei
weitere Zimmer. Der Fußboden war aus rotbraunem Mahagoni und die Wände waren
wie am Empfang und den Gängen teilweise verspiegelt. In der Mitte hing ein
großer Kronleuchter. Im Zimmer vor ihnen standen drei Ledersofas vor einem
großen Plasmafernseher.
Buffy ging demütig einige
Schritte nach vorne und ließ ihre Finger in das Wasser eines kleinen tischhohen Springbrunnens sinken. Drei große Fenster
führten zu einem großen Balkon, der eine Aussicht über die ganze Stadt
eröffnete.
Als sie sich umdrehte, war
Spike bereits im zweiten Raum angekommen. Ungläubig starrte er auf das große
Bett, das in der Mitte des Raumes positioniert war und blickdicht mit Stoff
verhangen war. Er schob die seidenen Vorhänge zur Seite und nickte anerkennend,
als er die schwarzen Seidenüberzüge sah.
„Kneif mich.“ murmelte er und
warf sich mit einem Schulterzucken auf die große Matratze. Ein seliges Lächeln
umspielte seine Lippen und er verschränkte seine Arme unter seinem Kopf,
gewillt nie wieder aufzustehen.
„Oh mein Gott, Spike! Komm
sofort her!“ quiekte Buffy aus dem anderen Zimmer und vernichtete sofort
sämtliche Pläne. Fluchend richtete er sich auf und trottete langsam zur Tür.
„Wehe es ist nicht wichtig, Liebes.“ murmelte er und wurde sofort von einer
grinsenden Buffy am Arm gepackt und durch eine weitere Tür gezerrt.
„Bloody Hell.“ keuchte er
nach einigen Sekunden während er sich umschaute. Sie waren im Badezimmer. Es
war beinahe so groß wie der erste Raum, die rechte Seite des Raumes war
komplett verspiegelt und drei große Pflanzen standen in der Ecke. Zwei
großzügige Waschbecken waren an der Seite der Türe angebracht und ein kleiner
Durchgang führte in den zweiten Bereich des Zimmers.
„Da ist ein Whirlpool!“
flüsterte Buffy und fasste nach seiner Hand um ihn etwas weiter in den Raum
hineinzuziehen.
„Ich mag deine Denkweise,
Liebes.“ wackelte er nach einigen Augenblicken mit seiner linken Augenbraue und
stellte sich hinter sie um sein Kinn auf ihren Kopf zu legen. „Diese Wächter
werden mir sympathisch.“ murmelte er und drehte sie schließlich in seinen Armen
um. „Lass uns erst morgen zum Rat gehen, ja?“
Buffy sah ihn für einige
Sekunden aufmerksam an, bevor sie lächelte und ihren Mund nachdenklich verzog.
„Na ja, es geht ja sowieso gleich die Sonne auf und dann kannst du ja nicht
raus. Es wäre also völlig verantwortungslos heute noch weg zu gehen. Ich denke
morgen ist die eindeutig klügere Entscheidung.“ nickte sie grinsend während sie
seinen Mantel aufknöpfte.
Er lachte leise und griff
ungeniert an ihre Jeans um sie aufzuknöpfen. Ohne zu zögern zog er sie zusammen
mit ihrem Slip komplett nach unten und wartete dort, bis sie aus den
Hosenbeinen gestiegen war. „Ich wusste schon immer, dass du ein kluges Mädchen
bist.“ raunte er und fuhr mit beiden Händen an ihrem rechten Bein entlang. Ein
kehliges Stöhnen entkam Buffys Lippen, als er an ihrer Mitte angekommen war und
dort mit einem Raunen seine Zunge in sie schob.
-
Einige Stunden später war das
Wasser im Whirlpool nur noch lauwarm. Zwei Champagnerflaschen standen an der
Seite der Wanne und Buffy trank den letzten Schluck aus dem langen Glas in
ihrer Hand. Ein Kichern durchdrang die Stimme, als Spike vor ihr aus dem Wasser
auftauchte und sie mit einem kleinen Grinsen ansah. Er fasste hinter ihren
Rücken, massierte dort für einige Momente ihre Seite und zog sie schließlich
vorsichtig ein wenig zu sich, so dass sie von der Wand des Pools nach vorne
rutschte. Seine Zunge wanderte über ihren Hals zu ihrem Schlüsselbein bis zu
ihrer linken Brust, wo er schließlich verweilte und tief einatmend einige Küsse
darauf verteilte.
„Miss Summers?“ hallte wieder
eine Stimme durch den vorderen Raum. Das höfliche Klopfen war inzwischen zu einem
lauten Hämmern geworden, das durch das komplette Apartment hallte.
„Ich werde ihn umbringen.“
fluchte Spike, als er aus dem Whirlpool sprang und nach einem der weißen
Bademäntel griff. „Merk dir wo wir waren, Liebes.“
„Warte.“ Buffy stieg, um die
Sicherheit des ungebetenen Gastes besorgt, ebenfalls aus dem Whirlpool und
wickelte sich ein Handtuch um den Körper.
Schnell rannte sie in den
Korridor und schlang ihre Arme um Spikes Rücken. „Also, wer wagt es uns aus dem
Whirlpool- Oh, oh! Mr. Travers.“
„Guten Morgen, Miss Summers.“
lächelte Quentin freundlich und schaute etwas ungläubig zwischen dem nassen
Vampir und der ziemlich verlegenen Jägerin hin und her. „William der Blutige?“
„Spike.“ verbesserte der
Vampir genervt.
Quentin zog eine Augenbraue
in die Höhe und legte den Kopf etwas schief. „Nun, was machen sie hier?“
„Ihren feinen Bürokratenarsch
re-“ setzte Spike an, doch Buffy unterbrach ihn sofort, indem sie ihn eine Hand
vor den Mund hielt.
„Er, er begleitet mich, Mr.
Travers. Spike ist einer unserer stärksten Kämpfer.“
Quentin schwieg einige
Sekunden, nickte aber dann schließlich und lächelte wieder. „Wundervoll. Bitte
folgen sie uns. Wir sollten keine Zeit vergeuden.“
„Oh. Jetzt sofort? Okay.“
stotterte Buffy und machte einen Schritt in den Korridor.
„Nun, Miss Summers. Sie
sollten sich schon etwas anziehen.“ lächelte Quentin ohne sich umzudrehen. „Wir
warten im Auto vor dem Hotel.“
Verwirrt sah Buffy dem
kleinen Mann hinterher, wurde aber im nächsten Moment von einer Hand ins Zimmer
zurückgezogen. „Alles okay?“ lachte er selbstsicher und zog wieder den Mantel
aus.
Sie sah ihn nicht an und ging
stattdessen zum Kleiderschrank. „Zieh dir etwas an.“
„Komm schon Liebes, sei nicht
so.“ lächelte er, ging ihr mit schnellen Schritten hinterher und legte seine
Arme um ihre Hüfte. „Was wissen die schon.“
Buffy drehte sich um und
strich flüchtig über seine Wange, bevor sie sich ihren Pullover überzog. „Das
war verdammt peinlich. Und jetzt zieh dir was an, bevor sie Sonne aufgeht.“
-
„Da sind sie ja endlich, Miss
Summers.“ seufzte Travers als die beiden aus dem Haupteingang heraus kamen.
„Wir dachten schon sie hätten es sich anders überlegt.“ lächelte Travers
freundlich und hielt die Tür der Limousine auf. Buffy und Spike setzten sich wortlos
in den hinteren Teil des Wagens, wo sich drei andere Wächter befanden. Travers
setzte sich ebenfalls und wandte sich zum Chauffeur „Fahren sie.“
Einige Minuten saßen alle
still im Auto und schauten sich gegenseitig misstrauisch an, bis Spike widerwillig
die Stille brach. „Also, wann kommt der Calvar an?“
„Nun, voraussichtlich morgen
Nacht.“ lächelte Travers und legte ein Bein über das andere.
„Wieso hat er den Umweg über
Italien gemacht?“ wollte Buffy nach einigen weiteren Minuten wissen.
Travers lächelte leicht, sein
Blick wurde etwas nachdenklich. „Nun, im italienischen Ratsgebäude befand sich
ein uraltes Relikt, das-“
„-ihn
unverwundbar, überdimensional stark und unsterblich macht.“ murmelte Buffy und
ließ sich gegen die Sitzlehne fallen. „Es ist immer dasselbe.“
Travers verdrehte die Augen
und schlug ein Buch auf, das er sogleich Buffy in die Hände drückte. „Nun,
nicht ganz.“
Buffy beugte sich zu Spike
hinüber und zeigte ihm das Bild eines kreisförmigen Amuletts, das mit einigen
blauen Saphiren und silbernem Stuck geschmückt war. „Wunderschön.“ lächelte
Buffy.
„Liebes, der Text.“ Spike
lehnte sich zurück, seufzte einmal tief und holte aus seiner Manteltasche eine
Zigarette, die er sich auch sofort anzündete. Buffy lächelte kurz verlegen zu
Travers und begann dann den Text laut zu lesen.
„Das Auge von Yala. Dieses Amulett stammt aus dem Jahr 347 nach Christus
und wurde von dem mächtigen Magier Harozan
erschaffen. Jeder der den Träger berührt wird sofort zu Asche. Dem, der das
Amulett trägt wird das ‚Wissen und die Macht Harozans’
übergeben. Harozan war zu seiner Zeit dafür bekannt,
dass er über Leben und Tod entscheiden konnte und zudem die Gabe der
Willensbeeinflussung besaß. Es kann nur Harozans
Schwert zerstört werden.“
Mit einem tiefen Seufzen
blickte Buffy auf und warf Travers einen abwertenden Blick zu. „Und so etwas
lassen sie unbewacht zwischen lauter Bücherwürmern herumliegen?“
„Miss Summers, dort waren
wohl einige ausgebildete Kämpfer, doch war der Calvar Dämon nicht alleine. Er
hatte wohl noch einige Leasheks um sich. Denen sind sie ja kürzlich begegnet.“
„Also um es genau zu sagen,
stehen wir zu zweit einem Calvar Dämonen mit der Macht eines tausend Jahre
altem Magiers gegenüber, der uns zu seinen kleinen Sklaven machen kann, den wir
nicht berühren dürfen und uns prinzipiell einfach mit einem Gedanken erledigen
kann?“ fasste Spike ruhig zusammen und zog an seiner Zigarette.
„Ihre Auffassungsgabe
begeistert mich.“ nickte Travers und stellte Spike einen Aschenbecher hin.
„Nun, William. Ich nehme an ihre Wandlung beruht auf diesem Chip in ihrem
Kopf?“ fragte er nach einigen Minuten.
Spike rollte die Augen und
richtete sich etwas auf. „Der Chip ist schon lange-“
„Ja, genau.“ lachte Buffy
nervös und nahm Spikes Hand etwas enthusiastischer als nötig. „Der Chip hat ihn
zu einem neuen Mann gemacht.“
Travers blickte skeptisch
zwischen den beiden hin und her. „Ist das so?“
Buffy lächelte Spike nickend
zu und gab Spike einen Kuss auf die Wange.
„Dämonen verprügeln ist besser
als gar nichts zu vermöbeln.“ sagte Spike nach einigen Sekunden mit einem
kleinen Augenrollen und drückte die Zigarette schließlich aus.
Einige Minuten später hielt
die Limousine vor einem großen Gebäude. Sie hatten die hektische Innenstadt
hinter sich gelassen, das Gemäuer war von riesigen Grasflächen und kleinen
Kieswegen umgeben. Vereinzelte Bäume reckten sich ihnen entgegen wie dürre
Finger.
„Nun, da sind wir. Wir
möchten ihnen einige Aufzeichnungen über den Calvar zeigen, sowie unsere
Kämpfer, die unter ihr Kommando gestellt wird.“
„Können die auch Schwerter
halten?“ murmelte Spike emotionslos und klatschte einmal aufgeregt in die
Hände.
Travers lächelte einige
Sekunden mitfühlend und sah den Vampir aufmerksam an. „Sarkasmus ist hier nicht
erwünscht, William. Das sind die besten Krieger unseres Landes.“
Spike zog interessiert eine
Augenbraue in die Höhe. „Falls sie sich erinnern, ich bin -“
„Oh, aber natürlich.“ seufzte
Travers. „Abgesehen von ihnen.“ verdrehte Travers die Augen kaum sehbar und
nahm einige Zettel entgegen, die ihm einer der anderen Männer reichte.
„Nun
gut. Gehen wir.“ verkündete er nach einigen Sekunden und lief mit schnellen
Schritten auf den Haupteingang zu.
Buffy
ließ ihre Schultern etwas sinken und trottete schließlich den Männern im Anzug
hinterher. Der große steinerne Torbogen führte in eine große Eingangshalle, die
von Säulen gestützt, hoch aufragte. Die Wände waren mit schwarzen Vorhängen
versehen, die das nur schwache Licht der Kerzen – von denen die meisten hinter
Schirmen aus dünn geschabtem schwarzem Leder aufgestellt waren - aufzusaugen
schienen und so den Raum noch dunkler erschienen lassen. Die Kuppeldecke war
mit einem riesigen Fresko versehen, eine Neuinterpretation des Puniner Totentanzes. Im Herzen des riesigen Raumes stand
eine große, aus dunklem Obsidian geschlagene Statue - eine Menschengestalt mit
Rabenkopf und ausgebreiteten Rabenschwingen, vor der einige Männer in dunklen
Anzügen standen.
Als
Travers sich mit einem wartenden Blick vor sie hinstellte, schnappte Buffy
wieder aus ihrer Starre hinaus. Die gedrückte Tiefe des Raumes hinterließ eine
Gänsehaut auf ihren Unterarmen und sie schluckte einige Male unbehaglich,
während sie dem Wächter folgte.
Travers führte sie mit gemächlichen Schritten
in die angrenzende Bibliothek, ein hoher Raum, dessen Wände bis unter die Decke
von Regalen verdeckt wurden. Die Bibliothek unterteilte sich in fünf Räume, der
erste war kreisrund, kein Zentimeter der Wand war ohne ein Buch. Im hinteren
Teil standen zwei Lesepulte, und in der Mitte des Raums stand ein langer
Schreibtisch.
„Nun Miss Summers, wir haben
eine kleine Auswahl von Büchern über diesen Calvar Dämonen, aber nur sehr
wenige Dateien über Harozan.“ fing Travers
schließlich an zu erzählen, als sie in der Mitte des Raumes zum Stehen gekommen
waren. „Nachdem sie sich umgesehen haben treffen sie sich mit Mrs. Carthy im
Raum links von uns.“ Er deutete zu dem großen Durchgang neben dem Tisch. „Sie
wird Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Details geben.“
„Okay.“ nickte Buffy schnell
und fasste nach Spikes Hand. Sie seufzte etwas, als er sie nach einigen
Sekunden leicht drückte und ihr einen kleinen Kuss auf den Kopf hauchte.
„Haben sie einen Trainingsraum?“
fragte sie, als der Wächter nichts mehr sagte und wippte auf einem Fuß hin und
her.
„Ja, diesen Korridor entlang.
Wir brauchen sowieso noch einen Moment um die letzten Bücher zusammenzusuchen.“
lächelte Quentin freundlich und öffnete eine Tür am anderen Ende des Raumes.
„Danke.“ nickte Buffy
flüchtig und zog griff abermals nach Spikes Hand um ihn mitzuziehen. Am Ende
des Flurs war eine große Tür bereits geöffnet und führte in eine große Halle.
Riesige blaue Matten waren überall auf dem Boden ausgebreitet, auf der rechten
Seite hingen fünf Boxsäcke, an denen jeweils zwei Männer standen. Als sie
einige Schritte in die Halle gegangen waren konnte Buffy zwei Frauen ausmachen,
die auf eine der beiden Matten fechteten und im
hinteren Bereich standen drei Männer in dunklen Anzügen, die miteinander
kämpften.
„Hi.“ rief Buffy nach einigen
Minuten etwas unsicher in den Raum und hob eine Hand, um kurz zu winken. Spike
grinste leicht und ging zu einer der großen Matte im Vorderbereich des Raumes.
„Na Jägerin, Lust auf ein kleines Duell?“ Er schnappte sich zwei Holzstangen
und schmiss eine zu Buffy, die sie reflexartig auffing.
„Die Jägerin?“ stoppten die
beiden Frauen sofort in ihren Bewegungen und zogen sich die schwarzen Masken
vom Gesicht.
„Das ist doch nicht die
Jägerin.“ murmelte einer der Männer in den dunklen Trainingsanzügen, als er auf
Buffy zulief. „Eher California-Barbie.“ Dem Lachen
schlossen sich auch sofort die anderen zwei Männer an und stellten sich
grinsend vor die zierliche blonde Frau.
„Das wird sicher
interessant.“ Lachte einer der Männer leise und ging wieder zurück zu der
anderen Matte, machte jedoch keine Anstalten wieder mit dem Training zu
beginnen. Stattdessen stellten sie sich aufmerksam nebeneinander und
beobachteten die Neuankömmlinge.
„Buffy, jetzt komm endlich.“
war Spike scheinbar wenig beeindruckt und wedelte ungeduldig mit einer der
Holzstangen herum.
Buffy seufzte etwas, ging
jedoch schließlich auf ihn zu und blieb erst drei Meter vor ihm stehen. „Du
weißt selbst wie ungern du verlierst.“ legte sie ihren Kopf schief und umgriff
die Holzstange mit beiden Händen.
„Was krieg' ich, wenn ich
gewinne?“ biss sich Spike leicht auf die Unterlippe und sprang einige Male auf
und ab.
„Was du willst.“ lachte Buffy
leise und beugte sich etwas nach vorne. Dann sah sie aufmerksam auf und nickte.
Er traf sie unerwartet. Zog die lange Holzstange einmal dicht über den Boden
und riss ihre Füße zur Seite. Mit einem dumpfen Rumpeln landete sie auf der
Matte und keuchte einmal laut. Das Lachen im Hintergrund ignorierte sie.
Stattdessen schwang sie ihre Beine einmal über ihren Kopf und richtete sich so
schnell auf, dass Spike es nicht kommen sah. Im nächsten Moment landete die
Stange längs gegen seinen Bauch und er ging fluchend zu Boden. Seine Hände
schossen zu ihrem Fuß, als sie noch einmal nachsetzen wollte und er wirbelte
sie einmal so herum, dass sie vor ihm auf dem Bauch lag.
Doch als er sich auf sie
werfen wollte, traf ihn die Stange quer gegen die Schulter und er stolperte
zurück. Sämtliche Luft wich aus seinen Lungen und er knallte gegen den Boden.
Als er aufsah war es bereits zu spät, sie hatte beide Hände gegen seine
Schultern gedrückt und ihre Beine hatten sich so um seine eigenen gelegt, dass
er sich nicht bewegen konnte. „Gottcha.“ lächelte sie
siegreich und ließ ihre Hüfte provokant auf seiner niedersinken.
„Wie lahm.“ meinte einer der
Männer kopfschüttelnd als er sich neben das Paar stellte. Mit einem fiesen
Grinsen wandte er sich zu Buffy und beäugte den blonden Vampir mitleidig. „Ich
glaube du brauchst mal einen richtigen Mann, Kleine.“ lachte er und streckte
der Blonden seine Hand entgegen. Bevor Buffy reagieren konnte, fuhr eine weiße
Hand nach oben und umgriff die Finger des Mannes. Ein gequälter Schrei hallte
durch die Halle und Buffy starrte entgeistert zu
Spike, als die Fingerknochen einmal laut knackten.
„Oh Gott, hör auf!“ schrie
sie und legte ihre linke Hand auf den eisernen Griff. Spikes Blick war jedoch
völlig finster und unnachgiebig auf den Mann vor sich gerichtet.
„Bitte...Ah!“ winselte der
schwarzhaarige Mann und blickte den kalt lächelnden Vampir vor sich geschockt
an.
„Mann genug für dich?“
flüsterte Spike, offensichtlich zufrieden mit sich und drückte noch etwas
fester zu. Blut tropfte in schnellen Stößen auf den Kachelboden.
Buffy starrte panisch auf den
blonden Mann herab und zog heftiger an seinen Fingern. „Spike, bitte!“ schrie
sie und richtete sich schließlich auf. Im nächsten Moment rammte sie ihre
rechte Faust gegen Spikes Schläfe und atmete hektisch ein und aus, als dieser
schließlich die Hand los ließ.
Für einen Moment sah er
verwirrt auf die blutige Hand vor sich, bevor er seinen Blick zu Buffy wandte
und sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Dann richtete er sich auf und
ging etwas rückwärts, sah noch einmal zu Buffy auf und rannte dann zum Ausgang.
Buffy zuckte beim Knallen der Tür kurz zusammen, widmete sich allerdings
schnell der blutenden Hand vor sich zu.
„Der verdammte Vampir ist
gefährlich. So etwas wird hier nicht geduldet. Mr. Travers wird dafür sogen,
dass er vernichtet wird.“ zischte der Mann, während er versuchte aufzustehen.
Buffy starrte den Mann an und
drückte ihn wieder auf den Boden. Sie musste um jeden Preis verhindern, dass Travers
davon erfuhr, dass Spike keinen Chip mehr hatte. „Sie werden Travers nichts
sagen.“ raunte sie und hielt ihn mit ihrem Knie am Boden fest. „Sonst werde ich
persönlich dafür sorgen, dass ihre Hände das nächste Mal nicht so glimpflich
davon kommen.“ Der Mann nickte schließlich nach einigen Sekunden völliger
Starre bedächtig und sah danach betreten auf die Matte zurück.
Dann ging sie ebenfalls aus
dem Trainingsraum hinaus und sah sich in dem großen Korridor um. Doch er war
nicht hier, der Gang war völlig leer. Seufzend ging sie zu einem der Aufzüge
auf der linken Seite und fuhr in das nächste Stockwerk. Dort angekommen zuckte
sie etwas zusammen, als Travers vor der Aufzugstüre stand.
„Oh Miss Summers, was machen
sie denn hier oben?“ lachte er amüsiert und stellte sich neben sie in den
Aufzug. Buffy sah ihn für einige Sekunden aufmerksam an und räusperte sich
schließlich verlegen. „Ich schätze ich habe mich verlaufen.“ seufzte sie und
sah auf den Boden. „Können sie mir sagen wo ich ein Telefon finde?“ fragte sie
ruhig, als sie wieder im Erdgeschoss angekommen waren.
Verwundert sah Travers auf
und beobachtete für einen Moment ihre Mimik bevor er aus dem Auszug in den Gang
trat. „Natürlich. Einfach den Gang zurück in die Bibliothek und dort links. Die
Telefone hängen in einem kleinen Seitenraum.“ nickte er und ging in die andere
Richtung ohne auf eine Antwort zu warten.
„Danke.“ murmelte sie und sah ihm noch einen Moment nach.
Zwei weitere Männer gesellten sich zu seiner Seite, beide mit mehreren Büchern
in den Armen. Als die drei schließlich um die Ecke verschwanden entfuhr ihr ein
zittriger Atemzug und sie legte ihren Kopf in den Nacken. Sie verschränkte die
Arme vor der Brust als sie in die Bibliothek zurückging. Ein hektisches Treiben
empfing sie in dem runden Raum, mehrere Wächter waren über einen länglichen
Schreibtisch gebeugt und unterhielten sich laut. Sie konnte das gleiche Buch
ausmachen, das sie zuvor in der Limousine angesehen hatte. Sie verharrte für
einen Moment in der Türe, bevor sie in den kleinen Seitenraum zu ihrer linken
abbog und eines der vielen schwarzen Telefone an der Wand in die Hand nahm.
Geistesabwesend drückte sie die vertraute Nummer und zuckte etwas zusammen, als
nach einem Klingeln direkt abgehoben wurde.
„Bei Summers?“ fragte eine
höfliche, deutlich britische Stimme, die Buffy automatisch lächeln ließ.
„Hey Giles.“ sagte Buffy nach
einigen Sekunden und ließ sich erschöpft gegen die Wand neben dem Telefon
fallen.
„Buffy?“ Seine Stimme klang
etwas verwundert und als sie nichts sagte, konnte sie praktisch hören wie er
sich die Brille von der Nase zog und nach dem kleinen Tuch in seiner
Jackentasche griff. „Nun, es ist schön dass du dich so früh meldest, auch wenn
es nicht unbedingt mitten in der Nacht hätte sein müssen.“ sagte er schließlich
und seine Stimme klang leicht besorgt.
„Oh, richtig.“ seufzte Buffy
und strich sich über die Stirn. „Hatte ich vergessen, tut mir Leid ich wollte
sie nicht-“
„Wie geht es dir? Ist alles
in Ordnung?“ unterbrach er sie und sie konnte hören, wie er sich auf einen
Sessel fallen ließ.
"Mir geht es gut.
Ehrlich, mir geht es gut." sagte sie nach wenigen Sekunden und ließ ihren
Kopf neben den Telefonapparat fallen. Sie schloss ihre Augen mit einem tiefen
Atemzug und biss sich auf die Unterlippe. „Spike, er...“ sie hielt für einen
Moment inne, überdachte ihre ursprünglichen Worte. „Nun, er ist eben Spike. Ich
schätze ich wusste dass es für ihn nicht sehr leicht wird mit den Wächtern.“
„Was ist passiert, Buffy?“ Seine
Stimme klang nun deutlich alarmiert und Buffy richtete sich auf. „Nichts,
wirklich. Er hat ein wenig die Beherrschung verloren, aber ich hab alles im
Griff.“ Sie wusste dass ihre Worte ihn wenig überzeugen würden und sie hörte
wie er einige Male tief seufzte und dann schwieg. Sie sagten für einige Minuten
nichts und als er schließlich sprach zuckte sie ein wenig zusammen.
„Ich kann dir von hier aus
nicht helfen, Buffy.“ begann er. „Du kennst ihn besser als ich und...“ er
unterbrach sich selbst für einen Moment und atmete einmal tief durch. „Ich
denke er würde alles dafür tun damit du es leichter hast, also rede mit ihm.“
wieder schwieg er für einige Sekunden und Buffy verzog ihren Mund nachdenklich.
„Auch wenn ihm alles andere egal ist, du bedeutest ihm etwas. Das sollte Grund
genug sein sich zu benehmen bis eure Aufgabe erledigt ist.“
Sie lächelte etwas bei seinen
seltsam freundlichen Worten über den Vampir und nickte schließlich, obwohl sie
wusste dass er es nicht sehen konnte. „Danke Giles.“ unterstrich sie ihre Geste
und schloss wieder ihre Augen. „Sagen sie den anderen, dass alles läuft wie
geplant und ich mich wieder melde wenn alles erledigt ist.“
Nachdem Giles aufgelegt hatte
lauschte sie dem dumpfen Geräusch des Wähltons noch
für eine ganze Weile, bevor sie sich schließlich aufrichtete und in den runden
Raum zurückging. Vage erinnerte sich noch an das Treffen mit der Wächterin und
mit einem tiefen Seufzen schlappte sie in die andere Richtung, zum zweiten Raum
des Bibliothekskomplexes.
Teil 7 – Erkenntnisse
Geistesabwesend ließ sie den Kugelschreiber zwischen ihrem Daumen und dem
Zeigefinger hin und her wackeln, bevor sie dem neunten Smiley
auf dem Blatt vor sich zwei spitze Eckzähne verpasste. „So hatten sie es
endlich geschafft Harozan in das Amulett zu bannen
und es tief im Pazifik zu versenken.“ Ein weiteres tiefes Seufzen entfloh
Buffys Lippen und sie blickte flüchtig zu dem blonden Vampir gegenüber von ihr.
Als er seinen Kopf zu ihr drehte widmete sie jedoch schnell wieder dem Blatt vor
sich die volle Aufmerksamkeit. Sie verzog ihre Lippen etwas, als sie die Spitze
des Stiftes wieder auf dem Blatt aufsetzte und dem lächelnden Mund des Vampir-Smileys eine kleine Blutspur zufügte. „Im Jahre 1682
wurde es schließlich vom französischen Rat der Wächter wiederentdeckt und
seitdem zwischen den verschiedenen Sitzen verwahrt.“
Missmutig ließ sie ihre
Unterlippe zwischen ihren Vorderzähnen hin und herwandern und stützte ihre
Stirn auf ihrer rechten Hand auf. Sie malte dem Spikesmiley
einen ungelenken Strichmännchen-Körper und verband seine linke Hand mit dem des
weiblichen Smileys daneben. „Mr. Giles hat ihnen
bereits berichtet wie das Amulett in die Hände das Calvar Dämonens
gelangt ist.“ stellte die dünne Frau vor dem Tisch etwas lauter als zuvor fest
und Buffy sah zum ersten Mal seit zwei Stunden zu ihr auf.
„Nun, ich finde es echt ganz
toll, dass ihr Wächter die Lebensgeschichte dieses Magiers auswendig kennt,
aber das hilft uns einen feuchten Dreck.“ sagte Spike, seine Stimme klang
aufmerksam und ernst. „Wichtiger ist, wie wir ihn töten können ohne ihn zu
berühren.“
„Das versuchen wir gerade
herauszufinden.“ lächelte die Wächterin schüchtern, während sie die drei Bücher
vor sich schloss. „Unsere Magier arbeiten an einem Zauber gegen die Willensbeeinflussung,
es wird alles fertig sein, bevor der Dämon hier eintrifft.“ sagte sie weiter
und nahm die schweren Bücher in die Hand.
„Mr. Travers erwartet Sie.
Haben Sie sonst noch irgendwelche Fragen?“ wollte sie wissen und sah einige
Male zwischen Buffy und Spike hin und her.
„Nein.“ konnte Buffy ein
Gähnen nicht unterdrücken. „Alles verstanden.“ murmelte sie und malte drei
kleine Herzchen über die beiden Smileys auf dem
Blatt. Verwundert sah sie wieder auf, als Spike mit der Wächterin zusammen zur Tür
lief und selbige für sie öffnete. Die Frau nickte dankbar, zog die Bücher noch
etwas näher zu ihrem Körper um sie besser tragen zu können und verschwand
schließlich.
Buffy senkte ihren Blick
wieder, als Spike sich umdrehte und sie anstarrte. Sie konnte hören wie er
knurrte und mit schnellen Schritten auf sie zulief. „Buffy.“ raunte er und ließ
sich vor ihr auf die Knie fallen. „Ich hab die Beherrschung verloren.“
schnaufte er und duckte sich etwas, um sie ansehen zu können. Sie legte ihren
Kopf schief und lugte schließlich durch ihre Wimpern zu ihm. Dann war seine
Hand auf ihrer Wange und sie konnte sich ein wohliges Seufzen nicht verkneifen.
„Er hat mich provoziert. Es tut mir Leid, Liebes, wirklich.“
„Provoziert? Du hast ihm die
Finger zerquetscht.“ murmelte sie und wandte ihren Blick wieder ab. Mit einem
Augenrollen knüllte sie das Blatt vor sich zusammen. Als er nichts sagte griff
sie nach seiner linken Hand und küsste diese flüchtig, bevor sie sie wieder los
ließ. „Und du hast es genossen.“ nickte sie und richtete sich auf. „So bist du
eben, aber das wusste ich.“
„Schwachsinn.“ knurrte er und
wollte eigentlich etwas erwidern doch sie unterbrach ihn, indem sie ihn einen
federleichten Kuss auf die Lippen drückte.
„Komm schon, Travers wartet.“
sagte sie danach und zog ihn mit sich zusammen hoch. Sie sahen sich für einen
Moment schweigend an, sein Blick wirkte erschöpft und ausgelaugt, doch sie
sagte nichts. Stattdessen gingen sie gemeinsam aus der Türe hinaus, zurück in
den ersten Raum der Bibliothek. Das hektische Treiben war vorüber. Die Wächter
die zuvor um den Tisch herum gestanden hatten, waren verschwunden. An ihren
Stellen saßen nun geschätzte dreißig Leute in legerer Kleidung, unter ihnen
auch die drei Männer und zwei Frauen aus dem Trainingsraum. Buffy blickte zu
Spike auf, der den dunkelhaarigen Mann mit kaltem Blick fixiert hatte. Travers
stand vor dem länglichen Ende des Tisches, einige lose Zettel in seinen Händen.
Als er die beiden im Torbogen stehen sah, lächelte er übertrieben freundlich
und ging auf sie zu. „Meine Damen und Herren? Darf ich vorstellen – Buffy
Summers und William der Blutige.“
„Spike.“ murmelte der Vampir
als sie an dem grauhaarigen Mann vorbeiliefen und sich neben den Tisch
stellten.
„Richtig. Spike. Sie werden euch
im Kampf gegen Calvar anführen.“ sprach Travers wenig beeindruckt weiter und
blickte zu den Leuten, die nun ihre Aufmerksamkeit auf die beiden
Neuankömmlinge gerichtet hatten. „Es sind insgesamt fünfundzwanzig fähige
Krieger und sechs Zauberer. Der irische Ratsanführer war so freundlich uns
seine fähigste Magierin zu schicken.“ Er deutete auf eine blonde, kurzhaarige
Frau die am Tischende gegenüber von ihm saß. „Ciara.“ Sie blickte nur flüchtig
auf, nickte einmal und verschwand dann wieder zwischen einem Buch. „Natürlich
wird die Armee um den Calvar uns zahlenmäßig überlegen sein, doch-“
„Wir müssen kurz was klären.“
unterbrach ihn Spike, griff nach Buffys Hand und zog sie kurzerhand mit zur
Türe. „Entschuldigung.“ murmelte Buffy und stolperte dem Vampir ungelenk
hinterher. Als sie im Gang stand griff er nach dem Türgriff und schmiss sie in
die Halterung. Dann starrte er sie für eine ganze Weile an und begann
schließlich vor ihr einige Male hin und her zu laufen.
Buffy lächelte kaum sehbar
und legte ihren Kopf etwas amüsiert zur Seite. Er wirkte so aufgelöst... fast
peinlich berührt... Sie liebte es.
„Hör zu, Buffy. Ich weiß dass
es manchmal nicht leicht mit mir ist.“ seufzte er und strich sich angestrengt
über die Stirn ohne sie anzusehen. „Speziell nach dieser Sache mit dem Chip.“
Er schüttelte den Kopf als wollte er den Gedanken schnellstmöglich wieder
loswerden. „Aber du musst mir glauben dass ich mich anstrenge.“ Mit diesen
Worten sah er schließlich auf und Buffy fühlte wie ihre Beine drohten unter seinem
intensiven Blick nachzugeben. „Spike, ich...“
„Ich liebe dich. Das weißt
du.“ Seine Stimme klang brüchig und sie konnte sich nur sehr vage vorstellen
was er sich in den letzten drei Stunden eingeredet haben musste um plötzlich so
sehr an ihr zu zweifeln. „Der verdammte Wichser hat es einfach nicht anders
verdient und das ist auch schon alles.“ Er kniff seine Augenbrauen etwas
zusammen und sah sie bittend an. „Du hast mich völlig verändert, ich will nicht
mehr der Mann sein der ich vor drei Jahren war... Und nur weil ich-“
Buffy seufzte und ging zwei
Schritte auf ihn zu, so dass sie direkt vor ihm stand. Kaum ein Zentimeter
trennte sie von einander. „Spike, ich weiß.“ lächelte sie und strich ihm über
die Wange. „Ich weiß das alles. Ich wusste es schon vor zwei Jahren, ich wusste
es im Trainingsraum.“ Fasziniert beobachtete sie wie sich die Besorgnis in
seinem Blick in pure Erleichterung verwandelte, obwohl er in seiner Position
verharrte und sie einfach nur anstarrte. „Ich liebe dich. Ich liebe alles was
dich ausmacht und glaub’ mir... Ich kenne dich, Spike.“
Seine Augen funkelten
daraufhin verräterisch und er biss sich auf die Unterlippe. Sein Blick war
voller Demut - Überwältigt von ihrer Akzeptanz - Überwältigt von den Gefühlen,
die sie nicht mehr zu rechtfertigen versuchte – Überwältigt von der Liebe, die
so offensichtlich in ihrem Gesicht Ausdruck fand.
Dann blinzelte er und etwas
Anderes überschattete sein Gesicht. „Hey!“ schnaubte er und sah sie
missbilligend an. „Du hast mich die ganze Zeit nur aufgezogen.“ stellte er fest
und lehnte sich etwas zurück, ohne jedoch von ihr wegzugehen. Buffy biss sich
auf die Lippe um das Grinsen zu verbergen, das sich auf ihren Mund drängen
wollte. „Als du weg warst hab ich ihm gedroht ihm noch ganz andere Dinge zu
zerquetschen wenn er etwas erzählt.“ zuckte sie mit den Schultern.
Als sie wieder zu ihm aufsah
waren seine Augen etwas trüb und sie versuchte für einen Moment zu verstehen
was in ihm vorging, doch im nächsten Augenblick presste er sich an sie,
stolperte mit ihr zurück gegen die Holzwand und rammte seine Zunge in ihren
Mund. Seine Hände fuhren forsch über ihre Seiten und verharrten schließlich auf
ihre Hüfte. Er drückte seine Mitte mit einem Raunen gegen ihren Körper und
zwang sie noch weiter gegen die Wand. Wie automatisch verfingen sich Buffys
Finger in seinen blonden Locken und kraulten dort seinen Nacken. Leise wimmerte
sie gegen seine Lippen, als er sich für einige wenige Sekunden aus ihrem Mund
zurück zog um ihr Zeit zum atmen zu geben. „Gott, ich liebe dich.“ keuchte er
gegen ihre Lippen, seine rechte Hand wanderte über ihren Körper, von ihrer
Hüfte zu ihrem Hals und wieder nach unten zu ihrem Oberschenkel.
Daraufhin öffnete sie ihre
Augen schwerfällig und sah ihn mit einem schmalen Lächeln an. Seine Stirn war
auf ihrer eigenen gebettet und er hatte seinen Blick gesenkt. Er machte es ihr
so leicht ihn zu lieben... und er wusste es nicht einmal.
Wenn sie ihn ansah fühlte sie
nichts mehr als das absolute Vertrauen und die Hingabe zu ihm. Wenn sie ihn
ansah wollte sie nichts weiter als für immer mit ihm zusammen zu sein. Sie
wollte mit ihm in das British Museum gehen und ihn alles haarklein erklären
lassen, nur um seine Stimme zu hören. Sie wollte mit ihm Angeln gehen und
später allen erzählen, dass der Fisch, den er gefangen hatte, mindestens zwei
Meter lang war, damit sie dieses schüchterne Lächeln zu sehen bekam, das er ihr
sonst nie zeigte. Sie wollte ihn zum Minigolf schleppen und heimlich den Ball
ins Loch schupsen, wenn er danebenschoss... denn sie war sich sicher, dass er
sie dann mit diesem typisch-arrogantem Blick ansahen würde, den sie vor nicht
allzu langer Zeit so sehr gehasst hatte. Herrgott, wenn sie ihn ansah wollte
sie reiten lernen und gemeinsam mit ihm auf einem schneeweißen Pferd durch die
Puszta Ungarns galoppieren. Sie wollte ins Kino gehen und sich bei den
grusligen Stellen in seine Arme werfen. Sie wollte mit ihm zum Essen gehen,
eine riesige Blutwurst bestellen und ihm dann mit der Serviette das Blut aus
den Mundwinkeln wischen. Wenn sie ihn ansah, wollte sie einfach alles.
Und als er ihr eine
Haarsträhne aus dem Gesicht strich und sie voller Demut auf die Stirn, dann auf
die Wange und schließlich wieder auf den Mund küsste, wusste sie dass sie das
jetzt alles haben konnten.
„Ich störe wirklich ungern,
aber können wir bitte weitermachen?“ riss sie eine deutlich genervte Stimme aus
ihrem eigenen persönlichen Jane-Austen-Roman. Travers stand zwei Meter neben
ihnen im Türrahmen und holte eine kleine silberne Taschenuhr aus seiner Jackettasche.
„Wir haben nicht mehr viel Zeit.“ mahnte er und verschwand wieder im Raum.
Buffy warf dem blonden Mann
vor ihr einen wissenden Blick zu, strich ihm für einige Sekunden sanft über die
Wange und löste sich schließlich aus seinem Griff. „Erst die Arbeit...“ setzte
sie mit erhobenem Zeigefinger an, wurde jedoch jäh unterbrochen, als Spike sie
leise lachend auf den Hintern schlug. „Dein Vergnügen wird daraus bestehen mich
für diesen ganzen Mist hier zwei Wochen zu entschädigen, Liebes.“ Sie sah
darauf hin kurz skeptisch über die Schulter und seufzte tief, bevor sie in den
Raum zurück lief.
„Wunderbar.“ kommentierte
Travers das Eintreten der beiden ohne aufzublicken. „Weiter im Text. Die Magier
werden unter Ciaras Leitung versuchen Harozans Fähigkeiten zurück in das Amulett zu bannen.“
„Versuchen?“ Buffy stellte
sich neben den Ratsvorsitzenden, die Hände in die Hüfte gestemmt. „Wir werden
alle ziemlich tot sein wenn sie es nicht schaffen oder?“
Travers lächelte milde,
offensichtlich wenig davon erfreut andauernd unterbrochen zu werden. „Miss
Summers. Ciara ist eine der fähigsten Hexen unserer Zeit - Wir werden den Calvar vom Zaubern abhalten
und sie erledigen den Rest.“ Er blickte für einen Moment zu Spike auf und
seufzte schließlich lautstark. „Wir haben sie hier her bringen lassen, damit
sie den Calvar vernichten, um diese Leashek-Söldner
werden sich unsere eigenen Kämpfer kümmern.“
„Was passiert mit dem
Amulett?“ fragte Buffy mit ausdrucksloser Miene.
„Natürlich werden wir es
wieder verwahren.“ runzelte Travers seine Stirn und drehte sich ein wenig in
Buffys Richtung.
Hinter ihr lachte Spike leise
und legte eine Hand auf Buffys Schulter. „Damit wir in einem Jahr wieder hier
antanzen dürfen?“ fragte er, offensichtlich amüsiert. „Ich dachte sie wollten
es mit diesem Schwert zerstören.“
„Wir sollten nicht überstürzt
handeln.“ schüttelte Travers den Kopf, ging einige Schritte um den Tisch herum
und gab der blonden Magierin einige Zettel in die Hand. „Zunächst einmal ist
das Amulett ein Artefakt von unschätzbarem Wert, geschweige denn der Macht die
davon ausgeht.“ Er blieb neben der zierlichen Frau stehen und deutete auf eine
Stelle auf dem weißen Blatt. Dann sah er wieder auf und lächelte kaum sehbar.
„Was sie verstehen müssen ist
dass Calvar Dämonen von Natur aus Magier sind. Selbst wenn wir also die
besonderen Kräfte Harozans bannen werden, wird der
Calvar seine eigenen Fähigkeiten nutzen können.“ erklärte Travers mit ernster
Miene. „Um ihn zu töten müssen Sie seinen Kopf abtrennen und Sie dürfen ihn
dabei nach wie vor nicht anfassen – Kein Treten, kein Schlagen. Das würde
sowohl für Menschen als auch für einen Vampir zu einem äußerst qualvollen Tod
führen.“
Spike zog eine Augenbraue in
die Höhe und lehnte sich etwas zur Seite. „Qualvoll?“
„Wir nehmen an, dass der
Calvar Giftdrüsen besitzt, die sein Gift bei der kleinsten Berührung auf den
Körper des Angreifers übertragen. Wir haben allerdings auch nur vage Gerüchte
über jemanden gehört der erst zwei Tage nach der Vergiftung unter schrecklichen
Schmerzen gestorben ist.“
„Ich erinnere mich.“
schnaubte Spike geistesabwesend und blickte zu den verdunkelten Fenstern.
Verwirrt drehte sich Buffy um
und starrte ihn an. „Was meinst du?“
Doch Spike schüttelte nur
lächelnd seinen Kopf und zog sie etwas zu sich. „Alte Geschichte, nicht
wichtig.“ Als Buffy sich wieder herumdrehte senkte sich sein Blick und er
starrte gebannt auf den Boden. Seine Stirn legte sich nachdenklich in Falten
und er biss sich auf die Unterlippe.
„Mrs. Carthy?“ drehte sich
Travers nach einigen Minuten herum und winkte eine kleine Wächterin heran.
„Zeigen Sie unseren Gästen doch bitte ihr Zimmer im oberen Stockwerk.“
Daraufhin drehte er sich wieder zurück und
musterte die beiden aufmerksam. „Ich nehme an sie wollen sich einen Raum
teilen. Wir werden Wachposten aufstellen, die Armee wird wohl gegen Mitternacht
hier eintreffen, also ruhen Sie sich etwas aus.“ sagte er und beobachtete
zufrieden wie Buffy und Spike der Wächterin ohne ein weiteres Kommentar
folgten.
-
Spike ließ das lange
Zweihandschwert ungeduldig vor seinem Körper hin und her schwingen. Die Klinge
durchschnitt die neblige Nachtluft und erfüllte die Stille mit leisen Tönen.
Seufzend starrte Buffy auf die dünne Uhr um ihr Armgelenk und sah wieder auf
die weite Wiese vor sich. Es war inzwischen dreiundzwanzig Uhr und die
restlichen Krieger hatten sich hinter ihnen versammelt. Die blonde Magierin
hatte sich mit einigen anderen Frauen auf der rechten Seite des Ratsgebäudes
positioniert. Unzählige Wachposten patrouillierten mit großen Holzfackeln die
langen Seiten des Anwesens entlang.
Ein Schauer durchfuhr Buffys
Körper und sie zog die dünne Stoffjacke noch etwas enger um ihren Körper. Der
Nebel hatte sich in den letzten Minuten sichtbar verdichtet, die ersten Bäume
des nahen Waldes waren völlig von dem grauen Schleier verdeckt.
Kurz zuckte sie zusammen, als
Spike seine linke Hand um ihre Hüfte legte und sah auf. Er lächelte etwas und
küsste sie auf die Stirn. „Ich würde dich ja gerne wärmen Liebes, aber...“ Er
wurde durch ein lautes Knurren unterbrochen das in der Stille verhallte. Leise
Schritte ersetzten das Geräusch. Nackte Füße zwischen Grashalmen. Dann flog
eine lange, brennende Holzstange neben Buffy in das große Fenster der
Eingangshalle. Das Glas zersplitterte mit einem lauten Klirren und im nächsten
Moment kamen alle Wachposten von den Seiten angerannt.
„Überpünktlich.“ murmelte
Spike und löste sich etwas von Buffy, die immer noch zu dem eingeschlagenen
Fenster starrte.
„Siehst du etwas?“ fragte sie
schließlich und blickte wieder zurück zum Wald. Durch den Nebel konnte man noch
immer nichts erkennen, die grauen Wolken verdeckten die Sicht völlig.
Für einige Sekunden sagte der
Vampir nichts, bis sich seine Augen weiteten und er einen Schritt nach vorne
ging. „Bloody Hell, das sind... viele.“ Er kniff seine Augen zusammen, das
lange Schwert umfasste er sicher mit beiden Händen. „Hundert, mindestens.“
sagte er schließlich und griff blind nach Buffy.
Mit ernstem Blick nahm sie
seine Hand in ihre eigene und hauchte einen Kuss auf seine weißen Finger. „Wenn
wir Calvar töten, werden sie fliehen.“ Ihr Mund verharrte auf seiner Hand und
sie atmete tief durch.
Spike lächelte zu ihr und
legte den Kopf schief. „Dann mal los.“
Mit diesen Worten ließ sie
seine Hand los und beide blickten nach vorne. Silhouetten begannen sich gegen
den Nebel abzuzeichnen. Große, kräftige Gestalten mit grünlicher Haut liefen
mit langsamen Schritten auf das Gebäude zu.
„Sie haben Helme auf.“
schnaubte Buffy, während sie langsam auf die vielen Dämonen zulief. Mit ernstem
Blick drehte sie sich zu den Männern hinter sich um. „Schlagt ihnen die Helme
vom Kopf und zerstört die Rubine.“ erinnerte sie die Krieger und als diese
nickten, lief sie weiter. Als sie nur noch Meter von den ersten Dämonen
entfernt waren, knurrte Spike und rannte auf die Leasheks zu. Buffy blieb
zurück und beobachtete wie die Krieger dem Vampir folgten und die ersten
grünschuppigen Kreaturen mit gezielten Schlägen niederstreckten. Mit
zugekniffenen Augen stellte sie sich auf die Zehenspitzen und überblickte die
Wiese. Ciara hatte sich mit den anderen Magierinnen vor dem Ratsgebäude
positioniert. Drei der Frauen waren damit beschäftigt vereinzelte Dämonen, die
sich von der Masse entfernten und direkt auf das Gebäude zusteuerten
auszuschalten. Die kurzhaarige, blonde Frau jedoch schwebte einige Meter über
dem Boden und beide Hände waren nach vorne ausgestreckt, ihr Blick auf einen
Punkt im Nebel fixiert.
Buffy ging einige Schritte
nach vorne und folgte der Blickrichtung der Zauberin, bis sie schließlich zwei
leuchtend rote Augen durch den dichten Nebel erkennen konnte. „Spike! Dort!“
schrie sie und duckte sich im nächsten Moment, als sich einer der Leasheks auf
sie zubewegte.
„Wir müssen uns
durchkämpfen.“ raunte Spike angestrengt, während er einem weiteren Leashek den
Helm vom Kopf schlug und ihn zielsicher tötete. Buffy hörte wie hinter Ciara
immer lauter in ihren Singsang verfiel.
Sie hatte das Gefühl allein
in den letzten paar Minuten hunderte Dämonen getötet zu haben, doch die riesige
Grünfläche schien sich nicht zu leeren. Schwer atmend drückte sie sich an
Spikes Rücken und umfasste ihre Axt krampfhaft, als der nächste Leashek auf sie
zukam. Der harte Schlag von der Seite traf sie unerwartet und schickte sie
geradewegs auf den Boden. Als sie aufsah konnte sie einen zweiten Dämonen
sehen, der ihre Waffe in die Hände nahm und sich über sie beugte. Ihre Augen
weiteten sich und sie rollte sich zur Seite, als die Axt im nächsten Moment auf
sie hinabsauste.
Als sie auf dem Rücken lag,
riss sie ihre Beine in die Höhe und dem zweiten Angreifer gegen die Beine. Der
Leashek taumelte ein wenig nach hinten, konnte sich jedoch aufrecht halten und
lief wieder auf sie zu. Doch als er bei ihr angekommen war, sprang Buffy auf
ihre Beine und griff an Spikes Gürtel. Sie umfasste den Dolch rücklings, sprang
in die Luft und trat den Helm vom Kopf des Leasheks. Als der zweite Dämon
ebenfalls bei ihr angelangt war, duckte sie sich instinktiv um dem ersten
Schlag auszuweichen. Sie stemmte sich gegen den schuppigen Bauch ab und drehte
sich in der Luft um den Griff des Dolchs gegen den roten Rubin zu rammen. Dann
drehte sie sich einmal um und lief einige Schritte zurück um mehr Platz
zwischen sich und dem zweiten Leashek zu schaffen.
Kurz zog sie ihre Augenbrauen
verwirrt zusammen, als sie Spike nicht mehr sehen konnte und reckte sich ein
wenig um das Feld zu überblicken. Nachdem sie sich wieder der Kreatur vor sich
widmen wollte, war diese jedoch von einem der Ratskrieger in einen Kampf
verwickelt worden.
Schwer atmend blickte sie
sich wieder um, konnte ihn aber nicht entdecken. So schrie sie kraftlos seinen Namen,
griff nach ihrer Axt und rannte dann so schnell sie konnte durch die Lücke, die
sich allmählich zwischen den Reihen gebildet hatte.
„Jägerin.“ Die Stimme war
kalt, völlig emotionslos und als Buffy sich einmal um die eigene Achse drehte
starrte sie in zwei hell leuchtende, rote Augen. Instinktiv ging sie einige
Schritte zurück und hielt ihre Waffe quer vor die Brust, beide Hände fest um
den Griff gelegt. „Lernen wir uns endlich kennen.“ sprach Calvar weiter, die
schwarze Kapuze tief ins Gesicht gezogen. „Schade nur, dass uns die Zeit fehlt
ein wenig zu plaudern.“ Mit diesen Worten streckte er seine Hände in ihre
Richtung und verharrte einige Sekunden in dieser Position, bevor sich vor
seinen Handinnenflächen zwei orangene Kugeln
bildeten.
Buffys Augen weiteten sich
und sie ließ ihre Axt sinken während sie sich herumdrehte und rannte. Doch
wenige Meter weiter erschien vor ihren Füßen aus dem Nichts eine Feuerwand.
Sofort machte sie einen Satz zur Seite und versuchte durch die letzte Lücke zu
rennen, doch als bevor sie dort ankam, war auch die letzte Stelle im Kreis mit
Feuer durchzogen.
„So wie es aussieht sind wir
nun unter uns.“ ertönte die eiskalte Stimme wieder und als Buffy sich zu ihm
herumdrehen wollte, flog ein riesiger Ball aus Feuer auf sie zu. Sie konnte
sich im letzten Moment zur Seite rollen und schaffte es nach einigen
Wiederholungen schließlich dem Dämon die Axt an den Bauch zu rammen. Dieser
schien sich allerdings nicht sonderlich daran zu stören und Buffy wurde durch
einen unsichtbaren Schlag von ihm gestoßen.
Sie versuchte sich
aufzurichten, wurde aber durch einen Stich in ihrer Brust daran gehindert.
Unsicher sah sie an sich herunter und starrte ungläubig auf den Blutfleck, der
sich allmählich in den Stoff ihres T-Shirts saugte und immer größer wurde. Mit
viel Mühe richtete sie sich auf und packte die Axt mit beiden Händen.
„Du bist kein Gegner für
mich.“ flüsterte Calvar, als er sich vor sie stellte. Ihre Hände zitterten um
den metallenen Griff ihrer Waffe und sie spürte wie ihre Beine langsam
nachgaben. „Du hast nicht die geringste Chance. Du bist schwach.“ wiederholte
er und die roten Augen glühten für einen flüchtigen Moment weiß auf. Buffy
schloss ihre Augen und ließ sich schließlich auf den Rücken fallen, beide Hände
auf ihren Bauch gelegt. In diesem Moment erlosch das Feuer um sie herum und das
Geräusch von aufeinander prallenden Waffen drang wieder an ihre Ohren. Sie
konnte ihre Augen nur einen Spalt öffnen, die Schwärze drohte sie zu
übermannen, doch als sie ihren Kopf zur Seite drehte konnte sie sehen, wie
Spike auf sie zu gerannt kam. Mit angespannter Miene kniete er sich neben sie
und zog ihr T-Shirt kurz nach oben um die Wunde ansehen zu können. Dann wandte
er den Blick ab und fixierte den Dämon.
„So sieht man sich wieder, Spike.“
zischte der Calvar und seine Augen begannen rot zu funkeln.
„Wie geht’s der Familie,
Calvar?“ lachte der blonde Vampir leise und schwang das große Zweihandschwert
unbeeindruckt vor sich hin und her. „Letztes Mal als ich die werte Ehefrau
gesehen habe wirkte sie etwas... verstört“
Kaum hatte Spike die Worte
ausgesprochen rasten drei weitere Feuerbälle auf sie zu und er konnte Buffy im
letzten Moment aus der Schusslinie zerren. Lachend rappelte er sich wieder auf
und blickte den Dämonen amüsiert in die Augen. „Schätze mal das hat sich nicht
sehr verändert, nicht?“
„Du elender Bastard.“ spuckte
Calvar voller Verachtung, sein Brustkorb hob und senkte sich so schnell, als
hätte er Probleme zu atmen. „Heute ist der Tag meiner Rache und du wirst
leiden.“ Seine Augen blitzten rot auf und er streckte seine Hände wieder
angespannt nach vorne. Die Feuerbälle bildeten sich so schnell, dass sie keine
Zeit hatten zu reagieren und als Spike Buffy aufraffte und mit ihr zur Seite
sprang, krachte der einer der magischen Feuerbälle in den Boden unter ihnen.
Buffys Augen weiteten sich
und sie konnte einen lauten, spitzen Schrei nicht zurückhalten, als die
glühende Hitze sich über ihrem Bauch verteilte und sie auf die Erde zurück
fiel. Ihre Hände legte sie instinktiv auf ihren Pullover. Der Stoff war
verbrannt, an einigen Stellen völlig zerrissen und sie ließ ihren Kopf stöhnend
in den Nacken fallen. Als sie aufsah, begegnete sie sofort Spikes Blick der
angespannt über ihren Körper wandert. „Er hat dich nur gestriffen,
das wird wieder.“ versicherte er, mehr zu sich selbst als zu ihr.
„Spike, woher kennst du...“
wollte sie nach dem Calvar fragen, doch er schüttelte nur den Kopf, den Blick
bereits wieder abgewandt.
„Später. Bleib liegen.“
Flüchtig drückte er ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor er ihr die Axt aus der
Hand nahm. Der Calvar hatte das Geschehen neugierig betrachtete und musterte
die Jägerin kalt lächelnd. „Ich kann nicht glauben, dass du wirklich nicht mehr
mit Drusilla zusammen bist.“ lachte er düster. „Dabei hatte ich so großes mit
euch beiden vor.“ Er machte eine Pause und legte den Kopf schief. Seine Arme
waren vor dem langen schwarzen Mantel verschränkt, die Kapuze noch immer so
tief in das Gesicht gezogen, das man nichts von ihm sehen konnte. „Man hört ja
so Einiges von dir. Tötetest deine eigene Art, bekämpfst das Böse, folgst der Jägerin wie ein Hund.
Ich konnte es nicht glauben als ich es hörte, aber als ich dich dann in
Sunnydale so sah... wirklich amüsant.“
Spike schüttelte lachend
seinen Kopf, die Hände tief in den Manteltaschen vergaben. Er ging einige
Schritte auf den Dämonen zu, langsam, lauernd. „Du bist so erbärmlich.“
schnaubte er. „Der ganze Aufwand. Hunderte von diesen Nur-Muskeln-Kein-Gehirn-Dämonen.
Dann dieses Amulett...“ Er deutete mit der rechten Hand auf den kleinen,
unscheinbaren Anhänger mit dem großen, blauen Saphir. „Nur meinetwegen?“ Wieder
konnte er ein Lachen nicht unterdrücken und er legte den Kopf etwas schief.
„Ohne Scheiß man, ist das dein Ernst?“ wollte er wissen und zog die Augenbrauen
verwundert in die Höhe als Calvar laut zu lachen begann.
„Oh William.“ presste er
zwischen abgehakten Atemzügen heraus. „Denken war noch nie deine Stärke oder?
Denkst du ernsthaft dieser ganze Aufwand ist deinetwegen?“ wollte er wissen,
die Stimme wieder ernst als er weiter sprach. „Zugegeben – Als ich hörte dass
du hier her kommen würdest, war das eine nette Gelegenheit mit einigen alten
Rachegelüsten ins Reine zu kommen.“ Er machte eine ausgedehnte Pause und im
Schatten des Kapuze bildete sich bei diesem Gedanken ein kleines Lächeln auf
den Lippen des Dämons. „Aber nein, ich bin nicht deinetwegen hier. Es gibt um
einiges wichtigere Dinge auf dieser Welt als William der Blutige.“ Er neigte
seinen Kopf etwas zur Seite und er streckte seine Arme leicht nach vorne. „Was
mich nicht davon abhalten wird dich winselnd vor mir kriechen zu sehen.“
Die Augen des Dämons blitzten
wieder feuerrot auf und bevor Spike reagieren konnte flog ein leuchtender Blitz
auf ihn zu. Als er auf seiner Brust landete, spürte er nichts, kein Schmerz,
nicht einmal ein Brennen. Verwirrt starrte er erst zum Calvar und dann auf
seinen Körper. „Was zur...“ Doch in der nächsten Sekunde zuckte ein stechender
Schmerz durch seinen Rücken und kurz darauf begann sein kompletter Körper
innerlich zu brennen. Mit einem gequälten Schrei wurde er auf seine Knie
gezwungen und seine Augen starrten geweitet auf das fechte Gras unter sich.
Sein Körper war völlig unverzehrt, kein Zeichen auf den Schmerz in ihm war zu
erkennen. Tränen bildeten sich ohne sein zutun und er fiel vornüber in die aufgequellte Erde. Er konnte Buffy sehen, die ihn mit weit
aufgerissenen Augen anstarrte und langsam auf ihn zurobbte.
„Du kannst dir nicht einmal vorstellen
wie viel Macht ich dank diesem kleinen Schmuckstücks über dich habe.“ lächelte
der Calvar als er neben Spike angekommen war. Seine Finger flogen in der Luft
über Spikes Körper hin und her, als würde er die Impulse persönlich hin und her
wandern lassen. Der Mund des Vampirs war einen Spalt geöffnet und seine
Gesichtszüge wie erstarrt. Dann wandte er seinen Blick desinteressiert ab,
überflog für einige Sekunden das Kampfgeschehen um sich herum, bevor er sich
schließlich zu der blonden Frau neben sich umdrehte.
Er ging mit großen Schritten
auf sie zu und sah lächelnd auf sie hinab. Langsam beugte er sich über sie und
sein Gesicht blieb nur wenige Zentimeter von Buffys entfernt. „Du bist wirklich
ein hübsches Mädchen, Jägerin.“ Seine Stimme klang beinahe liebevoll, als er
einen langen, silbernen Dolch hervor zog. „Ich kann verstehen wieso er sich in
dich verliebt hat.“ flüsterte er. „Und ich werde ihn umso besser verstehen,
wenn er dich verloren hat.“
Buffy blickte mit großen
Augen auf den Dolch, der bedrohlich näher auf ihren Hals zukam und wollte ihn
weg schlagen, doch sie war wie gelähmt. Sie blickte flehend in die großen roten
Augen über sich, doch diese sahen sie nur voller Verachtung an. „Für Cathrin.“
zischte er und setzte zum Stich an.
Als die Schneide des Dolchs
nur noch eine Haaresbreite von ihrem Hals entfernt war, umfassten zwei weiße
Hände den Hals des Calvars und rissen ihn zur Seite. Für einen Moment schloss
sie ihre Augen und ließ die Erleichterung sie überwältigen. Sie spürte wie sich
Tränen den Weg über ihre Wangen bahnten. Sie blieb liegen und lauschte den
Geräuschen um sich. Die Kampflaute waren weniger geworden, nur noch vereinzelt
prallten Waffen aufeinander. Als sie ihre Augen öffnete, starrte sie in einen
sternenklaren Himmel, der Nebel hatte sich völlig gelichtet. Die kalte
Nachtluft erfüllte ihre Lungen und sie seufzte tief bevor sie sich aufrichtete.
Ihre linke Hand wanderte automatisch über ihren Bauch, erfühlte die verbrannte
Haut unter ihrem Pullover und sie zischte etwas als ihr Körper bei der
schnellen Bewegung beinahe nachgab.
Sie schaute sich um und
bemerkte die vielen toten Körper, die neben ihr lagen. Die meisten Leichen
waren Überreste der Leasheks. Doch sie erkannte auch einige der Kämpfer wieder
die sie erst am Vortag kennen gelernt hatte. Sogar der Mann mit der gebrochenen
Hand hatte die Nacht nicht überlebt. Schließlich fand sie Spike neben sich
liegen. Seine Hände waren noch immer in einem eisigen Griff um den Hals des
Calvars gelegt. Er hielt den Dolch noch immer fest in seinen Händen. Sie
blinzelte, als sie auf die beiden Körper zu kroch. Keiner bewegte sich, beide
lagen mit dem Bauch auf der nassen Erde, als wären sie bewusstlos. Ihr Blick
war starr auf Spikes Händen verankert... Auf der Art wie seine Muskeln noch
immer angespannt waren. Seine Finger zitterten leicht vor Anstrengung, doch er
machte keine Anstalten ihn loszulassen.
Wieder blinzelte sie und ihr
Mund öffnete sich mit einem lauten Keuchen... Und als sie nur noch eine
Fußlänge von ihm entfernt war verstand sie.
-
Einzelne Tropfen fielen stumm
auf die durchweichte Erde. Die Wenigen die, die Nacht überlebt hatten krochen
stöhnend zurück zu der Veranda des Ratsgebäudes oder suchten Schutz unter den
dichten Bäumen des nahe liegenden Waldes.
Buffy nahm weit entfernt eine
Stimme wahr, die schon einige Minuten verzweifelt schrie. Vielleicht war es
Travers, der wollte dass sie ebenfalls wieder zurück ins Gebäude kam.
Vielleicht war es jemand, der verletzt war und nach Hilfe schrie -
Wahrscheinlich war es sie selbst, die immer noch einsam in der Dunkelheit über
seinen regungslosen Körper gebeugt saß und weinend seinen Namen flüsterte.
Es waren bereits viele,
endlos scheinende Minuten vergangen. Der Calvar war dank Spikes unbarmherzigen
Griff noch immer bewusstlos. Ihre Augen waren starr auf seine blassen Hände
fixiert. Sie konnte nicht weg sehen, vermochte es einfach nicht ihren Blick
abzuwenden. Drei dünne, silberne Spitzen ragten durch seinen Handrücken. Sie
konnte feine schwarze Härchen daran erkennen, die in seine blasse Haut stachen
und wahrscheinlich das Gift absonderten... Vage erinnerte sie sich an Travers
Worte als er davon gesprochen hatte, dass sie ihn nicht nur wegen dem Amulett
nicht anfassen durften. Die Erinnerung daran war hallte immer und immer wieder
durch ihre Gedanken, während sie auf seine Hände hinab sah. Sie wusste nicht,
ob es besser wäre ihn wegzuziehen, wusste nicht einmal ob es möglich war.
„Spike.“ flüsterte sie wieder und strich ihm geistesabwesend durch die Haare.
Sein Gesicht war zur Seite gelehnt. Ausdruckslos, als wäre er in einem
traumlosen Schlaf versunken.
Sie zog die Nachtluft mit
einem tiefen Atemzug in ihre Lungen, dann begann sie heftig an den Händen des
Vampirs zu ziehen. Sie konnte sie hin und her bewegen, doch die Spitzen blieben
an derselben Stelle, es war unmöglich sie durch Anheben zu befreien. Die
silbernen Stacheln hatten sich durch die dünnen Haare grob in Spikes Haut
verankert und hielten Spikes Hände an Ort und Stelle.
Wimmernd blickte sie sich
nach Hilfe um, doch sie sah niemanden, der noch auf seinen Beinen stand.
Langsam richtete sie sich auf und starrte panisch auf den Vampir hinab. „Spike,
bitte halt durch. Für mich. Bitte.“ flüsterte sie und drückte ihn einen kaum
merklichen Kuss auf die blonden Haare. Einen Moment blieb sie noch stehen und
hoffte inständig, dass er seine Augen aufschlagen würde. Doch nichts passierte
und so drehte Buffy sich schnell um.
„Travers!“ schrie sie in die
Richtung des Ratsgebäudes und begann loszurennen, was bei ihren Verletzungen
und der schlammigen Masse des Bodens leichter gesagt als getan war. Teilweise
kroch sie über die Kadaver der Dämonen oder versuchte so gut wie es ihr möglich
war über sie zu springen. Plötzlich riss es sie herunter und das letzte dass
sie sah, bevor sie mit ihrem Kopf gegen einen riesigen Stein prallte und für
einige Sekunden regungslos liegen blieb, war die Hand die sich fest um ihr Bein
schlang. Beinahe wurde sie von einer gnädigen Schwärze hinfort getragen, doch
wehrte sich gegen die Vorstellung jetzt von einem der übrig gebliebenen Dämonen getötet zu werden.
Außerdem gab es da jemanden,
der auf sie zählte. Stöhnend blickte sie dem Leashek vor sich in die schwarzen,
funkelnden Augen. Schnell richtete sich die Jägerin auf und stellte sich kalt
lächelnd vor den Dämonen, der nur noch über einen Arm verfügte. Er wollte Buffy
am Hals packen, doch diese trat ihm heftig in den Unterleib und stieß ihm, noch
bevor er auf den nassen Boden fallen konnte, die Sichel einer Faszie in den
Kopf.
Sie schöpfte neuen Mut und
rannte erneut auf das Gebäude zu. Schließlich war sie an dem hohen, hölzernen
Zaun angekommen, den sie sofort begann einzutreten und, nachdem er endlich
nachgegeben hatte, in den Hauptraum kroch.
„Er hat ihn angefasst!“
keuchte sie als sie vor dem Wächter stand, der ein Champagnerglas in der Hand
hielt und sie verwundert ansah.
„Sie, sie müssen ein
Gegengift finden, bitte.“ schnaubte sie und krallte sich an den Travers Kragen.
Buffy blickte nervös durch den Raum und sah in die fröhlichen Gesichter der
Frauen und Herren, die tatsächlich schon dabei waren sich zu beglückwünschen,
was sie heute Abend doch vollbracht hatten.
„Miss Summers, wir sind ihnen
sehr dankbar für ihren Einsatz, doch handelt es sich schließlich lediglich um
einen dahergelaufenen-“ setzte Quentin an, doch wurde er in der nächsten
Sekunde durch die dunkelrote Kirschholzverkleidung in den Nebenraum
geschleudert. Buffy funkelte die Wächter, die verständnislos auf die demolierte
Wand sahen, wütend an und ballte die Fäuste. „Finden. Sie. Sofort. Ein.
Gegengift!“ Da sich immer noch Keiner rührte krallte sie sich den geschockten
Travers erneut, um ihn vor die Füße der anderen Wächter zu werfen und ihm ihre
Faszie an die Kehle zu drücken. „Wenn Sie nicht sofort aufhören mich so
anzustarren und stattdessen nach einem Gegengift für ihn suchen, dann – bei
Gott - schwöre ich Ihnen, dass ich die Arbeit des Calvars zu Ende bringe und
sämtliche Ratsgebäude auf der Welt persönlich abfackeln werde.“
Der Wächter sah sie nur
geschockt und zugleich resignierend an. Er nickte schnell und Buffy zog sofort
ihre Waffe weg. „Beeilen sie sich.“ fügte sie ruhiger hinzu und blickte unruhig
in die Dunkelheit hinaus. Die Wächter hatten sich auf Befehl Travers sofort
einige Bücher geschnappt und nun saßen alle unruhig blätternd um den Tisch.
„Haben sie irgendwo eine
Axt?“ fragte Buffy nach einigen Minuten leise zu Travers. Dieser nickte und
deutete Richtung Trainingsraum. „In der rechten Ecke steht die Waffentruhe.“ Er
lächelte nervös und wandte den Blick schnell wieder auf sein Buch.
Nachdem Buffy sich erneut mit
Waffen ausgerüstet hatte rannte sie wieder aus dem Raum. „Wenn ich zurückkomme,
haben sie besser eine Lösung, Travers.“ rief sie noch, bevor sie wieder unter
dem Zaun hindurch kroch und über die Wiese hechtete.
Ihr Herz drohte zu zerreißen,
als sie einige Minuten später in die rot glühenden Augen des Calvars blickte.
Spike lag mit offenen Augen in seinen Armen, machte allerdings keine Versuche
sich zu wehren. Sie wollte los schreien und auf den Calvar losgehen, doch
stattdessen fiel sie auf die aufgeweichte Erde und hörte sich leise flüstern.
„Was ist mit ihm?“
Auf dem blutigen Gesicht des
Calvars machte sich ein merklich entspanntes Lächeln breit. „Nun...“ begann er
offensichtlich sehr zufrieden mit dieser Frage. „Momentan ist William lediglich gelähmt. In einigen Minuten jedoch
werden schier unerträgliche Krämpfe durch seinen Körper zucken. Dann wird sein
Blut so kochendheiß werden, so dass er sich wahrscheinlich selbst pfählen
möchte... nur dass ich es ihm nicht so leicht machen werde.“ Sein Blick
richtete sich verträumt auf den Vampir in seinen Armen. „Da mein Plan für das
Schwert des guten Harozans deinetwegen gescheitert
ist -“ Er deutete unterstreichend auf die vielen Leashek Leichen um sich herum.
„-denke ich es ist nur fair, wenn ich mich stattdessen ein wenig mit einem
guten, alten Freund amüsieren darf.“ Belustigt beobachtete er wie Buffys
Gesicht weiß wie Kreide wurde und sie sich nach vorne sinken ließ. „In zwei
Tagen wird der Tod für ihn die reinste Erlösung sein. Doch bis dahin denke ich,
werde ich ihn für mich behalten.“
Buffy spürte wie heiße Tränen
ihre Wange umspielten und ihre Finger krallten sich immer tiefer in die Erde.
Sie wollte aufstehen, kämpfen, ihn aus seinen Armen reißen und davon laufen.
Sie wollte, doch sie konnte nicht. Etwas hielt sie an ihren Platz, machte es
ihr unmöglich etwas anderes zu tun als zu Weinen und am Boden zu kauern.
„Bitte...“ hörte sie sich stattdessen sagen. Leise, beinahe flüsternd. „Egal
was er dir angetan hat, er ist nicht mehr dieser Mann.“
Calvar überdachte ihre Worte
einen Moment, sah zu Spike hinunter und lachte dann leise. „Hat er dir das
erzählt?“ wollte er wissen, seine Stimme plötzlich kalt und verachtend. „Ich
denke wenn du wüsstest - wirklich wüsstest wie der Aureliusclan damals auf
Kosten anderer seinen Spaß hatte, würdest du anders über ihn denken.“ Er
stoppte kurz und sein Mund verzog sich zu einer grimmigen Linie. „Zugegeben war
William zu dieser Zeit noch jung, unerfahren und neugierig. Aber genau das hat
ihn zu dem Gefährlichsten der Vier gemacht. Er wollte so unbedingt, dass
Drusilla ihn als Etwas sieht, das sie mehr lieben würde als ihren geliebten Sire.“ Er lachte wieder leise bei der
Erinnerung und seine Augen blitzten kaum merklich auf. Ein feuerroter Schimmer,
der so schnell verging wie er aufgetaucht war. „Angelus hatte ihn in seinen
ersten Monaten gut erzogen, ihm viel beigebracht.“ Er atmete hörbar aus und
legte den Kopf schief. „Und William schien es wohl eine gute Idee zu sein, diese
Techniken an meiner Frau
auszuprobieren.“
Nach einigen Sekunden zuckte
er schließlich mit den Schultern. „Aber wir haben ja eine Menge Zeit gemeinsam,
um diese alten Geschichten aus dem Weg zu räumen, nicht wahr?“ kicherte der
Dämon leise und beobachtete amüsiert, wie Spikes Kopf hin und her zuckte. Dann
riss der Vampir mit einem tonlosen Schrei die Augen auf und starrte verwirrt in
die rot funkelnden Augen des Calvars.
„Spike!“ schrie Buffy und
spannte die Muskeln in ihren Armen voller Anstrengung an. Sie warf sich gegen
die Barriere um ihre Glieder, die sie am Boden gefangen hielt, doch nichts
geschah. Ihr Körper gehorchte ihr nicht und alles was sie tun konnte, war
zusehen wie Spikes Körper in den Armen des Dämons durch schockartige Krämpfe
umher geworfen wurde.
Die roten Augen richteten
sich wieder auf Buffy und ein Lächeln lag auf seinen Lippen. „Tut mir wirklich
leid, süße Jägerin.“ sagte er und für einen Moment war Buffy wirklich so, als
würde er es so meinen. „Aber hättest du erlebt, was ich erlebt habe - Und
hättest verloren, was ich verloren habe - würdest du dasselbe tun.“
In dem Moment, als er seinen
Satz beendet hatte, verblasste seine Silhouette allmählich und noch in
derselben Sekunde erlosch die Kraft, die sie bewegungslos gehalten hatte. Mit
einem Sprung war Buffy auf ihren Füßen und rannte auf die Kontur des Calvars
zu. Sie trat sich in dem nassen Grund ab und schmiss sich in auf den Dämon, der
allmählich im Nichts verschwand. Doch bevor sie ihn erreichen konnte war er
verschwunden, die Stelle an die er gestanden hatte leer. Mit einem dumpfen
Geräusch landete sie in der aufgewühlten Erde und sie ließ ihren Kopf mit einem
schrillen Aufschrei auf den Untergrund sinken.
Teil 8 – Verluste
Weit entfernt rief jemand ihren
Namen. Sie hob schützend die Hände vor ihre Augen, als plötzlich ein grelles
Licht durch den dichten Nebel des Waldes schien. Wie in Trance nahm sie einen
Mann war, der sich über sie beugte und begann sie erst vorsichtig, dann fester
zu schütteln. Irgendwann fuhr ein leichter Schmerz durch ihre Wange. Er hatte
sie wohl geschlagen. Was kümmerte es noch.
Er schien als wäre es eine
kleine Ewigkeit, seit sie sich auf dem feuchten Boden herumgedreht hatte und
mit ausdruckslosen Augen in den klaren, dunkeln Himmel blickte. Wieder vernahm
sie einen stechenden Schmerz, diesmal im Bauch. Der Mann über ihr holte
anscheinend eine weitere Person hinzu, die sich über ihren Kopf beugte. Sie
sprach zu ihr, doch die Worte drangen nicht zu Buffys Verstand.
„Was ist los mit ihr?“ fragte
Travers ungeduldig zu der Frau die zaghaft Buffys Wange tätschelte. „Ich, ich
weiß nicht, Sir. Sie reagiert nicht.“
Der Wächter seufzte laut und
verdrehte die Augen. „Machen sie weiter.“ Mit diesen Worten wandte er sich von
der Jägerin ab und holte stattdessen ein kleines Telefon aus seiner
Jacketttasche. Er ging einige Schritte weiter in den Wald hinein, stieg über
eine bullige Leashekleiche und deutete einem anderen Wächter an, ihm nicht zu
folgen. Dann lauschte er dem Wählton und strich sich
müde über die Stirn, als endlich das Freizeichen kam. „Bei Summers?“
Travers lächelte etwas, wohl
wissend dass sein Gesprächspartner die Geste nicht sehen konnte. „Guten...“ Er
blickte auf seine Uhr und hob eine Augenbraue an. „...Abend nehme ich an,
Rupert. Quentin hier.“
„Quentin?“ fragte der Brite
am anderen Ende der Leitung und seine Stimme klang deutlich alarmiert. Der
Wächter hörte wie andere Stimmen im Hintergrund ertönten, ignorierte es aber.
„Rupert, wir haben ein Problem.“
Eine Stille legte sich über
die Leitung. Als Giles wieder sprach war seine Stimme seltsam abgeklärt und
reserviert. „Was ist mit Buffy?“
„Nun, Rupert. Die Armee ist
beseitigt. Den Körper des Calvars konnten wir noch nicht ausfindig machen, aber
ich bin mir sicher, das ist nur eine Frage der Zeit. Ihre Jägerin hat wirklich
außerordentlich gute Arbeit geleistet.“ Er machte eine kurze Pause und
überdachte seine Worte. Im Hintergrund hörte er eine Frauenstimme, die mit dem
Wächter sprach. „Leider scheint sie nicht ganz bei sich zu sein. Sie ist
offensichtlich nicht verletzt, doch sie weigert sich aufzustehen oder überhaupt
zu reagieren.“
Für einige Sekunden kehrte
wieder Stille ein, bis sich Giles räusperte und tief einatmete. „Ist Spike am
Leben?“ Travers vernahm das Zittern in der Stimme des Wächters und fragte sich
verwundert, seit wann sein Kollege sich solche Sorgen um einen Vampir machte.
„Oh, richtig. Ihre Jägerin hatte erwähnt, dass er wohl in Berührung mit dem
Calvar gekommen sein musste.“ Nachdem Travers keine erkennenden, betroffenen
oder vielleicht sogar erleichternden Worte gehört hatte, sprach er weiter. „Nun
Rupert, Sie sollten Calvare kennen. Eine einzige Berührung führt normalerweise
nach einigen Minuten zum Tod, doch mit Harozans Macht
könnte die Wirkung durchaus anders sein, wir wissen momentan allerdings auch
nichts Genaues. Ihre Jägerin veranstaltete ein wahres Fiasko, um uns dazu zu
bewegen ein Gegengift zu beschaffen, doch wie es...“ Quentin stoppte seinen
Redeschwall, als er einen Schrei an der anderen Seite der Leitung vernahm.
Einige Sekunden später
meldete sich eine Frauenstimme. „Wir rufen sie sofort zurück. Bringen sie Buffy
am besten in ein Bett.“ stotterte sie in den Hörer und bevor Travers erwidern
konnte hatte sie bereits aufgelegt.
Ein tiefes Seufzen trat über
die Lippen des Mannes und er ließ das Telefon zurück in seine Jackentasche
wandern. „Amerikaner.“ Er verdrehte die Augen und wandte sich zu den zwei
Männern, die neben ihm standen. „Bringen Sie sie in ihr Schlafzimmer.“ Dann
richtete er sich etwas auf und drehte sich um. „Die Anderen suchen weiter. Das
Amulett hat absolute Priorität.“
-
„Dawn, so beruhig dich doch.“
Giles war über dem verstörten Mädchen gebeugt, das vor einigen Sekunden
überraschend im Türrahmen gestanden hatte. Inzwischen saß sie zusammengekauert
in der Ecke neben dem Kühlschrank und starrte zu Willow, die nur betreten auf
den Boden blickte. „Er kann nicht tot sein.“ wimmerte Dawn und blickte Giles
aus glasigen Augen an.
„Bitte, sagen Sie, dass er nicht
tot ist.“ Tränen rannen ihre Wangen entlang auf den Boden. Giles stand auf,
nahm seine Brille ab und suchte verzweifelt nach der Staubschicht, die er doch
jetzt eigentlich abwischen sollte. Etwas hilflos sah er zu Willow, der
ebenfalls schon einige Tränen in den Augenwinkeln standen. Eine traurige
Stille, nur unterbrochen durch Dawns Schluchzen, breitete sich in der Küche
aus. Nach einigen Minuten griff sich Giles den Telefonapparat und lief ins
Wohnzimmer, während sich Willow mit einem Kopfschütteln an die Spüle stellte
und Wasser in das Becken laufen ließ. Nur das stetige Ticken der großen Wanduhr
erfüllte die Stille und es dauerte einige Minuten, bis Dawn sich schließlich
aufrichtete.
„Geht’s wieder?“ fragte sie
leise und setzte sich, die Hände abwischend, neben ihre Freundin.
„Ich kann das einfach nicht
glauben.“ schnaufte Dawn laut und biss sich auf die Unterlippe. „Er kann nicht
tot sein Willow. Sie haben sich doch gerade erst wieder gefunden. Das ist
einfach nicht fair.“
Die Rothaarige lächelte
schief und nickte schließlich. „Ich weiß Dawn, aber du kennst Buffy. Sie ist
stark, sie schafft das.“ Willow atmete tief ein zog Dawn etwas zu sich. Das
Mädchen legte ihren Kopf auf ihre Schultern und schloss ihre Augen mit einem
Seufzen. „Sie haben doch keine Leiche gefunden, oder?“ murmelte sie nach
einigen Minuten und blickte wieder auf. „Wenn er nur vergiftet wurde, ist es
nicht zu spät.“
„Ich weiß es nicht, Dawnie. Gut möglich.“ Nachdenklich blickte sie zu dem hohen
Esstisch vor sich und ließ ihren Kopf in den Nacken fallen. „Lass uns einfach
warten was Giles in Erfahrung bringt.“ lächelte die Hexe und nahm Dawns Hand in
ihre, um sie aufmunternd zu drücken.
-
Spike wälzte sich schreiend
auf dem Boden, eiserne Ketten hielten ihn an seinem Platz. Tränen rannen
ungehindert seine Wangen herunter und er hoffte inständig in den nächsten
Sekunden einfach zu Staub zu zerfallen. Brennende Schmerzen pochten durch jeden
Teil seines Körpers, verbrannten ihn von innen heraus und richteten doch keinen
körperlichen Schaden an. Der Calvar stand direkt vor ihm, schweigend,
beobachtend.
„Dieser Anblick war es
zweifelsohne Wert das Schwert zu verlieren.“ gluckste er und setzte sich auf
eine Trage gegenüber des Vampirs. „Ich will sehen, wie du um Vergebung
bettelst, William.“ schnaubte der Dämon und beobachte Spike, wie sich auf dem
Boden hin und her rollte so genau, als ob er sich an jede einzelne Bewegung für
den Rest seines dämonischen Lebens erinnern wollte.
„Nicht in deinem Leben.“
Spike blickte dem Dämonen für einige Sekunden standhaft in die Augen und
kämpfte einige lange Sekunden mit seinem eigenen Gesicht, bis er schließlich
ein leichtes Grinsen zu Stande brachte.
„Kein Problem.“ Ein Schmerz,
wie tausend Messerstiche durchfuhr den Vampir plötzlich und Spike würgte stark
um nicht sämtliches Blut, das er noch im Körper hatte auf den Boden zu spucken.
Ein markerschütternder Schrei hallte durch die steinernen Gänge der Höhle, als
der Calvar Spike plötzlich einen Pflock mitten in den Magen stach.
-
„Spike!“ Buffy saß
kerzengrade in ihrem Bett und blickte panisch durch den dunklen, kleinen Raum.
Dann starrte sie auf die andere Seite des Bettes. Ihre Augen weiteten sich und
sie umklammerte ihren eigenen Oberkörper, als müsste sie sich daran hindern
auseinander zu fallen. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und sie kniff die
Augen zusammen um in dem grellen Licht etwas zu erkennen.
„Oh, Miss Summers, gut dass
Sie endlich wach sind. Mr. Travers wünscht sie sofort zu sprechen.“ Eine dürre
Frau stand vor ihr und deutete ungeduldig auf ihre Armbanduhr. Buffy
beobachtete sie einen Moment verständnislos an, ahnungslos darüber was diese
Person von ihr wollte, bis sie schließlich ihren Blick abwandte und wieder auf
das Bett herabsah. „Kommen Sie schon, Mr. Travers muss Sie nochmals über den
Kampf befragen. Wir konnten die Leiche des Calvars noch nicht ausfindig
machen.“ Buffys Augen weiteten sich und sie spürte wie sich Tränen auf ihren
Wimpern sammelten. Sie war in England. Sie hatten gekämpft. Leashek. Calvar.
Spike. Ein Zucken durchfuhr ihren Körper und als sie ihre Lippen öffneten
erfüllte ein lautes Keuchen die Stille des Raumes. Spike.
Erinnerungen stürzten auf
Buffy herein und sie drückte stöhnend mit beiden Händen gegen ihren Kopf. Die
Wächterin sah verwundert auf die verzweifelte Frau vor sich, die plötzlich
leise zu wimmern begann. Dann schrie Buffy und warf sich zurück auf das Bett,
die Decke tief über ihren Kopf gezogen. Sämtliche Wächter im Gang stürzten
plötzlich in den Raum und starrten auf das große Bett in der Mitte des Zimmers.
„Holen Sie sofort Mr.
Travers.“ murmelte die dünne, braunhaarige Wächterin und zog sich unruhig die
Brille von der Nase. Der große Mann neben ihr nickte betreten und drehte sich
herum, bevor er wieder den Raum verließ. Einige Minuten vergingen, die Stille
wurde nur durch Buffys verzweifeltes Wimmern erfüllt, bis schließlich ein
kleiner grauhaariger Mann durch den Türrahmen schritt.
„Gut dass Sie wieder wach
sind, wir müssen Ihnen dringend einige Fragen stellen.“ sagte Travers langsam und
deutlich, während er sich auf die Bettkante setzte und mitleidig auf die blonde
Frau herab sah. Aus roten, verweinten Augen blickte sie den kalt lächelnden
Mann vor sich unverständlich an und richtete sich etwas auf. Einige Sekunden
starrte sie ihn einfach nur an, bevor sie ihren Mund öffnete und etwas näher zu
ihm rutschte. „Verschwinden Sie.“
„Nein.“ zischte Travers und
stand auf. „Sie werden uns jetzt genau berichten was mit Calvar passiert ist.“
Daraufhin ging er einige Schritte zurück und drehte sich zur Tür um. „Meine
Herren?“
Zwei große Männer in
schwarzen Anzügen traten in den Raum und blickten für einen Moment zu Travers,
bevor sie auf das Bett zugingen. Sie sahen kurz auf die Frau hinab, bevor sie
sich herunterbeugten und jeder einen ihrer Oberarme packte. Für einen Moment
war Buffy zu geschockt um etwas zu machen, doch als die beiden Männer sie bis
zur Türe geschliffen hatte stemmte sie sich gegen die Bewegung. Sie schlug die
Hände von ihren Armen und drehte sich mit wütendem Blick um. Die Augen der
beiden Männer weiteten sich, als sie sich duckte und ihnen mit zwei gezielten
Tritten den Boden unter den Füßen wegzog. Dann zog sie beide, jeweils mit einer
Hand wieder in die Höhe und drehte sich mit ihnen zusammen um. Ihre Faust
landete in ihren Gesichtern und im nächsten Augenblick fanden sich beide auf
dem Flur wieder.
„Raus.“ schnaubte sie schwer
atmend, ohne sich zu Travers umzudrehen. Dieser hob beschwichtigend die Hände
und ging rückwärts, die Jägerin keine Sekunde aus den Augen lassend aus der Tür
und zog die verdutzte Mrs. Carthy mit.
Einige Minuten stand Buffy,
immer noch in Angriffsposition, in der Mitte des Raumes, bis ihr einige stumme
Tränen aus den Augenwinkeln liefen und sich langsam ihren Weg über ihre Wange
bahnten. Sie warf sich erneut auf das Bett und verkrampfte ihre Hände im
Bettlaken.
„Ich halte das für ganz und
gar nicht notwendig.“ murmelte Travers im oberen Stockwerk und klemmte sich das
Telefon zwischen die Schulter und das Ohr, während er ein Blatt Papier in die
Hand nahm. „Nein, so hören sie mir doch zu... Sie sind schon am Flughafen? Mr.
Giles, wir werden ihre Jägerin schon wieder auf die Beine bekommen, das ist...“
Er seufzte tief, als er erneut unterbrochen wurde und nickte schließlich
leicht. „Nun gut, ja, machen wir.“ Wütend knallte er den Hörer auf die Gabel
und blickte unbeherrscht zu der eingeschüchterten Wächterin neben sich. „Haben
sie das verdammte Amulett endlich gefunden?“
Mrs. Carthy starrte betreten
auf ihre Schuhe und schüttelte den Kopf. „Nein. Sir, wir konnten den Dämon
noch... noch nicht ausfindig m-“
„Dann verschwenden Sie nicht
meine Zeit.“ Travers blickte die nervöse Frau vor sich emotionslos an und
zeigte ihr mit einer deutlichen Handbewegung, dass sie endlich verschwinden
sollte. Der Wächter ließ sich stöhnend in den Sessel fallen und starrte aus dem
Fenster. „Wenn wir dieses Amulett nicht bald kriegen, werde ich wahnsinnig.“
murmelte er leise und nahm ein Buch von dem Tisch neben ihm. Er blätterte
einige Seiten um und starrte auf Seite, die er vor zwei Tagen Buffy gezeigt
hatte.
Lächelnd blätterte er eine
Seite weiter und legte den Kopf schief. „Sollte
jemand in den Besitz des Amuletts und des Schwertes kommen, so wird dieser das
unendliche Wissen erhalten und zudem ewig jung bleiben.“ zitierte er leise
und schlug ein Bein über das andere. „So nah.“ flüsterte er und starrte für
einige Sekunden auf die Zeichnung des kleinen Schmuckstücks, bevor er das Buch
in beide Hände nahm und es gegen die Wand zu seiner linken warf.
-
Sie presste sich leise
wimmernd gegen die kalte Wand. Ihre Arme lagen zitternd um beide Knie, die sie
fest gegen ihren Körper hielt. Sie wusste nicht wie lange sie nun schon so da
lag, seit die Wächter gegangen waren. Das laute Ticken der Wanduhr war laut zu
hören, doch sie konnte die Zeit nicht mehr greifen... Sie wusste nicht ob
Minuten oder Tage vergangen waren. Zitternd wischte sie sich über die
Augenwinkel, um die Tränen zu stoppen, die sich wieder gebildet hatten. Mit
einem schweren Atemzug setzte sie sich stöhnend auf dem Bett auf. Ihr Blick
schweifte ängstlich durch das dunkle, viel zu große Zimmer in dem sie sich in
diesem Moment so schrecklich verloren vorkam. Wankend versuchte sie sich an der
Wand entlang zu der Tür zu tasten. Irgendwann fühlte sie die kalte Türklinke in
ihrer Hand und zog langsam die Tür auf. Durch das grelle Licht geblendet,
tastete sie sich instinktiv weiter an der Wand durch den ruhigen Gang.
„Miss Summers?“ erklang eine
etwas schrille, verwunderte Frauenstimme und im nächsten Moment konnte Buffy
verschwommen sehen wie Mrs. Carthy auf sie zugelaufen kam. Als die Wächterin
ihr ihre Hand hinstreckte schüttelte sie jedoch den Kopf und umkreiste die Frau
vor sich, während sie weiter lief.
„Miss Summers, ich bitte
Sie.“ Ihre Stimme klang nun sehr unsicher und flehend. „Mr. Travers besteht
darauf, dass ich auf Sie einrede bis Sie mir folgen.“
Ohne sich umzudrehen
schüttelte Buffy angewidert den Kopf und schlang ihre Arme um ihren eigenen
Oberkörper. „Ihr Wächter seid kalt, befolgt nur Befehle, alles andere ist euch
egal.“ sagte sie sehr leise und legte den Kopf etwas schief, als die dünne
Wächterin sich vor sie stellte und sie intensiv anstarrte. „Miss Summers.“
setzte sie an und stoppte für einen Moment, als sie sah wie Buffy eine Hand zu
einer Faust ballte. „Buffy.“ setzte sie nach einigen Sekunden unruhig fort und
legte eine Hand auf die Schulter der blonden Frau. „Wenn Sie ihn retten wollen,
werden Sie unsere Hilfe brauchen... und Mr. Travers besteht darauf die Details
zu erfahren.“
„Details?“ lachte Buffy
leise, lockerte ihre Hand jedoch wieder und sah die Frau vor sich unverblümt
an. „Sie haben absolut keine Ahnung was dort auf diesem Feld geschehen ist.“
zischte sie wütend und starrte die dürre Frau vor sich bannend an. „Ihr
versteckt Euch hinter euren Büchern und behauptet zu wissen was vor sich geht,
doch ihr seid absolut ahnungslos.“ Sie lachte angewidert und schüttelte wieder
den Kopf. „Wir sind hier her gekommen um Ihnen zu helfen und Sie haben einfach
zugesehen wie er ihn mitgenommen hat. Sie haben Champagner getrunken, während
dort draußen noch immer Menschen gestorben sind.“ Zitternd hielt sie sich den
Handrücken vor dem Mund und starrte die Person vor sich ungläubig an. „Und
jetzt wagen Sie es sich vor mich zu stellen und mir zu sagen was ich zu tun
habe.“
„Sie sehen das Gesamtbild
nicht Miss Summers.“ ertönte eine tiefe Männerstimme hinter Buffy und sie
musste sich nicht herumdrehen um zu wissen wer es war. „Es ging nie um das
Leben von zwanzig guten Kriegern und im Gegensatz zu Ihnen wussten diese Männer
das. Sie haben ihr Leben dafür gegeben, damit wir dieses Amulett wieder
sicherstellen können und der einzige Grund weshalb ihr Tod bisher völlig
sinnlos war, sind Sie.“
Buffy blinzelte und streckte
ihren Rücken durch. „Was?“ Langsam drehte sie sich herum und starrte den
kleinen grauhaarigen Mann vor sich ungläubig an.
„Es ist mir völlig
gleichgültig ob sie weiterhin an ihren kindlichen Vorstellungen von
Gerechtigkeit festhalten Miss Summers.“ Seine Stimme klang frei von jeglichen
Emotionen und er begegnete ihrem intensiven Blick ohne zurückzuscheuen. „Es ist
von absoluter Wichtigkeit, dass wir dieses Amulett finden und ich schlage vor
sie erzählen uns einfach was genau mit Calvar passiert ist.“
Sie starrte ihn an und für
den Bruchteil einer Sekunde war ihr so, als wäre er nervös. Doch so schnell wie
der Eindruck gekommen war verflog er wieder und Travers korrigierte seine
Mimik. Buffy atmete lautstark aus und lockerte ihre Arme, die sie zuvor vor der
Brust verschränkt hatte. „Wieso ist Ihnen das so wichtig?“ wollte sie
schließlich wissen und runzelte ihre Stirn dabei.
Daraufhin brach die
Gleichgültigkeit in Travers Gesicht und er starrte die blonde Frau vor sich
verwirrt an. „Wir wollen natürlich sicherstellen, dass die Gefahr für den Rat
der Wächter vorbei ist.“
„Wissen Sie...“ setzte Buffy
an und überdachte ihre Worte einige Sekunden bevor sie weiter sprach. „Selbst
wenn ich Ihnen helfen wollen würde – und ich bin mir gerade nicht sicher ob ich
das möchte – weiß ich nicht was mit dem Amulett passiert ist.“
„Sie wissen es nicht?“ Die
Verwirrung in Travers Gesichtsausdruck hatte nun auch seine Stimme erreicht und
er musterte die Frau vor sich genau. „Was meinen Sie mit ‚Sie wissen es nicht’?“
Buffy seufzte tief und
balancierte ihr Gewicht unruhig von einem Fuß auf den anderen. „Ich habe keine
Ahnung was passiert ist.“ schnaubte sie und strich sich mit beiden Händen über
die Schläfen. „Er hatte ihn in seinen Armen...“ begann sie und senkte ihren
Blick. „Er hat sich nicht bewegt... und Calvar hat diese Dinge gesagt.“
erinnerte sie sich und die Worte des Dämons hallten in ungewohnter Deutlichkeit
durch ihren Kopf. „Ich denke er hat mich mit dieser Fähigkeit aus dem Amulett
am Boden festgehalten.“ Sie unterbrach sich für einen Moment und schüttelte den
Kopf bei dem Gedanken. „Als ich mich wieder bewegen konnte, war er
verschwunden.“
Der Mann vor ihr sah sie mit
hochgezogenen Augenbrauen verwundert an und sein Mund öffnete sich einige Male,
doch er sagte nichts.
„Er ist im Nichts
verschwunden. Das ist alles was ich weiß.“ fasste sie nochmals zusammen und
schließlich räusperte sich der Wächter leise und wandte sich zu der
braunhaarigen Frau neben Buffy. „Nun gut.“ setzte er an und winkte sie heran.
Dann sah er wieder zu Buffy und lächelte ein wenig. „Nun gut, ich werde Ciara
einen Ortungszauber durchführen lassen. Lassen Sie mich wissen, falls Ihnen
noch etwas einfällt.“ Daraufhin drehte er sich um und Mrs. Carthy folgte ihm
nach einigen Sekunden. Als sie am Aufzug am Ende des Flurs angekommen waren
drehte sich Travers noch einmal um. „Bevor ich es vergesse, ihr Wächter wird
demnächst hier eintreffen.“
Buffy spürte wie ihre Augen
größer wurden und sie glaubte ihr Herz setzte einen Schlag aus. „Giles kommt
hierher?“
„Er hat vor etwa neun Stunden
hier angerufen. Sie waren bereits am Flughafen, also dürften sie in ein bis
zwei Stunden hier ankommen.“ nickte er und lächelte wieder, bevor er mit der
dünnen Frau an seiner Seite in den Aufzug trat.
-
Eine Stunde später stand
Buffy in der Eingangshalle des Ratsgebäudes und beobachtete die blonde
kurzhaarige Frau, die in der Mitte eines Kreises saß. Die anderen Magierinnen
hatten sich um sie verteilt und hielten sich an den Händen. Gemurmelte,
fremdartige Wörter erfüllten die sonstige Stille. Ciara saß im Schneidersitz
vor einer ausgebreiteten Landkarte, ihre Finger über dem vergilbten Blatt
schwebend. Ungeduldig wippte die Jägerin auf und ab und starrte auf die große
hölzerne Uhr an der linken Seite des Raumes. Es war bereits elf Uhr morgens und
die Sonne warf ein bizarres Licht in den sonst so dunklen Raum. Die Rabenstatue
warf einen großen Schatten über die Holzfließen und die ledernen Lampenschirme
vor den Fenstern verzerrten den Sonnenschein in einen braunen Schleier, der
Alles im Raum in dieselbe Farbnuance tauchte.
Als Ciara schließlich nach
einigen weiteren Minuten mit einem tiefen Seufzen aufblickte rührte sich Buffy
aus ihrer Starre. Mit schnellen Schritten lief sie auf die dünne Frau zu und
kniete sich vor sie. „Wo ist er?“ wollte sie wissen, ihre Stimme ernst und
ungeduldig.
„Wir haben strikte
Anweisungen, die Ergebnisse nur Mr. Travers mitzuteilen.“ lächelte die Magierin
ohne ihrem Blick zu begegnen und richtete sich langsam auf. Daraufhin packte
Buffy das Armgelenk der Frau mit einem unbarmherzigen Griff und zog sie etwas
näher zu sich. „Glaub nicht ich hab Angst vor dir.“
„Miss Summers, ich bitte
Sie.“ Travers stand plötzlich neben den beiden und blickte auf Buffys Hände.
„Ich denke das wird nicht nötig sein.“ Als Buffy die Zauberin mit einem Seufzen
losließ lächelte er wieder und wandte sich stattdessen zu Ciara. „Was haben Sie
gefunden?“
Ciara starrte Buffy noch für
einige Sekunden an, bevor sie mit ihrer anderen Hand ihr Armgelenk umfasste und
zu Travers aufblickte. „Er scheint jetzt in Irland zu sein.“ sagte sie
schließlich und beugte sich nach unten, um die Weltkarte aufzuheben.
„Irland?“ flüsterte Buffy und
senkte ihren Blick. Sie spürte wie ihre Beine wacklig wurden und sie beugte
sich etwas nach vorne, die Hände auf die Knie gestützt. „Wir haben keine Zeit
um nach Irland zu fliegen...“ murmelte sie und ließ sich schließlich auf den
Boden fallen. Ihre Beine zog sie nah an ihren Körper und ihre Stirn bettete sie
auf ihren Knien. Sie hörte entfernt wie Travers Ciara etwas weiter weg zog und
bald konnte sie dem Gespräch nicht mehr folgen, doch das spielte keine Rolle
mehr. In diesem Moment war das Einzige das wichtig war, dass Spike in einem
fremden Land war... und sie ihn unmöglich in einanhalb
Tagen finden würden. Er war verloren und mit ihm ihre ganze Welt. Ihre Lider
wurden schwerer und schließlich gab sie nach, schloss ihre Augen und gab sich
der Stille hin.
„Buffy?“ drang wenig später
eine Stimme an ihr Ohr und Buffy blinzelte benommen. Eine Hand legte sich auf
ihren Kopf und strich durch ihre Haarsträhnen. „Buffy, Xander und ich sind
hier.“ sagte die Stimme weiter und schließlich richtete Buffy ihren Kopf auf.
Sie starrte in die grünen Augen ihres Wächters und ein kleines Lächeln stahl
sich beinahe automatisch auf ihre Lippen. „Giles...“ wisperte sie und zog die
Zimmerluft mit einem zittrigen Atemzug in ihre Lungen, bevor sie sich aus ihrer
Starre löste und dem Mann vor sich um den Hals fiel. Er streichelte für einige
Sekunden über ihre Rücken, bevor er sich von ihr löste und ihr ein mattes
Lächeln schenkte. „Ich muss mit Quentin reden, Buffy.“ erklärte er, als er
aufstand und in die andere Richtung lief.
In diesem Moment setzte sich
Xander im Schneidersitz neben sie und legte seinen Arm um ihre Schultern. „Hey
Buffs.“ seufzte er und strich sich durch die Haare. Dann griff er nach Buffys
linker Hand und strich mit seinem Daumen über ihren Handrücken. „Das wird schon
wieder, noch ist nichts zu spät.“ nickte er zuversichtlich und legte seinen
Kopf schief, als Buffy leise zu lachen begann.
„Xander. Du hast absolut
keine Ahnung.“ gluckste Buffy, blickte aber weiterhin auf den Boden. So
plötzlich wie sie zu lachen begonnen hatte, so plötzlich stoppte sie auch und
eine einsame Träne suchte sich den Weg über Buffys Wange. „Buffy...“ setzte
Xander an, doch im nächsten Moment stand Giles vor ihm.
„Komm bitte mit.“ sagte der
Wächter leise und reichte dem dunkelhaarigen Mann die Hand um ihm aufzuhelfen.
Buffy beobachtete mit ausdruckslosem Blick wie die beiden sich zu Travers,
Ciara und Mrs. Carthy stellten.
„Spike wurde ungefähr um
Mitternacht vergiftet und wie es aussieht hat der Calvar sich durch eine Art
Teleportationszauber nach Irland befördert.“ begann Giles, als Xander ihn mit
einem erwartungsvollen Blick anstarrte. „Das Gift von Calvardämonen
wird üblicher Weise durch bloße Berührung übertragen und lähmt die Opfer.“ Er
unterbrach sich selbst für einen Moment und zog sich die Brille mit einem
tiefen Seufzen von der Nase. „Normalerweise nutzen Calvare diese Lähmung aus um
ihre Beute sofort zu töten, weshalb...“
„Wir werden ohnehin nach
Irland fliegen, Mr. Giles.“ unterbrach ihn Travers. „Selbst wenn wir William nicht
retten können ist es unsere einzige Chance das Auge von Yala
wieder in unseren Besitz zu bringen.“
Giles rollte die Augen und
drehte sich etwas zu Xander um. „Das Gift entfaltet erst nach achtundvierzig
Stunden eine tödliche Wirkung.“ sagte er und atmete lautstark ein. „Das heißt
wenn wir das Versteck des Calvars schnell finden, haben wir eine kleine Chance
Spike noch zu retten.“
Travers lachte leise und
blickte zu Mrs. Carthy die ihm ein kleines Lächeln zuwarf. „Soweit ich mich
erinnere hat William der Blutige doch immer wieder versucht ihre Jägerin zu
töten, Rupert.“ sagte er schließlich und legte seine Stirn in Falten. „Als ich
Sie das letzte Mal besucht habe war er alles andere als glücklich über seine
Situation und Sie alle...“ Er deutete auf Xander und Buffy. „Haben ihn nur für
Informationen bezahlt und ihn ansonsten nicht einmal angesehen.“ erinnerte er
sich und zog eine Augenbraue in die Höhe. „William der Blutige ist ein Geschöpf
ohne Seele, ohne Gewissen oder Reue. Ohne diesen Chip hätte er nie aufgehört zu
versuchen sie alle zu töten.“ Er schnaubte verächtlich. „Vampire sind
egoistische, skrupellose Monster, Rupert. Nachdem was Angelus mit ihrer kleinen
Freundin angestellt hat sollten Sie das wirklich wissen.“
Giles schüttelte seinen Kopf
lächelnd und im nächsten Moment packte er den grauhaarigen Wächter am Kragen
und schob ihn gegen ein Bücherregal. „Ich bin nicht mehr Teil dieses Rates.“
begann er und starrte emotionslos in die geweiteten Augen des Mannes. „Buffy
muss jeden Tag Entscheidungen treffen, die ihr Leben beenden könnten. Sie und
ihre Wächter haben keine Ahnung davon was am Höllenschlund vorgeht oder wie
schwierig es jeden Tag für sie ist. Wenn Buffy Spike vertraut, dann tue ich das
auch. Und deshalb werden wir uns zuerst um diesen Vampir kümmern, bevor wir
über ihr Amulett nachdenken, Quentin.“ Mit diesen Worten ließ er den Mann
wieder auf den Boden und richtete seinen Kragen mit einem weiteren Lächeln.
Dann trat er einige Schritte zurück, bis er wieder neben Xander stand.
„Wenn noch die geringste
Möglichkeit besteht ihn zu retten, dann denke ich sollten wir keine Zeit
verlieren. So wie ich das sehe haben wir noch siebenunddreißig Stunden.“
murmelte Giles während er einen Blick auf seine Armbanduhr warf und die
Augenbrauen leicht anhob.
Travers nickte seufzend und wandte sich zu Mrs. Carthy. „Sprechen Sie mit Mr.
Beckett damit er das Flugzeug bereit macht.“ Die braunhaarige Frau nickte
leicht, drehte sich sofort um und verließ den Raum durch den rechten Durchgang.
-
Nach dem Einchecken und einer
anstrengenden, äußerst langen Diskussion mit den Sicherheitsbeamten über die
acht Waffentaschen, saßen schließlich alle Ratsmitglieder, die Magierinnen,
Xander, Giles und Buffy im Flugzeug auf dem Weg nach Irland. Buffy rutschte etwas
nervös auf ihrem Fensterplatz herum und blickte steif aus der Luke heraus,
hinunter auf die immer kleiner werdende Landschaft.
Das Drücken in den Ohren war,
im Gegensatz zu ihrem letzten Flug kaum zu spüren, aber sie dachte auch nicht
wirklich darüber nach... ihr Gedanken lagen wo anders. Giles seufzte neben ihr
und griff nach kurzem Zögern schließlich nach ihrer Hand und strich beruhigend
darüber. Als sie aufblickte lächelte er milde und zwinkerte ihr aufmunternd zu.
„Ich bin so froh, dass Sie
hier sind, Giles.“ flüsterte Buffy leise und erwiderte das Lächeln.
„Es tut mir alles so leid,
Buffy.“ Giles senkte den Blick. „Hätte ich euch nicht hier her geschickt wäre
das alles nicht passiert.“
Buffy schüttelte ihren Kopf
mit einem tiefen Atemzug. „Das ist Schwachsinn. Wir haben Calvar einfach
unterschätzt.“ Sie legte ihren Kopf gegen die Sitzlehne und runzelte ihre
Stirn. „Wir werden ihn retten.“ flüsterte sie gegen die kalte Fensterscheibe
und schloss ihre Augen. Ihre Finger wanderten über das eisige Glas und nach
einigen Sekunden blickte sie wieder auf und betrachtete die dichte, weiße
Wolkendecke, die ihr jeglichen Blick auf das Land unter ihnen verwehrte.
Teil 9 – Irland
Der Flug verlief genau nach Plan und nach einer guten Stunde landete das Flugzeug
schließlich in Dublin. Nach weiteren dreißig Minuten standen acht, ziemlich
ratlos blickende, Personen vor dem Haupteingang und studierten die Landkarte.
Buffy hatte während dem Flug erfahren, dass sich der Calvar
höchstwahrscheinlich in der Kleinstadt Kilkenny aufhielt. Genauer gesagt in den
‚Dunmore Caves’, einer
Höhle circa elf Kilometer von der Stadt entfernt. Nach langem Durchblättern der
Bücher hatten die sechs Magierinnen um Ciara herausgefunden wie man das
Gegengift zubereiten musste.
Die meisten Utensilien hatten
sie sowieso dabei, es fehlten lediglich einige Kräuter, die man in jedem Laden
kaufen konnte und eine bestimme Sorte Sand, die nach dem Wissensstand der Hexen
glücklicherweise in der Nähe der Höhle zu finden war.
Durch Travers Verbindungen
zum irischen Rat hielt wenige Minuten nach der Lagebesprechung ein ziemlich
hohes, breites Auto vor dem Flughafen und ein Mann, der nun so gar keine
Ähnlichkeit mit den anderen Wächtern hatte, winkte Travers und die Anderen
fröhlich zu sich.
Während der Autofahrt saß
Buffy mit der Ausrede, dass sie während einer Autofahrt unmöglich lesen könnte
ohne schreckliche Kopfschmerzen zu bekommen, auf dem Beifahrersitz und
unterhielt sich angeregt mit Aidan O'Connor, der sich wie Buffy grinsend
feststellte wohl ebenfalls nicht sonderlich mit Travers verstand. Der Mann war
ihr, mit seinem roten Bart, den breiten Schultern und dem blau-weiß kariertem
Hemd von Anfang an sympathisch gewesen und so verging die Fahrt mit dem ein
oder anderem außergewöhnlich sorglosem Lachen, für das Buffy ihm wirklich
dankbar war.
„Ihr wollt also nach
Kilkenny?“ fragte Aidan nach einigen Minuten mit einem kurzen Blick in den
Rückspiegel.
„So ist es, Mr. O'Connor.“ antworte
Travers, der ungeduldig aus dem Fenster starrte. „Wir würden wirklich höchst
erfreut sein, wenn sie uns in einer angemessenen Geschwindigkeit in die Stadt
transportieren.“
„Jaja, schon verstanden. Ich
werd rausholen was aus dieser Schrottkiste rauszuholen ist.“ antwortete der Ire
mit einem genervten Kopfschütteln in Richtung ‚englischer Aristokratie’. So
begab sich Aidan O'Connor, Vater von einer rotzfrechen, rothaarigen Göre und
Vorstand des Rates in Irland, auf neue Gefilde, indem er mit stolzen und
äußerst gewagten 60km/h auf der Bundestrasse Richtung Kilkenny sauste.
Fünf Minuten ertrug Buffy den
Fahrstil, der zusätzlich von einem flötenartigen Gedudel, welches sie ganz
stolz als die hiesige Volksmusik identifizierte, begleitet wurde, doch dann
zwang sie den Iren, den sie mit seiner gemütlichen Art eigentlich wirklich sehr
mochte, sofort an den Straßenrand zu fahren. Kurze Zeit später saß Aidan
schmollend auf dem Beifahrersitz und beobachtete missmutig den Zeiger der
Geschwindigkeitsanzeige, der deutlich über der irischen
Geschwindigkeitsbegrenzung auf außerörtlichen Landstraßen lag.
Buffy hingegen fand mit der
Zeit gefallen an diesem Land, denn weit und breit fuhr kein Auto und sie konnte
so schnell es ihr und diesem klapprigen Auto möglich war nach Kilkenny fahren.
Travers allerdings war, ebenso wie sein englischer Anhang, von dem typisch amerikanischem Fahrstil der
Jägerin alles andere als begeistert und hielt sich mit zitternden Händen an dem
Sitz seines Vordermanns fest. Giles und Xander waren sich bei den
Schlangenlinien, die Buffy gelegentlich fuhr, auch nicht mehr so sicher ob sie
über den derzeitigen sorglosen Gemütszustand der Jägerin lachen oder weinen
sollten. So bretterte die Rettungsmannschaft über die
kleine Landstraße immer Richtung Kilkenny.
Ungefähr einanhalb
Stunden später legte Buffy eine filmreife
Vollbremsung hin und schlidderte, mit dem hohen, schrillen Aufschrei des
englischen Vorsitzenden in den Ohren, in die glücklicherweise freie Parklücke
vor Eason's Herb & Tobacco,
das zur Erleichterung von Buffy direkt gegenüber von der The Old Mould Company Tankstelle lag.
„Finden sie hier die
Kräuter?“ fragte Buffy indem sie sich kurz zu den hinteren Reihen umdrehte und
den, doch etwas blass aussehenden Leuten, einen erwartungsvollen Blick zuwarf.
„Si...sicher tun Sie das.“
antwortete Travers und schaute zu der kurzhaarigen Frau neben sich, die nach
kurzem betrachten des Kräuterladens heftig zu nicken begann.
„Gut, ich werd mal schauen ob
es hier eine Toilette gibt und dann zu ihnen kommen.“ entschied Buffy schulterzuckend und machte die Fahrertür auf. Bevor sie
jedoch ausstieg drehte sie sich noch mal kurz zu dem, bedenklich ruhigen Iren
um, der immer noch fassungslos aus der Scheibe glotzte.
„Hey, Aidan, wir sind da.“
lächelte Buffy und stupste den rothaarigen Mann leicht an die Seite.
„Mädchen, eins, eins sag ich
dir... das machst du nicht noch mal mit mir.“ keuchte Aidan, der nach Buffys
Vermutung, wahrscheinlich vergessen hatte zu atmen.
„Entschuldigung. Ich hatte es
etwas eilig.“ lächelte Buffy unschuldig und begutachtete stolz die einwandfreie
Parkposition des Wagens.
Aidan beugte sich nach vorne
und öffnete das Handschuhfach. Buffy hatte den leisen Verdacht, dass er ihr die
ausführliche Fassung der Straßenverkehrsordnung in die Hand drücken könnte und
auf Paragraph drei, Absatz eins verweisen würde, doch kramte er lediglich nach
einer ziemlich ramponierten Zigarettenschachtel. Buffy sah noch einen Moment
auf den Mann, der sich kopfschüttelnd seine Beruhigungszigarette anzündete und
erinnerte sich an einen Mann der ihretwegen schon so oft dasselbe tun musste.
Sie verbannte den Gedanken jedoch schnell, drehte sich um und lief zur
Tankstelle.
Nachdem sich die Jägerin noch
mit einer Flasche Wasser ausgestattet hatte lief sie auf den kleinen Parkplatz
zu, wo sie nur die Hexen, Xander und einen der Wächter erblickte. Also ging sie
schließlich ebenfalls in die Richtung des Ladens, der nach dem eigentlich kurz
geplanten Aufenthalt recht interessant sein musste. Und tatsächlich schien
gerade eine heftige Diskussion zwischen dem Ladenbesitzer, Adain
und der Riege der englischen Wächter, die aus Travers und Giles bestand, im
Gange zu sein. Buffy lauschte grinsend der Argumentation ihres Wächters, der
darauf plädierte, dass eine Santa Damiana im
Zusammenhang mit einem milden Cognac der Himmel auf Erden sei. Aidan dagegen
schwor auf die Indian Zigarren aus Costa Rica, die, wie er auf ganz englische
Art und Weise sagte, in Verbindung mit einem Blended
Whiskey einfach ganz vorzüglich schmeckten.
Buffy brachte die Herren
schließlich nur schwer dazu ihre Besprechung über die moderne
‚Tabakverbreitung’ auf ein weiteres zu verschieben. Als es bereits dämmerte
fuhr das irische Auto nach einer heftigen Diskussion über
Haftpflichtversicherungen mit Buffy am Steuer Richtung Dunmore
Caves.
Einige Minuten später hielt
Buffy, diesmal mit einer - selbst für sechsundvierzig jährige Iren -
nervengerechten Geschwindigkeit einige Meter vor den Dunmore
Caves. Die Magierinnen hatten während der Fahrt bereits
das Gegengift, das letztendlich nur noch ein braun-schwarzes Gebräu in einer
winzigen Flasche war zusammengemischt und rührten nach der Ankunft noch die
letzten Kräuter vorsichtig hinzu.
Buffy bewaffnete sich
schließlich mit ihrer großen Streitaxt und einer Balliste
auf dem Rücken, bevor sie langsam auf den Eingang der Höhle zuging. Travers,
die Wächter und Aidan blieben beim Auto zurück, während sich die Hexen vor der
Höhle bereits auf einen Bannzauber gegen den Calvar vorbereiteten.
Gleich zu Anfang ging es
einige sehr steile Stufen herunter. Warnhinweise schmückten die feuchten
Felswände und trennten den Touristenbereich von der üblichen Höhle. Als die
drei von der schmalen Wendeltreppe in den ersten großen Raum kamen führten zwei
Gänge in das Innere der Höhle. Der linke war weitgehend ausgebaut und
Stromkabel hingen an den Seiten. Alle paar Meter war eine Glühbirne an der
Decke angebracht und leuchtete den Weg. Der rechte Gang dagegen war kaum einen
Meter breit und die Decke hing tiefer in den Schacht als üblich. „Ich schätze
nicht, dass er sich im Besucherzentrum eingerichtet hat.“ schnaufte Buffy und
drehte sich nach einigen Sekunden schließlich zu dem provisorischem Weg in dem
rechten Bereich der Höhle.
Nach einigen Metern konnte
man kaum noch die eigene Hand vor den Augen erkennen und Buffy vergewisserte
sich immer wieder durch leises Flüstern, dass ihre Freunde noch hinter ihr
waren. Nachdem sie einige lange Minuten durch den tiefen Schacht gekrochen
waren kamen sie schließlich in einem hohen Raum an. Lange, spitze Stalaktiten
hingen von der hohen Felsdecke in die Höhle hinein und durch ein Loch in der
Wand trat ein seichtes Licht herein. Es war bedenklich still und man hörte nur
das leise Plätschern des Wassers, das von den Tropfsteinen auf das Becken in
der Mitte des Raumes fiel.
Nach diesem Raum führte
erneut ein Stollen tiefer in die Höhle hinein und Buffy seufzte tief bei dem
Gedanken, dass sie hier womöglich nicht einmal mehr herausfinden würden...
geschweige denn ob sie jemals finden würden, weswegen sie hier waren. Unruhig
blickte sie auf ihre Uhr und zuckte etwas zusammen als sie sah, dass es bereits
zweiundzwanzig Uhr war.
„So finden wir ihn nie.“
schien Xander ihre Gedanken zu lesen und blieb für einen Moment stehen. Er
strich sich mit einer Hand einige Haarsträhnen aus dem Gesicht, als Buffy sich
zu den beiden Männern herumdrehte und mit den Schultern zuckte.
„Irgendwann muss die Höhle zu
Ende sein.“ seufzte Giles und kniff die Augen etwas zusammen. „In den
Broschüren stand, dass sie vom Eingang aus nur etwa sieben Kilometer in diese
Richtung geht.“ stellte er fest und streckte seinen Rücken etwas durch, als die
Höhe der Decke es zuließ.
Dann kehrte wieder Stille ein
und das einzige Geräusch das an ihre Ohren trat, waren ihre eigenen Schritte
und das leise Plätschern von Wasser. Der Stollen verlief beinahe gerade in eine
Richtung, nur wenige Kurven und Kreuzungen lagen auf dem Weg.
„Ich glaube nicht, dass er
hier ist.“ schnaufte Buffy nach einigen weiteren Minuten. „Das ist alles viel
zu öffentlich.“
Giles schnaubte tief, als die
Decke etwas in den Gang hinein hing und er sich tiefer bücken musste. „Diese
Magierin von Travers...“
„Ciara.“ fügte Buffy mit
einem Nicken hinzu.
„Richtig. Sie war sich sehr
sicher, dass der Calvar genau hier hin geflohen ist.“
Daraufhin lachte Buffy leise
und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand. Sie drehte sich zu den anderen
herum und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was ist wenn sie uns loswerden
wollten?“ fragte sie und hob ihre Augenbrauen. „Travers ist nur an diesem
Amulett interessiert, oder?“
Für einen Moment sagte
niemand etwas, bis Giles sich räusperte und den Kopf schüttelte. „Buffy, selbst
wenn Quentin kein Interesse daran hat Spike zu retten, würde er uns nicht
irreführen.“
Buffy nickte leicht und biss
sich auf die Unterlippe. „Wäre besser für ihn.“ Sie atmete tief ein und sah ein
weiteres Mal auf die Uhr. Eine weitere Stunde war vergangen und sie spürte wie
Tränen sich auf ihre Wimpern legten. „Er hat nicht mehr viel Zeit.“ wimmerte sie
und strich sich mit beiden Händen über die Stirn. „Ich werde etwas schneller
gehen, wir finden uns schon wieder.“ sagte sie im nächsten Moment und drehte
sich um. Dann rannte sie. Im Hintergrund hörte sie wie Giles ihren Namen rief,
doch es kümmerte sie nicht mehr. Sechzig Minuten war alles was ihm noch bleiben
würde. Sechzig Minuten, die sie davon trennten alles zu verlieren was sie
hatte.
Irgendwann, sie wusste nicht
wie viel Zeit vergangen war, begann sie seinen Namen zu schreien. Ihre Stimme
klang brüchig, tränenerstickt... und viel zu schrill. Der Gang wurde mit der
Zeit etwas breiter und sie konnte so schnell rennen, wie ihre Beine es ihr
erlaubten.
„Spike!“ Das Echo hallte
durch die Gänge und Buffy bildete sich ein zu hören wie es sich in einem Raum ganz
in der Nähe verbreitete. Hoffnungen keimten in ihr auf und sie krallte ihre
Finger fester um den Griff der Axt. Ihre Schritte beschleunigten sich und als
sie bereits das warme Licht einige Meter vor sich sehen konnte stolperte sie
plötzlich durch einen kleinen Durchgang an der linken Seite der Wand.
Der Stollen ging steil
abwärts und Buffy hatte Mühe und Not sich einigermaßen Halt zu verschaffen. An
der linken Wand ragten spitze Felsen heraus und der Rest des Ganges war
ebenfalls nur notdürftig geglättet. Tiefe Risse bildeten sich in ihren
Kleidern. Ihre Jeans wurde quer an ihrer Wade abgetrennt und die Spitze des
großen Felsens bohrte sich in ihren Unterschenkel.
Nach einigen Sekunden wurden
die kleinen Felsen weniger und die erdigen Wände des Ganges wurden stattdessen
immer feuchter und schlammiger. Ihre Bluse und Arme färbten sich schnell braun,
als sie versuchte sich etwas abzufangen um den Aufprall zu lindern. Sie bohrte
ihre Füße in die Wände, doch die Erde gab nach und so fiel sie einfach weiter.
Nach einigen wenigen Minuten starrte Buffy atemlos auf das sanfte Licht, das
unaufhaltsam und immer schneller auf sie zukam.
In der nächsten Sekunde fiel
sie einige Meter und knallte danach hart auf den Boden. Sie versuchte sich zu
orientieren, doch das grelle Licht nahm ihr jegliche Sicht. Verzweifelt kniff
sie die Augen zusammen um etwas zu erkennen. Irgendetwas. Auch die Versuche
aufzustehen scheiterten, da sie auf der schlammigen Masse unter ihren Füßen
jedes Mal ausrutsche.
Irgendwann erkannte Buffy die
groben Umrisse eines einer Trage vor sich. Die weißen Kacheln unter ihren
Händen waren mit dunkelroten Flecken übersäht und als sie ihre Augen ein
weiteres mal zusammenkniff, verstand sie wo sie gelandet war.
Teil 10 – In letzter Sekunde
Rot. Der ganze Raum war rot.
Sie blickte sich mit zugekniffenen Augen um und erschauderte als sie sich die
Wand gegenüber von sich ansah. Blutrote Spritzer zierten die weißen Kacheln.
Mit schockgeweiteten Augen überflog sie das kleine Zimmer und stoppte
schließlich bei der schmalen Trage in der Mitte. Sie starrte auf den leblosen
Körper vor sich. Da lag er. Zumindest glaubte sie, dass er es war. Sie hatte
ihn gefunden.
Doch sie konnte nicht klar
denken, bei dem Anblick der sich ihr bot. Der Raum glich einem dieser kleinen
Operationssäle in Krankenhäusern - abgesehen davon, dass der Boden und die
Wände in Blut getaucht waren. Ein schlaffer, zerschnittener Arm hing von der
Trage herunter und Buffy wurde das Gefühl nicht los, dass es besser war nur
seinen Arm zu sehen.
Nach einigen Minuten seufzte
sie tief und versuchte sich aus dem Schlammbad, das sich unter ihren Knien
angesammelt hatte, herauszurollen und als sie es endlich schaffte, stützte sie
sich kraftlos an der Wand ab um aufstehen zu können. Kurz strich sie über ihr
nacktes Bein und umfuhr die klaffende Wunde, die sich mit Dreck angefüllt
hatte. Sie verzog ihr Gesicht schmerzerfüllt, als sie sich aufraffte und
versuchte etwas Gewicht auf das Bein zu verlagern.
Er lag nur einige Meter vor
ihr. Eigentlich erkannte sie ihn nicht einmal, aber sie wusste dass nur er es
sein konnte. Auch sein ganzer Körper war rot. Nichts war mehr von der
alabasterfarbenen Haut übrig, die sie so sehr geliebt hatte. Sein Oberkörper
war mit unzähligen Schnittwunden und Verbrennungen übersät.
„Ich bin schuld, dass du so
viel leiden musstest.“ schluchzte sie während sie panisch den Blick von dem
Vampir abwandte. In diesem Moment wusste sie, dass sie nie wieder in seine
stahlblauen Augen blicken konnte, ohne an diese Gewissheit denken zu müssen.
Dann blinzelte sie und
erinnerte sich wieso sie hier war. Sie ging langsam, Schritt für Schritt, auf
den leblosen Körper zu und griff dabei in ihre Hosentasche. Zitternd zog sie
die kleine Flasche heraus und holte den Korken aus der Schmalen Öffnung.
Sie würgte leicht, als sie
sein Gesicht begutachtete und ihre Finger begannen zu zittern. Vorsichtig legte
sie sie auf seine Lippen und öffneten seinen Mund vorsichtig. Dann setzte sie
die Flasche auf der aufgeplatzten Haut seiner Lippen an und kippte sie
ruckartig nach oben, so dass der Inhalt schnell in seinen Mund floss. Nachdem
auch der letzte Tropfen des Gegengifts aus der Flasche verschwunden war,
blickte Buffy vorsichtig auf die Uhr und keuchte erschrocken als sie
feststellte, dass es bereits nach Mitternacht war. Wimmernd schloss sie ihre
Augen und senkte ihren Kopf.
Plötzlich packte sie jemand
an der Hand und im nächsten Moment befand sie sich am anderen Ende des Raumes.
Schnell riss sie ihren Kopf herum und starrte in rot funkelnde Augen, die sie
hasserfüllt anstarrten. „Die Jägerin. Ich dachte schon du kommst gar nicht
mehr.“ flüsterte er ruhig und sein Blick durchbohrte Buffy förmlich. „Nur
leider ein wenig zu spät um das große Finale mitzuerleben.“
Sie schluckte laut und zog
die abgestandene Zimmerluft zitternd in ihre Lungen. Er konnte nicht tot sein,
er konnte einfach nicht...
„Kleines, dummes Mädchen.“
unterbrach der Dämon ihren Gedankengang und ging langsamen Schrittes auf die
blonde Frau zu, die in der Ecke kauerte. „Du bist so naiv.“ Buffy lauschte
unbehaglich und fast glaubte sie so etwas wie Mitleid in seiner dürren Stimme
zu erkennen. Furcht kroch wie eine Spinne ihr Rückrat hinauf und sie presste
sich immer mehr gegen die kühle Mauer, während sich der Dämon stetig auf sie zu
bewegte. „Aber das hat sich ja jetzt alles erledigt. Ich habe dich von deinem
Leid befreit, weißt du?“ Buffy schluckte hart und wollte antworten, Worte
finden, die etwas veränderten, doch ihre Stimme versagte.
„Schlimme Sauerei, ich weiß.“
Er ließ seine dürre Hand mit einer abfälligen Bewegung durch den Raum schweifen
während er weiter sprach. „Ich weiß, dass du das nicht verstehen kannst, aber
glaub mir... er hatte es verdient.“ Ein spöttisches Grinsen stahl sich auf die
schwarzen Lippen des Monsters, während er sich betont langsam zu der Jägerin
hinunter kniete.
„Niemand hat so etwas
verdient.“ keuchte sie und starrte ihn aus glasigen Augen an. Mit einem dumpfen
Schlag knallte Buffys Kopf an die Wand und für einen Moment verschwamm die Welt
um sie.
„Du dummes Kind!“ schrie der
Calvar, fasste sich aber schnell resignierend an die Stirn. „Eine Jägerin sollte es besser wissen. Du
solltest wissen, dass sich Dämonen nicht ändern. Du bist dazu verpflichtet
jedes gottverdammte Leben zu rächen, das er ausgelöscht hat.“
Buffy drückte ihren Rücken an
die Wand und blickte ruhig auf. „Ich weiß nicht was Spike dir angetan hat, aber
er hat sich verändert.“ sagte sie und zog ihre Beine näher zu ihrem Körper, als
der Calvar sich zu ihr herunterkniete. Ihre dreckverschmierten Finger legten
sich um den Stoff des schwarzen Gewands und sie sah mit großen Augen auf. „Er
hatte das nicht verdient.“ flüsterte sie und konnte die Tränen nicht mehr
zurück halten, als sie erkannte, dass es wirklich zu spät war.
„Ich habe nichts gegen dich
oder Menschen im generellen Sinne. Wir sind Calvare sind wir eher darauf
bedacht friedlich zu leben, eine Familie zu gründen und das alles, weißt du?
Unser Verhalten gleicht dem der Menschen.“ sagte er leise und blickte sie mit
einem schmalen Lächeln traurig an. Dann seufzte er und stand auf, blickte sich
im Raum um und strich sich unter der Kapuze über die Stirn. „Natürlich verspüren
wir auch ein gewisses Maß an Gewalttätigkeit...“ Er lächelte zufrieden, als er
den Vampir begutachtete.
Dann sah er wieder zu ihr und
schwieg für einige Minuten. Er lehnte sich gegen die Trage, die bei seinem
Gewicht leicht nachgab und etwas zurückrollte. „Du ähnelst ihr ein wenig.“ Er
machte eine kurze Pause, bedachte seine nächste Worte sorgfältig. Als er weiter
sprach verlor sich seine Stimme in Erinnerungen und Buffy glaubte beinahe einen
Funken Menschlichkeit in ihm zu erkennen. „Meine Frau. Sie hatte auch solche
grünen funkelnden Augen und wunderschöne braun schimmernde Locken.“ Er blieb
stehen, schaute sie jedoch nicht an. „Sie war ein außergewöhnlicher Mensch. Es
war ihr egal wie ich aussah. Egal was ich war.“
Buffy beobachtete wie das
Leuchten der roten Augen matter wurde, als er weiter sprach und sie legte ihren
Kopf etwas schief. „Ich habe sie geliebt. Ihr Name war Cathrin. Sie war der
reinste und gutherzigste Mensch den ich je kennen gelernt habe. Sie war so
wunderschön...“
Plötzlich wurde die kalte
Stimme von Hass durchtränkt und unüberhörbarer Spott stahl sich in seine Worte
als er fortfuhr. „Es war im Dezember als wir ihnen begegneten. Wir freundeten
uns schnell mit den Beiden an. Ich war so schrecklich naiv, sah die Blicke
nicht die sie sich zuwarfen. Ich denke beide waren gleichermaßen fasziniert von
Cathrin, jeder auf seine Art und Weise.“ Er senkte seinen Kopf und legte eine
Hand auf seine Wange. „Drusilla.“ Er spuckte den Namen beinahe aus und ein
leises Lachen erfüllte die Stille. „Sie war völlig vernarrt in Cathrin. Wie in
eine Puppe... kaufte ihr ständig neue Kleider und wickelte sie mit ihrem Charme
ein.“ Er stoppte und sah schließlich wieder auf, begegnete ihrem Blick
unverblümt. „Spike dagegen war noch so jung... Er verstand nicht wieso so eine
Frau wie Cathrin mit mir glücklich sein konnte. Ich denke zu dieser Zeit wollte
er sich austesten. Er wollte versuchen ob Angelus Art und Weise zu töten nicht
vielleicht auch das Richtige für ihn sein könnte.“ Er stoppte wieder und atmete
tief aus, wandte seinen Blick erneut von ihr ab. „Sie hatte soviel Lebensfreude
in sich. So viele Pläne und unerfüllte Träume. Ich hätte besser aufpassen
sollen, hätte dahinter kommen müssen, hätte bei ihr sein müssen.“
Buffy beobachtete den Dämon
vor sich genau. Er schien sich komplett in einem früheren Leben verloren zu
haben, machte keine Anstalten mehr sich zu bewegen... blickte nur auf den
leblosen Körper, der immer noch geschunden auf der Trage lag. Sie umgriff
zitternd den Griff der Axt, die immer noch lose in ihrer Hand lag. Sie könnte
kurzen Prozess mit ihm machen, doch irgendetwas hielt sie davon ab. Es war kein
Mitleid... eher eine Art Verständnis, die sie selbst überraschte.
So erzählte der Calvar weiter
seine Geschichte. Seine Stimme verlor sich in dem Raum und Buffy wagte nicht zu
atmen. „Ich fand sie in einem verbrannten Haus. Komplett nackt und
blutüberlaufen. Ihr Körper war überall mit Narben und Bisswunden versehen. Ich
will nicht daran denken, was sie ihr alles angetan haben.“ Er stoppte, ballte
seine Fäuste, doch genauso schnell wie seine Wut gestiegen war, versiebte sie
auch wieder. „Aber das hat sich ja nun erledigt.“ Er schüttelte schnell seinen
Kopf und sah die Jägerin an, die nur wenige Meter vor ihm stand - die Axt in
beiden Händen.
„Er hatte sich erstaunlich
lange gewehrt.“ Er blickte für einen kurzen Moment zu Spike herab und ein
schadenfrohes Grinsen umspielte seine Lippen, als er voller Genugtuung
fortfuhr. „Kurz vor seinem endgültigen Tod habe ich ihm gesagt, ich hätte dich
umgebracht.“ Er schwieg, genoss den hasserfüllten Blick der Frau vor sich. „Das
war vielleicht ein großartiger Anblick, wirklich. Von einer Sekunde auf die
andere wich jegliche Hoffnung aus seinen Augen. Wo immer er auch ist, nun kann
ich mir sicher sein - Er wird so wie ich ewig Höllenqualen durchleiden, weil er
die nicht retten konnte, die er mehr liebte als alles andere. Und was dich
angeht, du kannst ihm-“ Mitten im Satz brach der Dämon ab. Buffy vermutete
zunächst, dass er seine Worte genau überdenken wollte, doch nachdem er einige
weitere Sekunden ohne jegliche Bewegung dastand, näherte sie sich ihm
vorsichtig. Sie strecke zitternd ihre Hand nach dem Gewand aus, doch nichts
passierte. Er war wie erstarrt.
Buffy stand eine Weile
regungslos und mit angehaltenem Atem da. Irgendwann begann sie wie von selbst
zu schluchzen und brach an der Wand des Raumes unter bitteren Tränen zusammen.
Ihre grün schimmernden Augen waren immer auf den gepeinigten Körper ihres
Liebhabers gerichtet. Es vergingen einige lange Minuten bis sie sich wieder
einigermaßen unter Kontrolle hatte. Mit zitterndem und doch festen Griff um die
Axt stand sie zögerlich auf. Langsam, mit hasserfüllten Augen trat sie auf den
Calvar zu, der immer noch unverändert dastand. Ohne jedes weitere Wort holte
sie aus. Worte konnten nicht einmal annähernd ausdrücken, was sie in diesem
Moment empfand.
Blut spritzte. Buffy starrte
mit einer erdrückenden Gleichgültigkeit auf den abgetrennten Kopf, der vor
ihren Füßen lag. Sofort verschwand der Leichnam des Dämons im Boden und zurück
blieb nur das blau schimmernde Amulett. Buffy hob es vorsichtig auf und vergrub
es in den Tiefen ihrer Jackentasche. Nach einigen Minuten erinnerte sie sich an
Ciara und die Magierinnen vor der Höhle, die einen Bannzauber aussprechen
wollten und sie nickte kaum sehbar. Es war vorüber.
Verloren schweifte ihr Blick
durch den blutverschmierten, hellen Raum. Sie sah verwirrt auf die unscheinbare
Tür, die ihr bis jetzt noch nicht einmal aufgefallen war. Doch konnte sie
nichts was auf einen Griff hindeutete, erkennen. Sie biss sich auf die
Unterlippe um ruhig zu sein und kämpfte wieder schwer mit den Tränen, die
einfach nicht aufhören wollten ihre Wange herunter zu laufen.
Langsam ließ sie sich neben
dem kalten, gebrochenen Körper des Vampirs nieder und strich ihm vorsichtig
eine blutverschmierte, blonde Locke aus der Stirn. Sie hauchte ihm einen
vorsichtigen Kuss auf die aufgeplatzten Lippen, immer darauf bedacht ihn nicht
zu verletzen. Ohne die Augen von seinem Gesicht abzuwenden, verhakte sie ihre
zitternden Finger mit seinen. Die angenehme Kühle, die nur er bei ihr auslösen
konnte, durchfuhr ihren Körper und wieder begannen die Tränen ungehemmt über
ihre Wange zu laufen. „Hey.“ flüsterte sie nach einiger Zeit des
Stillschweigens schließlich. „Es tut mir alles so leid, dass ich nicht früher
da gewesen bin. Dass ich, einfach... tatenlos zugesehen hab. Es tut mir so
leid, Spike.“ Sie sprach mit abgebrochener, dürrer Stimme, aus der jegliche Hoffnung
gewichen war. „Ich liebe dich, hörst du? Du hast mir doch versprochen dass dir
nichts passiert. Es ist nicht fair von dir mich einfach ganz alleine zu
lassen.“ Die Tränen fielen auf seinen Körper, vermischten das Blut und ließ es
über seine Haut wandern. Vorsichtig legte sie ihren Kopf neben seinen auf die
Trage, schloss die Augen und gestattete es sich letztendlich einzuschlafen.