Titel: Crossroads

 

Autor: Anna, annawoerner[at]gmx[dot]net

 

Genre: Drama, Romantik

 

Zeit: Ein Jahr ist vergangen, seit Tara erschossen wurde.

 

Charaktere: Buffy, Spike, Scoobies

 

Inhalt: Willow und der Rest der Scoobies haben sich allmählich wieder in ihr normales Leben eingefunden, da taucht Spike plötzlich wieder in Sunnydale auf – ohne Chip und ohne Seele. Während Buffy versucht ihre Gefühle für den Vampir zu begreifen, wird der Rat der Wächter in Rom angegriffen.

 

Teil(e): 14

 

Abgeschlossen: Ja

 

Wörter: 60973

 

Warnung: Keine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 1 – Überleben ist alles

 

Sie rannte. Immer weiter. Wollte nicht, dass er sah wie sehr er sie verletzen konnte. Wie sehr sie leiden musste seit er weg war und wie sehr sie ihn vermisste. Ihr schien, sie rannte ewig, ohne genaues Ziel. Sie wollte nur weg, weit weg von diesem Ort. Obwohl ihre Beine höllisch schmerzten und sie glaubte ihre Lunge würde jeden Moment explodieren lief sie weiter in die Dunkelheit.

Plötzlich stand er vor ihr, mit seinem typischen Lächeln. Arrogant. Selbstgefällig. Wie gewohnt senkte sie ihren Blick. “Du läufst ja immer noch weg, Liebes. Denkst du ich würde dich so nicht finden?“

„Du fehlst mir, Spike.“ krächzte sie und sah ihn durch ihre langen Wimpern traurig an.

Er lachte leise, legte den Kopf schief und streckte eine weiße Hand nach ihr aus. „Warum sagst du das?“ wollte er wissen und strich sanft über die warme Haut ihres Gesichts. „Weil du weißt, dass das nur ein Traum ist?“

 

Sie schüttelte energisch den Kopf und lehnte sich gegen ihn, doch er wich zurück. Seine Hand schnellte von ihrem Gesicht weg, als hätte er sich verbrannt.

„Lass mich nicht allein.“ wimmerte sie und ging ihm hinterher.

„Du wolltest es so.“ hörte sie seine Stimme um sich herum hallen, doch er war weg.

 


Mit einem gequältem Seufzen auf den Lippen setzte sie sich langsam auf und griff beinahe automatisch nach dem Glas Wasser zu ihrer linken um das trockene Gefühl in ihrem Mund zu lindern. Dann fiel ihr Blick auf den Wecker und ein ungläubiges ‚Erst zehn Uhr’ verklang ungehört zwischen ihren Wänden. Die Sonne war gerade erst untergegangen und überließ es dem Mond, die Welt in sein fahles Licht zu tauchen. Die Fingerspitzen ihrer rechten Hand tasteten unkoordiniert auf ihrer graublauen Bettdecke herum und fanden schließlich wenige Zentimeter neben sich das Objekt der Begierde: Mr. Gordo.

 

Lächelnd drückte sie das Plüschschwein an ihre Brust und drehte sich zur Seite. Ihr Blick verfing sich in dem strahlenden Weiß ihrer Vorhänge und sie konnte kaum glauben, wie diese kleine Träne es geschafft hatte die aufgestellte Blockade zu durchbrechen und den Stoff ihres Kissens zu durchweichen. Und letztendlich fiel sie wieder in den unruhigen Schlaf, der sie nun schon seit Monaten begleitete. Genauer gesagt war es morgen bereits ein Jahr.

 

-

 

„Buffy?“ klopfte Dawn drei Mal schnell an die helle Holztüre und lauschte bedächtig in die Stille des Raumes. Als auch das nichts half ging sie in Buffys Zimmer und wollte eigentlich schon losbrüllen, aber sie hatte ihre große Schwester schon lange nicht mehr so friedlich schlafen sehen. Deshalb blieb sie noch einige Minuten im Türrahmen stehen und setzte sich dann letztendlich vorsichtig auf die Bettkante, um Buffy zaghaft zu rütteln.

Wider erwarten riss selbige auch sofort ihre Augen auf und sah Dawn besorgt an.


“Wir müssen los Buffy, du willst doch nicht schon wieder zu spät kommen.“


Ein kurzer Blick auf den Radiowecker verriet Buffy, dass es bereits schon kurz vor acht Uhr war und sie sich wirklich beeilen musste. Doch sie brauchte kaum länger als zehn Minuten, um schließlich sogar noch vor Dawn an der Haustüre zu stehen.

„Komm schon Dawn, wir kommen sowieso schon zu spät.“ entnervt verdrehte sie die Augen, als Dawn sie etwas zur Seite drückte um durch die Türe zu kommen.

 

-

 

Eilig rasten sie zur Sunnydale High und es schien schon fast alltäglich zu sein, dass Buffy mit etwas unsanft quietschenden Reifen vor dem Backsteingebäude hielt. „Ich hole dich dann nach der Schule wieder ab.“

 

„Klar, bis später.“, sagte Dawn während sie ihrer Schwester einen Kuss auf die Wange drückte und öffnete hastig die Autotüre. Mit schnellen Schritten rannte sie zum Haupteingang - immer Richtung Mrs. Boaca, die der Begriff ‚Laufmasche’ wohl ebenso wenig ein Begriff war, wie ‚autodidaktisch’.

 

Buffy sah noch eine ganze Weile auf die leicht hin und her schwingende Türe des Haupteingangs, bevor sie den Schlüssel im Zündschloss fest umdrehte und ihren Fuß auf das Pedal presste. Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen bei dem Gedanken, dass sie sich inzwischen fast sogar auf die Uni freute. Ihr Leben war auf diese ‚normale’ Art und Weise gar nicht so furchtbar, wie sie es immer gedacht hatte. Es war friedlich. Natürlich waren ihre Ansprüche bezüglich Frieden seit dem vorletzten Jahr sehr gering geworden - Und doch, man konnte fast sagen, dass ihr Leben samt Studium, Familie, Freunde… schrecklich normal geworden war.

 

Aber da war immer noch Spike, der ihr nach wie vor keine ruhige Minute ließ. Inzwischen war es weder für sie noch für ihre Freunde ein Geheimnis, dass damals mehr zwischen ihnen gewesen war als Sex. Sie wusste nicht was es gewesen war, aber es reichte aus um sie nun wahnsinnig zu machen wenn sie an ihn dachte. Womöglich würde er nie wieder zurückkommen, keinen Fuß mehr in diese Stadt setzen. Der Gedanke fraß sie auf.

 

Sie erinnerte sich als ob es gestern gewesen wäre als sie zu seiner Gruft gegangen war, statt ihm aber Clem getroffen hatte. Als er ihr gesagt hatte dass Spike weg sei, dachte sie nie dass er so lange fernab von Sunnydale sein würde. Sie hatte fest damit gerechnet ihn bald wieder zu sehen. Sie hatte fest damit gerechnet ihm alle Bosheit und alle Wut entgegen zu bringen, die sie seit dieser Sache im Badezimmer in sich trug. Doch als ob er das geahnt hätte, hatte er sich zurückgezogen und war eben nicht wieder gekommen. Und nun war diese Wut nicht mal mehr ein leises Wimmern und die Enttäuschung wegen dem was er getan hatte war schon beinahe in etwas Ähnliches wie Verständnis umgesprungen. Berechnender Mistkerl.

 

-

 

Es läutete und Buffy blickte mit einem Lächeln von ihren Unterlagen auf. Ferien. Seufzend packte Buffy ihre Bücher in die Tasche und schlenderte langsam in Richtung Auto. Nach einem kurzen Stopp beim angrenzenden Supermarkt parkte sie schließlich möglichst leise auf dem Schulparkplatz und beobachtete gedankenverloren die vielen Jugendlichen, die sich freudestrahlend in alle Himmelsrichtungen verstreuten. Wenig später kam auch Dawn aus dem großen Gebäude gerannt und schmiss ihre Tasche grinsend auf die Rückbank.

 

„Rate wer eine Geschichte mit einer zwei abgelegt hat!“ quiekte sie vergnügt und hielt ihr Zeugnis hoch.

 

„Wahnsinn, das ist etwa drei Noten über dem was ich immer hatte.", antwortete Buffy kichernd und drückte ihre kleine Schwester fest an sich. „Ich bin wirklich stolz auf dich kleine Schwester. Das sollten wir im Bronze feiern.“

 

„Wirklich? Du nimmst mich mit?“ fragte Dawn und die Ungläubigkeit in ihrer Stimme war dabei deutlich zu hören.

 

„Du bist schon sechzehn, Dawn, da hing ich schließlich auch schon im Bronze rum. Ich geh allerdings vorher noch mal kurz auf Patrouille, aber um neun Uhr können wir los.“ nickte sie zuversichtlich setzte sich etwas im Sitz auf um die vielen Autos im Blick zu halten.

 

„Meinst du Willow kommt mit?“ murmelte Dawn gedankenverloren vor sich hin, während sie den Anschnallgurt lang zog und ihn schließlich um sich legte.

 

„Ich weiß nicht ob ihr wirklich zum feiern zumute ist, Dawn.“ Buffy schwieg einen Moment und fügte dann noch etwas leiser hinzu. „Sie wirkt kein bisschen fröhlicher als damals, als Tara gegangen ist.“ ein bitteres Lächeln stahl sich unbemerkt und mit ihrer linken Hand schob sie ihre Sonnenbrille herunter auf ihre Nase, um den glasigen Ausdruck in ihren Augen zu verdecken.

 

„Vermisst du ihn sehr?“ fragte Dawn vorsichtig.

 

Ein Seufzen folgte von der Fahrerseite und Buffy hätte Dawn wirklich erwürgen können dafür, dass sie einfach immer wusste, was in ihr vorging. „Wen?“ antwortete sie trotzdem unschuldig und folgte dem Ablauf des Verkehrs extra konzentriert, um auch möglichst beschäftigt zu wirken.

 

„Spike.“ seufzte Dawn und legte ihren Kopf schief während sie Buffy beobachtete.

 

„Wieso sollte ich, du weißt was er getan hat.“ gab sie ihrer Schwester schnippisch zur Antwort und blickte kurz zu ihr herüber. Dawn starrte etwas versunken aus dem Fenster und nach einiger Zeit des Schweigens sah sie wieder zu Buffy. „Ich weiß ja, aber ich will nicht glauben, dass er wirklich die Absicht hatte dir weh zu tun.“

 

„Wahrscheinlich wollte er das auch nicht, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr.“ entgegnete Buffy etwas angeschlagen.

 

„Vielleicht kommt er zurück, irgendwann. Er liebt dich doch oder?“ fragte Dawn leise und legte ihre Hand auf die ihrer Schwester, die die Kupplung krampfhaft umschloss.

 

„Woher willst du das wissen Dawn. Er ist jetzt ein Jahr weg. Ein ganzes Jahr, auf den Tag genau heute.“ Buffy stockte in ihrem Satz und fasste sich an die Stirn. Sie wollte nicht über dieses Thema reden. Sie wollte nicht dass Dawn mitbekam wie sehr sie unter seiner Abwesenheit litt. Herrgott sie zählte die Tage, was würden ihre Freunde darüber denken. Mit einem tiefen Atemzug lehnte sie sich zurück gegen den Sitz und schüttelte ihren Kopf kurz.

 

„Außerdem will ich nicht dass er zurückkommt.“ fügte sie trocken hinzu und bog langsam auf die Hauptstraße ab. Auf die Reaktion von Dawn achtete sie nicht mehr. Sie war zu sehr damit beschäftigt die aufkeimenden Gedanken über ihn niederzukämpfen, was wie fast immer die Folge hatte, dass die Realität mit Erinnerungen verschwamm. Er hielt sie fest, wie schon in der letzten Nacht, so liebevoll. Seine Augen durchbohrten sie und nahmen sie mit zu einer ihrer schönsten gemeinsamen Nächte.

 

Sie konnte sich nicht wehren.

 

Sie wollte es auch nicht.

 

 

Die Schatten der Jalousie, wie Palmenblätter – Sonnenlicht in Streifen. Sie lagen auf dem Bett, spürten die Hitze des vergangenen Tages noch in jedem Knochen. Eine dünne Scheibe Glas, aufgeheizt, dahinter der Raum. Haut an Haut, der Schweiß klebte zwischen ihnen, eine dünne Schicht Salz. Dreiundzwanzig Grad. Sie drehte sich um, betrachtete ihn, wie er – tief in diesem blöden Buch versunken, mit den Rücken zu ihr gedreht – auf dem Bettlaken lag, sein Profil als Schlangenform, Po und Schulter. Sie richtete sich auf, zog ihre Beine aus seinen Beinen.

 

„Wir sind wie Hunde.“ sagte sie nachdenklich und beobachtete wie er langsam das Buch senkte, das er sich zuvor von ihrem Nachttisch geholt hatte. „Du weißt schon, wir legen die Schnauzen aufeinander.“

 

„Hm?“ fragte er und ließ sich auf den Rücken fallen, einen Arm aufgestützt, der andere ließ das Buch fallen und zog sie an ihn. „Wovon zur Hölle redest du?“

 

Sie strich sanft durch seine blonden Haare und beobachtete wie ein kleiner Lichtstrahl über ihre Hand glitt. „Na, die Menschen teilen sich in Hunde und Katzen. Hunde folgen dir und Katzen wollen, dass du ihnen folgst.“

 

Er lächelte, Feuchtigkeit auf seinen Lippen. „Dann bist du kein Hund, meine Philosophin.“ gluckste er und biss sich amüsiert auf die Unterlippe.

 

„Wieso?“ langsam zog sie ihre Finger wieder zurück und strich stattdessen nachdenklich über seine Brust. Mit der linken Hand zog sie die hauchdünne Decke über ihren Körper. Sie hasste es, wenn er sie so penibel genau musterte, wie er es jetzt tat.

 

„Das fragst du wirklich, Liebes?“ lachte er leise und zog die Decke wieder von ihr herunter. „Weil du nicht folgst, wenn ich dich rufe.“ er schloss die Augen, als der Wind die Jalousie bewegte – ein Glitzern, die Streifen schwankten auf der Tapete. Es war das erste Mal gewesen, dass sie hier miteinander geschlafen hatten.

 

„Nein, das stimmt.“ schmunzelte sie. „Und trotzdem liegen wir hier und die Welt ist draußen. Ohne uns.“

 

„Lass mich das lesen, Jägerin.“ lächelte er und sie nickte nur leise und beobachtete stumm, wie er wieder zwischen den Buchstaben verschwand.

 

„Weißt du...“ flüsterte sie nach einigen Minuten, ihre Brust an seinen Rücken lehnend. Kalte Haut – feucht, erregend. „Es gibt falsche und echte Bücher. Die echten dringen tiefer als du willst und die falschen...“

 

„Die Falschen lege ich beiseite.“ sagte er und griff an ihre Hüfte. „Außerdem sind Bücher nicht falsch, sondern meistens nur lahm.“ Grinsend drehte er den Kopf zu ihr. “Nicht wahr, Kätzchen?“

 

„Hund.“ flüstere sie, den Mund an seinem Ohr, seinem Hals. Sie küsste seine Lippen sanft und legte ihr rechtes Bein über sein Becken. „Heute bin ich ein Hund.“ hauchte sie gegen seinen Mund und lächelte ein wenig als er eine Augenbraue nach oben zog. „Das klären wir noch.“

 

„Aber klar.“ lachte er leise. Seine Lippen glitten über ihren Mund und er ließ seine Zunge gemächlich in ihn gleiten. Das Buch ließ er mit zwei Fingern auf den Boden fallen und er zog sie mit einem Raunen auf sich. „Fass mich an.“

 

 

„Buffy!“ hörte sie ein Schreien und plötzlich verschwand der kalte Griff um ihre Oberarme. „Oh Gott! Pass auf die-“ wurde der Schrei schriller und Buffy schüttelte das Bild von seinem Gesicht mit einem Ruck von sich.

 

Ihre Augen richteten sich auf die Straße und ihre Lider zogen sich panisch nach oben, als sie das Auto vor sich sehen konnte. Was möglicherweise innerhalb von zwei Sekunden geschah kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Doch ihre Bewegungen waren zu langsam, sie drehte das Lenkrad nach rechts – wusste der Aufprall war unvermeidbar und entschied sich ihre Seite gegen die Mauer zu lenken statt ihr frontal zu begegnen. Sie heilte schneller als Dawn. Und als sie quer zu der Gasse standen verschwand das Bild vor ihren Augen und sie verlor das Bewusstsein.

 

-

 

Ein Krankenwagen raste über die letzte Seitenstraße vor dem Krankenhaus. Die schrillen Sirenen waren inzwischen ausgestellt doch die Blaulichter drehten noch immer ihre Runden und badeten die Umgebung in das künstliche Licht. „Was ist passiert?“ nahm einer der Ärzte den Unfallbericht entgegen. Seine Assistenten schlängelten sich um die Trage und nahmen sie entgegen

 

„Autounfall. Sie hat starke innere Blutungen und einen gebrochenen Arm.“ Informierte der Sanitäter und nahm den Zettel mit der Unterschrift wieder entgegen. Ein letztes Mal blickte er auf die blonde Frau, die nun davon geschoben wurde und tätschelte dem braunhaarigen Mädchen kurz die Schulter.

 

-

 

„Wieso dauert das so lange, verdammt noch mal.“ schnaufte Xander und blieb kurz stehen. Er blickte zu Dawn, die mit ausdruckslosem Gesicht auf einer der weißen Stühle saß und auf ihre Schuhe starrte. Ein leises Seufzen kam über seine Lippen und er fuhr fort damit über den kleinen Gang vorm Operationssaal hin und her zu laufen. „Verfluchter Vampir.“ schüttelte er den Kopf und strich sich einige Male angestrengt über die Stirn. Mit einer Hand lehnte er sich gegen die Glastüre und legte den Kopf in den Nacken. „Selbst wenn er nicht hier ist geht er mir auf die Nerven.“ murmelte er und starrte auf die weiße Schrift ‚Notaufnahme’.

 

Schließlich ging hinter ihnen eine Tür auf und ein grauhaariger Mann mit weißem Kittel trat aus dem Raum. Er griff hinter seinen Kopf und zog sich mit einem tiefen Atemzug den Mundschutz vom Gesicht, bevor er zu den vier Menschen blickte, die ihn erwartungsvoll ansahen.

 

„Wie geht es ihr?“ fand Giles zuerst die Worte die den anderen im Hals stecken geblieben waren und er ging mit Dawn zusammen auf den Arzt zu.

 

„Die Operation ist weitgehend gut verlaufen. Sie hat ein Schädeltrauma, einige innere Blutungen und ihr Arm ist angebrochen.“ sagte er mit fester Stimme und nur einem Atemzug und ein kleines Lächeln trat schließlich auf seine Lippen. „Keine Sorge, sie wird wieder gesund.“ nickte er und legte seine Hand freundlich auf Dawns Schulter. „Deine Schwester hatte großes Glück, dass sie in diesem Winkel aufgeprallt ist, schätze ich.“

 

„Können wir zu ihr?“ fragte Giles nach einigen Sekunden nüchtern, zog jedoch noch im selben Atemzug seine Brille von der Nase und wischte geistesabwesend über die dicken Gläser.

„Für einige Minuten. Sie braucht vor allem Ruhe.“ antwortete er und sah zu dem Mann vor sich auf. Dieser blickte jedoch seinerseits zu dem Mädchen an seiner Seite und nickte kurz nachdem sie ihm einen ernsten Blick zugeworfen hatte. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen trat Dawn einen Schritt nach vorne und ging zusammen mit dem Arzt durch die gläserne Türe.

 

 

„Kaffee?“ stieß Willow ihren angehaltenen Atem erleichtert aus und stand schließlich von ihrem Platz auf der gegenüberliegenden Seite auf. Xander und Giles nickten beide gleichzeitig und setzten sich wieder neben die Türe.

 

„Wir sollten dann nach Hause fahren.“ seufzte Giles und stützte seine Ellbogen dabei auf seinen Oberschenkeln ab. „Dawn sollte einige Stunden schlafen und ich denke Buffy wird noch ein paar Tage hier bleiben, also sollten wir ihr Kleider holen.“ sinnierte er weiter, richtete sich schließlich auf und streckte seinen Rücken ein wenig durch.

 

„Das wird Buffy nicht gefallen.“ lächelte Xander ein wenig bei dem Gedanken wie sehr Buffy Krankenhäuser hasste. Er beobachtete kommentarlos wie der Wächter einige Minuten schweigend hin und her lief. Seine Haltung war gerade und gefasst doch er konnte am Ausdruck in seinem Gesicht sehen wie sehr er sich sorgte.

 

„Nun das hätte sie sich überlegen sollen, bevor sie gegen eine Wand gefahren ist.“ stieß er schließlich aus und klang dabei ein wenig wütend. Er warf einen kurzen Blick auf Xander, sah aber schnell wieder weg und ging schnell auf Willow zu, die mit drei braunen Bechern auf die beiden Männer zugelaufen kam. Er nahm ihr mit einem schmalen Lächeln einen der heißen Behälter ab und ging wieder einige Schritte in die entgegengesetzte Richtung.

 

„Ich denke sie hat das vergangene Jahr noch nicht verarbeitet.“ murmelte Willow, die den letzten Satz des Wächters wohl gehört hatte und legte ihren Kopf ein wenig schief. „Und wer könnte es ihr verdenken.“ redete sie mit trauriger Stimme weiter und warf Giles einen kurzen Blick zu. „Verrückte blau-beaderte beste Freundinnen, eine Beinahe-Vergewaltigung und…“ ihre Stimme brach mehrfach bei den Worten, doch sie schüttelte schließlich geschlagen den Kopf. Sie wusste nicht wie sie weiter sprechen sollte, sie konnte die Worte über Tara noch immer nicht in den Mund nehmen. Mit einem dünnen Lächeln sah sie zu dem grauhaarigen Mann auf, der seine Hand auf ihre Schulter gelegt hatte und nippte wortlos an dem Kaffeebecher.

 

„Es ist für niemanden von uns einfach.“ sagte er mit fester Stimme und tätschelte Willow einige Male bevor er seinen Kopf in die Richtung der Notaufnahme drehte, aus der Dawn wieder heraus kam. „Lasst uns gehen.“ nickte er und griff nach seiner Jacke, die über einen der weißen Stühle an der Seite des Ganges hing.

 

Er beobachtete wie Dawn etwas erwidern wollte, doch er hob seine Hand und richtete sich auf. „Buffy wird Kleidung brauchen und du solltest dringend schlafen.“ hauchte er mit ruhiger Stimme und zog sich die Jacke langsam an. „Keine Diskussionen bitte, nicht heute.“ sah er das braunhaarige Mädchen vor sich erschöpft an und lächelte schließlich, als sie nach einigen Sekunden kaum sehbar nickte.

 

 

-

 

Mit einem lauten Quietschen rieben sich die Reifen an dem rauen Asphalt und schließlich kam das schwarze Auto zum stehen. Staubige Springerstiefel pressten sich auf die Kante des Gehwegs und der Qualm verbrannten Tabaks verteilte sich in der kühlen Nachtluft.

 

Eine dünne Gestalt stand mit einem tonlosen Seufzen vom Fahrersitz auf und er lehnte sich für einige Sekunden gegen die Seite des Wagens. Sein Blick lag auf dem Ortsschild, das unangetastet einen Meter vor seinem Auto im Boden steckte. Sein Kiefer zog sich angestrengt zusammen und schnippte den Rest der Zigarette in einen Abwasserschacht neben seinem Fuß. Er las die Aufschrift einige Male bevor er mit einem leisen Knurren seinen Kopf in den Nacken warf und in den Himmel starrte.

 

Home. Bloody fuckinsweet home.“ raunte er und schlug die Autotüre schließlich mit seinem rechten Fuß zu. Er lief einige Schritte bevor er schließlich wieder stehen blieb. Sein Blick fiel langsam zu seiner Seite herunter und mit einem tiefen Atemzug holte er aus und trat das Schild mit einem lauten Scheppern um. Dann nickte er, offensichtlich mit sich selbst zufrieden und warf dem Ortsschild noch einen drohenden Blick zu.

 

 

Mit desinteressiertem Blick schlenderte er durch die leeren Straßen und erinnerte sich nur zu gut wie er diesen Weg immer zu Buffys Haus genommen hatte. Ruhig zog er die schmale Schachtel Marlboro aus der linken Tasche seines Mantels und zündete sich eine etwas verbogene Zigarette an. Tief zog er den Rauch in seine toten Lungen und ließ ihn langsam wieder durch seine Nasenlöcher entweichen.

 

Selbst nach einem Jahr dachte er pausenlos an sie, an ihren Duft, an ihren Körper. Er hatte wirklich alles getan um sie aus seinem Kopf zu kriegen. Alles. Er hatte sich geschworen nicht wieder zurück zu kommen und endlich wieder sein eigenes Leben zu haben. Sein eigener Herr zu werden. Kein bemitleidenswerter Hund zu sein, der an ihrem Beinen klebte.

 

Er war gescheitert. Mit Pauken und Trompeten gescheitert.

 

Sie beherrschte ihn, seine Gedanken, sein Wesen. Er wachte auf und dachte an sie, an ihren Blick, ihren Duft, ihr Lächeln, den Ausdruck auf ihrem Gesicht wenn sie wütend oder genervt war. Er ging schlafen und dachte daran was sie wohl gerade tat. Wenn er träumte dann war dort nur sie. Träume waren die guten Momente des Tages, dort wies sie ihn nicht zurück, dort liebte sie ihn. Er lächelte ein wenig und zog schweigend von der brennenden Zigarette. Wenigstens dort hatte sie keine Macht über ihn - in seinen Träumen tat sie das, was er wollte.

 

Als er dann schließlich an ihrem Haus ankam, stellte er sich unter den Baum vor ihr Fenster. Ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen, als er den Filter dort austrat. Dann lugte er vorsichtig durch das Fenster der Küche und entdeckte sofort Dawn, die eine große Reisetasche auf den Küchentisch stellte. Willow kam dazu, sie trug einige Kleidungsstücke in der Hand und legte sie neben die Tasche. Er konnte sehen, dass sie leise redeten, doch er konnte nur ahnen was sie sagten. Ein mattes Lächeln stahl sich auf die Lippen der Rothaarigen, als sie Dawn in eine feste Umarmung zog. Er konnte sehen dass der Krümel weinte und er zog verwundert die Augenbrauen zusammen.

 

Die beiden Frauen standen einige Minuten so da, bis Dawn sich schließlich von ihr löst, sich einige Male über die Augen strich und entschuldigend lächelte, bevor sie die Kleider umgriff und in die Reisetasche legte. Während Dawn den Reißverschluss zu zog beobachtete er wie Willow sich einen Mantel griff und schließlich die Tasche in die Hand nahm. Als Giles die Szene betrat hielt er den Atem an und blickte den Mann verwundert an. Er sah in diesem Moment zehn Jahre älter aus. Tiefe Sorgenfalten lagen auf seiner Stirn und er stellte sich mit ernstem Blick neben Dawn. Sie wechselten einige Worte und er konnte sehen, wie Dawn energisch den Kopf schüttelte. Nach einigen Minuten senkten sich die Schultern des Mannes und er nickte ohne sie anzusehen.

 

Plötzlich hörte er, wie die Haustüre knackte und drehte sich schnell um so dass er nun hinter dem Baum stand.

 

„Beeilung Xander, es ist nur noch eine halbe Stunde Besucherzeit.“ rief Giles in den Eingang und Spike kniff seine Augen etwas zusammen. Der grauhaarige Mann kam zusammen mit Dawn aus der Haustüre getreten und er seufzte, als sie direkt zum Auto ging und sich auf die Rückbank setzte. „Wir bringen ihr nur ihre Sachen vorbei und dann bringen wir dich sofort wieder zurück.“ sagte er ernst, bevor sie die Autotür zuknallte.

 

Spike schüttelte schweigend den Kopf und drückte sich vorsichtig vom Baumstamm ab als Giles in den Flur sah. Ohne zurück zu blicken rannte er los in die Richtung aus der er gekommen war. Er umgriff seinen Autoschlüssel und fuhr in Gedanken den Weg zum nächstgelegenen Krankenhaus ab.

 

-

 

Etwa eine Stunde später schob er die Krankenhaustür mit beiden Händen auf und als er den ersten Arzt sah, der gerade aus dem Raum neben ihm kam knurrte er wütend und griff nach dessen Kragen. „Summers, Buffy.“ raunte er atemlos. „Wo ist sie?“

 

Der Arzt sah den blonden Mann eher verwundert als ängstlich an und fasste nach seinem Hals. „Ich fürchte da müssen sie schon am Empfang fragen.“ keuchte er und deutete auf den runden Tresen in der Mitte des Raumes. Mit einem abschätzenden Blick schubste Spike den Mann gegen die Wand und ging auf die Frau am Computer zu. „Ich suche nach Buffy Summers.“ sagte er ruhig, stellte sich gerade hin und versuchte sein Möglichstes um gelassen und gefasst zu wirken. Die strohblonde Frau sah kurz auf, verlor sich für einen winzigen Moment in den starren Augen ihres Gegenübers und wandte sich schließlich mit einem Räuspern dem Bildschirm vor sich zu.

 

„Ah hier.“ rief sie nach einigen Minuten zufrieden aus und stand von ihrem Stuhl auf. Sie lehnte sich über die Theke und deutete mit ihrem rechten Arm den Gang entlang. „Grade aus und dann zwei mal rechts.“ nickte sie und setzte sich wieder auf den Drehstuhl. „Zimmer 317.“ fügte sie hinzu und sah dem Mann hinterher, als er direkt losgegangen war. „Bitte.“ murmelte sie und ließ sich in die Lehne zurückfallen.

 

 

Er stand einige Minuten vor der Türe und starrte auf die silberne Zahl vor seinen Augen. Der Türgriff lag in seiner Hand und er klopfte mit seinem Daumen auf die glatte Oberfläche. Mit einem tiefen Atemzug drückte er ihn schließlich nach unten und ging in das Zimmer ohne aufzusehen. Er schloss die Türe vorsichtig und drehte sich letztendlich langsam um.


Doch als er dann so dort stand - kaum mehr als drei Meter entfernt von ihr - wusste er nicht mehr weshalb er her gekommen war. Sicherlich – er hatte sich versichern wollen, dass es ihr gut ging, aber wieso war er in diese Stadt zurückgekommen? Zur Hölle er hatte selber versucht diese Frau umzubringen. Mehr als einmal. Er hatte sie geschlagen. Mehr als einmal. Und letztendlich konnte er sich auch eine versuchte Vergewaltigung auf sein Konto verbuchen lassen.

 

Also, was zur Hölle sollte er sagen? Er hörte ein Knacken und blickte verwundert auf seine Hand herab, die zur Faust geballt war – die Knöchel weiß vor Anstrengung. Er schüttelte seinen Arm und löste die verkrampfte Haltung, drängte die Erinnerungen an ihre letzte Begegnung zurück und sah schließlich auf. Und er zog seine Augenbrauen verwundert zusammen, als er in zwei geöffnete grüne Augen sah. Sie sah so zerbrechlich aus, so blass und der Schlauch unter ihrer Nase ließ sie krank und ausgelaugt erscheinen. Doch ihr Blick war durchdringend und standhaft.

 

„Liebes?“ stieß er den angehaltenen Atem aus, von dem er nicht gewusst hatte dass er ihn zurückbehalten hatte. Er beobachtete fasziniert wie sich ein Lächeln auf ihre Lippen stahl als sie den Kopf schief legte. „Du bist schuld.“ sagte sie und ihre Stimme war kaum lauter als ein Flüstern. Ihre Worte verwunderten ihn nicht. Er lehnte sich gegen die Türe und sagte nichts.

 

„Deinetwegen denken sie nun ich hab’ völlig den Verstand verloren.“ krächzte sie und ein Räuspern folgte der Stille. Er betrachtete ihr Gesicht und es war völlig entspannt als sie sprach, kein Anzeichen deutete darauf hin, dass sie überrascht war ihn zu sehen. Er schüttelte verwirrt den Kopf und ging einige Schritte auf sie zu.

 

„Ich glaube ich kann dir nicht ganz folgen, Liebes.“ sagte er leise, während er sich einen Stuhl an der Seite der Wand griff und ihn neben ihr Bett schob. Bevor er sich setzte sah er nochmals auf, um zu sehen ob es in Ordnung war dass er sich neben sie setzte, doch ihre Augen waren geschlossen.

 

„Buffy?“ flüsterte er und ließ sich auf den weißen Stuhl sinken. Ein Lächeln umspielte seine Lippen als er ihre tiefen, langen Atemzüge hörte und er ließ sich gegen die Lehne fallen. Sein Kinn stützte er auf seinem Ellbogen auf und in diesem Moment genügte es seine Jägerin einfach nur ansehen zu dürfen. Wenn er Glück hatte würde sie einige Stunden schlafen, bevor sie ihn zum Teufel jagen würde.

 

-

 

Früh am Morgen öffnete Buffy die Augen. Sie atmete einmal tief durch und lächelte zufrieden, da der Schmerz in der Brust nachgelassen hatte. Sie streckte ihre Glieder ein wenig, sie waren steif und träge vom langen Schlafen. Ihr Kopf tat nach wie vor weh, aber sie erinnerte sich dass der Arzt das prophezeit hatte und strich sich mit der linken Hand langsam über die Schläfe. Sie hatte einen schalen Geschmack im Mund – höchstwahrscheinlich von zu viel Krankenhausluft und zu wenig Trinken. Ihr Blick fiel auf die große Uhr neben der Türe und sie konnte sich ein genervtes Stöhnen nicht verkneifen.

 

Mit einem tiefen Seufzen schloss sie ihre Augen wieder und legte ihre freie Hand darüber. Sie lauschte der Stille des Raums und ihrem eigenen Atem. Das Piepsen der Herzfrequenzmaschine war auf ein Minimum gedreht und es verhallte stumm zwischen den Wänden.

 

„Guten morgen.“ hörte sie plötzlich jemanden sagen – direkt neben sich und sie riss ihre Hand von den Augen. Ihr Körper versteifte sich und instinktiv rutschte sie einige Zentimeter von der Geräuschquelle weg. Doch als sie ihn dort sitzen sah entspannte sie sich wieder, ein wenig beschämt über ihre Reaktion und legte ihren Kopf zurück auf die weiche Matratze.

 

„Wie geht es dir?“ fragte er ruhig - er wirkte überrascht. Seine Stimme klang schüchtern, beinahe ängstlich und sie wunderte sich wo die sonst so selbstsichere Haltung geblieben war. Der Spike in ihren Träumen hatte für gewöhnlich keine Selbstzweifel. Ohnehin war es seltsam ihn in dieser Situation zu sehen – an ihrem Krankenbett, mit besorgter Miene und einem Stirnrunzeln auf dem Gesicht. Normalerweise hatte ihre Fantasie nettere Orte für sie beide reserviert.

 

„Buffy?“ hauchte er ihren Namen und sie konnte sehen, dass er seine Hand hob, sie jedoch nach einigen Sekunden zurück auf sein Bein legte. Sie starrte ihn verunsichert an, verwirrt über seine scheue Art und den besorgten Blick. „Was ist plötzlich mit dir los, wieso siehst du mich so an?“ flüsterte sie und spürte wie sie zunehmend wütender wurde. Er sollte sie nicht so ansehen. Er war ihre Zuflucht, ihr Refugium vor dem Alltag und der Trauer. Es genügte dass ihre Freunde sie andauernd ansahen als ob sie nicht mehr ganz klar im Kopf sei.

 

„Wovon zur Hölle redest du, Jägerin?“ schüttelte er den Kopf verwirrt und starrte direkt in ihre Augen. Sie sah nicht minder konfus aus und in diesem Moment wünschte er sich wirklich er könnte hier rauchen. Mit einem tonlosen Seufzen holte er das silberne Zippo aus seiner Manteltasche und drehte es zwischen zwei Fingern hin und her. „Ich hab’ deine kleinen Freunde reden hören und wollte nach dir sehen, nichts weiter.“ sprach er schließlich, als sie ihm nicht geantwortet hatte. Und als sie ihre Augenbrauen zusammenzog und ihn ansah als hatte sie soeben verlernt bis drei zu zählen senkte er seinen Blick und starrte auf seine Füße.

 

„Ich denke das war alles keine sehr gute Idee.“ schnaufte er schließlich und stand langsam auf. Er konnte ihr nicht in die Augen sehen. Mit so ziemlich allem hatte er gerechnet, er hatte teilweise gehofft sie würde ihn anschreien oder verprügeln – aber das hier war schlimmer. Sie sah ihn an, als würde sie nicht verstehen was er hier wollte, als gäbe es absolut keinen Grund warum er hier war.

 

„Wieso bist du heute so anders?“ fragte sie mit schwacher Stimme und griff nach seiner Hand. Die Berührung ließ ihn zusammen zucken. Sie hatte ihre Finger mit seinen verhakt als gäbe es nichts Selbstverständlicheres in diesem Moment. Er drehte sich wieder um und sah sie durchdringend an. „Wovon redest du verdammt?“ blaffte er sie an und beobachtete wie sie ihre Augenbrauen nach oben zog bei seinem Tonfall.

 

„Entschuldige.“ flüsterte er und strich mit dem Daumen zaghaft über ihren weichen Handrücken. Er gab ihr ein schiefes Lächeln und setzte sich wieder zurück auf den Stuhl. Sein Blick fiel auf ihre verhakten Hände und er schüttelte verwundert den Kopf. „Ich bin gestern erst zurückgekommen, Buffy.“ murmelte er und als er wieder aufsah konnte er sehen wie sich ihre Lippen etwas öffneten und sie ihn anstarrte, als würde sie ihn gerade zum ersten Mal sehen.

 

„Was zum Geier macht der hier?“ schrie plötzlich eine Männerstimme hinter ihm und er fuhr herum. Xander starrte ihn gleichmäßig erstaunt und wütend an und Spike löste seine Finger aus Buffys Griff. Ganz langsam stand er auf und zog den Stuhl zur Seite. Er beobachtete wie Xander die Ärmel seines Pullovers zurück zog und seine Fäuste ballte. „Keine Axt zur Hand diesmal?“ lachte Spike leise und beugte sich ein wenig nach vorne, bereit den Angriff abzuwehren. Die beiden Männer funkelten sich einige Sekunden an, bevor Dawn sich an Xander vorbei drängte und Spike mit offenem Mund anstarrte. Er sah wie sie einen flüchtigen Blick zu ihrer Schwester warf, die ihn mit genau demselben geschockten Blick ansah. Dann sah sie wieder auf und schließlich lächelte sie leicht und ging auf ihn zu.

 

„Ich bin so froh dass du wieder da bist.“ flüsterte sie und lehnte sich ihm entgegen. Ihre Arme legten sich um seinen Hals und sie schloss die Augen. Nach einigen Sekunden der absoluten Fassungslosigkeit erwiderte er die Umarmung schließlich und ein kleines Lächeln flog über seine weißen Lippen.

 

„Ich bin mir da noch nicht so ganz sicher, Krümel.“ tätschelte er Dawns Kopf und lehnte sich gegen die weiße Wand. Amüsiert beobachtete er wie Xander seine Fäuste entnervt sinken ließ und sich gegen den Türrahmen lehnte.

 

„Aber wenn deine große Schwester nichts dagegen hat, werde ich erst einmal hier bleiben.“ schnaufte er und wollte eigentlich zu Buffy hinüber schauen, doch als er seinen Kopf in ihre Richtung drehen wollte schlug auch schon Xanders Faust in seinem Gesicht ein und er taumelte etwas zurück. Tiefe Falten bildeten sich automatisch auf seiner Stirn und er schlug ohne zu zögern mit seiner rechten Hand einmal gerade in seinen Bauch.

 

„Das geht jetzt nicht mehr so einfach, Harris.“ knurrte er wütend und hielt sich die schmerzende Wange. Zufrieden blickte er auf den braunhaarigen Mann, der in der Ecke des Raumes lag und keuchend seinen Oberkörper umfasste. Dann starrte er in Dawns Gesicht und schließlich in das von Rupert und Willow, die im Türrahmen standen und ihn fassungslos anstarrten.

 

„Oh bitte.“ lachte er leise und schüttelte seinen Kopf einige Male, bis die Falten darauf verschwanden und er wieder sein menschliches Selbst war. „Was dachtet ihr denn bitte wieso ich weg gegangen bin.“ fragte er mit einem Achselzucken in die Runde und zog seine Augenbraue in die Höhe als ob die Frage völlig überflüssig wäre. Als sich nach einigen Sekunden noch immer keiner bewegte seufzte er einmal tief und das Lächeln auf seinen Lippen erstarb. „Nein, ich werde euch nicht töten.“

 

„Der Chip. Seit wann?“ fand Giles als erstes seine Worte wieder und ging einige Schritte auf den Vampir zu. Zwei Meter vor ihm blieb er schließlich stehen, weit genug um nach Dawns Arm greifen zu können und sie zurück zu ziehen. Er zog sie, ohne den Blick von dem blonden Vampir zu nehmen hinter seinen Rücken und ging noch einen Schritt nach vorne.

 

„Vor ungefähr einem halben Jahr, schätze ich.“ zuckte er mit den Schultern und warf letztendlich einen kurzen Blick zu Buffy, die ihn immer noch mit demselben Ausdruck wie vor einigen Minuten anstarrte. Ihre Lippen waren zu einem kleinen ‚o’ geformt und die Augen waren geweitet. Ihr Brustkorb hob und senkte sich kaum merklich und er war für einen Moment besorgt, dass sie wieder in diese Art Schockstarre gefallen war, wie damals als Dawn entführt worden war.

 

Dawn rollte die Augen und schob sich an Giles vorbei, bevor dieser reagieren konnte. „Kommt schon Leute, das ist Spike.“

 

„Ja, das ist Spike.“ spuckte Xander jedes Wort voller Verachtung aus und richtete sich mit einem Stöhnen auf. Wütend begegnete er Dawns Blick und zeigte mit der rechten Hand auf den Vampir.

 

„Der Spike, der letztes Jahr deine Schwester beinahe vergewaltigt hätte.“ fuhr er fort und sein Blick war starr in Spikes Augen gerichtet. Und er lächelte schließlich zufrieden, als er sah wie der Vampir ein wenig strauchelte und sein Gesicht sich beschämt verzerrte. Seine weiße Hand griff nach dem schwarzen Mantel auf dem kleinen braunen Tisch in der anderen Ecke des Raumes und er zog ihn sich über.

 

„Er hat Recht Krümel.“ murmelte, als er vor Dawn stand und nahm strich einige Sekunden mit seiner linken Hand über ihre Wange. Dann wollte er gehen, doch als er an Rupert vorbei laufen wollte, griff eine Hand nach seiner und er drehte sich langsam um. Buffy hatte sich im Bett aufgesetzt und starrte ihn entsetzt an. „Nicht.“ bat sie so leise, dass er sich nicht sicher war ob die anderen es hören konnten, doch das spielte auch keine Rolle. Sie sah ihn so freundlich und bittend an, dass er für einen Moment überlegte ob sein Herz gerade einen Sprung gemacht hatte. Jedenfalls fühlte es sich so an.

 

„Geh nicht.“ setzte sie noch einmal nach, dieses Mal etwas lauter und ein kleines Lächeln stahl sich allmählich auf ihre Lippen.

 

„Oh bitte Buffy.“ stöhnte Xander vom anderen Ende des Raumes und er starrte ungläubig auf die zierliche blonde Frau im Bett. „Das ist jetzt bitte nicht dein Ernst.“ schnaufte er angewidert und ging einige Schritte nach vorne. Er zeigte wieder auf den Vampir, sah aber diesmal Buffy an und wartete einen Moment, bis sie ihren Blick von Spike abwandte und ihren Kopf in seine Richtung drehte.  „Verdammt noch mal, Buffy. Was glaubst du weshalb er den Chip nicht mehr hat?“ wollte er wissen. „Du hast gesehen wozu dieses Ding fähig ist. Gerade du solltest das besser wissen.“ fuhr er fort und seine Stimme brach beim letzten Satz. Buffy sah ihn entschuldigend an und schüttelte kaum merklich den Kopf.

 

„Ich glaube an ihn.“ sagte sie nach einigen Sekunden laut und deutlich und beobachtete enttäuscht wie Giles darauf den Raum verließ. Sie hielt den Blickkontakt mit Xander doch wenige Momente später drehte dieser sich um und folgte dem Wächter. „Mach doch was du willst.“ presste er noch hervor, bevor er im Gang verschwand.

 

„Er hat Recht.“ sagte Spike nach wenigen Minuten ruhig und sah sie vorsichtig an. Sie lächelte immer noch und blickte auf seine Hand herab, während sie mit ihrem Daumen darüber strich. „Das kannst du mir später noch erzählen.“ sah sie schließlich auf und er nickte nur ruhig unter ihrem intensiven Blick.

 

 

 

 

 

Teil 2 – Alles auf Anfang

 

Verschlafen schlug sie die Augen auf. „Hmm, viel zu früh.“ murmelte sie während sie auf ihren Wecker schaute. 07:00 stand in grünen Zahlen auf dem kleinen Radio und mit einer fließenden Bewegung zog Buffy die Bettdecke über ihren Kopf. Seit drei Tagen war sie nun wieder zu Hause und trotzdem schlief sie selten länger als vier Stunden. „Verdammt.“ murmelte sie missmutig und zog mit einem tiefen Seufzen ihre Knie bis zu ihrem Kinn. Durch die dünne Bettdecke sah sie durch einen kleinen Spalt zu ihrem Fenster, durch das das Licht streifenweise in ihr Zimmer trat. Mit einem Kopfschütteln schloss sie ihre Lider wieder und vergrub ihr Gesicht zwischen den Knien. Sie blieb einige Minuten bewegungslos liegen, bis sich ihre Stirn in Falten legte und sie schließlich laut ausatmend die Augen wieder öffnete. „Verdammt, verdammt, verdammt.“ schimpfte sie lautstark und riss sich die Decke vom Kopf.

 

Noch einmal sah sie genervt zu dem Radiowecker, der inzwischen 07:16 anzeigte und setzte sich schließlich auf. Sie holte zwei-, dreimal tief Luft, ehe sie die Bettdecke beiseite warf und aus dem Bett stieg. Ihre Knie zitterten leicht, fast so, als ob jede Kraft aus ihrem Körper gewichen sei.

 

„Das bringt mich noch um.“ schimpfte sie leise und schleppte sich ins Badezimmer. Alles was sie jetzt noch wollte und brauchte war eine kalte Dusche, die sie ein wenig aufwecken würde. Sie stieg aus ihren Kleidern, ignorierte den Spiegel und drehte an der silbernen Armatur.

 

Das kalte Wasser brannte im ersten Moment wie tausend kleine Nadelstiche auf ihrer warmen Haut, doch sie zuckte nur kurz zusammen und stellte sich schließlich ganz unter den Duschkopf. Schnell vergaß sie die Schlaflosigkeit, vergaß ihre quälenden Gedanken. Doch als sie aus der Dusche stieg und einen kurzen Blick in den Spiegel warf, zuckte sie erschrocken zusammen.

 

Ihr Gesicht war ungewohnt bleich. Noch müder, noch ausgelaugter als sonst erschienen ihre Augen, eingefallen ihr Gesicht. Mit einem Griff hatte sie ihre Make-up Döschen hervorgeholt und begann sich hastig zu schminken.

 

-

 

Als sie angezogen, gekämmt und hoffentlich weniger zombie-artig die Treppe herunter ging konnte sie bereits den Fernseher hören. Dawn war nie wirklich ein Fan vom langen Schlafen gewesen und Buffy lächelte ein wenig, als sie den Geruch von Pfannkuchen wahrnahm.

 

„Sind noch welche in der Küche.“ hörte sie die Stimme ihrer Schwester und lächelte dankbar in ihre Richtung bevor sie wortlos in die Küche abbog. Sie warf einen Blick in die Pfanne und ging zum gegenüberliegenden Schrank, griff sich einen großen flachen Teller und bückte sich kurz. Aus den unteren Schubladen holte sie eine Flasche Sirup hervor und richtete sich wieder auf. Als sie vor der Pfanne mit den Pfannkuchen stand nahm sie mit einem tiefen Seufzen den Pfannenwender vom der Halterung über den Herdplatten. Sie starrte einige Momente darauf, verlor sich kurz in Erinnerungen und schüttelte dann energisch den Kopf, bevor sie die flachen Teigkreise auf ihren Teller manövrierte.

 

„Und was machen wir heute?“ fragte Dawn vom Türrahmen aus. Als Buffy ihr einen kurzen Blick zugeworfen hatte kam sie in die Küche gelaufen und stellte ihren Teller neben der Spüle ab. Dann griff sie auf Buffys Teller und riss sich ein Stück Pfannkuchen ab, das sie sich danach in den Mund steckte.

 

Uhm, keine Ahnung.“ beobachtete Buffy einen Moment lang ihre Schwester und drückte dann auf die Sirupflasche. „Mein Sklaventreiben hat mich zum Training abkommandiert, aber sonst – keine Pläne.“ lächelte sie und stellte die Flasche wieder auf die Theke. Dann nahm sie den Teller in die Hand und setzte sich auf einen der Stühle neben dem Esstisch.

 

„Wir könnten Spike besuchen.“ drehte sich Dawn um und sah ihre Schwester vorsichtig an.

 

 

„Entschuldige?“ räusperte sich Buffy, als sie sich etwas an dem Pfannkuchenstück in ihrem Mund verschluckte und sah verwundert auf.

 

„Buffy.“ setzte Dawn an und setzte sich schließlich auf den Stuhl gegenüber ihrer Schwester. „Er ist wieder zurück.“ stellte sie fest und starrte die Blonde an, als wäre keine weitere Erklärung nötig. Als sie aber nur einen verständnislosen Blick zugeworfen bekam seufzte sie und verdrehte die Augen. „Du hast nichts Besseres vor als dich vor ihm zu verstecken.“ atmete sie lautstark aus und begann mit ihren Fingern die Verzierungen der Tischdecke nachzufahren. „Dir ging es so schlecht die ganze Zeit. Ich dachte du willst ihn zurück haben.“

 

„Dawn, wir waren nie zusammen.“ zog Buffy ungläubig die Augenbrauen zusammen und wandte ihren Blick ab, als Dawn aufsah. „Zumindest nicht so.“ fügte sie leise hinzu und stocherte mit ihrer Gabel in dem weichen Teig herum. Dann stand sie seufzend aus und schob den Teller mit dem halben Pfannkuchen lustlos von sich weg. „Ich sollte gehen. Giles wartet.“ lächelte sie matt und griff nach dem beigen Cordmantel, der an einem Haken an der Wand hing.

 

„Was auch immer.“ murmelte Dawn und fasste nach der Gabel auf dem Teller. Als Buffy kurz im Türrahmen stehen blieb und sich umdrehte sah sie noch einmal auf. Buffy öffnete den Mund, schwieg aber nur und winkte schließlich halbherzig, bevor sie zur Haustüre ging.

 

-

 

Es war bereits früher Abend als Buffy von der Magic Box Richtung Friedhof lief. Die Sonne war vor wenigen Minuten untergegangen und die letzten Funken Tageslicht erhellten die leeren Straßen Sunnydales. Abwesend drehte sie den langen Holzpflock zwischen ihren Fingern hin und her. Als sie am Tor des ersten Friedhofs angelangt war seufzte sie tief und öffnete es. Das leise Quietschen des metallenen Gatters durchschnitt die Stille und sie ließ es offen stehen. Der Kiesweg führte zu den ersten Gräbern und Buffy schmiss den Pflock gelangweilt zwischen ihren beiden Händen hin und her.

 

Nach einigen wenigen Schritten unterbrach ein tiefes Knurren die Stille und Buffy drehte sich ruckartig um. Und sie wankte einige Meter zurück, als sie direkt in die roten Augen eines grün-geschuppten Dämons sah. Sie umgriff ihren Pflock fest mit der rechten Hand und verfluchte sich im nächsten Moment wirklich nicht irgendeine andere Waffe aus dem Trainingsraum mitgenommen zu haben. Der Riese kam auf sie zu, das Knurren wandelte sich in ein lautes Gebrüll und Buffy duckte sich um dem ersten Schlag auszuweichen.

 

Ein roter Kristall schimmerte auf der Stirn des Dämons, doch Buffy hatte keine Zeit näher hinzusehen. Im nächsten Moment umgriff der Dämon ihren Hals und sie musste würgen unter dem steinharten Griff. Mit dem Knie trat sie in seinen Magen, doch die steinerne Haut schützte ihn vor der Wucht dahinter. Ihre Finger umfassten keuchend die Hände ihres Gegners und ihre Muskeln spannten sich an, als sie sie mit voller Kraft von ihrem Hals wegzog.

 

Nachdem sie einen Meter zurückgesprungen war holte sie aus und versuchte gegen die Beine des Dämons zu treten. Doch er bewegte sich nur einige Zentimeter zurück und wieder durchschnitt ein lautes Knurren die Stille. Dann holte er aus und die Bewegung war zu schnell als das sie hätte reagieren können – Er traf sie direkt im Magen und die Wucht hinter dem Schlag ließ Buffy einige Meter über den Boden fliegen. Mit einem schmerzerfüllten Keuchen landete sie in etwas Hartem, doch es gab nach und schließlich fiel sie auf den Boden.

 

„Kommst du endlich angeflogen, Täubchen.“ hörte sie eine vertraute Stimme und wandte ihren Kopf etwas zur Seite. Sie wollte etwas erwidern, doch ihr fehlte die Luft. Mit der linken Hand fasste sie an ihren Bauch und nahm einen tiefen Atemzug.

 

„Sehr witzig.“ stieß sie schließlich nach einigen Sekunden tonlos aus und legte ihre Hand in seine. Er zog sie mit einem schiefen Lächeln hoch und zog eine Augenbraue fragend in die Höhe, als sie beide Hände auf seine Brust legte und ihn wieder zu Boden stieß. Als er im Gras lag sah er eine grüne große Faust über seinen Kopf hinweg fliegen und drehte sich zur Seite, so dass er aufstehen konnte.

 

Buffy war dabei dem Dämon einige Tritte zu verpassen und nach kurzem Überlegen warf sich Spike auf seinen Rücken, die Arme wie einen Schraubstock um dessen Genick gelegt. Doch die Haut gab unter dem Druck keinen Zentimeter nach und schließlich ließ Spike von ihm ab. Einige gekonnte Tritte in die Kniekehlen des Monsters folgten, doch auch das hinderte diesen keineswegs daran, weiter auf Buffy einzuschlagen.

 

Er warf einen Blick auf die Jägerin, die sich gerade bückte um dem Kinnhaken des Dämons auszuweichen. Sie wich einige Meter zurück und sah panisch auf. „Gruft!“ schrie sie und machte noch im selben Moment auf der Ferse Kehrt. Er sah wie sie los rannte und warf sich nochmals auf den Dämon, um sich letztendlich daran abzustoßen und ihr nachzulaufen.


Als er einen Blick zurück warf riss er die Augen etwas auf, da er ihn direkt hinter sich rennen sehen konnte. Er war schnell. Schneller als er selbst und als er an seiner Krypta angekommen war starrte er auf Buffy, die eine Zweihandaxt mit beiden Händen fest hielt. Mit schnellen Schritten rannte er an ihr vorbei und rutschte hinter den großen Sarkophag. Er umgriff die Halterung des Schwertes, nach dem er gesucht hatte und drehte sich wieder um.

 

Und er konnte sich ein stolzes Grinsen nicht verkneifen als er sah wie Buffy mit aller Kraft ausholte und die lange silberne Axt tief im Rücken der grünen Kreatur versenkte. Doch als dieser lediglich in seiner Bewegung innehielt und sich seelenruhig zu ihr herumdrehte ging er schnell auf die beiden zu. Er beobachtete im Augenwinkel wie Buffy ihr Gesicht zur Seite drehte und den Schlag erwartete, der nun folgen würde, doch er war schneller.

 

„Hey Grüner.“ rief er und tatsächlich drehte sich der Dämon in diesem Moment sofort zu ihm um. Er knurrte laut und streckte seine Arme schließlich mit einem lauten Brüllen zur Seite. Die plötzliche Bewegung hatte Buffy nicht kommen sehen, der Unterarm traf sie direkt am Kinn und schickte sie zu Boden. Doch der Dämon beachtete es nicht, stattdessen kam er mit langsamen Schritten auf den Vampir zugelaufen. Dieser lächelte jedoch nur, warf sein Schwert nach oben und griff es anders herum. Die Schneide lag nun in seiner Hand, die scharfe Spitze schnitt seine weiße Haut ein wenig auf. Seine Augen funkelten kalt als der Dämon in Reichweite war und er den Griff des Schwertes mit aller Kraft gegen den Kopf der grünheutigen Kreatur knallen ließ – direkt in den rot funkelnden Kristall, der daraufhin in seine Einzelteile zersprang. Die Augen des Dämons weiteten sich und wenige Augenblicke später verließ sämtliche Kraft seine Glieder und er sank zu Boden.

 

Skeptisch trat Spike mit der Spitze seines Springerstiefels gegen die Seite des Dämons und er hob eine Augenbraue als sich die grünen Schuppen allmählich in nichts auflösten. Wenige Momente später erinnerte nichts mehr an das riesige Monster das zuvor auf dem kalten Steinboden gelegen hatte.

 

Mit einem erleichterten Seufzen ging er hastig in Buffys Richtung und umfasste ihre Schultern um ihr hoch zu helfen. Sie lächelte matt, nahm seine Hilfe dankbar an und zog ihren Mantel zurecht während sie auf die Stelle in der Mitte der Krypta starrte. „Hoffentlich war das ein Alleingänger.“ meinte sie knapp und hob die Zweihandaxt stöhnend auf. Ihre Hand schnellte zu ihrem Bauch und sie lehnte sich etwas gegen die kalte Wand.

 

„Solche Typen sind meistens nicht sehr gesellig.“ antwortet er kurz und beobachtete ruhig wie sie sich über den Oberkörper strich ohne ihn anzusehen.


Schließlich sah sie auf und legte den Kopf verwundert schief. „Woher wusstest du wie man ihn tötet?“


Er zuckte mit den Schultern. „Ich dachte ‚Großer leuchtender Kristall’.“ grinste er etwas als Buffy die Augen rollte, doch als sie sich herumdrehte und gehen wollte packte er sie am Arm. „Gehst du schon?“ Seine Stimme klang enttäuscht.


Buffy blieb in ihrer Bewegung stehen und blickte auf die Hand die sich um ihren Unterarm gelegt hatte. „Heute Abend scheint nicht viel los zu sein.“ stellte sie sachlich fest und lächelte etwas, ohne dass er es sehen konnte. Sie hörte wie er seufzte und seine Finger schließlich wieder von ihr löste.

 

„Ich dachte wir könnten-„ Er hob eine Augenbraue und dehnte die Pause ein wenig aus. „Nein!“ fiepste sie mit großen Augen und wich einen Schritt zurück. „Ich dachte das wäre deutlich gewesen.“

 

„Ich dachte wir könnten noch auf anderen Friedhöfen vorbei schauen.“ Sein Grinsen wurde breiter als er sah wie sie leicht rot wurde.

„Heute nicht.“ schüttelte sie den Kopf. Ihre Stimme war leiser geworden.


Spike lachte laut und zog sie wieder etwas an sich. „Wenn du etwas andres im Sinn hattest – Du weißt, dass ich für vieles offen bin.“ gluckste er und zwinkerte ihr zu. Buffy schnaubte wütend, schüttelte aber gleichzeitig den Kopf und ging in die andere Richtung. Sie ging durch die offene Tür der Krypta ohne stehen zu bleiben und als sie draußen war, rannte sie los. Spike erreichte sie erst als sie bereits vor dem Summershaus stand. Sicherlich hatte sie sich beeilt aber ihm war nicht entgangen, dass sie auf die letzten Meter durchaus langsamer gelaufen war als gewöhnlich.

 

„Nun komm schon Liebes, findest du nicht wir könnten diesen Mist langsam mal lassen?" fragte er atemlos und stellte sich dicht hinter sie, als sie stehen geblieben war. Mit festem Blick drehte sie sich um und schob ihre Unterlippe ein wenig vor. Dann verzog sie ihren Mund und atmete schließlich einmal tief aus. Ihre Hände legten sich auf seine Schultern und sie zog sich daran hoch. Für den Bruchteil einer Sekunde streiften ihre Lippen über seinen Mund bevor sie sich wieder zurückzog. Dann sah sie ihn an als ob nichts gewesen wäre und legte den Kopf schief.

 

„So in etwa?“ fragte sie und lächelte schließlich.

 

„Ich bin noch nicht überzeugt“, biss er sich ungläubig auf die Unterlippe und zog sie mit einer fließenden Bewegung in seine Arme. Er legte seine rechte Hand in ihren Nacken und küsste sie forsch. Seine Zunge wanderte in ihren heißen Mund und er lachte leise gegen ihre Lippen als sie wohlig stöhnte. Doch die vertraute Stille wurde schon nach einigen Sekunden durch das Quietschen der alten Haustüre unterbrochen.

 

„Wusste ich es doch.“ verschränkte Dawn vorwurfsvoll ihre Arme vor der Brust und lehnte sich gegen den Türrahmen.

 

„Zieh Leine, Krümel.“ raunte Spike ohne hinzusehen und versenkte seine Zunge wieder in Buffys Mund. Sein Becken rieb sich unbewusst an ihrer Mitte und er raunte gegen ihre Lippen als sie lautstark keuchte. Er verstärkte seinen Halt um ihren Nacken doch nach einigen weiteren Sekunden stieß sie ihn von sich. Für einen kurzen Moment blickte sie ihn schwer atmend an. Ihre Augen waren nur halb geöffnet und ihre Lippen waren rotgeschwollen. Dann drehte sie sich herum und lief ins Haus, wo sie wenig später die Treppen ins obere Stockwerk hinauf ging.

 

-

 

Am nächsten Tag kam Buffy erst spät Morgen in die Küche, nahm sich einen Apfel aus dem Korb und drückte Dawn im Vorbeilaufen einen kleinen Kuss auf die Wange. „Ich bin in der Magic Box.“

 

„Halt.“ meinte Dawn bestimmend. „Umdrehen.“ forderte sie ihre Schwester auf und drehte sich ebenfalls in deren Richtung, als Buffy nach einigen weiteren Schritten schließlich stehen blieb. „Erzählen.“ grinste sie und biss einmal herzhaft von dem zusammengerollten Pfannkuchen ab.

 

„Dawn, ich werde zu spät kommen und Giles - Giles wird mich feuern.“ stellte sie mit todernster Miene fest und schwenkte den Apfel wild gestikulierend in der Luft herum. „Und dann wird die Welt untergehen.“ sagte sie völlig überzeugt von ihrer These. Mit einem Seufzen lehnte sie sich gegen die Theke und blickte ihre Schwester geschlagen an. „Ich erzähle es dir später. Versprochen.“ nickte sie und drehte sich um ohne auf Dawns Reaktion zu warten.

 

-

 

Willow lächelte als die Türglocke aufläutete und Buffy sich mit einem kleinen Seufzen zu ihr setzte. „Und wie war die Patroullie gestern? Neue Schleimigkeiten?“ betonte Willow das letzte Wort voller Stolz und warf ihrer Freundin einen amüsierten Blick zu.

 

„Was?“ schrak Buffy auf und sah Willow etwas perplex an. Doch diese verzog nur missmutig den Mund und stützte ihren Kopf auf ihrer rechten Hand auf.

 

„Was denn? Darf nur Xander dumme Witze reißen?” schob sie ihre Unterlippe etwas trotzig nach vorne bevor sie ihren Blick auf Giles richtete, der eben aus dem Trainingsraum zu ihnen nach vorne kam.

 

„Guten Morgen Buffy.“ begrüßte er seine Jägerin mit einem kleinen Lächeln, bevor er ihr einen riesigen Tulwar auf den Tisch legte. „Wir sollten heute mit dem Schwert weiter machen.“ schlug er vor und warf seiner Schülerin einen freundlichen Blick zu.

 

Buffy betrachtete das schräge Schwert einen kurzen Moment, sah dann auf und blickte ihren Wächter ernst an. „Giles, ich bin gestern auf einen Dämon getroffen. Einen von der starken Sorte.“ fügte sie noch hinzu und fuhr mit den Fingern ihrer rechten Hand etwas auf der Klinge herum. „Ich will nicht sagen, dass ich keine Chance hatte, aber wenn Spike nicht gewesen wäre, dann...“ unterbrach sie sich selbst und schloss ihre Augen, weil sie sich das wirklich hätte verkneifen können.

 
Giles räusperte sich kurz, sah sie einen Moment forschend an, schüttelte aber dann schließlich den Kopf und verwarf den Gedanken. „Wie sah er denn aus.“

 

„Oh, wirklich gut.“ lächelte Buffy gedankenverloren und ihre linke Wand wanderte instinktiv zu ihrem Mund. Dann blinzelte sie und schüttelte den Kopf. Ihre Augen wurden größer als sie Giles hochgezogene Augenbrauen sah und sie spürte wie ihre Wangen heiß wurden. „Uhm. Groß, schleimig, grün.“ stotterte sie etwas aufgewühlt und atmete tief durch. „Er war steinhart, ich konnte machen was ich wollte. Er ist erst gestorben als Spike diesen Kristall auf seiner Stirn zerschlagen hat.“

 

„Nun gut, verschieben wir das Training.“ nickte Giles während er bereits in die Richtung des nächsten Bücherregals lief. „Willow, hilfst du mir eben?“

„Sicher.“ entgegnete Willow und holte sich etwas desinteressiert aus dem ersten Regal zielsicher einige Bücher heraus.

 

„Gut, dann... braucht ihr mich ja eigentlich nicht mehr.“ legte Buffy ihre Hand auf den Tisch, um sich mit ihr abzustützen.

 

„Warte Buffy.“ rief Giles etwas lauter als nötig. „Wenn du heute auf Jagd gehst solltest du ihn vielleicht mitnehmen.“ sagte er etwas leiser und seine Stimme klang wenig erfreut.

 

Doch Buffy hörte es nicht, stattdessen stand sie auf und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Wenn sie meinen.“ gluckste sie und als auch Willow leise zu kichern begann sah Giles vor seinem Auge ein großes neonrotes Schild erscheinen, auf dem deutlich F-E-H-L-E-R angezeigt wurde.

 

 

 

 

 

Teil 3 - Zugeständnisse

 

Obwohl es noch hell war und somit eine Patroullie etwa so viel brachte, wie das dauernde Erwähnen des Reissacks aus Japan, schlug Buffy fast automatisch den Weg zum Friedhof ein. Sie sah sich einige Minuten stumm um und fand, dass der Friedhof an diesem Mittag auf eine bizarre Art und Weise irgendwie... friedlich und beruhigend aussah. Doch sie wusste ja, dass der Anblick täuschen konnte.

 

Sie seufzte als sie direkt vor seiner Gruft stand. Ohne lange nachzudenken öffnete sie die Tür und ging auf das Loch im Boden zu. Der Raum war fast völlig dunkel, nur einige Kerzen an den steinernen Wänden erhellten die Umgebung. Vorsichtig kletterte sie die Leiter nach unten und zuckte kurz zusammen als das Holz unter ihrem Schuh verräterisch knarrte. Als sich ihre Augen nach einigen Sekunden an die Dunkelheit gewöhnt hatten musste sie lächeln. Ein weißer Männerrücken glänzte im Kerzenlicht, die dünne Decke war bis zu seiner Hüfte hinabgerutscht.

 

Sie blieb an der Leiter stehen, der Wunsch zu ihm zu gehen, sich unter die Decke zu legen und sich an ihn zu schmiegen übermannte sie fast. Mit festem Blick schlang sie ihre Arme um ihren Oberkörper und starrte ihn an. Seine Haut sah so weich und glatt aus - sie umspielte seine ausgeprägten Schulterblätter und die schmale Taille. Wieder trat ein Seufzen über ihre Lippen und dieses Mal drehte sie sich um.

 

Mit halb geschlossenen Augen griff sie nach einer der oberen Leiterstufen und zog sich hoch. Das Tageslicht, das durch die dicken Glasfenster eintrat nahm ihr für einen Moment die Sicht, doch sie kannte den Weg. Sie war ihn oft gegangen, meist ebenfalls nachdem sie zu lange in der Dunkelheit verweilt hatte.

 

Als sie an der Türe der Gruft angekommen war spürte sie einen Luftzug hinter sich.

 

„So früh schon hier Liebes? Hatte dich später erwartet.“ hörte sie seine Stimme und sie ließ ihre Schultern geschlagen sinken. Sie hätte wissen müssen, dass er sie immer spürte, auch im Schlaf. Das hatte er immer schon. Als sie sich umdrehte, stand er nicht mehr als einen halben Meter vor ihr und ein kleines Grinsen umspielte seine Lippen. Automatisch senkte sich ihr Blick und sie atmete etwas stockend die dumpfe Luft ein, als sie feststellen musste, dass er sich nichts angezogen hatte.

 

Sie spürte wie ihre Wangen heiß wurden und wollte ihren Kopf zur Seite drehen, doch sein Arm schoss hervor und er umgriff ihr Kinn mit zwei Fingern.

 

„Ich bin her gekommen um zu fragen, ob du später mit auf Patroullie gehst.“ flüsterte sie kaum hörbar und schluckte hart als sie seinem Blick begegnete. Seine blauen Augen waren direkt vor ihren, sein Mund keine zwei Zentimeter von ihren Lippen entfernt. Zitternd legte sie beide Hände auf seine nackte Brust und sie zuckte einen Moment zusammen, als sie spürte wie kalt seine Haut war. Ihre Finger wanderten zu seinem Schlüsselbein, über seine Schultern bis hin zu seinen Brustwarzen und zu seinem Bauch. Sie folgte ihren Bewegungen mit ihren Blicken und seufzte leise. „Ich sollte gehen.“ schnaufte sie und sah ihn wieder an.

 

Seine Augenbrauen zogen sich etwas zusammen und er verzog seinen Mund missmutig. „Bleib, bitte.“ bat er leise und seine Finger wanderten von ihrem Kinn zu ihrem Nacken. Er streichelte ihren Haaransatz und fuhr kaum merklich in den Kragen ihres Pullovers. Die kalte Berührung auf ihrem Rücken ließ sie erschaudern und sie ging unbewusst einen Schritt auf ihn zu. Jetzt konnte sie seine kühle Haut durch ihre Kleidung spüren und ein leises Stöhnen entkam ungewollt ihren Lippen. Schnaufend schloss sie ihre Augen und ging den letzten Zentimeter auf ihn zu, spürte seinen Oberkörper gegen ihren und seinen Atem gegen ihre Haut.

 

„Ich sollte wirklich gehen.“ seufzte sie, als sie den leichten Druck in ihrem Nacken spürte. Sie fühlte wie seine Lippen näher kamen, doch sie stoppten kurz bevor sie Ihre trafen. Nach einigen Sekunden öffnete sie verwirrt die Augen und sah direkt in seine. „Was?“ krächzte sie, bewegte sich aber kein Stück. Ein Lächeln trat auf seine Lippen und er seufzte und sah sie traurig an. „Ich werde dich zu nichts mehr zwingen, Buffy.“ hauchte er und strich mit der anderen Hand über ihre Stirn, zu ihrer Schläfe und zu ihrem Mund. „Deine Entscheidung.“ flüsterte er und blickte sie aufmerksam an.

 

Sie standen einige Minuten so da, sahen sich einfach nur an, wenige Millimeter von einander entfernt. Dann wandte Buffy ihren Blick ab, starrte auf ihre eigenen Hände und legte sie schließlich in seinen Nacken. Ihre Finger kraulten seinen Hinterkopf, verloren sich in seinen blonden Locken und sie verzog ihren Mund leicht als sie ihn wieder ansah. Ein amüsiertes Lächeln lag auf seinen Lippen und sie verdrehte ihre Augen genervt.

 

„Nun küss mich schon endlich.“ blaffte sie leise und sah ihn flehend an. Ein leises Lachen kam aus seinem Mund, bevor er den Druck in ihrem Nacken verstärkte und schließlich endlich seine Lippen auf ihre legte.

 

-

 

Es brannten nur noch zwei oder drei Kerzen im Untergeschoss der Krypta. Seine Haut wirkte beinahe menschlich im warmen Kerzenschein. Ihre Finger tanzten auf seiner Brust, fuhren jede Linie entlang, umkreisten seine Muskeln und prägten sich jede Stelle genau ein. „Ich könnte ewig so liegen bleiben.“ lächelte sie etwas und blickte zu seinem Gesicht. Er beobachtete jede ihrer Bewegung mit absoluter Aufmerksamkeit und legte schließlich seinen Kopf etwas schief, so dass er gegen ihre Haare lehnte. „Wolltest du nicht auf Patroullie?“ fragte er ruhig, seine Stimme war freundlich, ausgelassen.

 

Sie seufzte laut. Sie hatte völlig vergessen dass sie nach möglichen weiteren Dämonen sehen sollten. Missmutig zog sie ihre Augenbrauen zusammen und fuhr schließlich wieder fort über seinen Oberkörper zu streicheln. Sein Brustkorb hob und senkte sich in stetigen Abständen. „Nur noch ein bisschen.“ schnaufte sie nach einigen Minuten und rieb ihre Stirn an seiner Halsbeuge. Sie betrachtete seinen Hals kurz und hielt inne bevor sie ihm einen kleinen Kuss aufs Schlüsselbein drückte.

 

„Du hast mir gefehlt.“ gestand sie, ihre Stimme war kaum mehr ein Flüstern doch sie wusste er hatte es gehört. An ihrem Kopf spürte sie wie seine Lippen sich zu einem Lächeln verzogen. Dann küsste er sie auf die Stirn und blieb dort für einige Sekunden.

 

Ein Räuspern folgte der Stille und er bewegte sich an ihrer Seite, drehte sich einmal um und lehnte seinen Kopf gegen seine rechte Hand. Sein Blick wanderte über ihren nackten Körper und sie spürte wie die Haut ihres Gesichts wieder heiß wurde. „Ich dachte nicht, dass ich dich jemals wieder so sehen würde.“ hauchte er demütig und ließ seine Finger über ihre Seite wandern, über ihre Schulter bis zu ihrer Taille. Sie legte den Kopf schief und verlor sich in dem Ausdruck seines Gesichts. Er sah sie an, als wäre sie das Schönste, das er je gesehen hatte. Nach vielen langen Minuten begegnete er schließlich wieder ihrem Blick und er biss sich auf die Unterlippe. „Du bist so verflucht perfekt.“ sagte er und seine Stimme war mehr ein Raunen.

 

Mit einem tiefen Atemzug rutschte sie näher zu ihm und legte ihr rechtes Bein über seine Hüfte. Ihren Kopf vergrub sie unter seinem Kinn und schloss langsam die Augen. „Wo warst du eigentlich letztes Jahr?“ flüsterte sie gegen seine Haut und vergrub ihre Nase in seiner Halsbeuge. Sie liebte es wie er dort duftete, es war roch nach Rauch, Shampoo und Leder.

 

Sie spürte wie sein Körper sich etwas versteifte und er gedankenverloren durch ihre Haare strich. „Ist das wichtig?“ wollte er schließlich wissen, während er einen Kuss auf ihr Haupt drückte. „Ich bin hier.“

 

Als er daraufhin nichts mehr sagte rückte sie einige Zentimeter zurück und blickte in seine Augen, die sie direkt ansahen. „Für mich ist es wichtig.“ lächelte sie und strich über seine Wange. Wie so oft fanden ihre Finger sofort den Weg in seine Haare und sie ließ die kleinen blonden Locken durch ihre Fingerkuppen wandern.

 

„Ich war mal hier mal dort, nichts Weltbewegendes wirklich.“ schnaufte er und sein Gesicht spannte sich etwas an. Da sie ihn weiterhin durchdringend ansah lehnte er sich schließlich nach hinten und beugte sich rückwärts zum Boden. Nach einigen Sekunden holte er seinen Mantel auf das Bett und vergrub seine Hand in der Seitentasche.

 

„Spike.“ seufzte sie und lehnte sich gegen ihren Arm. Er setzte sich auf dem Bett auf und nahm eine Zigarette zwischen die Lippen. Er warf ihr einen kurzen Blick zu bevor er sein Zippo öffnete und sie anzündete. Ein tiefer Atemzug folgte der Stille und er blies den Rauch über ihren Körper hinweg.

 

„Was ist das mit uns Buffy?“ fragte er nach einigen Minuten, legte sein Kinn auf sein rechtes Knie und vergrub sein Gesicht bis zu den Augen hinter seinem Arm. Sie sahen sich einige Momente schweigend an, bis Buffy sich schließlich aufsetzte und nach dem BH tastete, der neben dem Bett lag. Wortlos beobachtete er wie sie sich anzog und zog mit einem Seufzen von der halb abgebrannten Zigarette.

 

„Versteh mich nicht falsch, Liebes.“ sagte er mit einem Zug von der Zigarette. „Du weißt ich will dich.“ lächelte er sie an, als sie zu ihm aufblickte. „Aber ich weiß nicht ob ich in die Zeit vor zwei Jahren zurück möchte.“ flüsterte er und lehnte sich, immer noch völlig nackt, zurück gegen das Bettgestell. Die Zigarette drückte er im Aschenbecher auf dem Schrank neben dem Bett aus.

 

„Ich werde es ihnen sagen.“ sagte Buffy nach einigen Sekunden zögerlich während sie ihre Jeans zuknöpfte. Sie betrachtete ihn aufmerksam als er eine Augenbraue überrascht in die Höhe zog. „Wirst du?“ schnaufte er erstaunt.

 

„Ja, wenn der richtige Augenblick da ist.“ nickte sie und setzte sich auf die Bettkante. Sie drehte den schwarzen Pullover in ihrem Schoß einige Male herum, bevor sie ihn sich über den Kopf zog und durch die Ärmel schlupfte. Dann stand sie wieder auf und zog ihn bis zu ihrer Hüfte.

 

„Buffy.“ lachte er leise und als sie sich umdrehte, hatte er eine Hand über das Gesicht gelegt. „Den wird es niemals geben.“ Seine Schultern zogen sich angestrengt nach oben und er strich sich mit Nachdruck über die Stirn. „Du weißt genauso wie ich, dass zumindest Rupert und Harris das niemals gutheißen werden.“ Schließlich legte er die Hand wieder auf das Bett und richtete sich auf ohne sie anzusehen. Er bückte sich schnell, hob seine schwarze Jeans auf und zog sie hastig an. Als er den Knopf zugemacht hatte drehte er sich wieder um. „Außerdem weißt du selber nicht was du willst.“

 

„Hör auf.“ schüttelte sie den Kopf und ging um das Bett herum. „Wieso müssen wir das jetzt sofort besprechen.“ fragte sie leise als sie vor ihm stand. Er hatte sich zur Seite gebeugt und hob das dunkelgraue T-Shirt vom Vortag auf. „Ich weiß gern woran ich bin, Liebes.“ stellte er mit einem Achselzucken fest, bevor er seinen Kopf durch das Loch des Oberteils schob und die Hände durch die Ärmel steckte.

 

Dann schwieg er. Sein Blick traf ihren und sie konnte deutlich sehen dass er mit sich kämpfte. Schließlich legte er seine Finger auf ihre Schultern und er nahm einen tiefen Atemzug. „Und du solltest auch wissen, woran du bist.“ Seine Stimme war kaum zu hören, sie wirkte brüchig und in diesem Moment wusste sie, dass etwas nicht stimmte. Verwundert sah sie in seine Augen, doch er begegnete ihrem Blick nicht. Stattdessen starrte er auf seine Füße.

 

„Was hast du getan?“ flüsterte sie und wandte sich etwas nach unten, um seine Augen sehen zu können. Er versteckte seine Gefühle für gewöhnlich nicht. Er war das wandelnde Beispiel des Sprichwortes ‚Das Herz auf der Zunge tragen’. Doch er sah nicht auf, blickte nur weiterhin auf den Boden und sie konnte lediglich sehen wie sein Kiefer sich zusammenzog. Ihre Gedanken sprangen hin und her, sie standen sich gegenüber und keiner bewegte sich auch nur einen Zentimeter. In der Stille hörte sie wie kleine Tropfen an die Fensterscheiben im oberen Bereich der Gruft prasselten und spürte wie der Duft von Regen sich ausbreitete.

 

Als er schließlich nach einer kleinen Ewigkeit plötzlich aufsah erschrak sie beinahe. Die Bewegung war unerwartet und er zog sie etwas näher zu sich, als bräuchte er selbst den Halt um sprechen zu können. Was sie am meisten erschreckte waren seine Augen. Sie wirkten leer und ausdruckslos. Jede Faser seines Gesichts war angespannt und je länger er sie auf diese Weise ansah, desto sicherer wusste sie, dass das was er ihr sagen würde womöglich alles kaputt machen könnte.

 

„Ich hab’ sie getötet.“ sagte er schließlich, seine Stimme war so leise, dass sie Probleme hatte ihn zu verstehen. „Die Ärzte, die mir den Chip entfernt haben.“ sprach er weiter, die Tonlage blieb die gleiche. Ruhig, gefasst und voller Reue. Sie spürte wie schwer es ihm fiel davon zu erzählen. „Sie waren die Einzigen.“ fügte er hinzu und sein rechter Arm fiel in einer Bewegung von ihrer Schulter. „Es waren fünf.“ atmete er tief ein, sein Gesicht verzog sich bei dem Gedanken. „Vier Männer und eine Frau.“

 

Sein Blick verließ ihren nicht und sie starrte nur zurück. Sie konnte nicht weg sehen, obwohl sie es wollte. „Ich hab sie abgeschlachtet wie Tiere.“ Mit diesem Satz fiel auch der andere Arm von ihrem Körper und er ließ beide schlaff neben seinem Oberkörper hängen. Seine Schultern senkten sich ein Stück und schließlich konnte er sie auch nicht mehr ansehen und starrte stattdessen auf den Boden. „Danach hab’ ich mich vier Monate von Ratten ernährt.“

 

Als sie nichts sagte und ihn nur mit großen Augen anstarrte, griff er schließlich nach seinem Mantel und zog ihn an. Mit der linken Hand strich er sich durch die Haare und schüttelte den Kopf, als würde er die Erinnerungen gerne loswerden. „Ich schätze mal das war’s dann.“ nickte er lächelnd und holte die kleine Packung Marlboro aus der Manteltasche. Doch statt eine Zigarette heraus zu holen ließ er sie auf den Boden fallen.

 

Dann sah er sie an und verzog sein Gesicht gequält. Und als sie sah wie seine Hände zu zittern begannen, befreite sie sich aus ihrer Starre. „Du dummer Vampir.“ schüttelte sie den Kopf und ging mit drei schnellen Schritten auf ihn zu, um ihn noch rechtzeitig in die Arme nehmen zu können, bevor er auf die Knie sank und ein letztes Mal die Taten eines Mannes beweinte, den es nun nicht mehr gab.

 

-

 

„Hey Leute.“ sagte Buffy als sie einige Stunden später in die Magic Box kam. „Was gibt es Neues von der Front?“ Ihre Stimme klang fröhlich und unbesorgt, während sie die zwei kleinen Stufen vom Eingang hinab lief und sich vor den runden Tisch stellte.

 

„Der Weltuntergang.“ murmelte Xander während er seinen Kopf in eines der drei riesigen Bücherregale auf der linken Seite des Ladens steckte. Mit großen Augen warf Buffy einen Blick zu Willow, die vor ihr am Tisch saß und bei Xanders Worten von ihrem Buch aufgesehen hatte. Ein trauriges Nicken folgte von der Rothaarigen und Buffys linke Hand flog mit einem dumpfen Geräusch auf die glatte Oberfläche des Holztisches. „Nun kommt schon.“ stöhnte sie genervt und ließ sich auf einen der freien Stühle sinken.

 

Sie legte ihre Stirn auf ihren rechten Arm und schloss die Augen. „Nicht schon wieder.“ jammerte sie leise und atmete einmal tief durch bevor sie wieder aufblickte.

 

„Der Dämon, den Spike gestern getötet hat gehört zu einer Truppe, die scheinbar dafür angeheuert wurde ein Ritual zu schützen, das - wie ich vermute - den Weltuntergang bringt.“ erklärte Giles schließlich mit ruhiger Stimme, als er hinter einem der großen Regale hervor kam. Leise setzte er sich neben seine Jägerin und öffnete ein Buch an der Stelle in der sein Finger steckte. Als sie aufgeblickt hatte deutete er auf eine schwarz-weiße Zeichnung.

 

„Das ist er doch, oder?“ fragte er und strich über die Seite. Ein großer, schuppiger Riese mit starken, muskulösen Armen war darauf abgebildet. Auf der Stirn steckte ein sechseckiger dunkler Stein in der Haut. Über der Zeichnung stand in großer Schrift LEASHEK.

 

„Mhm.“ nickte Buffy kaum sehbar und betrachtete das Bild aufmerksam. Der Mund der Kreatur war weit aufgerissen und die Augen blitzten wütend. Seine riesigen Hände waren zu zwei großen Fäusten geballt, die er weit von sich wegstreckte. Sie erinnerte sich noch sehr lebhaft daran, welche Kraft dahinter steckte.

 

„Wo warst du eigentlich so lange?“ unterbrach Willow ihre Gedanken und Buffy sah verwirrt auf. „Auf Patroullie?“ antwortete sie und starrte ihre Freundin an, die sie aufmerksam betrachtete. Die Lippen der Rothaarigen öffneten sich für einen Moment, doch schließlich schloss sie sie wieder und sah mit einem Seufzen auf ihr Buch zurück.

 

„Buffy ich möchte, dass du dich morgen mit Spike in den Fabriken und Lagerhäusern am Hafen umsiehst." murmelte Giles gedankenverloren, während er eine Seite in einem anderen Buch auf seinem Schoß umblätterte. „Ich denke sie werden einige Dinge für dieses Ritual brauchen und die Gebäude stehen momentan leer.“ fuhr er fort und sah für einen Moment auf. Buffy nickte schweigend, sah aber immer noch auf das Bild vor sich.

 

„In Ordnung.“ biss sie sich auf die Unterlippe und griff nach dem Deckel des Buches. Dann schlug sie es zu und lehnte sich zurück. Einige Minuten starrte sie einfach ins Nichts, lauschte dem Geräusch von umgeblätterten Seiten und Xanders inhaltslosem Gemurmel am anderen Ende des Raumes. Sie überlegte ob sie Giles von Spikes Geständnis erzählen sollte, doch sie entschloss sich dagegen. Es war mehr als deutlich gewesen wie sehr er es bereute, selbst ohne Seele. Also stand sie letztendlich auf, warf Willow ein mattes Lächeln zu und drehte sich um. „Ich denke ich werde schlafen gehen.“ sagte sie leise und zog den Gürtel ihres Mantels fester. „Wir sehen uns ja dann morgen.“

 

„Ich komm’ später nach.“ rief Willow ihr hinterher als die kleine Glocke über der Tür des Ladens läutete, doch Buffy war bereits verschwunden. Mit einem Seufzen senkte Willow ihre Schultern und beobachtete wie die Tür langsam ins Schloss fiel.

 

-

 

Ihre Hand fiel auf die silberne Armatur der Dusche. Als sie daran drehte fiel das heiße Wasser auf ihre kalte Haut. Sie spürte wie Tränen sich unter ihren Wimpern bildeten und schloss die Augen. Das Wasser lief über ihre Haare und sie fielen in dicken Strähnen vor ihr Gesicht als sie ihren Kopf nach vorne beugte. Schnell bildete sich Dunst in der Duschkabine und hüllte sie in eine wohlige Wärme ein.

 

Mit einer Hand griff sie nach einer kleinen Flasche auf dem silbernen Gitter in der Ecke der Dusche. Mit einem Knacken öffnete sie den Deckel und ließ die weißgelbe Seifenlauge auf ihre Hand tropfen. Der Schaum des Duschgels bildete Schlieren auf ihrer Haut als sie es einmassierte. Mit einem leisen Seufzen nahm sie den Duschkopf in die Hand und wusch sie mit dem dampfenden Wasserstrahl ab.

 

Dann hängte sie ihn wieder zurück in die Halterung an der Wand und richtete ihr Gesicht nach oben um dem Wasser zu begegnen. Der Druck des Strahls machte es ihr schwer zu atmen und nach einigen Sekunden blickte sie verloren zur Seite. Ein Zittern durchfuhr ihren Körper und sie schniefte einmal leise in einem hoffnungslosen Versuch, wieder normal Luft zu bekommen.

 

Als sie die Augen öffnete und an ihrem Körper herunter blickte trat ein lautes Schluchzen über ihre Lippen und sie ließ sich langsam an den kalten Fliesen herabsinken. Ein erstickter Laut drang aus seiner Kehle und sie spürte wie ihre Augen zu schwimmen begannen, sie liefen über und einige Tränen flossen über ihre Wangen. Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und kreuzte ihre Beine vor ihrem nackten Körper.

 

Das Wasser fiel in klaren Fäden auf sie herab, heiß und wärmend und sie schloss ihre Augen. Tiefe, kurze Atemzüge durchzuckten ihren Körper und sie umklammerte ihre Beine schließlich, legte den Kopf seitlich auf ihre Knie und schloss die Augen.

 

-

 

„Buffy?“ hörte sie eine Stimme vor der Türe und sie öffnete verwirrt die Augen. Dicke Tropfen liefen über ihren Körper, eiskalt und fremd. Sie schüttelte den Kopf für einen Moment und sah an sich hinab. „Buffy, bist du da drin?“ fragte Willow, nun etwas lauter und Buffy richtete sich stöhnend auf. Ihre Arme waren mit einer leichten Gänsehaut überzogen und sie zitterte ein wenig als sie den Wasserregler zudrehte.

 

„Mach doch bitte auf, du bist schon seit Stunden da drin!“ rief ihre Freundin wieder, diesmal sehr laut und wütend.

 

Schweigend griff Buffy nach einem der Handtücher die über einer Halterung an der anderen Seite der Wand hingen. Seufzend wickelte sie ihren Körper damit ein ohne sich abzutrocknen. Sie warf einen kurzen Blick in den Spiegel und strich sich durch die Haare, bevor sie die Türe öffnete. Eine Faust kam ihr entgegen, doch Willow reagierte sofort als Buffy sich vor sie stellte. „Hey.“ sagte sie etwas perplex und sah die Blonde skeptisch an. „Alles okay?“ wollte sie wissen, doch Buffy nickte nur leicht und ging an ihr vorbei.

 

„Buffy?“ rief sie hinterher doch nur das Zufallen der Türe kam als Antwort zurück. Mit einem Augenrollen lehnte sich Willow gegen den Türrahmen des Badezimmers und strich sich durch die schulterlangen Haare. Ihr Blick war traurig als sie wieder aufsah und sie blieb einen Moment lang stehen, bevor sie schließlich langsam zu der Zimmertür ihrer Freundin lief. Sie klopfte kurz an, wartete einige Minuten und öffnete die Türe schließlich unaufgefordert für einen Spalt. Vorsichtig lugte sie in das Zimmer und sah ihre Freundin im Schlafanzug auf der Matratze sitzen.

 

Schweigend öffnete sie die Türe nun ganz und schloss sie leise hinter sich als sie im Raum stand. Dann ging sie auf das Bett zu und setzte sich ohne zu zögern neben sie. „Was ist denn los?“ flüsterte sie sanft und nahm Buffys linke Hand in ihre. Mit ihrem Daumen strich sie beruhigend über ihren Handrücken und suchte ihren Blick. Doch Buffy sah nur auf ihre Beine und ihr Blick wirkte leer und ausdruckslos.

 

„Ich weiß, dass ich nicht immer für dich da war.“ begann die Rothaarige schließlich als Buffy keine Reaktion zeigte. Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen und sie atmete tief ein. „Aber ich bin jetzt hier und du kannst mir alles sagen.“ Sie streichelte nachdrücklich über Buffys Handrücken und legte den Kopf schief. „So wie früher.“

 

Schließlich sah Buffy leicht auf, nahm ihre Hand aus Willows Griff und legte sie flach auf die weiche Matratze. Ein tiefer Atemzug folgte und sie streckte ihren Rücken ein wenig durch. „Spike hat vergangenes Jahr die Ärzte getötet, die seinen Chip entfernt haben.“ sagte sie ruhig, ihre Stimme klang etwas heißer und Willow zog ihre Augenbrauen zusammen, bei dem Gedanken dass sie geweint haben musste.

 

Sie schwieg einen Moment und dachte über das nach, was Buffy gesagt hatte. Dann stützte sie ihre Ellbogen auf ihren Knien ab und begegnete dem Blick ihrer Freundin. „Du musst es Giles sagen.“ flüsterte sie und beobachtete wie Buffy leicht nickte. Doch dann wurde ihr Gesicht traurig und sie fuhr sich mit der rechten Hand über das Gesicht, verweilte auf ihrer Stirn und strich dann durch ihre nassen Haare. „Willow.“ wimmerte sie und Willow sah wie ihre Augen glasig wurden. „Ich glaube ich liebe ihn.“ Ihre Hand wanderte wieder nach vorne und verdeckte ihre Augen noch bevor sie die Worte ausgesprochen hatte.

 

„Oh.“ war das Einzige, das sie in diesem Moment heraus brachte und sie verweilte einige Sekunden regungslos in dieser Position um das Gesagte zu verarbeiten. „Das verändert alles.“ stieß sie schließlich etwas piepsiger und lauter aus, als sie es geplant hatte und sie warf Buffy einen entschuldigenden Blick zu. Doch Buffy lächelte nur und sah Willow mit großen Augen an. „Glaubst du für mich ist das nicht seltsam?“ seufzte sie und lehnte sich schließlich gegen die Wand hinter ihrem Bett.

 

 

„Ich meine... es ist Spike.“ lachte Buffy leise und schüttelte den Kopf bei dem Gedanken. Sie sah Willow direkt an und zuckte nach einigen Sekunden mit den Schultern. Dann strich sie sich wieder über das Gesicht, fuhr mit ihren Fingerspitzen über ihre Wangen, ihre Schläfen und verweilte an ihrem Haaransatz. Sie spürte wie ihre Augen feucht wurden als sie Willows Blick analysierte, der zwischen ängstlich und gerührt hin und her schwankte. „Du bist nicht angewidert?“ flüsterte sie und starrte ihre Freundin ungläubig an. Und als Willow energisch den Kopf schüttelte schlich sich ein Lächeln auf Buffys Lippen.

 

„Buffy, natürlich nicht.“ legte Willow den Kopf schief und rutschte ein wenig auf die Blonde zu. Erneut griff sie nach ihren Händen und dieses Mal ließ Buffy sie dort liegen. „Solange du ehrlich zu mir bist, werde ich über nichts urteilen, was dich glücklich macht.“ schniefte die Rothaarige und schenkte ihrer Freundin ein gutmütiges Lächeln. „Du bist meine beste Freundin.“

 

-

 

Es war am Nachmittag des nächsten Tages als sich die Tür zu Spikes Gruft mit einem leisen Quietschen langsam öffnete. Er drehte sich nicht um, um zu sehen wer es war. Es gab nur wenige Personen die ihn besuchten... und nur eine Einzige, die es seit neuestem tagsüber tat. Er ließ die Fernbedienung ruhig in seiner Hand hin und her wackeln, während er weiterhin starr auf das schwarz-weiß Bild des Fernsehers blickte. In seiner linken Hand hielt er ein rundes Glas, das bis zur Hälfte mit Blut gefüllt war. Er schwenkte den Inhalt einen Moment hin und her, bevor er das Glas an seine Lippen führte und zwei große Schlücke trank.

 

Er konnte ihre Schritte hören, nachdem sie die Türe wieder geschlossen hatte. Sie ging in die Mitte der Krypta und blieb schließlich bei dem Sarkophag stehen. Seufzend lauschte er ihrem schnellen Herzschlag und er legte seinen Kopf ein wenig schief. „Was willst du noch hier.“ murmelte er ohne sie anzusehen. Doch er hob die Fernbedienung in die Richtung des kleinen schwarzen Kastens auf dem grauen Tisch in der Ecke des Raumes und drückte den kleinen roten Knopf. Das Bild erlosch und schließlich war nur noch das Vogelgezwitscher von außerhalb der Gruft zu hören.

 

Mit einem genervten Stöhnen ließ er sich weiter in den Sessel sinken und legte den Kopf in den Nacken, so dass er direkt zur Decke sah. Er verweilte für einige Momente bei dem rissigen Grau der großen Steinplatte, bis er seinen Kopf zu Seite neigte und ihn auf dem Sitzpolster ablegte. Er begegnete ihrem Blick für einen Moment, als er aufsah neigte sie jedoch ihren Kopf und starrte stattdessen auf ihre Füße. Sie war gegen den großen Sarkophag in der Mitte der Krypta gelehnt und ihre Hände umfassten ihre Oberarme. Er atmete lautstark aus und starrte wieder zum Fernseher vor sich. Er setzte das Glas erneut an seinem Mund an und warf seinen Kopf etwas nach hinten um den restlichen Inhalt in einem großen Schluck hinunterzuschütten. Mit einem lauten Knall stellte er es auf dem kleinen Tisch neben dem Sessel ab und richtete sich mit einer schnellen Bewegung auf.

 

Er fuhr sich durch die Haare und betrachtete das Loch im Boden. Für einen Moment überlegte er einfach hinunter zu gehen, um ihr zu zeigen was er davon hielt, dass sie hier auftauchte und einfach nichts sagte. Doch er verwarf die Idee mit einem kleinen Seufzen und drehte sich schließlich mit gesenkten Schultern zu ihr um. „Was willst du Jägerin?“

 

Schließlich sah sie wieder auf und blickte ihn durch ihre langen Wimpern an. Das dumpfe Licht in seiner Gruft überschattete ihr Gesicht etwas, aber hätte er schwören müssen hätte er gesagt dass sie errötete. Verwundert zog er eine Augenbraue in die Höhe und sah sie nachdenklich an.

 

„Wieso hast du das getan Spike?“ flüsterte sie und die rosane Farbe auf ihren Wangen war verschwunden. Er seufzte wieder und verzog seinen Mund missmutig. Er ging langsam zur anderen Seite der Gruft, wo sein Mantel auf der Oberfläche des kleinen Kühlschranks lag. Als er das schwarze Leder aufgehoben hatte sah er sie wieder an und atmete einmal tief ein, bevor er die Luft geräuschvoll ausstieß.

 

„Ich bin seit hundertzweiundzwanzig Jahren ein Vampir, Buffy.“ setzte er an, griff mit der linken Hand in die obere Manteltasche und zog die kleine rot-weiße Packung heraus. „Vor vier Jahren wollte ich nichts anderes, als diesen Chip loswerden, um wieder menschliches Blut schmecken zu können.“ Er stoppte für einen Moment und überdachte seine Worte. „Um wieder ich selbst zu sein.“ korrigierte er mit einem Lächeln und klappte sein Zippo auf.

 

„Und dann warst da du.“ nickte er kaum merklich und zündete die Zigarette an. Ein tiefer Zug folgte und er blies den Rauch in einer hauchdünnen Spur in den steinernen Raum hinein. „Du hast mich völlig verändert. Zwei Jahre lang wollte ich um jeden Preis etwas werden, das du lieben könntest.“ Ein kleines Kopfschütteln folgte dem Gesagten und er lächelte bitter. „Nun und dann.“ lachte er leise, zog stark an dem beigen Filter und starrte zur Decke. Sein Kiefer verkrampfte sich sehbar und er ließ seinen Kopf gegen die Wand fallen. „Und dann hätte ich dich beinahe...“ Seine Stimme war plötzlich sehr leise und er beendete den Satz nicht.

 

Für einen Augenblick trat Stille in den Raum, Spike zog noch zwei Mal von der glühenden Rolle, bevor er sie auf den Boden warf und achtlos austrat. Dann sah er auf und war erstaunt, dass sie ihn immer noch völlig ruhig ansah. „Ich bin kein komplizierter Mann, Buffy.“ lächelte er matt und strich sich mit der rechten Hand durch die Haare. „Ich dachte, wenn ich es nicht einmal schaffe dir nicht weh zu tun, könnte ich genauso gut dorthin zurückkehren wo ich hergekommen bin.“

 

Er sah wie sie stumm nickte und ihren Blick abwandte. Seine Fingerspitzen glitten durch seine kurzen Locken er lehnte sich mit dem Rücken wieder zurück. „Für einen Moment dachte ich auch, dass alles wieder wie früher sei.“ erinnerte er sich daran, wie er den ersten Schlag in dem Magen des kleinen Arztes gelandet hatte. „Aber als sie zu meinen Füßen lagen...“ Er stoppte wieder und seine Hand wanderte zu seinem Gesicht und verdeckte seine Augen. „Ich wollte nicht mehr dieser Mann sein. Ich wollte etwas Besseres sein. Nicht nur deinetwegen.“ Ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen und er legte seinen Kopf schief, als er schließlich wieder aufsah. Sie starrte immer noch auf ihre Füße, ihre Hände lagen inzwischen seitlich auf dem Sarkophag hinter sich. Seine Lider senkten sich langsam und er schloss die Augen. „Ich weiß das spielt alles keine Rolle, aber-“

 

„Natürlich tut es das.“ unterbrach sie ihn mit nüchterner Stimme. Sie blickte nicht auf doch sie atmete lautstark ein und strich sich mit der linken Hand mit viel Druck über die Stirn. Erst nach einigen Minuten unterbrach sie diese Bewegung und stieß sich von dem Steinsarg ab. Skeptisch beobachtete er wie sie auf ihn zugelaufen kam und legte den Kopf mit zusammengezogenen Augenbrauen zur Seite. Sie stoppte nicht in ihren Schritten und hielt erst inne als sie nicht einmal mehr eine Fußlänge von ihm entfernt war. Wie selbstverständlich griff sie nach seiner Hand und er konnte sehen wie ihre Augen funkelten, als sie mit ihrem Daumen über seine Finger streichelte.

 

Dann sah sie auf, direkt in seine Augen und ihr Blick traf ihn unerwartet. Er war fest davon ausgegangen, dass sie ihn angewidert und enttäuscht ansehen würde, doch sie war weit davon entfernt. Noch nie hatte er diesen Ausdruck in ihrem Gesicht gesehen, so offensichtlich, so bereitwillig und so deutlich und klar. „Buffy.“ hauchte er ihren Namen demütig gegen ihr Gesicht und die Intensität ihrer Augen ließ ihn etwas wanken. Ein trauriges Lächeln huschte über ihre Lippen und ihre Finger fanden langsam ihren Weg über seine Brust, zu seinem Hals und bis zu seiner Wange. Dort ließ sie ihre Finger auf seinen Knochen tanzen, umfuhr jede markante Stelle seines Gesichts mit absoluter Hingabe.

 

Als sie sich scheu auf die Unterlippe biss, beschloss er es war das absolut Hinreißendste, das er je gesehen hatte, doch er irrte sich. Sie ging den letzten Schritt auf ihn zu, stellte sich auf ihre Zehen und legte ihre Stirn auf seine eigene. Ihre Augen waren direkt vor seinen und sie atmete seinen Duft tief ein. Dann öffnete sie ihren Mund einen kleinen Spalt... und wäre es möglich... er war sich ganz sicher, dass sein totes Herz in diesem Moment wieder anfangen würde zu schlagen.

 

„Ich liebe dich.“ hauchte sie gegen seine Lippen und für den Bruchteil einer Sekunde war er wirklich überrascht wie deutlich und laut sie es letztendlich hatte aussprechen konnte. Dann schien sein Gehirn völlig abzuschalten und er spürte wie seine Augen nass wurden. Er konnte es nicht kontrollieren, war nicht mehr Herr seines Körpers. Ein Zucken durchfuhr seine Glieder und er riss seine Lider weit auf. Er wusste nicht, wie er sie in diesem Moment ansah. Wusste nicht ob er überhaupt reagiert hatte, doch als er sah wie sich ihr Mund zu einem breiten Lächeln verzog schloss er angestrengt die Augen. Durch die Bewegung lösten sich einige Tränen von seinen Wimpern und er wollte den Kopf etwas beschämt zur Seite drehen, doch selbst das versagte ihm seine Motorik.

 

Dann spürte er ihre Lippen auf seinem Mund und er schnappte aus seiner Starre. Er legte seine Hände auf ihre Taille und zog sie zu sich. Wie ein Ertrinkender klammerte er sich an sie, verlor sich in dem süßen Duft ihrer Haut und seufzte bei dem Gefühl ihrer Zunge an seinen Lippen.

 

Er konnte hören wie sie die drei kleinen Worte immer wieder flüsterte, während sie sich verlangend küssten. Er verlor sich völlig in ihrer Stimme, schaltete alles andere einfach aus und gestatte es sich, sich für einige süße Augenblicke einfach nur in dem Bewusstsein fallen zu lassen, dass seine Jägerin ihn liebte.

 

 

 

 

 

Teil 4 – Die richtige Chemie

 

Sie lachte leise, wie sie es in den letzten Stunden beinahe regelmäßig getan hatte, seit sie beieinander waren. Allein die körperliche Nähe hatte provokativen Charakter. Diese Blicke. Lauernd. Misstrauisch. Und obwohl sie seit geraumer Zeit nackt waren, benahm er sich so beherrscht wie deutsche Eiche und insgesamt gesehen genau so, wie sie es in dieser Nacht nicht gewollt hatte – auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick waren diese Gedanken völlig gleichgültig und sie wollte wirklich einfach nur mit ihm schlafen. Besonders dann wenn er ohne jede Vorwarnung und meist mitten in einem Satz irgendeinen unanständigen Kommentar über die kommenden Tage losließ, ohne sich in Grammatik oder Sprachfluss zu verwirren.

 

Sie hatte wirklich angenommen eine etwas größere Belohnung für das längst fällige Geständnis zu bekommen. Doch er dachte scheinbar gar nicht daran sich an ihr zu vergehen, sagte ihr stattdessen nur immer und immer wieder wie sehr er sie liebte. Und sie antwortete ihm immer wieder mit denselben Worten und musste sofort Lächeln, wenn er sie mit diesem verträumten Blick ansah. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie ihn noch niemals so glücklich gesehen hatte, so ausgeglichen. Er sah aus wie ein vierjähriger Junge, dessen Mutter ihm gerade seinen Lieblingskuchen gebacken hatte.

 

„Ich liebe es wie du mich ansiehst.“ seufzte er leise und rollte sich ein wenig zur Seite, um näher bei ihr zu liegen. In seiner Stimme schwang der stabile Unterton eines ausgewachsenen Selbstbewusstseins. Und sie stand ihm in nichts nach. Vielleicht war es diese eigentlich unmögliche Ähnlichkeit zwischen ihnen. Zumindest in ihren Grundstrukturen. Sie war sonst ebenfalls beherrscht. Nicht wie deutsche Eiche, eher wie Meg Ryan. Aber beherrscht.

 

Und nachts... nachts war sie die teuerste Hure der Welt gewesen. Sie sich leisten zu wollen hatte für ihn bedeutet, mindestens ein Stück des eigenen Selbst bei ihr zurück zu lassen und gleichzeitig alle Liebe zu geben, die er hatte. Es hatte nicht wehgetan in diesen Momenten. Sie war mit der Zeit geübt darin geworden, sacht, ja beinahe zärtlich einen kleinen aber maßgeblichen Teil aus ihm heraus zu lösen. Es hatte ihn auch nicht gestört, wenn er die Aussicht auf eine kleine Gegenleistung hatte – selbst wenn diese nur aus ihrer reinen, körperlichen Anwesenheit bestand. Er hatte erst gespürt, dass etwas fehlte, als er weit fort von ihr gewesen war.

 

„Sollen wir Kerzen anmachen? Es wird schon dunkel.“ holte sie ihn aus diesen dunklen Gedanken und ein breites Schmunzeln erschien auf ihrem Gesicht. Er stimmte augenblicklich in dieses Minenspiel ein. Mit pedantischer Genauigkeit musterte er ihren Ausdruck und verfing sich schließlich in dem Grün ihrer Augen.

 

Er hatte schon immer gewusst, dass sie beide von der gleichen Art waren. So konnte man es ausdrücken. Normalerweise waren sie dazu geschaffen, rastlos umher zu wandern. Die Welt zu erobern. Doch wenn sie einmal liebten, liebten sie.

 

Doch das alles rechtfertigte ihre Beziehung in keinster Weise. Schließlich war sie die Jägerin und dass sie und er sich begegneten und drohten, aneinander hängen zu bleiben, war sicherlich nicht geplant gewesen. Das stand einfach nicht im Drehbuch. Und in gewisser Weise wusste er, dass sie sich beide darüber durchaus bewusst waren. Man richtete nicht zwei Waffen aufeinander, insofern man niemanden verletzen wollte. Das war unlogisch und nicht effektiv. Aber vielleicht mussten sie sich auch überhaupt nicht rechtfertigen. Liebe war nicht planbar.

 

„Ist dir kalt?“ fragte er zum zweiten Mal. Ihr Rücken lag direkt an seinen Bauch gelehnt. „Ist dir langweilig?“ erwidert sie trocken. Beide grinsten. Diese Spielchen machten keinen Spaß mit einem ebenbürtigen Gegner. Nun lagen sie also wieder da. Auf dem eisigen Boden in seiner Gruft. Völlig nackt und nur von den uralten Teppichen überdeckt. Eine schwache Reminiszenz an die Vergangenheit. Außer dass er es dieses Mal dabei beließ Küsse über ihre Haut zu verteilen und jeden Millimeter ihres Körpers zu studieren. Es dämmerte. Und all das Gezirpe ringsum schrammte die Schallgrenze zur Lärmbelästigung, quer durch das angenehme Schweigen.


Normalerweise würde sie sich in einem gekünstelten Strecken zurücksinken lassen. Sich etwas winden, räkeln und sein Gehirn in Zusammenarbeit mit seinen Instinkten ausschalten. Ihm ihren Körper präsentieren wie einen Köder. Nichts anderes. Sie tat es nicht. Lag nur da und setzte sich seinen Blicken mit absolutem Vertrauen aus.

 

Und er? Normalerweise würde er ihr jetzt erklären, dass er etwas so Bezauberndes wie sie noch nie erlebt hatte. Dass ihr Äußeres beinahe aber nicht ganz an ihr hinreißendes Wesen heranreichte, und das, wo sie doch die attraktivste Frau war, die er je gesehen hatte. Ihr das Gefühl geben, er sei ihr vollkommen verfallen. Nicht mehr Herr seiner selbst bei all den Dingen, die sie in ihm auslöste. Er tat es nicht. Es genügte neben ihr zu liegen. Die Dinge die sie füreinander fühlten, lagen offen vor ihnen. Keine Geheimnisse mehr. Liebesbekundungen waren in diesem Moment unnötig.

 

„Ich hätte Lust dir meine Zähne in den Hals zu graben.“ murmelte er so gelassen, als hätte er sie nach dem Wetter gefragt. Sie hob ihre Augenbrauen verwundert an und drehte ihren Kopf zur Seite um ihn besser ansehen zu können.

 

„Hunger?“ gab sie nach einigen Sekunden unbeeindruckt zurück und wieder schwiegen sie eine Weile. Dann stützte er sich etwas auf, streichelte mit seiner rechten Hand die Unterseite ihres Arms entlang und lächelte ein wenig. „Also Buffy, was hast du dieses Jahr so gemacht?“

 

„Erst du.“ schnaufte sie, lehnte sich zurück und sah ihn an. „Wir waren bei Monat vier.“ erinnerte sie ihn und strich mit einem Zeigefinger die Konturen seines Schlüsselbeins nach.

 

Er lehnte sich wieder auf den Boden zurück und machte es sich bequem. „Ich hab’ zuerst gefragt, Liebes. Außerdem ist meine Geschichte ab Monat vier ziemlich langweilig.“ Er grinste in sich hinein und sie lachte. „Ich hab mein Studium wieder aufgenommen.“ Sie schüttelte amüsiert den Kopf. „Giles hat mich dazu überredet und es war nicht seine schlechteste Idee. Aber jetzt du. Ich erzähle nichts mehr, bis ich alles von dir weiß... und wenn du dich auf den Kopf stellst.“

 

Ein lautes Lachen trat über seine blassen Lippen und er sah sie amüsiert an. „Vielleicht, wenn ich dich auf den Kopf stelle?“ provozierte er vergnügt und wackelte mit seiner linken Augenbraue.

 

„Dazu müsstest du mich anfassen.“ antwortete sie und lächelte zufrieden bei diesem Gedanken. Er begegnete ihrem Blick mit gleicher Leichtigkeit und biss sich auf die Unterlippe. „Ich denke das Opfer würde ich erbringen, Liebling.“ Mit diesen Worten war er plötzlich verschwunden. Misstrauisch lehnte sie sich auf ihre Ellbogen und griff mit der rechten Hand an den Rand des Teppichs um darunter zu sehen. Doch bevor sie ihn ausfindig machen konnte, spürte sie eine kalte Zunge an der Innenseite ihres rechten Oberschenkels und sie fiepte überrascht auf. Ihr Kopf fiel wehrlos in den Nacken, als er einmal komplett über ihre Mitte leckte.

 

„Touché.“ stöhnte sie tonlos, nachdem er mit einem leisen Lachen zwei Finger in sie geschoben hatte.

 

-

 

Sie setzten sich gleichzeitig auf das Sofa in der Mitte des Wohnzimmers. Unter Xanders argwöhnischem Blick griff sie nach seiner Hand und verknotete ihre Finger fest mit seinen. „Wo sind Willow und Dawn?“ fragte Buffy schließlich nervös. Ohne die Zwei, die sie wohl als Einzige in Schutz nehmen würden, könnte sie unmöglich anfangen.

 

„Sie kommen gleich.“ murmelte Giles, der aus der Küche angelaufen kam und sich mit einem skeptischen Blick in einen der Sessel auf der anderen Seite des Wohnzimmertisches setzte.

 

„Schon da.“ kicherten Willow und Dawn, während sie die Treppenstufen hinunter liefen. Buffy seufzte erleichtert und zog mit ihrer anderen Hand ihren Pullover zurecht. Willow ließ ihre Hand für einen Moment auf Xanders Schulter liegen, strich sanft darüber und setzte sich dann schließlich mit einem kleinen Lächeln neben ihre Freundin. Dann drehte sie ihren Kopf in die Richtung der Blonden und zwinkerte einige Male. Buffy biss sich auf die Unterlippe und begegnete schließlich den wartenden Blicken ihrer Freunde.

 

Hhh...“ atmete sie lautstark aus und lehnte sich zurück ins Sofa. Mit einem Seufzen neigte sie ihren Kopf zur Seite und verweilte für einige Sekunden in Spikes blauen Augen. Ein schiefes Lächeln lag auf seinen blassen Lippen und sie spürte wie sein Daumen über ihren Handrücken strich. „Wir können immer noch durchbrennen, Liebes.“ lachte er leise und seine Augen blitzten bei dem Gedanken amüsiert auf. „Was hälst du von Island? Schön schattig.“ Sein Lachen wurde lauter, als sie ihn mit der freien Hand fest in den Bauch boxte und ihm einen wütenden Blick zuwarf.

 

„Buffy.“ atmete Giles geräuschvoll aus und schlug sein linkes Bein über das rechte. Xander hingegen starrte nur gerade aus zu dem kleinen Tisch neben der Couch. Nach einigen Sekunden räusperte sich Giles und als Buffy schließlich zu ihm aufsah, forderte er sie mit einer kleinen Handbewegung dazu auf anzufangen.

 

„Okay, okay.“ piepste Buffy etwas lauter als gewollt auf und ein nervöses Lächeln umspielte ihre Lippen. „In diesem Jahr war ich ziemlich geschafft. Nach allem was passiert ist, war es...“ Sie unterbrach sich und ihr Blick senkte sich etwas. „Ich meine, so etwas geht nicht spurlos an einem vorbei.“ Für einen Augenblick sah sie zu Willow auf und hasste sich sofort für das, was sie gerade gesagt hatte. Die Augen der Rothaarigen waren glasig, doch sie lächelte mild.

 

„Mach schon weiter.“ flüsterte sie mit dürrer Stimme und strich sich mit dem Zeigefinger kurz über die Wimpern.

 

„Auf jeden Fall war ich eben nicht sonderlich glücklich –“

 

„Du warst ein Wrack.“ unterbrach Giles ohne aufzusehen und zog stattdessen ein graues kleines Tuch aus seiner Jackentasche. „Ich denke ‚nicht sonderlich glücklich’ ist etwas unbedacht gewählt, du warst eine wandelnde Leiche, Buffy.“ lächelte er, doch es erreichte nicht seine Augen. Diese waren ernst nach unten gerichtet und er begann mit kleinen kreisenden Bewegungen die dicken Brillengläser zu polieren.

 

Spikes rechte Augenbraue zog sich verwundert nach oben und er lehnte sich etwas nach vorne, um Buffy ansehen zu können. Doch diese schüttelte nur leicht den Kopf und strich zwei Mal mit dem Zeigefinger über seine Handinnenfläche.

 

„Gut, ich war am Boden.“ lächelte sie matt und atmete tief durch. „Ich habe Spike vermisst, mehr als ich es für möglich gehalten hätte.“ Mit einem tonlosen Seufzen streckte sie ihren Rücken etwas durch und blinzelte einige Male. „Mehr als ich es gewollt habe.“ Sie warf einen entschuldigenden Blick zu dem blonden Mann an ihrer Seite, doch dieser zuckte nur grinsend mit den Schultern. Seine Beine waren lässig von sich weg gestreckt und er biss sich etwas auf die Unterlippe, als sie genervt mit den Augen rollte.

 

„Er war für mich da als ich völlig verloren war. Er hat mich verstanden.“ fuhr sie fort und ihr Blick blieb bei ihm. Die Schadenfreude verschwand allmählich aus seinem Gesicht und Buffy lächelte verzaubert, als sein Blick demütig über ihr Gesicht wanderte.

 

„Er hat mir zugehört, wenn ich etwas sagen musste und hat geschwiegen wenn ich Ruhe brauchte.“ Ein kleines Schniefen unterbrach ihren Redefluss und sie wandte sich noch etwas seitlicher um ihn besser ansehen zu können. „Egal wie sehr ich dich verprügelt habe, du bist immer wieder zurückgekehrt.“ Ihre freie Hand legte auf seine rechte Wange und er schloss für einen winzigen Moment die Augen und lehnte sich gegen ihre Berührung. Dann öffnete er sie wieder und lachte leise, während er einen schnellen Kuss auf ihre Handinnenfläche hauchte. „Wenn du nicht aufpasst werde ich rot, Liebes.“

 

Buffy seufzte und rollte ein weiteres Mal die Augen, bevor sie die Hand wieder von seinem Gesicht nahm und sie in ihren Schoß legte. „Spike ist ein Mann, von dem -“

 

„Vampir.“ verbesserte Xander mit kalter Stimme ohne sich zu bewegen oder aufzusehen. „Spike ist ein seelenloser Vampir.“

 

Buffy lächelte kaum merklich, beachtete ihren Freund jedoch nicht weiter. „Spike ist ein Mann, von dem ich niemals gedacht hätte, dass ich ihn lieben könnte.“ Ein leises Lachen durchschnitt die Stille und Buffy neigte ihren Kopf mit einem Grinsen. „Wirklich nicht.“ Im Augenwinkel konnte sie sehen wie Spike missmutig den Mund verzog und irgendwas Unverständliches vor sich hin murmelte, doch sie ignorierte es.

 

„Aber er hat uns so oft geholfen, er war für Dawn da, als ich tot war und für mich, als ich zurückgebracht wurde. Ihr habt ja keine Ahnung wie oft ich vorletztes Jahr alles hinschmeißen wollte. Nur seinetwegen habe ich weiter gemacht.“ Ein kleines Nicken bestätigte ihre Worte und sie atmete einmal tief durch.

 

„Ich... ich habe das nicht sofort erkannt. Ich habe ihn weggestoßen weil... es Spike war.“ Sie schüttelte ihren Kopf bei dieser Erinnerung und eine kleine Falte bildete sich zwischen ihren Augenbrauen.

 

„Worauf willst du hinaus, Buffy.“ fragte Giles nach einigen Minuten des Schweigens. Seine Stimme klang abgeklärt und wenig interessiert, doch er sah Buffy aufmerksam an, als sie ihren Blick zu ihm richtete.

 

„Ich möchte mit ihm zusammen sein.“ flüsterte sie und senkte ihren Blick. Eine erdrückende Stille erfüllte den Raum und außer Spike, der gelangweilt von einer Person zur anderen sah, bewegte sich keiner. Als Buffy ihm einen nervösen Blick zuwarf, wackelte er einige Male mit der vernarbten Augenbraue und spitzte seine Lippen etwas, während er Richtung Treppe sah. Für einen Moment sah sie ihn absolut verständnislos an, dann weiteten sich ihre Augen ein wenig und ihre Wangen färbten sich rosa. Ein leises Lachen trat über Spikes Lippen und er verdrehte die Augen, bevor er sich wieder in die Lehne zurücksinken ließ.

 

Einige Minuten später tönte ein kleines Räuspern von der linken Ecke des Raumes auf und Xander richtete sich auf. Er ging in die Richtung des Flurs, doch nach zwei Schritten blieb er stehen. „Buffy.“ setzte er an, seine Stimme klang enttäuscht. „Wenn er hier ist, werde ich nicht mehr herkommen.“ fuhr er fort, jedoch drehte er sich nicht um. Sein Rücken zeigte weiterhin zum Wohnzimmer.

 

„Ich kann mit diesem Ding nicht unter einem Dach sein. Er hätte dich letztes Jahr beinahe vergewaltigt.“ Schließlich richtete sich sein Blick zu Giles, der verwundert aufsah und seine Jägerin anstarrte. „Ja, richtig.“ lachte er leise und drehte sich nach einigen Sekunden um. „Scheinbar vergisst das hier jeder langsam, aber er ist immer noch Spike. Er hat uns nur geholfen weil er krankhaft besessen von dir ist.“

 

„Ich liebe sie.“ schien Spike das erste Mal Interesse zu zeigen, als er sich aufrichtete und Xander mit festem Blick ansah.

 

Der braunhaarige Mann lachte kurz, doch sein Ausdruck erstarrte danach direkt wieder. „Das hab ich gesehen, als du Anya auf dem Tisch in der Magic Box gevögelt hast.“

 

Buffys Haltung versteifte sich etwas und sie nahm ihre linke Hand aus Spikes Griff. Sie sah ihn nicht an, als sie schließlich aufstand und ebenfalls zum Flur lief. „Komm mit.“ sagte sie leise als sie neben Xander stand und ging weiter in die Küche hinein.

 

Seufzend setzte sie sich auf einen der braunen Hocker und beobachtete wie er ihr langsam folgte. Er blieb vor einem der Stühle stehen und zog seine Augenbrauen nachdenklich zusammen. „Ich verstehe nicht, wie du ihn auch nur ansehen kannst, nachdem-“

 

„Xander.“ seufzte Buffy und starrte auf ihre Hände, die flach auf dem Esstisch lagen. „Ich bin glücklich mit ihm.“ nickte sie und lächelte etwas. „Ich liebe ihn.“ setzte sie nach und betrachtete den geschockten Ausdruck auf dem Gesicht ihres besten Freundes. „Egal was er getan hat, oder tun wollte... Ich bin auch schuld daran. Ich habe ihn wir Dreck behandelt, immer wieder.“

 

Als Xander sich schließlich mit einem leisen Seufzen auf den Stuhl gegenüber von Buffy niederließ lächelte sie dankbar und schob ihre rechte Hand etwas in seine Richtung. „Xander. Ich weiß du willst nur das Beste für mich. Einen ganz normalen Typen. Jemanden wie Riley. Ich hab’s versucht, aber das funktioniert einfach nicht. Ich kann mich nicht immer für das rechtfertigen was ich bin.“

 

Ein kleines Zittern durchfuhr ihren Körper, während sie den Kopf schief legte und ein Schniefen unterdrückte. „Zwing mich nicht zwischen euch beiden zu entscheiden.“ Sie griff nach seiner Hand und verhakte ihre Finger mit seinen. „Du bist mein bester Freund, aber ich liebe ihn.“

 

Dann sah sie auf und schrak etwas zusammen. Sein Blick war kalt und wütend. Für einen Moment dachte sie unter seiner Miene zusammenzubrechen, doch schließlich blinzelte er einige Male und schüttelte den Kopf geschlagen. „Ich hasse den Kerl.“ atmete er geräuschvoll aus und sah sie nach einigen Minuten an.

 

„Aber ich will nicht, dass es wieder soweit kommt wie damals.“ lächelte er matt und drückte ihre Hand ein wenig. „Ich verspreche nichts.“ fügte er nach wenigen Sekunden hinzu und beobachtete wie ihr Gesicht sich allmählich aufhellte. Mit schnellen Schritten ging sie um den Tisch herum und bevor Xander reagieren konnte umklammerten ihn zwei starke Arme so fest, dass ihm die Luft kurze Zeit später ausging.

 

„Sauerstoff.“ keuchte er und legte seine beiden Hände auf einen ihrer Unterarme. Buffy lachte leise und drückte ihm einen kleinen Kuss auf den Haarschopf bevor sie los ließ. „Danke.“ flüsterte sie an sein Ohr und drückte nochmals seine Schultern bevor sie sich aufrichtete. „Wenn er mich schief ansieht, bin ich weg. Ich traue ihm nicht.“ murmelte er missmutig, lächelte sie jedoch dann schließlich freundlich an und zog sie zögerlich in eine kurze Umarmung.

 

„Ich weiß.“ nickte Buffy und legte ihre Stirn gegen seinen Nacken.

 

 

„Leute, kommt mal her.“ rief Willow aus dem Wohnzimmer. Ein kleiner weißer Laptop lag auf ihren angewinkelten Beinen. Sie starrte konzentriert auf den Bildschirm, ihr Zeigerfinger machte kleine Bewegungen auf dem Touchpad. Buffy stellte sich vor die Rothaarige und lächelte amüsiert, als sie Spikes gelangweilten Blick sah. Er war dabei den schwarzen Nagellack auf seinem Daumen mit absoluter Aufmerksamkeit herunterzukratzen... direkt auf den Sofabezug, von dem er die Reste in regelmäßigen Abständen auf den Boden schob.

 

„1897 gab es einen Angriff auf ein Verwaltungsgebäude in Frankreich. Eine Armee von ‚grün-schuppigen Gestalten’ hatte sich unter Befehl eines Mannes mit schwarzem Umhang auf alle Männer im Gebäude gestürzt und sie getötet.“ Mit den letzten Worten drehte Willow den Laptop etwas zur Seite, so dass die anderen darauf sehen konnten. Giles richtete sich auf und bückte sich etwas, die Brille wieder auf der Nase. „Ich erinnere mich davon gehört zu haben.“ murmelte er nachdenklich und kniff die Augen etwas zusammen. „Das war ein Ratsgebäude.“ Mit diesen Worten ließ er sich auf die Knie sinken und starrte versunken auf den gescannten Zeitungsartikel, der auf dem Bildschirm angezeigt wurde.

 

„Such weiter Willow, vielleicht findest du noch mehr darüber. Wenn sie noch mehr Ratsgebäude angegriffen haben, dann heißt das womöglich-“ Ein Klingeln unterbrach ihn in seinem Satz und sämtliche Köpfe im Raum – außer Spikes – richteten sich augenblicklich in die Richtung des Telefons. Buffy sah zur Seite, blieb jedoch vor Willow stehen und beobachtete unruhig, wie Giles sich aufrichtete und den Hörer in die Hand nahm. Sein Blick war ruhig, er lauschte einer aufgeregten Stimme am anderen Ende der Leitung.

 

„Liebes.“ seufzte Spike schließlich vom Sofa und begutachtete mit einem zufriedenen Nicken seinen lackfreien Nagel. Die schwarzen Brösel auf dem Stoffbezug schob er mit der anderen Hand spontan in die linke Rille der Couch. „Ich wüsste wirklich besseres mit unserer Zeit anzufangen.“ lächelte er unschuldig, als sie sich letztendlich zu ihm umgedreht hatte. Er zog einen Mundwinkel amüsiert nach oben, als Xander ein kleines ‚Oh Gott’ von sich gab und den Kopf sogleich auf ein Knie legte.

 

„Spaßigere Dinge.“ setzte er nach und leckte sich einmal ungeniert über die Oberlippe. Nun sah auch Willow von ihrem Laptop auf und blickte verständnislos zu dem Mann neben sich. „Was?“ blaffte er sie sogleich an und ließ sich mit einem Augenrollen gegen die Lehne zurückfallen, als Buffy sich kommentarlos wieder zu ihrem Wächter herumgedreht hatte. „Oh zur Hölle.“ raunte er und zog sein silbernes Zippo mit einem lauten Seufzen aus der Manteltasche. Er öffnete und schloss es einige Male bevor er anfing es zwischen seinen Fingern hin und her zu drehen.

 

„Natürlich.“ sagte Giles nach einigen Minuten leise und lehnte sich gegen die Wand neben dem Telefontisch. „Sicherlich, ich rufe zurück wenn sie sich entschieden hat.“ Eine weitere Stille folgte, die Stimme im Hörer war nun leiser und letztendlich legte Giles den Hörer zurück auf die Wählstation.

 

„Grundgütiger.“ murmelte er, der Blick immer noch auf das Telefon gerichtet.

„Was ist passiert?“ ging Buffy einige Schritte auf ihn zu, die Arme vor der Brust verschränkt.

 

Giles nahm seine Brille ein weiteres Mal von der Nase und sah mit besorgter Miene auf. „Das war Quentin.“ Er ging einige Schritte weiter und setzte sich auf seinen ursprünglichen Sitzplatz. Sein Ellbogen lehnte er gegen die Armlehne und legte sein Kinn auf die Hand.

 

„Travers.“ flüsterte Buffy nach einigen Sekunden, nachdem sie den Namen zugeordnet hatte.

 

„Sie wurden angegriffen.“ fuhr Giles nach einigen Minuten fort und atmete tief aus. „Der Sitz in Rom wurde komplett niedergebrannt.“

 

„Oh.“ schnaufte Buffy und zog die Augenbrauen nachdenklich zusammen. Dann lehnte sie sich gegen den Türrahmen zum Flur und legte den Kopf schief. „Und das interessiert uns, weil...?“

„Buffy.“ räusperte sich Giles keinen Moment später und sah etwas wütend auf. „Sie brauchen deine Hilfe.“

 

„Das ist nicht ihr ernst.“ quiekte Buffy ungläubig auf. Ihre Arme waren steif an ihren Oberkörper gepresst und sie funkelte wütend zu dem grauhaarigen Mann. „Giles, die Ferien sind bald vorbei, Dawn muss zur Schule und ich studiere wieder.“ Ihre Stimme nahm einen leicht hysterischen Unterton an und sie schüttelte einige Male den Kopf. „Sie, sie haben mir gesagt ich soll wieder normal leben.“ zeigte sie mit der rechten Hand auf den Mann vor sich, während sich die Finger der anderen zu einer Faust zusammenballten. „Wenn ich jetzt weg gehe, dann war alles-“

 

„Buffy.“ unterbrach er sie, und sein Blick ließ keine Diskussion zu. „Es geht nicht nur um den Rat, in den Gebäuden sind tausende von einzigartigen Büchern, Artefakte von unschätzbarem Wert und Nutzen für uns. Wenn diese Informationen in die Hände von Dämonen fallen, was glaubst du was dann passiert?“ wollte er wissen und legte interessiert seinen Kopf schief.

 

„Rettet die Bücher.“ lachte Spike leise, während er sich eine Zigarette zwischen die Lippen steckte und schließlich aufstand. Als er an Buffy vorbei lief blieb er kurz stehen und drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Wange.

 

Willow wandte sich in Giles Richtung und klappte den Laptop mit einem leisen Seufzen zu. „Also, was heißt das jetzt genau? Wir fliegen nach England?“

 

Giles schüttelte den Kopf leicht, sein Blick immer noch auf Buffy gerichtet. „Nun, ich denke-“

Buffy lächelte leicht, ihr Blick eiskalt. „Ich fliege nach England.“ vollendete sie und schüttelte den Kopf kaum merklich, bevor sie einmal tief seufzte und an die Decke des Raumes starrte.

 

 

 

 

 

Teil 5 – Verlockendes Angebot

 

„Es ist Ihnen wirklich völlig egal ob ich alles über den Haufen werfen muss, oder?“ Sie sah nicht zu ihm, doch ihre Faust ballte sich unmerklich fester zusammen. Ihre Knöchel waren weiß vor Anstrengung. „Für ein paar Briten denen es scheißegal ist wenn wir in Gefahr sind.“

 

Giles seufzte tief und starrte etwas genervt gerade aus. „Buffy.“

 

„Nein, ich gehe nicht.“ sagte sie nach einigen Sekunden trotzig. Entschlossen verschränkte sie ihre Arme wieder vor der Brust und ging einen Schritt von der Wand weg. „Sie können mich nicht zwingen.“

„Nun hör mir doch endlich zu.“ blaffte Giles, sehr unbritisch, und stand von dem Sessel auf.

 

„Nein! Was denken die sich eigentlich?“ schrie Buffy wütend und ging einen Schritt auf ihren Wächter zu. „Als ob die das nicht alleine schaffen könnten. Ich hab eine kleine Schwester, die zur Schule muss. Nach allem was sie getan haben, wieso glauben sie dass ich ihnen helfen würde? Aus Mitgefühl? Sicherlich nicht, diese-“

 

„Buffy!“ Seine Stimme war harsch und ungeduldig. Er packte Buffy bei den Unterarmen und rüttelte sie einmal vorsichtig. Als sie ihn schließlich ansah und nichts mehr sagte, ließ er sie wieder los und strich sich über die Stirn. „Wenn du mich endlich ausreden lassen würdest.“ Er fasste sich mit einem Kopfschütteln an die Schläfe und massierte sie für einige Sekunden. „Du würdest es nicht umsonst machen.“ sagte er ruhig und starrte in ihr Gesicht. „Sie sind nicht so naiv zu glauben du würdest mit wehenden Fahnen anreisen um ihnen zu helfen.“ erklärte er weiter. „Sie sind verzweifelt und sie bieten dir quasi Urlaub und Geld an.“

 

„Super, wer will schon im sonnigen Sunnydale sein, wenn man in das verregnete London kann.“ blaffte Buffy verständnislos und zog ihre Augenbrauen etwas zusammen.

 

„Buffy, Herrgott, es ist ein sechs Sterne Hotel. Mit allem drum und dran.“ murmelte er unverständlich, offensichtlich wenig beigeistert davon auf dieses Thema weiter einzugehen. Als Buffys Verwirrung jedoch innerhalb von Sekunden durch etwas anderes ersetzt wurde, seufzte er noch einmal und ließ sich wieder auf den Sessel zurückfallen. „Wohl für mehrere Wochen.“ fuhr er fort, sein Blick nun konzentriert zum Boden gerichtet. „Sie wollen nur dass du ihnen mit diesen Leasheks hilfst.“ betonte er das kleine Wort ganz deutlich und schüttelte angewidert den Kopf. „Um jeden Preis.“ murmelte er die letzten drei Worte eher, doch als er wieder aufsah konnte er das Leuchten in den Augen seiner Jägerin nicht übersehen.

 

„Sie bestechen Buffy damit sie ihnen hilft?“ lachte Xander leise und Buffy blickte zum ersten Mal seit mehreren Minuten von ihrem Wächter zu jemand anderem. Ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen und schließlich kicherte sie leise.

 

„Was?“ fragte Spike, der gerade wieder hereingekommen war und etwas perplex das riesige Grinsen auf Buffys Gesicht musterte. „Wir machen Urlaub.“ lachte Buffy plötzlich und ging einige Schritte auf den blonden Mann zu. Dann legte sie ihre Arme in seinen Nacken und umarmte ihn.

 

Giles räusperte sich einmal laut und zog seine Augenbrauen skeptisch in die Höhe. „Nun, du hast eine Aufgabe. Vergiss das nicht.“

Buffy seufzte tief, ohne sich von Spike wegzubewegen. „Den mach ich in zwei Sekunden fertig und dann gibt’s nur sechs Sterne, Spike und mich.“

 

Ein kleines Grinsen bildete sich auf den weißen Lippen des Vampirs und er legte seine Hände mit einer langsamen Bewegung auf Buffys Hüfte. „Du, ich und alles andre ist völlig egal, Liebes.“ flüsterte an ihr Ohr, jedoch laut genug, dass es alle hören konnten. „Wobei... wie viele Sterne?“ lachte er schließlich und ließ seine Hand etwas tiefer wandern. „Sag die Zahl noch mal.“

 

„Oh, bitte.“ stöhnte Xander und legte seinen Kopf wieder auf die Knie. „Ich versuche hier wirklich nicht durchzudrehen, okay?“ maulte er und hielt sich die Hände über die Ohren.

 

Spike verdrehte seine Augen, ging jedoch einen kleinen Schritt zurück und küsste Buffy auf die Wange. „Allerdings werden wir für Calvar wohl länger als zwei Sekunden brauchen.“ deutete er auf das Bild, das noch immer auf dem Laptop zu sehen war. Sein Blick wurde nachdenklich, die Mimik seltsam fremd und abwesend.

 

„Egal. Ich hatte schon seit Jahren keine freien Tage mehr. Erzählen sie etwas über das Hotel.“ lächelte Buffy ausgelassen und strich zärtlich über Spikes rechte Hand, die schlaff neben seinem Körper herunterhing.

 

Giles zog jedoch nur verwirrt seine Augenbrauen zusammen und schüttelte einige Male verwundert seinen Kopf. „Was denkst du eigentlich hat mir der Rat vorhin gesagt? ‚Hallo, wir wurden angegriffen. Aber das Hotel in das wir ihre Jägerin unterbringen hat zumindest eine Sauna, einen Pool, Zimmerservice 24-Stunden am Tag’?"

 

„24-Stunden Zimmerservice?“ störte sich Buffy kein Bisschen an dem offensichtlichen Sarkasmus und lächelte stattdessen breit. Dann widmete sie sich wieder dem etwas überrumpelten Vampir vor sich. „Hey, das sind gute Nachrichten.“ sah sie ihn völlig ausgelassen an und drückte ihm einen keuschen Kuss auf die Stirn.

 

„Und was ist mit dem Krümel?“ lächelte er kaum sehbar zurück und verhakte seine Finger schließlich mit Ihren.

 

„Die anderen bleiben ja hier. Sie ist alt genug um mich für zwei oder sechs Wochen zu entbehren.“ Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie sein leises Lachen hörte und seufzte schließlich wohlig, als er sie mit einer schnellen Bewegung zu sich zog. Ein tonloses Knurren entkam seiner Kehle bevor er seine Zunge in ihren Mund schob. Es brauchte genau drei Sekunden bis sie ihm entgegenkam und sich an ihn klammerte, als würde sie ertrinken wenn sie es nicht täte.

Er schmunzelte etwas bei dem subtilen Räuspern vom Platz des Wächters und hätte am liebsten laut losgelacht, als er Xanders gewürgtes ‚Ich will sterben’ hörte. Doch er verwarf die Gedanken schnell, als Buffy sich mit voller Kraft gegen ihn drückte und ihn gegen die andere Seite des Türrahmens schob.

 

„Oh zur Hölle, hört auf!“ schrie Xander schließlich mit hoher Stimme und letztendlich ließ Buffy mit einem glasigen Blick von ihm ab.

 

„Bloody Hell, Harris, wenn’s grade nett wird.“ raunte Spike schroff und sah die blonde Frau vor sich abwertend an. Dann setzte er sich auf die freie Stelle neben Willow und zog Buffy auf sein Bein. Er verschränkte seine Arme um ihren Bauch und legte sein Kinn auf ihre Schulter. Sie lächelte etwas und lehnte sich gegen seine Brust, während sie beruhigend über seine Finger strich. Dann sah sie zu ihrem Wächter und seufzte leise. „Also, wann geht’s los?“

 

„Nun, kommt morgen um acht Uhr in der Magic Box vorbei. Ich werde euch dann eure Tickets geben. Ihr solltet gegen Abend fliegen, dann kann ich noch einmal mit Quentin die Einzelheiten besprechen.“

 

Spike lachte leise und zog eine Augenbraue in die Höhe „Ich schätze er hat sich wieder eine Armee gehortet. Haben die in ihrem Rat auch ein paar Kämpfer oder sind das alles so Hohlköpfe wie...“ Buffy boxte Spike warnend in die Seite. „...die...anderen...Hohlköpfe, die kürzlich...schon da waren.“ brachte er seinen Satz etwas ungelenkt zu Ende und warf Buffy einen verwirrten Blick zu.

 

Giles verdrehte nur die Augen. „Sie haben auch einige Leute, die schon etwas Kampfsporttraining absolviert haben doch ich befürchte, dass dies zum größten Teil theoretisch abgelaufen ist.“

 

„Ja? Super. Wir gehen jetzt.“ bestimmte Spike nach einigen Sekunden und hopste Buffy einige Male mit seinen Knien auf seinem Schoß.

 

„Gleich.“ kicherte Buffy und drückte ihre Beine nach unten, so dass er still sitzen musste. „Fragen sie die was wir an Waffen benötigen.“ sagte sie ruhig in Giles Richtung. Dann stand sie auf und zog Spike mit sich. „Und wegen dieser Zimmerservice-Sache.“ fügte sie hinzu und lächelte etwas, als Spike leise lachte.

 

„Gute Nacht, Leute.“ winkte Buffy noch den anderen zu und ging langsam mit Spike die Treppen nach oben.

 

-

 

„Äxte, Schwerter, Tulware, Ballisten, Seile, Targen.“ murmelte Spike und schmiss die genannten Waffen mit einem Schulterzucken in die große schwarze Reisetasche, die neben seinem linken Fuß auf dem Boden lag. Dann wandte er sich wieder dem riesigen Regal vor sich zu und seufzte einmal glücklich. „Krummschwerter, Pavesen, Faszien, Partisanen, Falkaten-“ Er stoppte kurz und lächelte ein wenig. „Handschellen.“ nickte er abschließend und räumte die untere Holzplatte mit einer einzigen Handbewegung leer. Er trat zwei Mal fest auf die Tasche um den letzten beiden Schwertern Platz zu machen.

 

„Handschellen?“ schüttelte Giles mit emotionslosem Blick den Kopf und nahm einen großen Schluck aus dem Glas in seiner rechten Hand. Spike drehte sich mit einem verschmitzten Lächeln zu dem Mann hinter sich um und lachte leise. „Buffy kann eine Katze sein.“ biss er sich unverblümt auf die Unterlippe und beobachtete dann erfreut, wie Giles Augen sich weiteten und er die letzten fünf Schlücke des Scotchs ohne einmal abzusetzen trank.

 

„Es gibt eine Sauna!“ quiekte Buffy vergnügt und wedelte einige Mal enthusiastisch mit den zwei kleinen Broschüren in ihrer linken Hand. Spike drehte sich kurz um und warf ihr einen desinteressierten Blick zu bevor er den Reißverschluss der Tasche zuzog.

 

Hhhh...“ seufzte Buffy, offensichtlich etwas enttäuscht über seine mangelnde Freude an den vielfältigen Freizeitangeboten im Hotel. Beleidigt setzte sie sich zurück in den Stuhl neben Willow und Dawn, die beide die Köpfe in einem Katalog vergraben hatten.

 

„Sagen sie mal, sie wissen schon dass sie gerade einem seelenlosen - und vor allem chiplosen - Vampir unser komplettes Waffenlager anvertrauen, mit dem er ganz England im Alleingang auslöschen könnte, oder?“ murmelte Xander leise, nachdem er sich neben den Wächter gestellt hatte. Er starrte ungläubig auf die riesige Reisetasche und kratzte sich einige Male am Kopf.

 

„Nun.“ seufzte Giles und wankte etwas nach links, wo die angebrochene Scotchflasche stand. „Ich schätze ja.“ beendete er knapp und drehte den Schraubverschluss mit dem linken Daumen etwas ungelenk auf, bevor er sich das Glas voll füllte.

 

„Oh, okay.“ nickte Xander und beobachtete wie der Wächter einen kleinen Schluck nahm, dann mit den Schultern zuckte und das Glas schließlich in einem Zug leer trank. „Gut zu wissen.“ lächelte er, wenig überzeugend und setzte sich mit einem geräuschvollen Atemzug neben Dawn.

 

„Haben sssie nun endlich allesss?“ hickste Giles und blickte etwas genervt zu dem blonden Vampir, der immer noch wie ein Kleinkind vor dem Waffenschrank rumhüpfte. „Jaja, gleich Ripper.“ schenkte Spike dem Wächter in etwas so viel Aufmerksamkeit wie der früheren Erwähnung einer gewissen Sauna und schwenkte einmal ein riesiges Zweihandschwert vor sich hin und her.

 

„Hören sie endlich auf mich so zu nennen.“ rollte Giles genervt mit den Augen und ließ sich mit einem geräuschvollen Atemzug neben Xander auf einen Stuhl sinken.

 

„Spike, da gibt’s sieben Fitnessräume.“ blickte Buffy nach einigen Minuten auf und streckte ihren Hals etwas durch, damit sie in die Blickrichtung des Vampirs kam.

 

„Super.“ rief Spike kurz, steckte seinen Kopf dann nachdenklich in den großen Waffenschrank am anderen Ende des Raumes. Wenige Sekunden später ging er mit leuchtenden Augen ein paar Schritte zurück und starrte auf zwei riesige, silberne Faustwaffen.

 

Missmutig verzog Buffy die Lippen und ließ sich im Stuhl zurückfallen. Sie lehnte ihren Kopf auf ihre Arme, die sie auf dem Tisch verschränkt hatte. Dann lächelte sie etwas, hielt ihren Blick aber nach unten gerichtet. „Und ich werde mich von einem muskelbepackten Mann mit heißem Öl massieren lassen.“ beschloss sie mit verträumtem Blick. „Völlig nackt.“" fügte sie etwas leiser hinzu.

 

Häh?“ fuhr Spikes Kopf nach oben und er drehte sich verwirrt zu dem Tisch um. Dann zogen sich seine Augenbrauen grimmig zusammen und er deutete mit seiner rechten Hand auf die Jägerin. „Wohl kaum, Täubchen!“ raunte er und warf die Faustwaffen achtlos neben die Reisetasche. Mit schnellen Schritten ging er zu dem Tisch in der linken Ecke, wo die Scoobies standen und stellte sich mit todernstem Gesicht vor Buffy.

 

„Ich versteh nicht wieso du dir den ganzen Mist überhaupt durchliest.“ zuckte er mit den Achseln, umgriff Buffys Schultern und zog sie kurzerhand vom Stuhl hoch. Als Buffy ihre Augenbrauen fragend in die Höhe zog lachte er leise und biss sich verschmitzt auf die Unterlippe. „Es ist nicht so, dass du aus dem Bett kommen würdest.“ lachte er leise, als Buffys Wangen rot wurden und ihre Augen eine leicht trübe Farbe annahmen.

 

„Und du bist dir wirklich sicher, dass du damit nichts zu tun hast Will...“ schnaufte Xander, die Stirn wieder auf die Arme gebettet.

 

-

 

Nachmittags standen alle im Summershaus und Willow ging zusammen mit Buffy und Giles das Gepäck anhand einer Liste durch. Sie räumten hier und da einige der Waffen heraus und Giles füllte den leeren Platz stattdessen mit Büchern über ‚Sehenswürdigkeiten in London’ – in der stillen Hoffnung Buffy würde sich alles außer das Bett in der Suite etwas genauer ansehen.

 

Währenddessen luden Xander und Spike zusammen das Gepäck in den Kofferraum von Giles Auto ein.

 

„Man Harris, die kann man da noch reinquetschen!“ schnauzte Spike den ohnehin schon genervten Xander an und riss ihm die große Reisetasche aus der Hand. Dann zeigte er noch mal demonstrativ lange darauf, bevor er so lange darauf eintrat bis sie in den Kofferraum passte. „Siehst du?“

 

"Ja, super Mann.“ machte Xander eine weit schweifende Geste und klopfte dem blonden Mann einige Male auf die Schulter. „Du bist der Beste.“ grinste er etwas und verkniff sich dem Vampir mitzuteilen, dass in der besagten Tasche Buffys Klamotten und Lieblingspflöcke drin waren. Er würde es früh genug erfahren... und womöglich würde Buffy dann vom Inhalt gebrauch machen.

 

„Kommt ihr jetzt oder was? Ich würde gerne noch den verdammten Nachtflug kriegen!“ brüllte Spike und ging einige Schritte auf das Haus zu.

 

-

 

Als sie schließlich am Flughafen angekommen waren, hallte bereits ihre Flugansage durch den Vorraum. Langsam löste sich Buffy aus Xanders Umarmung und sah ihn verständnisvoll an, als dieser missmutig schnaubte. „Pass gut auf dich auf.“ lächelte er wenig überzeugt und umarmte die blonde Frau noch einmal zaghaft, bevor er sich neben Willow stellte.

 

„Bis dann Krümel.“ murmelte Spike lächelnd und wurde sofort von Dawn in die Arme genommen. Giles warf Spike einen warnenden Blick zu und nickte einmal kurz, als der Vampir mit den Augen rollte. Dieser schulterte die Taschen und ging in die Richtung des Abflugterminals während Buffy sich in Willows Arme fallen ließ. Dann nahm sie sich ebenfalls eine Tasche und einen kleinen Rucksack und ging hinter Spike her. Am Ausgang winkten mehr oder weniger beide nochmals und schlenderten dann Hand in Hand Richtung Flugzeug.

 

-

 

Um zwanzig Uhr hatte das Flugzeug bereits die optimale Flughöhe angenommen und Buffy beruhigte sich wieder etwas. Dieses verdammte Drücken in den Ohren war unerträglich. Spike grinste vor sich hin und fand, dass es nichts Schöneres als Fliegen gab - Ein bequemer Sitz, der in den zehn Stunden, die der Flug andauern würde schön schattig war und hübsche Stewardessen die alle fünf Minuten nach seinem Wohlbefinden fragten - Ja, hier konnte man es aushalten.

 

Buffy dagegen hatte sich schmerzlich daran erinnern müssen wieso sie sich als Kind geschworen hatte, niemals wieder in ein Flugzeug zu steigen. Glücklicherweise war die Landung noch einige Stunden entfernt und so konnte sie sich beruhigt den schöneren Dingen widmen.

 

Sie fummelte einige Minuten in dem Beutel vor sich und zog anschließend eine kleine Plastiktüte heraus. Sie strahlte ihren etwas schockierten Sitznachbar an und machte sich dann hochkonzentriert an das ‚Malen-nach-Zahlen’ Bild. Spike blickte ihr noch einen Augenblick dabei zu, schüttelte dann aber lächelnd den Kopf und lehnte sich friedlich nach hinten.

 

Nach neun Stunden und in etwa fünfzig Minuten hatte sich Buffy zusätzlich den Beutel von Spike und den des schlafenden Mannes neben sich genommen und glücklich in ihnen herumgekritzelt. Schließlich ging es auf die Landung zu und Spike hatte sich von einer Stewardess ein paar Ohrstöpsel für seine empfindliche Freundin geben lassen. Buffy lag nun in seinen Armen und ließ sich durch sehr lange Küsse von der Landung ablenken.

 

 

Schließlich standen beide im Heathrow Flughafen und Buffy hatte große Lust sofort wieder abzureisen - Strömender Regen kam ihnen entgegen, als sie die Flugzeugtreppen hinunter gingen. Spike dagegen strahlte und seine Augen leuchteten etwas, als er einen tiefen Atemzug nahm und die Hände über den Kopf streckte. Schnell zog er Buffy an ihrem Arm aus dem Gebäude und mitten auf die Straße, auf der es, wie Buffy feststellte - verdammt nass war. Schimpfend rannte sie schnell wieder in den Flughafen.

 

„Verdammt Spike, wir müssen auf die Waffen warten.“ fluchte sie und schaute sich nach dem Freund von Giles um, der versprochen hatte die Waffen irgendwie rüber zu schmuggeln.

 

 

„Mann, wo bleibt der Penner.“ raunte Spike nach weiteren zwanzig Minuten und stammelte noch was von Kippen kaufen, bevor er nach draußen ging. Buffy schaute ihm frustriert hinterher... er war unglaublich ungeduldig, dabei hatte Giles doch gesagt dass es etwas dauern könnte bevor die Waffen ankommen. Nach vierzig Minuten und sechs Zigaretten kam auch endlich ein ziemlich großer Mann mit den zwei Taschen und übergab diese Buffy. Diese schüttelte ihm dankbar die Hand und machte sich dann auf die Suche nach ihrem störrischen Begleiter. Spike hatte sich auf eine Bank vor dem Flughafen gesetzt und zündete sich gerade eine weitere Zigarette an als Buffy sich neben ihn setzte.

 

„Hab die Waffen.“ murmelte sie und machte sich, was Spike ungläubig beobachtete, ebenfalls eine an.

 

„Die Dinger sind schädlich.“ kommentierte er sachlich und drehte sich wieder um.

 

„Ist ja wohl mein Problem, außerdem werd ich sowieso nicht so alt, dass es mir schadet.“

 

„Deine Sache.“ Beide schwiegen einen Moment bis sich Spike zu Buffy rüberbeugte. „Die sind aber schlecht für die Kondition.“ er grinste dreckig und küsste sie verlangend auf den Mund. Buffy schaute ihn stumm an und zog noch mal an der Zigarette „Die ist bestens.“ lächelte sie und griff dann nach seiner Hand „Hast du den Zettel mit der Adresse?“ Spike kramte kurz in seiner Manteltasche und drückte Buffy einen zerknüllten Zettel in die Hand.

 

„Ordnung ist nicht deine Stärke, hm?“ grinste sie und küsste ihn nochmals. Spike zuckte mit den Schultern „Ich hab andere Vorzüge.“ und zog anzüglich die Augenbraue hoch. Buffy verdrehte die Augen und schaute dann einige Minuten schweigend auf die Karte.

 

Ähm, schau du dir das mal an.“ damit beugte sie sich wieder zu Spike rüber und hielt ihm den Zettel hin. Beide saßen einen Moment schweigend da und betrachteten die Karte, die Giles provisorisch gezeichnet hatte. Dann stand Spike auf und meinte noch, dass er mal jemanden fragen würde, bevor er wieder in den Flughafen marschierte. „Ich besorg uns schon mal ein Taxi.“ rief Buffy noch hinterher und stellte sich dann an den Straßenrand.

 

Spike kam zehn Minuten später mit zwei Colas, einer Packung Kaugummis, einer Stange Zigaretten, einer weiteren Karte und einer Menge Prospekte aus dem Flughafen und ging direkt auf das Taxi, in dem Buffy saß zu. „Oh, danke.“ Buffy drückte Spike einen Kuss auf die Wange und nahm ihm eine Cola ab. "Also, wo müssen wir hin?"

 

„Wir fahren erst mal zum Hotel und checken dort ein. Dann kannst du Rupert anrufen. Kann ja schlecht fragen wo der ‚Rat der Wächter’ ist.“ meinte Spike und beugte sich dann zum Fahrer vor. „Zum Méridien Piccadilly Hotel.“

 

 

 

 

 

Teil 6 – Niemandsland


Der Fahrer ließ es sich nicht nehmen euphorisch einen Vortrag über die sehenswerten Stellen Londons zu halten. Buffy und Spike saßen aneinandergekuschelt auf der Rückbank und sahen sich lieber die schönen bunten Bilder aus dem Prospekt an, anstatt dem Fahrer zuzuhören, der gerade bei der dritten Dynastie der englischen Königsfamilie angekommen war.

 

„Da haben sie sich ja ein ganz schön teueres Hotel ausgesucht. Wie kommen so junge Leute wie sie denn an so viel Geld?“ fragte der Fahrer nach einiger Zeit höflich.

 

„Das geht dich einen feuchten Dreck an.“ maulte Spike, sichtlich genervt, was der Fahrer kopfschüttelnd und mit einem ‚Herrje, die Jugend von Heute’ zur Kenntnis nahm. Nach weiteren fünfunddreißig Minuten, einem ausführlichem Vortrag über die Entstehung des Big Bens und einige Informationen über die derzeitige Krisensituation im Königshaus hielt das Taxi vor einem riesengroßen Gebäude. Buffy, die nach Spikes derzeitiger Verfassung etwas besorgt um die Gesundheit des Fahrers war, beugte sich zu diesem hinunter und gab ihm vierzig Pfund.

 

„Noch zwei verfluchte Minuten länger und ich hätte ihn persönlich vom verdammten Big Ben runter geworfen.“ murmelte Spike, während er die Taschen aus dem Kofferraum holte und sie sich überwarf.

 

„Schönen Aufenthalt wünsche ich ihnen, Miss. Sie sollten vielleicht einmal an eine Therapie für ihren Freund denken, er scheint mir leicht aggressiv zu sein.“ merkte der Taxifahrer noch an bevor er die Tür schloss und davonfuhr.

 

Buffy tätschelte Spike vorsichtig auf die Schulter, was dieser nur mit einem angedeuteten Knurren zur Kenntnis nahm und sich wieder zu den Taschen beugte.

 

„Hey, von dem lassen wir uns doch nicht den Urlaub vermiesen.“ lächelte sie Spike unschuldig an und schlang ihre Arme fest um seine Hüfte. „Komm schon, reg dich nicht auf.“ grinste sie und zog ihn zu einem langem Kuss zu sich. Spike vergaß sofort dass er eigentlich sauer war und zog sie noch fester zu sich.

 

Nach einigen langen Sekunden löste sie sich mit einem milden Lächeln von ihm und griff nach einer der Taschen. „Rauch erst mal eine, ich check schon mal ein.“ sagte sie leise und drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Wange bevor sie der Drehtür lief.

 

Sie trat durch die Drehtür und stand mit offenem Mund in einer riesigen Empfangshalle. Von der Decke hingen enorme Kronleuchter und die Wände waren mit Stuck und allerlei Bildern und Malereien versehen. Die hinteren Mauern waren großflächig verspiegelt und raumhohe Palmen zierten den Weg zur Rezeption. Auf den Ledersesseln saßen einige Geschäftsleute. Die meisten Frauen trugen aufwändige Kostüme, einige Abendkleider und die Halle war mit vielen Stimmen und Gelächter erfüllt. Frustriert sah Buffy auf ihre rissige Jeans und die durchnässten Schuhe hinab. Mit einem seufzen ging sie auf die Rezeption zu.

 

„Kann ich ihnen helfen, Miss?“ fragte der grauhaarige Mann und musterte sie aufmerksam.

 

Buffy lächelte gequält und atmete tief ein. „Ähm ja, wir haben reserviert. Auf, ähm, Summers?“

 

„Einen Moment, bitte.“ der Mann wandte sich zum Computer und kurze Zeit später wieder zu ihr.

 

„Oh, hier, die Deluxe Suite. Warten sie einen Moment Ms. Summers, ich rufe jemanden der ihr Gepäck holt.“ nickte er und warf ihr einen freundlichen Blick zu, bevor er zum Telefon neben sich griff.

 

„Bloody Hell! Gar nicht übel der Schuppen!“ röhrte im nächsten Moment eine raue Männerstimme durch die Halle und die Gespräche nahmen ein abruptes Ende. Buffy verbarg ihr Gesicht peinlich berührt in den Händen, als Spike mit den matschigen Doc Martins und dem verstaubten Ledermantel zu der Rezeption stiefelte. Dann stellte er sich neben sie und legte seinen Arm besitzergreifend um ihre Schulter.

 

„Hier lässt sich’s aushalten, Schätzchen.“ grinste er und beugte sich zu den Taschen hinunter.

 

„Es kommt gleich jemand für das Gepäck, Sir.“ merkte der grauhaarige Mann etwas perplex an und fuchtelte mit dem Schlüssel vor Spikes Gesicht rum.

 

„Ist ja gut, James, mach dir nicht ins Hemd.“ lächelte Spike, klopfte diesem versöhnlich auf die Schulter und schnappte sich den Schlüssel.

 

Nachdem der Portier neben ihnen aufgetaucht war und das Gepäck aufgeladen hatte standen die beiden Schließlich vor Zimmer 376 im obersten Stockwerk. Auf der Zimmertür stand in feinen, goldenen Buchstaben ‚Deluxe Suite’, was Spike mit einem ‚Ich glaube ich bin dem guten Rupert was schuldig’ kommentierte. Unbekümmert knipste Buffy den Lichtschalter um und erstarrte keine Sekunde später. Ihre Lippen öffneten sich einen Spalt und sie ging einige Schritte in den Raum hinein.

 

Ein riesiger Raum erstreckte sich vor ihren Füßen. Links und rechts führte ein türloser Durchgang in zwei weitere Zimmer. Der Fußboden war aus rotbraunem Mahagoni und die Wände waren wie am Empfang und den Gängen teilweise verspiegelt. In der Mitte hing ein großer Kronleuchter. Im Zimmer vor ihnen standen drei Ledersofas vor einem großen Plasmafernseher.

Buffy ging demütig einige Schritte nach vorne und ließ ihre Finger in das Wasser eines kleinen tischhohen Springbrunnens sinken. Drei große Fenster führten zu einem großen Balkon, der eine Aussicht über die ganze Stadt eröffnete.

 

Als sie sich umdrehte, war Spike bereits im zweiten Raum angekommen. Ungläubig starrte er auf das große Bett, das in der Mitte des Raumes positioniert war und blickdicht mit Stoff verhangen war. Er schob die seidenen Vorhänge zur Seite und nickte anerkennend, als er die schwarzen Seidenüberzüge sah.

 

„Kneif mich.“ murmelte er und warf sich mit einem Schulterzucken auf die große Matratze. Ein seliges Lächeln umspielte seine Lippen und er verschränkte seine Arme unter seinem Kopf, gewillt nie wieder aufzustehen.

 

„Oh mein Gott, Spike! Komm sofort her!“ quiekte Buffy aus dem anderen Zimmer und vernichtete sofort sämtliche Pläne. Fluchend richtete er sich auf und trottete langsam zur Tür. „Wehe es ist nicht wichtig, Liebes.“ murmelte er und wurde sofort von einer grinsenden Buffy am Arm gepackt und durch eine weitere Tür gezerrt.

 

„Bloody Hell.“ keuchte er nach einigen Sekunden während er sich umschaute. Sie waren im Badezimmer. Es war beinahe so groß wie der erste Raum, die rechte Seite des Raumes war komplett verspiegelt und drei große Pflanzen standen in der Ecke. Zwei großzügige Waschbecken waren an der Seite der Türe angebracht und ein kleiner Durchgang führte in den zweiten Bereich des Zimmers.

 

„Da ist ein Whirlpool!“ flüsterte Buffy und fasste nach seiner Hand um ihn etwas weiter in den Raum hineinzuziehen.

 

„Ich mag deine Denkweise, Liebes.“ wackelte er nach einigen Augenblicken mit seiner linken Augenbraue und stellte sich hinter sie um sein Kinn auf ihren Kopf zu legen. „Diese Wächter werden mir sympathisch.“ murmelte er und drehte sie schließlich in seinen Armen um. „Lass uns erst morgen zum Rat gehen, ja?“

 

Buffy sah ihn für einige Sekunden aufmerksam an, bevor sie lächelte und ihren Mund nachdenklich verzog. „Na ja, es geht ja sowieso gleich die Sonne auf und dann kannst du ja nicht raus. Es wäre also völlig verantwortungslos heute noch weg zu gehen. Ich denke morgen ist die eindeutig klügere Entscheidung.“ nickte sie grinsend während sie seinen Mantel aufknöpfte.

 

Er lachte leise und griff ungeniert an ihre Jeans um sie aufzuknöpfen. Ohne zu zögern zog er sie zusammen mit ihrem Slip komplett nach unten und wartete dort, bis sie aus den Hosenbeinen gestiegen war. „Ich wusste schon immer, dass du ein kluges Mädchen bist.“ raunte er und fuhr mit beiden Händen an ihrem rechten Bein entlang. Ein kehliges Stöhnen entkam Buffys Lippen, als er an ihrer Mitte angekommen war und dort mit einem Raunen seine Zunge in sie schob.

 

-

 

Einige Stunden später war das Wasser im Whirlpool nur noch lauwarm. Zwei Champagnerflaschen standen an der Seite der Wanne und Buffy trank den letzten Schluck aus dem langen Glas in ihrer Hand. Ein Kichern durchdrang die Stimme, als Spike vor ihr aus dem Wasser auftauchte und sie mit einem kleinen Grinsen ansah. Er fasste hinter ihren Rücken, massierte dort für einige Momente ihre Seite und zog sie schließlich vorsichtig ein wenig zu sich, so dass sie von der Wand des Pools nach vorne rutschte. Seine Zunge wanderte über ihren Hals zu ihrem Schlüsselbein bis zu ihrer linken Brust, wo er schließlich verweilte und tief einatmend einige Küsse darauf verteilte.

 

 

„Miss Summers?“ hallte wieder eine Stimme durch den vorderen Raum. Das höfliche Klopfen war inzwischen zu einem lauten Hämmern geworden, das durch das komplette Apartment hallte.

 

„Ich werde ihn umbringen.“ fluchte Spike, als er aus dem Whirlpool sprang und nach einem der weißen Bademäntel griff. „Merk dir wo wir waren, Liebes.“

„Warte.“ Buffy stieg, um die Sicherheit des ungebetenen Gastes besorgt, ebenfalls aus dem Whirlpool und wickelte sich ein Handtuch um den Körper.

 

Schnell rannte sie in den Korridor und schlang ihre Arme um Spikes Rücken. „Also, wer wagt es uns aus dem Whirlpool- Oh, oh! Mr. Travers.“

„Guten Morgen, Miss Summers.“ lächelte Quentin freundlich und schaute etwas ungläubig zwischen dem nassen Vampir und der ziemlich verlegenen Jägerin hin und her. „William der Blutige?“

„Spike.“ verbesserte der Vampir genervt.

 

Quentin zog eine Augenbraue in die Höhe und legte den Kopf etwas schief. „Nun, was machen sie hier?“

 

„Ihren feinen Bürokratenarsch re-“ setzte Spike an, doch Buffy unterbrach ihn sofort, indem sie ihn eine Hand vor den Mund hielt.

„Er, er begleitet mich, Mr. Travers. Spike ist einer unserer stärksten Kämpfer.“

 

Quentin schwieg einige Sekunden, nickte aber dann schließlich und lächelte wieder. „Wundervoll. Bitte folgen sie uns. Wir sollten keine Zeit vergeuden.“

 

„Oh. Jetzt sofort? Okay.“ stotterte Buffy und machte einen Schritt in den Korridor.

 

„Nun, Miss Summers. Sie sollten sich schon etwas anziehen.“ lächelte Quentin ohne sich umzudrehen. „Wir warten im Auto vor dem Hotel.“

 

Verwirrt sah Buffy dem kleinen Mann hinterher, wurde aber im nächsten Moment von einer Hand ins Zimmer zurückgezogen. „Alles okay?“ lachte er selbstsicher und zog wieder den Mantel aus.

Sie sah ihn nicht an und ging stattdessen zum Kleiderschrank. „Zieh dir etwas an.“

 

„Komm schon Liebes, sei nicht so.“ lächelte er, ging ihr mit schnellen Schritten hinterher und legte seine Arme um ihre Hüfte. „Was wissen die schon.“

 

Buffy drehte sich um und strich flüchtig über seine Wange, bevor sie sich ihren Pullover überzog. „Das war verdammt peinlich. Und jetzt zieh dir was an, bevor sie Sonne aufgeht.“

 

-

 

„Da sind sie ja endlich, Miss Summers.“ seufzte Travers als die beiden aus dem Haupteingang heraus kamen. „Wir dachten schon sie hätten es sich anders überlegt.“ lächelte Travers freundlich und hielt die Tür der Limousine auf. Buffy und Spike setzten sich wortlos in den hinteren Teil des Wagens, wo sich drei andere Wächter befanden. Travers setzte sich ebenfalls und wandte sich zum Chauffeur „Fahren sie.“

 

Einige Minuten saßen alle still im Auto und schauten sich gegenseitig misstrauisch an, bis Spike widerwillig die Stille brach. „Also, wann kommt der Calvar an?“

„Nun, voraussichtlich morgen Nacht.“ lächelte Travers und legte ein Bein über das andere.

 

„Wieso hat er den Umweg über Italien gemacht?“ wollte Buffy nach einigen weiteren Minuten wissen.

 

Travers lächelte leicht, sein Blick wurde etwas nachdenklich. „Nun, im italienischen Ratsgebäude befand sich ein uraltes Relikt, das-“

-ihn unverwundbar, überdimensional stark und unsterblich macht.“ murmelte Buffy und ließ sich gegen die Sitzlehne fallen. „Es ist immer dasselbe.“

 

Travers verdrehte die Augen und schlug ein Buch auf, das er sogleich Buffy in die Hände drückte. „Nun, nicht ganz.“

Buffy beugte sich zu Spike hinüber und zeigte ihm das Bild eines kreisförmigen Amuletts, das mit einigen blauen Saphiren und silbernem Stuck geschmückt war. „Wunderschön.“ lächelte Buffy.

 

„Liebes, der Text.“ Spike lehnte sich zurück, seufzte einmal tief und holte aus seiner Manteltasche eine Zigarette, die er sich auch sofort anzündete. Buffy lächelte kurz verlegen zu Travers und begann dann den Text laut zu lesen.

 

„Das Auge von Yala. Dieses Amulett stammt aus dem Jahr 347 nach Christus und wurde von dem mächtigen Magier Harozan erschaffen. Jeder der den Träger berührt wird sofort zu Asche. Dem, der das Amulett trägt wird das ‚Wissen und die Macht Harozans’ übergeben. Harozan war zu seiner Zeit dafür bekannt, dass er über Leben und Tod entscheiden konnte und zudem die Gabe der Willensbeeinflussung besaß. Es kann nur Harozans Schwert zerstört werden.“

 

Mit einem tiefen Seufzen blickte Buffy auf und warf Travers einen abwertenden Blick zu. „Und so etwas lassen sie unbewacht zwischen lauter Bücherwürmern herumliegen?“

 

„Miss Summers, dort waren wohl einige ausgebildete Kämpfer, doch war der Calvar Dämon nicht alleine. Er hatte wohl noch einige Leasheks um sich. Denen sind sie ja kürzlich begegnet.“

 

„Also um es genau zu sagen, stehen wir zu zweit einem Calvar Dämonen mit der Macht eines tausend Jahre altem Magiers gegenüber, der uns zu seinen kleinen Sklaven machen kann, den wir nicht berühren dürfen und uns prinzipiell einfach mit einem Gedanken erledigen kann?“ fasste Spike ruhig zusammen und zog an seiner Zigarette.

 

„Ihre Auffassungsgabe begeistert mich.“ nickte Travers und stellte Spike einen Aschenbecher hin. „Nun, William. Ich nehme an ihre Wandlung beruht auf diesem Chip in ihrem Kopf?“ fragte er nach einigen Minuten.

 

Spike rollte die Augen und richtete sich etwas auf. „Der Chip ist schon lange-“

„Ja, genau.“ lachte Buffy nervös und nahm Spikes Hand etwas enthusiastischer als nötig. „Der Chip hat ihn zu einem neuen Mann gemacht.“

 

Travers blickte skeptisch zwischen den beiden hin und her. „Ist das so?“

 

Buffy lächelte Spike nickend zu und gab Spike einen Kuss auf die Wange.

„Dämonen verprügeln ist besser als gar nichts zu vermöbeln.“ sagte Spike nach einigen Sekunden mit einem kleinen Augenrollen und drückte die Zigarette schließlich aus.

 

 

Einige Minuten später hielt die Limousine vor einem großen Gebäude. Sie hatten die hektische Innenstadt hinter sich gelassen, das Gemäuer war von riesigen Grasflächen und kleinen Kieswegen umgeben. Vereinzelte Bäume reckten sich ihnen entgegen wie dürre Finger.

 

„Nun, da sind wir. Wir möchten ihnen einige Aufzeichnungen über den Calvar zeigen, sowie unsere Kämpfer, die unter ihr Kommando gestellt wird.“

 

„Können die auch Schwerter halten?“ murmelte Spike emotionslos und klatschte einmal aufgeregt in die Hände.

Travers lächelte einige Sekunden mitfühlend und sah den Vampir aufmerksam an. „Sarkasmus ist hier nicht erwünscht, William. Das sind die besten Krieger unseres Landes.“

 

Spike zog interessiert eine Augenbraue in die Höhe. „Falls sie sich erinnern, ich bin -“

Oh, aber natürlich.“ seufzte Travers. „Abgesehen von ihnen.“ verdrehte Travers die Augen kaum sehbar und nahm einige Zettel entgegen, die ihm einer der anderen Männer reichte.

„Nun gut. Gehen wir.“ verkündete er nach einigen Sekunden und lief mit schnellen Schritten auf den Haupteingang zu.

 

Buffy ließ ihre Schultern etwas sinken und trottete schließlich den Männern im Anzug hinterher. Der große steinerne Torbogen führte in eine große Eingangshalle, die von Säulen gestützt, hoch aufragte. Die Wände waren mit schwarzen Vorhängen versehen, die das nur schwache Licht der Kerzen – von denen die meisten hinter Schirmen aus dünn geschabtem schwarzem Leder aufgestellt waren - aufzusaugen schienen und so den Raum noch dunkler erschienen lassen. Die Kuppeldecke war mit einem riesigen Fresko versehen, eine Neuinterpretation des Puniner Totentanzes. Im Herzen des riesigen Raumes stand eine große, aus dunklem Obsidian geschlagene Statue - eine Menschengestalt mit Rabenkopf und ausgebreiteten Rabenschwingen, vor der einige Männer in dunklen Anzügen standen.

 

Als Travers sich mit einem wartenden Blick vor sie hinstellte, schnappte Buffy wieder aus ihrer Starre hinaus. Die gedrückte Tiefe des Raumes hinterließ eine Gänsehaut auf ihren Unterarmen und sie schluckte einige Male unbehaglich, während sie dem Wächter folgte.

 

Travers führte sie mit gemächlichen Schritten in die angrenzende Bibliothek, ein hoher Raum, dessen Wände bis unter die Decke von Regalen verdeckt wurden. Die Bibliothek unterteilte sich in fünf Räume, der erste war kreisrund, kein Zentimeter der Wand war ohne ein Buch. Im hinteren Teil standen zwei Lesepulte, und in der Mitte des Raums stand ein langer Schreibtisch.

 

„Nun Miss Summers, wir haben eine kleine Auswahl von Büchern über diesen Calvar Dämonen, aber nur sehr wenige Dateien über Harozan.“ fing Travers schließlich an zu erzählen, als sie in der Mitte des Raumes zum Stehen gekommen waren. „Nachdem sie sich umgesehen haben treffen sie sich mit Mrs. Carthy im Raum links von uns.“ Er deutete zu dem großen Durchgang neben dem Tisch. „Sie wird Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Details geben.“

 

„Okay.“ nickte Buffy schnell und fasste nach Spikes Hand. Sie seufzte etwas, als er sie nach einigen Sekunden leicht drückte und ihr einen kleinen Kuss auf den Kopf hauchte.

 

„Haben sie einen Trainingsraum?“ fragte sie, als der Wächter nichts mehr sagte und wippte auf einem Fuß hin und her.

 

„Ja, diesen Korridor entlang. Wir brauchen sowieso noch einen Moment um die letzten Bücher zusammenzusuchen.“ lächelte Quentin freundlich und öffnete eine Tür am anderen Ende des Raumes.

 

„Danke.“ nickte Buffy flüchtig und zog griff abermals nach Spikes Hand um ihn mitzuziehen. Am Ende des Flurs war eine große Tür bereits geöffnet und führte in eine große Halle. Riesige blaue Matten waren überall auf dem Boden ausgebreitet, auf der rechten Seite hingen fünf Boxsäcke, an denen jeweils zwei Männer standen. Als sie einige Schritte in die Halle gegangen waren konnte Buffy zwei Frauen ausmachen, die auf eine der beiden Matten fechteten und im hinteren Bereich standen drei Männer in dunklen Anzügen, die miteinander kämpften.

 

„Hi.“ rief Buffy nach einigen Minuten etwas unsicher in den Raum und hob eine Hand, um kurz zu winken. Spike grinste leicht und ging zu einer der großen Matte im Vorderbereich des Raumes. „Na Jägerin, Lust auf ein kleines Duell?“ Er schnappte sich zwei Holzstangen und schmiss eine zu Buffy, die sie reflexartig auffing.

 

„Die Jägerin?“ stoppten die beiden Frauen sofort in ihren Bewegungen und zogen sich die schwarzen Masken vom Gesicht.

 

„Das ist doch nicht die Jägerin.“ murmelte einer der Männer in den dunklen Trainingsanzügen, als er auf Buffy zulief. „Eher California-Barbie.“ Dem Lachen schlossen sich auch sofort die anderen zwei Männer an und stellten sich grinsend vor die zierliche blonde Frau.

 

„Das wird sicher interessant.“ Lachte einer der Männer leise und ging wieder zurück zu der anderen Matte, machte jedoch keine Anstalten wieder mit dem Training zu beginnen. Stattdessen stellten sie sich aufmerksam nebeneinander und beobachteten die Neuankömmlinge.

 

„Buffy, jetzt komm endlich.“ war Spike scheinbar wenig beeindruckt und wedelte ungeduldig mit einer der Holzstangen herum.

Buffy seufzte etwas, ging jedoch schließlich auf ihn zu und blieb erst drei Meter vor ihm stehen. „Du weißt selbst wie ungern du verlierst.“ legte sie ihren Kopf schief und umgriff die Holzstange mit beiden Händen.

 

„Was krieg' ich, wenn ich gewinne?“ biss sich Spike leicht auf die Unterlippe und sprang einige Male auf und ab.

 

„Was du willst.“ lachte Buffy leise und beugte sich etwas nach vorne. Dann sah sie aufmerksam auf und nickte. Er traf sie unerwartet. Zog die lange Holzstange einmal dicht über den Boden und riss ihre Füße zur Seite. Mit einem dumpfen Rumpeln landete sie auf der Matte und keuchte einmal laut. Das Lachen im Hintergrund ignorierte sie. Stattdessen schwang sie ihre Beine einmal über ihren Kopf und richtete sich so schnell auf, dass Spike es nicht kommen sah. Im nächsten Moment landete die Stange längs gegen seinen Bauch und er ging fluchend zu Boden. Seine Hände schossen zu ihrem Fuß, als sie noch einmal nachsetzen wollte und er wirbelte sie einmal so herum, dass sie vor ihm auf dem Bauch lag.

Doch als er sich auf sie werfen wollte, traf ihn die Stange quer gegen die Schulter und er stolperte zurück. Sämtliche Luft wich aus seinen Lungen und er knallte gegen den Boden. Als er aufsah war es bereits zu spät, sie hatte beide Hände gegen seine Schultern gedrückt und ihre Beine hatten sich so um seine eigenen gelegt, dass er sich nicht bewegen konnte. „Gottcha.“ lächelte sie siegreich und ließ ihre Hüfte provokant auf seiner niedersinken.

 

„Wie lahm.“ meinte einer der Männer kopfschüttelnd als er sich neben das Paar stellte. Mit einem fiesen Grinsen wandte er sich zu Buffy und beäugte den blonden Vampir mitleidig. „Ich glaube du brauchst mal einen richtigen Mann, Kleine.“ lachte er und streckte der Blonden seine Hand entgegen. Bevor Buffy reagieren konnte, fuhr eine weiße Hand nach oben und umgriff die Finger des Mannes. Ein gequälter Schrei hallte durch die Halle und Buffy starrte entgeistert zu Spike, als die Fingerknochen einmal laut knackten.

 

„Oh Gott, hör auf!“ schrie sie und legte ihre linke Hand auf den eisernen Griff. Spikes Blick war jedoch völlig finster und unnachgiebig auf den Mann vor sich gerichtet.

 

„Bitte...Ah!“ winselte der schwarzhaarige Mann und blickte den kalt lächelnden Vampir vor sich geschockt an.

„Mann genug für dich?“ flüsterte Spike, offensichtlich zufrieden mit sich und drückte noch etwas fester zu. Blut tropfte in schnellen Stößen auf den Kachelboden.

 

Buffy starrte panisch auf den blonden Mann herab und zog heftiger an seinen Fingern. „Spike, bitte!“ schrie sie und richtete sich schließlich auf. Im nächsten Moment rammte sie ihre rechte Faust gegen Spikes Schläfe und atmete hektisch ein und aus, als dieser schließlich die Hand los ließ.

 

Für einen Moment sah er verwirrt auf die blutige Hand vor sich, bevor er seinen Blick zu Buffy wandte und sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Dann richtete er sich auf und ging etwas rückwärts, sah noch einmal zu Buffy auf und rannte dann zum Ausgang. Buffy zuckte beim Knallen der Tür kurz zusammen, widmete sich allerdings schnell der blutenden Hand vor sich zu.

 

„Der verdammte Vampir ist gefährlich. So etwas wird hier nicht geduldet. Mr. Travers wird dafür sogen, dass er vernichtet wird.“ zischte der Mann, während er versuchte aufzustehen.

 

Buffy starrte den Mann an und drückte ihn wieder auf den Boden. Sie musste um jeden Preis verhindern, dass Travers davon erfuhr, dass Spike keinen Chip mehr hatte. „Sie werden Travers nichts sagen.“ raunte sie und hielt ihn mit ihrem Knie am Boden fest. „Sonst werde ich persönlich dafür sorgen, dass ihre Hände das nächste Mal nicht so glimpflich davon kommen.“ Der Mann nickte schließlich nach einigen Sekunden völliger Starre bedächtig und sah danach betreten auf die Matte zurück.

 

Dann ging sie ebenfalls aus dem Trainingsraum hinaus und sah sich in dem großen Korridor um. Doch er war nicht hier, der Gang war völlig leer. Seufzend ging sie zu einem der Aufzüge auf der linken Seite und fuhr in das nächste Stockwerk. Dort angekommen zuckte sie etwas zusammen, als Travers vor der Aufzugstüre stand.

 

„Oh Miss Summers, was machen sie denn hier oben?“ lachte er amüsiert und stellte sich neben sie in den Aufzug. Buffy sah ihn für einige Sekunden aufmerksam an und räusperte sich schließlich verlegen. „Ich schätze ich habe mich verlaufen.“ seufzte sie und sah auf den Boden. „Können sie mir sagen wo ich ein Telefon finde?“ fragte sie ruhig, als sie wieder im Erdgeschoss angekommen waren.

 

Verwundert sah Travers auf und beobachtete für einen Moment ihre Mimik bevor er aus dem Auszug in den Gang trat. „Natürlich. Einfach den Gang zurück in die Bibliothek und dort links. Die Telefone hängen in einem kleinen Seitenraum.“ nickte er und ging in die andere Richtung ohne auf eine Antwort zu warten.

 

„Danke.“ murmelte sie und sah ihm noch einen Moment nach. Zwei weitere Männer gesellten sich zu seiner Seite, beide mit mehreren Büchern in den Armen. Als die drei schließlich um die Ecke verschwanden entfuhr ihr ein zittriger Atemzug und sie legte ihren Kopf in den Nacken. Sie verschränkte die Arme vor der Brust als sie in die Bibliothek zurückging. Ein hektisches Treiben empfing sie in dem runden Raum, mehrere Wächter waren über einen länglichen Schreibtisch gebeugt und unterhielten sich laut. Sie konnte das gleiche Buch ausmachen, das sie zuvor in der Limousine angesehen hatte. Sie verharrte für einen Moment in der Türe, bevor sie in den kleinen Seitenraum zu ihrer linken abbog und eines der vielen schwarzen Telefone an der Wand in die Hand nahm. Geistesabwesend drückte sie die vertraute Nummer und zuckte etwas zusammen, als nach einem Klingeln direkt abgehoben wurde.

 

„Bei Summers?“ fragte eine höfliche, deutlich britische Stimme, die Buffy automatisch lächeln ließ.

 

„Hey Giles.“ sagte Buffy nach einigen Sekunden und ließ sich erschöpft gegen die Wand neben dem Telefon fallen.

 

„Buffy?“ Seine Stimme klang etwas verwundert und als sie nichts sagte, konnte sie praktisch hören wie er sich die Brille von der Nase zog und nach dem kleinen Tuch in seiner Jackentasche griff. „Nun, es ist schön dass du dich so früh meldest, auch wenn es nicht unbedingt mitten in der Nacht hätte sein müssen.“ sagte er schließlich und seine Stimme klang leicht besorgt.

 

„Oh, richtig.“ seufzte Buffy und strich sich über die Stirn. „Hatte ich vergessen, tut mir Leid ich wollte sie nicht-“

 

„Wie geht es dir? Ist alles in Ordnung?“ unterbrach er sie und sie konnte hören, wie er sich auf einen Sessel fallen ließ.

 

"Mir geht es gut. Ehrlich, mir geht es gut." sagte sie nach wenigen Sekunden und ließ ihren Kopf neben den Telefonapparat fallen. Sie schloss ihre Augen mit einem tiefen Atemzug und biss sich auf die Unterlippe. „Spike, er...“ sie hielt für einen Moment inne, überdachte ihre ursprünglichen Worte. „Nun, er ist eben Spike. Ich schätze ich wusste dass es für ihn nicht sehr leicht wird mit den Wächtern.“

 

„Was ist passiert, Buffy?“ Seine Stimme klang nun deutlich alarmiert und Buffy richtete sich auf. „Nichts, wirklich. Er hat ein wenig die Beherrschung verloren, aber ich hab alles im Griff.“ Sie wusste dass ihre Worte ihn wenig überzeugen würden und sie hörte wie er einige Male tief seufzte und dann schwieg. Sie sagten für einige Minuten nichts und als er schließlich sprach zuckte sie ein wenig zusammen.

 

„Ich kann dir von hier aus nicht helfen, Buffy.“ begann er. „Du kennst ihn besser als ich und...“ er unterbrach sich selbst für einen Moment und atmete einmal tief durch. „Ich denke er würde alles dafür tun damit du es leichter hast, also rede mit ihm.“ wieder schwieg er für einige Sekunden und Buffy verzog ihren Mund nachdenklich. „Auch wenn ihm alles andere egal ist, du bedeutest ihm etwas. Das sollte Grund genug sein sich zu benehmen bis eure Aufgabe erledigt ist.“

 

Sie lächelte etwas bei seinen seltsam freundlichen Worten über den Vampir und nickte schließlich, obwohl sie wusste dass er es nicht sehen konnte. „Danke Giles.“ unterstrich sie ihre Geste und schloss wieder ihre Augen. „Sagen sie den anderen, dass alles läuft wie geplant und ich mich wieder melde wenn alles erledigt ist.“

 

Nachdem Giles aufgelegt hatte lauschte sie dem dumpfen Geräusch des Wähltons noch für eine ganze Weile, bevor sie sich schließlich aufrichtete und in den runden Raum zurückging. Vage erinnerte sich noch an das Treffen mit der Wächterin und mit einem tiefen Seufzen schlappte sie in die andere Richtung, zum zweiten Raum des Bibliothekskomplexes.

 

 

 

 

 

Teil 7 – Erkenntnisse


Geistesabwesend ließ sie den Kugelschreiber zwischen ihrem Daumen und dem Zeigefinger hin und her wackeln, bevor sie dem neunten Smiley auf dem Blatt vor sich zwei spitze Eckzähne verpasste. „So hatten sie es endlich geschafft Harozan in das Amulett zu bannen und es tief im Pazifik zu versenken.“ Ein weiteres tiefes Seufzen entfloh Buffys Lippen und sie blickte flüchtig zu dem blonden Vampir gegenüber von ihr. Als er seinen Kopf zu ihr drehte widmete sie jedoch schnell wieder dem Blatt vor sich die volle Aufmerksamkeit. Sie verzog ihre Lippen etwas, als sie die Spitze des Stiftes wieder auf dem Blatt aufsetzte und dem lächelnden Mund des Vampir-Smileys eine kleine Blutspur zufügte. „Im Jahre 1682 wurde es schließlich vom französischen Rat der Wächter wiederentdeckt und seitdem zwischen den verschiedenen Sitzen verwahrt.“

 

Missmutig ließ sie ihre Unterlippe zwischen ihren Vorderzähnen hin und herwandern und stützte ihre Stirn auf ihrer rechten Hand auf. Sie malte dem Spikesmiley einen ungelenken Strichmännchen-Körper und verband seine linke Hand mit dem des weiblichen Smileys daneben. „Mr. Giles hat ihnen bereits berichtet wie das Amulett in die Hände das Calvar Dämonens gelangt ist.“ stellte die dünne Frau vor dem Tisch etwas lauter als zuvor fest und Buffy sah zum ersten Mal seit zwei Stunden zu ihr auf.

 

„Nun, ich finde es echt ganz toll, dass ihr Wächter die Lebensgeschichte dieses Magiers auswendig kennt, aber das hilft uns einen feuchten Dreck.“ sagte Spike, seine Stimme klang aufmerksam und ernst. „Wichtiger ist, wie wir ihn töten können ohne ihn zu berühren.“

 

„Das versuchen wir gerade herauszufinden.“ lächelte die Wächterin schüchtern, während sie die drei Bücher vor sich schloss. „Unsere Magier arbeiten an einem Zauber gegen die Willensbeeinflussung, es wird alles fertig sein, bevor der Dämon hier eintrifft.“ sagte sie weiter und nahm die schweren Bücher in die Hand.

 

„Mr. Travers erwartet Sie. Haben Sie sonst noch irgendwelche Fragen?“ wollte sie wissen und sah einige Male zwischen Buffy und Spike hin und her.

 

„Nein.“ konnte Buffy ein Gähnen nicht unterdrücken. „Alles verstanden.“ murmelte sie und malte drei kleine Herzchen über die beiden Smileys auf dem Blatt. Verwundert sah sie wieder auf, als Spike mit der Wächterin zusammen zur Tür lief und selbige für sie öffnete. Die Frau nickte dankbar, zog die Bücher noch etwas näher zu ihrem Körper um sie besser tragen zu können und verschwand schließlich.

 

 

Buffy senkte ihren Blick wieder, als Spike sich umdrehte und sie anstarrte. Sie konnte hören wie er knurrte und mit schnellen Schritten auf sie zulief. „Buffy.“ raunte er und ließ sich vor ihr auf die Knie fallen. „Ich hab die Beherrschung verloren.“ schnaufte er und duckte sich etwas, um sie ansehen zu können. Sie legte ihren Kopf schief und lugte schließlich durch ihre Wimpern zu ihm. Dann war seine Hand auf ihrer Wange und sie konnte sich ein wohliges Seufzen nicht verkneifen. „Er hat mich provoziert. Es tut mir Leid, Liebes, wirklich.“

 

„Provoziert? Du hast ihm die Finger zerquetscht.“ murmelte sie und wandte ihren Blick wieder ab. Mit einem Augenrollen knüllte sie das Blatt vor sich zusammen. Als er nichts sagte griff sie nach seiner linken Hand und küsste diese flüchtig, bevor sie sie wieder los ließ. „Und du hast es genossen.“ nickte sie und richtete sich auf. „So bist du eben, aber das wusste ich.“

 

„Schwachsinn.“ knurrte er und wollte eigentlich etwas erwidern doch sie unterbrach ihn, indem sie ihn einen federleichten Kuss auf die Lippen drückte.

 

„Komm schon, Travers wartet.“ sagte sie danach und zog ihn mit sich zusammen hoch. Sie sahen sich für einen Moment schweigend an, sein Blick wirkte erschöpft und ausgelaugt, doch sie sagte nichts. Stattdessen gingen sie gemeinsam aus der Türe hinaus, zurück in den ersten Raum der Bibliothek. Das hektische Treiben war vorüber. Die Wächter die zuvor um den Tisch herum gestanden hatten, waren verschwunden. An ihren Stellen saßen nun geschätzte dreißig Leute in legerer Kleidung, unter ihnen auch die drei Männer und zwei Frauen aus dem Trainingsraum. Buffy blickte zu Spike auf, der den dunkelhaarigen Mann mit kaltem Blick fixiert hatte. Travers stand vor dem länglichen Ende des Tisches, einige lose Zettel in seinen Händen. Als er die beiden im Torbogen stehen sah, lächelte er übertrieben freundlich und ging auf sie zu. „Meine Damen und Herren? Darf ich vorstellen – Buffy Summers und William der Blutige.“

 

„Spike.“ murmelte der Vampir als sie an dem grauhaarigen Mann vorbeiliefen und sich neben den Tisch stellten.

 

„Richtig. Spike. Sie werden euch im Kampf gegen Calvar anführen.“ sprach Travers wenig beeindruckt weiter und blickte zu den Leuten, die nun ihre Aufmerksamkeit auf die beiden Neuankömmlinge gerichtet hatten. „Es sind insgesamt fünfundzwanzig fähige Krieger und sechs Zauberer. Der irische Ratsanführer war so freundlich uns seine fähigste Magierin zu schicken.“ Er deutete auf eine blonde, kurzhaarige Frau die am Tischende gegenüber von ihm saß. „Ciara.“ Sie blickte nur flüchtig auf, nickte einmal und verschwand dann wieder zwischen einem Buch. „Natürlich wird die Armee um den Calvar uns zahlenmäßig überlegen sein, doch-“

 

 

„Wir müssen kurz was klären.“ unterbrach ihn Spike, griff nach Buffys Hand und zog sie kurzerhand mit zur Türe. „Entschuldigung.“ murmelte Buffy und stolperte dem Vampir ungelenk hinterher. Als sie im Gang stand griff er nach dem Türgriff und schmiss sie in die Halterung. Dann starrte er sie für eine ganze Weile an und begann schließlich vor ihr einige Male hin und her zu laufen.

Buffy lächelte kaum sehbar und legte ihren Kopf etwas amüsiert zur Seite. Er wirkte so aufgelöst... fast peinlich berührt... Sie liebte es.

 

„Hör zu, Buffy. Ich weiß dass es manchmal nicht leicht mit mir ist.“ seufzte er und strich sich angestrengt über die Stirn ohne sie anzusehen. „Speziell nach dieser Sache mit dem Chip.“ Er schüttelte den Kopf als wollte er den Gedanken schnellstmöglich wieder loswerden. „Aber du musst mir glauben dass ich mich anstrenge.“ Mit diesen Worten sah er schließlich auf und Buffy fühlte wie ihre Beine drohten unter seinem intensiven Blick nachzugeben. „Spike, ich...“

 

„Ich liebe dich. Das weißt du.“ Seine Stimme klang brüchig und sie konnte sich nur sehr vage vorstellen was er sich in den letzten drei Stunden eingeredet haben musste um plötzlich so sehr an ihr zu zweifeln. „Der verdammte Wichser hat es einfach nicht anders verdient und das ist auch schon alles.“ Er kniff seine Augenbrauen etwas zusammen und sah sie bittend an. „Du hast mich völlig verändert, ich will nicht mehr der Mann sein der ich vor drei Jahren war... Und nur weil ich-“

 

Buffy seufzte und ging zwei Schritte auf ihn zu, so dass sie direkt vor ihm stand. Kaum ein Zentimeter trennte sie von einander. „Spike, ich weiß.“ lächelte sie und strich ihm über die Wange. „Ich weiß das alles. Ich wusste es schon vor zwei Jahren, ich wusste es im Trainingsraum.“ Fasziniert beobachtete sie wie sich die Besorgnis in seinem Blick in pure Erleichterung verwandelte, obwohl er in seiner Position verharrte und sie einfach nur anstarrte. „Ich liebe dich. Ich liebe alles was dich ausmacht und glaub’ mir... Ich kenne dich, Spike.“

Seine Augen funkelten daraufhin verräterisch und er biss sich auf die Unterlippe. Sein Blick war voller Demut - Überwältigt von ihrer Akzeptanz - Überwältigt von den Gefühlen, die sie nicht mehr zu rechtfertigen versuchte – Überwältigt von der Liebe, die so offensichtlich in ihrem Gesicht Ausdruck fand.

 

Dann blinzelte er und etwas Anderes überschattete sein Gesicht. „Hey!“ schnaubte er und sah sie missbilligend an. „Du hast mich die ganze Zeit nur aufgezogen.“ stellte er fest und lehnte sich etwas zurück, ohne jedoch von ihr wegzugehen. Buffy biss sich auf die Lippe um das Grinsen zu verbergen, das sich auf ihren Mund drängen wollte. „Als du weg warst hab ich ihm gedroht ihm noch ganz andere Dinge zu zerquetschen wenn er etwas erzählt.“ zuckte sie mit den Schultern.

Als sie wieder zu ihm aufsah waren seine Augen etwas trüb und sie versuchte für einen Moment zu verstehen was in ihm vorging, doch im nächsten Augenblick presste er sich an sie, stolperte mit ihr zurück gegen die Holzwand und rammte seine Zunge in ihren Mund. Seine Hände fuhren forsch über ihre Seiten und verharrten schließlich auf ihre Hüfte. Er drückte seine Mitte mit einem Raunen gegen ihren Körper und zwang sie noch weiter gegen die Wand. Wie automatisch verfingen sich Buffys Finger in seinen blonden Locken und kraulten dort seinen Nacken. Leise wimmerte sie gegen seine Lippen, als er sich für einige wenige Sekunden aus ihrem Mund zurück zog um ihr Zeit zum atmen zu geben. „Gott, ich liebe dich.“ keuchte er gegen ihre Lippen, seine rechte Hand wanderte über ihren Körper, von ihrer Hüfte zu ihrem Hals und wieder nach unten zu ihrem Oberschenkel.

 

Daraufhin öffnete sie ihre Augen schwerfällig und sah ihn mit einem schmalen Lächeln an. Seine Stirn war auf ihrer eigenen gebettet und er hatte seinen Blick gesenkt. Er machte es ihr so leicht ihn zu lieben... und er wusste es nicht einmal.

 

Wenn sie ihn ansah fühlte sie nichts mehr als das absolute Vertrauen und die Hingabe zu ihm. Wenn sie ihn ansah wollte sie nichts weiter als für immer mit ihm zusammen zu sein. Sie wollte mit ihm in das British Museum gehen und ihn alles haarklein erklären lassen, nur um seine Stimme zu hören. Sie wollte mit ihm Angeln gehen und später allen erzählen, dass der Fisch, den er gefangen hatte, mindestens zwei Meter lang war, damit sie dieses schüchterne Lächeln zu sehen bekam, das er ihr sonst nie zeigte. Sie wollte ihn zum Minigolf schleppen und heimlich den Ball ins Loch schupsen, wenn er danebenschoss... denn sie war sich sicher, dass er sie dann mit diesem typisch-arrogantem Blick ansahen würde, den sie vor nicht allzu langer Zeit so sehr gehasst hatte. Herrgott, wenn sie ihn ansah wollte sie reiten lernen und gemeinsam mit ihm auf einem schneeweißen Pferd durch die Puszta Ungarns galoppieren. Sie wollte ins Kino gehen und sich bei den grusligen Stellen in seine Arme werfen. Sie wollte mit ihm zum Essen gehen, eine riesige Blutwurst bestellen und ihm dann mit der Serviette das Blut aus den Mundwinkeln wischen. Wenn sie ihn ansah, wollte sie einfach alles.

Und als er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich und sie voller Demut auf die Stirn, dann auf die Wange und schließlich wieder auf den Mund küsste, wusste sie dass sie das jetzt alles haben konnten.

 

„Ich störe wirklich ungern, aber können wir bitte weitermachen?“ riss sie eine deutlich genervte Stimme aus ihrem eigenen persönlichen Jane-Austen-Roman. Travers stand zwei Meter neben ihnen im Türrahmen und holte eine kleine silberne Taschenuhr aus seiner Jackettasche. „Wir haben nicht mehr viel Zeit.“ mahnte er und verschwand wieder im Raum.

 

Buffy warf dem blonden Mann vor ihr einen wissenden Blick zu, strich ihm für einige Sekunden sanft über die Wange und löste sich schließlich aus seinem Griff. „Erst die Arbeit...“ setzte sie mit erhobenem Zeigefinger an, wurde jedoch jäh unterbrochen, als Spike sie leise lachend auf den Hintern schlug. „Dein Vergnügen wird daraus bestehen mich für diesen ganzen Mist hier zwei Wochen zu entschädigen, Liebes.“ Sie sah darauf hin kurz skeptisch über die Schulter und seufzte tief, bevor sie in den Raum zurück lief.

 

„Wunderbar.“ kommentierte Travers das Eintreten der beiden ohne aufzublicken. „Weiter im Text. Die Magier werden unter Ciaras Leitung versuchen Harozans Fähigkeiten zurück in das Amulett zu bannen.“

„Versuchen?“ Buffy stellte sich neben den Ratsvorsitzenden, die Hände in die Hüfte gestemmt. „Wir werden alle ziemlich tot sein wenn sie es nicht schaffen oder?“

 

Travers lächelte milde, offensichtlich wenig davon erfreut andauernd unterbrochen zu werden. „Miss Summers. Ciara ist eine der fähigsten Hexen unserer Zeit - Wir werden den Calvar vom Zaubern abhalten und sie erledigen den Rest.“ Er blickte für einen Moment zu Spike auf und seufzte schließlich lautstark. „Wir haben sie hier her bringen lassen, damit sie den Calvar vernichten, um diese Leashek-Söldner werden sich unsere eigenen Kämpfer kümmern.“

 

„Was passiert mit dem Amulett?“ fragte Buffy mit ausdrucksloser Miene.

„Natürlich werden wir es wieder verwahren.“ runzelte Travers seine Stirn und drehte sich ein wenig in Buffys Richtung.

 

Hinter ihr lachte Spike leise und legte eine Hand auf Buffys Schulter. „Damit wir in einem Jahr wieder hier antanzen dürfen?“ fragte er, offensichtlich amüsiert. „Ich dachte sie wollten es mit diesem Schwert zerstören.“

 

„Wir sollten nicht überstürzt handeln.“ schüttelte Travers den Kopf, ging einige Schritte um den Tisch herum und gab der blonden Magierin einige Zettel in die Hand. „Zunächst einmal ist das Amulett ein Artefakt von unschätzbarem Wert, geschweige denn der Macht die davon ausgeht.“ Er blieb neben der zierlichen Frau stehen und deutete auf eine Stelle auf dem weißen Blatt. Dann sah er wieder auf und lächelte kaum sehbar.

 

„Was sie verstehen müssen ist dass Calvar Dämonen von Natur aus Magier sind. Selbst wenn wir also die besonderen Kräfte Harozans bannen werden, wird der Calvar seine eigenen Fähigkeiten nutzen können.“ erklärte Travers mit ernster Miene. „Um ihn zu töten müssen Sie seinen Kopf abtrennen und Sie dürfen ihn dabei nach wie vor nicht anfassen – Kein Treten, kein Schlagen. Das würde sowohl für Menschen als auch für einen Vampir zu einem äußerst qualvollen Tod führen.“

 

Spike zog eine Augenbraue in die Höhe und lehnte sich etwas zur Seite. „Qualvoll?“

 

 

„Wir nehmen an, dass der Calvar Giftdrüsen besitzt, die sein Gift bei der kleinsten Berührung auf den Körper des Angreifers übertragen. Wir haben allerdings auch nur vage Gerüchte über jemanden gehört der erst zwei Tage nach der Vergiftung unter schrecklichen Schmerzen gestorben ist.“

 

„Ich erinnere mich.“ schnaubte Spike geistesabwesend und blickte zu den verdunkelten Fenstern.

Verwirrt drehte sich Buffy um und starrte ihn an. „Was meinst du?“

Doch Spike schüttelte nur lächelnd seinen Kopf und zog sie etwas zu sich. „Alte Geschichte, nicht wichtig.“ Als Buffy sich wieder herumdrehte senkte sich sein Blick und er starrte gebannt auf den Boden. Seine Stirn legte sich nachdenklich in Falten und er biss sich auf die Unterlippe.

 

„Mrs. Carthy?“ drehte sich Travers nach einigen Minuten herum und winkte eine kleine Wächterin heran. „Zeigen Sie unseren Gästen doch bitte ihr Zimmer im oberen Stockwerk.“ Daraufhin drehte er sich wieder zurück und  musterte die beiden aufmerksam. „Ich nehme an sie wollen sich einen Raum teilen. Wir werden Wachposten aufstellen, die Armee wird wohl gegen Mitternacht hier eintreffen, also ruhen Sie sich etwas aus.“ sagte er und beobachtete zufrieden wie Buffy und Spike der Wächterin ohne ein weiteres Kommentar folgten.

 

-

 

Spike ließ das lange Zweihandschwert ungeduldig vor seinem Körper hin und her schwingen. Die Klinge durchschnitt die neblige Nachtluft und erfüllte die Stille mit leisen Tönen. Seufzend starrte Buffy auf die dünne Uhr um ihr Armgelenk und sah wieder auf die weite Wiese vor sich. Es war inzwischen dreiundzwanzig Uhr und die restlichen Krieger hatten sich hinter ihnen versammelt. Die blonde Magierin hatte sich mit einigen anderen Frauen auf der rechten Seite des Ratsgebäudes positioniert. Unzählige Wachposten patrouillierten mit großen Holzfackeln die langen Seiten des Anwesens entlang.

 

Ein Schauer durchfuhr Buffys Körper und sie zog die dünne Stoffjacke noch etwas enger um ihren Körper. Der Nebel hatte sich in den letzten Minuten sichtbar verdichtet, die ersten Bäume des nahen Waldes waren völlig von dem grauen Schleier verdeckt.

 

Kurz zuckte sie zusammen, als Spike seine linke Hand um ihre Hüfte legte und sah auf. Er lächelte etwas und küsste sie auf die Stirn. „Ich würde dich ja gerne wärmen Liebes, aber...“ Er wurde durch ein lautes Knurren unterbrochen das in der Stille verhallte. Leise Schritte ersetzten das Geräusch. Nackte Füße zwischen Grashalmen. Dann flog eine lange, brennende Holzstange neben Buffy in das große Fenster der Eingangshalle. Das Glas zersplitterte mit einem lauten Klirren und im nächsten Moment kamen alle Wachposten von den Seiten angerannt.

 

„Überpünktlich.“ murmelte Spike und löste sich etwas von Buffy, die immer noch zu dem eingeschlagenen Fenster starrte.

„Siehst du etwas?“ fragte sie schließlich und blickte wieder zurück zum Wald. Durch den Nebel konnte man noch immer nichts erkennen, die grauen Wolken verdeckten die Sicht völlig.

 

Für einige Sekunden sagte der Vampir nichts, bis sich seine Augen weiteten und er einen Schritt nach vorne ging. „Bloody Hell, das sind... viele.“ Er kniff seine Augen zusammen, das lange Schwert umfasste er sicher mit beiden Händen. „Hundert, mindestens.“ sagte er schließlich und griff blind nach Buffy.

 

Mit ernstem Blick nahm sie seine Hand in ihre eigene und hauchte einen Kuss auf seine weißen Finger. „Wenn wir Calvar töten, werden sie fliehen.“ Ihr Mund verharrte auf seiner Hand und sie atmete tief durch.

Spike lächelte zu ihr und legte den Kopf schief. „Dann mal los.“

 

Mit diesen Worten ließ sie seine Hand los und beide blickten nach vorne. Silhouetten begannen sich gegen den Nebel abzuzeichnen. Große, kräftige Gestalten mit grünlicher Haut liefen mit langsamen Schritten auf das Gebäude zu.

 

„Sie haben Helme auf.“ schnaubte Buffy, während sie langsam auf die vielen Dämonen zulief. Mit ernstem Blick drehte sie sich zu den Männern hinter sich um. „Schlagt ihnen die Helme vom Kopf und zerstört die Rubine.“ erinnerte sie die Krieger und als diese nickten, lief sie weiter. Als sie nur noch Meter von den ersten Dämonen entfernt waren, knurrte Spike und rannte auf die Leasheks zu. Buffy blieb zurück und beobachtete wie die Krieger dem Vampir folgten und die ersten grünschuppigen Kreaturen mit gezielten Schlägen niederstreckten. Mit zugekniffenen Augen stellte sie sich auf die Zehenspitzen und überblickte die Wiese. Ciara hatte sich mit den anderen Magierinnen vor dem Ratsgebäude positioniert. Drei der Frauen waren damit beschäftigt vereinzelte Dämonen, die sich von der Masse entfernten und direkt auf das Gebäude zusteuerten auszuschalten. Die kurzhaarige, blonde Frau jedoch schwebte einige Meter über dem Boden und beide Hände waren nach vorne ausgestreckt, ihr Blick auf einen Punkt im Nebel fixiert.

Buffy ging einige Schritte nach vorne und folgte der Blickrichtung der Zauberin, bis sie schließlich zwei leuchtend rote Augen durch den dichten Nebel erkennen konnte. „Spike! Dort!“ schrie sie und duckte sich im nächsten Moment, als sich einer der Leasheks auf sie zubewegte.

 

„Wir müssen uns durchkämpfen.“ raunte Spike angestrengt, während er einem weiteren Leashek den Helm vom Kopf schlug und ihn zielsicher tötete. Buffy hörte wie hinter Ciara immer lauter in ihren Singsang verfiel.

 

 

Sie hatte das Gefühl allein in den letzten paar Minuten hunderte Dämonen getötet zu haben, doch die riesige Grünfläche schien sich nicht zu leeren. Schwer atmend drückte sie sich an Spikes Rücken und umfasste ihre Axt krampfhaft, als der nächste Leashek auf sie zukam. Der harte Schlag von der Seite traf sie unerwartet und schickte sie geradewegs auf den Boden. Als sie aufsah konnte sie einen zweiten Dämonen sehen, der ihre Waffe in die Hände nahm und sich über sie beugte. Ihre Augen weiteten sich und sie rollte sich zur Seite, als die Axt im nächsten Moment auf sie hinabsauste.

 

Als sie auf dem Rücken lag, riss sie ihre Beine in die Höhe und dem zweiten Angreifer gegen die Beine. Der Leashek taumelte ein wenig nach hinten, konnte sich jedoch aufrecht halten und lief wieder auf sie zu. Doch als er bei ihr angekommen war, sprang Buffy auf ihre Beine und griff an Spikes Gürtel. Sie umfasste den Dolch rücklings, sprang in die Luft und trat den Helm vom Kopf des Leasheks. Als der zweite Dämon ebenfalls bei ihr angelangt war, duckte sie sich instinktiv um dem ersten Schlag auszuweichen. Sie stemmte sich gegen den schuppigen Bauch ab und drehte sich in der Luft um den Griff des Dolchs gegen den roten Rubin zu rammen. Dann drehte sie sich einmal um und lief einige Schritte zurück um mehr Platz zwischen sich und dem zweiten Leashek zu schaffen.

Kurz zog sie ihre Augenbrauen verwirrt zusammen, als sie Spike nicht mehr sehen konnte und reckte sich ein wenig um das Feld zu überblicken. Nachdem sie sich wieder der Kreatur vor sich widmen wollte, war diese jedoch von einem der Ratskrieger in einen Kampf verwickelt worden.

 

Schwer atmend blickte sie sich wieder um, konnte ihn aber nicht entdecken. So schrie sie kraftlos seinen Namen, griff nach ihrer Axt und rannte dann so schnell sie konnte durch die Lücke, die sich allmählich zwischen den Reihen gebildet hatte.

 

„Jägerin.“ Die Stimme war kalt, völlig emotionslos und als Buffy sich einmal um die eigene Achse drehte starrte sie in zwei hell leuchtende, rote Augen. Instinktiv ging sie einige Schritte zurück und hielt ihre Waffe quer vor die Brust, beide Hände fest um den Griff gelegt. „Lernen wir uns endlich kennen.“ sprach Calvar weiter, die schwarze Kapuze tief ins Gesicht gezogen. „Schade nur, dass uns die Zeit fehlt ein wenig zu plaudern.“ Mit diesen Worten streckte er seine Hände in ihre Richtung und verharrte einige Sekunden in dieser Position, bevor sich vor seinen Handinnenflächen zwei orangene Kugeln bildeten.

Buffys Augen weiteten sich und sie ließ ihre Axt sinken während sie sich herumdrehte und rannte. Doch wenige Meter weiter erschien vor ihren Füßen aus dem Nichts eine Feuerwand. Sofort machte sie einen Satz zur Seite und versuchte durch die letzte Lücke zu rennen, doch als bevor sie dort ankam, war auch die letzte Stelle im Kreis mit Feuer durchzogen.

 

„So wie es aussieht sind wir nun unter uns.“ ertönte die eiskalte Stimme wieder und als Buffy sich zu ihm herumdrehen wollte, flog ein riesiger Ball aus Feuer auf sie zu. Sie konnte sich im letzten Moment zur Seite rollen und schaffte es nach einigen Wiederholungen schließlich dem Dämon die Axt an den Bauch zu rammen. Dieser schien sich allerdings nicht sonderlich daran zu stören und Buffy wurde durch einen unsichtbaren Schlag von ihm gestoßen.

 

Sie versuchte sich aufzurichten, wurde aber durch einen Stich in ihrer Brust daran gehindert. Unsicher sah sie an sich herunter und starrte ungläubig auf den Blutfleck, der sich allmählich in den Stoff ihres T-Shirts saugte und immer größer wurde. Mit viel Mühe richtete sie sich auf und packte die Axt mit beiden Händen.

 

„Du bist kein Gegner für mich.“ flüsterte Calvar, als er sich vor sie stellte. Ihre Hände zitterten um den metallenen Griff ihrer Waffe und sie spürte wie ihre Beine langsam nachgaben. „Du hast nicht die geringste Chance. Du bist schwach.“ wiederholte er und die roten Augen glühten für einen flüchtigen Moment weiß auf. Buffy schloss ihre Augen und ließ sich schließlich auf den Rücken fallen, beide Hände auf ihren Bauch gelegt. In diesem Moment erlosch das Feuer um sie herum und das Geräusch von aufeinander prallenden Waffen drang wieder an ihre Ohren. Sie konnte ihre Augen nur einen Spalt öffnen, die Schwärze drohte sie zu übermannen, doch als sie ihren Kopf zur Seite drehte konnte sie sehen, wie Spike auf sie zu gerannt kam. Mit angespannter Miene kniete er sich neben sie und zog ihr T-Shirt kurz nach oben um die Wunde ansehen zu können. Dann wandte er den Blick ab und fixierte den Dämon.

 

„So sieht man sich wieder, Spike.“ zischte der Calvar und seine Augen begannen rot zu funkeln.

 

„Wie geht’s der Familie, Calvar?“ lachte der blonde Vampir leise und schwang das große Zweihandschwert unbeeindruckt vor sich hin und her. „Letztes Mal als ich die werte Ehefrau gesehen habe wirkte sie etwas... verstört“

 

Kaum hatte Spike die Worte ausgesprochen rasten drei weitere Feuerbälle auf sie zu und er konnte Buffy im letzten Moment aus der Schusslinie zerren. Lachend rappelte er sich wieder auf und blickte den Dämonen amüsiert in die Augen. „Schätze mal das hat sich nicht sehr verändert, nicht?“

 

„Du elender Bastard.“ spuckte Calvar voller Verachtung, sein Brustkorb hob und senkte sich so schnell, als hätte er Probleme zu atmen. „Heute ist der Tag meiner Rache und du wirst leiden.“ Seine Augen blitzten rot auf und er streckte seine Hände wieder angespannt nach vorne. Die Feuerbälle bildeten sich so schnell, dass sie keine Zeit hatten zu reagieren und als Spike Buffy aufraffte und mit ihr zur Seite sprang, krachte der einer der magischen Feuerbälle in den Boden unter ihnen.

Buffys Augen weiteten sich und sie konnte einen lauten, spitzen Schrei nicht zurückhalten, als die glühende Hitze sich über ihrem Bauch verteilte und sie auf die Erde zurück fiel. Ihre Hände legte sie instinktiv auf ihren Pullover. Der Stoff war verbrannt, an einigen Stellen völlig zerrissen und sie ließ ihren Kopf stöhnend in den Nacken fallen. Als sie aufsah, begegnete sie sofort Spikes Blick der angespannt über ihren Körper wandert. „Er hat dich nur gestriffen, das wird wieder.“ versicherte er, mehr zu sich selbst als zu ihr.

 

„Spike, woher kennst du...“ wollte sie nach dem Calvar fragen, doch er schüttelte nur den Kopf, den Blick bereits wieder abgewandt.

 

„Später. Bleib liegen.“ Flüchtig drückte er ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor er ihr die Axt aus der Hand nahm. Der Calvar hatte das Geschehen neugierig betrachtete und musterte die Jägerin kalt lächelnd. „Ich kann nicht glauben, dass du wirklich nicht mehr mit Drusilla zusammen bist.“ lachte er düster. „Dabei hatte ich so großes mit euch beiden vor.“ Er machte eine Pause und legte den Kopf schief. Seine Arme waren vor dem langen schwarzen Mantel verschränkt, die Kapuze noch immer so tief in das Gesicht gezogen, das man nichts von ihm sehen konnte. „Man hört ja so Einiges von dir. Tötetest deine eigene Art, bekämpfst das Böse, folgst der Jägerin wie ein Hund. Ich konnte es nicht glauben als ich es hörte, aber als ich dich dann in Sunnydale so sah... wirklich amüsant.“

 

Spike schüttelte lachend seinen Kopf, die Hände tief in den Manteltaschen vergaben. Er ging einige Schritte auf den Dämonen zu, langsam, lauernd. „Du bist so erbärmlich.“ schnaubte er. „Der ganze Aufwand. Hunderte von diesen Nur-Muskeln-Kein-Gehirn-Dämonen. Dann dieses Amulett...“ Er deutete mit der rechten Hand auf den kleinen, unscheinbaren Anhänger mit dem großen, blauen Saphir. „Nur meinetwegen?“ Wieder konnte er ein Lachen nicht unterdrücken und er legte den Kopf etwas schief. „Ohne Scheiß man, ist das dein Ernst?“ wollte er wissen und zog die Augenbrauen verwundert in die Höhe als Calvar laut zu lachen begann.

 

„Oh William.“ presste er zwischen abgehakten Atemzügen heraus. „Denken war noch nie deine Stärke oder? Denkst du ernsthaft dieser ganze Aufwand ist deinetwegen?“ wollte er wissen, die Stimme wieder ernst als er weiter sprach. „Zugegeben – Als ich hörte dass du hier her kommen würdest, war das eine nette Gelegenheit mit einigen alten Rachegelüsten ins Reine zu kommen.“ Er machte eine ausgedehnte Pause und im Schatten des Kapuze bildete sich bei diesem Gedanken ein kleines Lächeln auf den Lippen des Dämons. „Aber nein, ich bin nicht deinetwegen hier. Es gibt um einiges wichtigere Dinge auf dieser Welt als William der Blutige.“ Er neigte seinen Kopf etwas zur Seite und er streckte seine Arme leicht nach vorne. „Was mich nicht davon abhalten wird dich winselnd vor mir kriechen zu sehen.“

 

Die Augen des Dämons blitzten wieder feuerrot auf und bevor Spike reagieren konnte flog ein leuchtender Blitz auf ihn zu. Als er auf seiner Brust landete, spürte er nichts, kein Schmerz, nicht einmal ein Brennen. Verwirrt starrte er erst zum Calvar und dann auf seinen Körper. „Was zur...“ Doch in der nächsten Sekunde zuckte ein stechender Schmerz durch seinen Rücken und kurz darauf begann sein kompletter Körper innerlich zu brennen. Mit einem gequälten Schrei wurde er auf seine Knie gezwungen und seine Augen starrten geweitet auf das fechte Gras unter sich. Sein Körper war völlig unverzehrt, kein Zeichen auf den Schmerz in ihm war zu erkennen. Tränen bildeten sich ohne sein zutun und er fiel vornüber in die aufgequellte Erde. Er konnte Buffy sehen, die ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrte und langsam auf ihn zurobbte.

 

„Du kannst dir nicht einmal vorstellen wie viel Macht ich dank diesem kleinen Schmuckstücks über dich habe.“ lächelte der Calvar als er neben Spike angekommen war. Seine Finger flogen in der Luft über Spikes Körper hin und her, als würde er die Impulse persönlich hin und her wandern lassen. Der Mund des Vampirs war einen Spalt geöffnet und seine Gesichtszüge wie erstarrt. Dann wandte er seinen Blick desinteressiert ab, überflog für einige Sekunden das Kampfgeschehen um sich herum, bevor er sich schließlich zu der blonden Frau neben sich umdrehte.

Er ging mit großen Schritten auf sie zu und sah lächelnd auf sie hinab. Langsam beugte er sich über sie und sein Gesicht blieb nur wenige Zentimeter von Buffys entfernt. „Du bist wirklich ein hübsches Mädchen, Jägerin.“ Seine Stimme klang beinahe liebevoll, als er einen langen, silbernen Dolch hervor zog. „Ich kann verstehen wieso er sich in dich verliebt hat.“ flüsterte er. „Und ich werde ihn umso besser verstehen, wenn er dich verloren hat.“

Buffy blickte mit großen Augen auf den Dolch, der bedrohlich näher auf ihren Hals zukam und wollte ihn weg schlagen, doch sie war wie gelähmt. Sie blickte flehend in die großen roten Augen über sich, doch diese sahen sie nur voller Verachtung an. „Für Cathrin.“ zischte er und setzte zum Stich an.

 

Als die Schneide des Dolchs nur noch eine Haaresbreite von ihrem Hals entfernt war, umfassten zwei weiße Hände den Hals des Calvars und rissen ihn zur Seite. Für einen Moment schloss sie ihre Augen und ließ die Erleichterung sie überwältigen. Sie spürte wie sich Tränen den Weg über ihre Wangen bahnten. Sie blieb liegen und lauschte den Geräuschen um sich. Die Kampflaute waren weniger geworden, nur noch vereinzelt prallten Waffen aufeinander. Als sie ihre Augen öffnete, starrte sie in einen sternenklaren Himmel, der Nebel hatte sich völlig gelichtet. Die kalte Nachtluft erfüllte ihre Lungen und sie seufzte tief bevor sie sich aufrichtete. Ihre linke Hand wanderte automatisch über ihren Bauch, erfühlte die verbrannte Haut unter ihrem Pullover und sie zischte etwas als ihr Körper bei der schnellen Bewegung beinahe nachgab.

 

Sie schaute sich um und bemerkte die vielen toten Körper, die neben ihr lagen. Die meisten Leichen waren Überreste der Leasheks. Doch sie erkannte auch einige der Kämpfer wieder die sie erst am Vortag kennen gelernt hatte. Sogar der Mann mit der gebrochenen Hand hatte die Nacht nicht überlebt. Schließlich fand sie Spike neben sich liegen. Seine Hände waren noch immer in einem eisigen Griff um den Hals des Calvars gelegt. Er hielt den Dolch noch immer fest in seinen Händen. Sie blinzelte, als sie auf die beiden Körper zu kroch. Keiner bewegte sich, beide lagen mit dem Bauch auf der nassen Erde, als wären sie bewusstlos. Ihr Blick war starr auf Spikes Händen verankert... Auf der Art wie seine Muskeln noch immer angespannt waren. Seine Finger zitterten leicht vor Anstrengung, doch er machte keine Anstalten ihn loszulassen.

Wieder blinzelte sie und ihr Mund öffnete sich mit einem lauten Keuchen... Und als sie nur noch eine Fußlänge von ihm entfernt war verstand sie.

 

-

 

Einzelne Tropfen fielen stumm auf die durchweichte Erde. Die Wenigen die, die Nacht überlebt hatten krochen stöhnend zurück zu der Veranda des Ratsgebäudes oder suchten Schutz unter den dichten Bäumen des nahe liegenden Waldes.

Buffy nahm weit entfernt eine Stimme wahr, die schon einige Minuten verzweifelt schrie. Vielleicht war es Travers, der wollte dass sie ebenfalls wieder zurück ins Gebäude kam. Vielleicht war es jemand, der verletzt war und nach Hilfe schrie - Wahrscheinlich war es sie selbst, die immer noch einsam in der Dunkelheit über seinen regungslosen Körper gebeugt saß und weinend seinen Namen flüsterte.

 

Es waren bereits viele, endlos scheinende Minuten vergangen. Der Calvar war dank Spikes unbarmherzigen Griff noch immer bewusstlos. Ihre Augen waren starr auf seine blassen Hände fixiert. Sie konnte nicht weg sehen, vermochte es einfach nicht ihren Blick abzuwenden. Drei dünne, silberne Spitzen ragten durch seinen Handrücken. Sie konnte feine schwarze Härchen daran erkennen, die in seine blasse Haut stachen und wahrscheinlich das Gift absonderten... Vage erinnerte sie sich an Travers Worte als er davon gesprochen hatte, dass sie ihn nicht nur wegen dem Amulett nicht anfassen durften. Die Erinnerung daran war hallte immer und immer wieder durch ihre Gedanken, während sie auf seine Hände hinab sah. Sie wusste nicht, ob es besser wäre ihn wegzuziehen, wusste nicht einmal ob es möglich war. „Spike.“ flüsterte sie wieder und strich ihm geistesabwesend durch die Haare. Sein Gesicht war zur Seite gelehnt. Ausdruckslos, als wäre er in einem traumlosen Schlaf versunken.

 

Sie zog die Nachtluft mit einem tiefen Atemzug in ihre Lungen, dann begann sie heftig an den Händen des Vampirs zu ziehen. Sie konnte sie hin und her bewegen, doch die Spitzen blieben an derselben Stelle, es war unmöglich sie durch Anheben zu befreien. Die silbernen Stacheln hatten sich durch die dünnen Haare grob in Spikes Haut verankert und hielten Spikes Hände an Ort und Stelle.

 

Wimmernd blickte sie sich nach Hilfe um, doch sie sah niemanden, der noch auf seinen Beinen stand. Langsam richtete sie sich auf und starrte panisch auf den Vampir hinab. „Spike, bitte halt durch. Für mich. Bitte.“ flüsterte sie und drückte ihn einen kaum merklichen Kuss auf die blonden Haare. Einen Moment blieb sie noch stehen und hoffte inständig, dass er seine Augen aufschlagen würde. Doch nichts passierte und so drehte Buffy sich schnell um.

 

„Travers!“ schrie sie in die Richtung des Ratsgebäudes und begann loszurennen, was bei ihren Verletzungen und der schlammigen Masse des Bodens leichter gesagt als getan war. Teilweise kroch sie über die Kadaver der Dämonen oder versuchte so gut wie es ihr möglich war über sie zu springen. Plötzlich riss es sie herunter und das letzte dass sie sah, bevor sie mit ihrem Kopf gegen einen riesigen Stein prallte und für einige Sekunden regungslos liegen blieb, war die Hand die sich fest um ihr Bein schlang. Beinahe wurde sie von einer gnädigen Schwärze hinfort getragen, doch wehrte sich gegen die Vorstellung jetzt von einem der  übrig gebliebenen Dämonen getötet zu werden.

 

Außerdem gab es da jemanden, der auf sie zählte. Stöhnend blickte sie dem Leashek vor sich in die schwarzen, funkelnden Augen. Schnell richtete sich die Jägerin auf und stellte sich kalt lächelnd vor den Dämonen, der nur noch über einen Arm verfügte. Er wollte Buffy am Hals packen, doch diese trat ihm heftig in den Unterleib und stieß ihm, noch bevor er auf den nassen Boden fallen konnte, die Sichel einer Faszie in den Kopf.

 

Sie schöpfte neuen Mut und rannte erneut auf das Gebäude zu. Schließlich war sie an dem hohen, hölzernen Zaun angekommen, den sie sofort begann einzutreten und, nachdem er endlich nachgegeben hatte, in den Hauptraum kroch.

 

„Er hat ihn angefasst!“ keuchte sie als sie vor dem Wächter stand, der ein Champagnerglas in der Hand hielt und sie verwundert ansah.

„Sie, sie müssen ein Gegengift finden, bitte.“ schnaubte sie und krallte sich an den Travers Kragen. Buffy blickte nervös durch den Raum und sah in die fröhlichen Gesichter der Frauen und Herren, die tatsächlich schon dabei waren sich zu beglückwünschen, was sie heute Abend doch vollbracht hatten.

 

„Miss Summers, wir sind ihnen sehr dankbar für ihren Einsatz, doch handelt es sich schließlich lediglich um einen dahergelaufenen-“ setzte Quentin an, doch wurde er in der nächsten Sekunde durch die dunkelrote Kirschholzverkleidung in den Nebenraum geschleudert. Buffy funkelte die Wächter, die verständnislos auf die demolierte Wand sahen, wütend an und ballte die Fäuste. „Finden. Sie. Sofort. Ein. Gegengift!“ Da sich immer noch Keiner rührte krallte sie sich den geschockten Travers erneut, um ihn vor die Füße der anderen Wächter zu werfen und ihm ihre Faszie an die Kehle zu drücken. „Wenn Sie nicht sofort aufhören mich so anzustarren und stattdessen nach einem Gegengift für ihn suchen, dann – bei Gott - schwöre ich Ihnen, dass ich die Arbeit des Calvars zu Ende bringe und sämtliche Ratsgebäude auf der Welt persönlich abfackeln werde.“

 

Der Wächter sah sie nur geschockt und zugleich resignierend an. Er nickte schnell und Buffy zog sofort ihre Waffe weg. „Beeilen sie sich.“ fügte sie ruhiger hinzu und blickte unruhig in die Dunkelheit hinaus. Die Wächter hatten sich auf Befehl Travers sofort einige Bücher geschnappt und nun saßen alle unruhig blätternd um den Tisch.

 

„Haben sie irgendwo eine Axt?“ fragte Buffy nach einigen Minuten leise zu Travers. Dieser nickte und deutete Richtung Trainingsraum. „In der rechten Ecke steht die Waffentruhe.“ Er lächelte nervös und wandte den Blick schnell wieder auf sein Buch.

Nachdem Buffy sich erneut mit Waffen ausgerüstet hatte rannte sie wieder aus dem Raum. „Wenn ich zurückkomme, haben sie besser eine Lösung, Travers.“ rief sie noch, bevor sie wieder unter dem Zaun hindurch kroch und über die Wiese hechtete.

 

 

Ihr Herz drohte zu zerreißen, als sie einige Minuten später in die rot glühenden Augen des Calvars blickte. Spike lag mit offenen Augen in seinen Armen, machte allerdings keine Versuche sich zu wehren. Sie wollte los schreien und auf den Calvar losgehen, doch stattdessen fiel sie auf die aufgeweichte Erde und hörte sich leise flüstern. „Was ist mit ihm?“

 

Auf dem blutigen Gesicht des Calvars machte sich ein merklich entspanntes Lächeln breit. „Nun...“ begann er offensichtlich sehr zufrieden mit dieser Frage. „Momentan ist William lediglich gelähmt. In einigen Minuten jedoch werden schier unerträgliche Krämpfe durch seinen Körper zucken. Dann wird sein Blut so kochendheiß werden, so dass er sich wahrscheinlich selbst pfählen möchte... nur dass ich es ihm nicht so leicht machen werde.“ Sein Blick richtete sich verträumt auf den Vampir in seinen Armen. „Da mein Plan für das Schwert des guten Harozans deinetwegen gescheitert ist -“ Er deutete unterstreichend auf die vielen Leashek Leichen um sich herum. „-denke ich es ist nur fair, wenn ich mich stattdessen ein wenig mit einem guten, alten Freund amüsieren darf.“ Belustigt beobachtete er wie Buffys Gesicht weiß wie Kreide wurde und sie sich nach vorne sinken ließ. „In zwei Tagen wird der Tod für ihn die reinste Erlösung sein. Doch bis dahin denke ich, werde ich ihn für mich behalten.“

 

Buffy spürte wie heiße Tränen ihre Wange umspielten und ihre Finger krallten sich immer tiefer in die Erde. Sie wollte aufstehen, kämpfen, ihn aus seinen Armen reißen und davon laufen. Sie wollte, doch sie konnte nicht. Etwas hielt sie an ihren Platz, machte es ihr unmöglich etwas anderes zu tun als zu Weinen und am Boden zu kauern. „Bitte...“ hörte sie sich stattdessen sagen. Leise, beinahe flüsternd. „Egal was er dir angetan hat, er ist nicht mehr dieser Mann.“

 

Calvar überdachte ihre Worte einen Moment, sah zu Spike hinunter und lachte dann leise. „Hat er dir das erzählt?“ wollte er wissen, seine Stimme plötzlich kalt und verachtend. „Ich denke wenn du wüsstest - wirklich wüsstest wie der Aureliusclan damals auf Kosten anderer seinen Spaß hatte, würdest du anders über ihn denken.“ Er stoppte kurz und sein Mund verzog sich zu einer grimmigen Linie. „Zugegeben war William zu dieser Zeit noch jung, unerfahren und neugierig. Aber genau das hat ihn zu dem Gefährlichsten der Vier gemacht. Er wollte so unbedingt, dass Drusilla ihn als Etwas sieht, das sie mehr lieben würde als ihren geliebten Sire.“ Er lachte wieder leise bei der Erinnerung und seine Augen blitzten kaum merklich auf. Ein feuerroter Schimmer, der so schnell verging wie er aufgetaucht war. „Angelus hatte ihn in seinen ersten Monaten gut erzogen, ihm viel beigebracht.“ Er atmete hörbar aus und legte den Kopf schief. „Und William schien es wohl eine gute Idee zu sein, diese Techniken an meiner Frau auszuprobieren.“

 

Nach einigen Sekunden zuckte er schließlich mit den Schultern. „Aber wir haben ja eine Menge Zeit gemeinsam, um diese alten Geschichten aus dem Weg zu räumen, nicht wahr?“ kicherte der Dämon leise und beobachtete amüsiert, wie Spikes Kopf hin und her zuckte. Dann riss der Vampir mit einem tonlosen Schrei die Augen auf und starrte verwirrt in die rot funkelnden Augen des Calvars.

 

„Spike!“ schrie Buffy und spannte die Muskeln in ihren Armen voller Anstrengung an. Sie warf sich gegen die Barriere um ihre Glieder, die sie am Boden gefangen hielt, doch nichts geschah. Ihr Körper gehorchte ihr nicht und alles was sie tun konnte, war zusehen wie Spikes Körper in den Armen des Dämons durch schockartige Krämpfe umher geworfen wurde.

 

Die roten Augen richteten sich wieder auf Buffy und ein Lächeln lag auf seinen Lippen. „Tut mir wirklich leid, süße Jägerin.“ sagte er und für einen Moment war Buffy wirklich so, als würde er es so meinen. „Aber hättest du erlebt, was ich erlebt habe - Und hättest verloren, was ich verloren habe - würdest du dasselbe tun.“

 

In dem Moment, als er seinen Satz beendet hatte, verblasste seine Silhouette allmählich und noch in derselben Sekunde erlosch die Kraft, die sie bewegungslos gehalten hatte. Mit einem Sprung war Buffy auf ihren Füßen und rannte auf die Kontur des Calvars zu. Sie trat sich in dem nassen Grund ab und schmiss sich in auf den Dämon, der allmählich im Nichts verschwand. Doch bevor sie ihn erreichen konnte war er verschwunden, die Stelle an die er gestanden hatte leer. Mit einem dumpfen Geräusch landete sie in der aufgewühlten Erde und sie ließ ihren Kopf mit einem schrillen Aufschrei auf den Untergrund sinken.

 

 

 

 

 

Teil 8 – Verluste

 

Weit entfernt rief jemand ihren Namen. Sie hob schützend die Hände vor ihre Augen, als plötzlich ein grelles Licht durch den dichten Nebel des Waldes schien. Wie in Trance nahm sie einen Mann war, der sich über sie beugte und begann sie erst vorsichtig, dann fester zu schütteln. Irgendwann fuhr ein leichter Schmerz durch ihre Wange. Er hatte sie wohl geschlagen. Was kümmerte es noch.

 

Er schien als wäre es eine kleine Ewigkeit, seit sie sich auf dem feuchten Boden herumgedreht hatte und mit ausdruckslosen Augen in den klaren, dunkeln Himmel blickte. Wieder vernahm sie einen stechenden Schmerz, diesmal im Bauch. Der Mann über ihr holte anscheinend eine weitere Person hinzu, die sich über ihren Kopf beugte. Sie sprach zu ihr, doch die Worte drangen nicht zu Buffys Verstand.

 

 

„Was ist los mit ihr?“ fragte Travers ungeduldig zu der Frau die zaghaft Buffys Wange tätschelte. „Ich, ich weiß nicht, Sir. Sie reagiert nicht.“

Der Wächter seufzte laut und verdrehte die Augen. „Machen sie weiter.“ Mit diesen Worten wandte er sich von der Jägerin ab und holte stattdessen ein kleines Telefon aus seiner Jacketttasche. Er ging einige Schritte weiter in den Wald hinein, stieg über eine bullige Leashekleiche und deutete einem anderen Wächter an, ihm nicht zu folgen. Dann lauschte er dem Wählton und strich sich müde über die Stirn, als endlich das Freizeichen kam. „Bei Summers?“

 

Travers lächelte etwas, wohl wissend dass sein Gesprächspartner die Geste nicht sehen konnte. „Guten...“ Er blickte auf seine Uhr und hob eine Augenbraue an. „...Abend nehme ich an, Rupert. Quentin hier.“

 

„Quentin?“ fragte der Brite am anderen Ende der Leitung und seine Stimme klang deutlich alarmiert. Der Wächter hörte wie andere Stimmen im Hintergrund ertönten, ignorierte es aber. „Rupert, wir haben ein Problem.“

Eine Stille legte sich über die Leitung. Als Giles wieder sprach war seine Stimme seltsam abgeklärt und reserviert. „Was ist mit Buffy?“

 

„Nun, Rupert. Die Armee ist beseitigt. Den Körper des Calvars konnten wir noch nicht ausfindig machen, aber ich bin mir sicher, das ist nur eine Frage der Zeit. Ihre Jägerin hat wirklich außerordentlich gute Arbeit geleistet.“ Er machte eine kurze Pause und überdachte seine Worte. Im Hintergrund hörte er eine Frauenstimme, die mit dem Wächter sprach. „Leider scheint sie nicht ganz bei sich zu sein. Sie ist offensichtlich nicht verletzt, doch sie weigert sich aufzustehen oder überhaupt zu reagieren.“

 

Für einige Sekunden kehrte wieder Stille ein, bis sich Giles räusperte und tief einatmete. „Ist Spike am Leben?“ Travers vernahm das Zittern in der Stimme des Wächters und fragte sich verwundert, seit wann sein Kollege sich solche Sorgen um einen Vampir machte. „Oh, richtig. Ihre Jägerin hatte erwähnt, dass er wohl in Berührung mit dem Calvar gekommen sein musste.“ Nachdem Travers keine erkennenden, betroffenen oder vielleicht sogar erleichternden Worte gehört hatte, sprach er weiter. „Nun Rupert, Sie sollten Calvare kennen. Eine einzige Berührung führt normalerweise nach einigen Minuten zum Tod, doch mit Harozans Macht könnte die Wirkung durchaus anders sein, wir wissen momentan allerdings auch nichts Genaues. Ihre Jägerin veranstaltete ein wahres Fiasko, um uns dazu zu bewegen ein Gegengift zu beschaffen, doch wie es...“ Quentin stoppte seinen Redeschwall, als er einen Schrei an der anderen Seite der Leitung vernahm.

 

Einige Sekunden später meldete sich eine Frauenstimme. „Wir rufen sie sofort zurück. Bringen sie Buffy am besten in ein Bett.“ stotterte sie in den Hörer und bevor Travers erwidern konnte hatte sie bereits aufgelegt.

 

Ein tiefes Seufzen trat über die Lippen des Mannes und er ließ das Telefon zurück in seine Jackentasche wandern. „Amerikaner.“ Er verdrehte die Augen und wandte sich zu den zwei Männern, die neben ihm standen. „Bringen Sie sie in ihr Schlafzimmer.“ Dann richtete er sich etwas auf und drehte sich um. „Die Anderen suchen weiter. Das Amulett hat absolute Priorität.“

 

-

 

„Dawn, so beruhig dich doch.“ Giles war über dem verstörten Mädchen gebeugt, das vor einigen Sekunden überraschend im Türrahmen gestanden hatte. Inzwischen saß sie zusammengekauert in der Ecke neben dem Kühlschrank und starrte zu Willow, die nur betreten auf den Boden blickte. „Er kann nicht tot sein.“ wimmerte Dawn und blickte Giles aus glasigen Augen an.

 

„Bitte, sagen Sie, dass er nicht tot ist.“ Tränen rannen ihre Wangen entlang auf den Boden. Giles stand auf, nahm seine Brille ab und suchte verzweifelt nach der Staubschicht, die er doch jetzt eigentlich abwischen sollte. Etwas hilflos sah er zu Willow, der ebenfalls schon einige Tränen in den Augenwinkeln standen. Eine traurige Stille, nur unterbrochen durch Dawns Schluchzen, breitete sich in der Küche aus. Nach einigen Minuten griff sich Giles den Telefonapparat und lief ins Wohnzimmer, während sich Willow mit einem Kopfschütteln an die Spüle stellte und Wasser in das Becken laufen ließ. Nur das stetige Ticken der großen Wanduhr erfüllte die Stille und es dauerte einige Minuten, bis Dawn sich schließlich aufrichtete.

 

„Geht’s wieder?“ fragte sie leise und setzte sich, die Hände abwischend, neben ihre Freundin.

„Ich kann das einfach nicht glauben.“ schnaufte Dawn laut und biss sich auf die Unterlippe. „Er kann nicht tot sein Willow. Sie haben sich doch gerade erst wieder gefunden. Das ist einfach nicht fair.“

 

Die Rothaarige lächelte schief und nickte schließlich. „Ich weiß Dawn, aber du kennst Buffy. Sie ist stark, sie schafft das.“ Willow atmete tief ein zog Dawn etwas zu sich. Das Mädchen legte ihren Kopf auf ihre Schultern und schloss ihre Augen mit einem Seufzen. „Sie haben doch keine Leiche gefunden, oder?“ murmelte sie nach einigen Minuten und blickte wieder auf. „Wenn er nur vergiftet wurde, ist es nicht zu spät.“

 

„Ich weiß es nicht, Dawnie. Gut möglich.“ Nachdenklich blickte sie zu dem hohen Esstisch vor sich und ließ ihren Kopf in den Nacken fallen. „Lass uns einfach warten was Giles in Erfahrung bringt.“ lächelte die Hexe und nahm Dawns Hand in ihre, um sie aufmunternd zu drücken.

 

-

 

Spike wälzte sich schreiend auf dem Boden, eiserne Ketten hielten ihn an seinem Platz. Tränen rannen ungehindert seine Wangen herunter und er hoffte inständig in den nächsten Sekunden einfach zu Staub zu zerfallen. Brennende Schmerzen pochten durch jeden Teil seines Körpers, verbrannten ihn von innen heraus und richteten doch keinen körperlichen Schaden an. Der Calvar stand direkt vor ihm, schweigend, beobachtend.

 

„Dieser Anblick war es zweifelsohne Wert das Schwert zu verlieren.“ gluckste er und setzte sich auf eine Trage gegenüber des Vampirs. „Ich will sehen, wie du um Vergebung bettelst, William.“ schnaubte der Dämon und beobachte Spike, wie sich auf dem Boden hin und her rollte so genau, als ob er sich an jede einzelne Bewegung für den Rest seines dämonischen Lebens erinnern wollte.

 

„Nicht in deinem Leben.“ Spike blickte dem Dämonen für einige Sekunden standhaft in die Augen und kämpfte einige lange Sekunden mit seinem eigenen Gesicht, bis er schließlich ein leichtes Grinsen zu Stande brachte.

 

„Kein Problem.“ Ein Schmerz, wie tausend Messerstiche durchfuhr den Vampir plötzlich und Spike würgte stark um nicht sämtliches Blut, das er noch im Körper hatte auf den Boden zu spucken. Ein markerschütternder Schrei hallte durch die steinernen Gänge der Höhle, als der Calvar Spike plötzlich einen Pflock mitten in den Magen stach.

 

-

 

„Spike!“ Buffy saß kerzengrade in ihrem Bett und blickte panisch durch den dunklen, kleinen Raum. Dann starrte sie auf die andere Seite des Bettes. Ihre Augen weiteten sich und sie umklammerte ihren eigenen Oberkörper, als müsste sie sich daran hindern auseinander zu fallen. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und sie kniff die Augen zusammen um in dem grellen Licht etwas zu erkennen.

 

„Oh, Miss Summers, gut dass Sie endlich wach sind. Mr. Travers wünscht sie sofort zu sprechen.“ Eine dürre Frau stand vor ihr und deutete ungeduldig auf ihre Armbanduhr. Buffy beobachtete sie einen Moment verständnislos an, ahnungslos darüber was diese Person von ihr wollte, bis sie schließlich ihren Blick abwandte und wieder auf das Bett herabsah. „Kommen Sie schon, Mr. Travers muss Sie nochmals über den Kampf befragen. Wir konnten die Leiche des Calvars noch nicht ausfindig machen.“ Buffys Augen weiteten sich und sie spürte wie sich Tränen auf ihren Wimpern sammelten. Sie war in England. Sie hatten gekämpft. Leashek. Calvar. Spike. Ein Zucken durchfuhr ihren Körper und als sie ihre Lippen öffneten erfüllte ein lautes Keuchen die Stille des Raumes. Spike.

 

Erinnerungen stürzten auf Buffy herein und sie drückte stöhnend mit beiden Händen gegen ihren Kopf. Die Wächterin sah verwundert auf die verzweifelte Frau vor sich, die plötzlich leise zu wimmern begann. Dann schrie Buffy und warf sich zurück auf das Bett, die Decke tief über ihren Kopf gezogen. Sämtliche Wächter im Gang stürzten plötzlich in den Raum und starrten auf das große Bett in der Mitte des Zimmers.

 

„Holen Sie sofort Mr. Travers.“ murmelte die dünne, braunhaarige Wächterin und zog sich unruhig die Brille von der Nase. Der große Mann neben ihr nickte betreten und drehte sich herum, bevor er wieder den Raum verließ. Einige Minuten vergingen, die Stille wurde nur durch Buffys verzweifeltes Wimmern erfüllt, bis schließlich ein kleiner grauhaariger Mann durch den Türrahmen schritt.

 

„Gut dass Sie wieder wach sind, wir müssen Ihnen dringend einige Fragen stellen.“ sagte Travers langsam und deutlich, während er sich auf die Bettkante setzte und mitleidig auf die blonde Frau herab sah. Aus roten, verweinten Augen blickte sie den kalt lächelnden Mann vor sich unverständlich an und richtete sich etwas auf. Einige Sekunden starrte sie ihn einfach nur an, bevor sie ihren Mund öffnete und etwas näher zu ihm rutschte. „Verschwinden Sie.“

 

„Nein.“ zischte Travers und stand auf. „Sie werden uns jetzt genau berichten was mit Calvar passiert ist.“ Daraufhin ging er einige Schritte zurück und drehte sich zur Tür um. „Meine Herren?“

 

Zwei große Männer in schwarzen Anzügen traten in den Raum und blickten für einen Moment zu Travers, bevor sie auf das Bett zugingen. Sie sahen kurz auf die Frau hinab, bevor sie sich herunterbeugten und jeder einen ihrer Oberarme packte. Für einen Moment war Buffy zu geschockt um etwas zu machen, doch als die beiden Männer sie bis zur Türe geschliffen hatte stemmte sie sich gegen die Bewegung. Sie schlug die Hände von ihren Armen und drehte sich mit wütendem Blick um. Die Augen der beiden Männer weiteten sich, als sie sich duckte und ihnen mit zwei gezielten Tritten den Boden unter den Füßen wegzog. Dann zog sie beide, jeweils mit einer Hand wieder in die Höhe und drehte sich mit ihnen zusammen um. Ihre Faust landete in ihren Gesichtern und im nächsten Augenblick fanden sich beide auf dem Flur wieder.

 

„Raus.“ schnaubte sie schwer atmend, ohne sich zu Travers umzudrehen. Dieser hob beschwichtigend die Hände und ging rückwärts, die Jägerin keine Sekunde aus den Augen lassend aus der Tür und zog die verdutzte Mrs. Carthy mit.

Einige Minuten stand Buffy, immer noch in Angriffsposition, in der Mitte des Raumes, bis ihr einige stumme Tränen aus den Augenwinkeln liefen und sich langsam ihren Weg über ihre Wange bahnten. Sie warf sich erneut auf das Bett und verkrampfte ihre Hände im Bettlaken.

 

 

„Ich halte das für ganz und gar nicht notwendig.“ murmelte Travers im oberen Stockwerk und klemmte sich das Telefon zwischen die Schulter und das Ohr, während er ein Blatt Papier in die Hand nahm. „Nein, so hören sie mir doch zu... Sie sind schon am Flughafen? Mr. Giles, wir werden ihre Jägerin schon wieder auf die Beine bekommen, das ist...“ Er seufzte tief, als er erneut unterbrochen wurde und nickte schließlich leicht. „Nun gut, ja, machen wir.“ Wütend knallte er den Hörer auf die Gabel und blickte unbeherrscht zu der eingeschüchterten Wächterin neben sich. „Haben sie das verdammte Amulett endlich gefunden?“

 

Mrs. Carthy starrte betreten auf ihre Schuhe und schüttelte den Kopf. „Nein. Sir, wir konnten den Dämon noch... noch nicht ausfindig m-“

„Dann verschwenden Sie nicht meine Zeit.“ Travers blickte die nervöse Frau vor sich emotionslos an und zeigte ihr mit einer deutlichen Handbewegung, dass sie endlich verschwinden sollte. Der Wächter ließ sich stöhnend in den Sessel fallen und starrte aus dem Fenster. „Wenn wir dieses Amulett nicht bald kriegen, werde ich wahnsinnig.“ murmelte er leise und nahm ein Buch von dem Tisch neben ihm. Er blätterte einige Seiten um und starrte auf Seite, die er vor zwei Tagen Buffy gezeigt hatte.

 

Lächelnd blätterte er eine Seite weiter und legte den Kopf schief. „Sollte jemand in den Besitz des Amuletts und des Schwertes kommen, so wird dieser das unendliche Wissen erhalten und zudem ewig jung bleiben.“ zitierte er leise und schlug ein Bein über das andere. „So nah.“ flüsterte er und starrte für einige Sekunden auf die Zeichnung des kleinen Schmuckstücks, bevor er das Buch in beide Hände nahm und es gegen die Wand zu seiner linken warf.

 

-

 

Sie presste sich leise wimmernd gegen die kalte Wand. Ihre Arme lagen zitternd um beide Knie, die sie fest gegen ihren Körper hielt. Sie wusste nicht wie lange sie nun schon so da lag, seit die Wächter gegangen waren. Das laute Ticken der Wanduhr war laut zu hören, doch sie konnte die Zeit nicht mehr greifen... Sie wusste nicht ob Minuten oder Tage vergangen waren. Zitternd wischte sie sich über die Augenwinkel, um die Tränen zu stoppen, die sich wieder gebildet hatten. Mit einem schweren Atemzug setzte sie sich stöhnend auf dem Bett auf. Ihr Blick schweifte ängstlich durch das dunkle, viel zu große Zimmer in dem sie sich in diesem Moment so schrecklich verloren vorkam. Wankend versuchte sie sich an der Wand entlang zu der Tür zu tasten. Irgendwann fühlte sie die kalte Türklinke in ihrer Hand und zog langsam die Tür auf. Durch das grelle Licht geblendet, tastete sie sich instinktiv weiter an der Wand durch den ruhigen Gang.

 

„Miss Summers?“ erklang eine etwas schrille, verwunderte Frauenstimme und im nächsten Moment konnte Buffy verschwommen sehen wie Mrs. Carthy auf sie zugelaufen kam. Als die Wächterin ihr ihre Hand hinstreckte schüttelte sie jedoch den Kopf und umkreiste die Frau vor sich, während sie weiter lief.

 

„Miss Summers, ich bitte Sie.“ Ihre Stimme klang nun sehr unsicher und flehend. „Mr. Travers besteht darauf, dass ich auf Sie einrede bis Sie mir folgen.“

Ohne sich umzudrehen schüttelte Buffy angewidert den Kopf und schlang ihre Arme um ihren eigenen Oberkörper. „Ihr Wächter seid kalt, befolgt nur Befehle, alles andere ist euch egal.“ sagte sie sehr leise und legte den Kopf etwas schief, als die dünne Wächterin sich vor sie stellte und sie intensiv anstarrte. „Miss Summers.“ setzte sie an und stoppte für einen Moment, als sie sah wie Buffy eine Hand zu einer Faust ballte. „Buffy.“ setzte sie nach einigen Sekunden unruhig fort und legte eine Hand auf die Schulter der blonden Frau. „Wenn Sie ihn retten wollen, werden Sie unsere Hilfe brauchen... und Mr. Travers besteht darauf die Details zu erfahren.“

 

„Details?“ lachte Buffy leise, lockerte ihre Hand jedoch wieder und sah die Frau vor sich unverblümt an. „Sie haben absolut keine Ahnung was dort auf diesem Feld geschehen ist.“ zischte sie wütend und starrte die dürre Frau vor sich bannend an. „Ihr versteckt Euch hinter euren Büchern und behauptet zu wissen was vor sich geht, doch ihr seid absolut ahnungslos.“ Sie lachte angewidert und schüttelte wieder den Kopf. „Wir sind hier her gekommen um Ihnen zu helfen und Sie haben einfach zugesehen wie er ihn mitgenommen hat. Sie haben Champagner getrunken, während dort draußen noch immer Menschen gestorben sind.“ Zitternd hielt sie sich den Handrücken vor dem Mund und starrte die Person vor sich ungläubig an. „Und jetzt wagen Sie es sich vor mich zu stellen und mir zu sagen was ich zu tun habe.“

 

„Sie sehen das Gesamtbild nicht Miss Summers.“ ertönte eine tiefe Männerstimme hinter Buffy und sie musste sich nicht herumdrehen um zu wissen wer es war. „Es ging nie um das Leben von zwanzig guten Kriegern und im Gegensatz zu Ihnen wussten diese Männer das. Sie haben ihr Leben dafür gegeben, damit wir dieses Amulett wieder sicherstellen können und der einzige Grund weshalb ihr Tod bisher völlig sinnlos war, sind Sie.“

 

Buffy blinzelte und streckte ihren Rücken durch. „Was?“ Langsam drehte sie sich herum und starrte den kleinen grauhaarigen Mann vor sich ungläubig an.

 

„Es ist mir völlig gleichgültig ob sie weiterhin an ihren kindlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit festhalten Miss Summers.“ Seine Stimme klang frei von jeglichen Emotionen und er begegnete ihrem intensiven Blick ohne zurückzuscheuen. „Es ist von absoluter Wichtigkeit, dass wir dieses Amulett finden und ich schlage vor sie erzählen uns einfach was genau mit Calvar passiert ist.“

 

Sie starrte ihn an und für den Bruchteil einer Sekunde war ihr so, als wäre er nervös. Doch so schnell wie der Eindruck gekommen war verflog er wieder und Travers korrigierte seine Mimik. Buffy atmete lautstark aus und lockerte ihre Arme, die sie zuvor vor der Brust verschränkt hatte. „Wieso ist Ihnen das so wichtig?“ wollte sie schließlich wissen und runzelte ihre Stirn dabei.

 

Daraufhin brach die Gleichgültigkeit in Travers Gesicht und er starrte die blonde Frau vor sich verwirrt an. „Wir wollen natürlich sicherstellen, dass die Gefahr für den Rat der Wächter vorbei ist.“

 

„Wissen Sie...“ setzte Buffy an und überdachte ihre Worte einige Sekunden bevor sie weiter sprach. „Selbst wenn ich Ihnen helfen wollen würde – und ich bin mir gerade nicht sicher ob ich das möchte – weiß ich nicht was mit dem Amulett passiert ist.“

 

„Sie wissen es nicht?“ Die Verwirrung in Travers Gesichtsausdruck hatte nun auch seine Stimme erreicht und er musterte die Frau vor sich genau. „Was meinen Sie mit ‚Sie wissen es nicht’?“

 

Buffy seufzte tief und balancierte ihr Gewicht unruhig von einem Fuß auf den anderen. „Ich habe keine Ahnung was passiert ist.“ schnaubte sie und strich sich mit beiden Händen über die Schläfen. „Er hatte ihn in seinen Armen...“ begann sie und senkte ihren Blick. „Er hat sich nicht bewegt... und Calvar hat diese Dinge gesagt.“ erinnerte sie sich und die Worte des Dämons hallten in ungewohnter Deutlichkeit durch ihren Kopf. „Ich denke er hat mich mit dieser Fähigkeit aus dem Amulett am Boden festgehalten.“ Sie unterbrach sich für einen Moment und schüttelte den Kopf bei dem Gedanken. „Als ich mich wieder bewegen konnte, war er verschwunden.“

Der Mann vor ihr sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen verwundert an und sein Mund öffnete sich einige Male, doch er sagte nichts.

 

„Er ist im Nichts verschwunden. Das ist alles was ich weiß.“ fasste sie nochmals zusammen und schließlich räusperte sich der Wächter leise und wandte sich zu der braunhaarigen Frau neben Buffy. „Nun gut.“ setzte er an und winkte sie heran. Dann sah er wieder zu Buffy und lächelte ein wenig. „Nun gut, ich werde Ciara einen Ortungszauber durchführen lassen. Lassen Sie mich wissen, falls Ihnen noch etwas einfällt.“ Daraufhin drehte er sich um und Mrs. Carthy folgte ihm nach einigen Sekunden. Als sie am Aufzug am Ende des Flurs angekommen waren drehte sich Travers noch einmal um. „Bevor ich es vergesse, ihr Wächter wird demnächst hier eintreffen.“

 

Buffy spürte wie ihre Augen größer wurden und sie glaubte ihr Herz setzte einen Schlag aus. „Giles kommt hierher?“

 

„Er hat vor etwa neun Stunden hier angerufen. Sie waren bereits am Flughafen, also dürften sie in ein bis zwei Stunden hier ankommen.“ nickte er und lächelte wieder, bevor er mit der dünnen Frau an seiner Seite in den Aufzug trat.

 

-

 

Eine Stunde später stand Buffy in der Eingangshalle des Ratsgebäudes und beobachtete die blonde kurzhaarige Frau, die in der Mitte eines Kreises saß. Die anderen Magierinnen hatten sich um sie verteilt und hielten sich an den Händen. Gemurmelte, fremdartige Wörter erfüllten die sonstige Stille. Ciara saß im Schneidersitz vor einer ausgebreiteten Landkarte, ihre Finger über dem vergilbten Blatt schwebend. Ungeduldig wippte die Jägerin auf und ab und starrte auf die große hölzerne Uhr an der linken Seite des Raumes. Es war bereits elf Uhr morgens und die Sonne warf ein bizarres Licht in den sonst so dunklen Raum. Die Rabenstatue warf einen großen Schatten über die Holzfließen und die ledernen Lampenschirme vor den Fenstern verzerrten den Sonnenschein in einen braunen Schleier, der Alles im Raum in dieselbe Farbnuance tauchte.

 

Als Ciara schließlich nach einigen weiteren Minuten mit einem tiefen Seufzen aufblickte rührte sich Buffy aus ihrer Starre. Mit schnellen Schritten lief sie auf die dünne Frau zu und kniete sich vor sie. „Wo ist er?“ wollte sie wissen, ihre Stimme ernst und ungeduldig.

 

„Wir haben strikte Anweisungen, die Ergebnisse nur Mr. Travers mitzuteilen.“ lächelte die Magierin ohne ihrem Blick zu begegnen und richtete sich langsam auf. Daraufhin packte Buffy das Armgelenk der Frau mit einem unbarmherzigen Griff und zog sie etwas näher zu sich. „Glaub nicht ich hab Angst vor dir.“

 

„Miss Summers, ich bitte Sie.“ Travers stand plötzlich neben den beiden und blickte auf Buffys Hände. „Ich denke das wird nicht nötig sein.“ Als Buffy die Zauberin mit einem Seufzen losließ lächelte er wieder und wandte sich stattdessen zu Ciara. „Was haben Sie gefunden?“

 

Ciara starrte Buffy noch für einige Sekunden an, bevor sie mit ihrer anderen Hand ihr Armgelenk umfasste und zu Travers aufblickte. „Er scheint jetzt in Irland zu sein.“ sagte sie schließlich und beugte sich nach unten, um die Weltkarte aufzuheben.

 

„Irland?“ flüsterte Buffy und senkte ihren Blick. Sie spürte wie ihre Beine wacklig wurden und sie beugte sich etwas nach vorne, die Hände auf die Knie gestützt. „Wir haben keine Zeit um nach Irland zu fliegen...“ murmelte sie und ließ sich schließlich auf den Boden fallen. Ihre Beine zog sie nah an ihren Körper und ihre Stirn bettete sie auf ihren Knien. Sie hörte entfernt wie Travers Ciara etwas weiter weg zog und bald konnte sie dem Gespräch nicht mehr folgen, doch das spielte keine Rolle mehr. In diesem Moment war das Einzige das wichtig war, dass Spike in einem fremden Land war... und sie ihn unmöglich in einanhalb Tagen finden würden. Er war verloren und mit ihm ihre ganze Welt. Ihre Lider wurden schwerer und schließlich gab sie nach, schloss ihre Augen und gab sich der Stille hin.

 

„Buffy?“ drang wenig später eine Stimme an ihr Ohr und Buffy blinzelte benommen. Eine Hand legte sich auf ihren Kopf und strich durch ihre Haarsträhnen. „Buffy, Xander und ich sind hier.“ sagte die Stimme weiter und schließlich richtete Buffy ihren Kopf auf. Sie starrte in die grünen Augen ihres Wächters und ein kleines Lächeln stahl sich beinahe automatisch auf ihre Lippen. „Giles...“ wisperte sie und zog die Zimmerluft mit einem zittrigen Atemzug in ihre Lungen, bevor sie sich aus ihrer Starre löste und dem Mann vor sich um den Hals fiel. Er streichelte für einige Sekunden über ihre Rücken, bevor er sich von ihr löste und ihr ein mattes Lächeln schenkte. „Ich muss mit Quentin reden, Buffy.“ erklärte er, als er aufstand und in die andere Richtung lief.

 

In diesem Moment setzte sich Xander im Schneidersitz neben sie und legte seinen Arm um ihre Schultern. „Hey Buffs.“ seufzte er und strich sich durch die Haare. Dann griff er nach Buffys linker Hand und strich mit seinem Daumen über ihren Handrücken. „Das wird schon wieder, noch ist nichts zu spät.“ nickte er zuversichtlich und legte seinen Kopf schief, als Buffy leise zu lachen begann.

 

„Xander. Du hast absolut keine Ahnung.“ gluckste Buffy, blickte aber weiterhin auf den Boden. So plötzlich wie sie zu lachen begonnen hatte, so plötzlich stoppte sie auch und eine einsame Träne suchte sich den Weg über Buffys Wange. „Buffy...“ setzte Xander an, doch im nächsten Moment stand Giles vor ihm.

 

„Komm bitte mit.“ sagte der Wächter leise und reichte dem dunkelhaarigen Mann die Hand um ihm aufzuhelfen. Buffy beobachtete mit ausdruckslosem Blick wie die beiden sich zu Travers, Ciara und Mrs. Carthy stellten.

 

 

„Spike wurde ungefähr um Mitternacht vergiftet und wie es aussieht hat der Calvar sich durch eine Art Teleportationszauber nach Irland befördert.“ begann Giles, als Xander ihn mit einem erwartungsvollen Blick anstarrte. „Das Gift von Calvardämonen wird üblicher Weise durch bloße Berührung übertragen und lähmt die Opfer.“ Er unterbrach sich selbst für einen Moment und zog sich die Brille mit einem tiefen Seufzen von der Nase. „Normalerweise nutzen Calvare diese Lähmung aus um ihre Beute sofort zu töten, weshalb...“

 

„Wir werden ohnehin nach Irland fliegen, Mr. Giles.“ unterbrach ihn Travers. „Selbst wenn wir William nicht retten können ist es unsere einzige Chance das Auge von Yala wieder in unseren Besitz zu bringen.“

 

Giles rollte die Augen und drehte sich etwas zu Xander um. „Das Gift entfaltet erst nach achtundvierzig Stunden eine tödliche Wirkung.“ sagte er und atmete lautstark ein. „Das heißt wenn wir das Versteck des Calvars schnell finden, haben wir eine kleine Chance Spike noch zu retten.“

 

Travers lachte leise und blickte zu Mrs. Carthy die ihm ein kleines Lächeln zuwarf. „Soweit ich mich erinnere hat William der Blutige doch immer wieder versucht ihre Jägerin zu töten, Rupert.“ sagte er schließlich und legte seine Stirn in Falten. „Als ich Sie das letzte Mal besucht habe war er alles andere als glücklich über seine Situation und Sie alle...“ Er deutete auf Xander und Buffy. „Haben ihn nur für Informationen bezahlt und ihn ansonsten nicht einmal angesehen.“ erinnerte er sich und zog eine Augenbraue in die Höhe. „William der Blutige ist ein Geschöpf ohne Seele, ohne Gewissen oder Reue. Ohne diesen Chip hätte er nie aufgehört zu versuchen sie alle zu töten.“ Er schnaubte verächtlich. „Vampire sind egoistische, skrupellose Monster, Rupert. Nachdem was Angelus mit ihrer kleinen Freundin angestellt hat sollten Sie das wirklich wissen.“

 

Giles schüttelte seinen Kopf lächelnd und im nächsten Moment packte er den grauhaarigen Wächter am Kragen und schob ihn gegen ein Bücherregal. „Ich bin nicht mehr Teil dieses Rates.“ begann er und starrte emotionslos in die geweiteten Augen des Mannes. „Buffy muss jeden Tag Entscheidungen treffen, die ihr Leben beenden könnten. Sie und ihre Wächter haben keine Ahnung davon was am Höllenschlund vorgeht oder wie schwierig es jeden Tag für sie ist. Wenn Buffy Spike vertraut, dann tue ich das auch. Und deshalb werden wir uns zuerst um diesen Vampir kümmern, bevor wir über ihr Amulett nachdenken, Quentin.“ Mit diesen Worten ließ er den Mann wieder auf den Boden und richtete seinen Kragen mit einem weiteren Lächeln. Dann trat er einige Schritte zurück, bis er wieder neben Xander stand.

 

„Wenn noch die geringste Möglichkeit besteht ihn zu retten, dann denke ich sollten wir keine Zeit verlieren. So wie ich das sehe haben wir noch siebenunddreißig Stunden.“ murmelte Giles während er einen Blick auf seine Armbanduhr warf und die Augenbrauen leicht anhob.


Travers nickte seufzend und wandte sich zu Mrs. Carthy. „Sprechen Sie mit Mr. Beckett damit er das Flugzeug bereit macht.“ Die braunhaarige Frau nickte leicht, drehte sich sofort um und verließ den Raum durch den rechten Durchgang.

 

-

 

Nach dem Einchecken und einer anstrengenden, äußerst langen Diskussion mit den Sicherheitsbeamten über die acht Waffentaschen, saßen schließlich alle Ratsmitglieder, die Magierinnen, Xander, Giles und Buffy im Flugzeug auf dem Weg nach Irland. Buffy rutschte etwas nervös auf ihrem Fensterplatz herum und blickte steif aus der Luke heraus, hinunter auf die immer kleiner werdende Landschaft.

 

Das Drücken in den Ohren war, im Gegensatz zu ihrem letzten Flug kaum zu spüren, aber sie dachte auch nicht wirklich darüber nach... ihr Gedanken lagen wo anders. Giles seufzte neben ihr und griff nach kurzem Zögern schließlich nach ihrer Hand und strich beruhigend darüber. Als sie aufblickte lächelte er milde und zwinkerte ihr aufmunternd zu.

 

„Ich bin so froh, dass Sie hier sind, Giles.“ flüsterte Buffy leise und erwiderte das Lächeln.

 

„Es tut mir alles so leid, Buffy.“ Giles senkte den Blick. „Hätte ich euch nicht hier her geschickt wäre das alles nicht passiert.“

 

Buffy schüttelte ihren Kopf mit einem tiefen Atemzug. „Das ist Schwachsinn. Wir haben Calvar einfach unterschätzt.“ Sie legte ihren Kopf gegen die Sitzlehne und runzelte ihre Stirn. „Wir werden ihn retten.“ flüsterte sie gegen die kalte Fensterscheibe und schloss ihre Augen. Ihre Finger wanderten über das eisige Glas und nach einigen Sekunden blickte sie wieder auf und betrachtete die dichte, weiße Wolkendecke, die ihr jeglichen Blick auf das Land unter ihnen verwehrte.

 

 

 

 

 

Teil 9 – Irland


Der Flug verlief genau nach Plan und nach einer guten Stunde landete das Flugzeug schließlich in Dublin. Nach weiteren dreißig Minuten standen acht, ziemlich ratlos blickende, Personen vor dem Haupteingang und studierten die Landkarte. Buffy hatte während dem Flug erfahren, dass sich der Calvar höchstwahrscheinlich in der Kleinstadt Kilkenny aufhielt. Genauer gesagt in den ‚Dunmore Caves’, einer Höhle circa elf Kilometer von der Stadt entfernt. Nach langem Durchblättern der Bücher hatten die sechs Magierinnen um Ciara herausgefunden wie man das Gegengift zubereiten musste.

 

Die meisten Utensilien hatten sie sowieso dabei, es fehlten lediglich einige Kräuter, die man in jedem Laden kaufen konnte und eine bestimme Sorte Sand, die nach dem Wissensstand der Hexen glücklicherweise in der Nähe der Höhle zu finden war.

 

Durch Travers Verbindungen zum irischen Rat hielt wenige Minuten nach der Lagebesprechung ein ziemlich hohes, breites Auto vor dem Flughafen und ein Mann, der nun so gar keine Ähnlichkeit mit den anderen Wächtern hatte, winkte Travers und die Anderen fröhlich zu sich.

 

Während der Autofahrt saß Buffy mit der Ausrede, dass sie während einer Autofahrt unmöglich lesen könnte ohne schreckliche Kopfschmerzen zu bekommen, auf dem Beifahrersitz und unterhielt sich angeregt mit Aidan O'Connor, der sich wie Buffy grinsend feststellte wohl ebenfalls nicht sonderlich mit Travers verstand. Der Mann war ihr, mit seinem roten Bart, den breiten Schultern und dem blau-weiß kariertem Hemd von Anfang an sympathisch gewesen und so verging die Fahrt mit dem ein oder anderem außergewöhnlich sorglosem Lachen, für das Buffy ihm wirklich dankbar war.

 

„Ihr wollt also nach Kilkenny?“ fragte Aidan nach einigen Minuten mit einem kurzen Blick in den Rückspiegel.

 

„So ist es, Mr. O'Connor.“ antworte Travers, der ungeduldig aus dem Fenster starrte. „Wir würden wirklich höchst erfreut sein, wenn sie uns in einer angemessenen Geschwindigkeit in die Stadt transportieren.“

 

„Jaja, schon verstanden. Ich werd rausholen was aus dieser Schrottkiste rauszuholen ist.“ antwortete der Ire mit einem genervten Kopfschütteln in Richtung ‚englischer Aristokratie’. So begab sich Aidan O'Connor, Vater von einer rotzfrechen, rothaarigen Göre und Vorstand des Rates in Irland, auf neue Gefilde, indem er mit stolzen und äußerst gewagten 60km/h auf der Bundestrasse Richtung Kilkenny sauste.

 

 

Fünf Minuten ertrug Buffy den Fahrstil, der zusätzlich von einem flötenartigen Gedudel, welches sie ganz stolz als die hiesige Volksmusik identifizierte, begleitet wurde, doch dann zwang sie den Iren, den sie mit seiner gemütlichen Art eigentlich wirklich sehr mochte, sofort an den Straßenrand zu fahren. Kurze Zeit später saß Aidan schmollend auf dem Beifahrersitz und beobachtete missmutig den Zeiger der Geschwindigkeitsanzeige, der deutlich über der irischen Geschwindigkeitsbegrenzung auf außerörtlichen Landstraßen lag.

 

Buffy hingegen fand mit der Zeit gefallen an diesem Land, denn weit und breit fuhr kein Auto und sie konnte so schnell es ihr und diesem klapprigen Auto möglich war nach Kilkenny fahren. Travers allerdings war, ebenso wie sein englischer Anhang, von dem typisch amerikanischem Fahrstil der Jägerin alles andere als begeistert und hielt sich mit zitternden Händen an dem Sitz seines Vordermanns fest. Giles und Xander waren sich bei den Schlangenlinien, die Buffy gelegentlich fuhr, auch nicht mehr so sicher ob sie über den derzeitigen sorglosen Gemütszustand der Jägerin lachen oder weinen sollten. So bretterte die Rettungsmannschaft über die kleine Landstraße immer Richtung Kilkenny.

 

Ungefähr einanhalb Stunden später legte Buffy eine filmreife Vollbremsung hin und schlidderte, mit dem hohen, schrillen Aufschrei des englischen Vorsitzenden in den Ohren, in die glücklicherweise freie Parklücke vor Eason's Herb & Tobacco, das zur Erleichterung von Buffy direkt gegenüber von der The Old Mould Company Tankstelle lag.

 

„Finden sie hier die Kräuter?“ fragte Buffy indem sie sich kurz zu den hinteren Reihen umdrehte und den, doch etwas blass aussehenden Leuten, einen erwartungsvollen Blick zuwarf.

 

„Si...sicher tun Sie das.“ antwortete Travers und schaute zu der kurzhaarigen Frau neben sich, die nach kurzem betrachten des Kräuterladens heftig zu nicken begann.

„Gut, ich werd mal schauen ob es hier eine Toilette gibt und dann zu ihnen kommen.“ entschied Buffy schulterzuckend und machte die Fahrertür auf. Bevor sie jedoch ausstieg drehte sie sich noch mal kurz zu dem, bedenklich ruhigen Iren um, der immer noch fassungslos aus der Scheibe glotzte.

 

„Hey, Aidan, wir sind da.“ lächelte Buffy und stupste den rothaarigen Mann leicht an die Seite.

 

„Mädchen, eins, eins sag ich dir... das machst du nicht noch mal mit mir.“ keuchte Aidan, der nach Buffys Vermutung, wahrscheinlich vergessen hatte zu atmen.

 

„Entschuldigung. Ich hatte es etwas eilig.“ lächelte Buffy unschuldig und begutachtete stolz die einwandfreie Parkposition des Wagens.

 

Aidan beugte sich nach vorne und öffnete das Handschuhfach. Buffy hatte den leisen Verdacht, dass er ihr die ausführliche Fassung der Straßenverkehrsordnung in die Hand drücken könnte und auf Paragraph drei, Absatz eins verweisen würde, doch kramte er lediglich nach einer ziemlich ramponierten Zigarettenschachtel. Buffy sah noch einen Moment auf den Mann, der sich kopfschüttelnd seine Beruhigungszigarette anzündete und erinnerte sich an einen Mann der ihretwegen schon so oft dasselbe tun musste. Sie verbannte den Gedanken jedoch schnell, drehte sich um und lief zur Tankstelle.

 

Nachdem sich die Jägerin noch mit einer Flasche Wasser ausgestattet hatte lief sie auf den kleinen Parkplatz zu, wo sie nur die Hexen, Xander und einen der Wächter erblickte. Also ging sie schließlich ebenfalls in die Richtung des Ladens, der nach dem eigentlich kurz geplanten Aufenthalt recht interessant sein musste. Und tatsächlich schien gerade eine heftige Diskussion zwischen dem Ladenbesitzer, Adain und der Riege der englischen Wächter, die aus Travers und Giles bestand, im Gange zu sein. Buffy lauschte grinsend der Argumentation ihres Wächters, der darauf plädierte, dass eine Santa Damiana im Zusammenhang mit einem milden Cognac der Himmel auf Erden sei. Aidan dagegen schwor auf die Indian Zigarren aus Costa Rica, die, wie er auf ganz englische Art und Weise sagte, in Verbindung mit einem Blended Whiskey einfach ganz vorzüglich schmeckten.

 

Buffy brachte die Herren schließlich nur schwer dazu ihre Besprechung über die moderne ‚Tabakverbreitung’ auf ein weiteres zu verschieben. Als es bereits dämmerte fuhr das irische Auto nach einer heftigen Diskussion über Haftpflichtversicherungen mit Buffy am Steuer Richtung Dunmore Caves.

 

 

Einige Minuten später hielt Buffy, diesmal mit einer - selbst für sechsundvierzig jährige Iren - nervengerechten Geschwindigkeit einige Meter vor den Dunmore Caves. Die Magierinnen hatten während der Fahrt bereits das Gegengift, das letztendlich nur noch ein braun-schwarzes Gebräu in einer winzigen Flasche war zusammengemischt und rührten nach der Ankunft noch die letzten Kräuter vorsichtig hinzu.

 

Buffy bewaffnete sich schließlich mit ihrer großen Streitaxt und einer Balliste auf dem Rücken, bevor sie langsam auf den Eingang der Höhle zuging. Travers, die Wächter und Aidan blieben beim Auto zurück, während sich die Hexen vor der Höhle bereits auf einen Bannzauber gegen den Calvar vorbereiteten.

 

Gleich zu Anfang ging es einige sehr steile Stufen herunter. Warnhinweise schmückten die feuchten Felswände und trennten den Touristenbereich von der üblichen Höhle. Als die drei von der schmalen Wendeltreppe in den ersten großen Raum kamen führten zwei Gänge in das Innere der Höhle. Der linke war weitgehend ausgebaut und Stromkabel hingen an den Seiten. Alle paar Meter war eine Glühbirne an der Decke angebracht und leuchtete den Weg. Der rechte Gang dagegen war kaum einen Meter breit und die Decke hing tiefer in den Schacht als üblich. „Ich schätze nicht, dass er sich im Besucherzentrum eingerichtet hat.“ schnaufte Buffy und drehte sich nach einigen Sekunden schließlich zu dem provisorischem Weg in dem rechten Bereich der Höhle.

Nach einigen Metern konnte man kaum noch die eigene Hand vor den Augen erkennen und Buffy vergewisserte sich immer wieder durch leises Flüstern, dass ihre Freunde noch hinter ihr waren. Nachdem sie einige lange Minuten durch den tiefen Schacht gekrochen waren kamen sie schließlich in einem hohen Raum an. Lange, spitze Stalaktiten hingen von der hohen Felsdecke in die Höhle hinein und durch ein Loch in der Wand trat ein seichtes Licht herein. Es war bedenklich still und man hörte nur das leise Plätschern des Wassers, das von den Tropfsteinen auf das Becken in der Mitte des Raumes fiel.

 

Nach diesem Raum führte erneut ein Stollen tiefer in die Höhle hinein und Buffy seufzte tief bei dem Gedanken, dass sie hier womöglich nicht einmal mehr herausfinden würden... geschweige denn ob sie jemals finden würden, weswegen sie hier waren. Unruhig blickte sie auf ihre Uhr und zuckte etwas zusammen als sie sah, dass es bereits zweiundzwanzig Uhr war.

 

„So finden wir ihn nie.“ schien Xander ihre Gedanken zu lesen und blieb für einen Moment stehen. Er strich sich mit einer Hand einige Haarsträhnen aus dem Gesicht, als Buffy sich zu den beiden Männern herumdrehte und mit den Schultern zuckte.

„Irgendwann muss die Höhle zu Ende sein.“ seufzte Giles und kniff die Augen etwas zusammen. „In den Broschüren stand, dass sie vom Eingang aus nur etwa sieben Kilometer in diese Richtung geht.“ stellte er fest und streckte seinen Rücken etwas durch, als die Höhe der Decke es zuließ.

 

Dann kehrte wieder Stille ein und das einzige Geräusch das an ihre Ohren trat, waren ihre eigenen Schritte und das leise Plätschern von Wasser. Der Stollen verlief beinahe gerade in eine Richtung, nur wenige Kurven und Kreuzungen lagen auf dem Weg.

„Ich glaube nicht, dass er hier ist.“ schnaufte Buffy nach einigen weiteren Minuten. „Das ist alles viel zu öffentlich.“

Giles schnaubte tief, als die Decke etwas in den Gang hinein hing und er sich tiefer bücken musste. „Diese Magierin von Travers...“

„Ciara.“ fügte Buffy mit einem Nicken hinzu.

„Richtig. Sie war sich sehr sicher, dass der Calvar genau hier hin geflohen ist.“

 

Daraufhin lachte Buffy leise und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand. Sie drehte sich zu den anderen herum und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was ist wenn sie uns loswerden wollten?“ fragte sie und hob ihre Augenbrauen. „Travers ist nur an diesem Amulett interessiert, oder?“

Für einen Moment sagte niemand etwas, bis Giles sich räusperte und den Kopf schüttelte. „Buffy, selbst wenn Quentin kein Interesse daran hat Spike zu retten, würde er uns nicht irreführen.“

 

Buffy nickte leicht und biss sich auf die Unterlippe. „Wäre besser für ihn.“ Sie atmete tief ein und sah ein weiteres Mal auf die Uhr. Eine weitere Stunde war vergangen und sie spürte wie Tränen sich auf ihre Wimpern legten. „Er hat nicht mehr viel Zeit.“ wimmerte sie und strich sich mit beiden Händen über die Stirn. „Ich werde etwas schneller gehen, wir finden uns schon wieder.“ sagte sie im nächsten Moment und drehte sich um. Dann rannte sie. Im Hintergrund hörte sie wie Giles ihren Namen rief, doch es kümmerte sie nicht mehr. Sechzig Minuten war alles was ihm noch bleiben würde. Sechzig Minuten, die sie davon trennten alles zu verlieren was sie hatte.

 

Irgendwann, sie wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, begann sie seinen Namen zu schreien. Ihre Stimme klang brüchig, tränenerstickt... und viel zu schrill. Der Gang wurde mit der Zeit etwas breiter und sie konnte so schnell rennen, wie ihre Beine es ihr erlaubten.

„Spike!“ Das Echo hallte durch die Gänge und Buffy bildete sich ein zu hören wie es sich in einem Raum ganz in der Nähe verbreitete. Hoffnungen keimten in ihr auf und sie krallte ihre Finger fester um den Griff der Axt. Ihre Schritte beschleunigten sich und als sie bereits das warme Licht einige Meter vor sich sehen konnte stolperte sie plötzlich durch einen kleinen Durchgang an der linken Seite der Wand.

 

Der Stollen ging steil abwärts und Buffy hatte Mühe und Not sich einigermaßen Halt zu verschaffen. An der linken Wand ragten spitze Felsen heraus und der Rest des Ganges war ebenfalls nur notdürftig geglättet. Tiefe Risse bildeten sich in ihren Kleidern. Ihre Jeans wurde quer an ihrer Wade abgetrennt und die Spitze des großen Felsens bohrte sich in ihren Unterschenkel.

 

Nach einigen Sekunden wurden die kleinen Felsen weniger und die erdigen Wände des Ganges wurden stattdessen immer feuchter und schlammiger. Ihre Bluse und Arme färbten sich schnell braun, als sie versuchte sich etwas abzufangen um den Aufprall zu lindern. Sie bohrte ihre Füße in die Wände, doch die Erde gab nach und so fiel sie einfach weiter. Nach einigen wenigen Minuten starrte Buffy atemlos auf das sanfte Licht, das unaufhaltsam und immer schneller auf sie zukam.

 

In der nächsten Sekunde fiel sie einige Meter und knallte danach hart auf den Boden. Sie versuchte sich zu orientieren, doch das grelle Licht nahm ihr jegliche Sicht. Verzweifelt kniff sie die Augen zusammen um etwas zu erkennen. Irgendetwas. Auch die Versuche aufzustehen scheiterten, da sie auf der schlammigen Masse unter ihren Füßen jedes Mal ausrutsche.

 

Irgendwann erkannte Buffy die groben Umrisse eines einer Trage vor sich. Die weißen Kacheln unter ihren Händen waren mit dunkelroten Flecken übersäht und als sie ihre Augen ein weiteres mal zusammenkniff, verstand sie wo sie gelandet war.

 

 

 

 

 

Teil 10 – In letzter Sekunde

 

Rot. Der ganze Raum war rot. Sie blickte sich mit zugekniffenen Augen um und erschauderte als sie sich die Wand gegenüber von sich ansah. Blutrote Spritzer zierten die weißen Kacheln. Mit schockgeweiteten Augen überflog sie das kleine Zimmer und stoppte schließlich bei der schmalen Trage in der Mitte. Sie starrte auf den leblosen Körper vor sich. Da lag er. Zumindest glaubte sie, dass er es war. Sie hatte ihn gefunden.

 

Doch sie konnte nicht klar denken, bei dem Anblick der sich ihr bot. Der Raum glich einem dieser kleinen Operationssäle in Krankenhäusern - abgesehen davon, dass der Boden und die Wände in Blut getaucht waren. Ein schlaffer, zerschnittener Arm hing von der Trage herunter und Buffy wurde das Gefühl nicht los, dass es besser war nur seinen Arm zu sehen.

 

Nach einigen Minuten seufzte sie tief und versuchte sich aus dem Schlammbad, das sich unter ihren Knien angesammelt hatte, herauszurollen und als sie es endlich schaffte, stützte sie sich kraftlos an der Wand ab um aufstehen zu können. Kurz strich sie über ihr nacktes Bein und umfuhr die klaffende Wunde, die sich mit Dreck angefüllt hatte. Sie verzog ihr Gesicht schmerzerfüllt, als sie sich aufraffte und versuchte etwas Gewicht auf das Bein zu verlagern.

 

Er lag nur einige Meter vor ihr. Eigentlich erkannte sie ihn nicht einmal, aber sie wusste dass nur er es sein konnte. Auch sein ganzer Körper war rot. Nichts war mehr von der alabasterfarbenen Haut übrig, die sie so sehr geliebt hatte. Sein Oberkörper war mit unzähligen Schnittwunden und Verbrennungen übersät.

 

„Ich bin schuld, dass du so viel leiden musstest.“ schluchzte sie während sie panisch den Blick von dem Vampir abwandte. In diesem Moment wusste sie, dass sie nie wieder in seine stahlblauen Augen blicken konnte, ohne an diese Gewissheit denken zu müssen.

 

Dann blinzelte sie und erinnerte sich wieso sie hier war. Sie ging langsam, Schritt für Schritt, auf den leblosen Körper zu und griff dabei in ihre Hosentasche. Zitternd zog sie die kleine Flasche heraus und holte den Korken aus der Schmalen Öffnung.

 

Sie würgte leicht, als sie sein Gesicht begutachtete und ihre Finger begannen zu zittern. Vorsichtig legte sie sie auf seine Lippen und öffneten seinen Mund vorsichtig. Dann setzte sie die Flasche auf der aufgeplatzten Haut seiner Lippen an und kippte sie ruckartig nach oben, so dass der Inhalt schnell in seinen Mund floss. Nachdem auch der letzte Tropfen des Gegengifts aus der Flasche verschwunden war, blickte Buffy vorsichtig auf die Uhr und keuchte erschrocken als sie feststellte, dass es bereits nach Mitternacht war. Wimmernd schloss sie ihre Augen und senkte ihren Kopf.

 

Plötzlich packte sie jemand an der Hand und im nächsten Moment befand sie sich am anderen Ende des Raumes. Schnell riss sie ihren Kopf herum und starrte in rot funkelnde Augen, die sie hasserfüllt anstarrten. „Die Jägerin. Ich dachte schon du kommst gar nicht mehr.“ flüsterte er ruhig und sein Blick durchbohrte Buffy förmlich. „Nur leider ein wenig zu spät um das große Finale mitzuerleben.“

 

Sie schluckte laut und zog die abgestandene Zimmerluft zitternd in ihre Lungen. Er konnte nicht tot sein, er konnte einfach nicht...

 

„Kleines, dummes Mädchen.“ unterbrach der Dämon ihren Gedankengang und ging langsamen Schrittes auf die blonde Frau zu, die in der Ecke kauerte. „Du bist so naiv.“ Buffy lauschte unbehaglich und fast glaubte sie so etwas wie Mitleid in seiner dürren Stimme zu erkennen. Furcht kroch wie eine Spinne ihr Rückrat hinauf und sie presste sich immer mehr gegen die kühle Mauer, während sich der Dämon stetig auf sie zu bewegte. „Aber das hat sich ja jetzt alles erledigt. Ich habe dich von deinem Leid befreit, weißt du?“ Buffy schluckte hart und wollte antworten, Worte finden, die etwas veränderten, doch ihre Stimme versagte.

 

„Schlimme Sauerei, ich weiß.“ Er ließ seine dürre Hand mit einer abfälligen Bewegung durch den Raum schweifen während er weiter sprach. „Ich weiß, dass du das nicht verstehen kannst, aber glaub mir... er hatte es verdient.“ Ein spöttisches Grinsen stahl sich auf die schwarzen Lippen des Monsters, während er sich betont langsam zu der Jägerin hinunter kniete.

 

„Niemand hat so etwas verdient.“ keuchte sie und starrte ihn aus glasigen Augen an. Mit einem dumpfen Schlag knallte Buffys Kopf an die Wand und für einen Moment verschwamm die Welt um sie.

 

„Du dummes Kind!“ schrie der Calvar, fasste sich aber schnell resignierend an die Stirn. „Eine Jägerin sollte es besser wissen. Du solltest wissen, dass sich Dämonen nicht ändern. Du bist dazu verpflichtet jedes gottverdammte Leben zu rächen, das er ausgelöscht hat.“

 

Buffy drückte ihren Rücken an die Wand und blickte ruhig auf. „Ich weiß nicht was Spike dir angetan hat, aber er hat sich verändert.“ sagte sie und zog ihre Beine näher zu ihrem Körper, als der Calvar sich zu ihr herunterkniete. Ihre dreckverschmierten Finger legten sich um den Stoff des schwarzen Gewands und sie sah mit großen Augen auf. „Er hatte das nicht verdient.“ flüsterte sie und konnte die Tränen nicht mehr zurück halten, als sie erkannte, dass es wirklich zu spät war.

 

„Ich habe nichts gegen dich oder Menschen im generellen Sinne. Wir sind Calvare sind wir eher darauf bedacht friedlich zu leben, eine Familie zu gründen und das alles, weißt du? Unser Verhalten gleicht dem der Menschen.“ sagte er leise und blickte sie mit einem schmalen Lächeln traurig an. Dann seufzte er und stand auf, blickte sich im Raum um und strich sich unter der Kapuze über die Stirn. „Natürlich verspüren wir auch ein gewisses Maß an Gewalttätigkeit...“ Er lächelte zufrieden, als er den Vampir begutachtete.

Dann sah er wieder zu ihr und schwieg für einige Minuten. Er lehnte sich gegen die Trage, die bei seinem Gewicht leicht nachgab und etwas zurückrollte. „Du ähnelst ihr ein wenig.“ Er machte eine kurze Pause, bedachte seine nächste Worte sorgfältig. Als er weiter sprach verlor sich seine Stimme in Erinnerungen und Buffy glaubte beinahe einen Funken Menschlichkeit in ihm zu erkennen. „Meine Frau. Sie hatte auch solche grünen funkelnden Augen und wunderschöne braun schimmernde Locken.“ Er blieb stehen, schaute sie jedoch nicht an. „Sie war ein außergewöhnlicher Mensch. Es war ihr egal wie ich aussah. Egal was ich war.“

 

Buffy beobachtete wie das Leuchten der roten Augen matter wurde, als er weiter sprach und sie legte ihren Kopf etwas schief. „Ich habe sie geliebt. Ihr Name war Cathrin. Sie war der reinste und gutherzigste Mensch den ich je kennen gelernt habe. Sie war so wunderschön...“

 

Plötzlich wurde die kalte Stimme von Hass durchtränkt und unüberhörbarer Spott stahl sich in seine Worte als er fortfuhr. „Es war im Dezember als wir ihnen begegneten. Wir freundeten uns schnell mit den Beiden an. Ich war so schrecklich naiv, sah die Blicke nicht die sie sich zuwarfen. Ich denke beide waren gleichermaßen fasziniert von Cathrin, jeder auf seine Art und Weise.“ Er senkte seinen Kopf und legte eine Hand auf seine Wange. „Drusilla.“ Er spuckte den Namen beinahe aus und ein leises Lachen erfüllte die Stille. „Sie war völlig vernarrt in Cathrin. Wie in eine Puppe... kaufte ihr ständig neue Kleider und wickelte sie mit ihrem Charme ein.“ Er stoppte und sah schließlich wieder auf, begegnete ihrem Blick unverblümt. „Spike dagegen war noch so jung... Er verstand nicht wieso so eine Frau wie Cathrin mit mir glücklich sein konnte. Ich denke zu dieser Zeit wollte er sich austesten. Er wollte versuchen ob Angelus Art und Weise zu töten nicht vielleicht auch das Richtige für ihn sein könnte.“ Er stoppte wieder und atmete tief aus, wandte seinen Blick erneut von ihr ab. „Sie hatte soviel Lebensfreude in sich. So viele Pläne und unerfüllte Träume. Ich hätte besser aufpassen sollen, hätte dahinter kommen müssen, hätte bei ihr sein müssen.“

 

Buffy beobachtete den Dämon vor sich genau. Er schien sich komplett in einem früheren Leben verloren zu haben, machte keine Anstalten mehr sich zu bewegen... blickte nur auf den leblosen Körper, der immer noch geschunden auf der Trage lag. Sie umgriff zitternd den Griff der Axt, die immer noch lose in ihrer Hand lag. Sie könnte kurzen Prozess mit ihm machen, doch irgendetwas hielt sie davon ab. Es war kein Mitleid... eher eine Art Verständnis, die sie selbst überraschte.

 

 

So erzählte der Calvar weiter seine Geschichte. Seine Stimme verlor sich in dem Raum und Buffy wagte nicht zu atmen. „Ich fand sie in einem verbrannten Haus. Komplett nackt und blutüberlaufen. Ihr Körper war überall mit Narben und Bisswunden versehen. Ich will nicht daran denken, was sie ihr alles angetan haben.“ Er stoppte, ballte seine Fäuste, doch genauso schnell wie seine Wut gestiegen war, versiebte sie auch wieder. „Aber das hat sich ja nun erledigt.“ Er schüttelte schnell seinen Kopf und sah die Jägerin an, die nur wenige Meter vor ihm stand - die Axt in beiden Händen.

 

„Er hatte sich erstaunlich lange gewehrt.“ Er blickte für einen kurzen Moment zu Spike herab und ein schadenfrohes Grinsen umspielte seine Lippen, als er voller Genugtuung fortfuhr. „Kurz vor seinem endgültigen Tod habe ich ihm gesagt, ich hätte dich umgebracht.“ Er schwieg, genoss den hasserfüllten Blick der Frau vor sich. „Das war vielleicht ein großartiger Anblick, wirklich. Von einer Sekunde auf die andere wich jegliche Hoffnung aus seinen Augen. Wo immer er auch ist, nun kann ich mir sicher sein - Er wird so wie ich ewig Höllenqualen durchleiden, weil er die nicht retten konnte, die er mehr liebte als alles andere. Und was dich angeht, du kannst ihm-“ Mitten im Satz brach der Dämon ab. Buffy vermutete zunächst, dass er seine Worte genau überdenken wollte, doch nachdem er einige weitere Sekunden ohne jegliche Bewegung dastand, näherte sie sich ihm vorsichtig. Sie strecke zitternd ihre Hand nach dem Gewand aus, doch nichts passierte. Er war wie erstarrt.

 

Buffy stand eine Weile regungslos und mit angehaltenem Atem da. Irgendwann begann sie wie von selbst zu schluchzen und brach an der Wand des Raumes unter bitteren Tränen zusammen. Ihre grün schimmernden Augen waren immer auf den gepeinigten Körper ihres Liebhabers gerichtet. Es vergingen einige lange Minuten bis sie sich wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte. Mit zitterndem und doch festen Griff um die Axt stand sie zögerlich auf. Langsam, mit hasserfüllten Augen trat sie auf den Calvar zu, der immer noch unverändert dastand. Ohne jedes weitere Wort holte sie aus. Worte konnten nicht einmal annähernd ausdrücken, was sie in diesem Moment empfand.

 

 

Blut spritzte. Buffy starrte mit einer erdrückenden Gleichgültigkeit auf den abgetrennten Kopf, der vor ihren Füßen lag. Sofort verschwand der Leichnam des Dämons im Boden und zurück blieb nur das blau schimmernde Amulett. Buffy hob es vorsichtig auf und vergrub es in den Tiefen ihrer Jackentasche. Nach einigen Minuten erinnerte sie sich an Ciara und die Magierinnen vor der Höhle, die einen Bannzauber aussprechen wollten und sie nickte kaum sehbar. Es war vorüber.

 

Verloren schweifte ihr Blick durch den blutverschmierten, hellen Raum. Sie sah verwirrt auf die unscheinbare Tür, die ihr bis jetzt noch nicht einmal aufgefallen war. Doch konnte sie nichts was auf einen Griff hindeutete, erkennen. Sie biss sich auf die Unterlippe um ruhig zu sein und kämpfte wieder schwer mit den Tränen, die einfach nicht aufhören wollten ihre Wange herunter zu laufen.

 

Langsam ließ sie sich neben dem kalten, gebrochenen Körper des Vampirs nieder und strich ihm vorsichtig eine blutverschmierte, blonde Locke aus der Stirn. Sie hauchte ihm einen vorsichtigen Kuss auf die aufgeplatzten Lippen, immer darauf bedacht ihn nicht zu verletzen. Ohne die Augen von seinem Gesicht abzuwenden, verhakte sie ihre zitternden Finger mit seinen. Die angenehme Kühle, die nur er bei ihr auslösen konnte, durchfuhr ihren Körper und wieder begannen die Tränen ungehemmt über ihre Wange zu laufen. „Hey.“ flüsterte sie nach einiger Zeit des Stillschweigens schließlich. „Es tut mir alles so leid, dass ich nicht früher da gewesen bin. Dass ich, einfach... tatenlos zugesehen hab. Es tut mir so leid, Spike.“ Sie sprach mit abgebrochener, dürrer Stimme, aus der jegliche Hoffnung gewichen war. „Ich liebe dich, hörst du? Du hast mir doch versprochen dass dir nichts passiert. Es ist nicht fair von dir mich einfach ganz alleine zu lassen.“ Die Tränen fielen auf seinen Körper, vermischten das Blut und ließ es über seine Haut wandern. Vorsichtig legte sie ihren Kopf neben seinen auf die Trage, schloss die Augen und gestattete es sich letztendlich einzuschlafen.